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Kindsein

„Kind sein“ ist keine Ausstellung für Kinder. Sie ist keine Ausstellung für Erwachsene. Sie ist eine Ausstellung für alle. Eine Einladung, sich ganz neu auf die großen Themen Kindsein und Kindheit einzulassen.
nach einem Interview mit Kurator Dominik Heher
Sujet der Ausstellung mit dem Titel-Schriftzug „Kind Sein“ in großen schwarzen Buchstaben, weiße Jungen-Silhouette zeigt den Besuchern eine rote Zunge
Alle großen Leute waren einmal Kinder, aber nur wenige erinnern sich daran.
Antoine de Saint-Exupéry aus „Der kleine Prinz“

„Kind Sein“ ist keine Ausstellung für Kinder. Sie ist keine Ausstellung für Erwachsene. Sie ist eine Ausstellung für alle. Eine Einladung, sich ganz neu auf die großen Themen Kindsein und Kindheit einzulassen. Denn egal, ob Sie Kinder haben, ob Sie Patentante oder -Onkel sind: In jedem Fall waren Sie selbst einmal Kind. 

Kind sein. Ein großes Thema, das jeden Menschen seit der Steinzeit betrifft. Eine Ausstellung zu diesem besonderen Thema zu konzipieren, ist eine Herausforderung. Jahrelange Planung und aufwendige Recherchen liegen hinter uns, dem Ausstellungsteam. Wenn sich die Türen der Schallaburg dann am 13. Mai für die Ausstellung „Kind Sein“ öffnen, entdecken Sie in 15 Räumen verschiedene Aspekte rund um Kind sein und Kindheit. 

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Die große Frage des Warum

Wie entstand die Idee zu dieser Ausstellung? Wenn man Mutter oder Vater wird, kommt die eigene Kindheit gewissermaßen zurück. Aber auch als Onkel oder Patentante ohne eigene Kinder kann das passieren. Dieser sehr persönliche Zugang weckte den Wunsch, das Thema aufzugreifen und präsenter zu machen. Im Zuge erster Recherchen wurde zudem deutlich: Es gab bislang wenige Ausstellungen, die sich mit den Themen Kind und Kindheit auf psychologischer und soziologischer Ebene auseinandersetzten. „Kind sein“ sollte eine Ausstellung werden, die Erinnerungen aufleben lässt und gleichzeitig dem Kindsein eine wertfreie Bühne bietet. Eine Ausstellung, die neue Fenster aufmacht in die Geschichte, in andere Kulturen und Lebensweisen. Die andererseits auch den heutigen Umgang mit Kindern kritisch beleuchtet. Sie möchte die Augen öffnen für eine wichtige Gesellschaftsschicht, die oft übergangen wird. 

Die Schallaburg als Ort des Erforschens

Die Idee war geboren – und gleichzeitig der Wunsch, die Ausstellung auf der Schallaburg zu zeigen. Warum? Das Ausstellungszentrum Schallaburg in Niederösterreich steht nicht nur für reine Wissensvermittlung. Als generationenübergreifendes Gesamtkunstwerk ist sie ein Ort des Diskutierens und Erforschens. Auch die Ausstellung „Kind sein“ will nicht belehren, sondern zum Staunen, Nachdenken und Diskutieren anregen. Es werden Denkanstöße geboten, sich mit dem Thema Kindsein neu auseinanderzusetzen. Schlaglichtern gleich beleuchten wir die verschiedenen Aspekte des Kindseins und die unterschiedlichen Perspektiven dieses großen Themas Kindheit. Wir streifen dabei verschiedene Genres und Epochen und überschreiten kulturelle Grenzen. Wir blicken in der Geschichte zurück, bis in die Antike. Gleichzeitig wagen wir einen Blick in die Zukunft. Wie beeinflusst die virtuelle Welt das Kindsein, die Kindheit an sich? 

Eine wertfreie Bühne

Dabei ist „Kind Sein“ mehr als nur eine Aneinanderreihung von Gegenständen. Sie ermutigt vielmehr, etablierte Denk- und Handlungsmuster kritisch zu hinterfragen. Und vor allem: Sie bietet Kindern eine wertfreie Bühne. Auf dieser Bühne findet das unbekannte Kind der Römerzeit genauso Platz wie die junge Elisabeth, die einmal als Kaiserin Sisi bekannt werden wird. Diese Bühne ist voll mit nostalgischen Erinnerungen, modernen Errungenschaften und Kuriositäten. Aber auch mit Statistiken, die berühren. Es ist eine lockere Herangehensweise an ein großes Thema, bewusst nicht streng nach Lehrbuch. Die Ausstellung regt dazu an, miteinander reden – über die eigenen Erinnerungen und das Leben im Heute. 

Die Wertschätzung einer besonderen Phase

Jedes Kind sollte stolz darauf sein, einfach Kind zu sein.
Dominik Heher, Kurator der Ausstellung

Die Ausstellung geht der Frage nach, was es heißen kann, Kind zu sein. Damals. Heute. Morgen. In Österreich und in anderen Teilen Mitteleuropas. 15 Räume laden zu einer spannenden Reise mit vielen Aha-Erlebnissen ein. Die Architektur der Räume ist so unterschiedlich und abwechslungsreich wie die Ausstellung selbst. So reicht die Auswahl und Präsentation der Exponate von einem Fallhut aus dem 18. Jahrhundert bis zum Smartphone für Kinder. Eine Frage taucht in den verschiedenen Räumen jedoch immer wieder auf: Was bedeutet Kindsein eigentlich? Und was bedeutet Kindsein für Sie? 

Zwölf Themen, viele Anknüpfungspunkte

In insgesamt zwölf Themen nähern wir uns dieser Frage an. Aus unterschiedlichen Richtungen, mit unterschiedlichen Blickwinkeln. Wir spannen den Bogen von Kindern, die in der Vergangenheit auch als Wirtschaftspartner in der Familie galten, bis hin zu Kindern von heute, die in einer virtuellen Parallelwelt zu leben scheinen. In einem Raum wird etwa das Thema Privatsphäre von Kindern beleuchtet. Er zeigt Kinderzimmer und Spielplatz als Schutzräume für Kinder, wo sie gleichzeitig kontrolliert und limitiert werden. An anderer Stelle werden die Themen Fantasie und Kreativität in den Mittelpunkt gestellt. Und Sie werden eingeladen, Dinge anders zu sehen, als sie vielleicht sind.

Kleider machen Kinder

Wie Erwachsene Kinder im 17. Jahrhundert sahen, wird beim Anblick eines Exponates besonders deutlich. Es steht stellvertretend für eine ganze Epoche: „Erzherzog Karl Joseph mit Eichhörnchen“. Das Bild zeigt den zweiten Sohn von Maria Theresia als Fünfjährigen in der neuesten Pariser Mode. Der Diskurs der Zeit und der gesellschaftlichen Schicht verlangte, dass Kinder von klein auf Haltung annehmen, die neueste Mode tragen und repräsentieren. In dieser Zeit waren Kinder Symbol und Vertreter des eigenen Standes. Dass Kinder auch einfach nur Kinder sein sollen, das Kindsein wertvoll ist – dieser Gedanke entsteht erst im 18. Jahrhundert.

Dominik Heher
© Rupert Pessl

Öfter die Perspektive wechseln

Damals wie heute gilt: Kinder sehen die Welt mit anderen Augen. Und zwar wortwörtlich! Die Entwicklung ihrer Sinne ist in vielen Bereichen erst mit zwölf bis 14 Jahren abgeschlossen. In einem Teil der Ausstellung skalieren wir den Raum. Das heißt: Wer diesen Raum betritt, fühlt sich geschrumpft. Und sieht den Raum sogleich aus einer anderen Perspektive. Das wirft die Frage auf: Heißt Kind sein nicht nur, die Welt mit anderen Augen zu sehen – sondern auch, mit anderen Augen betrachtet zu werden? 

Spannende Fragen, offene Antworten

Generell werden innerhalb der Ausstellung viele Fragen gestellt. Wie gestalteten sich Kindheit und Kindsein in unterschiedlichen Epochen und Gesellschaftsschichten? Seit wann existiert eine Art Parallelwelt für Kinder? Wie nehmen Erwachsene die Kindheit war? Wie leben Kinder von heute in Österreich? Und wie lebten sie früher? Auch das Thema „Rechte und Pflichten“ von Kindern findet Platz. Was darf ein Kind, was ist verboten? Wo müssen Kinder geschützt werden? Und wo benötigen sie Freiheit, um sich entfalten zu können? 

Was Kinder bewegt

In diesem Zusammenhang werden auch Ängste und Sorgen von Kindern thematisiert. Was bewegt Kinder gestern und heute? Welchen Herausforderungen müssen sie sich stellen? Wie ist es in der heutigen Zeit um die Psyche von Kindern bestellt? Wie haben sich die Möglichkeiten, die sich Kindern bieten, verändert? Gegenwärtig gibt es unzählige Wege, die ein Kind einschlagen kann. Doch diese Fülle an Möglichkeiten engt auch ein, kann Kinder und Eltern gleichermaßen verunsichern. Sie kann Leistungs- und Entscheidungsdruck verursachen. Wir schauen im Zuge der Ausstellung auch bei diesem Thema genauer hin. Und laden Kinder ein, aktiv mitzudiskutieren – etwa bei den kostenlosen Arkadenhof-Gesprächen. Experten und Spezialistinnen stehen bei diesem Format Frage und Antwort zu brennenden Fragen rund um das Heranwachsen im Heute. Auch der Podcast „SchallaCast“ widmet sich diesen Fragen – aus Kinder- und Erwachsenensicht.

Noch mehr Gesprächsstoff: Zeitkapsel, Treffpunkt Kindheit

Viel Spannendes passiert auch rund um die Ausstellung. Etwa im Rahmen des Familienprogramms: Die Zeitkapsel der Erinnerung darf mit Gefühlen und Erwartungen befüllt werden. Das Datum zum Wiederöffnen steht schon fest: es ist in zehn Jahren. 

Beim Erzählsalon schwelgen wir im „Treffpunkt Kindheit“ in Erinnerungen, teilen Erlebnisse und diskutieren über damals und heute. Und kommen dabei vielleicht der Antwort auf die Frage näher, warum das Kindsein gegenwärtig salonfähiger ist als je zuvor. 

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