Byzanz & der Westen

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Welche Rolle spielt der heutige Libanon im Byzantinischen Reich?

Carina

Wissenswertes

Das Gebiet des heutigen Libanons wurde um 63 v. Chr. als Teil der Großprovinz Syria in das Imperium Romanum eingegliedert. Mit den Reformen der Kaiser Diokletian und Konstantin wurde um 300 n. Chr. aus den Städten des Libanon und nördlich angrenzenden Küstenregionen die kleinere Provinz Phoenice, die den Namen der antiken Phönizier wiedererweckte, gebildet. Insbesondere die traditionsreichen Häfen von Tyros, Sidon, Berytos (Beirut) und Tripolis waren nach wie vor wichtige Knotenpunkte in den Netzwerken des Seehandels im römischen Mittelmeerraum. Berytos beherbergte spätestens seit dem späten 2. Jh. n. Chr. auch eine berühmte Schule für das römische Recht, die u. a. durch das Wirken der beiden Gelehrten Papinian und Ulpinian reichsweite Bedeutung erlangte. Auch Kaiser Justinian I. erklärte im Jahr 530 Berytos (neben Konstantinopel und Rom) zu einer der drei im ganzen Reich anerkannten Lehrstätten des Rechts. Allerdings wurde die Schule so wie die ganze Stadt um 551 durch ein Erdbeben schwer beschädigt, was ihren Niedergang einleitete.
Auch sonst erlebten die östlichen Provinzen des oströmischen Reiches im späteren 6. und im früheren 7. Jh. eine Krisenzeit, die vor allem durch die sogenannte Justinianische Pest und mehrere verheerende Kriege mit den persischen Sasaniden, deren Truppen um 614 auch in den Libanon vorstießen, markiert wurden. Die Schwächung der römischen Herrschaft erleichterte die Expansion der durch den Islam geeinten arabischen Stämme, die nach 636 auch die Städte des Libanon eroberten. Doch auch nach der arabischen Eroberung bestanden insbesondere über die Seewege weiter Kontakte ins Byzantinische Reich; auch manche Pilger aus Byzanz auf dem Weg ins Heilige Land nutzten die Häfen des Libanon. In die Gegenrichtung floh um das Jahr 759 ein gewisser Bundar als Anführer eines gescheiterten Aufstands gegen die arabische Herrschaft in Heliupolis (Baalbek im Landesinneren des Libanon) nach Konstantinopel. Aus Heliupolis stammte auch der Heilige Elias „der Jüngere“, der im Jahr 779 wegen seines vermeintlichen Abfalls vom Islam zurück zum Christentum hingerichtet und danach auch im ganzen Byzantinischen Reich als Märtyrer verehrt wurde.
Im 9. und 10. Jh. wurde der libanesische Hafen Tripolis zu einem der Ausgangspunkte regelmäßiger Plünderungszüge an die Küsten des byzantinischen Reiches. Insbesondere der Flottenkommandant Leon von Tripolis, ein aus dem byzantinischen Attaleia (Antalya) in Kleinasien stammender Konvertit zum Islam, erreichte einigen Ruhm, vor allem durch die spektakuläre Eroberung Thessalonikes, der zweitgrößten Stadt des byzantinischen Reiches, im Jahr 904. In der zweiten Hälfte des 10. Jh.s konnte Byzanz wieder in die Offensive übergehen und 969 die wichtige Stadt Antiochia in Nordsyrien erobern; danach stieß insbesondere Kaiser Johannes I. Tzimiskes 974/975 durch den Libanon bis in den Norden des Heiligen Landes vor. Zu dauerhaften Eroberungen kam es in diesen Gebieten allerdings nicht, da sich von Ägypten her mit den Fatimiden eine neue muslimische Großmacht in der Region etablierte.
Mit den Fatimiden konnten die byzantinischen Kaiser eine Art modus vivendi aushandeln, der den Frieden einigermaßen sicherte. Dieser Zustand endete aber ab den 1060er Jahren, als von Osten her die Seldschuken in den Raum vorstießen. Syrien und der Libanon waren von politischer Fragmentierung geprägt, die auch den ab 1097 in die Region einfallenden Kreuzfahrern aus Westeuropa die Eroberung erleichterte. Unter den Kreuzfahrerstaaten entstand im Libanon auch die Grafschaft Tripolis, die bis zur Eroberung durch die ägyptischen Mamluken 1289 Bestand hatte. In diesen Jahrhunderten hatten die byzantinischen Kaiser keinerlei politischen Einfluss mehr im libanesischen Raum, unterhielten aber diplomatische Kontakte zu den jeweiligen Herrschern über die Region wie etwa die Mamlukensultane in Kairo. Noch intensivere Beziehungen gab es auf kirchlicher Ebene, bestanden doch auch verschiedene „melkitische“ christliche Gemeinden, die in Glaubensgemeinschaft mit Konstantinopel standen, weiter. Metropolit Arsenios von Tyros etwa hielt sich in den 1340er bis 1360er Jahren häufig in Konstantinopel auf, wurde dort aber in die Konflikte um die Theologie des Gregorios Palamas verwickelt und sorgte für einige Unruhe.
In einem Imperium fanden sich Konstantinopel und der Libanon dann nach der jeweiligen Eroberung durch die Osmanen (1453 bzw. 1516) wieder.
 
Literaturhinweis: Linda Jones Hall, Roman Berytus. Beirut in Late Antiquity. London 2004, 408 S.

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Welche Rolle spielt der heutige Libanon im Byzantinischen Reich?

Carina

Wissenswertes

Wie beeinflußt der geschichtliche Konflikt zwischen Byzanz und dem Westen bis heute die Kommunikation zwischen den aktuellen Ländern?

Irena

Geschichte

Eine tatsächliche Kontinuität der Konflikte zwischen Byzanz und dem „Westen“ ist die bis heute andauernde Spaltung zwischen der römisch-katholischen und den orthodoxen Kirchen. Zwar gibt es seit den 1960er Jahren intensive Bemühungen um die Ökumene, doch stoßen diese bis heute auf Widerstand, nicht zuletzt etwa in der russisch-orthodoxen Kirche, die auch darin den Ehrenvorrang des Patriarchats von Konstantinopel herausfordert.
Aus den religiösen Unterschieden zwischen den Ländern, in denen die westlichen Kirchen (Katholizismus und Protestantismus) bzw. die Orthodoxie vorherrschen, wollten und wollen verschiedene Stimmen auch eine kulturell-mentalitätsgeschichtliche Trennlinie quer durch Europa konstruieren. Dabei spielte auch ein seit dem 18. Jh. in der westeuropäischen Historiographie etabliertes Zerrbild von Byzanz als dekadenter, autokratischer, von Intrigen und übermäßigem Pomp gekennzeichneter Kultur („Byzantinismus“) eine Rolle, das manchmal noch beschworen wird. Der US-amerikanische Politologe Samuel Huntington zog in den 1990er Jahren – auch unter dem Eindruck der Kriege im zerfallenden Jugoslawien zwischen „orthodoxen“ Serben, „katholischen“ Kroaten und „muslimischen“ Bosniern – in seinem Buch „Kampf der Kulturen“ die Grenzen Europas (und der europäischen Integration) dort, wo Orthodoxie und Islam beginnen, worin ihm auch manche Politiker in Westeuropa und in Österreich folgen wollten. Spätestens mit dem Beitritt der „orthodoxen“ Länder Rumänien und Bulgarien zu EU und NATO scheint diese vermeintliche Trennlinie (zumindest gegenüber der Orthodoxie, anders sieht es bezüglich des Islam aus) in der öffentlichen Debatte in Westeuropa weitgehend passé.
Doch wird sie durchaus auch von ihrer östlichen Seite beschworen, etwa in nationalistisch-orthodoxen Kreisen in Russland, die den „Westen“ als moralisch verdorben (Stichwort z. B. Songcontest und Conchita Wurst) und als Gefahr für das Seelenheil der orthodox-slawischen Christenheit, die sich um Russland scharen sollte, sehen. In diesen Gruppen wird der Untergang des Byzantinischen Reiches damit begründet, dass es sich zu sehr für religiöse und wirtschaftliche Einflüsse aus Westeuropa öffnete und das „Erbe“ der orthodoxen Väter verriet (so die Interpretation etwa in der von kirchlichen Kreisen in Russland produzierten und auch auf Englisch übersetzten Dokumentation „The Fall of an Empire – the Lesson of Byzantium“: https://www.youtube.com/watch?v=f1CWG-2GLU4).
Ein „heißes“ Thema ist schließlich auch der Umgang mit dem materiellen byzantinisch-orthodoxen Erbe aus dem Mittelalter, insbesondere den Kirchen- und Klosterbauten. Mittelalterliche serbische Klöster wurden z. B. im Kosovo das Ziel der Zerstörung durch albanisch-nationalistische Kreise. In der Türkei wiederum versuchen nationalistisch-muslimische Kreise die Umwandlung von nun als Museen deklarierten byzantinischen Kirchenbauten, darunter auch der Hagia Sophia in Istanbul, in Moscheen (so wie sie nach der osmanischen Eroberung bis in die Zeit Atatürks genutzt wurden) durchzusetzen.
Dass aber sogar in der burgenländischen Ortschaft St. Andrä am Zicksee der Neubau eines orthodoxen Klosters im Jahr 2017 erst nach längeren heftigen Debatten unter den Einwohnern umgesetzt werden konnte (vgl. https://www.bvz.at/neusiedl/knalleffekt-in-st-andrae-kloster-bau-startet-im-neuen-jahr-orthodoxes-kloster-klosterbau-70722510#), erscheint vor diesem Hintergrund fast kurios.
Insgesamt können also Aspekte der historischen Konflikte zwischen Byzanz und dem Westen bis heute verschiedene Gemüter erregen und in der Instrumentalisierung für aktuelle Debatten eine Rolle spielen.

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Irena

Geschichte

Was bedeuten die "Sterne", Symbole auf Schultern und Haupt der Ikonen?

Maria

Wissenswertes

Die drei Sterne, die oft an Stirn und Schultern von Marienikonen zu sehen sind, sollen die Jungfräulichkeit Mariens vor, während und nach der Geburt von Jesus Christus symbolisieren.

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Was bedeuten die "Sterne", Symbole auf Schultern und Haupt der Ikonen?

Maria

Wissenswertes

Welche Sprachen beherrschte Karl der Große?

Friedrich H. Plank

Wissenswertes

Der fränkische Gelehrte Einhard (geb. um 770 – gest. 14.03.840) verfasste die Vita Kaoli Magni, die Biographie Karls des Großen. Dieser entnehmen wir folgende Passage: „Karl… beherrschte nicht nur seine Muttersprache, sondern erlernte auch fleißig Fremdsprachen. Latein verstand und sprach er wie seine eigene Sprache. Griechisch konnte er allerdings besser verstehen als sprechen.“ Als Belege für Karls Kenntnis des Lateinischen kann zum einen die Nachricht dienen, dass an seinem Tisch unter anderem Augustinus (354 – 430) „Gottesstaats“ vorgelesen wurde; eine Übersetzung in die Volkssprache gab es nicht, und es ist nicht recht vorstellbar, dass Karl die Lesung nur als Hintergrundgeräusch hingenommen haben sollte. Zum anderen besitzen wir als Beleg für Karls entwickelte Lateinkenntnisse die Randnotizen in einer Handschrift einer theologischen Streitschrift gegen die Beschlüsse des Konzils von Nicaea 787, in denen die Ausführungen des Verfassers immer wieder mit Bemerkungen wie „richtig!“, „rechtgläubig!“, „gut argumentiert!“ oder ähnlich kommentiert werden. Es scheint überzeugend, dass diese Ausrufe als Kommentare des Frankenkönigs Karl gedeutet werden, der damit seine Zufriedenheit mit dem ihm vorgelesenen Text ausdrückte, den er offenbar sehr gut verstanden hat. Über Karls Griechischkenntnisse besitzen wir keine weiteren Informationen; vielleicht wurde Einhard durch seine Vorlage – die Vita des Kaisers Titus (79 – 81 v. Chr.) des römischen Autors Sueton – dazu angeregt, auch für seinen Helden Kenntnisse des Griechischen zu behaupten. Nicht eigens erwähnt wird, dass Karl auch das Romanische seiner westfränkischen Untertanen verstanden und wohl auch gesprochen haben muss. Für den Ostfranken Einhard dürfte des ganz selbstverständlich gewesen sein, denn sonst hätte Karl nicht Reichsversammlungen leiten und Heere anführen können, deren Teilnehmer zu großen Teilen romanische Dialekte sprachen. Auf den Reichsversammlungen wurden anscheinend Rechtstexte aus dem Lateinischen in die Volkssprache übersetzt; wie wir aus einer Nachricht zum Jahr 802 wissen, in der von solchen Übersetzungen die Rede ist. Diese Übersetzungen waren wohl deshalb nötig, weil viele der Teilnehmer nicht mehrsprachig waren, nicht aber, weil der Herrscher den Verhandlungen aus Unkenntnis der wichtigsten Sprachen seines Reiches sonst nicht hätte folgen können.

Quelle: Martina & Wilfried Hartmann: Die 101 wichtigsten Fragen. Karl der Große. München: C.H. Beck, 2014, S. 100.

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Welche Sprachen beherrschte Karl der Große?

Friedrich H. Plank

Wissenswertes

Zu den Seidenstoffen: mit welcher Technik wurden die Motive auf die Stoffe gebracht? Also zb. Bedruckt, bemalt, Ikat- oder eine Art Jaquartechnik? Danke!

Puchinger Reinhard

Wissenswertes

Schriftliche Quellen aus byzantinischer Zeit enthalten Informationen über staatliche Manufakturen, in denen nicht nur Münzen und Waffen hergestellt wurden, sondern auch über Textilien und das Textilhandwerk. Behandelt werden die Rohmaterialien und deren Gewebearten, die entsprechend ihrer Machart und Herkunft ihre Bezeichnung erhielten, und Farbstoffe sowie deren Gewinnung. Die Ursprünge der Seidenherstellung in Byzanz sind im kaiserzeitlichen Syrien und in Persien zu finden.
Seide wurde zunächst importiert, doch gelangten der Überlieferung nach um die Mitte des 6. Jahrhunderts durch zwei Mönche Seidenraupen in ihren ausgehöhlten Wanderstöcken nach Byzanz. Auf deren Ausfuhr aus Asien stand die Todesstrafe, dennoch wurde dadurch der Grundstein für die Entwicklung der europäischen Seidenindustrie gelegt. Es wurden Maulbeerbaumplantagen angelegt, anfangs in der Levante, in mittelbyzantinischer Zeit in Süditalien, Griechenland und vermutlich auch in Kleinasien. Byzanz hat in Folge das Geheimnis der Seidenherstellung streng gehütet und so seine Monopolstellung in Europa Jahrhunderte lang halten können. Da im Oströmischen Reich die antike Handwerkstradition nicht unterbrochen wurde, bewahrte die byzantinische Textilindustrie ein hohes technisches und künstlerisches Niveau. Sie war zugleich der wichtigste Zweig der antiken Wirtschaft. Die Seidenmanufaktur erreichte während der Zeit der makedonischen Kaiser ihren Höhepunkt. Die immense Wichtigkeit der Textilindustrie ist im Eparchenbuch (siehe Kap. 2.2) dargelegt. Es sind viele Informationen seitens der Organisation der Seidenindustrie von Konstantinopel überliefert. Im 10. Jahrhundert waren zwei grundlegende Zünfte in die Herstellung von Seidentextilien involviert. Die erste Zunft waren die metaxopratai, welche die Kokons bzw. die Rohseide kartellrechtlich kauften. Diese verkauften sie ihrerseits an die Zunft der katartarioi, die sie weiterverarbeiteten; das Seidengarn kauften die metaxopratai anschließend von den katartarioi zurück, um es schließlich an die metaxarioi weiter zu verkaufen. Letztere bildeten die zweite und wichtigste Zunft, da sie die Seide färbten, webten und schnitten. Sie waren für den lukrativsten Teil des Produktionsprozesses verantwortlich und diejenigen, die die größten Investitionen notwendig hatten. Es ist möglich und sogar wahrscheinlich, dass die Mitglieder der Aristokratie Konstantinopels in diesen Teil des Prozesses investierten, aber es kann in diesem Fall nicht von einem Monopol die Rede sein. Die Nachfrage nach seidenen Stoffen war hoch, da eine Reihe von verschiedenen Sorten der Seide existierte. So war Sidon die Bezeichnung für einen Seidenstoff aus dem Kleidung und Futter genäht wurde. Die hochwertigste Seide, in einem Purpur Farbton, oft mit dem teuren porphyra gefärbt –  aus der Muschel murex extrahiert –  war lange Zeit auf die Bedürfnisse des kaiserlichen Hofes beschränkt. Die Seidenmanufaktur der byzantinischen Hofwerkstätten mit ihren charakteristischen Mustern erreichte eine Perfektion, die weltweit gerühmt wurde. In die ohnehin meist schweren und steifen Seidenstoffe wurden Gold und Purpurfäden eingelegt, andere Gewänder wurden mit Stickereien verziert.
Auch Webmuster, die in spätrömischer Zeit noch Ausnahmen waren, wurden immer beliebter und trugen dazu bei, dass die Kleidung in Byzanz ein orientalisches Gepräge erhielt. Eingewebte Muster mit Tieren können v.a. Löwen, Bären, Panther, Stiere, Pferde mit Reiter, Elefanten, Adler, Greife oder Phantasiewesen, aber auch Vögel und Blumen sein.
Olovere heißen in Serbien die Purpurstoffe, die mit Löwenmuster verziert wurden. Die Motive und die Art der Darstellung kombinieren persische und hellenistische Formen. Diese werden oft in juwelenbesetzte Kreise eingeschrieben oder wappensymmetrisch komponiert. Die Seidenstoffe der kaiserlichen Werkstätten erhalten darüber hinaus die Signatur des Kaisers als Inschrift eingewebt. Außerdem gab es auch private Ateliers der Seidenweberei, möglicherweise auch in Klöstern, wo einfachere Muster hergestellt wurden.
Archäologische Befunde sowohl für die Textilverarbeitung als auch die Textilfärberei sind in Cherson, Lykien, Theben und Athen entdeckt worden. Überdies wurde eine Färberei in Sardes freigelegt. Das Preisedikt Diokletians (284-305) bestimmt Skythopolis als den Herstellungsort des besten Leinen. In mittelbyzantinischer Zeit waren Tinnis und weitere ägyptische Zentren Leinenlieferanten. Darüber hinaus wurden in dieser Zeit Pelze und Felle aus der Rus eingeführt. Die staatlichen Textilmanufakturen waren Produzenten für die Kleidung der Armee, der Beamtenschaft und des Hofes. Textilien wurden in Ägypten sowie in der Levante ausgegraben.
Ausgedehnte Handelsnetze für Stoffe und fertige Bekleidung sind in der Kairoer Geniza und anderen Dokumenten erwähnt; über Handelsbeschränkungen wird im Eparchenbuch Leons des Weisen berichtet.
In Serbien wurde Seide produziert, aber es wurden auch manche kostbaren Materialien importiert. Händler aus Dubrovnik haben in Serbien Seide verkauft. Laut einer Urkunde des Stephan Lazarević wurde sowohl auf kleinen Märkten sowie auf großen Märkten wie Novo Brdo und in einigen anderen Städten Seide gehandelt. Die daraus angefertigte hochwertige Kleidung wurde in Städten und am Hof getragen.


Quelle: Martina Eichinger: Profane Kleidung im byzantinischen Kulturbereich. Diplomarbeit. Universität Wien, 2013, S. 26 - 29.

Literaturtipp: Johannes Koder: Das Eparchenbuch Leons des Weisen. (Corpus Fontium Historiae Byzantinae, Bd. 33). Wien: VÖAW, 1991.

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Zu den Seidenstoffen: mit welcher Technik wurden die Motive auf die Stoffe gebracht? Also zb. Bedruckt, bemalt, Ikat- oder eine Art Jaquartechnik? Danke!

Puchinger Reinhard

Wissenswertes

Welche Rolle spielten die Athos-Mönche in der Auseinandersetzung zwischen Byzanz und dem Westen, insbesondere in und nach dem 4. Kreuzzug?

Dietrich Scherff

Geschichte

Seit der Gründung der ersten Großklöster (beginnend mit der Megisti Lavra 963) erlebte der Berg Athos ein großes Wachstum, sodass es am Vorabend des Vierten Kreuzzugs schon eine Vielzahl von Klöstern und Gemeinschaften gab, die mit umfangreichem Grundbesitz weit über die Grenzen des Heiligen Bergs hinaus ausgestattet worden waren. Dieser Reichtum lockte auch die Kreuzfahrer an, die nach der Eroberung Konstantinopels im April 1204 versuchten, möglichst viel von den Territorien des Byzantinischen Reiches unter sich aufzuteilen. Mehrfach wurden die Klöster des Athos geplündert. Auch ein vom Legaten des Papstes Innozenz III. für den Athos eingesetzter „lateinischer“ Bischof nutzte seine Stellung vor allem dazu, sich auf Kosten der orthodoxen Mönche zu bereichern und errichtete zu diesem Zweck sogar eine Burg nahe des Hafenorts Uranupolis. Angesichts dieser Zwangslage wandten sich die Athos-Klöster 1214 in einem Brief an Innozenz III. in Rom; dieser bestätigte zwar in feierlichen Worten die früheren Privilegien der Klöster, an der unsicheren Lage vor Ort änderte sich allerdings nicht.
Jedoch geriet der Athos schon vor der byzantinischen Rückeroberung Konstantinopels 1261 ab den 1220er Jahren in den Einflussbereich von griechischen und dann bulgarischen und somit orthodoxen Herrschern. Nach 1261 war der Athos Teil des wiederhergestellten Byzantinischen Reiches, und die Klöster konnten ihre Vorrechte und auch ihren Grundbesitz weiter ausbauen. Allerdings hatten auch sie ab dem früheren 14. Jh. unter der immer instabileren Lage des Reiches zu leiden; um 1306 wurde der Athos etwa durch die ursprünglich vom byzantinischen Kaiser als Söldner angeheuerte Katalanische Kompanie verwüstet. In den 1320er und den 1340er-1350er Jahren erschütterten Bürgerkriege das Reich. Letzterer Konflikt vermengte sich auch mit der theologischen Debatte über die sich auf dem Athos einbürgernde Gebets- und Meditationspraxis des Hesychasmus, zu dessen wichtigstem Vertreter der Athos-Mönch Gregorios Palamas wurde (deshalb auch „Palamismus“). Der Sieg der „Palamisten“ in dieser Debatte markierte den vorherrschenden Einfluss mönchischer, hesychastischer und auch vornehmlich gegen eine Verständigung mit der Westkirche eingestellter Kreise in der byzantinischen Kirche. Entgegengesetzte Stimmen auf dem Athos wie etwa der Mönch Prochoros Kydones (gest. 1369, Bruder des berühmten Politikers und Gelehrten Demetrios Kydones) wurden zum Schweigen verurteilt.
Umso schwieriger wurde nun jeder Versuch, eine Einigung mit dem Papsttum zu erlangen (wie etwa auf dem Konzil von Ferrara-Florenz 1438/1439), die von den byzantinischen Kaisern nicht zuletzt auch unternommen wurden, um Hilfe aus Westeuropa gegen die wachsende Macht der Osmanen zu erlangen. Die Klöster auf dem Athos mussten sich allerdings schon vor der Eroberung Konstantinopels 1453 mit neuen Herrschern arrangieren, zuerst mit den Serben und dann schon nach 1371 auch mit den Osmanen, unter deren Kontrolle der Athos bis 1913 blieb. Bis heute gibt es Gemeinschaften auf dem Athos, die sich gegen ökumenische Gespräche mit der römisch-katholischen Kirche wenden, wie etwa die Mönche des Klosters Esphigmenu, die u. a. deshalb auch die Oberhoheit des Patriarchen von Konstantinopel nicht mehr anerkennen wollten.


Literaturhinweis: Andreas E. Müller, Berg Athos: Geschichte einer Mönchsrepublik. München 2005.

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Welche Rolle spielten die Athos-Mönche in der Auseinandersetzung zwischen Byzanz und dem Westen, insbesondere in und nach dem 4. Kreuzzug?

Dietrich Scherff

Geschichte

Byzanz wurde im Jahre 1453 vom Osmanischen Reich erobert. Im selben Jahr endete der hundertjährige Krieg zwischen England und Frankreich. Das Ende bildete laut meinem Geschichtsbuch die Eroberung der Stadt Bordeaux durch die Franzosen. [...]

Ernst Wiesner

Geschichte

[...] Meine Frage daher: Besteht nicht vielleicht ein Zusammenhang des Endes dieses Krieges mit der Eroberung von Byzanz? Wenn die Engländer und Franzosen, zwei christliche Länder, sehen bzw. hören, dass ein anderes christliches Land, nämlich Byzanz, von den "Ungläubigen" erobert wird oder zumindest knapp vor der Eroberung steht, gab das nicht den Anstoß, die Fehde zwischen England und Frankreich zu beenden, um nicht den Westen angesichts der drohenden Gefahr durch die Osmanen noch mehr zu schwächen?

Tatsächlich versuchten seit dem späten 13. Jh. vor allem die Päpste immer wieder, unter Verweis auf die drückende Lage der christlichen Staaten im östlichen Mittelmeerraum, Frieden unter den Herrschern Westeuropas (die ja auch über Frankreich und England hinaus ständig im Krieg miteinander lagen) zu stiften, um dann ein gemeinsames neues Kreuzzugsunternehmen zu starten. Nachdem mit der Eroberung Akkons 1291 durch die Mamluken aus Ägypten der letzte Festlandsbesitz der Kreuzfahrerstaaten in der Levante verloren gegangen war, sollte ein solcher Feldzug noch verbliebenen christlichen Staaten wie etwa dem armenischen Königreich in Kilikien (heute Südostküste der Türkei, das aber 1375 auch von den Mamluken erobert wurde) zu Gute kommen. Mit der steigenden Macht der Osmanen und anderer türkischer Emirate im Ägäis-Raum seit den 1320er Jahren gelangten dann die dort nach dem Vierten Kreuzzug 1204 errichteten „lateinischen“ Staaten und auch das Byzantinische Reich in den Fokus solcher Planungen. Mit Byzanz bestand allerdings immer das Problem der Kirchenspaltung zwischen Westkirche und Orthodoxie, die erst 1439 auf dem Konzil von Ferrara-Florenz zumindest formell behoben wurde (große Teile der Bevölkerung in Konstantinopel lehnten die Union jedoch ab). Der folgende Kreuzzug von Varna (im heutigen Bulgarien) 1444 unter der Führung des Königs von Polen und Ungarn Władysław III. endete aber in einer Niederlage gegen die Osmanen, und weitere wesentliche Hilfe für Byzanz blieb aus. Neben den unmittelbaren „Anrainern“ an das expandierende Osmanenreich wie etwa Ungarn beteiligten sich auch Fürsten Westeuropas an solchen Kreuzzugsplänen (wie etwa der Herzog von Burgund); besonders viele Adelige aus Frankreich nahmen während einer „Pause“ des Hundertjährigen Kriegs 1396 an einem Feldzug des ungarischen Königs Sigismund gegen die Osmanen teil, der aber ebenfalls mit einer Niederlage bei Nikopolis im heutigen Bulgarien geendet hatte.
Ansonsten blieben aber die Vermittlungsversuche des Papstes unter den kriegsführenden Staaten Westeuropas in vielen Fällen wirkungslos. Auch die Nachricht von der Belagerung Konstantinopels durch den osmanischen Sultan Mehmed II., die am 2. April 1453 begann, und von der Eroberung der Stadt am 29. Mai dieses Jahres veranlassten England und Frankreich nicht zum Friedensschluss. Im Gegenteil kam es nochmals zu einer größeren englischen Offensive, die aber mit der Niederlage bei Castillon am 17. Juli 1453 in Südwestfrankreich scheiterte. Die schlechte militärische Lage der Engländer wurden durch innenpolitische Streitigkeiten verschärft (die letztlich in die folgenden Rosenkriege münden sollten), während der englische König Heinrich VI. (reg. 1422 bis 1461 und von 1470 bis 1471) durch seine psychische Erkrankung mehr oder weniger handlungsunfähig wurde. Am 13. Oktober 1453 erlitt Heinrich VI. einen Zusammenbruch, am 19. Oktober fiel Bordeaux an die Franzosen. Die Engländer verloren alle Festlandsterritorien bis auf Calais, das bis 1559 englisch blieb.
Das Zusammenspiel der englischen Niederlagen auf dem Schlachtfeld und der inneren Krise Englands führten also 1453 zum Ende des Hundertjährigen Kriegs, nicht jedoch die Nachricht vom Fall Konstantinopels. 

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Byzanz wurde im Jahre 1453 vom Osmanischen Reich erobert. Im selben Jahr endete der hundertjährige Krieg zwischen England und Frankreich. Das Ende bildete laut meinem Geschichtsbuch die Eroberung der Stadt Bordeaux durch die Franzosen. [...]

Ernst Wiesner

Geschichte

At the time Karl der Grosse was crowned as Kaiser des Heilig Römischen Reichs (800AC), he was King of the Franks. His territorium comprised what today is France Germany Austria Belgium Netherlands. [...]

Eduardo Puricelli

Geschichte

[...] At what stage did France separate from the above and became Frankenreich and separately Heilig Römischer Reich i.e. two rulers.?????

In 799, for the third time in half a century, a pope is in need of help from the Frankish king. After being physically attacked by his enemies  in the streets of Rome (their stated intention is to blind him and cut  out his tongue, to make him incapable of office), Leo III makes his way  through the Alps to visit Charlemagne at Paderborn.  
It is not  known what is agreed, but Charlemagne travels to Rome in 800 to support  the pope. In a ceremony in St Peter's, on Christmas Day, Leo is due to  anoint Charlemagne's son as his heir. But unexpectedly (it is  maintained), as Charlemagne rises from prayer, the pope places a crown  on his head and acclaims him emperor.  

Charlemagne expresses displeasure but accepts the honour.

The displeasure is probably diplomatic, for the legal emperor is undoubtedly the one in Constantinople. Nevertheless this public alliance between  the pope and the ruler of a confederation of Germanic tribes now reflects the reality of political power in the west. And it launches the  concept of the new Holy Roman Empire which will play an important role throughout the Middle Ages. The Holy Roman Empire only becomes  formally established in the next century. But it is implicit in the  title adopted by Charlemagne in 800: 'Charles, most serene Augustus,  crowned by God, great and pacific emperor, governing the Roman empire.'  

The imperial role accorded by the pope to Charlemagne in 800 is handed on in increasingly desultory fashion during the 9th century. From 924 it falls into abeyance. But in 962 a pope once again needs help against his Italian enemies. Again he appeals to a strong German ruler. 
The coronation of Otto I by pope John XII in 962 marks a revival of the concept of a Christian emperor in the west. It is also the beginning of an unbroken line of Holy Roman emperors lasting for more than eight centuries. Otto I does not call himself Roman emperor, but his son Otto II uses the title - as a clear statement of western and papal independence from the other Christian emperor in Constantinople.

Otto and his son and grandson (Otto II and Otto III) regard the imperial crown as a mandate to control the papacy. They dismiss popes at their will and instal replacements more to their liking (sometimes even changing their mind and repeating the process). This power, together with territories covering much of central Europe, gives the German empire and the imperial title great prestige in the late 10th century. But subservience was not the papal intention in reinstating the Holy Roman Empire. A clash is inevitable.  
Read more:  http://www.historyworld.net/wrldhis/PlainTextHistories.asp?historyid=aa35#ixzz5SqMScPu4

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At the time Karl der Grosse was crowned as Kaiser des Heilig Römischen Reichs (800AC), he was King of the Franks. His territorium comprised what today is France Germany Austria Belgium Netherlands. [...]

Eduardo Puricelli

Geschichte

In der Wikipedia-Geschichte von Trier heißt es: "Während der Tetrarchie wählte zunächst der Caesar Constantius Chlorus im Jahr 293 Trier zu seiner Residenz. [...]

Johann Maderthaner

Geschichte

[...] Später wurde es von seinem Sohn Konstantin I., der sich zwischen 306 und 324 für mehrere Jahre in der Stadt aufhielt, repräsentativ ausgebaut." Ist dieser Konstantin I. ident mit dem Byzantinischen Kaiser, oder gab es zu diesem Zeitpunkt in West- und Ostrom jeweils einen Kaiser mit dem namen Konstantin? Wie viele Kreuzzüge gab es?

Zur Tetrarchie muss man wissen, dass seit dem 2. Jh. das Römische Reich immer wieder von Bürgerkriegen und Barbareninvasionen erschüttert wurde, weswegen Kaiser Diokletian (284 - 305) beschlossen hatte das Reich in zwei Hälften zu teilen. Diese zwei Hälften wurden ihrerseits wiederum in zwei kleinere Einheiten unterteilt. An der Spitze der beiden Hauptteile standen zwei gleichberechtigte Kaiser, augusti, Diokletian und Maximian. Diokletian selbst behielt die östliche Reichshälfte, mit Sitz in Nikomedia (heute tr. Izmit). Maximian regierte den Westen und residierte in Mailand. Ihnen beigeordnet waren zwei "Unterkaiser" mit dem Titel eines caesar, in diesem Fall Galerius und Constantius Chlorus. Letzterer hatte seinen Sitz in Trier und war der Vater des späteren Konstantin I. (306-337), dem Begründer Konstantinopels. Nach Ablauf der Amtszeit der augusti sollten die beiden Caesaren deren Platz einnehmen und neue Caesaren ernennen. Hinter dieser Anordnung stand die Überlegung, dass die Verteidigung an weit voneinander entfernten Fronten von mehreren Zentren aus erleichtert wird und dass in Zeiten, in denen nur wenige Kaiser am Ende ihrer Herrschaft eines natürlichen Todes starben, eine Usurpation gegen vier Herrscher schwerer als gegen einen einzigen durchzuführen ist. Dieses unter dem Namen "Tetrarchie" bekannte Regierungssystem fiel allerdings schon nach der Abdankung Diokletians und Maximians im Jahre 305 in sich zusammen. Als der Augutus Constantius Chlorus im Jahre 306 starb, wurde sein Sohn Konstantin von seinen Truppen in York zum Kaiser ausgerufen. Nach einer langen Phase von Bürgerkriegen konnte sich Konstantin gegen mehrere Konkurrenten durchsetzen. So regierte er von 324 bis 337 alleine. (Vgl. Claudia Sode, Mabi Angar: Byzanz. Ein Schnellkurs. Köln: DuMont 2010, S. 12f.)

Eine umfassende Zählung der Kreuzzuge zu finden ist leider schwierig. Offiziell spricht man in der Forschung von sieben Kreuzzügen. Allerdings gab es darüber hinaus noch viel mehr kriegerische Auseinandersetzungen. Eine Lesetipp: Nikolas Jaspert: Die Kreuzzüge (Geschichte kompakt. Mittelalter). Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft. 2003.

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In der Wikipedia-Geschichte von Trier heißt es: "Während der Tetrarchie wählte zunächst der Caesar Constantius Chlorus im Jahr 293 Trier zu seiner Residenz. [...]

Johann Maderthaner

Geschichte

Da in der Ausstellung die Lichtstiftung Herzogin Theodoras zu sehen ist, hätte ich gerne zusätzliche Infos über die Ehefrau von Herzog Leopold VI.?

Josef Maier

Geschichte

Theodora Angela wurde 1203 in Wien mit Leopold VI. von Babenberg vermählt. Teils wird sie als Tochter, teils als Nichte oder teils als Enkelin von Kaiser Isaak II. Angelos (reg. 1185 - 1195; 1203 - 1204)  angesehen. In Urkunden wird sie als Herzogin von Österreich und der Steiermark angegeben, ansonsten wissen wir kaum etwas von ihr.

Tipp: Johannes Preiser-Kapeller, Von Ostarrichi an den Bosporus. Ein Überblick zu den Beziehungen im Mittelalter, in: Pro Oriente Jahrbuch 2010. Wien 2011, S. 66–77

 

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Da in der Ausstellung die Lichtstiftung Herzogin Theodoras zu sehen ist, hätte ich gerne zusätzliche Infos über die Ehefrau von Herzog Leopold VI.?

Josef Maier

Geschichte

Warum wird das griechische Feuer nicht erwähnt?

Walter Sandtner

Ausstellung

In der Ausstellung "Das goldene Byzanz und der Orient" im Jahr 2012 gab es sogar ein Modell einer griechischen Dromone, eines Kriegsschiffes, zu besichtigen. Diese Kriegsschiffe waren ausgestattet mit einer Art Flammenwerfer - eben diesem griechischen Feuer (hygron pyr, bedeutet eigentlich "flüssiges Feuer"). Da man sich bei der heurigen Ausstellung "Byzanz & der Westen" nicht wiederholen wollte und konnte, fand dieses Kriegsschiffmodell und die Thematisierung des griechischen Feuers nicht extra Eingang in die Ausstellung.

Das griechische Feuer ist aber in der Tat eine technische Errungenschaft, mit der die Byzantiner auch heute noch gerne in Verbindung gebracht werden.

Zwischen 674 und 678 belagerten muslimische Truppen samt einer starken Flotte sogar Konstantinopel und konnten nur durch den Einsatz von „griechischem Feuer“ zurückgeworfen werden.
Kaiser Leon VI. (886 - 912) gibt zur Verwendung des griechischen Feuers in seinem Militäthandbuch (Taktika, Kapitel 19,6) folgende Anweisungen:
"Der Kapitän soll den, wie üblich, mit Bronze ummantelten Siphon vorne am Vorderdeck haben; durch ihn wird das künstliche Feuer gegen die Feinde abgeschossen. ... Man soll auch die andere Methode der von Hand aus abzuschießenden kleinen Siphone anwenden, die hinter den eisernen Schilden von den Soldaten getragen werden, die von unserer Majestät kürzlich entwickelt wurden; man nennt sie Handsiphone. Auch sie sollen nämlich das künstliche Feuer gegen die Kriegsgegner schleudern." (aus: J. Koder: Die Byzantiner. Kultur und Alltag im MIttelalter. Böhlau: Wien, u.a. 2016, 131)

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Warum wird das griechische Feuer nicht erwähnt?

Walter Sandtner

Ausstellung

Warum war es im Westen nicht möglich, Seide herzustellen bzw. zu erwerben? Gab es keinen eigenen Handel mit Asien?

Renate

Handel

Seidenstoffe wurden, sei es auf Grundlage eigener Zucht, sei es aus importierter Rohware, im 5. Jh. schon weit über China hinaus in Korea, Japan, Zentralasien, Persien und auch in Indien sowie in Byzanz hergestellt. Neben Rohware und Techniken tauschte man auch diese Endprodukte samt den dafür verwendeten Motiven zwischen all diesen Regionen aus. Dennoch muss angemerkt werden, dass China bei weitem der größte Seidenproduzent blieb. Denn hier war die Seidenkultur Teil der dörflichen Landwirtschaft. Seit dem 3. Jh. dienten Seidenstoffe oftmals auch als Zahlungsmittel für Abgaben und Löhne und stellten zeitweilig sogar Münzgeld in den Schatten.

Die Seidenproduktion hatte also ihren Ursprung in Asien. Spätestens ab dem 6. Jh. dürfte die Seidenproduktion auch im Byzantinischen Reich geläufig gewesen sein. Allerdings wissen wir nicht genau wie die Etablierung der Maulbeer- und Seidenkultur vonstatten ging. In der Antike waren Weiße und Schwarze Maulbeeren im Mittelmeerraum nicht heimisch, diese mussten nämlich erst kultiviert werden, um die Seidenraupen zu züchten, die sich davon ernährten. Das erklärt auch die Entstehung des Seidenhandels. Über die Jahrhunderte war es den Byzantinern jedenfalls gelungen, die Seidenproduktion zu perfektionieren. Daher war im Westen die byzantinische Seide, von deren aufwendiger Herstellung man im Westen bis ins Spätmittelalter keine Kenntnis hatte, heiß begehrt. Typisch für den Umgang mit byzantinischen Seidenstoffe im Westen war, dass sie entweder zur Herstellung von liturgischen Gewändern verwendet oder aber zerteilt und zum Umhüllen von Reliquien benutzt wurden. Die einzigartigen materiellen und optischen Qualitäten von Seidengewändern machten sie in den Augen westlicher Eliten zu einem höchst begehrten Gut, durch das man sich von seinesgleichen abheben konnte. Die bisweilen geäußerte Kritik westlicher Autoren, die sich über das Tragen „griechischer“ Kleider empörten, scheinen wenig Widerhall gefunden zu haben.

Die Mehrzahl heute noch existenter byzantinischer Seiden hat sich in den Schatzkammern westlicher Kirchen erhalten, da sie ihre Träger sogar bis in den Tod begleiteten und nicht selten selbst den Status von Heiligtümern erlangten – so etwa die Gewänder von Papst Clemens II. in Bamberg. 
In Konstantinopel legte man zudem großen Wert darauf, schon die Herstellung, vor allem aber den Export von Rohseiden und fertigen Textilien zu reglementieren. Mit Purpur gefärbte Seiden waren dem byzantinischen Kaiser und dem Hof vorbehalten, aber auch andere hochwertige Seiden durften nicht auf dem freien Markt gehandelt werden.

Buchtipp: Johannes Preiser-Kapeller: Jenseits von Rom und Karl dem Großen. Aspekte der globalen Verlfechtung in der langen Spätantike, 300 - 800 n. Chr. Wien: Mandelbaum, 2018.

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Warum war es im Westen nicht möglich, Seide herzustellen bzw. zu erwerben? Gab es keinen eigenen Handel mit Asien?

Renate

Handel

Welchen Einfluss hatte Byzanz auf die westliche Musik und deren Musikinstrumente?

Martin

Wissenswertes

Byzanz hat tatsächlich auf die Musik im Westen großen Einfluss geübt. Hierbei sollte man sich vor Augen führen, dass Rom etwa bis zur Mitte des 8. Jh. zum byzantinischen Kaiserreich gehörte. Zudem wurden im 7. und 8. Jh. mehrere Syrer oder Griechen zum Papst gewählt. In dieser Zeit wurden mehrere Traditionen aus Byzanz bei Feierlichkeiten im Westen übernommen, so zum Beispiel das Fest der Purificatio (Mariä Lichtmess) oder Gesänge des Agnus Dei. Die byzantinische Musik beeinflusste auch die Karolingerzeit. 757 schenkte Kaiser Konstantin V. Kopronymos (reg. 741 – 775) dem karolingischen König Pippin (reg. 751 – 768) eine Orgel. Im Jahr 812 brachte eine byzantinische Gesandtschaft, die nach Aachen an den Hof Karls des Großen (reg. 768 – 814) gereist war, erneut eine byzantinische Orgel mit. Anderen Quellen zufolge veranlasste Karl der Große, dass griechische Gesänge ins Lateinische übersetzt und in die Liturgie aufgenommen wurden. Auch die Lehre der zwölf Tonarten und deren Intonationsformeln hätte der Westen von Byzanz übernommen. Detaillierte Vergleiche zwischen lateinischen und paläobyzantinischen Neumen erbrachten jüngst den Nachweis, dass Rom die Choralnotation, die nota romana, von den Byzantinern übernommen hat. Diese Deutung erzwingen auch die folgenden Gegebenheiten: Die gebräuchlichen Namen der lateinischen Neumen und Litterae significativae haben sich zum Großteil als Lehnwörter oder Lehnübersetzungen aus dem Mittelgriechischen erwiesen. Die lateinische und die paläobyzantinische Neumenschrift haben fast den gleichen Bestand an „Grundneumen“. Die korrespondierenden lateinischen und paläobyzantinischen Neumen besitzen in den meisten Fällen die gleiche oder eine ähnliche melodische und rhythmische Bedeutung. Zu vermerken ist schließlich, dass zwischen dem Gregorianischen Choral und der byzantinischen Kirchenmusik eine erstaunlich breite Gemeinschaft an Figuren, Tonformeln und Phasen besteht.

(nach: Metzler Sachlexikon Musik, auf der Grundlage des von Günter Massenkeil hrsg. Großen Lexikons der Musik (1978-82 / 1987); red. Bearbeitung durch Ralf Noltensmeier. Stuttgart, u.a.: Metzler, 1998, s. r. „Byzantinische Musik und Musik der Westkirche“)

 

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Welchen Einfluss hatte Byzanz auf die westliche Musik und deren Musikinstrumente?

Martin

Wissenswertes

Can you recommend a place, museum where icons are exhibited that can be dated before the iconoclasm? [...]

Daniel Tamas

Geschichte

[...] It seemed to me that the destroyers of icons did a very accturate and far-reaching work, but maybe during your research of the East you have met some exceptions where these holy pictures were saved.

‘Icons before iconoclasm’ are preserved largely in two places, far away from Constantinople: the Monastery of Saint Catherine in the Sinai (icons of Christ and of the Theotokos) and in Rome (several icons, frescoes in Santa Maria Antiqua). These have been studied by Kurt Weitzmann and Hans Belting. The actual extent of damage inflicted by iconoclasts on works of art, as triumphantly reported in sources written by iconophiles long after the events, is much debated in scholarship. It only took place during the second phase of iconoclasm (815-843). And after the restoration of icon veneration, it took 17 years until we hear that the aniconic decoration in the apse of Hagia Sophia was replaced by the mosaic of the Holy Virgin and Child. It seems that the Byzantines were in no hurry to return to iconic representations.

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Can you recommend a place, museum where icons are exhibited that can be dated before the iconoclasm? [...]

Daniel Tamas

Geschichte

I read a theory that the mistranslation of Libri Carolini was a somewhat conscious act to create tension between West and East. What is your opinion on that?

Daniel Tamas

Geschichte

Translations and translators play a major role in facilitating (or not) communication. It was in Charlemagne’s interest to assert his power in western Europe, by insisting the doctrinal purity (and hence superiority) of his realm. The Libri Carolini were created in Francia at his behest, but their influence and impact was limited. Their critique of the Byzantine position did not represent the view of the papacy, nor were they accepted at the Synod in Frankfurt 794.

 

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I read a theory that the mistranslation of Libri Carolini was a somewhat conscious act to create tension between West and East. What is your opinion on that?

Daniel Tamas

Geschichte

Could you give some hints what led emperor Leo to start the iconoclast movement?

Daniel Tamas

Geschichte

When in 726 emperor Leo removed the image of Christ from the Chalke gate and put it in storage (whence it was later retrieved), he certainly could not foresee that this would set into motion a sequence of events which—from historical hindsight—now appear to us as a ‘movement’ with a clear name, ‘iconoclast’. He could not foresee that he would set in motion a long chain of events that would last until 843.

Scholars have proposed several explanations for the beginning of iconoclasm, which occurred at a time when Byzantium had recently experienced a siege by the Arab fleet (717) and the natural catastrophe of a sea quake or tsunami. In this situation, people may have felt the need to change their ways in order to attract the mercy of God. Since the previous century, there had been increased debate about the appropriate ways to depict Christ, further spurred on by comparison to the uniconic religions of Islam and Judaism. There had also been an increased popular devotion to images of Christ and the saints. Monasteries had become powerful as keepers of miracle-working relics of saints and as economic and social institutions. Leo’s measure may simply have been an attempt to attract God’s grace at a difficult time. It has also been suggested that he intended to curtail the growing influence of monasticism.

 

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Could you give some hints what led emperor Leo to start the iconoclast movement?

Daniel Tamas

Geschichte

Wie war es den Kreuzfahrerstaaten möglich, solch große Burgen bauen zu lassen, deren Ruinen heute überall in Griechenland und zum wohl geringeren Teil auch in Kleinasien stehen? [...]

Gero Vogl

Geschichte

[...] Mit welchen Mitteln konnten sie die Bevölkerung dazu bringen, diese gewaltigen Arbeitsleistungen zu vollbringen? Zwang, aber wodurch? Wirtschaftlicher Aufschwung gegenüber der alten verknöcherten byzantinischer Zeit?

Zunächst ist zu sagen, dass das Bild täuschen kann. Nur wenige Burgen wurden von den Kreuzfahrern neu errichtet. Meistens übernahmen und modernisierten sie byzantinische Festungen. Außerdem handelt es sich bei den beeindruckendsten Mauerresten oft "nur" um venezianische Erweiterungen aus späteren Jahrhunderten. Aber es stimmt, dass die Kreuzfahrer durchaus intensiv bauten. Sie übertrugen das in Westeuropa übliche Feudalsystem auch auf ihre neuen Besitzungen im Heiligen Land aber auch im heutigen Griechenland. Damit waren die Vasallen zu gewissen Abgaben und Arbeiten für ihren Lehnsherrn verpflichtet, der sie dafür beschützen sollte. Das allein reicht aber natürlich nicht für große Bauunternehmungen, für die man auch qualifizierte Facharbeiter benötigt. Während das lateinische Kaiserreich Konstantinopel von Anfang an unter akuter Geldnot litt, ging es den Fürstentümern in Griechenland wirtschaftlich weit besser. Sie waren intensiv in die florierenden Handelsnetzwerke eingebunden und exportierten ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse (Olivenöl, Wein etc.) auch in den Westen. Im Vergleich mit den letzten Jahren der byzantinischen Herrschaft gab es zweifellos in manchen Gebieten einen Wirtschaftsaufschwung, was aber weniger an einer "Verknöcherung" der byzantinischen Wirtschaft zu tun hat als mit einer Reihe von Krisen, die das Reich seit ca. 1180 erschüttert hatten.

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Wie war es den Kreuzfahrerstaaten möglich, solch große Burgen bauen zu lassen, deren Ruinen heute überall in Griechenland und zum wohl geringeren Teil auch in Kleinasien stehen? [...]

Gero Vogl

Geschichte

Eine militärhistorische bzw. militärtechnische Frage: Die Stadtmauern von Byzanz galten das gesamte Mittelalter über, also tausend Jahre, als die mächtigsten bzw. uneinnehmbarsten von ganz (?) Europa. [...]

Johann

Geschichte

[...] Erst im 15.Jahrhundert kamen dann "Mega-Kanonen" auf bzw. zum Einsatz. Den Osmanen gelang es erst nach monatelangen Vorbereitungen und nach mehrmonatigem Beschuss - nur durch Einsatz dieser mauerbrechenden Waffen - die Stadt zu erobern. Wie war es 1204 daher einigen (wenigen?) tausend Kreuzrittern mit (relativ) bescheidenen Waffen möglich, die Mauern "über Nacht" zu überrennen? Zwist und Demoralisierung der Verteidiger, also kriegspsychologische Gründe? Verrat? Intrigen? Hemmung, gegen "Glaubensbrüder" zu kämpfen....?

Vereinzelt wurden bei Zusammenstößen während des Zweiten und des Dritten Kreuzzuges sogar Forderungen nach einem Angriff auf Konstantinopel laut, doch konnte man die Konflikte stets beilegen. Dass es 1204 schlussendlich tatsächlich zur Eroberung Konstantinopels durch Kreuzfahrer kommen sollte, die eine venezianische Flotte gechartert hatten, war sowohl eine Konsequenz aus der zunehmenden Verschlechterung des politischen Klimas als auch eine Folge der Verkettung vieler für Byzanz ungünstiger Umstände und unglücklicher Entscheidungen.

Zunächst ist festzuhalten, dass sich das Byzantinische Reich seit dem Tod von Kaiser Manuel I. Komnenos im Jahre 1180 in einer innenpolitischen Dauerkrise befand. Der minderjährige Thronfolger und seine Regentschaft wurden 1182 von Manuels Cousin Andronikos I. beseitigt, der wiederum bereits 1185 von Isaakios II. Angelos (reg. 1185–1195) gestürzt und hingerichtet wurde. Isaakios fiel 1195 einem Putsch durch seinen eigenen Bruder Alexios III. (reg. 1195–1203) zum Opfer, wurde geblendet und in ein Kloster verbannt. Dem nicht genug, waren dem Reich in diesem Chaos etliche Territorien verloren gegangen: Serben und Bulgaren schüttelten die byzantinische Oberhoheit ab, und mehrere Aufständische und Thronprätendenten herrschten unabhängig über Gebiete in Kleinasien. Die Wehrkraft des Reiches war geschwächt wie selten zuvor: 1185 plünderte ein Normannenheer aus Süditalien Thessalonike praktisch ohne Gegenwehr; über eine konkurrenzfähige Flotte verfügte Byzanz, wie gesagt, ohnehin schon seit Langem nicht mehr. Auch im Heiligen Land überschlugen sich die Ereignisse. Die Muslime konnten unter Sultan Saladin die Kreuzfahrer vernichtend schlagen und 1187 Jerusalem zurückerobern. Der daraufhin ausgerufene Kreuzzug brachte trotz enormen Aufwands nicht den gewünschten Erfolg, und so rief Papst Innozenz III. 1198 zum Vierten Kreuzzug auf. Das Projekt stieß auf enormen Widerhall, vor allem unter den französischen Rittern.

Der Angriff sollte sich gegen Ägypten wenden, und so beschloss man, in Venedig eine Flotte für 30.000 Mann zu chartern. Die Venezianer willigten ein und lieferten zum gewünschten Zeitpunkt (29. Juni 1202) die nötigen Schiffe samt Ausrüstung. Allerdings hatten viele Kreuzfahrer inzwischen doch andere Wege ins Heilige Land gewählt, und so fand sich nur ein Bruchteil der kalkulierten Passagiere zum Abfahrtstermin ein. Obwohl die Anführer des Kreuzzuges mit ihrem eigenen Vermögen einsprangen und noch vor Ort Kredite aufnahmen, konnte man die vertraglich festgesetzte Summe nicht bezahlen. Die Venezianer erklärten sich zu einer Stundung bereit, wenn die Kreuzfahrer ihnen helfen würden, die Stadt Zadar in Dalmatien anzugreifen, die sich kurz zuvor von der venezianischen Oberhoheit gelöst und dem ungarischen Königreich unterstellt hatte. Trotz großer Bedenken von vielen Seiten und Drohungen des Papstes stimmten die meisten Kreuzfahrer dem Angriff auf die christliche Stadt zu. Zadar wurde geplündert, doch noch waren die Schulden bei den Venezianern nicht getilgt.

Da ergab sich eine unerwartete Chance. Alexios Angelos, Sohn des abgesetzten Isaakios II. Angelos, stieß zum Kreuzzug und bot ein Geschäft an: Wenn die Kreuzfahrer es vollbrächten, seinen Vater zu befreien und zurück auf den Thron zu bringen, würde er den Kreuzzug mit den Reichtümern Konstantinopels und eigenen Truppen unterstützen. Einige Ritter hatten die Befürchtung, dass man das Ziel des Kreuzzuges aus den Augen verlieren würde, und fuhren direkt ins Heilige Land. Die Mehrheit aber folgte der Argumentation, dass sich die Chancen auf einen erfolgreichen Kreuzzug mit den zusätzlichen byzantinischen Geldmitteln drastisch erhöhen würden. So machte sich die Flotte auf den Weg nach Konstantinopel und die Kreuzfahrer schlossen die Stadt ein. Nach mehreren Scharmützeln, bei denen die Lateiner siegreich blieben, floh Kaiser Alexios III. heimlich aus der Stadt. Der geblendete

Isaakios wurde gemeinsam mit seinem Sohn Alexios IV. als Kaiser eingesetzt. Doch Alexios IV. konnte seine Versprechungen nicht einlösen und fand mit seinen Zugeständnissen an die Lateiner keinerlei Rückhalt in der Bevölkerung. Im Jänner 1204 fiel Alexios einem Komplott zum Opfer und wurde von Alexios V. Murtzuphlos gestürzt, der die Versprechungen an die Kreuzfahrer für nichtig erklärte. Diese waren jedoch nicht bereit, mit leeren Händen abzuziehen.

Venezianer und Kreuzfahrer beschlossen den Sturm auf Konstantinopel, und so fiel die byzantinische Hauptstadt am 12. April 1204 zum ersten Mal seit ihrer feierlichen Einweihung im Jahre 330 in die Hände von Nicht-Römern. Die Kreuzfahrer plünderten die Stadt mehrere Tage lang, und im Lauf der Kämpfe ausgebrochene Brände zerstörten weite Gebiete. Als neuer – lateinischer – Kaiser wurde Balduin I. von Flandern (reg. 1204–1205) gewählt, als neuer – lateinischer – Patriarch der Venezianer Thomas Morrosini eingesetzt.

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Eine militärhistorische bzw. militärtechnische Frage: Die Stadtmauern von Byzanz galten das gesamte Mittelalter über, also tausend Jahre, als die mächtigsten bzw. uneinnehmbarsten von ganz (?) Europa. [...]

Johann

Geschichte

Woher hatte Byzanz nach der Zerstörung und Plünderung durch Venezianer und Franken 1204 die Mittel zum Wiederaufbau?

Mag. Eva Bastirsch

Geschichte

1261 war es Michael VIII. Palaiologos (reg. 1259-1282) gelungen, Konstantinopel wieder unter byzantinische Herrschaft zu bringen. Nahezu kampflos marschierte sein Heer im Juli 1261 in die Stadt ein. Konstantinopel fand er in einem erbärmlichen Zustand vor. Viele prächtige Stadtvillen hatten sich durch Brände in rußgeschwärzte Ruinen verwandelt. Innerhalb der Stadtmauern waren sogar Weizenfelder angelegt worden. Die Staatskassen waren also leer. Daher konzentrierte sich Michael VIII. vorerst darauf die Stadtmauern und besonders symbolträchtige Bauten zu renovieren. Weil der lateinische Kaiser Balduin II. (reg. 1228 – 1261) aus Geldnot die bleiernen Dachpfannen zahlreicher Paläste veräußert hatte, waren selbst die kaiserlichen Paläste in äußerst schlechtem Zustand. Die Hagia Sophia wurde ebenso für den orthodoxen Kultus wieder in Betrieb genommen. Allmählich kehrte auch die byzantinische Aristokratie zurück. Viele Renovierungsarbeiten von Kirchen, öffentlichen Gebäuden und Palästen wurden durch private Geldgeber finanziert. Michael VIII. beschloss mit den Genuesen ein Handelsabkommen, das ihnen eine Sonderstellung im Byzantinischen Reich einräumte, gleichzeitig begann der genuesische Handel im Mittelmeerraum zu boomen. Das Zentrum der Genuesen sollte das Viertel Pera werden. Auch muslimischen Kaufleuten kam Michael VIII. entgegen und ließ daher eine Moschee restaurieren. Die Innenausstattung dieser Mosche finanzierte sogar der Mamlukenherrscher Baibars I. (reg. 1260 – 1277). Zudem erstarkte auch die byzantinische Flotte unter Michael VIII. All dies konnte langfristig aber nur durch eine Politik der Geldentwertung gelingen. Trotz dieser wirtschaftlichen Erfolge ist Michael VIII. umstritten, da er gegenüber dem Westen eine pragmatische Politik verfolgte, und sich daher auch oftmals der Katholischen Kirche annäherte. Die Bevölkerung erinnerte sich aber noch lebhaft an die Zeit der lateinischen Fremdherrschaft. Unter Michaels Nachfolgern, seinem Sohn Andronikos II. (reg. 1282 – 1328) und seinem Enkel Andronikos III. (reg. 1328 – 1341) herrschten bürgerkriegsähnliche Umstände in Byzanz.

 

Vgl. hierzu: Mabi Angar; Claudia Sode: Byzanz. Ein Schnellkurs. Köln 2010.

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Woher hatte Byzanz nach der Zerstörung und Plünderung durch Venezianer und Franken 1204 die Mittel zum Wiederaufbau?

Mag. Eva Bastirsch

Geschichte

Konnex respektive Einfluss der Vulgata auf die spätere byzantinische Welt?

Pries Peter

Wissenswertes

Mit Vulgata (in den hier zur Debatte stehenden Bedeutungen eine NACHmittelalterliche Prägung) ist bei der Frage entweder die spätantike Umgangssprache Latein, also gewissermaßen die "Vorgängerin" des  mittelalterlichen Italienisch gemeint oder die Bibelübersetzung des Hieronymus. In beiden Fällen ist kein EINFLUSS bekannt, wenngleich  die allgemeine Formulierung "spätere byzantinische Welt" immer  Möglichkeiten offen lässt.
Ein Hinweis: Kaiser Justinian I. legte in Novelle 146 (553) fest, dass die Juden in ihren Gottesdiensten das Alte Testament lediglich in griechischer Sprache oder in seiner „Vatersprache (patrios phone), nämlich der italischen (sic: italike)"  oder einer anderen lokal üblichen Sprache rezitieren dürften. Bei  Lesungen in griechischer Sprache, sollten sie ausschließlich die Tradition der Septuaginta verwenden, da sie von allen (Überlieferungen) die genaueste sei. Ob Justinian sich mit "italisch" auf die Itala (Vetus Latina) oder schon auf die Vulgata des Hieronymus bezieht, ist allerdings nicht feststellbar.

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Konnex respektive Einfluss der Vulgata auf die spätere byzantinische Welt?

Pries Peter

Wissenswertes

Warum wird das Christuskind in der Ikonographie der Ostkirche bei der Darstellung des melismos manchmal mit Bart dargestellt, welche Art von Bart gibt es dabei und warum mit Bart?

Anonym

Wissenswertes

Der Melismos (gr. zerschneiden) ist Teil der orthodoxen Eucharistie. Die Darstellung des Melismos kommt erst ab spätbyzantinischer Zeit vor und wird in der Regel in der Apsis in  der Mitte der Kirchenväterliturgie dargestellt.  Bei der Eucharistie wird das Brot in vier Teile geschnitten, die in Kreuzform auf die Patene gelegt werden und den Kreuzestod Christi  vergegenwärtigen soll. 
Das menschgewordene Christuskind auf dem Altar und der neben ihm stehende Kelch zeigen den Moment vor der Teilung. Hierbei gibt es verschiedene Darstellungsvarianten. Das Christuskind kann von einem Tuch bedeckt sein oder als Lamm Gottes von einer Lanze durchbohrt sein. Es  gibt auch sehr dramatische Darstellungen, bei denen das Kind (also der Leib Christi in Form des Brotes) sogar zerteilt ist. Eine andere Variante zeigt den schon erwachsenen und somit bärtigen Christus auf dem Altar. Diese Darstellungsvariante nimmt Bezug auf eine spätere Phase der Liturgie: nämlich den Empfang der Eucharistie, also dem Leib Christi, nach der Zerteilung des Brotes = zum Zeitpunkt der Kreuzigung im Erwachsenenalter.

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Warum wird das Christuskind in der Ikonographie der Ostkirche bei der Darstellung des melismos manchmal mit Bart dargestellt, welche Art von Bart gibt es dabei und warum mit Bart?

Anonym

Wissenswertes

Welche Sprache wurde zur Kommunikation genutzt (zwischen Mitteleuropa und Byzanz) ?

Sophie Hausmann

Wissenswertes

Für die Kommunikation verwendete man in den Kontaktzonen zwischen Griechen und Westeuropäern Latein. Die Bevölkerung des römischen Westens sprach Latein, im Osten bestanden viele verschiedene Sprachen nebeneinander, wenngleich Griechisch dominierte. Wollten die Leute unterschiedlicher Zunge miteinander sprechen oder sich schriftlich austauschen, brauchte es Übersetzer. Die gab es damals zwar, aber Missverständnisse waren natürlich vorprogrammiert. Allerdings gab es aber immer wieder Orte, wo man offenkundig über beachtliche Kenntnisse des Griechischen verfügte und wo auch Übersetzungen initiiert wurden: sei es im normannischen Süditalien, sei es infolge von Unterweisungen durch Griechen oder im griechischen Raum, etwa bei Reisen oder Aufenthalten im Osten. Für die Übersetzungen müssen allerdings auch entsprechende Glossare zur Verfügung gestanden sein.

Wiewohl Latein im Lauf der Zeit gewisse Änderungen der Aussprache erfuhr, entsprach jeder Buchstabe einem Lautwert; das galt nicht für das Griechische. Die Sprachentwicklung hat diesbezüglich zu vielen Änderungen beigetragen. So war beispielsweise ein Eta nicht mehr als langes „e“, der Diphthong Omikron-Iota nicht als „oi“ oder Ypsilon nicht als „ü“ zu lesen; mit dem Phänomen des sogenannten „Itazismus“ hatte sich längst die einheitliche Aussprache „i“ durchgesetzt. Solcher lautlicher Änderungen gab es viele. Darauf nahmen freilich die Grammatiken keine Rücksicht, da sie in der Regel das klassische Griechisch vermittelten. Wenn also ein Lateiner Griechisch lernen wollte, war noch jene Hürde zu überwinden, dass sich die Aussprache längst gewandelt hatte. Ohne Native Speaker war es praktisch unmöglich, die griechische Sprache so zu lernen, dass man eventuell auch kommunizieren konnte.

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Welche Sprache wurde zur Kommunikation genutzt (zwischen Mitteleuropa und Byzanz) ?

Sophie Hausmann

Wissenswertes

Bis jetzt habe ich immer gedacht, dass die Kreuzzüge einen viel größeren Einfluss auf das Verhältnis zwischen Mitteleuropäern und Byzantinern hatte. Nämlich in negativer Hinsicht, dass die Pilger als zurückgeblieben und eher als Last wahrgenommen wurden.

Sophie Hausmann

Geschichte

Die Kreuzzüge - vor allem all jene, die den Landweg ins Heilige Land wählten - waren für Byzanz in der Tat eine enorme Belastung, sowohl aus sicherheitspolitischer als auch aus ökonomischer Sicht. Die Sicherung der Wege und die Versorgung der bewaffneten Pilger auf ihrem Weg über den Balkan bis Konstantinopel bzw. auch diverse Rettungsaktionen, später auch Konflikte mit den Kreuzfahrerstaaten selbst banden viele byzantinische Kräfte.
Die gegenseitige Wahrnehmung ist in den Quellen sehr zwiespältig. Es gibt in einigen westlichen Texten den Hang dazu, Misserfolge der Kreuzfahrer den Byzantinern in die Schuhe zu schieben. Byzantinische Autoren äußern wiederholt Bedenken über die große Zahl an bewaffneten Fremden, die das Reich durchwandern.
Eine kulturelle Rückständigkeit der Pilger ist manchmal ein Thema, das aber oft einfach mit traditionellen Klischees zu tun hat. Sehr oft erkennt man in byzantinischen Texten im Gegenteil auch die Bewunderung und das Interesse an der westlichen Ritterkultur, die sich damals zunehmend verfeinerte.

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Bis jetzt habe ich immer gedacht, dass die Kreuzzüge einen viel größeren Einfluss auf das Verhältnis zwischen Mitteleuropäern und Byzantinern hatte. Nämlich in negativer Hinsicht, dass die Pilger als zurückgeblieben und eher als Last wahrgenommen wurden.

Sophie Hausmann

Geschichte

Wie, wann und durch wen erfolgte die Gründung des Papsttums in Rom?

Hans Otto HEINZ

Geschichte

Im Matthäus-Evangelium der Bibel spricht Jesus zu Petrus: "Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen." Das Wort petros ist griechisch und bedeutet Felsen. Jesus übergibt Petrus "die Schlüssel über das Himmelreich". Hieraus deutete man, dass der Bischof von Rom Vorrang unter den christlichen Bischöfen haben sollte. Noch heute ist dieser Satz für viele die Begründung für die Rechtmäßigkeit des Papsttums.
Der Bischof Siricius von Rom (385 bis 399 n. Chr.) soll sich als Erster als papa bezeichnet haben, was eigentlich "Vater" bedeutet. Papst Gregor I., der von 590 bis 604 im Amt war, schrieb diese Amtsbezeichnung schließlich für den Bischof von Rom ins Gesetz.
Das  Wort leitet sich aus dem Griechischen und Kirchenlatein ab, wo "papa" (πάππα)  Vater bedeutet. Leo I. führte schon 450 n. Chr. für das Papsttum die neue päpstliche Bezeichnung "Patriarcha Occidentis" ein. Das bedeutet  "Patriarch des Abendlandes". Alle Päpste haben bis ins Jahr 2006 diese  Bezeichnung noch geführt.

 

[Quelle: http://www.kinderzeitmaschine.de/mittelalter/lucys-wissensbox/kategorie/religion-warum-ging-mohammed-nach-mekka-und-warum-faellte-bonifatius-eine-eiche/frage/wer-war-der-erste-papst.html?no_cache=1&ht=4&ut1=9]

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Wie, wann und durch wen erfolgte die Gründung des Papsttums in Rom?

Hans Otto HEINZ

Geschichte

Welchen Einfluss hatte die Slawenmission durch Kyrill und Method auf den Austausch zwischen Byzanz und dem Westen, insbesondere im Gebiet des heutigen Österreichs?

Stephan

Geschichte

Die „Slawen-Mission“ des Kyrill und Method erreichte ab 863/864 mit dem Großmährischen Reich im Gebiet der heutigen Slowakei und der Tschechischen Republik eine dem heutigen Österreich unmittelbar benachbarte Region. Allerdings stieß sie von Beginn an auf den Widerstand dort bereits tätiger westkirchlicher Kleriker als Vertreter der benachbarten Bistümer Salzburg und Passau, die um ihre Macht im Grenzraum des (damaligen) fränkischen Reiches fürchteten. Die großmährischen Fürsten hatten aber deshalb auch um Missionare aus Konstantinopel gebeten, um den kirchlichen Einfluss der fränkischen Nachbarn nicht zu groß werden zu lassen. Mit ähnlichen Hoffnung suchte der um dieselbe Zeit nach byzantinischem Ritus getaufte Herrscher der Bulgaren Boris-Michael den Kontakt zum Papst in Rom, um den Einfluss Konstantinopels zu schwächen.
867 reisten Kyrill und Method nach Rom, wo eine Lösung des Konflikts in Mähren möglich schien; allerdings verstarb Kyrill dort 869. Nach seiner Rückkehr nach Mähren wurde Method zusammen mit 20 seiner Schüler im Jahr 870 auf dem Weg zu einer neuerlichen Romreise auf Betreiben der lokalen Bischöfe (Erzbischof Adalwin von Salzburg [859–873], Bischof Hermenrich von Passau [866–874] und Bischof Anno von Freising [854–875]) sogar gefangengenommen und bis 873 im Kloster Reichenau im Bodensee in Haft gehalten. Nach seiner Freilassung setzte Method die Bemühungen um eine eigenständige mährische Kirche, der alternativ zu Latein auch das Kirchenslawische als Liturgiesprache erlaubt sein würde, fort. Doch wurden die meisten seiner Schüler nach seinem Tod 885 aus dem Mährischen Reich vertrieben, das fest in die westkirchlichen Strukturen eingegliedert wurde. Zuflucht fanden viele der Schüler Methods aber im Bulgarenreich, das sich wiederum nun eindeutig an die byzantinisch-orthodoxe Tradition angeschlossen hatte.
Gewissermaßen setzte sich jeweils die „Logik“ der geographischen Nähe durch. Im Rahmen der Beziehungen zwischen Byzanz und dem Westen stellte die „Slawenmission“ Kyrills und Methods also einen Aspekt der Verschärfung der kirchenpolitischen Konflikte und der Abgrenzung der jeweiligen Einflusssphären da, wobei diese Konflikte auch unmittelbar im Donauraum um und im heutigen Österreich ausgetragen wurden. Dennoch werden Kyrill und Method bis heute sowohl in der Ost- als auch in der Westkirche als Heilige verehrt; 1980 erklärte sie Papst Johannes Paul II. sogar zu Mitpatronen Europas.

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Welchen Einfluss hatte die Slawenmission durch Kyrill und Method auf den Austausch zwischen Byzanz und dem Westen, insbesondere im Gebiet des heutigen Österreichs?

Stephan

Geschichte

Wann und wo wird die Ausstellung in Deutschland zu sehen sein?

ak

Ausstellung

Die Ausstellung ist leider nicht als Wanderausstellung gedacht und wurde eigens für die Schallaburg konzipiert.Daher wird sie nicht in Deutschland zu sehen sein.

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Wann und wo wird die Ausstellung in Deutschland zu sehen sein?

ak

Ausstellung

Darstellung der Maria mit Kind: Was bedeutet die Position des Kindes links resp. rechts vom Herzen der Mutter?

Anonym

Wissenswertes

Es kann nicht genau gesagt werden, ob hinter der Platzierung des Christuskindes auf dem linken oder rechten Arm der Gottesmutter auch explizit eine besondere Nähe zu ihrem Herzen zum Ausdruck gebracht werden soll.
Die Platzierung auf dem linken oder rechten Arm stellt aber ein Merkmal für zwei unterschiedliche Marienbildtypen dar. Trägt Maria Christus auf dem linken Arm und verweist mit ihrer Rechten auf ihn, handelt es sich um den Typus der "Maria Hodegetria". Dieser ist einer der wichtigsten und am häufigsten gebrauchte Marienbildtypen in Byzanz. Befindet sich das Christuskind spiegelverkehrt auf dem rechten Arm seiner Mutter, handelt es sich um den Typus der "Maria Dexiokratousa" (Rechtshaltende). Dieses "Spiegelbild" der Maria Hodegetria soll im Zusammenhang mit dem Bilderstreit (Ikonoklasmus) entstanden sein und den Abdruck einer Hodegetria zeigen. Dies würde erklären, warum die Gottesmutter auf einigen Dexiokratousa-Darstellungen als Theotokos Acheiropoietos bezeichnet wird. Archeiropoieta sind "nicht von Menschenhand gemachte" Bilder, wie beispielsweise das Schweißtuch der Veronika. Dieses zeigt als Negativabdruck das Gesicht Christi. Nicht menschliche Künstler malten sein Antlitz, sondern der Staub und Schweiß formten das Gesicht Christi bei der Berührung ab.
 

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Darstellung der Maria mit Kind: Was bedeutet die Position des Kindes links resp. rechts vom Herzen der Mutter?

Anonym

Wissenswertes

Woher kam im Byzanz der Reichtum, das Gold?

Maria

Wissenswertes

Im Herrschaftsgebiet des Byzantinischen Reiches lagen diverse Goldlagerstätten, die ausgebeutet wurden. Dazu gehörten v.a. Goldvorkommen in Ägypten (bis ins 7. Jahrhundert), dann aber auch die Lagerstätten in Armenien, in Kleinasien und in Griechisch-Thrakien. Besonders ergiebig waren die armenischen Goldvorkommen, die besonders leicht auszubeuten waren.

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Woher kam im Byzanz der Reichtum, das Gold?

Maria

Wissenswertes

Seit wann tragen die Päpste "rot" (Mozetta und Schuhe) im Sinne des kaiserlichen Purpur? ... und ist der kaiserliche Purpur der Grund, warum Päpste in "rot" beerdigt werden?

Klaus König

Wissenswertes

Nach dem Vorbild der römischen bzw. der (sich ja als ununterbrochene Fortsetzung des römischen Kaisertums verstehenden) byzantinischen Kaiser blieb die Purpurfarbe im Westen Europas auch nach dem Zerfall der römischen Herrschaft im 5. Jahrhundert ein besonderes Auszeichnungsmerkmal. In mit Purpur gefärbte Seidentücher (die vor allem aus Byzanz importiert wurden) hüllte man etwa in der Westkirche außergewöhnlich hoch geschätzte Reliquien. Bis ins 6. Jh. wurde auch das Pergament von „Luxushandschriften“ etwa des Neuen Testaments mit Purpur gefärbt. Nach der Kaiserkrönung Karls des Großen im Jahr 800 (der schon dabei einen Purpurmantel trug) begannen nicht nur die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches im Westen nach römisch-byzantinischem Muster Purpur etwa für ihre Krönungsmäntel und andere Insignien zu nutzen, sondern insbesondere ab dem 10. Jahrhundert auch die Päpste, die sich mittlerweile als zumindest dem Kaiser gleichrangig, wenn nicht sogar überlegen fühlten (vgl. etwa die in dieser Zeit entstehende Fälschung der „Konstantinischen Schenkung“, wonach Kaiser Konstantin der Große bei seinem Aufbruch in den Osten den gesamten Westen des Römerreiches dem Papst unterstellt hätte).
Von den Insignien des päpstliches Ranges (den „Pontifikalien“) wurden u. a. Schuhe und Handschuhe purpurgefärbt. Eine besonders wichtige Rolle spielte im 11. bis zum 13. Jh. die „purpurea cappa“, also der purpurne Papstmantel (aus dem dann auch die kürzere Mozetta hervorging), als Zeichen der päpstlichen Herrschaft; die Einkleidung (lat. „immantatio“) eines neugewählten Papstes mit diesem Mantel war auch wesentlicher Teil seiner Einsetzung ins Amt. Zusätzlich konnte man auch darauf verweisen, dass der Spottmantel, der Jesus Christus vor der Kreuzigung umgelegt wurde, nach Auskunft der Evangelisten Markus und Johannes purpurfarben gewesen sei; dazu kamen auch Umdeutungen der Symbolik im Hinblick auf das Blut der Märtyrer usw. Papst Paul II. (1464-1471) schrieb schließlich auch für die Kardinäle scharlach- bzw. purpurfarbene Gewänder und Hüte vor, um ihren Anteil an der päpstlichen Gewalt zu symbolisieren. In dieser Tradition werden auch verstorbene kirchliche Träger des „Purpurs“ nach ihrem Tod in diesen Farben aufgebahrt.

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Klaus König

Wissenswertes

Wann regierten die Babenberger in Österreich?

Peter Ringler

Geschichte

Die Babenberger haben von 976 bis 1246 regiert.

976 belehnte Otto II. Markgraf Leopold I. mit dem Gebiet zwischen  Enns und Traisen ("Ottonische Mark"); Leopold holte fränkische und  bayrische Siedler ins Land und schob die Grenze bis zum Wienerwald vor;  aus der Regierungszeit seines Sohnes Heinrich I. stammt die  "Ostarrichi-Urkunde" (996). Die Bezeichnung "Babenberger" kommt erst  Ende des 15. Jahrhunderts auf, geht jedoch auf Otto von Freising zurück, der die Familie von einem Adalbert von Bamberg ableitete. Die Beinamen scheinen komplett erstmals 1491 bei Ladislaus Sunthaym auf, finden sich aber zum Teil bereits bei älteren Chronisten.Die Babenberger waren zunächst Markgrafen (Leopold I. der Erlauchte, 976-994; Heinrich I. der Starke, 994-1018; Adalbert der Siegreiche, 1018-1055; Ernst der Tapfere, 1055-1075; Leopold II. der Schöne, 1075-1095; Leopold III. der Heilige,1095-1136; Leopold IV. der Freigebige, 1136-1141; Heinrich II. Jasomirgott, 1141-1177, ab 1156 Herzog); die weiteren Herzöge waren Leopold V. der Tugendhafte (1177-1194), Friedrich I. der Katholische (1194-1198), Leopold VI. der Glorreiche (1198-1230) und Friedrich II. der Streitbare (1230-1246); mit seinem Tod in der Schlacht an der Leitha starb das Geschlecht aus. Nicht alle Beinamen haben sich durchgesetzt.Adalbert schob die Grenzen der Mark nördlich der Donau bis an Thaya und March (1039/1040) und südlich der Donau bis an die Leitha vor  (1043); in diese Zeit fallen die Nennung Wiens in den Niederaltaicher  Annalen (1030; Einnahme durch die Ungarn nach einem missglückten Feldzug  Konrads II. gegen sie) und der Hoftag König Heinrichs III. zu Wien  (1043). Mitte des 11. Jahrhunderts kam es zum Ausbau einer  vorstädtischen Handelssiedlung im Osten vor dem Römerlager (Bereich  Bäckerstraße-Sonnenfelsgasse). Um die Mitte der 30er Jahre des 12. Jahrhunderts kamen die Babenberger in den Besitz von Wien, 1137 wird  Wien im sogenannten Tauschvertrag von Mautern als "civitas" (Stadt)  bezeichnet, im selben Jahr begann der Bau der (romanischen) Stephanskirche  (Weihe 1147); 1139 erhielt Leopold IV. das den Welfen entzogene  Herzogtum Bayern, 1143 folgte ihm Heinrich II. (Residenz in Regensburg).  Nach dem Tod Kaiser Konrads III. (1152) suchte Kaiser Friedrich I. Barbarossa eine Aussöhnung mit den Welfen, entzog Heinrich 1154 Bayern  und übergab es Heinrich dem Löwen (der es 1155 formal übernahm); Heinrich II. wurde dafür Herzog von Österreich (1156, Privilegium minus); 1155 beriefen die Babenberger die "Schotten" (irische Mönche aus  Neu-Schottland [=Irland]) von Regensburg nach Wien und verlegten ihre  Residenz in die Stadt (Babenbergerpfalz am Hof).

Um 1193 begannen die Babenberger (finanziert aus dem Lösegeld,  das die Engländer für ihren in Erdberg bei Wien gefangengenommenen König  Richard Löwenherz bezahlt hatten) mit der Einebnung des Grabens und dem Bau der Ringmauer (babenbergische Stadterweiterung); um diese Zeit entstand die Vorstadt An der langen Mauer.  1208 erteilten die Babenberger den Flandrenser Tuchfärbern  wirtschaftspolitisch bedeutsame Privilegien (Flandrenser Privileg). 1221  gaben sie Wien das älteste Stadtrecht, in den 1220er Jahren taucht erstmals das Wiener Stadtsiegel  auf, wahrscheinlich 1224 werden die Minoriten, 1226 die Dominikaner  nach Wien berufen. Knapp vor 1200 und im ersten Viertel des 13.  Jahrhunderts werden die ältesten Gebäude vor der Stadt und einzelne  Vorstädte genannt (unter anderem vor 1200 St. Niklas vor dem Stubentor, 1208 Heiligengeistspital vor dem Kärntnertor und Maria-Magdalena-Kloster  vor dem Schottentor, 1211 Wieden).
1237 und 1247 wurde Wien vorübergehend "kaiserliche Stadt" (nicht reichsunmittelbare Stadt). Nach dem sogenannten Interregnum (Ottokar II. Přemysl von Böhmen) folgte in Österreich (und Wien) die Ära der Habsburger (1278-1918). Eine Nebenlinie der Babenberger residierte in der Mödlinger Burg; die Stadt wird daher des öfteren als "Babenbergerstadt"  bezeichnet (der "Herzoghof" stammt allerdings erst aus dem 15. Jahrhundert). Neben den Lebensdaten sind die wichtigsten Ereignisse ihrer Regierungszeit bei den Stichwörtern der einzelnen Herrscher  nachzulesen. Vergleiche Babenbergerpfalz am Hof, Babenbergerdenkmäler, Babenbergerstadttore, Babenbergerstammbaum, Babenbergersteig, Babenbergerstraße, Jasomirgottdenkmal, Jasomirgottstraße;  1000-Schilling-Goldmünze (1976 anlässlich der 1000-Jahr-Feier). Auch in  Perchtoldsdorf und Mödling (Babenberger- und Jasomirgottgasse) erinnern Verkehrsfiächen an die Babenberger.

Quelle: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Babenberger

 

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Wann regierten die Babenberger in Österreich?

Peter Ringler

Geschichte

Wie konnte ein Angehöriger der letzten byzantinischen Kaiser, die ja ab dem 13. Jh aus der Dynastie der Palaiologen stammten, Fürst im norditalienischen Montferrat werden?

Anonym

Geschichte

Die Palaiologen kamen durch Erbschaft in den Besitz der Margrafschaft von Montferrat.

Markgraf Wilhelm VII. von Montferrat (auch Guglielmo il Gran Marchese) (reg. 1253–1292) hatte mit seiner dritten Ehefrau Beatrix von Kastilien drei Kinder: Yolande (Jolanthe) Irene, Johann und Alessina. Yolande Irene heiratete den byzantinischen Kaiser Andronikos II. Palaiologos (reg. 1282–1328). Das kaiserliche Paar hatte vier Kinder, die das Erwachsenenalter erreichten: Johannes Palaiologos (gest. 1307), Theodoros Palaiologos (gest. 1338), Simonida Palaiologina (gest. 1340), Demetrios Palaiologos (gest. nach 1343). Als der Bruder von Yolanthe Irene, Johann (Johann I.) im Jahr 1305 kinderlos verstarb, trat Yolanthes Sohn Theodoros (auch Theodor I.) Palaiologos in die Erbschaftsnachfolge und wurde Markgraf von Montferrat, womit er den italienischen Zweig der Palaiologen begründete. Er trat zudem zur Römisch-Katholischen Kirche über und galt als Befürworter der Unionspolitik zwischen römisch-katholischer und griechisch-orthodoxer Kirche.

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Wie konnte ein Angehöriger der letzten byzantinischen Kaiser, die ja ab dem 13. Jh aus der Dynastie der Palaiologen stammten, Fürst im norditalienischen Montferrat werden?

Anonym

Geschichte

Wie konnte so ein großes Land wie das Fränkische Reich aus dem Nichts entstehen?

Nicolas Klatzer

Geschichte

Die Langobarden hatten ab 568 weite Teile der Apenninenhalbinsel besetzt. Den Byzantinern waren lediglich Sizilien und der Großteil Unteritaliens sowie Besitzungen
rund um die Hauptstadt Ravenna verblieben, dazu noch ein Korridor, der Ravenna mit Rom verband. An eine Gegenoffensive war nicht zu denken, denn das Byzantinische Reich befand sich in einer existenzbedrohenden Krise. Die aggressive Expansionspolitik Kaiser Justinians hatte den Staatshaushalt schwer belastet, und der Ausbruch der Pest sowie weitere Naturkatastrophen hatten dazu geführt, dass zahlreiche ländliche Siedlungen aufgegeben wurden und die Staatseinnahmen sanken. Viele der antiken Städte waren bald nicht mehr wiederzuerkennen. Die Langobarden nutzten die Situation und setzten ihre Eroberungen fort. 750/51 fiel mit Ravenna die traditionsreiche Hauptstadt des einstigen Weströmischen Reiches; die Herrschaft in Venedig und Neapel war bestenfalls noch theoretischer Natur. Auch Rom konnte vor dem Zugriff der Langobarden nicht mehr geschützt werden, und so suchte die Stadt unter Führung des Papstes eine neue, potentere Schutzmacht. Fündig wurde man bei den Franken. Im Jahr des Falls von Ravenna (751) wurde im Frankenreich der Karolinger Pippin (der Jüngere) zum König gewählt. Drei Jahre später suchte ihn Papst Stephan II. höchstpersönlich in seiner Residenz in Ponthion auf, um von ihm Hilfe gegen die Langobarden zu erbitten. Pippin entsprach dem Wunsch und zwang die Langobarden zum Rückzug. Außerdem soll der Frankenkönig dem Papst die ehemaligen byzantinischen Besitzungen von Ravenna bis Rom zum Geschenk gemacht haben („Pippinische Schenkung“) – der Grundstein des Kirchenstaates war damit gelegt. Pippins Sohn Karl („der Große“) machte das Frankenreich endgültig zur europäischen
Großmacht: In Italien zerschlug er das Langobardenreich (774) und nannte sich fortan rex francorum et langobardorum – „König der Franken und Langobarden“. In langen Kriegen unterwarf er die Sachsen und Awaren und gliederte auch Bayern dem Frankenreich ein. Kunstschaffen und Literatur, aber auch die Wirtschaft gelangten zu einer über Jahrhunderte nicht dagewesenen Blüte. Karl unterhielt diplomatische Beziehungen nach Skandinavien, England, Spanien, Bagdad, Rom und Konstantinopel. 

Jene zu Letzteren wurden im Jahre 800 auf eine harte Probe gestellt, als Papst Leo III. Karl in Rom zum ersten römischen Kaiser im Westen seit den Tagen von Romulus „Augustulus“ (476) ausrief (Raum VIII). Die Krönung war ein offener Affront gegen Konstantinopel, wo sich die Kaiser als Einzige in der Nachfolge der römischen Caesaren sahen. Aus päpstlicher Sicht wiederum hatten die Byzantiner
ihre Chancen verwirkt, weil ihre Macht nicht mehr in den Westen reichte. Ein zusätzliches Argument zur Legitimation bot die Tatsache, dass zum Zeitpunkt von Karls Krönung mit Kaiserin Eirene (reg. 797– 802) „nur“ eine Frau auf dem Thron in Konstantinopel saß (was auch in Byzanz nicht üblich war). Außerdem hatte sich im Westen schon seit Längerem etabliert, den byzantinischen Herrscher herabwürdigend
als imperator Graecorum („Kaiser der Griechen“) zu betiteln und so seine Ansprüche auf das römische Kaisertum infrage zu stellen.

 

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Wie konnte so ein großes Land wie das Fränkische Reich aus dem Nichts entstehen?

Nicolas Klatzer

Geschichte

Wieso bestand das Heilige Römische Reich aus so vielen Ländern?

Nicolas Klatzer

Geschichte

Karl der Große wird als Begründer des Frankenreichs angesehen. Das Jahr 800 markiert hier vor allem eine Zeitenwende in Europa. Das Frankenreich hatte unter Karl dem Großen seinen Zenit erreicht. Dessen Sohn Ludwig der Fromme erbte das Gesamtreich, konnte aber interner Machtkämpfe nie Herr werden und wurde zwei Mal sogar entmachtet. 843 erfolgte die Aufteilung des Reiches zu je einem Drittel unter seinen Söhnen (Westfränkisches Reich, Ostfränkisches Reich, Lotharingien mit Italien), wobei Lotharingien 870 geteilt und den beiden anderen Reichsteilen zugeschlagen wurde. Damit waren zumindest imGroben wichtige Grenzen gezogen, die für die europäische Geschichte bestimmend
bleiben sollten. Im Westfränkischen Reich traten die Kapetinger an die Stelle der Karolinger und regierten das Königreich Frankreich in direkter Linie bis ins 14. Jahrhundert. Im Ostfränkischen Reich etablierten sich nach einem Zwischenspiel die Ottonen (Liudolfinger) als Nachfolgedynastie. Mit der Kaiserkrönung von Otto I. (reg. 936–973) im Jahr 962 wurde nun auch das Erbe Karls des Großen
dauerhaft auf das Ostfränkische Reich übertragen („Heiliges Römisches Reich“). Otto I. knüpfte, ermächtigt durch die Kaiserkrönung, an die Idee des Römischen Imperiums an. Ihm gelang es schließlich die Reichsteile zu vereinigen, indem er Italien eroberte und sein Reich nach Norden und Osten ausdehnte. Das HRR wurde aufgrund seiner Zusammensetzung nie ein einheitlicher Nationalstaat, sondern ihm standen Institutionen vor, die aus Reichsständen und dem Kaiser an der Spitze bestanden. In seiner größten Ausdehnung umfasste das HRR das Gebiet um das heutige Mitteleuropa sowie Teile Südosteuropas.

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Wieso bestand das Heilige Römische Reich aus so vielen Ländern?

Nicolas Klatzer

Geschichte

Wie konnte das Osmanische Reich die Byzantiner besiegen?

NIcolas Klatzer

Geschichte

In den Monaten Februar und März des Jahres 1453 wurde osmanisches Kriegsgerät und Vieh herbeigeschafft, bis schließlich das Lager des Sultans gegenüber des byzantinischen Stadttores, der Romanos-Pforte, aufgeschlagen wurde. Die Belagerung begann am 7. April und sollte sieben Wochen andauern. Die Osmanen konnten schnell erste Erfolge für sich verzeichnen. Am 21. April war ein Teil der Stadtmauern um den Kern der Verteidigung, der Romanos-Pforte, bereits zerstört. Nach einigen Niederlagen befahl Mehmed die osmanischen Kriegsflotten mittels einer Bretterrutsche in den Hafen gleiten zu lassen. Dennoch hatten die Griechen mit einem Sturmangriff von Landseite her zurechnen. Doch gerade diese Mauern der sechs Kilometer langen Landbefestigungsmauern waren dreimal so dick als die Stadtmauern der Seeseiten. Die kleine Verteidigerzahl musste auf die Landfront konzentriert werden, während die Wachtposten der Seefronten oftmals nur mit einer Wache bzw. einem Mönch besetzt wurden. Die wenigen Hilfstruppen mussten auf diese Positionen aufgeteilt werden. Doch auch die Byzantiner arbeiteten an einer anderen Taktik: Indem sie die Breschen der Mauern mit allerlei Material auffüllten, versuchten ihre dünn besetzten Verteidigungslinien aufzubessern. Die Sturmangriffe der Osmanen am 7. und 12. Mai brachten nicht den erhofften Sieg. Mehmed sandte eine Gesandtschaft mit einer Botschaft an den Kaiser, dass im Falle einer Kapitulation jedem byzantinischen Bürger die Versklavung erspart bliebe. Aber der Kaiser blockte ab, obwohl er sich seiner aussichtslosen Situation durchaus bewusst war. Mehmed setzte darauf das Datum für den Generalangriff fest: 29. Mai 1453. Die Osmanen, ihres Sieges schon im Vorhinein bewusst, kämpften mit ihrer gewohnten Taktik, in der sie den Feind glauben ließen, er habe gesiegt. So wurden zunächst auch die schwächsten Truppen voran geschickt, die von den Griechen besiegt wurden. Dies hatte auch zum Ziel, dass die Kräfte der Griechen rapide ausgeschöpft werden sollten. Mit Tagesanbruch wurde Konstantinopel von allen Seiten umkämpft und beschossen. Sowohl die Landfront als auch die Seefronten wurden stürmisch angegriffen und umkämpft. Doch die Stadt schien auch diesmal den Angriffen zu trotzen. Erst unglückliche Umstände verhalfen den Osmanen zum Sieg: Es trug sich zu, dass ein paar Janitscharen in die Stadt gelangen konnten, da man vergessen hatte, die Romanos-Pforte nach einem Ausfall erneut zu versperren. Gleichzeitig wurde einer der tüchtigsten Verteidiger, ein genuesischer General namens Giovanni Giustiniani-Longo, schwer verwundet von dem Kampffeld abtransportiert. Der Sultan bemerkte die Verwirrung der Griechen und nutzte diese zu seinen Gunsten aus, blies erneut zum Sturm, und die Janitscharen stürmten die Stadt und sogleich krönten die Osmanen die Zinnen mit der Fahne des Propheten. Konstantinopel war erobert.

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Wie konnte das Osmanische Reich die Byzantiner besiegen?

NIcolas Klatzer

Geschichte

Wie entstanden zur Zeit des Byzantinischen Reich Länder (zB. Kirchenstaat, Venedig oder das heilige römische Reich)?

Nicolas Klatzer

Geschichte

Dem Römischen Reich war es bis zum 1. Jh. v. Chr. gelungen, den gesamten Mittelmeerraum zum ersten (und einzigen) Mal in einem politischen Gebilde zu vereinigen. Diese Einheit zerfiel erstmals im 5. Jh., als die römische Herrschaft im Westen des Reiches zusammenbrach und neue Reiche basierend auf der Kooperation regionaler Eliten mit neuen „germanischen“ Machthabern entstanden, darunter am dauerhaftesten jenes der Franken in Mittel- und Westeuropa. Kaiser Justinian (reg. 527-565) konnte vom oströmischen/byzantinischen Reich aus mit der Eroberung Nordafrikas, Italiens und Südspaniens noch einmal große Teile des Mittelmeers unter römische Herrschaft bringen; allerdings gingen schon bald nach seinem Tod weite Italiens an die Langobarden verloren. Besonders dramatisch war dann der Verlust der reichen Gebiete in Syrien, Palästina, Ägypten und Nordafrika an die Araber im 7. Jh.; gleichzeitig verlor das byzantinische Reich die Kontrolle über das Innere der Balkanhalbinsel an zuwandernde slawischen Gruppen und ab 680 insbesondere an die aus dem Schwarzmeerraum kommenden Bulgaren. Zwischen dem 7. und dem 9. Jh. war das arabische Weltreich von Spanien bis an die Grenzen Indiens das größte staatliche Gebilde im westlichen Eurasien, zerfiel aber seinerseits ab der Mitte des 9. Jh.s in verschiedene regionale Machtgebilde. Byzanz profitierte davon und konnte bis zum frühen 11. Jh. seine Grenzen sowohl nach Osten bis in den heutigen Iran und im Balkan (nach Eroberung des Bulgarenreichs) wieder bis an die Donau ausdehnen. Nach 1071 gingen aber, nicht zuletzt aufgrund innerbyzantinischer Konflikte zwischen verschiedenen Elitengruppe, weite Teile Kleinasiens an die Seldschuken und andere türkische Gruppen verloren. Gegen Ende des 12. Jh.s machten sich Bulgaren und Serben auf dem Balkan selbstständig, währen auch lokale Eliten im verbliebenen Byzantinischen Reich nach Autonomie strebten. Die politische Einheit im vormals byzantinischen Raum wurde endgültig mit der Eroberung Konstantinopels 1204 durch die Kreuzfahrer und Venezianer zerschlagen- und auch wenn die Byzantiner Konstantinopel 1261 wieder zurückerobern konnten, gelang es nicht mehr, das vormalige übergreifende imperiale System wiederherzustellen. Südosteuropa und Kleinasien blieben von der Zergliederung in verschiedene regionale Mächte gekennzeichnet, bis es den Osmanen im 15. und 16. Jh.  gelang, noch einmal in all diesen Gebieten eine neue imperiale Ordnung zu errichten, die bis zum 19. Jh. Bestand hatte. Dann führte die Entstehung neuer nationaler Unabhängigkeitsbewegungen, aber auch das Eingreifen der europäischen Großmächte zum allmählichen Zerfall des Reiches bis hin zum Ersten Weltkrieg. Die danach im Nahen Osten etablieren Kolonialregime mit ihrer teilweise künstlichen Grenzziehung (mit dem Lineal auf der Landkarte) wurden wiederum nach 1945 durch verschiedene „nationale“ Regierungen abgelöst.
Kurz gesagt wechselten sich also immer wieder Phasen imperialer Einheit mit solchen politischer Fragmentierung ab, insbesondere sobald der innere Zusammenhalt durch Uneinigkeit der zentralen und regionalen Eliten geschwächt wurde und/oder Migrationen und Invasionen von außen einzelne Gebiete aus dem Reichsverband lösten (wobei die Neuankömmlinge nicht selten auf die Kooperation einheimischer Eliten und Bevölkerung rechnen konnten, die mit dem imperialen Regime unzufrieden worden waren). Daraus erklärt sich die immer wieder und auch heute sehr „bunte“ Landkarte im (vormals) byzantinischen Raum.

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Wie entstanden zur Zeit des Byzantinischen Reich Länder (zB. Kirchenstaat, Venedig oder das heilige römische Reich)?

Nicolas Klatzer

Geschichte

Wie lange braucht man um eine ganze Austellung herzurichten?

Alina

Ausstellung

Für gewöhnlich braucht man für eine solche Ausstellung mindestens zwei Jahre Vorlaufzeit. Die Recherchen für die Ausstellung begannen bereits 2013, außerdem wurden speziell für dieses Ausstellungsprojekt Tagungen ausgerichtet und Forschungsprogramme aufgesetzt. Die heiße Phase der Umsetzung waren freilich die Jahre 2016 und 2017.

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Wie lange braucht man um eine ganze Austellung herzurichten?

Alina

Ausstellung

Was ist die Bedeutung des Doppelkreuzes und wie ist es entstanden?

Franz Stelzeneder

Wissenswertes

Man kann schon sagen, dass das Patriarchenkreuz, also die Form dieses Doppelkreuzes mit zwei horizontalen Balken, mit großer Wahrscheinlichkeit aus Byzanz kommt. Im Jahr 540 wurde die Stadt Apameia in Syrien von den Persern bedroht und nach kampfloser Aufgabe "nur" geplündert. Dass die Stadt nicht zerstört und ihre Bewohner somit verschont geblieben sind, führte man auf die sich bis zu diesem Zeitpunkt in der Stadt befindliche Reliquie des Heiligen Kreuzes zurück. Dieses wurde auf Grund seiner Wundertätigkeit dann durch Kaiser Justin II. nach Konstantinopel verbracht und eine Vielzahl von Kreuzpartikeln fanden als Reliquien ihren Weg ins Byzantinische Reich und darüber hinaus. In Zusammenhang mit diesem erstarkenden Kult um das Heilige Kreuz entwickelte sich vermutlich auch das Doppelkreuz, das in seiner Form an das Kreuz Christi erinnern soll. Während Patriarchenkreuze (Doppelkreuze) im ausgehenden 13. und frühen 14. Jh. seltener geschaffen wurden, lebte das Interesse an dieser Kreuzform in der Folgezeit wieder auf: sie erscheinen auf Siegeln, als Abzeichen der Hospitaliter vom  Hl. Geist und als Attribute.
Die im Barock allgemein wieder auflebende Verehrung des Patriarchenkreuzes brachte eine Erweiterung des Schutzgedankens im Sinne der Gegenreformation mit sich, z. B. Schutz vor Unglauben bzw. Glaubensabfall, sowie neue Verbindungen des Doppelkreuzes, etwa mit dem Herz-Jesu-Kult oder auch als Andachtskreuz. Daher verwundert es nicht, wenn das Doppelkreuz bzw. Patriarchenkreuz auf den Türmen vieler barocker Kirchen im deutschsprachigen Raum erscheint.

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Was ist die Bedeutung des Doppelkreuzes und wie ist es entstanden?

Franz Stelzeneder

Wissenswertes

Wie stark war der Einfluss von Byzanz auf die Entwicklung der Rennaissance in Italien? War byzantinisches Wissen Ursprung oder eher begleitend für eine Entwicklung, die von woanders initiiert wurde? [...]

Hans Page

Wissenswertes

[...] Weiß man welche byzantinischen Gelehrten und Intellektuellen von Konstantinopel nach Italien umsiedelten und was konkret sie dazu beigetragen haben, um die Renaissance auszulösen? Literaturhinweise auf diese Fragestellungen würden sehr geschätzt werden.

Schon im 14. Jahrhundert intensivierte sich in Italien das (nie erloschene) Interesse an der Antike und den Texten der Griechen und Römer; als einer der Initiatoren der „Wiederbelebung“ der Antike gilt Francesco Petrarca (1304-1374) aus Arezzo in der Toskana. Auch sonst wurde diese Region zu einem Zentrum des „Humanismus“, insbesondere mit Florenz, wo sich bereits 1397 der aus Konstantinopel kommende Gelehrte Manuel Chrysoloras niederließ und begann, Griechisch zu unterrichten. Er ist ein Beispiel für jene Gelehrte aus Byzanz, die schon in den Jahrzehnten vor der Eroberung 1453 den Weg nach Italien fanden. Die seit dem späteren 14. Jh. prekäre politische und wirtschaftliche Lage des Byzantinischen Reiches angesichts der osmanischen Expansion war zwar sicher ein Faktor, der solche Migrationen mitmotivierte; der Fall Konstantinopels 1453 war aber nicht der Auslöser oder gar notwendige Bedingung der Wanderung von Gelehrten und Texten.  Wichtiger waren das neuerweckte Interesse im Westen und die Bereitschaft zumindest eines Teils der byzantinischen Intellektuellen, mit ihren Kollegen in Italien zusammenzuarbeiten bzw. ihr Wissen weiterzugeben.

Literaturtipps:

Christian Gastgeber, Byzanz und die Renaissance. In: Das Goldene Byzanz und der Orient, Ausstellungskatalog. (Schallaburg 2012) 379.

John Freely, Platon in Bagdad. Wie das Wissen der Antike zurück nach Europa kam. (Stuttgart 2012)


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Hans Page

Wissenswertes

Was weiß man über das Schulwesen und das Gesundheitswesen im Byzantinischen Reich?

Willibald Schrenk

Alltag

Schulwesen und Unterricht waren grundsätzlich privat, in Form des Einzelunterrichts zu Hause oder in privat finanzierten Schulen. Das Honorar der Lehrer und sonstige Kosten wurden jedenfalls von den Familien der Schüler oder von vermögenden Sponsoren aufgebracht. Die Elementarbildung und das Grundschulwesen waren nicht auf Konstantinopel und andere Großstädte beschränkt, sondern konnten im Prinzip überall angeboten werden, wo eine Kirche oder ein zu einer Kirche / zu einem Kloster gehörender Raum als Schulgebäude zur Verfügung stand. Die Lehrer waren ausreichend gebildete Laien, Kleriker oder Mönche. Die Heiligenviten berichten über Gruppen- wie auch über Einzelunterricht, wobei keineswegs alle Eltern ihren Kindern einen Schulunterricht bieten konnten oder wollten. Mädchen wurden – wenn überhaupt – fast ausnahmslos zu Hause, in einzelnen Fällen auch in einem Nonnenkloster unterrichtet. Auf der Grundlage geläufiger biblischer Texte lernten die Kinder ab dem sechsten Lebensjahr Lesen und Schreiben, einfache grammatikalische Regeln und wohl auch etwas Arithmetik. Reiche Familien engagierten einen oder mehrere Hauslehrer, deren Unterricht über die genannten Grundlagen hinaus auch Elemente der höheren Bildung vermitteln konnte.

In Konstantinopel und anderen Städten gab es höhere Privatschulen, die mit ihrer „klassischen“ Ausbildung auf den Kenntnissen aufbauten, die die Schüler zuvor in den Elementarschulen erworben hatten. Sie waren meist im Zentrum der Stadt, in Nachbarschaft zueinander gelegen und wurden jeweils von einem maistor (Schulmeister) geleitet. Die maistores standen oft in Konkurrenz zueinander und versuchten Schüler ihrer Konkurrenten abzuwerben. Sie waren auf das Schulgeld der Schüler bzw. ihrer Familien angewiesen, erhielten aber auch finanzielle Unterstützung von vermögenden Persönlichkeiten, darunter auch Bischöfe, in manchen Fällen auch vom Patriarch. Bei manchen Schulmeistern konnten die Schüler auch wohnen, während die in Konstantinopel ansässigen täglich zum Unterricht kamen. Die Konkurrenzsituation führte manchmal zu Spannungen, Streit und heftigen Polemiken zwischen den Schulmeistern.

Über die Heilkunst der Byzantiner sind wir durch verschiedene Quellen unterrichtet. Zahlreiche Berichte von Wunderheilungen in den hagiographischen Quellen bezeugen, dass göttliche Hilfe von Heiligen oder an Pilgerstätten effektiver (und für viele sicher auch besser bezahlbar) war als die medizinische Kunst. Andere Quellen berichten von Ärzten, Pflanzenheilkunde (Dioskorides in einer Wiener Prachthandschrift des 6. Jhs.), chirurgischen Eingriffen (besonders bei Kriegsverletzungen) und Hebammentätigkeit (einer der wenigen Berufszweige für Frauen). Durch schwere körperliche Arbeit verursachte Arbeitsunfälle waren häufig. Athanasios, der Gründer der Megiste Laura auf dem Berg Athos, kam ums Leben, als ein Baugerüst über ihm zusammenbrach.
Wie viele Aspekte der literarischen Kultur der Byzantiner basierte auch die Schulmedizin auf klassischen Vorbildern. Hippokrates und Galen wurden auch in Byzanz gelesen und in Handschriften kopiert. Neu verfasste Traktate waren u.a. ein Buch zur Pferdeheilkunde (Hippiatrica), und ein Lehrgedicht zur Uroskopie (diagnostische Harnbeschauung). Massgeblich für die byzantinische Medizin und auch von arabischen Autoren rezipiert ist das Kompendium der Heilkunde in sieben Büchern, das Paul von Ägina im 7. Jh., z.T. aufgrund früherer Texte, verfasst hat.
Manche Klöster widmeten sich der Krankenpflege. Besonders bekannt ist das Pantokrator-Kloster in Konstantinopel, das von Kaiser Johannes II Komnenos (1118-1143) mit einem grossen Krankenhaus ausgestattet wurde. Dort gab es 60 Betten, aufgeteilt in fünf Abteilungen, eine davon nur für Frauen, mit weiblichem Personal. Zum Stab der 10 Ärzte gehörte auch eine Ärztin. Zusätzlich gab es einen Apotheker mit drei Assistenten. Zum Pantokrator-Komplex gehörte sicher, wie auch in anderen Klosterbibliotheken, ein Grundbestand an Manuskripten mit medizinischen Texten.
Die Aneignung medizinischer Kenntnisse diente nicht nur der praktischen Anwendung, sondern galten als Ausdruck höchster Bildung. Die Literaten der gehobenen Aristokratie, u.a. Michael Psellos (1018-1078) und Anna Komnena (1083-1153), tragen in ihren Schriften stolz ihre medizinischen Kenntnisse zur Schau.

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Was weiß man über das Schulwesen und das Gesundheitswesen im Byzantinischen Reich?

Willibald Schrenk

Alltag

Gab es nach der Eroberung Konstantinopels 1453 noch weiterhin Gebiete unter der Herrschaft des byzantinischen Kaiserhauses- Gebiete, die die Osmanen erst in den 1453 folgenden Jahrzehnten erobert hatten?

Martin Krämer

Geschichte

Das Depotat Morea auf der Pelopnnes blieb nach der Eroberung Konstantinopels 1453 durch Sultan Mehmed II. letztes byzantinisches Einflussgebiet in Europa. Es wurde allerdings bereits 1460 durch die Osmanen eingenommen wurde. In Kleinasien war das letzte byzantinische Rückzugsgebiet das Kaiserreich Trapezunt an der Schwarzmeerküste (heutiges Trabzon in der Türkei), welches 1461 von den Osmanen erobert wurde.

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Martin Krämer

Geschichte

Welche Zustände im Oströmischen Reich begünstigten die Gründung des Islam?

Dipl.Ing.Anton Mellauner

Geschichte

In der Spätantike war der geographische Raum Arabiens eine eher vernachlässigte Zone im Byzantinischen Reich. Ökonomisch spielt er nur eine untergeordnete Rolle, und auch militärisch hatte man in Rom und später in Konstantinopel kaum etwas zu befürchten. Im arabischen Raum waren im 6. Jh. lediglich die Ghassaniden (ein christlich-monophysitischer Stammesverbund, die Verbündete der Byzantiner waren) und die Lachmiden, ein Herrschergeschlecht auf dem Gebiet des heutigen Irak, von Bedeutung. Der Aufstieg des Islam setzte allerdings erst nach der Flucht Mohammeds von Mekka nach Medina im Jahr 622 ein. Durch die so genannte Hedschra bewirkte Mohammed die Vereinigung der arabischen Stämme und legte so den Grundstein für den islamischen Eroberungsdrang. All das blieb von den Byzantinern unbemerkt, da diese in kriegerische Auseinandersetzungen mit den Persern verwickelt waren. Nach dem Tod Mohammeds 632 bekriegten sich die arabischen Stämme untereinander, wodurch die Byzantiner nicht von einer ernsthaften Bedrohung ausgingen. 634 ereigneten sich kleinere Einfälle der Araber in byzantinisches Gebiet, welche allerdings auch nicht ernst genommen wurden. 636 kam es schließlich zwischen den Arabern und den Byzantinern zur Schlacht am Jarmuk, in der die Byzantiner von den Arabern besiegt wurden. Die Araber konnten bald die Städte Damaskus, Jerusalem und Antiochia einnehmen und eroberten 642 Ägypten. Literaturtipp: Lutz Berger, Die Entstehung des Islam: Die ersten hundert Jahre. München: C.H. Beck, 2016.

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Dipl.Ing.Anton Mellauner

Geschichte

Warum hat die Völkerwanderung das weströmische Reich so viel stärker beeinflusst als das Oströmische?

Melvin Kindl

Geschichte

Schon ab etwa 375 drängten Hunnen und germanische Völker über die Reichsgrenzen. Goten wurden im Oströmischen Reich südlich der Donaugrenze angesiedelt, begehrten aber bald auf und durchstreiften die Balkanhalbinsel. 406 brach die Rheingrenze zusammen. Doch die Eindringlinge plünderten nicht nur die gallischen und hispanischen Provinzen, sondern errichteten eigene Herrschaftsgebiete. Die Vandalen schafften es über Spanien bis ins heutige Tunesien, die Westgoten ließen sich in Spanien und Südfrankreich nieder. Gleichzeitig schwächten Bürgerkriege in den betroffenen Provinzen die Position des Weströmischen Reiches, und selbst Rom wurde mehrfach geplündert. Die in Ravenna regierenden Kaiser waren zumeist nicht mehr als Marionettenherrscher ihrer germanischen Generäle, und so war die Absetzung von 476 nur die letzte Konsequenz einer langen Entwicklung. Das Oströmische Reich überstand die sogenannte Völkerwanderung ungleich besser. Nach dem ersten Schock des Gotenaufstandes (378), bei dem sogar Kaiser Valens (reg. 364–378) in einer Schlacht bei Adrianopel (heute Edirne, Türkei) getötet wurde, und den folgenden Plünderungen der Balkanhalbinsel bekam Konstantinopel die Situation langsam in den Griff. Im Gegensatz zum Weströmischen Reich verfügte man im Osten schließlich über reiche Provinzen, die von den Wanderungsbewegungen fast völlig verschont blieben. Eine direkte Intervention im Westen war zu dieser Zeit dennoch nicht möglich.

Allerdings schickte Kaiser Zenon (reg. 474–491) den Heerführer Theoderich nach Italien, um die Herrschaft Odoakers zu beenden. Theoderich war zwar ostgotischer Abstammung, hatte aber lange als Geisel in Konstantinopel gelebt und im römischen Heer Karriere gemacht. Er sollte als Stellvertreter des Kaisers Italien regieren. Der Coup gelang und Theoderich etablierte ein ostgotisches Königreich mit der Anerkennung Konstantinopels. Das Oströmische Reich, das in seiner mittelalterlichen Ausprägung als „Byzantinisches Reich“ geläufig ist, hielt die Fiktion der römischen Weltherrschaft durch die Integration der germanischen Königreiche aufrecht. Diese konnten zwar weitgehend unabhängig agieren, akzeptierten aber formal die Vorherrschaft des römischen Kaisers in Konstantinopel. Das bedeutet indes nicht, dass man dort die westlichen Provinzen nicht mehr als eigenen Besitz ansah. Konsequenzen hatte diese Ideologie erst, als das Byzantinische Reich infolge von wirtschaftlichen Reformen über die nötigen Ressourcen verfügte, nach langer Zeit wieder militärisch im Westen zu intervenieren. Unter Kaiser Justinian I. (reg. 527–565) war dieser Zeitpunkt gekommen. Sein Vorgänger hatte ihm eine volle Staatskasse hinterlassen, und so wagte er zunächst den Angriff auf die Vandalen in Nordafrika. Der Feldzug war ein durchschlagender Erfolg, und Justinian richtete seinen Blick nun auf das ostgotische Italien. Bald lieferte der Sturz von Theoderichs Tochter Amalasuntha, die gute Beziehungen zu Konstantinopel pflog, den nötigen Einwand für einen Angriff. Diesmal gestaltete sich der Krieg jedoch ungleich aufwendiger und desaströser. Zwar konnten die byzantinischen Armeen die Goten letztendlich 552 vernichtend schlagen, doch hatten die fast 20 Jahre währenden Kämpfe Italien verwüstet und auch die Ressourcen der Byzantiner überstrapaziert. Bereits 568 drangen von Norden her die Langobarden in Italien ein und machten Justinians Rückeroberungen bis auf wenige Territorien (Ravenna und Venetien, Süditalien und Sizilien) wieder zunichte.

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Warum hat die Völkerwanderung das weströmische Reich so viel stärker beeinflusst als das Oströmische?

Melvin Kindl

Geschichte

Hatten die Byzantiner Haustiere und welche haben sie vorwiegend gepflegt bzw. welche Haustiere waren für diese Zeit üblich? Wie war ihr Bezug zu den Haustieren im Allgemeinen?

Dusica Pavlovic

Alltag

Für die Byzantiner waren vor allem Nutz- und Arbeitstiere von großer Bedeutung. Bauern betrieben Weidewirtschaft oftmals neben der Bearbeitung des Ackerbodens und das auch nur im Ausmaß des Eigenbedarfs. Das Vieh (Schweine, Schafe, Esel, Rinder) weidete auf nicht bearbeitetem Land (Gemeindeland), wobei besonders die als Arbeitstiere wertvollen Rinder von hierfür entlohnten Dorfhirten, oft Sklaven bewacht wurden, auch um das Vieh davon abzuhalten, in noch nicht abgeerntete Felder oder Wiesen einzudringen, während die Beweidung nach der Ernte wegen der damit verbundenen natürlichen Düngung erwünscht war. Zur Herdenbetreuung und zum Kampf gegen wilde Tiere hielten ausgebildete Hirtenhunde die Herde zusammen und schützen sie vor Räubern und wilden Tieren. Daher waren auch für die Tötung eines Hirtenhundes rigide Strafen vorgesehen.

Ein Großteil des städtischen Fleischbedarfs wurde durch nomadische Viehzüchter abgedeckt., die ihre Herden in weniger fruchtbaren und daher als herrenlos geltendem Land in Anpassung an die Jahreszeiten von Weide zu Weide trieben. Halbnomadische Viehzüchter wechselten zwischen ihren (jeweils festen) Sommer- und Winterquartieren, wie dies beispielsweise für die Walachen Mazedoniens, Bulgariens und Griechenlands seit der mittelbyzantinischen Zeit bezeugt ist. Gezüchtet wurden vor allem Schafe und Ziegen, die zu bestimmten Zeiten (etwa vor Ostern und anderen kirchlichen Festen, am Ende der jeweiligen Fastenperiode) zur Schlachtung zu den Märkten getrieben wurden. Die Viehzüchter waren zudem für die Städte Lieferanten haltbarer Milchprodukte wie Käse, Rahm, Sauermilch. Schweine waren weniger mobil als Schafe und Ziegen und hatten einen anders gearteten Nahrungsbedarf, weshalb sie zur Nahrungssuche in Wälder getrieben wurden. Schweinefleisch war beliebt und konnte durch Räuchern haltbar gemacht werden. Rinder wurden weniger als Fleischvieh gehalten, sondern waren vorwiegend als Arbeitstiere und als Zugtiere im Einsatz. Dem Lastentransport, vor allem in Handelskarawanen, dienten Dromedare, Maultiere und Esel. Pferde wiederum waren anspruchsvoller in ihrer Ernährung und galten als krankheitsanfälliger. Sie dienten vor allem als Reittiere in ziviler und militärischer Verwendung.

Im Zusammenhang mit der Viehzucht waren die Häute aller Nutztiere, besonders von Schafen und Ziegen, ein wichtiger Faktor der häuslichen und der örtlichen Industrie. Sie waren für die Produktion von Wolle und Leder und dessen vielfältigen Möglichkeiten wichtig: Bekleidung, Gürtel, Schuhe, Zaumzeug, Sättel, Schläuche, militärische Ausrüstung, Dichtungen, Taschen und Wasserbeutel. Zudem bestand ein besonderer Bedarf an Häuten von Lämmern für die Herstellung von Pergament.

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Hatten die Byzantiner Haustiere und welche haben sie vorwiegend gepflegt bzw. welche Haustiere waren für diese Zeit üblich? Wie war ihr Bezug zu den Haustieren im Allgemeinen?

Dusica Pavlovic

Alltag

Eroberungen sind in früheren Zeiten (ohne schnell Verkehrsmittel) wohl nur an bestimmten Orten (Zentren, Burgen, Städten, Häfen) möglich gewesen. In den Weiten eines Landes hat man sie vielleicht gar nicht wahrgenommen. Was ist darüber erforscht worden?

Lore Brandl-Berger

Geschichte

Zwar stimmt es, dass sich Herrschaft vor allem auf bestimmte Zentralpunkte (Festungen, Städte) stützte und dauerhafte Eroberung die Einnahme dieser Orte erforderte. Doch mussten sich durchziehende Armeen meist aus dem umliegenden Land versorgen, sodass auch einzelne Dörfer und Randgebiete von feindlichen Scharen berührt und ausgeplündert wurden. Sogar der Durchzug eigener Truppen war eine große Belastung – für die Armee auf dem Weg von Konstantinopel nach Mantzikert an der Ostgrenze quer durch Kleinasien gegen die Seldschuken im Jahr 1071, die ca. 40 000 Mann umfasste, hat etwa John Haldon durch Computermodellierung zeigen können, dass dieses Heer links und rechts seiner Route einen mehrere 10 km breiten Streifen „leer fraß“. Nach dem Abschluss der Kampfhandlungen schickte die siegreiche Partei ihre Steuereinnehmer (nebst Truppenbegleitung) in die verschiedenen Siedlungen und Landstriche, sodass auch auf diese Weise der Wechsel politischer Herrschaft bekannt wurde. Und bei wiederkehrenden Einfällen und unsicheren Herrschaftsverhältnissen konnten auch dauerhaft von ständiger Siedlung weitgehend freie Streifen als „Niemandsland“ entstehen, etwa an der byzantinisch-arabischen Grenze, wo vom 7. bis zum 9. Jh. fast durchgehend Kriegszustand herrschte.

Neue auch archäologische Ergebnisse zum letzteren Fall hat etwa A. Asa Eger in seinem Buch „The Islamic-Byzantine Frontier. Interaction and Exchange among Muslim and Christian Communities” (London, New York 2015) zusammengefasst. Eine beispielhafte Untersuchung zur Kriegsführung in Byzanz stammt von dem Schweizer Offizier und Byzantinisten P. M. Strässle („Krieg und Kriegführung in Byzanz. Die Kriege Kaiser Basileios´ II. gegen die Bulgaren (976–1019)“. Köln 2006). Und überblicksmäßig finden Sie Informationen zu Aspekten der Kriegsführung und ihrem Einfluss auf die Bevölkerung in folgenden frei verfügbaren Beiträgen (mit weiteren Literaturhinweisen):

 

 

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Eroberungen sind in früheren Zeiten (ohne schnell Verkehrsmittel) wohl nur an bestimmten Orten (Zentren, Burgen, Städten, Häfen) möglich gewesen. In den Weiten eines Landes hat man sie vielleicht gar nicht wahrgenommen. Was ist darüber erforscht worden?

Lore Brandl-Berger

Geschichte

Warum der Untertitel: "1000 vergessene Jahre?"

Melitta Schabauer 

Ausstellung

Im Untertitel spiegelt sich eindrücklich wider, was im kollektiven Gedächtnis Mitteleuropas über Jahrhunderte verankert war und immer noch ist: die scheinbar unbedeutende Rolle von Byzanz für die Entwicklung Europas. Relativ spät begann sich die Forschung für Byzanz zu interessieren. Wenngleich schon viel geleistet wurde, müssen heute zahllose Aspekte der Beziehungen zwischen Ost und West noch erforscht, vor allem aber einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Um diese Lücke zu schließen, geht die Schallaburg in Kooperation mit dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz einen innovativen Weg: Mit der Ausstellung „Byzanz & der Westen. 1000 vergessene Jahre“ will man eine Brücke zwischen Forschung und breiter Öffentlichkeit schlagen. Die auf der Schallaburg präsentierten Inhalte ermöglichen neue Blickwinkel und rücken so unsere Vorstellungen von Europa in ein anderes Licht. Sie zeichnen das Bild eines vielfältigen und umfassend vernetzten Kulturraums von Ost und West.

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Warum der Untertitel: "1000 vergessene Jahre?"

Melitta Schabauer 

Ausstellung

Welche Schriftart wurde für diese Ausstellung verwendet? Denn sie ist sehr angenehm zu lesen und ich würde sie auch gerne verwenden.

Peter H.

Ausstellung

Es wurden 3 Schriftfamilien verwendet:
– GGGBYZANZ  für die Mosaikschrift. Diese hatten die Architekten der Ausstellung (Gruppe Gut) im Jahr 2004 entwickelt und programmiert. Im Internet ist es möglich diese Schriftart herunterzuladen. Man darf sie frei verwenden.
– FEDRA SANS für die Titelschriften
– ALEO für die Lauftexte.

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Welche Schriftart wurde für diese Ausstellung verwendet? Denn sie ist sehr angenehm zu lesen und ich würde sie auch gerne verwenden.

Peter H.

Ausstellung

Ich komme aus Oberbayern und unser Märchenkönig Ludwig II. träumte auch von Byzanz (Thronsaal im Schloss Neuschwanstein) und verkleidete sich orientalisch. Der Pfau war für ihn ein wichtiges Tier und Symbol. [...]

Christiane Fabisch

Wissenswertes

[...] Der Pfauenthron - hängt dies auch mit Byzanz zusammen bzw. was bedeutet der Pfauenthron?

Der so genannte Pfauenthron, den König Ludwig II. in Paris im Jahr 1877 anfertigen ließ befindet sich im Maurischen Kiosk im Schlosspark von Schloss Linderhof nahe Ettal (Landkreis Garmisch-Partenkirchen). Dieser Pfauenthron wie auch der gesamte Maurische Kiosk veranschaulicht die Orientmode des 19. Jh.s, zu deren Bewunderer auch König Ludwig II. zählte. Der Pfauenthron an sich hat nichts mit der byzantinischen Geschichte zu tun. Das Vorbild für diesen war ein mit Blattgold und Juwelen besetzter Thronsessel, den Nādir Schāh Afschār im Jahr 1739 durch einen geführten Feldzug gegen die Mogul-Dynastie in Indien erbeutet und nach Persien gebracht haben soll. Allerdings ist dieser Thron heute verschollen. In Isfahan ließ Fath Ali Shah einen neuen Thron anfertigen, der nach dessen Lieblingsfrau Tavus („Pfau“) die Bezeichnung Pfauenthron erhielt. Seitdem wurden die Schahs von Persien gerne mit dem Pfauenthron in Verbindung gebracht.

Nichtsdestotrotz galt König Ludwig II. dennoch als Bewunderer des Byzantinischen Reiches. So wollte er für sich im Graswangtal m Ellmau-Wald einen „Byzantinischen Palast“ erbauen lassen. Es existieren hierzu noch Aquarellzeichnungen von Georg Dollmann. Allerdings wurde dieses Bauvorhaben aus Kostengründen nie verwirklicht.  

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Ich komme aus Oberbayern und unser Märchenkönig Ludwig II. träumte auch von Byzanz (Thronsaal im Schloss Neuschwanstein) und verkleidete sich orientalisch. Der Pfau war für ihn ein wichtiges Tier und Symbol. [...]

Christiane Fabisch

Wissenswertes

Der Osten war dem Westen in allen Bereichen weit überlegen! Wann begann die Umkehrentwicklung und was waren die Ursachen?? Der Islam und/oder die Industrialisierung??

Uschi

Geschichte

Zuerst müsste man einmal klären, was mit „Osten“ und „Westen“ gemeint ist. Die gängige Polarisierung zwischen dem „Westen“ als Westeuropa samt den von dort stark beeinflussten bzw. besiedelten Gebieten (vor allem den USA) und dem „Osten“, der ursprünglich vor allem den Nahen Osten, dann aber teilweise den gesamten „Rest“ der Welt umfasst, ist ein Produkt des 18. und 19. Jh.s. Das sich als „aufgeklärt“ und „fortschrittlich“ verstehende Westeuropa schuf sich vor allem mit dem angeblich „rückständigen“ und „stagnierenden“ Orient ein Gegenbild, dem all das beigefügt wurde, was man selbst nicht (mehr) sein wollte. In diesen Diskurs des „Orientalismus“ wurde bald auch Byzanz als vermeintlich rückständige und dekadente Kultur einbezogen.

Daneben müsste man ebenso klären, woran „Überlegenheit“ festzumachen ist. Geht es rein um den materiellen Lebensstandard und wirtschaftlichen Output, dann konnten sich die Staaten Westeuropa (zuerst vor allem Großbritannien) erst mit der Industrialisierung ab dem späten 18. Jh. deutlich von anderen Weltregionen (wie etwa den großen und mächtigen Reichen Chinas und Indiens) absetzen. Die Gründe, warum es nicht auch in besonders dicht besiedelten und relativ reichen Gebieten Chinas oder Indiens schon davor zu einer „Industriellen Revolution“ kam, sind nach wie vor heftig umstritten (die Debatte um die sogenannte „Great Divergence“).

Von einer „kulturellen Überlegenheit“ kann man dagegen überhaupt nicht pauschal sprechen. Fokussiert man enger auf Westeuropa und den östlichen Mittelmeerraum (Byzanz und die islamische Welt), so war letzterer in Teilbereichen (Medizin, Technik, Alphabetisierung) in der Tat über weite Strecken des Mittelalters „fortschrittlicher“ als der lateinische Westen. Zu den großen Metropolen wie Konstantinopel, Bagdad oder Kairo fand sich im christlichen Westeuropa nichts vergleichbares, und gerade das arabische Weltreich wurde nach der islamischen Expansion zu einem Zentrum der weltweiten Handelsnetzwerke. An diesen Netzwerken partizipierten die Städte Westeuropas wie Venedig oder Genua nur am Rande, erkämpften sich aber insbesondere ab dem 11. Jh. in der Zeit der Kreuzzüge eine immer stärkere Position im östlichen Mittelmeerraum, nicht zuletzt auch mit Waffengewalt (ein Höhepunkt die Eroberung Konstantinopels 1204). Für ihre Rüstungs- und Waffentechnik wiederum wurden die Kreuzritter schon im 11. Jh. von Byzantinern und Muslimen auch bewundert. Fränkische Schwerter waren sogar schon im 9. Jahrhundert ein Exportschlager zwischen Skandinavien und dem Mittelmeerraum.

Der „Aufstieg Westeuropas“ hat also einiges mit Gewalt zu tun, sowohl gegenüber Nachbarregionen und ab dem 15. Jh. in „Übersee“ in Amerika, Afrika oder Asien als auch innerhalb zwischen den entstehenden Nationalstaaten, deren ständige Konkurrenz auch Innovationen (etwa in der Waffentechnik und Seefahrt) begünstigte. Das entscheidende Übergewicht über die traditionellen Großreiche im „Osten“, also das Osmanische Reich, Persien, das Mogulreich in Indien oder China gewannen die westeuropäischen Kolonialmächte aber eben erst im 19. Jh. Nachdem nur einige dieser Regionen eine islamische Mehrheitsbevölkerung haben, taugt auch der Islam nicht als ursächlicher Faktor für die relative „Unterentwicklung“. Auch muss man festhalten, dass sich dieses vielleicht 200jährige Fenster der „Überlegenheit“ des Westens gerade wieder schließt und andere Weltregionen (insbesondere in Asien) wie in den Jahrtausenden zuvor wieder zentralere Positionen im Gefüge der Weltwirtschaft und globalen Macht einnehmen. Vielleicht wird man in 100 Jahren nach den Gründen der relativen Unterentwicklung des „Westens“ fragen…

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Der Osten war dem Westen in allen Bereichen weit überlegen! Wann begann die Umkehrentwicklung und was waren die Ursachen?? Der Islam und/oder die Industrialisierung??

Uschi

Geschichte

Kat.No. 205 und 208: Das Jesuskind hat eine orange Schärpe bzw. Gewand. Welche Symbolik hat diese orange Farbe habe? Das habe ich noch nie in einer Ikone gesehen.

Bruno Freytag

Ausstellung

Vermutlich ist auf den beiden Ikonen nicht die Farbe Orange, sondern rot gemeint, da diese schon seit frühchristlicher Zeit als Farbe des Blutes natürlich eine den Träger erhöhende Symbolhaftigkeit hat. So vermittelt Rot immer auch einen herrschaftlichen Charakter.
Die Tracht Christi bleibt von der frühchristlichen Zeit im wesentlichen gleich. Christus trägt in den meisten Fällen Tunika (meistens mit Zierstreifen=Clavi) und Pallium und ist so auch beim Christuskind zu finden. In Kat.-Nr. 208 ist dies besonders gut zu erkennen. Als Farben werden die des Herrscherornats bevorzugt. Dazu zählen Kombinationen aus Dunkelblau und Dunkelviolett (=Purpur) oder auch mit Gold. Später kommt aber auch die Kombination aus Blau und Rot hinzu.

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Kat.No. 205 und 208: Das Jesuskind hat eine orange Schärpe bzw. Gewand. Welche Symbolik hat diese orange Farbe habe? Das habe ich noch nie in einer Ikone gesehen.

Bruno Freytag

Ausstellung

Gibt es noch deutsche Fürsten, die in Griechenland Eigentum haben?

Otto Letz

Wissenswertes

Das dänisch-deutsche Adelshaus der Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg stellte von 1863 bis 1973 die Könige Griechenlands, bis sich das griechische Volk nach dem Ende der von 1967 bis 1974 andauernden Militärdiktatur (während der das Königshaus eine recht unglückliche Rolle gespielt hatte) in einer Volksabstimmung mit einer Mehrheit von 70 % für die Abschaffung der Monarchie aussprach. Danach wurden auch die Besitzungen des Königshauses in das Eigentum des griechischen Staates überführt. Dagegen erhob der letzte, damals im Exil befindliche König Konstantin II. (geb. 1940) Einspruch beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg und erhielt im Jahr 2000 teilweise Recht. Der griechische Staat gab daraufhin das mobile Vermögen der Königsfamilie zurück, jedoch nicht den Grundbesitz. 2013 kehrte Konstantin II. nach Griechenland zurück und erwarb dort Besitz, erkannte aber auch an, dass es keine Möglichkeit gibt, die Monarchie wieder zu errichten.

Möglicherweise haben auch darüber hinaus andere Mitglieder des Königshauses bzw. Angehörige anderer Adelsfamilien Eigentum erworben, aber nicht auf Grundlage der Besitztitel aus der Zeit der Monarchie.

 

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Gibt es noch deutsche Fürsten, die in Griechenland Eigentum haben?

Otto Letz

Wissenswertes

Was war die letzte byzantinische Besitzung in Europa?

Dr. Günter Mühlberger

Geschichte

Nach der Eroberung Konstantinopels 1453 durch Sultan Mehmed II. blieb das Depostat Morea auf der Halbinsel Peloponnes letztes byzantinisches Einflussgebiet in Europa, das allerdings auch 1460 durch die Osmanen eingenommen wurde. In Kleinasien war das letzte byzantinische Rückzugsgebiet das Kaiserreich Trapezunt an der Schwarzmeerküste (heutiges Trabzon in der Türkei), welches 1461 von den Osmanen erobert wurde.

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Was war die letzte byzantinische Besitzung in Europa?

Dr. Günter Mühlberger

Geschichte

Ich war am Wochenende bei der Ausstellung. Mir fiel auf, dass es bei dem Nachbau der Orgel in der Tonleiter sowohl ein 'b' als auch ein'h' gibt. Hat das einen Grund, oder ist da ein Fehler passiert?

Doris Plochberger

Wissenswertes

Nein, hier ist kein Fehler passiert. Die "modernen" aufgeklebten Buchstaben sind ganz nach historischem Vorbild und helfen dem Orgelspieler oder der -spielerin auch noch heute, die Töne auf den ansonsten baugleichen Tasten rasch beim Spiel zu finden.
Um dieses "Phänomen" der Tonarten nachvollziehen zu können, müsste man sich aber sehr umfangreich mit antiker und mittelalterlicher Musiktheorie beschäftigen.

Zur weiteren Themenvertiefung sei auf folgende Links verwiesen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchentonart

https://de.wikipedia.org/wiki/Byzantinische_Musik

 

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Ich war am Wochenende bei der Ausstellung. Mir fiel auf, dass es bei dem Nachbau der Orgel in der Tonleiter sowohl ein 'b' als auch ein'h' gibt. Hat das einen Grund, oder ist da ein Fehler passiert?

Doris Plochberger

Wissenswertes

Guten Tag, die Ausstellung gefällt mir sehr gut und ich habe sie zweimal besucht. Meine Fragen: Von wo sind die Mosaike, die an die Wand projiziert werden?

Bruno Freytag

Ausstellung

Die Mosaikausschnitte in jenem Raum, der den Normannen in Süditalien gewidmet ist, stammen aus Palermo (sog. "Martorana"-Kirche und Cappella Palatina) sowie aus dem Dom von Monreale (gleich in der Nähe von Palermo).

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Guten Tag, die Ausstellung gefällt mir sehr gut und ich habe sie zweimal besucht. Meine Fragen: Von wo sind die Mosaike, die an die Wand projiziert werden?

Bruno Freytag

Ausstellung

Ist diese ausgezeichnete Ausstellung auch in Deutschland geplant? Wenn ja, wo? Würde ich unbedingt empfehlen!

Dr. Gerd Knupp

Ausstellung

Die Ausstellung ist leider nicht als Wanderausstellung gedacht und wurde eigens für die Schallaburg konzipiert. Es freut uns allerdings sehr, dass Ihnen die Ausstellung gefällt.

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Ist diese ausgezeichnete Ausstellung auch in Deutschland geplant? Wenn ja, wo? Würde ich unbedingt empfehlen!

Dr. Gerd Knupp

Ausstellung

Ich würde gerne mehr zum Thema "Kolonialismus" bezogen auf die Aussage "wir haben ihnen (den Flüchtenden) das ja eingebrockt" wissen. Können Sie mir die Ursache geschichtlich gesehen besser "greifbar" machen?

Bianca

Geschichte

Zwar hat man die Herrschaften, die etwa Venedig oder Genua ab dem 13. Jh. in verschiedenen (vormals byzantinischen) Gebieten in der Ägäis etablierten (wie z. B. auf den Inseln Kreta oder Chios) als Vorformen späterer europäischer Kolonien in Übersee bezeichnet, doch fällt die Hauptperiode des Kolonialismus europäischer Staaten (insbesondere der Imperialismus des 19. Jh.s mit der „Aufteilung“ Afrikas) eindeutig in die Zeit jenseits der Epoche, die die Ausstellung überblickt.

Deshalb dürfen wir uns darauf beschränken, auf Studien der für diese Jahrhunderte und Phänomene arbeitenden ForscherInnen und AutorInnen zu verweisen: für den Zusammenhang zwischen Kolonialismus und der derzeitigen Situation in vielen afrikanischen Ländern z. B. auf Tom Burgis, Der Fluch des Reichtums - Warlords, Konzerne, Schmuggler und die Plünderung Afrikas (Frankfurt 2016) oder Martin Meredith, The State of Africa. A History of Fifty Years of Independence (London 2005), für die britische und französische Herrschaft im Nahen Osten z. B. auf James Barr, A Line in the Sand. Britain, France and the Struggle that shaped the Middle East (London 2011) und allgemein auf die neue Studie des deutschen Soziologen Stephan Lessenich, Neben uns die Sintflut. Wie wir auf Kosten anderer leben (München 2016, Taschenbuchausgabe 2018).

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Ich würde gerne mehr zum Thema "Kolonialismus" bezogen auf die Aussage "wir haben ihnen (den Flüchtenden) das ja eingebrockt" wissen. Können Sie mir die Ursache geschichtlich gesehen besser "greifbar" machen?

Bianca

Geschichte

Weiß man etwas über die Heiler / Mediziner in Byzanz? Waren diese aus Persien beeinflusst oder von Griechenland, gibt es da vielleicht noch irgendwo Aufzeichnungen? Oder ist alles verloren gegangen?

Doris Garn

Alltag

Über die Heilkunst der Byzantiner sind wir durch verschiedene Quellen unterrichtet. Zahlreiche Berichte von Wunderheilungen in den hagiographischen Quellen bezeugen, dass göttliche Hilfe von Heiligen oder an Pilgerstätten effektiver (und für viele sicher auch besser bezahlbar) war als die medizinische Kunst. Andere Quellen berichten von Ärzten, Pflanzenheilkunde (Dioskorides in einer Wiener Prachthandschrift des 6. Jhs.), chirurgischen Eingriffen (besonders bei Kriegsverletzungen) und Hebammentätigkeit (einer der wenigen Berufszweige für Frauen). Durch schwere körperliche Arbeit verursachte Arbeitsunfälle waren häufig. Athanasios, der Gründer der Megiste Laura auf dem Berg Athos, kam ums Leben, als ein Baugerüst über ihm zusammenbrach. 
Wie viele Aspekte der literarischen Kultur der Byzantiner basierte auch die Schulmedizin auf klassischen Vorbildern. Hippokrates und Galen wurden auch in Byzanz gelesen und in Handschriften kopiert. Neu verfasste Traktate waren u.a. ein Buch zur Pferdeheilkunde (Hippiatrica), und ein Lehrgedicht zur Uroskopie (diagnostische Harnbeschauung). Massgeblich für die byzantinische Medizin und auch von arabischen Autoren rezipiert ist das Kompendium der Heilkunde in sieben Büchern, das Paul von Ägina im 7. Jh., z.T. aufgrund früherer Texte, verfasst hat. 
Manche Klöster widmeten sich der Krankenpflege. Besonders bekannt ist das Pantokrator-Kloster in Konstantinopel, das von Kaiser Johannes II Komnenos (1118-1143) mit einem grossen Krankenhaus ausgestattet wurde. Dort gab es 60 Betten, aufgeteilt in fünf Abteilungen, eine davon nur für Frauen, mit weiblichem Personal. Zum Stab der 10 Ärzte gehörte auch eine Ärztin. Zusätzlich gab es einen Apotheker mit drei Assistenten. Zum Pantokrator-Komplex gehörte sicher, wie auch in anderen Klosterbibliotheken, ein Grundbestand an Manuskripten mit medizinischen Texten. 
Die Aneignung medizinischer Kenntnisse diente nicht nur der praktischen Anwendung, sondern galten als Ausdruck höchster Bildung. Die Literaten der gehobenen Aristokratie, u.a. Michael Psellos (1018-1078) und Anna Komnena (1083-1153), tragen in ihren Schriften stolz ihre medizinischen Kenntnisse zur Schau.

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Doris Garn

Alltag

Ich hätte gerne gewusst, wo die von den Venezianern geraubten Kunstgegenstände aus Byzanz zu finden sind. Ich habe einmal gehört, dass Vieles in Venedig zu finden ist. Aber wo genau?

Charlotte Vital

Wissenswertes

Die lateinischen Kaiser, die von 1204 bis 1261 in Konstantinopel regierten – das byzantinische Reichgebiet hatten die Barone überwiegend unter sich aufgeteilt –, waren schwach und in beständiger Geldnot. Die Venezianer herrschten über ein Drittel des Stadtgebietes und hatten in allen politischen Angelegenheiten das letzte Wort. Sie waren auch die größten Nutznießer der Eroberung Konstantinopels. Zu den byzantinischen Schätzen, die sie schon in früheren Zeiten angehäuft hatten, kamen nach 1204 zahllose Werke, die sie als Trophäen in ihre Heimatstadt verschleppten. So bemächtigten sie sich der berühmten Bronzerosse vom Hippodrom und stellten sie über dem Hauptportal von San Marco auf. Unter anderem aus der Polyeuktoskirche raubten sie zahlreiche Bauglieder, die ihren Platz an und bei der Markuskirche erhielten.

Auch heute noch finden sich zahlreiche byzantinische Objekte in der Schatzkammer des Markusdoms (Basilica di San Marco) in Venedig.

Für einen weiteren Einblick empfielt sich ein Blick auf folgende Homepage: http://www.meravigliedivenezia.it/de/venezia-media/VR/tesoro01/index.html

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Ich hätte gerne gewusst, wo die von den Venezianern geraubten Kunstgegenstände aus Byzanz zu finden sind. Ich habe einmal gehört, dass Vieles in Venedig zu finden ist. Aber wo genau?

Charlotte Vital

Wissenswertes

Gibt es neben dem griechischen Einfluss noch andere Kulturen, die für die Entwicklung von Byzanz von Bedeutung waren? (z.B. Persien, Indien, etc.)

Friedrich Mahrer

Wissenswertes

Der Einfluss des persisch/iranischen Kulturraums war in der Tat während der gesamten Dauer des Byzantinischen Reiches beachtlich und kann deshalb hier nur kurz in Grundzügen angeschnitten werden. Das ab dem Jahr 224 n. Chr. von der Dynastie der Sasaniden beherrschte Persische Großreich war (wie schon zuvor unter der Dynastie der Parther) das einzige Nachbarreich, das das Römische bzw. Byzantinische Reich als mehr oder weniger gleichrangige Großmacht anerkannte, dem man auf Augenhöhe begegnen musste. Dies äußerte sich zwar immer wieder in heftigen Kriegen um die Vormachtstellung im Nahen Osten, die insbesondere im 3.-4. und im 6.-7. Jh. n. Chr. tobten, aber auch in wechselseitiger kulturellere Beeinflussung, etwa im Hofzeremoniell und in der bildenden Kunst. So sind iranische Einflüsse auch in Kirchenbauten in Konstantinopel identifiziert worden; im Gegenzug riefen z. B. sasanidische Großkönige auch griechische Philosophen aus Byzanz an ihren Hof. Als hervorragende Lektüre zu dieser Epoche sei das Buch „The Two Eyes of the Earth. Art and Ritual of Kingship between Rome and Sasanian Iran” von Matthew Canepa (aus dem Jahr 2010) empfohlen.
Auch nach der arabischen Eroberung des Iran im 7. Jh. blieb das persische Kulturerbe wirkmächtig, und zwar sowohl bei den Kalifen im islamischen Weltreich (insbesondere unter der Dynastie der Abbasiden, die 762 Bagdad unweit der alten sasanidischen Hauptstadt Ktesiphon als neue Residenz begründeten), als auch im Byzantinischen Reich. So ließ sich Kaiser Theophilos (reg. 829-842) einen Palast im islamisch-persischen Stil in Bryas nahe bei Konstantinopel errichten, auch, um eine Gruppe von Überläufern aus dem iranischen Raum zu beeindrucken, die in der Folge als „Perser“ in die byzantinische Armee eingegliedert wurden. Für die makedonische Kaiserdynastie, die Byzanz zwischen 867 und 1056 beherrschte, wurden in den byzantinischen Quellen neben einer Abkunft von Alexander dem Großen auch eine solche von der Dynastie der Arsakiden, die den Iran und Armenien beherrscht hatten, behauptet. Ein Wissensfeld, in dem den Persern besonders hohe Meisterschaft zugeschrieben wurde, waren die Astrologie und die Astronomie, sodass auch noch im 14. Jh. byzantinische Gelehrte in den Iran reisten, um dort entsprechende Kenntnisse zu erwerben und Texte aus dem Persischen ins Griechische zu übersetzen. Die hohe Stellung des römisch/byzantinischen Reiches in der iranischen Tradition zeigt sich wiederum im klassischen Epos Schāhnāme aus dem 11. Jh., in dem die Welt als ursprünglich aus den drei Reichen Iran, Turan (Zentralasien) und Rum (= Rom/Byzanz) bestehend beschrieben wird.
Kurz gesagt waren Byzanz und die iranische Welt füreinander im gesamten Mittelalter wechselseitig zentrale Quellen der Herausforderung und der Inspiration. Viele dieser Themen wurden im Jahr 2012 schon bei der letzten Byzanz-Ausstellung auf der Schallaburg („Das Goldene Byzanz und der Orient“) vorgestellt, sodass dieser Aspekt diesmal in der Ausstellung leider kaum zur Sprache kommen kann.

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Gibt es neben dem griechischen Einfluss noch andere Kulturen, die für die Entwicklung von Byzanz von Bedeutung waren? (z.B. Persien, Indien, etc.)

Friedrich Mahrer

Wissenswertes

Warum hat das orthodoxe Kreuz oben 2 unterschiedlich lange Querbalken?

Maia Schubert

Wissenswertes

Die Form des Doppelkreuzes (auch Patriarchenkreuz genannt) mit zwei horizontalen Balken, stammt mit großer Wahrscheinlichkeit aus Byzanz. Im Jahr 540 wurde die Stadt Apameia in Syrien von den Persern bedroht und nach kampfloser Aufgabe "nur" geplündert. Dass die Stadt nicht zerstört und ihre Bewohner somit verschont geblieben sind, führte man auf die sich bis zu diesem Zeitpunkt in der Stadt befindliche Reliquie des Heiligen Kreuzes zurück. Dieses wurde auf Grund seiner Wundertätigkeit dann durch Kaiser Justin II. nach Konstantinopel verbracht und eine Vielzahl von Kreuzpartikeln fanden als Reliquien ihren Weg ins Byzantinische Reich und darüber hinaus. In Zusammenhang mit diesem erstarkenden Kult um das Heilige Kreuz entwickelte sich vermutlich auch das Doppelkreuz, das in seiner Form an das Kreuz Christi erinnern soll. Während Patriarchekreuze (Doppelkreuze) im ausgehenden 13. und frühen 14. Jh. seltener geschaffen wurden, lebte das Interesse an dieser Kreuzform in der Folgezeit wieder auf: sie erscheinen auf Siegeln, als Abzeichen der Hospitaliter vom Hl.Geist und als Attribute.

Die im Barock allgemein wieder auflebende Verehrung des Patriarchenkreuzes brachte eine Erweiterung des Schutzgedankens im Sinne der Gegenreformation mit sich, z. B. Schutz vor Unglauben bzw. Glaubensabfall, sowie neue Verbindungen des Doppelkreuzes, etwa mit dem Herz-Jesu-Kult oder auch als Andachtskreuz. Daher verwendet es nicht, wenn dieses Doppelkreuz bzw. Patriarchenkreuz auf den Türmen vieler barocker Kirchen im deutschsprachigen Raum erscheint.

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Warum hat das orthodoxe Kreuz oben 2 unterschiedlich lange Querbalken?

Maia Schubert

Wissenswertes

Warum gab es ab dem 5./6. Jh. n. Chr. im Gegensatz zu früher viel kleinere Armeen? Belisar z. B. hat mit nur 15.000 Mann das Vandalenreich zerschlagen. Zur Zeit der Punischen Kriege waren Armeen mit 80.000 Mann unterwegs.

Manuel

Wissenswertes

Die römischen Armeen zur Zeit der Punischen Kriege im 3. Jh. v. Chr. basierten auf einer Mobilisierung aller waffenfähigen Bürger bzw. der Bundesgenossen in Italien, sodass derart große Truppenzahlen in Marsch gesetzt werden konnten. Das Heer des Belisar im 6. Jh. war hingegen mehr oder weniger eine „Berufsarmee“, auch mit einer beträchtlichen Anzahl an Söldnern, etwa von germanischen Nachbarvölkern oder aus Armenien. Wie der schnelle Erfolg Belisars gegen die Vandalen zeigt, konnten diese kleineren „Profi-Armeen“ sehr effektiv agieren und Schlachten auch gegen größere Truppenverbände erfolgreich schlagen. Nach dem ersten Ausbruch der sogenannten „Justinianischen Pest“ in den 540er Jahren mögen aber auch die Bevölkerungsverluste durch die Seuche die Größe der Armeen begrenzt haben. Und mit dem Verlust der reichen Provinzen in Syrien und Ägypten an die Araber im 7. Jh. büßte das Byzantinische Reich auch viel seiner wirtschaftlichen Ressourcen ein; dennoch konnte Byzanz seine verbliebenen Provinzen bis zum 9. Jh. erfolgreich verteidigen und im 10. Jh. sogar noch einmal zur Gegenoffensive übergehen – mit Armeen, die allerdings wieder eher nach tausenden als nach zehntausenden Mann zählten.

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Warum gab es ab dem 5./6. Jh. n. Chr. im Gegensatz zu früher viel kleinere Armeen? Belisar z. B. hat mit nur 15.000 Mann das Vandalenreich zerschlagen. Zur Zeit der Punischen Kriege waren Armeen mit 80.000 Mann unterwegs.

Manuel

Wissenswertes

Wäre Konstantinopel 1204 nicht an die Kreuzfahrer gefallen, hätte das Reich dann länger überlebt bzw. den Osmanen-Ansturm überlebt?

Manuel

Wissenswertes

Das „War wäre wenn“ ist in der Geschichtswissenschaft immer schwierig zu beantworten, und viele Historiker scheuen auch vor solchen Überlegungen zurück, vor allem, wenn es um längerfristige Szenarien geht, bei denen sich die Alternativen immer mehr addieren.

Im Fall des Vierten Kreuzzugs 1204 befand sich das Byzantinische Reich schon davor in einer Krise; der Norden der Balkanhalbinsel (mit Bulgarien und Serbien) hatten sich in den Jahrzehnten seit dem Tod Kaiser Manuels I. 1180 selbstständig gemacht, ebenso die Insel Zypern (die dann 1191 von Richard Löwenherz für die Kreuzfahrer erobert wurde). Auch in anderen Reichsteilen wurde das Wort des Kaisers immer weniger gehört. Allerdings waren 1203/1204 Kerngebiete wie das westliche Kleinasien, die südliche Balkanhalbinsel und Griechenland noch weitgehend unter Kontrolle Konstantinopels, sodass das Byzantinische Reich ohne den Vierten Kreuzzug als Macht mittleren Ranges rund um die Ägäis wohl länger Bestand gehabt haben könnte. Es hätte sich aber auch ohne die Kreuzfahrer anderen großen Herausforderungen an mehreren Fronten gegenübergesehen, wie etwa den neuerstarkten Nachbarn in Serbien und Bulgarien oder dem Sultanat der Seldschuken in Kleinasien. Aus der weiten Ferne kommend trafen in den 1240er Jahren die Invasionen der Mongolen Südosteuropa und Kleinasien und hätten wohl auch ein noch größeres Byzantinisches Reich verheert (während tatsächlich das nach 1204 in Westkleinasien entstandene Exilreich von Nikaia im Gegenzug zu seinen Nachbarn nicht von mongolischen Truppen berührt wurde und davon profitieren konnte – bis hin zur Rückeroberung Konstantinopels 1261). Mit den Mongoleneinfällen steht auch die Migration neuer türkischer Gruppen und die Entstehung neuer Fürstentümer wie jenes der Osmanen in Verbindung; ob diese in gleicher Weise auf Kosten der Byzantiner in Westkleinasien und dann später in Südosteuropa hätten expandieren können, wäre dann von der Verfassung eines Byzantinischen Reiches, das 1204 nicht erlebt hatte, am Ende des 13. Jh.s abgehangen – und die ist nach einem Jahrhundert alternativen Geschichtsverlaufs wiederum kaum realistisch abzuschätzen (insbesondere, da auch andere Akteure an den politischen Schalthebeln gesessen hätten als es nach 1204 der Fall war). Auf jeden Fall wäre ein solches Szenario interessant für einen „Alternativwelt-Roman“; der Historiker tut sich dagegen schwer damit.

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Wäre Konstantinopel 1204 nicht an die Kreuzfahrer gefallen, hätte das Reich dann länger überlebt bzw. den Osmanen-Ansturm überlebt?

Manuel

Wissenswertes

Warum wird in der Führung das Mailänder Edikt von 313 als erste staatliche Anerkennung des Christentums bezeichnet, während etwa Armenien bereits im Jahre 301 Christentum zur Staatsreligion ernannte?

Sarah Buzik

Geschichte

Gemeint war, dass Konstantin der Große durch sein Toleranzedikt im Jahr 313 - das so genannte Mailänder Edikt - die Ausübung des Christentums im Römischen Reich erst ermöglichte. Im Byzantinischen Reich wurde das Christentum im Jahr 380 durch Kaiser Theodosius I. zur Staatsreligion erhoben. In Armenien regierte der von Rom eingesetzte König Trdat III./IV. Aršakuni, der durch Grigor Lusavorič („der Erleuchter“), die Taufe empfing. Dieser wurde wohl um 314 in Kaisareia in Kappadokien zum Bischof geweiht und bewirkte als erster Katholikos die Annahme des Christentums als Staatsreligion in Armenien.

Historisch gesehen ist das legendäre Jahr 301 als Jahr für die Annahme des Christentums in Armenien nicht haltbar. Stattdessen vermutet man nach neuesten Forschungen eine Bekehrung der armenischen Fürsten um 315. Dennoch bleibt Armenien somit das älteste christliche Volk der Welt, wobei eben Kaiser Konstantin durchaus als Wegbereiter für das Christentum gelten darf.

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Warum wird in der Führung das Mailänder Edikt von 313 als erste staatliche Anerkennung des Christentums bezeichnet, während etwa Armenien bereits im Jahre 301 Christentum zur Staatsreligion ernannte?

Sarah Buzik

Geschichte

Warum wurde Byzanz von den Franzosen 1204 zerstört?

Dr. Theo Kremmydas

Geschichte

Vereinzelt wurden bei Zusammenstößen während des Zweiten und des Dritten Kreuzzuges sogar Forderungen nach einem Angriff auf Konstantinopel laut, doch konnte man die Konflikte stets beilegen. Dass es 1204 schlussendlich tatsächlich zur Eroberung Konstantinopels durch Kreuzfahrer kommen sollte, die eine venezianische Flotte gechartert hatten, war sowohl eine Konsequenz aus der zunehmenden Verschlechterung des politischen Klimas als auch eine Folge der Verkettung vieler für Byzanz ungünstiger Umstände und unglücklicher Entscheidungen.
Zunächst ist festzuhalten, dass sich das Byzantinische Reich seit dem Tod von Kaiser Manuel I. Komnenos im Jahre 1180 in einer innenpolitischen Dauerkrise befand. Der minderjährige Thronfolger und seine Regentschaft wurden 1182 von Manuels Cousin Andronikos I. beseitigt, der wiederum bereits 1185 von Isaakios II. Angelos (reg. 1185–1195) gestürzt und hingerichtet wurde. Isaakios fiel 1195 einem Putsch durch seinen eigenen Bruder Alexios III. (reg. 1195–1203) zum Opfer, wurde geblendet und in ein Kloster verbannt. Dem nicht genug, waren dem Reich in diesem Chaos etliche Territorien verloren gegangen: Serben und Bulgaren schüttelten die byzantinische Oberhoheit ab, und mehrere Aufständische und Thronprätendenten herrschten unabhängig über Gebiete in Kleinasien. Die Wehrkraft des Reiches war geschwächt wie selten zuvor: 1185 plünderte ein Normannenheer aus Süditalien Thessalonike praktisch ohne Gegenwehr; über eine konkurrenzfähige Flotte verfügte Byzanz, wie gesagt, ohnehin schon seit Langem nicht mehr. Auch im Heiligen Land überschlugen sich die Ereignisse. Die Muslime konnten unter Sultan Saladin die Kreuzfahrer vernichtend schlagen und 1187 Jerusalem zurückerobern. Der daraufhin ausgerufene Kreuzzug brachte trotz enormen Aufwands nicht den gewünschten Erfolg, und so rief Papst Innozenz III. 1198 zum Vierten Kreuzzug auf. Das Projekt stieß auf enormen Widerhall, vor allem unter den französischen Rittern.  Der Angriff sollte sich gegen Ägypten wenden, und so beschloss man, in Venedig eine Flotte für 30.000 Mann zu chartern. Die Venezianer willigten ein und lieferten zum gewünschten Zeitpunkt (29. Juni 1202) die nötigen Schiffe samt Ausrüstung. Allerdings hatten viele Kreuzfahrer inzwischen doch andere Wege ins Heilige Land gewählt, und so fand sich nur ein Bruchteil der kalkulierten Passagiere zum Abfahrtstermin ein. Obwohl die Anführer des Kreuzzuges mit ihrem eigenen Vermögen einsprangen und noch vor Ort Kredite aufnahmen, konnte man die vertraglich festgesetzte Summe nicht bezahlen. Die Venezianer erklärten sich zu einer Stundung bereit, wenn die Kreuzfahrer ihnen helfen würden, die Stadt Zadar in Dalmatien anzugreifen, die sich kurz zuvor von der venezianischen Oberhoheit gelöst und dem ungarischen Königreich unterstellt hatte. Trotz großer Bedenken von vielen Seiten und Drohungen des Papstes stimmten die meisten Kreuzfahrer dem Angriff auf die christliche Stadt zu. Zadar wurde geplündert, doch noch waren die Schulden bei den Venezianern nicht getilgt.  Da ergab sich eine unerwartete Chance. Alexios Angelos, Sohn des abgesetzten Isaakios II. Angelos, stieß zum Kreuzzug und bot ein Geschäft an: Wenn die Kreuzfahrer es vollbrächten, seinen Vater zu befreien und zurück auf den Thron zu bringen, würde er den Kreuzzug mit den Reichtümern Konstantinopels und eigenen Truppen unterstützen. Einige Ritter hatten die Befürchtung, dass man das Ziel des Kreuzzuges aus den Augen verlieren würde, und fuhren direkt ins Heilige Land. Die Mehrheit aber folgte der Argumentation, dass sich die Chancen auf einen erfolgreichen Kreuzzug mit den zusätzlichen byzantinischen Geldmitteln drastisch erhöhen würden. So machte sich die Flotte auf den Weg nach Konstantinopel und die Kreuzfahrer schlossen die Stadt ein. Nach mehreren Scharmützeln, bei denen die Lateiner siegreich blieben, floh Kaiser Alexios III. heimlich aus der Stadt. Der geblendete Isaakios wurde gemeinsam mit seinem Sohn Alexios IV. als Kaiser eingesetzt. Doch Alexios IV. konnte seine Versprechungen nicht einlösen und fand mit seinen Zugeständnissen an die Lateiner keinerlei Rückhalt in der Bevölkerung. Im Jänner 1204 fiel Alexios einem Komplott zum Opfer und wurde von Alexios V. Murtzuphlos gestürzt, der die Versprechungen an die Kreuzfahrer für nichtig erklärte. Diese waren jedoch nicht bereit, mit leeren Händen abzuziehen.

Venezianer und Kreuzfahrer beschlossen den Sturm auf Konstantinopel, und so fiel die byzantinische Hauptstadt am 12. April 1204 zum ersten Mal seit ihrer feierlichen Einweihung im Jahre 330 in die Hände von Nicht-Römern. Die Kreuzfahrer plünderten die Stadt mehrere Tage lang, und im Lauf der Kämpfe ausgebrochene Brände zerstörten weite Gebiete. Als neuer – lateinischer – Kaiser wurde Balduin I. von Flandern (reg. 1204–1205) gewählt, als neuer – lateinischer – Patriarch der Venezianer Thomas Morrosini eingesetzt.

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Warum wurde Byzanz von den Franzosen 1204 zerstört?

Dr. Theo Kremmydas

Geschichte

Was für Räume enthielt ein römischer Kaiserpalast?

Patrick Plöchl

Kaiser

Es gibt unterschiedliche Beispiele für Kaiserpaläste. In der kroatischen Hafenstadt Split existiert der so genannte „Diokletianpalast“ (erbaut Ende des 3. Jh.s. n. Chr.), der Elemente der Villen- und Palastarchitektur, Militär- und Stadtarchitektur sowie der Sakralarchitektur in sich vereinte und eine Gesamtfläche von etwa 30.000 m² einnahm. Ein Kaiserpalast funktionierte wie eine kleine Stadt. Er musste Appartements für den Kaiser und die kaiserliche Familie, den Thronsaal, Empfangssäle, Beratungsräume, Wirtschaftsräume, Vorratskammern, Sanitäranlagen, Räumlichkeiten für den religiösen Kult beinhalten. Ein Kaiserpalast war aber nicht nur privater und zeremonieller Sitz des Kaisers, sondern auch Zentrum der Reichsverwaltung. Hier gab es auch eine Münzprägestätte, hier wurde der Staatsschatz aufbewahrt und mitunter gab es Zellen für Gefangene.

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Was für Räume enthielt ein römischer Kaiserpalast?

Patrick Plöchl

Kaiser

Musste ein römischer Kaiser von römischer Adeliger Abstammung sein, um regieren zu dürfen? Bis zu welchem Alter durfte ein römischer Kaiser regieren?

Patrick Plöchl

Kaiser

Das Kaisertum war sicherlich die bedeutendste Institution in der byzantinischen Geschichte. Der Kaiser verband nicht nur die Elemente der Legislative, Exekutive und Judikative, er übte auch eine politisch-religiöse Rolle aus. Das war aber durch die römische Kaiserideologie bereits vorgegeben. In der Theorie gab es in Byzanz kein Anrecht auf den Thron. Jeder konnte Kaiser werden, mit Ausnahme von Sklaven, Eunuchen oder Klerikern. Der Kaiser musste allerdings die Zustimmung von Senat, Armee und Bevölkerung haben, um tatsächlich sein Amt ausüben zu können. War man mit dem Kaiser nicht einverstanden, wurde dieser gestürzt. Etwa 30 Prozent der byzantinischen Kaiser wurden gestürzt oder im Amt ermordet. So war es für den Kaiser natürlich auch von höchster Bedeutung die Armee hinter sich zu wissen, schließlich konnte jeder Misserfolg, jedes noch so kleine Anzeichen von Schwäche zu einem Militärputsch führen. Der byzantinische Kaiser hatte für gewöhnlich mehr Macht als Herrscher in anderen Ländern, da sie alleine die gesamte Macht ausübten und die Staatsverwaltung kontrollierten. Es gab kein „Maximalalter“ für einen Kaiser.

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Musste ein römischer Kaiser von römischer Adeliger Abstammung sein, um regieren zu dürfen? Bis zu welchem Alter durfte ein römischer Kaiser regieren?

Patrick Plöchl

Kaiser

Wie viele km Fläche hatte die Byzanz ca?

Patrick Plöchl

Wissenswertes

In der Zeit seiner größten Ausdehnung Mitte des 6. Jh.s zur Regierungszeit Kaiser Justinians I. (reg. 527 - 565) erstreckte sich das Reich von Italien über die Balkanhalbinsel bis zur Arabischen Halbinsel und nach Nordafrika und umfasste eine Gesamtfläche von etwa 4.500.000 km².

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Wie viele km Fläche hatte die Byzanz ca?

Patrick Plöchl

Wissenswertes

Wer hat als erstes bzw. als letztes in Byzanz regiert und wer hat am längsten nach der Spaltung regiert?

Patrick Plöchl

Kaiser

Viele Historiker lassen die Geschichte des Byzantinischen Reiches mit der Regierungszeit Kaiser Konstantins I. des Großen (reg. 306 - 337) beginnen. Konstantinopel wurde 330 n. Chr. durch Konstantin gegründet. Andere wiederum setzen den Beginn dem Datum der „Trennung“ zwischen dem Weströmischen und dem Oströmischen Reich im Jahr 395 gleich: Damals gab Kaiser Theodosius I. (reg. 379–394), der das Gesamtreich allein regiert hatte, die Herrschaft zu gleichen Teilen an seine Söhne weiter. Der ältere, Arcadius (reg. 395 - 408), erhielt Konstantinopel und den Osten, während sein Bruder Honorius zunächst von Mailand, dann von Ravenna aus über das Westreich herrschen sollte. Die Trennlinie verlief in Europa entlang des Flusses Drina, der heute Bosnien-Herzegowina von Serbien abgrenzt. Von den Zeitgenossen wurde dies jedoch keineswegs als Schaffung zweier getrennter Reiche gesehen. Es gab einfach ein Kaiserkollegium, das sich die Verwaltung teilte.
Der letzte byzantinische Kaiser war Konstantin XI. Dragases Palaiologos (reg. 1448 - 1453). Kaiser Basileios II. aus der Makedonischen Dynastie regierte von 976 bis 1025 und zählt somit mit 49 Regierungsjahren zu den am längsten regierenden Herrschern. Zählt man dessen Mitregentschaft mit Nikephoros Phokas und Johannes Tzimiskes ab dem Jahr 963 nach dem Tod seines Vaters Romanos II. mit, kommt man sogar auf 63 Jahre Regentschaft.

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Wer hat als erstes bzw. als letztes in Byzanz regiert und wer hat am längsten nach der Spaltung regiert?

Patrick Plöchl

Kaiser

Welche Bedeutung hatten der Bosporus, das schwarze Meer und die Donau für Byzanz? Gab es da Handelswege? Wie wurden die bewältigt? Die Schifffahrt muss ja auch damals eine der schnellsten Fortbewegungsmittel gewesen sein?

Sepp Ginner

Handel

Donau und Bosporos waren für den Handel, die Logistik und die allgemeine Kommunikation von großer Bedeutung. Die Donau war über Jahrhunderte der Grenzfluß des byzantinischen Reiches; Schiffahrt gab es auf vielen Abschnitten, insbesondere im unteren Bereich nahe der Mündung. Die Straße entlang der Donau wurde oft genutzt, unter anderem von den Kreuzrittern… der enorm fischreiche Bosporos verbindet den Schwarzmeerraum mit der Propontis und der Ägäis, Konstantinopel als Reichshauptstadt war jener Knotenpunkt, an dem alle Schiffahrtswege und Kommunikationsrouten zusammenliefen. Die Grabungsfunde in Yenikapi in Istanbul, dem Areal des alten Theodosios-Hafen, der insbesondere für die Getreideversorgung der Reichshauptstadt dienlich war, veranschaulichen in ihrer Vielzahl exemplarisch die Bedeutung der Routen. – Wenn die Schiffahrt auch ein schnelles Fortbewegungsmittel war, so sollte man doch insbesondere für die frühbyzantinische Zeit (4.-7. Jh.) nicht die Bedeutung des ausgezeichneten, von den Römern übernommenen Straßensystems übersehen.

 

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Welche Bedeutung hatten der Bosporus, das schwarze Meer und die Donau für Byzanz? Gab es da Handelswege? Wie wurden die bewältigt? Die Schifffahrt muss ja auch damals eine der schnellsten Fortbewegungsmittel gewesen sein?

Sepp Ginner

Handel

In der Wiener Schatzkammer befindet sich die kostbare "Achatschale", von der man sogar meinte, dass es sich dabei vielleicht um den "Heiligen Gral" handeln könnte. [...]

Riki Schirrer

Wissenswertes

[...] Sie soll von Konstantinopel stammen und beim 4. Kreuzzug erbeutet worden und über das Burgundische Erbe zu den Habsburgern gekommen sein. Frage: Gibt es Aufzeichnungen oder Hinweise durch wen sie von Konstantinopel nach Burgund kam?

Diese Achatschale könnte eben im 4. Jh. nach Chr. am Hofe Kaiser Konstantins entstanden sein. Aufgrund ihrer Größe und der Tatsache aus einem einzigen Achatblock geschliffen worden zu sein, zählt sie zu den bedeutendsten Objekten der antiken Steinschneidekunst weltweit. Im Durchlicht in der natürlichen Maserung des Steines lässt sich das griechische Wort „XRISTO“ – der Name Christi – erahnen, was dazu führte, dass spätere Legenden sogar den Hl. Gral in dieser Schale vermuteten. Die Herkunft der Achatschale ist leider ungewiss. Berichte des 18. Jh.s erzählen, dass die Schale durch die Eroberung Konstantinopels im Jahre 1204 ihren Weg nach Europa fand und später im Besitz Karls des Kühnen war. Genaue Aufzeichnungen über die „Reise“ der Schale und deren Besitzerwechsel sind leider nicht bekannt bzw. bis dato unentdeckt. Durch die Heirat zwischen Maximilian I. und Maria von Burgund ist die Schale gemeinsam mit dem Burgundererbe nach dem Tod Karls des Kühnen 1477 in den Besitz der Habsburger gelangt.

https://www.khm.at/objektdb/detail/100474/

 

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In der Wiener Schatzkammer befindet sich die kostbare "Achatschale", von der man sogar meinte, dass es sich dabei vielleicht um den "Heiligen Gral" handeln könnte. [...]

Riki Schirrer

Wissenswertes

Woher hatte Byzanz seinen Vorsprung in der Kunstfertigkeit, etwa der Technik, Seidenstoffe zu verarbeiten? Kam dieser aus Handelsbeziehungen und Kulturtransfers mit anderen Reichen?

Gunnar

Wissenswertes

Nichts war im Westen so begehrt wie byzantinische Seide, von deren aufwendiger Herstellung man im Westen bis ins Spätmittelalter keine Kenntnis hatte. Typisch für den Umgang mit byzantinischen Seidenstoffe im Westen war, dass sie entweder zur Herstellung von liturgischen Gewändern verwendet oder aber zerteilt und zum Umhüllen von Reliquien benutzt wurden.

Im Byzantinischen Reich dürfte die Seidenproduktion, die ihre Ursprünge im östlichen und zentralen Asien hatte, spätestens ab dem 6. Jahrhundert geläufig gewesen und über die Jahrhunderte perfektioniert worden sein. Die einzigartigen materiellen und optischen Qualitäten von Seidengewändern machten sie in den Augen westlicher Eliten zu einem höchst begehrten Gut, durch das man sich von seinesgleichen abheben konnte. Die bisweilen geäußerte Kritik westlicher Autoren, die sich über das Tragen „griechischer“ Kleider empörten, scheinen wenig Widerhall gefunden zu haben.

Die Mehrzahl heute noch existenter byzantinischer Seiden hat sich in den Schatzkammern westlicher Kirchen erhalten, da sie ihre Träger sogar bis in den Tod begleiteten und nicht selten selbst den Status von Heiligtümern erlangten – so etwa die Gewänder von Papst Clemens II. in Bamberg.  

In Konstantinopel legte man zudem großen Wert darauf, schon die Herstellung, vor allem aber den Export von Rohseiden und fertigen Textilien zu reglementieren. Mit Purpur gefärbte Seiden waren dem byzantinischen Kaiser und dem Hof vorbehalten, aber auch andere hochwertige Seiden durften nicht auf dem freien Markt gehandelt werden.

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Woher hatte Byzanz seinen Vorsprung in der Kunstfertigkeit, etwa der Technik, Seidenstoffe zu verarbeiten? Kam dieser aus Handelsbeziehungen und Kulturtransfers mit anderen Reichen?

Gunnar

Wissenswertes

Viel wird von der Faszination des Westens gegenüber Byzanz berichtet, aber worin lag diese eigentlich?

Gunnar

Wissenswertes

Die Beziehungen zwischen dem lateinischen Westen und dem Byzantinischen Reich hatten im Lauf der Jahrhunderte höchst unterschiedliche Intensität und waren von stark wechselnden politischen wie wirtschaftlichen Interessen geprägt. Als konstant erwies sich jedoch das beidseitige Wissen, dass man in Konstantinopel über Gegenstände verfügte, die man im Westen nicht hatte und auch nicht – oder nicht gleichwertig – herstellen konnte. Die Faszination ging also vordergründig von Artefakten aus, welche die byzantinischen Kunsthandwerker aus edelsten Materialien wie Elfenbein, Gold, Silber, Edelsteinen, Email und Seide herstellten. Dass die Kostbarkeiten heute nicht mehr an ihrem Entstehungsort, sondern vornehmlich in Kirchenschätzen, westeuropäischen Sammlungen und einigen Museen in Übersee beheimatet sind, mutet befremdlich an. Die begehrten Luxuswaren aus Byzanz traten bereits ab dem Frühmittelalter ihren Weg in den Westen an: Nachdem durch die Krönung Karls des Großen im Jahre 800 das Kaisertum im ehemaligen Weströmischen Reich wiederbelebt worden war, herrschte zwischen Byzanz und dem Westen ein reger diplomatischer Austausch. Es gehörte zu den protokollarischen Pflichten der zahlreichen Gesandtschaften, kostbarste Geschenke zu überbringen, die entsprechend bemessene Gegengeschenke zur Folge hatten. Für das 10. Jahrhundert sind besonders viele Gesandtschaften überliefert, die anlässlich der Heiratsverhandlungen um eine byzantinische Prinzessin für Otto II. (reg. 973–983) erfolgten. Die kaiserliche Schatzkammer füllte sich, und zur Jahrtausendwende schmückten byzantinische Pretiosen viele hochrangige Stiftungen. Byzantinische Gegenstände gelangten phasenweise geradezu massenhaft in den Westen und prägten dort die Vorstellung von der Pracht des byzantinischen Kaiserhauses. In Konstantinopel gab es unendlich viel zu bewundern, und der Westen hatte ja nach der Demontage der römischen Staatlichkeit großen Aufholbedarf. Der Westen stagnierte, der Osten glänzte. Kunstgegenstände, Schmuck, Seide und Reliquien gelangten von Konstantinopel in die Machtzentren des Westens; bis in das 7. Jahrhundert verzeichnete man in einigen Regionen sogar eine flächendeckende Versorgung mit byzantinischen Waren.

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Viel wird von der Faszination des Westens gegenüber Byzanz berichtet, aber worin lag diese eigentlich?

Gunnar

Wissenswertes

Welche Verbindungen gab es zwischen Otto dem Großen und Byzanz? Sind Geschenke, Heiratspläne oder sonstiges bekannt?

Martina Drexler

Geschichte

Schon vor dem Aufstieg des deutschen Königs Otto I. (reg. 936-973) zum Kaisertum war es zu ersten Gesandtschaften zwischen Byzanz und Otto gekommen, so in den Jahren 945, 948/949 und 955/956 (letztere nach dem Sieg Ottos über die Ungarn auf dem Lechfeld). Als Otto I. am 2. Februar 962 als Dritter „nach Konstantin und Karl“, wie es in einer Quelle heißt, von Papst Johannes XII. in Rom zum Kaiser gekrönt wurde, wollte er, ähnlich wie Karl der Große 160 Jahre zuvor, seinen neuen Rang insbesondere durch das ja ununterbrochen seit der Antike bestehende römische Kaisertum in Konstantinopel anerkennen lassen. Diesem Zweck sollte die Eheschließung seines Thronfolgers Otto II. mit einer byzantinischen Prinzessin dienen; diese Mission legte Otto I. in die Hände die italienischen Diplomaten Liutprand von Cremona, der zuvor schon 949/950 im Dienst des Königs Berengar II. von Italien in Byzanz gewesen war. Diesmal scheiterte Liutprand allerdings bei seinen Verhandlungen mit Kaiser Nikephoros II. Phokas, der sowohl aufgrund der jüngsten großen militärischen Erfolge der Byzantiner im Kampf gegen die Araber als auch wegen der Bedrohung der byzantinischen Besitzungen in Unteritalien durch die Ottonen die Hand einer byzantinischen Prinzessin und die Anerkennung des Kaisertums Ottos verweigerte. In der Folge drohte sogar ein Krieg zwischen den beiden Imperien um die Macht in Süditalien. Im Jahr 969 wurde allerdings Kaiser Nikephoros II. Phokas ermordet, und sein Nachfolger Johannes I. Tzimiskes war den Ersuchen Ottos um eine Eheverbindung gegenüber aufgeschlossener. Mit der Nichte des Tzimiskes, Theophano, wurde zwar nicht die gewünschte Kaisertochter in den Westen entsandt, aber Otto I. ließ sie am 14. April 972 unter großem Prunk mit seinem Sohn Otto II., den er davor zum Mitkaiser ernannt hatte, vermählen. Kaiserliche Pracht aus Byzanz imitierte man mit der Heiratsurkunde für Theophano (heute im Staatsarchiv Wolfenbüttel), die mit Goldtinte auf purpurgetränktem Pergament verfasst wurde (ein Bild davon ist auch in der Schallaburg-Ausstellung zu sehen). Nach dem Tod Ottos I. 973 übernahmen Otto II. und Theophano die Herrschaft, und nach Ottos II. frühem Tod 983 führte Theophano sogar die Regentschaft für ihren minderjährigen Sohn Otto III. bis zu ihrem eigenen Tod 991 (bestattet wurde sie in der Kölner Kirche St. Pantaleon). Theophano brachte auch wertvolle Geschenke wie Seidenstoffe und Reliquien aus Byzanz mit; einiges davon fand seinen Weg in das wichtige Frauenkloster in Essen, das von mehreren Äbtissinnen aus dem Haus Ottos des Großen, darunter zwischen 1039 und 1058 von einer gleichnamigen Enkeltochter Theophanos, geleitet wurde. Von dort stammt auch das in der Schallaburg-Ausstellung gezeigte Kreuznagel-Reliquiar, das einen aus Konstantinopel nach Essen transferierten (angeblichen) Nagel aus dem Kreuz Christi beinhaltet (in Raum IX, Katalognummer 130). Theophanos Sohn Otto III. war dann besonders stark vom Vorbild des byzantinischen Kaisertums beeinflusst und plante unter anderem auch dem westlichen Kaisertum wieder eine feste Hauptstadt in Rom (analog zu Konstantinopel) zu geben – sein früher Tod im 21. Lebensjahr im Jahr 1002 verhinderte allerdings die Umsetzung dieser Ideen.

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Welche Verbindungen gab es zwischen Otto dem Großen und Byzanz? Sind Geschenke, Heiratspläne oder sonstiges bekannt?

Martina Drexler

Geschichte

Was ist das wertvollste Fundstück aus Byzanz?

Jürgen Fritsche

Wissenswertes

Diese Frage lässt sich kaum beantworten, weil der Wert von historischen Objekten zwar für Versteigerungen oder Versicherungen geschätzt werden kann, aber wie bei Kunstwerken eher keinen "objektiven" Geldwert wiedergibt und eine direkte Vergleichbarkeit schwierig macht. Für die Wissenschaft wiederum sind jene Objekte am wertvollsten, die uns einen Einblick in das Leben der damaligen Menschen geben - die aber wiederum nicht materiell wertvoll sein müssen. Meistens ist es auch nicht ein Objekt allein, das uns viel erzählt, sondern die Kombination mit anderen Objekten, der Fundort und ähnliche Informationen. So kann als wahrer Jahrtausendfund die Entdeckung des riesigen Theodosios-Hafens in Istanbul/Konstantinopel gelten, wo auf einer Fläche von über 10 Fußballfeldern über 30 Schiffe samt Ladung, Nahrung, Tieren usw. ausgegraben wurden.

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Was ist das wertvollste Fundstück aus Byzanz?

Jürgen Fritsche

Wissenswertes

Wie lange dauerte die Reise von Wien nach Konstantinopel plus Hochzeit? Und wie viele Gefoglsleute und Diener waren unterwegs?

Sylvia und Georg Wielander

Wissenswertes

Leider liefern uns die historischen Quellen gerade zu diesen Aspekten der beiden Hochzeiten zwischen Babenberger-Herzögen und byzantinischen Prinzessinnen (Heinrich II. Jasormigott und Theodora Komnene 1148 sowie Leopold VI. und Theodora Angela 1203) keine Informationen.

Zu den Reisezeiten zwischen Konstantinopel und Wien können wir aber zumindest Angaben aus anderen Berichten heranziehen: die schnellste Reiseoption hätte eine Seefahrt von Konstantinopel an einen Hafen an der oberen Adria (etwa Venedig) mit einer Reise weiter zu Land über die Alpen nach Wien kombiniert. Unter optimalen Bedingungen (gutem Wetter, schnellen Schiffen und Reittieren) wäre eine solche Reise im Sommer in ca. 40 Tagen zu bewältigen gewesen. Führte die Reise hingegen nur über Land von Konstantinopel quer über die Balkanhalbinsel via Sofia und Belgrad und dann weiter durch Ungarn bis nach Wien, ist mit ca. 60 Tagen (unter besten Bedingungen) oder mehr (bis zu drei Monaten) zu rechnen.

Zum Gefolge, das byzantinische Prinzessinnen zu ihren ausländischen Ehepartnern begleitete, finden wir Angaben zeitnah zu den babenbergischen Hochzeiten etwa für Maria, eine Nichte des Kaisers Manuel I. Komnenos, die 1167 König Amalrich I. von Jerusalem heiratete, oder für Eudokia, eine weitere kaiserliche Nichte, die 1170 mit einem mächtigen römischen Adeligen verehelicht wurde. Beide wurden durch zwei oder drei hochgestellte Würdenträger des kaiserlichen Hofes und auch einen Dolmetscher begleitet; dazu kam sicher eine größere Zahl weitere Amtsträger, Soldaten (zum Schutz), Diener und Dienerinnen – die Quellen interessieren sich allerdings nur für die höchstrangigen Mitglieder dieser Gesandtschaften und nennen die weiteren Personen nicht. Erwähnung finden dafür die wertvollen Geschenke und die reichhaltige Mitgift (in einem Fall ist die Rede von 100 000 Goldmünzen), die diese Prinzessinnen mitbrachten. Dass dies auch für die zwei „österreichischen“ Hochzeiten zutraf, können wir allerdings nur vermuten.

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Wie lange dauerte die Reise von Wien nach Konstantinopel plus Hochzeit? Und wie viele Gefoglsleute und Diener waren unterwegs?

Sylvia und Georg Wielander

Wissenswertes

Womit spielten die Kinder in Konstantinopel?

Maxi

Wissenswertes

Kleinkinder spielten in der Familie und im Haus, größere lieber in Gruppen außerhalb des Hauses, wohl auch deswegen, weil dies eine - wenigstens teilweise - Freiheit von der Arbeit mit sich brachte. Manche Gemeinschaftsspiele sind archäologisch durch geritzte Bodenmarkierungen belegt, ohne dass die Spielregeln erkennbar wären. Wie man Kleinfunden und Abbildungen entnehmen kann, war das Spielzeug aus Tierknochen, Holz, Ton, Textilien, Leder oder (seltener) aus Metall angefertigt. Puppen, Karren mit Pferden, Spielzeughäuser, Flöten und Pfeifen, Spielknöchel, Bälle, Reifen und Kreisel waren als Spielzeuge verbreitet.

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Womit spielten die Kinder in Konstantinopel?

Maxi

Wissenswertes

Hat die Verbreitung des Islams im 10ten Jahrhundert Richtung Europa die Kreuzzüge initiiert?

Michael Nassioudis

Geschichte

Die Ausbreitung des Islam geriet im Westen (Spanien) aber bereits um die Mitte des Jahrhundert ins Stocken, im Osten scheiterte der letzte arabische Versuch einer Eroberung Konstantinopels bereits im frühen 8. Jahrhundert. Von einer Expansion des Islam im 10. Jahrhundert nach Europa kann daher keine Rede sein.
Am Vorabend der Kreuzzüge (spätes 11. Jh.) hatte man sich im Westen mit der Situation arrangiert: In Spanien kam es sogar zu christlich-muslimischen Bündnissen, in Sizilien lebten Christen und Muslime lange nebeneinander. Die Byzantiner pflegten nach einer langen Zeit von Grenzkonflikten gute Kontakte mit dem Kalifat der Fatimiden. Die Situation änderte sich erst durch die
Westexpansion der (ebenfalls muslimischen) Seldschuken bis nach Kleinasien (im 11. Jh., allerdings auch hier ohne erkennbares Ziel Europa), die den Fatimiden kurzfristig Jerusalem entrissen und die Situation für christliche Pilger vorübergehend verschlechterten, was schlussendlich zum Aufruf Papst Urbans führte.
Die Kreuzzüge entstanden also keineswegs als defensive Gegenmaßnahme, um Europa vor dem Islam zu schützen, sondern im Gegenteil als Angriffskrieg, um selbst Kontrolle über die Stätten im Heiligen Land zu erringen.

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Hat die Verbreitung des Islams im 10ten Jahrhundert Richtung Europa die Kreuzzüge initiiert?

Michael Nassioudis

Geschichte

Ich habe keine Frage, aber ich wollte nur mal kurz sagen, dass die Ausstellung der Hammer ist!

Lars Krumtünger

Ausstellung

Ich habe keine Frage, aber ich wollte nur mal kurz sagen, dass die Ausstellung der Hammer ist! Es ist sehr interessant gehalten und man kann sich SEHR viele originale Stücke anschauen. Zu Byzanz hört man sonst wirklich nicht viel, daher bin ich für die Ausstellung wirklich dankbar!

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Ich habe keine Frage, aber ich wollte nur mal kurz sagen, dass die Ausstellung der Hammer ist!

Lars Krumtünger

Ausstellung

Wie lange habt ihr für die Ausstellung gebraucht?

Friedrich Wolf

Ausstellung

Die Recherchen für die Ausstellung begannen bereits 2013, außerdem wurden speziell dafür Tagungen ausgerichtet und Forschungsprogramme aufgesetzt. Die heiße Phase der Umsetzung waren freilich die Jahre 2016 und 2017.

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Wie lange habt ihr für die Ausstellung gebraucht?

Friedrich Wolf

Ausstellung

Ich habe gehört, dass Engländer nach Byzanz ausgewandert sind und es dort auch einen englischen Staat gegeben hat. [...]

Gerda Scholz

Geschichte

[...] Ich wüsste gerne, wann das war, wie viele Engländer und aus welchem Grund nach Byzanz ausgewandert sind , sowie wo genau und wie lange dieser englische Staat bestanden hat.

Von einem englischen Staat im Byzantinischen Reich ist nichts bekannt. Nach der Schlacht bei Hastings am 14. Oktober 1066 kam es in Konstantinopel zu einer größeren Präsenz von Angelsachsen, die sich als tapfere Kämpfer der so genannten „Warägergarde“, der kaiserlichen Leibgarde, angeschlossen hatten. Als „Waräger“ bezeichnete man in Byzanz die skandinavischen und angelsächsischen Söldner in der byzantinischen Armee. Da sie loyale Beschützer des byzantinischen Kaisers waren, hatten sie für gewöhnlich eine besondere Stellung in der dortigen Gesellschaft.

Generell spielten Soldaten im Stadtgefüge Konstantinopel eine große Rolle, denn ihnen oblag es die Stadtmauern zu verteidigen und die Gefängnisse zu bewachen, sowie vor Ämtern wie dem Sitz des Stadteparchen oder vor dem kaiserlichen Palast Wache zu halten.

Diese Spezialtruppen der byzantinischen Armee hatten ihren Sitz in der Umgebung des Palasttores, der Chalke. Seit dem 10. Jh. wurden bereits Söldner aus Russland und den nordischen Ländern (darunter auch Wikinger), und nach der Mitte des 11. Jh. eben aus England für die Warägergarde rekrutiert.

Eine Literaturempfehlung wäre der folgende Artikel: Jonathan Shepard, The English and Byzantium. A Study of their Role in the Byzantine Army in the later 11th century, Traditio 29 (1973) 53-92.

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Ich habe gehört, dass Engländer nach Byzanz ausgewandert sind und es dort auch einen englischen Staat gegeben hat. [...]

Gerda Scholz

Geschichte

welche Bedeutung haben die Farben rot und blau, die immer im Gewand der Maria auftauchen. Wobei in den östlichen Ikonen das Untergewand der Maria blau ist und der Mantel rot - im Westen aber umgekehrt.

Dagmar

Wissenswertes

Den Farben kommen in der christlich-orthodoxen Ikonenmalerei ganz besondere Bedeutungen zu. Meistens ist der Hintergrund in Gold gehalten. Dieses stellt das absolute, göttlich-transzendente Licht dar. Blau und Grün gelten als Farben der Schöpfung, Rottöne hingegen als Farben des Göttlichen. Eine hellere Farbnuance von Rot ist den Märtyrern vorbehalten. Bestimmte Farben nehmen Bezug auf gewisse Ereignisse. Der Maler hingegen ist hinsichtlich der Wahl der Farbnuancen völlig frei.

Purpurtöne symbolisieren zudem königliche und göttliche Macht und Würde. Es verwundert daher nicht wenn Jesus Christus und Maria in purpurfarbenen Kleidern gemalt werden / wurden.

Die Farbe Rot steht zudem für die Lebenskraft, Blut (vgl. Blutopfer Christi), Feuer, Krieg oder Gewalt.

Die Farbe Blau symbolisiert das Himmlische, die Unendlichkeit, die Wahrheit, die Treue, das Vertrauen.

Grün als Komplementärfarbe zu Rot verkörpert das Jugendlich-Vitale, das Wachstum, den Triumpf über den Tod, die Hoffnung auf Auferstehung.

Braun wird oft als Ersatzfarbe für Blau gesehen und symbolisiert Bodenständigkeit, das irdisch-menschliche Element.

Dunkelbraun / Schwarz(braun) steht für Entsagung, Buße, Askese und Mönchtum.

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welche Bedeutung haben die Farben rot und blau, die immer im Gewand der Maria auftauchen. Wobei in den östlichen Ikonen das Untergewand der Maria blau ist und der Mantel rot - im Westen aber umgekehrt.

Dagmar

Wissenswertes

Hat die Schallaburg auch Besitzer gehabt, die mit der Geschichte von Byzanz zu tun hatten?

Thomas

Wissenswertes

Die  Schallaburg an sich hat mit Byzanz nichts zu tun. Zwar gehen die  Ursprünge des Renaissance-Schlosses auch auf das Hochmittelalter zurück, aber die Beziehung eines Burgsitzes zu Byzanz oder die Anwesenheit von  Byzantinern auf der „Schallaburg“ ist nicht bekannt. Allerdings stammen aus Niederösterreich auch einige Kreuzritter, die auf ihrem Zug in das Heilige Land ebenso das byzantinische Reich durchqueren mussten. Im 12. und 13. Jahrhundert sind zwei byzantinische Prinzessinnen in „Österreich“ zu verorten, doch deren Anwesenheit betrifft den Quellen zufolge Klosterneuburg und Wien. In den Urkunden der Zeit finden sich aber immer auch Hinweise auf die Präsenz eines Babenbergerherzogs mit seiner byzantinischen Frau bei Gerichtsverhandlungen und Ähnlichem auch außerhalb der genannten Orte.

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Hat die Schallaburg auch Besitzer gehabt, die mit der Geschichte von Byzanz zu tun hatten?

Thomas

Wissenswertes

Wie hat sich die byzantinische Kultur entwickelt?

Matthias

Wissenswertes

Die byzantinische Kultur hatte 1100 Jahre Zeit sich zu entwickeln und zu entfalten.

Die Byzantiner verstanden sich selbst eigentlich als Römer (rhomaioi). Hatte sich der Begriff „Hellene“ (hellen) seit der Christianisierung ausschließlich auf die heidnischen alten Griechen bezogen (mit allen negativen Konnotationen), beanspruchte man deren kulturelle Leistungen nun stolz für sich. Das wiederum stand in Wechselwirkung mit einer nun wieder intensivierten Beschäftigung mit der Antike; sie ermöglichte jene intellektuellen und künstlerischen Höchstleistungen, die schließlich auch Niederschlag im Westen finden sollten. Die Religion spielte bei der Definition der byzantinischen Kultur ebenfalls eine größere Rolle als in den vergangenen Jahrhunderten.

Kaiser Konstantin der Große (reg. 306-337) weihte an der Stelle von Byzantion im Jahr 330 die Konstantinsstadt (griech. Konstantinopolis) ein, womit er nicht nur eine neue, nach ihm benannte Residenz der römischen Kaiser schuf, sondern auch ein Zeichen setzte, das die machtpolitische und wirtschaftliche Bedeutung des Ostens innerhalb der römischen Mittelmeer-Ökumene hervorheben sollte. Konstantinopel entwickelte sich dank seiner idealen geographischen Lage bald - zeitweise im Gegensatz zum italischen alten Rom - zum christlichen neuen Rom (griech. Nea Rome) und übernahm die Führungsrolle innerhalb des Römischen Reiches in der christlichen Spätantike und im Frühmittelalter. Bis in das 12.Jh. war das Byzantinische Reich "die" europäische Leitkultur, der man nacheiferte: Byzantinische kunsthandwerkliche Produkte wie Seidenstoffe, Elfenbeinkunst, Gold- und Silberarbeiten, sowie Email-  und Bronzekunst, später auch kunstvoll gestaltete Reliquienschätze, waren überall begehrt. Auch technische Errungenschaften fanden im Ausland großes Interesse, darunter wären beispielsweise Musikinstrumente wie Orgeln oder Waffen wie das "griechische Feuer" zu nennen, das eine Art Flammenwerfer auf Rohölbasis darstellt und vor allem in Seeschlachten Verwendung fand. Die Byzantiner betrieben eine sehr aktive Diplomatie, suchten die Nachbarn aus einer Position der Überlegenheit zu kontrollieren. Ein gewaltiger Erfolg für Byzanz war der "Export" des orthodoxen Christentums, grundgelegt durch das Wirken der Slawenapostel Kyrill und Method.

Die Leistung der Byzantiner liegt auch in der Bewahrung des alten antiken Wissens. Sie verstanden es christliche Grundwerte mit römischen Rechts- und Verwaltungsstrukturen einerseits, mit den Denksystemen und dem gesammelten Wissen der Antike andererseits auf kreative Art neuzuverbinden. Dieses Kulturpotential entwickelte Byzanz über ein Jahrtausend weiter und prägte dadurch das kulturelle und politische Selbstverständnis Europas.

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Wie hat sich die byzantinische Kultur entwickelt?

Matthias

Wissenswertes

Was waren die Gründe für das abendländische Schisma? (katholische Kirche - orthodoxe Kirche)

Oliver Cach

Geschichte

In der Forschung werden meist folgende Streitpunkte als Hauptgründe für den Bruch genannt: die Azymenfrage (die Verwendung von ungesäuertem bzw. gesäuertem Brot in der Kommunion), der Primat (die kirchliche Vorrangstellung innerhalb der Pentarchie), das Filioque (der Ausgang des Heiligen Geistes) und der Zölibat (die Ehelosigkeit der Priester). Die Vorgänge des Jahres 1054 stellten keine Zäsur in den Beziehungen zwischen Konstantinopel und Rom dar. Vielmehr handelte es sich um ein Ereignis in einer längeren Phase des Auseinanderdriftens, das sich nach 1054 stufenweise verstärkte. Die Eroberung Konstantinopels im Verlauf des Vierten Kreuzzugs 1204 sowie die Etablierung des lateinischen Kaiserreiches und des lateinischen Patriarchates von Konstantinopel haben zu einer tiefgreifenden Entfremdung beigetragen.

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Was waren die Gründe für das abendländische Schisma? (katholische Kirche - orthodoxe Kirche)

Oliver Cach

Geschichte

Was bedeutet Europa auf Griechisch bzw. wie kam man auf diesen Namen?

Leonhard Wolfslehner

Wissenswertes

Mitte des 5. Jh.s v. Chr. prägte der griechische Historiker Herodot den Begriff „Europa“, wobei er mit diesem vor allem eine geographische Region bezeichnete. Demnach galt Europa als der größte Kontinent der Antike, größer noch als Asien oder Afrika. Als Ethnonym fasste Europa kaum mehr als die Bevölkerung des antiken Griechenlands und seiner Kolonien zusammen.
Auch die altgriechische Sage der gleichnamigen Prinzessin, die von Zeus in Gestalt eines schönen weißen Stieres entführt wurde und gerne als Namensgeberin für den Kontinent herangezogen wird, darf hier nicht unerwähnt bleiben. Diese älteste literarische Erwähnung Europas geht auf den Dichter Homer zurück: In der Ilias nennt er Εὐρώπη (Eurṓpē) als Tochter des Phoinix, der seinerseits in der griechischen Mythologie Sohn des Agenor, eines phönizischen Königs war.
Im 8. Jahrhundert nach Christus war es vor allem die Person von Karl dem Großen, der als „pater Europae“ stilisiert wurde, weswegen sich allmählich ein laudativer Gebrauch dieser Erdteilbezeichnung etabliert hatte. Nach dem Fall von Konstantinopel im Jahr 1453 begann sich allmählich auch eine humanistische Europaidee zu etablieren. Europa wurde mit dem Christentum gleichgesetzt. So prägte der Humanist Enea Silvio Piccolomini den Begriff des „europäischen Hauses“. Beginnend mit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts etablierten sich vermehrt Begrifflichkeiten, die den Zweck hatten Europa als für sich alleinstehend bzw. sich abgrenzend darzustellen, was vor allem durch religiös-politische Ideen motiviert war.

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Was bedeutet Europa auf Griechisch bzw. wie kam man auf diesen Namen?

Leonhard Wolfslehner

Wissenswertes

Wie hat sich die französische Sprache entwickelt, wenn im Westen nur Latein gesprochen wurde?

Elfriede Pirker

Wissenswertes

Nach der römischen Eroberung Galliens durch Julius Cäsar zwischen 58 und 50 v. Chr. setzte sich Latein allmählich als Verkehrssprache im ganzen Land durch und verdrängte die vorher gesprochenen verschiedenen keltischen Sprachen. Letztere beeinflussten allerdings in einigen Elementen weiter die tatsächlich gesprochene Sprache, die sich als „Vulgärlatein“ von der Hoch- und Schriftsprache unterschied. Nach dem Zerfall der weströmischen Herrschaft in Westeuropa im 5. Jh. n. Chr. entwickelten sich aus diesem gesprochenen Latein verschiedene regionale (romanische) Sprachen, nicht nur in Gallien, sondern auch auf der iberischen Halbinseln, in Italien und in anderen Gebieten. In Gallien blieb insbesondere der ganze Süden auch dann weiterhin romanisch-sprachig, als das Land von den germanisch-sprachigen Franken erobert wurde, die aber wiederum einige Elemente ihrer Sprache in die sich auf dem Weg zu den „altfranzösischen“ Sprachenformen befindlichen Sprachen einbrachten.  Als erstes schriftliches Dokument des Altfranzösischen des Mittelalters gelten die Straßburger Eide aus dem Jahr 842, in denen sich zwei der Enkelsöhne Karls des Großen gegen ihren dritten Bruder verbündeten, um eine Aufteilung des Reiches zu erzwingen (die Verwendung des Altfranzösischen im Schriftlichen war damals noch ungewöhnlich, da man in Texten versuchte, noch weitgehend dem „klassischen“ Latein, das aber nicht mehr gesprochen wurde, zu folgen). In den folgenden Jahrhunderten bestanden verschiedene Dialekte und Sprachformen in verschiedenen Regionen Frankreichs weiter; erst mit der Gründung der Académie française 1635 begann ein Prozess der Vereinheitlichung und Standardisierung. Das Französische ist also (wie das Italienische, Spanische, Rumänische usw.) eine Weiterentwicklung des Lateinischen über einen Zeitraum von 2000 Jahren.

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Wie hat sich die französische Sprache entwickelt, wenn im Westen nur Latein gesprochen wurde?

Elfriede Pirker

Wissenswertes

Wenn es in Byzanz kein Feudalsystem gab, wie war es dann aufgebaut? Gab es Titel wie Herzog oder Graf, oder vergleichbare Ränge wie in einer Lehenspyramide?

Iris

Kaiser

Die byzantinische Gesellschaft war prinzipiell ganz anders strukturiert als im Westen. Dennoch hat es im Byzantinischen Reich eine Art aristokratischer Oberschicht gegeben. Hier muss allerdings kurz auch auf die byzantinische Steuerpolitik und Verwaltung eingegangen werden. Das Steuerwesen in Byzanz zählte mitunter zu den raffiniertesten Steuersystemen der mittelalterlichen Welt. Durch die reguläre Besteuerung von Grundbesitz schöpfte man den Überfluss an Geld und Rohstoffen ab. Auf gewisse Dienstleistungen wie Bautätigkeit, Straßenerhalt, Brücken, Befestigungen, Bereitstellung von Handwerksarbeiten etc. gab es zudem Sondersteuern. Ein Verwaltungsbeamter im Byzantinischen Reich zu sein brachte einige Vorteile mit sich: den angesehenen sozialen Status der eigenen Person und der Familie, das Einkommen sowie Aufstiegschancen für sich und die eigene Familie. Im Prinzip gab es keine Vorschriften und Auflagen, um einen Posten in der Verwaltung zu ergattern. Freilich waren in der Praxis gewisse Kontakte und Beziehungen vonnöten. Manche Ämter konnten allerdings auch erkauft werden. Dennoch waren in der Regel gewisse Ämter eher von Mitgliedern aristokratischer Familien ausgeübt worden. Auch in Byzanz versuchte man durch die Verleihung von Ämtern und Titeln bei Hof gewisse Personen an den Kaiser zu binden. Daher entstand am Hof auch bald das Bedürfnis vermehrt neue Ämter und Titel einzuführen, was in der mittelbyzantinischen Zeit etwa zu einer Titelinflation geführt hatte. Alte Titel verloren daher an tatsächlicher Macht und wurden durch neuere Titelkombinationen ersetzt. Gerade in der mittelbyzantinischen Zeit kam es allmählich zu einer Situation, die dem Lehenswesen in Westeuropa recht ähnlich war: Einzelne mächtige Familien begannen in immer stärkeren Ausmaß ganze Provinzen allein und nahezu autark zu verwalten. Einige Quellen dokumentieren für die Mitte des 10. Jh.s auch vermehrt politische Aktivitäten einzelner Familien während die wirtschaftliche Macht jener Familie aus deren Grundbesitz resultierte. Ab dem 12. Jh. ging man oft dazu über Männer, die für ihre militärischen oder zivilen Leistungen früher noch mit Geld bezahlt wurden, mit Grundbesitz zu entlohnen. Zu Beginn übertrug man lediglich die Erträge oder die Steuereinnahmen eines Landstrichs, zu späterer Zeit gar den ganzen Grund. Die neuen Grundherren konnten somit selbst Geld von den steuerpflichtigen Bauern eintreiben. Das führte allmählich auch zur Entmachtung der zentralen Finanzbürokratie zu Gunsten einer privaten Finanzverwaltung. Das führte dazu, dass der Kaiser aus vielen Provinzen keine großen Steuereinnahmen mehr bekam. Gegen Ende des 12. Jh.s befand sich ein überwiegender Teil des Landes im Besitz adeliger hochrangiger Familien – darunter fanden sich natürlich auch Mitglieder der kaiserlichen Familie.

Die weltliche Stellung, die ein Byzantiner innehatte definierte sich im Grunde genommen durch seine Nähe zum Kaiser. Daher war es entscheidend welche Rangklasse einem durch den vom Kaiser verliehenen Titel zukam. Das Werk über die Hofämter aus den, das einem gewissen Pseudo-Kodinos, zugeschrieben wird, gibt einen bedeutenden Einblick in die byzantinische höfische Gesellschaftsstruktur. Der englischsprachige Wikipedia-Artikel „Byzantine bureaucracy and aristocracy“ vermittelt für den Einstieg einen guten Überblick über die gebräuchlichsten Hofämter und Titel.

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Wenn es in Byzanz kein Feudalsystem gab, wie war es dann aufgebaut? Gab es Titel wie Herzog oder Graf, oder vergleichbare Ränge wie in einer Lehenspyramide?

Iris

Kaiser

Welche Firmen stellen die elektronischen Geräte der Ausstellung her (zB. Monitore, Hörer etc.)? Wo kann man derartiges kaufen?

DI Paul Skritek

Ausstellung

Die Handhörer und Monitore  beziehen wir nach Angebotseinholungen ganz normal über Technikfirmen übers Internet. Ein guter technischer Berater ist beispielsweise die Firma bablTech. http://www.babltech.at/

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Welche Firmen stellen die elektronischen Geräte der Ausstellung her (zB. Monitore, Hörer etc.)? Wo kann man derartiges kaufen?

DI Paul Skritek

Ausstellung

Etliche Päpste stellten sich, aus welchem (?) Grund auch immer, präpotent und vehement über die weltliche Herrschaft. [...]

Heinz Blüml

Geschichte

[...] Obschon es in der Bibel heißt: "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist" und "Mein Reich ist nicht von dieser Welt". Sie stellten damit den göttlichen Herrschaftsanspruch über den weltlichen. Was in der Ostkirche, mir verständlich, anders lief. Anderseits waren vorher weltliche Entscheidungen durchaus zu Grundlagen christlichen Theologie geworden.Gab es dafür irgendwelche "theologischen" Gründe?

Mit der Anerkennung des Christentums durch Kaiser Konstantin den Großen im 4. Jh. wurde das römische Kaisertum in zentraler Stelle in das Gefüge der Kirche integriert; dies wurde insbesondere auf dem (offiziell schon von Kaiser Konstantin) einberufenen ersten allgemeinen (ökumenischen) Konzil von Nikaia 325 sichtbar, auf dem unter dem Vorsitz des Kaisers zentrale theologische und organisatorische Weichenstellungen vorgenommen wurden. Das römische Reich wurde nun (im Gegensatz zur Zeit der Verfolgung der Christen im 2. und 3. Jh.) als wichtiges Instrument des göttlichen Heilsplans interpretiert, dessen Herrschaft zur Sicherheit und Verbreitung der christlichen Gemeinde beitragen würde; dementsprechend konnte auch der weltlichen Macht in Gestalt des Kaisers eine Teilhabe an der Entwicklung und insbesondere des Schutzes des Glaubens zugebilligt werden.

Im Westen des römischen Reiches sah sich die Kirche allerdings (wie in der letzten Antwort geschildert) im 5. Jh. einem immer dramatischeren Verfall der weltlichen Kaisermacht gegenüber, auf den neue Antworten gefunden werden mussten. Unter dem Schock der Plünderung Roms durch die Westgoten im Jahr 410 verfasste Augustinus von Hippo (später als heiliger Kirchenvater verehrt) sein Werk „De civitate dei“, in dem er dem „weltlichen Staat“, der eben auch dem Verfall unterliegen kann, den in der Gemeinschaft der Christen verwirklichten, auf das ewige Seelenheil ausgerichteten „Staat Gottes“ oder „himmlischen Staat“ gegenüberstellte. Letzterer konnte auch dann Bestand haben, wenn ersterer verfiel und war ihm deshalb überlegen. Darauf aufbauend formulierte Papst Gelasius I. um 494 die „Zwei-Schwerter-Theorie“, demnach Gott zwei Gewalten (symbolisiert durch die Schwerter) auf Erden eingerichtet hat, nämlich die weltliche, die dem Kaiser und den Königen zukommt, und die geistliche Autorität der Bischöfe (mit dem Papst an der Spitze). Da die geistliche Gewalt sich um die ewigen Güter der Seele und des Himmels kümmert, sei sie der nur auf das Zeitliche beschränkten weltlichen Gewalt überlegen, insbesondere wenn etwa die Kaiser eine (in den Augen der Kirche) irrige religiöse Lehre durchsetzen wollten (und somit das Seelenheil ihrer Untertanen gefährdeten). Somit wurde neu definiert, „was des Kaisers“ und „was Gottes“ (und des Papstes) ist. Mit der Krönung eines neuen römischen Kaisers in Gestalt von Karl dem Großen im Jahr 800 durch Papst Leo III. konnten dann die Päpste sogar festhalten, dass auch die Überreichung des weltlichen Schwerts an die weltliche Gewalt ihnen oblag. Wie in der ersten Antwort ausgeführt, erhielt das Papsttum um diese Zeit auch ein weltliches Territorium in Mittelitalien in Gestalt des Kirchenstaats.

Die Vehemenz, mit der dann folgende Päpste (etwa Gregor VII. im 11. Jh. – Stichwort Canossa – oder Innozenz III. im 12./13. Jh.) diese Ansprüche gegenüber weltlichen Herrschern durchzusetzen versuchten, hing natürlich auch von ihrer jeweiligen Persönlichkeit ab. Die Ansprüche als solche sind aber nicht auf die „Präpotenz“ einzelner Päpste zurückzuführen, sondern gründen in den besonderen Entwicklungen des Verhältnisses zwischen kirchlicher und weltlicher Macht in Westeuropa unter dem Eindruck der Verfalls der übergeordneten imperialen Autorität Roms (die eben im Osten in Konstantinopel – zumindest formell – bis 1453 erhalten blieb).

 

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Etliche Päpste stellten sich, aus welchem (?) Grund auch immer, präpotent und vehement über die weltliche Herrschaft. [...]

Heinz Blüml

Geschichte

Warum haben die römischen Päpste so großen Wert auf weltliche Macht gelegt, im Gegensatz zu den byzantinischen Patriarchen?

Heinz Blüml

Geschichte

Die weltliche Macht wuchs den Päpsten gleichsam zu, als sich die römischen Kaiser in den unsicheren Zeiten des 5. Jh.s aus Rom zurückzogen und ihre Residenz u. a. ins besser zu verteidigende Ravenna verlegten. Als Bischöfe von Rom wurden die Päpste somit zu Stadtherren der Metropole am Tiber und sorgten sich um die Verteidigung und Versorgung der Bevölkerung in diesen Krisenjahrzehnten (so erreichte etwa Papst Leo I. 452 den Abzug der Hunnen unter Attila, die Rom bedroht hatten). Mit der Absetzung des letzten weströmischen Kaisers 476 verschwand auch das Kaisertum als übergeordnete Autorität im Westen Europas – und diese Rolle übernahmen nun ebenso mehr und mehr die Päpste, auch da die überregionalen kirchlichen Netzwerke durch Bistümer und Klöster in großen Teilen Westeuropas aufrecht blieben, währen die staatlichen Strukturen zusammenbrachen. Auf dieser besonderen Entwicklung im Bereich der Westkirche gründete die Macht und der Machtanspruch der Päpste, der später auch durch Dokumente wie die „Konstantinische Schenkung“ (eine gefälschte Urkunde des 9. Jh.s, demnach Kaiser Konstantin der Große im 4. Jh. bei der Verlegung seines Sitzes nach Konstantinopel die Autorität im ganzen weströmischen Reich dem Papst überantwortet hätte) fixiert wurde. Im Bündnis mit der neuen Macht der karolingischen Frankenkönige erhielten die Päpste dann im 8. Jh. sogar ein weit über Rom hinausreichendes Territorium in Mittelitalien – den Kirchenstaat – der bis zur Einigung Italiens um 1870 Bestand hatte. Die Päpste nahmen dann auch das Recht für sich in Anspruch, das römische Kaisertum im Jahr 800 mit der Krönung des Frankenkönigs Karl zu erneuern – ebenso dann aber gegen die Versuche dieser neuen römischen Kaiser, ihre Macht auf die Kirche auszudehnen, im sogenannten Investiturstreit im 11. und 12. Jh. vorzugehen. Während der reale Einfluss des (nun) römisch-deutschen Kaisertums schwand, wurden die Päpste tatsächlich als höchste Autorität in der westlichen Christenheit anerkannt, bis dann die Reformation im 16. Jh. zu einer dramatischen Spaltung dieser Sphäre führte.
Eine ähnliche Entwicklung gab es in der byzantinischen Ostkirche nicht – dort blieben die Patriarchen in Konstantinopel immer stark unter dem Einfluss der politischen Macht, zuerst der oströmisch-byzantinischen Kaiser, nach dem Fall Konstantinopels 1453 auch unter dem der osmanischen Sultane. Allerdings gab es auch hier einzelne machtbewusste Patriarchen, die durchaus mit einer ähnlich starken Stellung wie jener der Päpste im Gefüge der Ostkirche liebäugelten – etwas Patriarch Photios im 9. Jh. oder Michael Kerullarios (unter dem es 1054 auch zum sogenannten Schisma mit der Westkirche kam) im 11. Jh. Als der Einfluss der byzantinischen Kaiser im den beiden letzten Jahrhunderten des Reiches nach 1261 schwand, traten auch nach außen mehrfach die Patriarchen als Repräsentanten der Reichsinteressen auf, da ihre Autorität auch noch in weit entfernten Gebieten der Orthodoxie wie in Russland anerkannt wurde. Zu einer tatsächlichen weltlichen Herrschaft der Patriarchen konnte es aber aus den genannten Gründen nie kommen.
 

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Warum haben die römischen Päpste so großen Wert auf weltliche Macht gelegt, im Gegensatz zu den byzantinischen Patriarchen?

Heinz Blüml

Geschichte

Konstantinopel hat ja Unmengen an Getreide für die Versorgung der Bevölkerung benötigt. Wie hat die Logistik von Ägypten bis nach Konstantinopel funktioniert?

Ein Besucher des Vortrags von Dr. Ginalis

Handel

Ja, man stellt es sich immer so vor, dass die Seefahrt ganz einfach und direkt verlief, also beispielsweise von Alexandria direkt nach Konstantinopel. In der Realität war das aber nicht so. Denn um diese langen Distanzen zu überbrücken, benötigte man auch ausreichend Wasserversorgung und Lebensmittel an Bord. Das Handelssystem war so aufgebaut, dass man einige große Handelszentren hatte. Das waren diese Primärhäfen, an denen die gesamten Waren zusammengetragen wurden. Diese Waren kamen aber nicht direkt vom Vertreiber oder dem Erzeuger, wie beispielsweise den Bauern, sondern über Zwischenhändler. Das waren in der Regel kleinere regionale oder lokale Häfen. Es ist ein komplexes System zwischen kleineren Häfen, wo man die lokalen Produkte zusammen gesammelt hat. Diese wurden dann zu den Regionalhäfen gebracht, von wo sie aus überregional verschifft werden konnten. So hat man auch verschiedene Stationen eingelegt, von Alexandria nach Konstantinopel. Die Getreideversorgung hat sich mit der Zeit für Konstantinopel stark verändert. In der frühen Zeit war Ägypten mit Alexandria die reiche Kornkammer des Reiches. Mit der arabischen Eroberung fiel diese Quelle aber weg und man musste sich anders orientieren.Daher hat man sich dem Balkanraum zugewandt und Getreide hauptsächlich aus dem griechischen Raum aber auch aus Thrakien importiert. In Ceasarea Maritima, einer in der Spätantike bedeutenden Handelsstadt, sowie auch in Thessaloniki hat man Überreste von Kornkammern, die für die Getreidelagerung verwendet hat, gefunden. Allerdings ist die jeweilige Kapazität dieser Kornspeicher sehr unterschiedlich. Die Versorgung erfolgte daher auch nicht durch eine zentrale Kornkammer, sondern durch viele verschiedene. Es gab zudem privat organisierte Kornkammern und staatliche. 

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Konstantinopel hat ja Unmengen an Getreide für die Versorgung der Bevölkerung benötigt. Wie hat die Logistik von Ägypten bis nach Konstantinopel funktioniert?

Ein Besucher des Vortrags von Dr. Ginalis

Handel

Wie werden Holzteile aus tiefer See konserviert, wenn sie an die Luft kommen?

Ein Besucher des Vortrags von Dr. Ginalis 

Wissenswertes

Sie müssen wieder ins Wasser gelegt werden, was auch ein langwieriger Prozess ist, da man den ganzen Salzgehalt herausbekommen muss. Sie werden daher wieder ins Salzwasser gelegt und sukzessive mit chemischen Zusatzstoffen allmählich trocken gelegt. Dabei wird immer wieder das Wasser gewechselt, bis der Prozess beendet ist und dann mit einer gewissen Substanz zur Konservierung behandelt, bis das gesamte Holzobjekt dann so konserviert ist, dass man es auch frei ausstellen kann. Das ist aber ein sehr langwieriger und komplizierter Prozess. 

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Wie werden Holzteile aus tiefer See konserviert, wenn sie an die Luft kommen?

Ein Besucher des Vortrags von Dr. Ginalis 

Wissenswertes

Welche Sportarten waren im alten Byzanz bekannt bzw. verbreitet?

Bane

Alltag

Das christliche Byzanz hatte die Olympischen Spiele und andere Sportwettbewerbe verboten, da man diese mit den heidnischen Kultstätten in Verbindung brachte. Dennoch war eine der beliebtesten Sportarten im Byzantinischen Reich: das Pferderennen. Man kann also schon davon sprechen, dass das Hippodrom bis zur Eroberung Konstantinopels gewissermaßen soziales Zentrum in Konstantinopel war. Im Hippodrom fanden schließlich nicht nur Wagenrennen statt, es kam ebendort auch zu Kaisererhebungen, Verurteilungen und Hinrichtungen. Bereits als Konstantin der Große seine neue Residenzstadt im Jahr 330 einweihte, soll dies mit mehrtägigen Wagenrennen zelebriert worden sein. Bis zu 20 Mal im Jahr gab es im Hippodrom groß angelegte Sportveranstaltungen und – wettbewerbe. Oft fanden diese an kirchlichen oder staatlichen Feiertagen statt. Das Hippodrom in Konstantinopel existiert in seiner u-förmigen Bauweise seit dem 2. Jh.und wurde dabei dem Circus Maximus in Rom baulich nachempfunden. Hier traf das einfache Volk auf seinen Kaiser, der von einer Loge (kathisma) aus das ganze Geschehen überblicken konnte. Ein klassischer Renntag begann bereits am frühen Morgen. An einem Tag fanden an die 25 Rennen statt, ehe der Sieger am Abend gekürt wurde. Man muss sich ebenso vor Augen führen, dass manche Wagenlenker wie Fußballstars heutzutage gefeiert wurden. Das Hippodrom von Konstantinopel konnte an die 50.000 Zuseher fassen. An einem Wagenrennen nahmen vier bis zwölf Wagen teil. Organsiert waren die Wagenlenker in eigenen Verbänden, den so genannten Zirkusparteien, welche aufgrund ihrer großen Fangemeinden oftmals auch politischen Einfluss haben konnten. Im nördlichen Bereich des Hippodroms waren Startboxen (carceres) installiert. Kaum als das Startsignal ertönte, startete auch schon das Rennen und die Wagenlenker stürmten mit ihren Wagen, die jeweils von vier Pferden gezogen wurden (Quadriga), die Rennbahn. Ein Rennen bestand aus sieben Runden. Wie lange diese Rennen in Konstantinopel üblich waren, kann leider nicht genau rekonstruiert werden. Fakt ist, dass neben den Wagenrennen auch Tierkämpfe und Ritterturniere nach westlichem Vorbild durchgeführt wurden. Allerdings war das Hippodrom in spätbyzantinischer Zeit nur noch selten Schauplatz für Sportveranstaltungen. Es wurde da vor allem für das kaiserliche Zeremoniell und öffentliche Strafmaßnahmen und Hinrichtungen genutzt.

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Welche Sportarten waren im alten Byzanz bekannt bzw. verbreitet?

Bane

Alltag

Was waren die Lieblingsspeisen im Alltagsleben der alten Byzantiner?

Marijan

Alltag

Was die Byzantiner aßen hing stark von der aktuellen Jahreszeit und der finanziellen Lage ab. Bei der einfachen Bevölkerung standen überwiegend Brot, Getreidesuppen, Hülsenfrüchte, Gemüse wie Zwiebel und Kohl auf dem Speiseplan. Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte gab es für die einfache Bevölkerung nicht täglich. Zudem sah das orthodoxe Kirchenjahr an mehreren Tagen im Jahr strenges Fasten vor. An Fasttagen war somit der Genuss von Fleisch und Milchprodukten verboten. Als Hauptnahrungsmittel galt vor allem Brot. Darunter gab es mit dem paximadion eine dem heutigen Zwieback ähnliche Brotsorte, welche sehr lang haltbar war. Konstantinopel bezog seine Getreidevorräte aus Ägypten. Bereits Kaiser Konstantin erteilte staatlichen Bäckereien den Auftrag Brot an Bedürftige kostenlos zu verteilen. Fleisch galt im Byzantinischen Reich als Luxusgut und wurde manchmal auch von der einfachen Bevölkerung an hohen Feiertagen konsumiert. Salz hingegen galt als nicht wegzudenkendes Gewürz, da man mit Salz auch Lebensmittel haltbar machen konnte. So war auch getrockneter Fisch recht beliebt. Durch die Waräger, die sich seit dem 10. Jahrhundert in der kaiserlichen Leibgarde verdingten, fand auch getrockneter Stockfisch Verbreitung in der Bevölkerung. Über den Schwarzmeerhandel bezog man seit dem 12. Jh. auch Kaviar. Die Byzantiner kannten allerdings auch unterschiedliche Sorten von Gemüse, die gerne in Olivenöl, Salz oder Essig eingelegt wurden. Für die Zahnhygiene benutzte man einen gummiartigen Harz, Mastix, der die Konsistenz eines Kaugummis hatte. Zum Süßen von Speisen verwendete man oft Honig oder Rohrzucker.

 

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Marijan

Alltag

Die Gebietskarten des ersten Raums: Gibt es die zum Download, sie scheinen nicht im Katalog zu sein?

Thomas Ullrich

Ausstellung

Die Landkarten gibt es nicht zum Download. Aber im Katalog gibt es schon immer wieder Landkarten des mitteleuropäischen Raumes. Vor allem der „kurze historische Abriss“ von Dominik Heher, der im Katalog auf den Seiten 20 – 37 wiedergegeben wird, ist mit zahlreichen Abbildungen von Landkarten unterfüttert, um die politischen Veränderungen auch topographisch zu veranschaulichen.

 

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Die Gebietskarten des ersten Raums: Gibt es die zum Download, sie scheinen nicht im Katalog zu sein?

Thomas Ullrich

Ausstellung

Wird die Ausstellung weiterverwendet bzw. anderswo wiederholt?

Irmtraud Caithaml

Ausstellung

Nein. Die Ausstellung wurde eigens für die Räumlichkeiten der Schallaburg konzipiert ist gewissermaßen eine Fortsetzung der Ausstellung "Das goldene Byzanz und der Orient", welche 2012 auf der Schallaburg zu sehen war. Konzipiert und kuratiert wurde die Ausstellung von Prof. Dr. Falco Daim und Dr. Dominik Heher - beide sind tätig am Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz. Den Ausstellungsprojekten vorangegangen sind einige Forschungsprojekte, die im Zuge der Forschungskooperation "WissenschaftsCampus Mainz" zwischen dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum und der Johannes-Guttenberg-Universität Mainz entstanden sind. Daneben haben auch Forscherinnen und Forscher der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Abteilung Byzanzforschung sowie vom Institut für Byzantinistik und Neogräzistik der Universität Wien mitgewirkt.

In der heurigen Ausstellung werden zudem auch erstmals ganz hochkarätige Leihgaben aus namhaften renommierten Institutionen gezeigt. Allein aufgrund der kostbaren einzigartigen Leihgaben ist eine "Weiterreise" der Ausstellung eher ausgeschlossen.

 

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Wird die Ausstellung weiterverwendet bzw. anderswo wiederholt?

Irmtraud Caithaml

Ausstellung

Ich habe gelesen, dass eines der wertvollsten Objekte des Kunsthistorischen Museums in Wien, die sog. Gemma Augustea ist. Dieser Kameo soll auch in Konstantinopel gewesen sein. Wie kam der dorthin?

Dagmar

Wissenswertes

Erstmals erwähnt wird die Gemma Augustea (Antikensammlung, IXa 79) im Jahr 1246 im Inventar der Abtei von St. Sernin in Toulouse. Über die Jahrhunderte hinweg entstand auch die Legende, dass Josua den Kameo in der äthiopischen Wüste gefunden hätte, wonach er diesen nach Jerusalem gebracht haben soll, wo dieser mit der Kreuzigung Christi gesprungen sein soll. Karl der Große soll den Kameo als Pektorale, als Brustschmuck, getragen haben. Danach soll er den Kameo nach seiner Rückkehr von seiner Reise nach Jerusalem der Abtei St. Sernin geschenkt haben.

Entstanden ist der Kameo allerdings in der Regierungszeit von Kaiser Augustus, vermutlich als kaiserliche Auftragsarbeit. Es stimmt, dass sich die Gemma Augustea zunächst in Rom befand. Zur Wanderung dieses beeindruckenden Objekts gibt es unterschiedliche Theorien: Die eine Theorie besagt, dass die Gemma Augustea nach der Gründung Konstantinopels aus Rom nach Konstantinopel überführt wurde. Möglicherweise gelangte dieser Kameo auch im Zuge eines diplomatischen Austausches zwischen Kaiser Alexios I. Komnenos (reg. 1081 – 1118) und dem Grafen von Toulouse, Raymond des Saint-Giles (reg. 1093–1105) nach Toulouse. Eine andere Theorie besagt, dass dieser Kameo Teil der Beute der Plünderung Konstantinopels im Jahr 1204 war und so nach Frankreich gelangte.

Im 16. Jahrhundert kam die Gemma Augustea in den Besitz von König Franz I. (reg. 1515 – 1547), der sie nach Paris überführte. In den Religionskriegen wurde diese allerdings gestohlen und nach Venedig überführt. Dort tauchte sie auf dem Kunstmarkt auf, wo Kaiser Rudolf II. (reg. 1576–1612) den Kameo für seine Prager Schatzkammer im Jahr 1600 um den stolzen Preis von 12.000 Golddukaten erwerben ließ.

 

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Ich habe gelesen, dass eines der wertvollsten Objekte des Kunsthistorischen Museums in Wien, die sog. Gemma Augustea ist. Dieser Kameo soll auch in Konstantinopel gewesen sein. Wie kam der dorthin?

Dagmar

Wissenswertes

Wie (mit welchem Material) wurden die Mauern damals gebaut?

Christine

Wissenswertes

Die byzantinische Architektur ist im Grunde genommen eine Fortsetzung der römischen Architektur. Häufig verwendete man Ziegel und diverse Arten von Stein wie Granit, Kalkstein, Marmor, Schiefer oder Gneis. Als Bindemittel griff man in Byzanz ebenso wie schon im alten Rom auf Mörtel zurück. Zumeist verwendete man hierzu Kalkmörtel, der aus kalkhaltigen Gesteinen wie Kalkstein, Kreide, Marmor oder Dolomit gewonnen wurde. In seiner Produktion war dieser dabei recht aufwendig. Er wurde bei 800 bis 1000 Grad Celsius gebrannt, wodurch er zu Ätzkalk wurde. Danach wurde der gebrannte Kalk mit Wasser gelöscht, wodurch er durch das Erhitzen zu Baukalk zerfiel. Ohne das Beimengen von gebranntem Ton oder Ziegelstaub entstand der Luftkalk, der durch das Kohlendioxid in der Luft aushärtete. Durch die Zugabe von Puzzolanen konnte der Mörtel auch unter Wasser aushärten. Dieser Kalkmörtel, den man in der Spätantike als „opus caementitium“ bezeichnete, ist vergleichbar mit unserem heutigen Betongemisch. Gebrannt wurde der Mörtel in speziellen Kalköfen. Der Mörtel der Hagia Sophia besteht größtenteils aus Seesand, Kalk und zerstampften Ziegeln. In Byzanz nannte man die zerstampften Ziegel und Tonscherben auch „Keramatos“.  Bei Zisternen verwendete man für das Mörtelgemisch auch Haare, Baumwolle und Leinöl. Statt Kalkmörtel verwendete man auch lehmiges Erdmaterial als Bindemittel.

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Wie (mit welchem Material) wurden die Mauern damals gebaut?

Christine

Wissenswertes

Wie kam Friedrich III. zum Doppeladler?

August Fetter

Wissenswertes

Das Symbol des Doppeladlers ist keine byzantinische Erfindung. Tatsächlich war der Doppeladler als Staatssymbol auch schon in der Antike bekannt.

Mittlerweile haben sich einige Forscher mit der Entstehung des Doppeladlers eingehend beschäftigt. Insbesondere die Forschungsarbeit von Prof. Dipl. Ing. Norbert Weyss muss an dieser Stelle hervorgehoben werden, da er Zeit seines Lebens die Symbolik des Doppeladlers erforschte, indem er eine Sammlung von etwa 35.000 Belegstellen, Abbildungen und Objekten zusammengetragen hat, die die dieses Staatssymbol und die Entstehung und Verwendung desselben umfangreich dokumentiert.
Weyss konnte auch belegen, dass das Symbol des Doppeladlers bei einigen Völkern unabhängig voneinander entwickelt und verwendet wurde. Bald schon wurde es zum Symbol königlicher und kaiserlicher Macht.

An dieser Stelle sei der Einfachheit halber auf den Lexikon-Eintrag von Peter Diem im Austria Forum verwiesen:

https://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Symbole/Doppeladler

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Wie kam Friedrich III. zum Doppeladler?

August Fetter

Wissenswertes

Wie sehr hat sich die Pest auf den Niedergang des Byzantinischen Reiches ausgewirkt?

Elfriede Sirka

Geschichte

Erstmals wurde das Byzantinische Reich in der Regierungszeit des Kaisers Justinian I. ab 541/542 von der Pest heimgesucht (man spricht deshalb auch von der „Justinianischen Pest“). Der Erreger der Pest ist das Bakterium Yersinia pestis, so benannt aufgrund der Entdeckung durch Alexandre Yersin (1863–1943) während eines Ausbruchs in Hongkong 1894. Sein Primärwirt sind Nagetiere, wobei die Übertragung zwischen Wirten durch Flöhe erfolgt; jedoch ist ein Überspringen der Seuche von Nagetierpopulationen auf Menschen möglich, wobei dann neben der Übertragung durch Flöhe eine weitere Verbreitung zwischen Menschen, gelegentlich sogar über die Luft, erfolgen kann. In der Forschung gibt es eine lange Debatte, ob der 1894 identifizierte Erreger mit jenen der Pestepidemien des 14. bis 17. Jahrhunderts („Schwarzer Tod“) und des 6. bis 8. Jahrhunderts („Justinianische Pest“) identisch ist. Neue Ergebnisse der DNA-Analysen von Erregern in den Überresten von Opfern der spätmittelalterlichen und der spätantiken Pest haben aber diese Identität bestätigt. Für das 6. Jahrhundert lieferten Gräberfelder in Aschheim und in Altenerding in Deutschland (beide im Landkreis München) für die maßgebliche Studie von David M. Wagner und seinen Kollegen 2014 wertvolle Hinweise. Die dort rekonstruierten genetischen Merkmale verweisen auf einen Yersinia-Erregerstamm, der sich auf dem Gebiet der heutigen VR China, genauer vermutlich auf der Qinghai-Tibet-Hochebene, zwischen 1000 v. Chr. und 500 n. Chr. entwickelt hatte. Die besonders feucht-kühlen Bedingungen, die nach einer ab 536 einsetzenden Kaltperiode (die sogenannte „Spätantike Kleine Eiszeit“, ca. 536–660) in weiten Teilen Afro-Eurasiens vorherrschten, begünstigten das Überspringen des unter den Nagetierpopulationen in der ostasiatischen „Heimat“ endemischen Erregers auf andere Nagetiere bzw. auf den Menschen. Über die Handelswege nach Westen verbreitete sich die Pest dann in den nächsten Jahren bis zum Indischen Ozean und erreichte über das Rote Meer um 540 Ägypten, vermutlich im Hafen von Klysma (das heutige Suez). Im Jahr 541 traf die Seuche in Pelusion (30 km südöstlich des heutigen Port Said) am Mittelmeer ein. Von Ägypten reisten infizierte Ratten und Menschen mit den alljährlichen Getreideflotten für die Versorgung der Reichshauptstadt nach Konstantinopel, wo die Pest im Jahr 542 während der Regierungszeit Justinians ausbrach. Auf den immer noch intakten Handels- und Verkehrsrouten wurde die Krankheit im ganzen Nahen Osten, Mittelmeerraum und darüber hinaus bis nach Irland getragen. In Konstantinopel forderte nach einigen Schätzungen die Pest 250 000 bis 300 000 Tote unter den 500 000 Einwohnern und weitere Millionen Opfer im ganzen Imperium, im Perserreich und in den angrenzenden Staaten. Da die Seuche für die nächsten 200 Jahre in regelmäßigen Wellen bis um 749 zurückkehrte, wurde die Bevölkerung des westlichen Afro-Eurasiens nachhaltig dezimiert; für den östlichen Mittelmeerraum geht man von einer dauerhaften Reduktion auf die Hälfte bis ein Drittel der Bevölkerungszahl vor der Pandemie aus, ehe sich die Demographie ab dem späteren 8. Jahrhundert wieder erholen konnte. Allerdings wurden diese „maximalistischen“ Szenarien jüngst einer kritischen Neubetrachtung unterworfen, die die Auswirkungen der Pest geringer einschätzt und sie als nur einen (und nicht unbedingt als bedeutendsten) Faktor neben anderen (Klimaveränderung, geopolitische Umwälzungen) für die Krise des Byzantinischen Reiches im 6.-8. Jh. sehen will.

Eindeutiger sind die demographischen Auswirkungen für die zweite große Pestepidemie, den “Schwarzen Tod” des Spätmittelalters, auszumachen. Wieder hatte der Yersinia pestis-Erreger seinen Ursprung in Ost/Zentralasien und verbreitete sich (nach einer Klima-Abkühlung mit dem Beginn der sogenannten „Kleinen Eiszeit“) über die durch die mongolischen Eroberungen des 13. Jh.s intensiver genutzten Handelswege um das Jahr 1346 nach Westen bis ans Schwarze Meer, wo Händler aus dem gesamten Mittelmeerraum Waren aus dem „Fernen Osten“ einkauften und nun auch die Seuche weiterverbreiteten. Mit Handelsschiffen kam die Pest auch von der Krim nach Konstantinopel, wo die Seuche erstmals im Juli 1347 ausbrach. Im Herbst 1347 verbreitete sie sich weiter über die Ägäis nach Thessalonike, auf die Inseln Lemnos, Euboia und Kreta und bis zu den Häfen Korone und Methone auf der Peloponnes. Bis zum nächsten Jahr erfasste sie auch Rhodos und Zypern sowie Städte in Kleinasien, darunter auch die damalige osmanische Hauptstadt Bursa. Ebenso wurden auch Italien und danach ganz Westeuropa bis hin nach Skandinavien in den nächsten Jahren vom Schwarzen Tod betroffen; verschiedene Dokumentationen lassen es diesmal zu, die Verluste recht eindeutig auf ein Drittel bis die Hälfte der Bevölkerung zu schätzen. Für die damals dem byzantinischen Reich verbliebenen Territorien belegen z. B. Steuerregister für Dörfer in Makedonien die dramatische Schrumpfung der Einwohnerzahlen; entsprechend ging auch das Ausmaß der landwirtschaftlichen Nutzung zurück, wie etwa Pollenanalysen ergeben. Somit trug die Pest zur Schwächung des ohnehin bereits in einer schweren Krise befindlichen Byzantinischen Reiches bei (sie traf auch in einer zweiten Phase von Bürgerkriegen zwischen 1341 und 1354 ein). Ab 1352 gingen Byzanz die verbliebenen Provinzen in Europa an die Osmanen verloren, die 1453 zuletzt auch Konstantinopel eroberten. Die Pest kehrte allerdings auch in den folgenden Jahrhunderten im Osmanischen Reich mehrfach in Wellen wieder, sogar bis ins 19. Jh. (in Wien gab es den letzten Ausbruch 1679).

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Wie sehr hat sich die Pest auf den Niedergang des Byzantinischen Reiches ausgewirkt?

Elfriede Sirka

Geschichte

Wurde Kaiser Justinians "Codex iuris" original in Latein oder Griechisch abgefasst?

Josef Kriebaum

Alltag

Das Byzantinische Reich trat die Nachfolge des Römischen Reiches an, und dies ganz besonders in der administrativen Struktur. Dazu gehörte auch die Verwendung von Latein als Verwaltungssprache. Die Kaiser im griechisch geprägten Osten bedienten sich anfangs bei offiziellen Dokumenten ebenfalls des Lateins.

Als jedoch die große Einheit in einen West- und einen Ostteil zerfiel, nahm die Notwendigkeit einer gemeinsamen Sprache immer mehr ab – vor allem auch, weil Griechisch nun einmal die Alltags- und Literatursprache war. Bereits die Novellen Kaiser Justinians (nach 535) wurden auf Griechisch verfasst. Im Bereich der Gesetzestexte, die stark von lateinischen Termini bestimmt waren, begann ab dem folgenden Jahrhundert ein „Reinigungsprozess“ (Exhellenismos) – eine Umschrift lateinischer Termini in griechische Schrift oder sogar deren Ersatz durch ihre griechischen Entsprechungen. Ähnliches betraf auch Termini der Verwaltung oder des Militärs, wenngleich sich einige hartnäckig hielten und nicht mehr „ausgebürgert“ werden konnten. Solange man lateinische Worte noch in der Schreibweise mit lateinischen Buchstaben beibehielt, war mit abnehmender Kenntnis des Lateinischen freilich den unmöglichsten Wortgestalten Tür und Tor geöffnet.

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Wurde Kaiser Justinians "Codex iuris" original in Latein oder Griechisch abgefasst?

Josef Kriebaum

Alltag

Welche Rolle spielte die Musik im alten Byzanz?

Wolfgang

Alltag

Musik spielte im Alltagsleben des Byzantinischen Reiches doch eine gewisse Rolle. In der Liturgie der orthodoxen Kirche lebt der sogenannte byzantinische Ritus bis heute fort. Priester, Vorsänger, Chöre und die Gemeindemitglieder sangen Psalmen, Hymnen Seligpreisungen und Fürbitten. Im Kirchenbereich hatte man keine Instrumentalmusik, da diese eher verpönt war und vor allem mit Theatervorstellungen, Festmahlen und Freudenhäusern assoziiert wurde. Dennoch waren Musikinstrumente beim Volk recht beliebt. Die Orgel nahm vor allem beim kaiserlichen Zeremoniell eine bedeutende Rolle ein. Es ist anzunehmen, dass die Orgel durch den diplomatischen Austausch in den Westen gelangte. Zur Musik in der byzantinischen Alltagskultur wissen wir leider zu wenig. Im frühen 20. Jahrhundert konnte das byzantinische Notationssystem entschlüsselt werden und wird seitdem erforscht und rekonstruiert.  

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Welche Rolle spielte die Musik im alten Byzanz?

Wolfgang

Alltag

Stimmt es, dass die Osmanen Konstantinopel nur deshalb eingenommen haben, weil ein Tor nicht geschlossen wurde?

Josef Tendl

Geschichte

Ja, es stimmt. Es hat sich laut Chronisten folgendermaßen zugetragen:

In den Monaten Februar und März des Jahres 1453 wurde osmanisches Kriegsgerät und Vieh herbeigeschafft, bis schließlich das Lager des Sultans gegenüber des byzantinischen Stadttores, der Romanos-Pforte, aufgeschlagen wurde. Die Belagerung begann am 7. April und sollte sieben Wochen andauern. Die Osmanen konnten schnell erste Erfolge für sich verzeichnen. Am 21. April war ein Teil der Stadtmauern um den Kern der Verteidigung, der Romanos-Pforte, bereits zerstört. Nach einigen Niederlagen befahl Mehmed die osmanischen Kriegsflotten mittels einer Bretterrutsche in den Hafen gleiten zu lassen. Dennoch hatten die Griechen mit einem Sturmangriff von Landseite her zurechnen. Doch gerade diese Mauern der sechs Kilometer langen Landbefestigungsmauern waren dreimal so dick als die Stadtmauern der Seeseiten. Die kleine Verteidigerzahl musste auf die Landfront konzentriert werden, während die Wachtposten der Seefronten oftmals nur mit einer Wache bzw. einem Mönch besetzt wurden. Die wenigen Hilfstruppen mussten auf diese Positionen aufgeteilt werden. Doch auch die Byzantiner arbeiteten an einer anderen Taktik: Indem sie die Breschen der Mauern mit allerlei Material auffüllten, versuchten ihre dünn besetzten Verteidigungslinien aufzubessern. Die Sturmangriffe der Osmanen am 7. und 12. Mai brachten nicht den erhofften Sieg. Mehmed sandte eine Gesandtschaft mit einer Botschaft an den Kaiser, dass im Falle einer Kapitulation jedem byzantinischen Bürger die Versklavung erspart bliebe. Aber der Kaiser blockte ab, obwohl er sich seiner aussichtslosen Situation durchaus bewusst war. Mehmed setzte darauf das Datum für den Generalangriff fest: 29. Mai 1453. Die Osmanen, ihres Sieges schon im Vorhinein bewusst, kämpften mit ihrer gewohnten Taktik, in der sie den Feind glauben ließen, er habe gesiegt. So wurden zunächst auch die schwächsten Truppen voran geschickt, die von den Griechen besiegt wurden. Dies hatte auch zum Ziel, dass die Kräfte der Griechen rapide ausgeschöpft werden sollten. Mit Tagesanbruch wurde Konstantinopel von allen Seiten umkämpft und beschossen. Sowohl die Landfront als auch die Seefronten wurden stürmisch angegriffen und umkämpft. Doch die Stadt schien auch diesmal den Angriffen zu trotzen. Erst unglückliche Umstände verhalfen den Osmanen zum Sieg: Es trug sich zu, dass ein paar Janitscharen in die Stadt gelangen konnten, da man vergessen hatte, die Romanos-Pforte nach einem Ausfall erneut zu versperren. Gleichzeitig wurde einer der tüchtigsten Verteidiger, ein genuesischer General namens Giovanni Giustiniani-Longo, schwer verwundet von dem Kampffeld abtransportiert. Der Sultan bemerkte die Verwirrung der Griechen und nutzte diese zu seinen Gunsten aus, blies erneut zum Sturm, und die Janitscharen stürmten die Stadt und sogleich krönten die Osmanen die Zinnen mit der Fahne des Propheten.

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Stimmt es, dass die Osmanen Konstantinopel nur deshalb eingenommen haben, weil ein Tor nicht geschlossen wurde?

Josef Tendl

Geschichte

Wie sind die ganzen Länder danach entstanden? Und wer ist auf die Idee gekommen alles zu spalten bzw. ein eigenes Land zu gründen?

Alisa Pasaliuc

Geschichte

Dem Römischen Reich war es bis zum 1. Jh. v. Chr. gelungen, den gesamten Mittelmeerraum zum ersten (und einzigen) Mal in einem politischen Gebilde zu vereinigen. Diese Einheit zerfiel erstmals im 5. Jh., als die römische Herrschaft im Westen des Reiches zusammenbrach und neue Reiche basierend auf der Kooperation regionaler Eliten mit neuen „germanischen“ Machthabern entstanden, darunter am dauerhaftesten jenes der Franken in Mittel- und Westeuropa. Kaiser Justinian (reg. 527-565) konnte vom oströmischen/byzantinischen Reich aus mit der Eroberung Nordafrikas, Italiens und Südspaniens noch einmal große Teile des Mittelmeers unter römische Herrschaft bringen; allerdings gingen schon bald nach seinem Tod weite Italiens an die Langobarden verloren. Besonders dramatisch war dann der Verlust der reichen Gebiete in Syrien, Palästina, Ägypten und Nordafrika an die Araber im 7. Jh.; gleichzeitig verlor das byzantinische Reich die Kontrolle über das Innere der Balkanhalbinsel an zuwandernde slawischen Gruppen und ab 680 insbesondere an die aus dem Schwarzmeerraum kommenden Bulgaren. Zwischen dem 7. und dem 9. Jh. war das arabische Weltreich von Spanien bis an die Grenzen Indiens das größte staatliche Gebilde im westlichen Eurasien, zerfiel aber seinerseits ab der Mitte des 9. Jh.s in verschiedene regionale Machtgebilde. Byzanz profitierte davon und konnte bis zum frühen 11. Jh. seine Grenzen sowohl nach Osten bis in den heutigen Iran und im Balkan (nach Eroberung des Bulgarenreichs) wieder bis an die Donau ausdehnen. Nach 1071 gingen aber, nicht zuletzt aufgrund innerbyzantinischer Konflikte zwischen verschiedenen Elitengruppe, weite Teile Kleinasiens an die Seldschuken und andere türkische Gruppen verloren. Gegen Ende des 12. Jh.s machten sich Bulgaren und Serben auf dem Balkan selbstständig, währen auch lokale Eliten im verbliebenen Byzantinischen Reich nach Autonomie strebten. Die politische Einheit im vormals byzantinischen Raum wurde endgültig mit der Eroberung Konstantinopels 1204 durch die Kreuzfahrer und Venezianer zerschlagen- und auch wenn die Byzantiner Konstantinopel 1261 wieder zurückerobern konnten, gelang es nicht mehr, das vormalige übergreifende imperiale System wiederherzustellen. Südosteuropa und Kleinasien blieben von der Zergliederung in verschiedene regionale Mächte gekennzeichnet, bis es den Osmanen im 15. und 16. Jh.  gelang, noch einmal in all diesen Gebieten eine neue imperiale Ordnung zu errichten, die bis zum 19. Jh. Bestand hatte. Dann führte die Entstehung neuer nationaler Unabhängigkeitsbewegungen, aber auch das Eingreifen der europäischen Großmächte zum allmählichen Zerfall des Reiches bis hin zum Ersten Weltkrieg. Die danach im Nahen Osten etablieren Kolonialregime mit ihrer teilweise künstlichen Grenzziehung (mit dem Lineal auf der Landkarte) wurden wiederum nach 1945 durch verschiedene „nationale“ Regierungen abgelöst.
Kurz gesagt wechselten sich also immer wieder Phasen imperialer Einheit mit solchen politischer Fragmentierung ab, insbesondere sobald der innere Zusammenhalt durch Uneinigkeit der zentralen und regionalen Eliten geschwächt wurde und/oder Migrationen und Invasionen von außen einzelne Gebiete aus dem Reichsverband lösten (wobei die Neuankömmlinge nicht selten auf die Kooperation einheimischer Eliten und Bevölkerung rechnen konnten, die mit dem imperialen Regime unzufrieden worden waren). Daraus erklärt sich die immer wieder und auch heute sehr „bunte“ Landkarte im (vormals) byzantinischen Raum.

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Wie sind die ganzen Länder danach entstanden? Und wer ist auf die Idee gekommen alles zu spalten bzw. ein eigenes Land zu gründen?

Alisa Pasaliuc

Geschichte

Ich wollte fragen was das Elfenbein der Wikinger damals wert war. Sprich, wie viel hat man für 1kg Elfenbein bekommen? Oder wie wurde getauscht? Was wollten die Wikinger dafür haben?

Alex Pintilie

Handel & Seefahrt

Wenn es sich um Elfenbein handeln soll, das die Wikinger nach Konstantiopel vermittelt haben, kann es sich eigentlich nur um Walrosszahn handeln. Wieviel das Wert gewesen sein könnte, kann man so nicht sagen.

Allerdings konnte man zum Elfenbein, das ein paar Jahrhunderte früher (4./5. bis 7. Jh.) vom Mittelmeerraum bzw. Konstantinopel aus in den Westen gebracht wurde, mittlerweile einiges durch jahrelange Forschung herausfinden: Für den Zeitraum zwischen dem 4. und 6. Jh. hat Anthony Cutler der Annahme widersprochen, Elfenbein sei besonders selten, kostbar und teuer gewesen. Der Ansatzpunkt war das unter Diokletian erlassene Preisedikt von 301 n. Chr., das den finanziellen Kollaps des Römischen Reiches aufhalten sollte, indem es Maximalpreise für bestimmte Waren festsetzte. Das römische Pfund Elfenbein sollte demnach 150 denarii kosten – was das Elfenbein relativ günstig erscheinen lässt, denn die gleiche Menge Seide war z. B. 24-mal teurer. Auch wenn dieser Preis besonders niedrig gewählt wurde (da es sich ja um ein Edikt handelt, das der Inflation Einhalt gebieten sollte) und dieser Wert keinesfalls direkt ins 5. und 6. Jh. übertragen werden darf, so kann er aber laut Cutler als Beginn eines Trends aufgefasst werden, der sich in der Spätantike entwickelte. Darüber hinaus, weisen sowohl die Anzahl als auch die zunehmende Größe der erhaltenen Elfenbeinarbeiten des 4. bis 6. Jhs. auf eine große Menge vorhandenen Rohmaterials hin, was bei einer extrem kostbaren Ware nicht zu erwarten wäre. Auch wenn die ursprüngliche Schätzung von Richard Delbrueck , vom 4. bis 6. Jh. könnten „Hunderttausende“ Konsulardiptychen hergestellt worden sein, vielleicht zu hoch gegriffen ist, kann aber davon ausgegangen werden, dass sowohl Diptychen als auch Pyxiden in Serie hergestellt worden sind  – was nicht dem Umgang mit einem Luxusgut entspräche. Vor diesem Hintergrund wird vielleicht auch verständlich, warum im 6. und 7. Jahrhundert elfenbeinerne Ringe in unterschiedlicher Funktion in der weiblichen Kleidung vom langobardischen Norditalien bis ins angelsächsische England doch in beträchtlicher Anzahl verbreitet gewesen sind.

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Ich wollte fragen was das Elfenbein der Wikinger damals wert war. Sprich, wie viel hat man für 1kg Elfenbein bekommen? Oder wie wurde getauscht? Was wollten die Wikinger dafür haben?

Alex Pintilie

Handel & Seefahrt

Woher stammte das Gold für die Münzprägungen im Westen, z.B. von Theudebert oder Karl dem Großen?

Andrea Wolf

Handel & Seefahrt

In der aktuellen Forschung ist die Herkunft des Münzgoldes im frühmittelalterlichen Westen ein umstrittenes Thema. Da es in Gallien keine Goldbergwerke gab und der Abbau von Gold in Britannien bzw. auf der iberischen Halbinsel im Frühmittelalter nicht nachgewiesen ist, liegt der Schluss nahe, dass die Merowinger auf externe Ressourcen angewiesen waren. Ein wichtiger Hinweis ergibt sich aus der Fundnumismatik: Münzschätze bzw. Einzelfunde zeigen die weite Verbreitung von byzantinischen Solidi in Nordeuropa, wo sie wahrscheinlich durch den Fernhandel mit dem byzantinischen Reich über die Provence und das Rhône-Tal bis nach Nordgallien bzw. Britannien zirkulierten.

Daraus wurde der Schluss gezogen, dass die Merowinger diese importierten byzantinischen Solidi (die aus beinahe purem Gold geprägt wurden!) recycelt hätten, um ihre eigenen Münzen zu prägen. Dennoch konnten archäometrische Analysen diese These bisher nicht mit letzter Sicherheit bestätigen. Die unscharfen Ergebnisse aus den Metallanalysen dürften darauf hinweisen, dass das eingeschmolzene byzantinische Gold mit anderen Quellen (spätrömischen Solidi, Goldbarren) vermischt wurde, bevor es zur Prägung kam.

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Woher stammte das Gold für die Münzprägungen im Westen, z.B. von Theudebert oder Karl dem Großen?

Andrea Wolf

Handel & Seefahrt

Habt ihr auch Kinder nach ihren Meinungen über die Stationen während der Ausstellung gefragt?

Lotte

Ausstellung

Es gibt in der Ausstellung viele Stationen und Hörtexte mit denen wir ein junges Publikum ansprechen wollen und die wir im Vorfeld mit Kindern im Alter von 6 bis 10 Jahren gespielt und getestet haben. Auch für das Mitmach-Heft haben wir uns Feedback von Kindern dieser Altersgruppe geholt. Es liegt im ersten Raum zur freien Entnahme auf, fasst die Ausstellungserzählung zusammen und führt zu Objekten und interaktiven Stationen.

Die Workshops, „Rund ums Mittelmeer“ (ab der 5. Schulstufe) und „Es war einmal…“ (1. bis 4. Schulstufe), haben wir vor Ausstellungsbeginn mit Schulklassen aus Niederösterreich ausprobiert, mit ihnen nachbesprochen und ihre Anregungen einfließen lassen.

Wir wünschen uns, dass junge Besucherinnen und Besucher neugierig auf die Geschichten aus der Vergangenheit werden, dass sie beginnen Fragen zu stellen und mit anderen ins Gespräch kommen. Falls Sie Feedback oder Anregungen haben, wir freuen uns über Erfahrungsberichte aus der Ausstellung!

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Habt ihr auch Kinder nach ihren Meinungen über die Stationen während der Ausstellung gefragt?

Lotte

Ausstellung

Ist es richtig, dass der heutige Name Istanbul für Byzanz griechischen Ursprungs ist? ("eis ten polin" = "in die Stadt")

N.N.

Geschichte

Seit 1930 trägt die Stadt offiziell den schon zuvor gebräuchlichen Namen "Istanbul". Vermutlich handelt es sich bei der dieser Namensbezeichnung um eine Verballhornung eines byzantinisch-griechischen Ausdrucks "is tin Polin", was nichts anderes als „in die Stadt hinein“ bedeutet. Wenn man im Byzantinischen Reich im allgemeinen von DER Stadt sprach so war immer Konstantinopel gemeint.
Es gibt aber auch eine Theorie, dass sich die heutige Bezeichnung "Istanbul" aus "Islambol" heraus entwickelt hat, was man mit "voll des Islams" übersetzen könnte. Diese Bezeichnung rührt daher, weil Istanbul die Hauptstadt des Osmanischen Reiches wurde und die Sultane dort residierten. Sultan Selim I. führte ab 1517 mit der Eroberung Ägyptens und Syriens den Titel des Kalifen, wodurch die Osmanen auch die Oberhäupter der sunnitischen Muslime wurden und Istanbul somit zu einem bedeutenden Zentrum für Muslime wurde. Allerdings verwendeten die Osmanen auch parallel dazu verschiedene Bezeichnungen für ihre Hauptstadt, unter anderem die osmanisierte Bezeichnung von Konstantinopel: "Kostantiniyye".

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Ist es richtig, dass der heutige Name Istanbul für Byzanz griechischen Ursprungs ist? ("eis ten polin" = "in die Stadt")

N.N.

Geschichte

Kann es sein, dass Machiavellis Art des Denkens auch von der byzantinischen Staatsphilosophie und der Diplomatiekunst inspiriert war, und gibt es zu diesem Thema ein prominentes Handbuch (z.B. Ratgeber für die Herrscher) aus der byzantinischen Zeit?

Kohki Totsuka

Geschichte

Die Staatskunst der Byzantiner ist zu einem guten Teil ein Erbe des Römisches Reiches, dessen Bürokratie und diplomatischer Apparat bereits hoch entwickelt gewesen waren. Macchiavelli bezieht sich in seinen Schriften stets primär auf antike Sachverhalte, ganz im Geiste seiner Zeit. Die Sache bedürfte einer intensiveren Überprüfung, aber wahrscheinlich lassen sich die Vorbilder seiner Staatsphilosophie durchaus auch in der römischen Antike finden, ohne Byzanz bemühen zu müssen.
Der bekannteste byzantinische Traktat, der intensiv über die Diplomatie reflektiert (was selten ist!), trägt den Titel "De administrando imperio" und stammt aus der Mitte des 10. Jhs. Es handelt sich dabei um eine Art Handbuch von Kaiser Konstantin VII. für seinen Sohn und designierten Nachfolger und liegt auch in deutscher Übersetzung vor (Klaus Belke/Peter Soustal). Allerdings wurde die Schrift erst im frühen 17. Jh. erstmals ediert und Macchiavelli noch nicht zugänglich. Sehr wohl aber könnten dem italienischen Denker Beispiele aus diversen (bereits bekannten) byzantinischen Geschichtswerken geläufig gewesen sein.

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Kann es sein, dass Machiavellis Art des Denkens auch von der byzantinischen Staatsphilosophie und der Diplomatiekunst inspiriert war, und gibt es zu diesem Thema ein prominentes Handbuch (z.B. Ratgeber für die Herrscher) aus der byzantinischen Zeit?

Kohki Totsuka

Geschichte

Welches ist das älteste Dokument, das über die geografische Herkunft der Orgel berichtet oder Vermutungen anstellen lässt?

Wisgrill Hermann

Alltag

Ein Konstrukteur bzw. Ingenieur im modernen Sinne namens Ktesibios soll im 3. Jahrhundert v. Chr. die Orgel bzw. Wasserorgel erfunden haben.Das Instrument wurde in seiner Schrift hypomnemata beschrieben. Leider wissen wir um diesen Sachverhalt lediglich aus Sekundärquellen, die ursprünglichen Aufzeichnungen des Ktesibios sind heute verloren. Einige Autoren des Altertums berufen sich jedoch auf seine Schriften. Die früheste Erwähnung findet sich bei Philon von Byzantion um die Mitte des 3. Jahrhundert v. Chr. Er verfasste seine Schrift wohl in Alexandreia (Ägypten).

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Welches ist das älteste Dokument, das über die geografische Herkunft der Orgel berichtet oder Vermutungen anstellen lässt?

Wisgrill Hermann

Alltag

Gibt es einen nennenswerten Einfluss der Perser (heutiger Iran beispielsweise) auf das Byzantinische Reich?

Nikita

Geschichte & Politik

Der Einfluss des persisch/iranischen Kulturraums war in der Tat während der gesamten Dauer des Byzantinischen Reiches beachtlich und kann deshalb hier nur kurz in Grundzügen angeschnitten werden. Das ab dem Jahr 224 n. Chr. von der Dynastie der Sasaniden beherrschte Persische Großreich war (wie schon zuvor unter der Dynastie der Parther) das einzige Nachbarreich, das das Römische bzw. Byzantinische Reich als mehr oder weniger gleichrangige Großmacht anerkannte, dem man auf Augenhöhe begegnen musste. Dies äußerte sich zwar immer wieder in heftigen Kriegen um die Vormachtstellung im Nahen Osten, die insbesondere im 3.-4. und im 6.-7. Jh. n. Chr. tobten, aber auch in wechselseitiger kulturellere Beeinflussung, etwa im Hofzeremoniell und in der bildenden Kunst. So sind iranische Einflüsse auch in Kirchenbauten in Konstantinopel identifiziert worden; im Gegenzug riefen z. B. sasanidische Großkönige auch griechische Philosophen aus Byzanz an ihren Hof. Als hervorragende Lektüre zu dieser Epoche sei das Buch „The Two Eyes of the Earth. Art and Ritual of Kingship between Rome and Sasanian Iran” von Matthew Canepa (aus dem Jahr 2010) empfohlen.

Auch nach der arabischen Eroberung des Iran im 7. Jh. blieb das persische Kulturerbe wirkmächtig, und zwar sowohl bei den Kalifen im islamischen Weltreich (insbesondere unter der Dynastie der Abbasiden, die 762 Bagdad unweit der alten sasanidischen Hauptstadt Ktesiphon als neue Residenz begründeten), als auch im Byzantinischen Reich. So ließ sich Kaiser Theophilos (reg. 829-842) einen Palast im islamisch-persischen Stil in Bryas nahe bei Konstantinopel errichten, auch, um eine Gruppe von Überläufern aus dem iranischen Raum zu beeindrucken, die in der Folge als „Perser“ in die byzantinische Armee eingegliedert wurden. Für die makedonische Kaiserdynastie, die Byzanz zwischen 867 und 1056 beherrschte, wurden in den byzantinischen Quellen neben einer Abkunft von Alexander dem Großen auch eine solche von der Dynastie der Arsakiden, die den Iran und Armenien beherrscht hatten, behauptet. Ein Wissensfeld, in dem den Persern besonders hohe Meisterschaft zugeschrieben wurde, waren die Astrologie und die Astronomie, sodass auch noch im 14. Jh. byzantinische Gelehrte in den Iran reisten, um dort entsprechende Kenntnisse zu erwerben und Texte aus dem Persischen ins Griechische zu übersetzen. Die hohe Stellung des römisch/byzantinischen Reiches in der iranischen Tradition zeigt sich wiederum im klassischen Epos Schāhnāme aus dem 11. Jh., in dem die Welt als ursprünglich aus den drei Reichen Iran, Turan (Zentralasien) und Rum (= Rom/Byzanz) bestehend beschrieben wird.

Kurz gesagt waren Byzanz und die iranische Welt füreinander im gesamten Mittelalter wechselseitig zentrale Quellen der Herausforderung und der Inspiration. Viele dieser Themen wurden im Jahr 2012 schon bei der letzten Byzanz-Ausstellung auf der Schallaburg („Das Goldene Byzanz und der Orient“) vorgestellt, sodass dieser Aspekt diesmal in der Ausstellung leider kaum zur Sprache kommen kann.

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Nikita

Geschichte & Politik

Wie lange hat es gedauert bis die Ausstellung fertig war?

Nina Athena Vogt

Ausstellung

Die Recherchen für die Ausstellung begannen bereits 2013, außerdem wurden speziell dafür Tagungen ausgerichtet und Forschungsprogramme aufgesetzt. Die heiße Phase der Umsetzung waren freilich die Jahre 2016 und 2017.

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Wie lange hat es gedauert bis die Ausstellung fertig war?

Nina Athena Vogt

Ausstellung

Wie oft wurde erwiesenermaßen versucht West- und Ostkirche wieder zu vereinen?

Anonym

Alltag & Religion

Die Eroberung Konstantinopels durch den Vierten Kreuzzug 1204 markierte (mehr als das sogenannte „Schisma“ des Jahres 1054) die tatsächliche Trennung von Ost- und Westkirche. Schon relativ kurz danach kam es in den 1230er und 1240er Jahren mit den im Exil in Nikaia (heute Iznik in der Nordwesttürkei) herrschenden byzantinischen Kaisern der Laskariden-Dynastie zu Gesprächen über die Wiederherstellung der kirchlichen Einheit, allerdings ohne Erfolg. Die Byzantiner hatten u. a. gehofft, durch eine Union mit dem Papsttum eine Rückgabe Konstantinopels erreichen zu können. 1261 gelang Kaiser Michael VIII. Palaiologos aber überraschend die militärische Rückeroberung der Hauptstadt. Allerdings planten daraufhin verschiedene Mächte in Italien, insbesondere König Karl I. von Neapel und Venedig, einen neuerlichen Kreuzzug gegen Byzanz und wurden dabei teilweise von den Päpsten unterstützt. Um derartigen Plänen zumindest die kirchliche Legitimation zu entziehen, handelte Kaiser Michael VIII. eine Anerkennung der Oberhoheit des Papstes durch die byzantinische Kirche aus, die 1274 auf dem Konzil von Lyon zu einer formellen Union des Kirchen führte. Allerdings stieß sie auf großen Widerstand in weiten Kreisen der Kirche und des Volkes in Byzanz und erwies sich letztlich auch als untaugliches Mittel, um tatsächlich militärische Angriffe aus dem Westen abzuwehren. Deshalb wurde die Union nach dem Tod Michaels VIII. unter seinem Sohn und Nachfolger Andronikos II. 1282 wieder verworfen.

Allerdings sah sich Andronikos II. gegen Ende seiner Regierung in den 1320er Jahren zu neuerlichen Unionsverhandlungen genötigt, diesmal in der Hoffnung, damit militärische Unterstützung durch das Papsttum und westliche Staaten gegen die wachsende Macht türkischer Emirate in Westkleinasien, darunter jenes der Osmanen, zu erhalten. Diese Verhandlungen wurden auch unter seinem Nachfolger Andronikos III. in den 1330er Jahren fortgesetzt. Und da der Druck der Osmanen, die 1352 nach Europa übersetzten, immer größer wurde, führten auch die folgenden byzantinischen Kaiser immer wieder Unionsgespräche (1369 unterstellte sich Kaiser Johannes V. Palaiologos bei einem Rombesuch durch ein Glaubensbekenntnis persönlich dem Papst, was aber ohne weitreichende kirchenpolitische Folgen blieb). Alle diese Verhandlungen scheiterten an konträren Vorstellungen über die Umsetzung der Union: während die byzantinische Seite wesentliche militärische Hilfe forderte als Vorleistung für eine Union der Kirchen, die dann durch Verhandlungen über alle theologischen Streitfragen auf einem allgemeinen Konzil aller Patriarchate (neben Rom und Konstantinopel auch Alexandria, Antiochia und Jerusalem) erreicht werden sollte, verlangten die Päpste die völlige Anerkennung ihrer Oberhoheit und dogmatischen Positionen durch die Ostkirche, bevor es zur irgendeiner Unterstützung gegen die Osmanen kommen könnte. Als die Osmanen dann Konstantinopel selbst bedrohten, sah sich Kaiser Johannes VIII. Palaiologos 1438 jedoch genötigt, persönlich mit einer großen Delegation von kirchlichen Vertretern nach Italien zu reisen, wo nach mehreren Sitzungen in Ferrara und dann in Florenz 1439 wieder eine formelle Union der Kirchen mit weitgehender Anerkennung der päpstlichen Positionen geschlossen wurde. Doch auch diese stieß nach der Rückkehr des Kaisers nach Konstantinopel auf großen Widerstand in Kirche und Volk, insbesondere auch, da die erhoffte militärische Hilfe gegen die Osmanen ausblieb oder wie im Kreuzzug von Varna 1444 scheiterte. Deshalb war auch diese Union de facto gescheitert, noch bevor 1453 die Osmanen Konstantinopel eroberten.

Danach kam es zu Teilunionen mit einzelnen orthodoxen Regionalkirchen (etwa mit der Union von Brest 1596 in Polen-Litauen), die zur Entstehung der sogenannten unierten Kirchen (mit orthodoxem Ritus innerhalb der katholischen Kirche) führten; die Existenz dieser Kirchen wird allerdings von Teilen der Orthodoxie bis heute eher als ein Hindernis für eine allgemeine Einigung angesehen. Zu intensiveren Gesprächen über eine solche kommt es nach der formellen Aufhebung der 1054 ausgesprochenen Bannsprüche zwischen Rom und Konstantinopel im Jahr 1965 immer wieder. Allerdings gibt es dazu innerhalb der orthodoxen Kirchen sehr unterschiedliche Meinungen – während das Ökumenische Patriarchat in Konstantinopel stark auf eine solche Einigung hofft, äußern sich Vertreter des Moskauer Patriarchats sehr skeptisch zu ihren Chancen. Wichtige Grundlagenarbeit leistet auch die in Wien beheimatete, von Kardinal Franz König gegründete Stiftung „Pro Oriente“ (http://www.pro-oriente.at/).

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Wie oft wurde erwiesenermaßen versucht West- und Ostkirche wieder zu vereinen?

Anonym

Alltag & Religion

Warum gab es in der Ostkirche kaum Hexenverfolgungen und warum keine Reformation?

Herta Kuna

Alltag & Religion

Verschiedene Arten der Zauberei, insbesondere zur Schädigung von Besitz oder Leib und Leben anderer, wurden schon in der römischen Gesetzgebung vor der Christianisierung des Römischen Reiches zum Teil mit schweren Strafen bis zur Hinrichtung geahndet. Diese Gesetze wurden auch im Byzantinischen Reich übernommen und seitens der Kirche durch weitere Bestimmungen über verschiedene Bußen bis hin zum Ausschluss von der Kommunion oder der kirchlichen Gemeinschaft ergänzt. Dementsprechend wurden auch in Byzanz Fälle von Zauberei vor weltlichen und in späteren Jahrhunderten insbesondere vor kirchlichen Gerichten immer wieder verhandelt und  Angeklagte bei Erweis entsprechender magischer Handlungen verurteilt – allerdings in der Regel zu Haft, körperlicher Züchtigung oder maximal Verbannung und Konfiskation des Vermögens, hingegen nicht zum Tod. Die Umsetzung dieser dennoch schweren Strafen oblag in jedem Fall der weltlichen Gerichtsbarkeit und nicht der kirchlichen. Ergänzend konnten kirchliche Autoritäten weitere Maßnahmen setzen; so wurde eine reumütige prominente Zauberin namens Amarantina um 1350 in Konstantinopel in einem Kloster unter Aufsicht gestellt. Kurz gesagt: Hexerei wurde auch in der byzantinischen Kirche verfolgt, aber mit weniger dramatischen Maßnahmen als während der intensivsten Zeit der Hexenverfolgung in Mitteleuropa zwischen 1550 und 1650. Doch auch für diese Periode hat die jüngere Forschung erwiesen, dass die Rolle der (westlichen) Kirchen dabei nicht dominierend war (so wurde etwa der berüchtigte „Hexenhammer“ des Heinrich Kramer von 1486 seitens der katholischen Kirche nie offiziell anerkannt und einige der wortmächtigsten Gegner der Hexenverfolgung entstammten dem Klerus). Für die Verurteilung und Hinrichtung der Hexen waren in der Regel weltliche Gerichte zuständig; die kirchlichen Inquisitionsgerichte in Spanien oder im Kirchenstaat etwa lehnten die Hexenverfolgung ausdrücklich ab.

Auch die byzantinische Kirche kannte Zeiten heftiger theologischer Auseinandersetzungen, etwa im Bilderstreit im 8. und 9. Jh. oder bei den Debatten um eine Union mit der Westkirche oder die mystische Richtung des Palamismus im 14. Jh., die zu zeitweiligen Spaltungen innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft führten. Dauerhaft hatten sich ja schon davor die „altorientalischen“ Kirchen in Ägypten, Syrien oder Armenien im 5.-6. Jh. von der „Orthodoxie“ Konstantinopels (und damals auch noch Roms) getrennt. Die „Reformation“ ist hingegen nur aus den spezifischen gesellschaftlichen und kirchengeschichtlichen Bedingungen in Mitteleuropa im 16. Jh. zu verstehen. Wesentliche Streitpunkte – der „Alleinherrschaftsanspruch“ des Papstes in Rom (verquickt mit seiner weltlichen Macht als Herr des Kirchenstaates) oder der Ablasshandel – waren in der byzantinisch-orthodoxen Kirche schlichtweg nicht gegeben (die sich außerdem seit 1453 im vom sunnitischen Islam dominierten Osmanischen Reich wiederfand). Nach dem Zerwürfnis mit Rom suchten protestantische Gelehrte hingegen sogar den Kontakt mit der Orthodoxie und interessierten sich für ihre Theologie und Geschichte – als Vertreter eine älteren „Alternative“ zur römischen Kirche.

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Warum gab es in der Ostkirche kaum Hexenverfolgungen und warum keine Reformation?

Herta Kuna

Alltag & Religion

Wo hat Kaiser Konstantin residiert?

Thomas Kühtreiber

Kaiser

Die Palastanlagen Konstantins des Großen befanden sich auf den höchsten Terrassen der Akropolis von Konstantinopel und bestanden aus mehreren Gebäuden.

Bei weitem nicht alle sind bekannt. Vieles wurde gewiss beim "Nika-Aufstand" 532 zerstört oder fiel jahrhundertelangen Überbauungen zum Opfer. Folgendes ist aber bekannt:

Der Zugang erfolgte über ein Tor (Vorläuferbau des Chalketores) am Augustaion, einem freien Platz direkt vor der (erst nach Konstantin errichteten!) Hagia Sophia. Im Inneren des ummauerten Palastbezirkes könnte schon unter Konstantin der große Thronsaal ("Magnaura") errichtet worden sein - doch gibt es keine Beweise dafür. In unmittelbarer Nähe befanden sich wohl schon im 4. Jahrhundert die Kasernen der Palastgarden und eventuell eine Christuskirche. Direkt an den Kaiserpalast grenzte schon damals das Hippodrom, die Rennbahn, die schon vor Konstantin errichtet worden war. Zwischen Hippodrom und der späteren Hagia Sophia befanden sich die römischen Zeuxippos-Bäder aus dem 2. Jahrhundert.

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Wo hat Kaiser Konstantin residiert?

Thomas Kühtreiber

Kaiser

Verließen die Pilger ihre Familien und wie kamen diese zurecht?

Herta Kuna

Alltag & Religion

Der byzantinische Pilger, das heißt der religiös bewegte Reisende ab dem 6./ 7. Jh., begab sich auf die gesellschaftlich angesehene Wallfahrt, um nach einer vergleichsweise kurzen Zeit wieder zum Heimatort zurückzukehren. Nur Mönche und Heilige hielten sich längere Zeit an den Sakralstätten auf, die „einfachen Menschen“ aber kehrten nach wenigen Wochen oder Monaten, je nach geographischem Ausgangspunkt der Reise, wieder zurück. Um diesen Aspekt zu fördern, gab es Verkürzungen der Reiserouten: im Heiligen Land etwa wurde es schnell unüblich, die entlegeneren Regionen in Galiläa zu besuchen, man konzentrierte sich auf die Region um Jerusalem. Interessante Orte, die ursprünglich nicht an der Route lagen, konnten durch eine bewusste veränderte Tradition dorthin verlagert werden: so wanderten etwa die Städte Sodom und Gomorra vom Südende des Toten Meeres an das Nordende, das an der Pilgerroute lag…

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Verließen die Pilger ihre Familien und wie kamen diese zurecht?

Herta Kuna

Alltag & Religion

Waren die meisten Pilger Männer?

Herta Kuna

Alltag & Religion

In der Frühzeit des christlichen Pilgerwesens, in der Zeit bis zum 4./ 5. Jh., gab es zahlreiche Frauen aus der Oberschicht, die sich auf die Reise begaben und schließlich am Ziel ihrer Reise länger oder auch dauerhaft verweilten, man denke hier nur an den Damenkreis um den hl. Hieronymus. Zu späterer Zeit entsteht aus den literarischen Quellen heraus der Eindruck, dass die meisten Reisenden Männer gewesen seien. Ein gewisser weiblicher Anteil wird aber nach wie vor vorhanden gewesen sein, insbesondere wenn man bedenkt, dass das Pilgerwesen in Byzanz wesentlich von jenen Menschen getragen wurde, die in relativer Nähe zum Wallfahrtsort siedelten. Eine „Kurzreise“ über 20 bis 30 Kilometer hinweg ließ sich von Männern wie von Frauen durchführen. Die Reisenden, die große Entfernungen zurücklegten, waren ab der mittelbyzantinischen Zeit in aller Regel männlich.

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Waren die meisten Pilger Männer?

Herta Kuna

Alltag & Religion

Was war die Rolle der Mehrheit der Frauen?

Herta Kuna

Alltag & Religion

Unter der Voraussetzung, dass Verallgemeinerungen für einen Zeitraum von mehr als tausend Jahren immer etwas problematisch sind, lässt sich folgendes feststellen: Die Rolle der Frau in Byzanz dürfte überwiegend jener entsprochen haben, die wir aus dem westlichen Mittelalter kennen: Betreuung des Haushalts, Kinder, Feldarbeit… Die literarischen Quellen schenken der Frau im Allgemeinen nur wenig Aufmerksamkeit, sie konzentrieren sich eher auf die Frauen der Hofgesellschaft – und auch dies in der frühbyzantinischen Zeit deutlich mehr und ausführlicher als etwa in der Zeit nach dem 11. Jh. Verfügungsgewalt über Haus- und Grundbesitz ist mehrfach belegt. Juristische Quellen betreffen schwerpunktmäßig das Eherecht, hagiographische Quellen sind auf jene Frauen konzentriert, die als Heilige hervorgetreten sind und sich damit von der „Mehrheit der Frauen“ unterschieden. Allein, es gab „Heilige Hausfrauen“ wie beispielsweise die um 903 verstorbene hl. Maria von Bizyē in Ostthrakien, deren Vita Einblicke in den Lebensalltag byzantinischer Frauen gewährt – dies einschließlich der Aspekte häuslicher Gewalt…

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Was war die Rolle der Mehrheit der Frauen?

Herta Kuna

Alltag & Religion

Man könnte zwar mit Cyrillus und Methodius mehrere andere Ausstellungen füllen; jedoch warum werden die beiden prominenten Byzantiner (Griechen) nicht einmal erwähnt? (z.B. östlicher Einfluss im Westen)

Dr. Norbert Mair

Ausstellung

Sie haben völlig Recht - Kyrill und Method könnten selbst Gegenstand einer ganzen Ausstellung sein (und waren es auch schon). Das Thema war durchaus angedacht, ist dann aber im notwendigen Prozess der Reduktion angesichts der limitierten Zahl an verfügbarem Raum und Transporten nicht umgesetzt worden, wie etwa auch Byzanz & Skandinavien. Wie Sie beim Besuch der Ausstellung bemerkt haben werden, haben wir die Kontakte zwischen Byzanz und der (vereinfacht gesagt) slawischen Welt kaum angespielt und uns aus den genannten Gründen schwerpunktmäßig auf den deutsch-französisch-italienischen Raum beschränkt und unseren Erzählstrang nach Möglichkeit vereinfacht, um allen Besucherinnen und Besuchern zumindest ein grobes Gerüst der Geschichte mitzugeben und sie auch zur eigenständigen Vertiefung einzelner Themen anzuregen.

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Man könnte zwar mit Cyrillus und Methodius mehrere andere Ausstellungen füllen; jedoch warum werden die beiden prominenten Byzantiner (Griechen) nicht einmal erwähnt? (z.B. östlicher Einfluss im Westen)

Dr. Norbert Mair

Ausstellung

Woher kommt die Gabel genau? Scheinbar wurde sie von einer byzantinischen Braut nach Italien/Venedig gebracht. Die Kirche sah in ihr ein Teufelswerkzeug.

Mr. Interest

Wissenswertes

Die Geschichte mit der Gabel ist in ihrer gängigsten Version von Petrus Damiani, einem Kleriker, überliefert. Angeblich soll im späten 11. Jh. die byzantinische Gattin eines Dogen (die Zuordnung an genaue Personen variiert) am venezianischen Hof Aufsehen damit erregt haben, ausschließlich mit einer goldenen Gabel gespeist zu haben. Für ihre Extravaganz, so der Autor des Textes, sei sie von Gott mit einer schweren Krankheit gestraft worden. Es ist nicht ganz klar, ob sich die Kritik darauf bezieht, dass Theodora nicht, wie es im Westen Sitte war, mit Händen und Messer aß, oder ob ihr Besteck vergoldet war. Häufig wird die Stelle als Beleg für die Einführung der Gabel im Westen angeführt. Von einer flächendeckenden Verwendung kann jedoch erst ab dem 13. Jahrhundert gesprochen werden.

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Woher kommt die Gabel genau? Scheinbar wurde sie von einer byzantinischen Braut nach Italien/Venedig gebracht. Die Kirche sah in ihr ein Teufelswerkzeug.

Mr. Interest

Wissenswertes

When did the organ find its way into the church? Is there a document that tells us about the first church with an organ? Where is the oldest organ in a church? Which church? Where is the oldest functioning organ in a church? Which church?

Aniljeet Baxi

Wissenswertes

Thank you very much for your interesting questions. Our expert Susanne Rühling answered:

Byzanz wurden Orgeln ausschließlich bei weltlichen Zeremonien und Veranstaltungen verwendet. Die akustische Repräsentanz des Kaiserhauses verlangte nach elaborierten Instrumenten von großer Lautstärke, so dass Erscheinen oder der Abgang der Herrscher entsprechend angekündigt und/oder untermalt werden konnten. Ab der Mitte des 8. Jahrhunderts begann Rom, Botschafter an den Fränkischen Hof zu entsenden und ebenso erfolgte dies umgekehrt. Während des 9. Jahrhunderts dann wurde das Amt eines römischen Repräsentanten am Aachener Hof sogar zu einer festen Institution. Die Franken waren von Rom und seinem elaborierten Hofzeremoniell, dessen Vorbild wiederum auf Byzanz fußte, fasziniert. Man tauschte Geschenke aus und die römische Gesangstradition sowie das entsprechende musikalische Repertoire wurden allmählich vom fränkischen Hof adaptiert. Im 8. Jahrhundert vollzog Rom eine geostrategische Neuausrichtung weg vom schwächelnden Byzanz, hin zum Frankenreich. Gleichwohl wurden zwischen Konstantinopel und den Franken häufig Gesandtschaften ausgetauscht. Auf diesem Weg gelangte u. a. eine Orgel als besonders kostbares und seltenes Geschenk in den Westen. Diese sollte nicht nur Eindruck schinden, sondern galt als ein Majestätssymbol, welches bisher noch an keinen westlichen Herrscher ergangen war.

Dieses Diplomatengeschenk erfolgte im Jahre 757 durch den byzantinischen Kaiser Konstantin Kopronymos (reg. 741–775) an den Frankenkönig Pippin den Jüngeren (reg. 751–768). Im Jahr 826 hat nachfolgend dann ein Geistlicher aus Venedig mit vermutlich byzantinischen Wurzeln eine „Orgel nach Art der Griechen“ im Auftrag Ludwigs des Frommen (reg. 813/14–840) in Aachen gebaut. Neben den Erwähnungen dieses Orgelbaus in mehreren Chroniken, gibt es noch einige dichterische Zeugnisse für Orgelbau in Aachen unter Kaiser Ludwig. Die zwei dichterischen Quellen (Ermoldus und Walahfrid) betonen ausdrücklich den Stolz der Byzantiner auf ihre Orgeln. Somit trug der Erwerb einer Orgel für den Aachener Hof zur Steigerung des Prestiges des Westens bei.                                                

Der Besitz eines solchen Musikinstrumentes wurde als ein Zeichen von Macht, Größe und Reichtums angesehen. Ihre anschließende, zunehmende Verbreitung in Kirchen und Klöstern bewirkte dort die Entstehung einer Tradition der allgemeinen Verwendung von Orgeln.                                                              

Einige Forscher sehen den Ansatz der Einbeziehung der Orgel in die Liturgie in den gelegentlichen Aufführungen von Hofmusik in der Hofkirche bzw. die Übertragung des Privilegs dieser Musik auf Bischöfe und Kathedralen. Mitte des 10. Jahrhunderts finden sich erstmals Textstellen, die auf eine Verwendung der Orgel innerhalb der Liturgie schließen lassen. Diese beschränkte sich zunächst auf hohe Festtage und wahrscheinlich auch zur Begleitung beim Vorlesen ausgewählter kirchlicher Schriften. Darin wäre die "früheste Orgel" im Westen enthalten. Wo diese aber genau aufgestellt war, wissen wir nicht. Vermutlich in der kaiserlichen Residenz. Leider ist gerade die erste Frage unglaublich strittig und wird in der Forschung "heiß" diskutiert. Hier seien insbesondere Instrumente aus Skandinavien genannt, wie z. B. in Norrlanda (um 1280) und Sundre (um 1370). Von den beiden Orgeln haben sich u. a. die Gehäuse aus Kiefernholz und die Windlade aus Eiche erhalten. In der Nicolaikirche in Utrecht (Niederlande) ist beispielsweise eine mittelalterliche Blockwerkslade noch erhalten. Eine weitere Orgel, die etwa um 1435 erbaut wurde, ist in der Basilique de Valère in Sion (Schweiz) (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Orgel_der_Basilique_de_Val%C3%A8re)  zu sehen. Sie zählt neben den Instrumenten in Rysum (Deutschland), Kiedrich (Deutschland), Ostönnen (Deutschland) und der Epistel-Orgel in San Petronio zu Bologna (Italien) zu den ältesten spielbaren Orgeln der Welt. Insbesondere die Orgel von St. Andreas ist hier von Interesse, da das Holz ihrer Windladen eine Datierung derselben zwischen 1425 und 1431 zulässt. Viele der über 300 erhaltenen Pfeifen scheinen zudem vor 1500 gefertigt zu sein. Weiterhin existieren Fragmente einer Kleinorgel aus Greifswald (Deutschland), die bei einer archäologischen Grabung im östlichen Marktquatier der Hansestadt gefunden. Gefunden wurden Teile der Windlade aus Holz und Leder aus dem 14. Jh. n. Chr. Die Fragmente der Greifswalder Kleinorgel sind leider recht spärlich, aber geben dennoch einige Hinweise. Gefunden wurden Teile der Windlade aus Holz und Leder, die in das 14. Jh. n. Chr. datieren.

Auch aus der Antike gibt es Funde von Orgeln. Hier sind die Funde dreier Orgeln aus in Aquincum (Budapest / HU), in Aventicum (Avenches/ CH) (vgl. http://www.aquincum.hu/en/muzeumtori/az-aquincumi-kutatas-jeles-kepviseloinek-eletrajza/) und in Dion / GR besonders erwähnenswert.

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Aniljeet Baxi

Wissenswertes

Wird das Thema "Hesychastischer Streit" bzw. Gregorios Palamas überhaupt angesprochen, irgendwie angedeutet...? Es hat - meiner Einschätzung nach - eine wesentliche Rolle bei den Versuchen der Annäherung im 14. Jh gespielt (Konzil Ferrara-Florenz).

Dr. Vasile Ciobanu

Alltag & Religion

Im Glossar des Ausstellungskatalogs gehören Hesychasmus und Palamismus zu den ca. 70 erklärten Begriffen. Gregor Palamas (ca. 1296-1359) war Athosmönch und der einflussreichste Theologe der spätbyzantinischen Zeit. Im Sinne der orthodoxen Heilslehre, welche die ‘Einheit mit Gott’ (theiosis) als Ziel des menschlichen Lebens sieht, war Palamas ein wichtiger Proponent des Hesychasmus (Griechisch ‘hesychia’=’Stille’). Die mystische Einheit mit Gott wurde mit dem Licht der Verklärung Christi auf dem Berg Tabor verglichen (siehe dazu die Mosaik-Ikone aus Konstantinopel von ca. 1200 in Raum XV) und durch spezielle Gebetspraktiken angestrebt, wie sie im byzantinischen Möchtum schon seit Jahrhunderten bekannt waren und besonders in der Spätzeit unter Athosmönchen praktiziert wurden.

Palamas’ Ansichten und sein umfangreiches theologisches Schriftum wurden insbesondere durch den Mönch Barlaam von Kalabrien (ca. 1290-1348) heftig kritisiert, der beim Konzil von Avignon anwesend war, dort zum Katholizismus konvertierte und später der Griechischleher des italienischen Dichters Petrarca wurde. Zu Palamas’ Anhängern zählte Kaiser Johannes VI. Kantakuzenos (ca. 1295-1383). Das Porträt des Kaisers ist in dem von ihm verfassten Geschichtswerk in Raum XVIII zu sehen, wie er den Vorsitz der Synode von 1351 führt, bei welcher der Palamismus offiziell bestätigt wurde.

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Wird das Thema "Hesychastischer Streit" bzw. Gregorios Palamas überhaupt angesprochen, irgendwie angedeutet...? Es hat - meiner Einschätzung nach - eine wesentliche Rolle bei den Versuchen der Annäherung im 14. Jh gespielt (Konzil Ferrara-Florenz).

Dr. Vasile Ciobanu

Alltag & Religion

Wie lange existiert diese Burg schon?

Ricardo Dahdal

Wissenswertes

Die Geschichte des Renaissanceschlosses Schallaburg lässt sich bis ins 12. Jh. nach Chr. zurückverfolgen. Das Schloss in seiner heutigen Form wurde im Jahr 1570 von einer Burg zum Renaissanceschloss ausgebaut.

Anlässlich einer Schenkung Kg. Arnulfs an das Kloster Kremsmünster 888/89 begegnet erstmals der Fluß "scalaha", es ist jedoch zweifelhaft, ob diese Quelle hierher bezogen werden kann. Seit dem 9./10. Jh. befand sich das Gebiet zwischen Melk und Pielach geschlossen im Besitz der Sieghardinger. Dafür prägte die moderne Geschichtsschreibung den Namen „Pielachgau“, diese topographische Bezeichnung („pago Pielahe“) erscheint 1043 anlässlich einer kaisl. Schenkung an den Babenberger Mgf. Adalbert I. Konkrete schriftliche Quellen zur Schallaburg sind ab/nach der Wende zum 12. Jh. bekannt. Der 1104 in Regensburg erschlagene Sieghard IX., der zuvor als Gf. v. Pongau, Chiemgau und Tengling auftritt, nennt sich erstmals nach Burghausen und Schala. Bislang wird die Errichtung der Burg aber seinem Sohn, dem zwischen 1104 und 1142 in den Quellen genannten Sieghard X. zugeschrieben. Die Gfn. v. Schala sind in zahlreichen Urkunden vertreten. Die nach Schala benannte Linie stirbt bereits 1192 mit Sieghard XI. aus. Die Besitznachfolge wirft bis heute Fragen auf, während der große Besitz an Hzg. Leopold V. fällt, finden sich neben den Landesfürsten auch die Peilsteiner – die 1218 erloschene Nebenlinie der Gfn. v. Burghausen-Schala – und die Gfn. v. Plain als Besitzer der Schallaburg. Mglw. führten die unterschiedlichen Besitzansprüche schon damals zu einer Teilung der Hft., denn später ist eine Hälfte ldfl. Lehen, die andere Hälfte ist freies Eigen. Einer dieser Anteile ist ab 1242 im Besitz der Ottensteiner. In diesem Jahr erscheint die Burg als „castrum“. Kurze Zeit später sitzen verm. bereits die Zelkinger auf der Schallaburg, als 1286 Hzg. Albrecht I. Otto v. Zelking mit der Burg belehnt, wird noch definitiv zwischen beiden Besitzanteilen unterschieden. Ab dieser Zeit erscheinen Burggfn., als erster 1282 ein Friedrich v. Melk. 1456 kommt der Besitz im Erbweg an die Losensteiner. Hans Wilhelm v. Losenstein errichtet ab ca. 1570 den Renaissancebau. 1624/27 gelangt das Schloss, nun freies Eigen, an Georg v. Stubenberg, 1651 an die Frhn. v. Eibeswald, 1662 an die Kletzel v. Altenach. Im 18. Jh. kommen die Frhn. v. Tinti in den Besitz, erst 1940 folgen die Frhn. v. Nagl-Dvornik. Die russische Besatzung ab 1945 verwüstet den Bau, auch die Besitzverhältnisse zwischen 1955 und 1965 fördern den Verfall. 1965 gelangt das Schloss an die Republik Österreich, 1968 an das Land Niederösterreich, das den Bau bis 1974 unter beträchtlichem Aufwand durchgreifend restauriert und revitalisiert.

Quelle: http://www.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/1065

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Wie lange existiert diese Burg schon?

Ricardo Dahdal

Wissenswertes

Wie waren die Längsachsen der byzantischen Kirchen orientiert, in der römischen Kirche sind die Kirchen seit dem Mittelalter West-Ost orientiert (Altar im Westen), angeblich ist dies seit dem Rolandslied üblich.

Hans Salzer

Wissenswertes

Zu Beginn war die östliche Ausrichtung der Kirchenbauten nicht von Bedeutung. Aber im 5. Jh. wurde es allmählich zur Gewohnheit den Hauptaltar in Richtung Osten auszurichten. Man kann also durchaus von einer Apsisostung sprechen. Freilich lagen die wenigsten Kirchen exakt auf der West-Ost-Achse.

Im 6. Jh. setzte sich die Bauform von gewölbten Zentralbauten durch, die die Langhaus-Bauform der römischen Basiliken allmählich ersetzten und sich als „Kreuzkuppelkirche“ in der Architekturterminologie etabliert hatten. Bei vielen erhaltenen Bauwerken ist die Grundform eines griechischen Kreuzes erkennbar. Der oftmals quadratische Mittelteil (Naos) der Kirche wurde von einer Hauptkuppel bekrönt, die Kreuzarme wurden von kleineren Kuppeln überwölbt. An die Apsis schlossen im Osten gewöhnlich Nebenräume an, die sich bereits im Altarraum (Bema) befanden.  Im oft dreiteiligen Altarraum befand sich die Prothesis, ein Raum für die Ankleide der Priester, und ein Diakonikon, wo die Gewänder und das Kultgerät aufbewahrt wurde. Beide sind oft als eigene gewölbte Räume ausgestaltet. Der Naos wurde im Süden und Norden oft von weiteren Nebenräumen flankiert. Die Frauengalerien befanden sich oft im Obergeschoss. Im westlichen Kirchenraum war oft ein Narthex vorgelagert, der oft als Grablege für die Stifterfamilie der Kirche fungierte. Eine orthodoxe Kirche benötigte keine prächtig ausgestalteten Chöre. Das wichtigste Merkmal einer orthodoxen Kirche ist die Ikonostase, eine geschlossene Bilderwand, die in der byzantinischen Kirche Naos von Bema trennte. Hierbei sei noch angemerkt, dass der Altarraum oft auch durch eine Erhöhung des Bodenniveaus abgetrennt wurde. In Zentralbauten wurde der Altarraum, entgegen der architektonischen Logik, an die dem Eingang gegenüberliegende Wand oder in die angefügte apsidale Ausbuchtung gerückt, um für die Gemeinde Platz zu schaffen.

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Wie waren die Längsachsen der byzantischen Kirchen orientiert, in der römischen Kirche sind die Kirchen seit dem Mittelalter West-Ost orientiert (Altar im Westen), angeblich ist dies seit dem Rolandslied üblich.

Hans Salzer

Wissenswertes

Warum ist das Weströmische Reich militärisch so schnell zusammengebrochen?

Herbert Gammel

Geschichte & Politik

Im Jahr 395 wurde das gemeinsame Römische Reich (West- und Ostrom) von zwei gleichberechtigten Kaisern regiert. Im Osten beschlossene Gesetze galten auch im Westen und vice versa. Grundsätzlich kooperierten die beiden Höfe, auch wenn bisweilen Konkurrenzgedanken ufkamen. Grundlegend änderte sich die Situation erst im Jahre 476, als der letzte weströmische Kaiser Romulus „Augustulus“ vom skirischen (oder thüringischen) Heerführer Odoaker abgesetzt wurde. Germanische Generäle in römischen Diensten hatten eben schon längere Zeit die Fäden der Politik in der Hand gehabt, doch nun wurde die Herrschaft ganz formell übernommen. Schon Romulus „Augustulus“ war von Konstantinopel nicht mehr anerkannt worden, weil sein Thron eigentlich Julius Nepos zustand. Odoaker setzte dem System des Kaiserkollegiums nun ein Ende und gab sich mit dem Titel eines Königs von Italien (rex Italiae) zufrieden. Damit stellte er sich klar unter den in Konstantinopel regierenden Kaiser (augustus) Zenon, von dem er schlussendlich auch anerkannt wurde. Für die Zeitgenossen hieß das, dass die Herrschaft über das Gesamtreich wieder einem einzigen Kaiser zugefallen war, und zwar jenem, der in Konstantinopel regierte. Dass dieser keinen realen Zugriff auf die westlichen Provinzen hatte, spielte dabei ideologisch gesehen (noch) keine Rolle. Man ging zunächst wohl auch nicht davon aus, dass die römische Herrschaft nicht mehr wiederhergestellt werden könnte.

Wenn man die Gründe sucht, die zum Untergang des Weströmischen Reiches geführt haben, fallen einige Erscheinungen auf, die das Problem zumindest annähernd erklären. Einige Historiker meinen, in der Aufnahme von Nichtrömern in die Verwaltung und von nicht-römischen Heerverbänden in die römische Armee einen deutlichen Hinweis auf den Niedergang des Römischen Reiches entdeckt zu haben. Zunächst bietet sich der Rückgang der Bevölkerung als Erklärung dafür an. Der römische Staat war aufgrund seines Personalmangels darauf angewiesen, andere Bevölkerungsgruppen an der Macht zu beteiligen. Hierfür scheinen vor allem ein Geburtenrückgang, die zahlreichen äußeren und inneren Kriege, Krankheiten und Seuchen verantwortlich gewesen zu sein.

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Warum ist das Weströmische Reich militärisch so schnell zusammengebrochen?

Herbert Gammel

Geschichte & Politik

Was weiß man über die Übersetzungsschulen und den griechisch-lateinisch-arabischen Wissenstransfer in Byzanz? Kann man sich unter "Übersetzungsschulen" tatsächlich eine Schule vorstellen, oder handelte es sich dabei mehr um Netzwerke?

Anna Maria Steinkress

Wissenswertes

Als sich unter den Kalifen der Abbasiden-Dynastie (ab 750), die 762 Bagdad als neue Hauptstadt gründeten, das Interesse am Wissen der Griechen intensivierte, folgten sie dabei wie auch in anderen Aspekten dem Vorbild der persischen Sasaniden-Dynastie (die den Irak und den Irak vom 3. Jh. bis zur arabischen Eroberung im 7. Jh. beherrscht hatte); schon einige von deren Großkönigen hatten aktiv die Sammlung und Übersetzung von Texten der Nachbarkulturen (u. a. Rom-Byzanz, Indien) unterstützt. Neben den Kalifen selbst förderten auch Mitglieder der Elite wie die von buddhistischen Klostervorständen in Balch (im heutigen Afghanistan) abstammende Familie der Barmakiden Gelehrte mit verschiedenen sprachlichen Hintergründen und die Übersetzung von Texten (etwa am von ihnen gestifteten Hospital in Bagdad). Eine heftige Debatte besteht allerdings über die tatsächliche Institutionalisierung der Übersetzungstätigkeit, die oft mit dem sogenannten „bait al-ḥikma“ (dt. Haus der Weisheit) verknüpft wird; Kalif al-Mamun soll es um 825 zu einer regelrechten Akademie mit einem Personalstand von bis zu 90 Personen ausgebaut haben. Doch ist das Interesse insbesondere an wissenschaftlichem und medizinischem klassisch-griechischen Schriftgut für die Zeit des al-Mamun zwar gut belegt (so soll er auch versucht haben, den berühmten Mathematiker Leon aus Byzanz abzuwerben), die Evidenz für eine quasi offizielle akademische Funktion des bait al-hikma jedoch nicht eindeutig. Deutlich sichtbar werden hingegen verschiedene auch miteinander verbundene, von einzelnen Herrschern und Mächtigen geförderte Gruppen, wobei insbesondere auch Gelehrten der syrischen Sprache als Vermittlern zwischen dem Griechischen und dem Arabischen eine besondere Rolle zukam. In der Wiener Byzantinistik gibt es derzeit auch zwei vom European Research Council geförderten Projekte („Reassessing Ninth Century Philosophy. A Synchronic Approach to the Logical Traditions“ von Christophe Erismann an der Universität Wien; “Transmission of Classical Scientific and Philosophical Literature from Greek into Syriac and Arabic” von Gregory Kessel an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften), die sich diesen Austausch- und Übersetzungsbewegungen und der Frage „wer wie was warum übersetzte“ widmen.

Eine intensivere Übersetzungstätigkeit aus dem Lateinischen ins Griechische ist in Byzanz wieder im 13. und 14. Jh. zu beobachten, wobei das Interesse einzelner Gelehrter insbesondere philosophischen Texten, etwa der Scholastik (z. B. Thomas von Aquin) galt; einige von ihnen standen auch im Kontakt mit in Konstantinopel tätigen Dominikaner-Mönchen, etwa Demetrios Kydones (1324-1397/1398), der bei ihnen Latein lernte und später zum katholischen Glauben konvertierte. Zu einer Institutionalisierung kommt es hier am ehesten von lateinischer Seite eben durch die Dominikaner-Konvente, die im Sinne einer Auseinandersetzung mit der byzantinischen Orthodoxie aktiv den Erwerb von Sprachkenntnissen durch ihre Ordensmänner und die Übersetzung von griechischen Texten (bzw. eben die Vermittlung lateinischer Sprachkenntnisse an Byzantiner) förderten.

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Anna Maria Steinkress

Wissenswertes

Gibt es ein konservatorisch unbedenkliches Licht für Ausstellungen?

Harald Richter

Ausstellung

Eine Maßeinheit, mit der die Beleuchtungsstärke gemessen wird, heißt „Lux“ (lat. „Licht“). Licht kann Materialien irreversibel schädigen, abhängig von der Beleuchtungsdauer und der Helligkeit. In manchen Ländern ist statt Lux die Einheit Footcandle gebräuchlich. Eine Footcandle entspricht 10,76 Lux. Da Materialien über unterschiedliche Lichtempfindlichkeit verfügen, variieren die Vorgaben für Lichtmengen, denen Museumsobjekte ausgesetzt werden können. Für besonders empfindliche Materialien wie Papier, Textilien, oder gefärbtes Leder werden in Ausstellungen meist 50 Lux und weniger für einen begrenzten Zeitraum empfohlen. Auf jeden Fall sollten in Vitrinen selbst keine Wärme produzierenden Lichtquellen zum Einsatz kommen. Ganz wichtig ist dabei, dass die Lichtquellen frei von UV-Strahlen sind. Daher ist man dazu übergegangen LED Beleuchtungskörper, welche UV-frei sind oder Halogenstrahler mit UV-Filter zu verwenden.

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Gibt es ein konservatorisch unbedenkliches Licht für Ausstellungen?

Harald Richter

Ausstellung

Welche Motivation hatte Mehmed II. zur Eroberung Konstantinopels? Stimmt es, dass Mehmed II. alle Menschen über sechs Jahren ermorden ließ? Was geschah nach der Eroberung?

Johannes Eugen

Geschichte & Politik

Als Mehmed mit dem Tod seines Vater Murad II. 1451 die Regierungsgeschäfte übernahm, war er gerade einmal 18 Jahre alt. Die zeitgenössischen Chronisten beschreiben ihn gerne als jungen Abenteurer. In seinem Kopf geisterten die Geschichten der großen Eroberer Caesar und Alexander herum. Wie sie wollte auch er als Eroberer in die Annalen eingehen. Man darf sich Mehmed gleichzeitig aber nicht als blutrünstigen Eroberer vorstellen. Er hatte einen äußerst scharfsinnigen Verstand, studierte Texte über Geographie, Geschichte, Kriegsführung aber beschäftigte sich auch mit diversen Sprachen. Laut zeitgenössischen Quellen soll er sowohl Persisch, Arabisch als auch Griechisch und Latein gesprochen haben.

Die Osmanen konnten sich recht rasch auf dem Gebiet des Byzantinischen Reiches etablieren. Es folgten viele Eroberungen, die charakteristisch für das schnelle Wachsen des Osmanischen Imperiums waren und sind: 1326 wurde Bursa erobert und zur neuen Hauptstadt ausgerufen, 1337 folgte die Eroberung Nikomediens, dem heutigen Izmit, und schließlich wurde Adrianopel, die heutige Stadt Edirne, 1361 eingenommen und zur neuen Hauptstadt proklamiert. Das einstige Kerngebiet des Osmanischen Reiches war so groß wie das heutige Belgien, doch durch die zügigen Eroberungen im Laufe der Zeit umfasste das Osmanische Reich bald weite Gebiete des Byzantinischen Reiches, Teile der heutigen Türkei sowie Teile des Balkans. Einzig Konstantinopel trotzte den häufigen Angriffen der Osmanen und lag wie eine uneinnehmbare Insel mitten im „osmanischen Meer“. Konstantinopel hatte natürlich den Ruf einer uneinnehmbaren Festung. Dass Mehmed sich trotzdem die Eroberung der Stadt zum Ziel setzte hat auch mit der Ideologie der Osmanen zu tun:

Seit jeher war Konstantinopel für die Osmanen „der Goldene Apfel“ bzw. „der Rote Apfel“ schlechthin gewesen. Der Goldene Apfel ist ein Mythos in der türkischen Geschichte. Er beschwört den Eroberungswillen des Osmanischen Reiches. Zuerst war Konstantinopel für die Osmanen der Goldene Apfel und später nahmen Städte wie Rom oder Wien diesen Status ein. Es handelte sich also um bedeutende Städte, die es mit Allahs Hilfe zu erobern galt.

Der junge Mehmed durchdachte alles genauestens: Mit dem Königreich Ungarn und mit Venedig vereinbarte er am 20. September 1452 einen Waffenstillstand, um sicherzugehen, dass sein Plan Konstantinopel zu erobern nicht durchkreuzt wurde. Während es durchaus Berater gab, die zu bedenken gaben, dass ein Angriff auf Konstantinopel einen erneuten Kreuzzug zur Folge haben könnte und daher für einen Friedensschluss plädierten, sprachen sich andere für eine Annexion der Stadt aus. Die Osmanen benötigten keinen Kriegsgrund um einen Angriff auf die Stadt zu unternehmen. Tatsächlich lieferten die Byzantiner selbst mehrere Gründe: Der Kaiser Konstantin XI. Palaiologos schickte byzantinische Gesandte an den Hof des Sultans, die sich aufgrund der vermeintlich ausgebliebenen Unterhaltszahlungen für Prinz Orhan beschwerten, einem Halbbruder und Thronrivalen Mehmeds, der sich in Konstantinopel aufhielt. Sie drohten dem Sultan Prinz Orhan der Stadt zu verweisen, im Falle der Nichterbringung der doppelten Zahlungen. Eine weitere byzantinische Delegation beklagte sich beim Großwesir über die Festung Rumeli, die auf europäischem Boden und damit auf byzantinischem Grund erbaut worden sei. Man verlangte die unverzügliche Räumung der Festung, stellte der Bau doch eine Bedrohung des Handelsverkehrs dar. Ihrer Aufforderung unbeachtet kehrte die byzantinische Gesandtschaft nach Konstantinopel zurück und Sultan Mehmed II. hatte nun einen vermeintlichen Grund für eine Kriegserklärung.
Nach der Eroberung der Stadt am frühen Morgen des 29. Mai 1453 überließ Mehmed die Stadt seinen Soldaten, so wie es das osmanische Kriegsrecht vorsah. Es war ihnen gestattet, Kirchen und Klöster zu plündern, Frauen zu schänden, Sklaven zu erbeuten. Der Westen prägte vor allem das spätere Bild des blutrünstigen Eroberers, was auch durch die so genannten „Türkendrucke“ Verbreitung fand. 

Die Eroberung Konstantinopels war für Mehmed II. Fatih („der Eroberer“) ein symbolischer Sieg sondergleichen. Lange Zeit hatte die Stadt zu den größten urbanen Zentren Europas gezählt. Kostantiniyye, so ihr unter den Osmanen gebräuchlicher arabischer Name, wurde islamisiert und erlebte als neue Hauptstadt des aufstrebenden Reiches einen ungeheuren Aufschwung. Byzantinische Traditionen prägten das Stadtbild aber auch weiterhin. Die Hagia Sophia war für Mehmed ein Symbol des Triumphes. Er ritt in die Kirche ein, ließ sie zur Moschee weihen und mit Minaretten versehen. Mehr noch wurde die einst größte Kirche der Christenheit gar zum zentralen Vorbild für den Bau großer Moscheen.

Mehmeds Ziel war es auch die griechischen Elemente in der Stadt zu erhalten, so konnten die Menschen ebenso ihrem gewohnten alltäglichen Leben nachgehen. Gegen Entrichtung einer Kopfsteuer durften die Menschen auch ihre Konfessionen und Glaubensüberzeugungen beibehalten.  Mehmed versuchte sogar jenen Großadmiral Großherzog Lukas Notaras mit der Verwaltung der Stadt zu betrauen. Wahrscheinlich war es dem Sultan auch ein Anliegen durch den Erhalt und die Förderung der griechischen Kultur die Wirtschaft und den Handel erneut anzutreiben, was mit der Integration der Griechen in seine Verwaltung bestenfalls gelingen konnte. Doch dies misslang aufgrund der von Mehmeds Beratern gesponnenen Intrigen, die ebenso die Hinrichtung des Großadmirals mitsamt seiner Familie veranlassten. Daraufhin ließ Mehmed aber Gennadios Scholarios, jenen Kenner der westlichen Philosophie und Theologie, zu sich beordern und ernannte ihn zum ersten ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel.

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Johannes Eugen

Geschichte & Politik

Wie war es möglich, dass Einwohner einer eroberten Region die neuen Herrscher kennen? - es kann ja jeder kommen und sagen: jetzt bin ich der Chef!

Ludwig Piribauer

Kaiser

Die Herrscher lernte man nicht kennen, man wusste von ihnen dank der „Oral poetry“; man kannte freilich ihre lokalen Stellvertreter, die von großem Einfluss waren: ein gütiger Repräsentant vor Ort vermochte ebenso das Bild der „neuen Herrscher“ zu beeinflussen wie ein grausamer, ungerechter oder willkürlich agierender Stellvertreter.

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Wie war es möglich, dass Einwohner einer eroberten Region die neuen Herrscher kennen? - es kann ja jeder kommen und sagen: jetzt bin ich der Chef!

Ludwig Piribauer

Kaiser

Wie konnte man damals neue Gesetze verbreiten, oder bei Heerfahrten die "Gegner" kennen, die Menschen informieren - wer konnte damals lesen oder schreiben?

Ludwig Piribauer

Alltag

Gesetze verbreiteten sich über das „Hörensagen“ und allgemeine Lebenserfahrungen, auch über Verlautbarungen in den Siedlungsgemeinschaften: das gesprochene Wort war immens wichtig.  Gegner lernte man zumeist nicht persönlich kennen, es gab in den Köpfen diffuse Feindbilder, die sich dann im Konfliktfall gewaltsam entluden. Lesen und Schreiben konnten ziemlich viele Menschen in Byzanz, weit mehr als in der westlichen mittelalterlichen Welt: es gab Schulunterricht auch in kleineren Siedlungen, Elementarkenntnisse wurden teilweise auch an Mädchen vermittelt.

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Ludwig Piribauer

Alltag

Was ist der Unterschied zwischen Babylon und Byzanz?

Bettina Forcher

Wissenswertes

Babylon ist ein Stadtstaat am Fluss Euphrat im Gebiet des heutigen Iraks mit einer Blütezeit zwischen 1800 vor und 100 n. Chr. Die Bewohner Babylons verehrten besonders den Stadtgott Marduk, er war nach Bestimmung des Herrschers Hammurapi (1792-1750 v. Chr.) oberster Gott der babylonischen Götterwelt.

Byzanz ist die moderne, vom Namen der Hauptstadt abgeleitete Bezeichnung des Oströmischen Reiches mit den Kerngebieten in der heutigen Türkei, in Griechenland und Bulgarien. Das Reich hatte von 330 bis 1453 n Chr. Bestand. Die Einwohner waren Christen, auch wenn sie sich über die Auslegung der heiligen Schriften gelegentlich stritten.

Daher besser die Frage, wo sind die Gemeinsamkeiten? Beide teilen sich ihren schlechten Ruf, der ihnen nachträglich oder von auswärtigen Protagonisten verliehen wurde. Im Neuen Testament, in der Offenbarung des Johannes (Offb 17 und 18) gilt Babylon als Hort der Sünde, als dekadent und gottesfeindlich. Im 18. Jh. beschrieb der britische Historiker Edward Gibbon (1737-1794) Byzanz als dekadente orientalische Despotie, was dem Ruf des Oströmischen Reiches lange anhaftete, aber heute unumstritten widerlegt ist.

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Was ist der Unterschied zwischen Babylon und Byzanz?

Bettina Forcher

Wissenswertes

Woher stammte das Interesse für die Entstehung dieser Ausstellung in der Nähe von Wien? Was ist die Rolle der österreichischen Byzantinistik in Wien gewesen? Man sollte etwas über die reiche Vergangenheit der hiesigen byzantinischen Forschung vermitteln.

Anonym

Ausstellung

Dass die Ausstellung auf der Schallaburg gezeigt wird, ist gewissermaßen eine direkte Folge des Erfolges der Vorgängerausstellung "Das Goldene Byzanz & der Orient" im Jahre 2012. Die Nähe zu Wien als einem der wichtigsten Orte byzantinistischer Forschung bot in beiden Fällen natürlich als optimale Voraussetzung.
Die Forschung und Forschungsgeschichte spielen in der Ausstellung zugegebenermaßen eine untergeordnete Rolle, weil wir das Hauptnarrativ auf die umfangreichen historischen Inhalte zugeschnitten haben. Allerdings bieten die gefilmten Interviews mit Forschern aus Wien (aber auch aus Mainz) durchaus einen Blick in die Gegenwart der Forschung und die Tradition der etablierten Forschungsinstitutionen. Das ist aber natürlich eine optionale Vertiefungsebene für jene Besucher, die mehr über die Hintergründe der Forschung erfahren
möchten.

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Woher stammte das Interesse für die Entstehung dieser Ausstellung in der Nähe von Wien? Was ist die Rolle der österreichischen Byzantinistik in Wien gewesen? Man sollte etwas über die reiche Vergangenheit der hiesigen byzantinischen Forschung vermitteln.

Anonym

Ausstellung

Haben die Byzantiner die perspektivische Darstellung entwickelt und der Westen es bis heute als seine Errungenschaft propagiert?

Peter Haselmayer

Wissenswertes

Die Perspektive ist ein konstruierendes Darstellungsmittel. Es wurde von Künstlern der Renaissance  (1400 - ca. 1620) entwickelt. Die Menschen entwickelten ein neues Selbstverständnis und ein neues Weltbild, mit dem sie eine neue Realitätssicht entwickelt haben. Dadurch wurden das mittelalterliche Denken und starre Konventionen durchbrochen. Die Kunstwerke des Mittelalters waren neben einer flächigen Darstellung auch von figürlicher Starrheit geprägt. Mit der byzantinischen Ikonographie hatten sich gewisse starre Normen in der europäischen Kunst etabliert. Zwar waren die Künstler in der Beobachtung der Natur sehr geschult, allein fehlte ihnen das mathematische Verständnis das Gesehene in eine räumlich konstruierte Perspektive zu übertragen.
Die italienische Renaissance brachte viele Künstler hervor, die in dieser Hinsicht ihren nördlichen und südlichen Kollegen einige Jahre voraus waren. Als Erfinder perspektivischer Konstruktionsmethoden gilt der Baumeister und Bildhauer Filippo Brunelleschi aus Florenz (1377 - 1446). Nördlich der Alpen war Albrecht Dürer (1471 - 1528) einer der ersten Maler, der die Konstruktion der Perspektive für sich entdeckt hatte.
Allerdings kann man bereits bei einigen illusionistischen Wandmalereien im alten Rom von einer perspektivischen Darstellungsweise sprechen. Die Byzantiner haben die antike Darstellungsweise von (beobachteten) plastischen Körpern übernommen, was sich insbesondere in der byzantinischen Mosaikkunst manifestiert hat. Der Westen war von der byzantinischen christlichen Licht-Metaphysik insofern beeinflusst, als dass dort rein flächigen Darstellungsweisen und damit verbunden starre Konventionen vorherrschten. Daher führte der Verlust jeglicher Räumlichkeit zur prinzipiellen Vereinheitlichung von Figur und Grund. Aber es ist auf jeden Fall sicherer zu behaupten, die perspektivische Darstellung ist in ihrer vollen Ausprägung erst in der Renaissance entstanden, als bereits schon in der Antike.
Die byzantinische Architektur hat ebenso einige Neuerungen mit sich gebracht. Das System des Zentralbaus hat in Byzanz eine entscheidende Rolle gespielt und hat von dort aus die orthodoxen Balkanländer und weite Teile Russlands erobert. In kleineren Kirchenbauten ist die byzantinische Zentralbauweise im Mittelalter auch nach dem Westen vorgedrungen.


 

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Haben die Byzantiner die perspektivische Darstellung entwickelt und der Westen es bis heute als seine Errungenschaft propagiert?

Peter Haselmayer

Wissenswertes

Seit wann ist der Hl. Georg nicht mehr heilig? Wer hat das veranlasst und mit welcher Begründung?

Sigenot Hartl

Alltag

Der Hl. Georg soll im 3./4. Jh. n. Chr. während der Regierungszeit Kaiser Diokletians (reg. 284 - 305) gelebt haben. Er wurde in Kappadokien als Sohn vornehmer Eltern geboren. Da er sich schon als Knabe für das Militär begeistern konnte, wurde er später Offizier und hoher Beamter unter Kaiser Diokletian. Er soll als besonders tapfer und unerschrocken gegolten haben. Als die Christenverfolgung ausbrach, stand Georg tapfer zu seinem Glauben, obwohl er grausame Folter erdulden musste. Dennoch bewies er Mut und Durchhaltevermögen und betete sogar für seine Peiniger, woraufhin der erzürnte Kaiser ihn - da er Georgs Willen nicht brechen konnte - enthaupten ließ.

In den deutschsprachigen Ländern verehrt man Georg als einen der vierzehn Nothelfer. Er gilt zudem als Schutzpatron Englands, mehr als 150 Kirchen sind dort nach ihm benannt. Auch König Richard Löwenherz hatte ihn zu seinem persönlichen Schutzpatron erwählt. Der heilige Georg gilt als Schutzpatron der Reiter und der Bauern. Er wird als Ritter mit der Lanze, einen Drachen tötend, dargestellt. Im Jahr 2005 wurde der Hl. Georg vom Tiroler Landtag zum neben dem Hl. Joseph zum zweiten Landespatron erklärt.

Es ranken sich im Allgemeinen viele Legenden und Mythen um den Hl. Georg. Als die römisch-katholische Kirche als eines der Ziele des Zweiten Vatikanischen Konzils eine Reform des Heiligenkalenders im Jahr 1969 durchführte, entschied man den Hl. Georg aus dem katholischen Generalkalender zu streichen. Dies geschah aufgrund der legendären Person des Hl. Georgs - man war sich einfach nicht mehr sicher, ob denn der Hl. Georg tatsächlich gelebt und gewirkt hat. 1975 revidierte man aber diese Entscheidung und der Hl. Georg wurde erneut in den Heiligenkalender aufgenommen. Sein Gedenktag ist bei den meisten christlichen Kirchen der 23. April. In der orthodoxen Kirche wird der Hl. Georg auch als Groß - bzw. Erzmärtyrer verehrt. 

Darstellungen vom Hl. Georg, der auf einem Schlachtross sitzt und einen Drachen tötet, waren häufig in der Mittelmeerregion anzutreffen. Dessen Kampf mit dem Drachen wurde oft als Allegorie auf den Kampf zwischen Christentum und Islam umgedeutet. Er war daher eine zentrale Figur im Weltbild der christlichen Kreuzfahrer.


 

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Seit wann ist der Hl. Georg nicht mehr heilig? Wer hat das veranlasst und mit welcher Begründung?

Sigenot Hartl

Alltag

Warum kamen im Mittelalter die antiken Schriften in arabischen Übersetzungen über Spanien nach Europa und nicht direkt aus Byzanz?

Helmut Zeisel

Wissenswertes

In der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts begann sich das arabische Kulturgut bei den verschiedenen unterworfenen Völkern durchzusetzen. Die "Klammer" des Islam hielt zunächst die verschiedenen unterworfenen Völker, wie Afrikaner, Perser, Ägypter u. a. zusammen. Mit Hilfe der Religion schufen die Araber gewissermaßen eine neue Kultur. Der Koran durfte nämlich nicht übersetzt werden, weshalb die arabische Sprache und Schrift überall vorherrschend wurden.

In den ehemals byzantinischen Regionen Palästina und Syrien lässt sich eine relative kulturelle Kontinuität verfolgen, zumal die arabischen Eroberer großes Interesse an der griechischen Bildung hatten, weswegen wissenschaftliche Übersetzungsschulen begründet wurden, die die griechichen aber auch lateinischen Texte ins Arabische übersetzten. Tatsächlich datieren einzelne Übersetzungen ins Arabische bereits ins 7. Jh.

Die Offenheit der Araber gegenüber dem geistigen Erbe der verschiedenen Traditionen und Kulturen drückte der Gelehrte al-Kindi (gest. um 870) folgendermaßen aus: "Wir sollen keine Scham empfinden, die Wahrheit anzuerkennen und zu verarbeiten, von welcher Quelle sie auch zu uns kommt, selbst wenn sie zu uns von früheren Geschlechtern und fremden Völkern gebracht wird. Für den, der die Wahrheit sucht, gibt es nichts von höherem Wert als die Wahrheit selbst; niemals erniedrigt oder demütigt sie ihn, der nach ihr sucht, vielmehr erhöht und ehrt sie ihn." (Zitiert nach: T. Al Samman - O. Mazal, Die Arabische Welt und Europa. Ausstellung der Handschriften- und  Inkunabelsammlung der Österreichischen Nationalbibliothek. Graz 1988, 33f.)

Durch die die Tätigkeit dieser Schulen wurde eine Unzahl von Werken ins Arabische übertragen. In vielen großen Städten wie in Bagdad (zum Beispiel das Haus der Weisheit "Bayt al-Hikma", im 9. Jh. begründet durch den Kalifen al-Ma'mūn), Damaskus, Kairo, Alexandria, Toledo oder Cordoba entstanden Zentren wissenschaftlicher Forschung. Europa empfing im Laufe des Mittelalters unzählige Impulse aus der arabischen Welt, was für die Entwicklung der neuzeutlichen abendländischen Wissenschaften wie der Medizin, Physik, Mathematik oder auch der Geographie von größter Bedeutung war. Dieser Kulturtransfer erfolgte aber nicht nur über Spanien.

Auch am Beispiel Siziliens ist dieser Kulturtransfer recht gut darstellbar. Bis zum Jahr 827 hatte Sizilien zum Byzantinischen Reich gehört. Im 7. Jh. hatten die Byzantiner Griechisch als Amtssprache eingeführt. Sizilien hatte bis 878 zum Byzantinischen Reich gehört, danach wurde allmählich das Emirat von Sizilien mit der Hauptstadt Palermo begründet, ehe es beginnend mit dem Jahr 1060 unter normannische Herrschaft gelangte.  Das normannische Sizilien blieb dreisprachig, wodurch auch der Kontakt zum Byzantinischen Reich aufrechterhalten wurde. Auf Sizilien wurden Texte zumeist aus dem Lateinischen direkt ins Griechische übersetzt. Manchmal musste man sich aber arabischer Texte bedienen, wenn keine lateinischen Textvorlagen mehr existierten.
Beginnend mit der Reconquista Andalusiens erfolgte die Übersetzungstätigkeit von oftmals jüdischen Gelehrten, die auch lateinische antike Autoren übersetzten. In Toledo errichtete man 1085 die bekannte Übersetzerschule von Toledo in der Kathedralbibliothek, wo vor allem auch Gerhard von Cremona wirkte.
Im 14. Jahrhundert intensivierte sich in Italien das (nie erloschene) Interesse an der Antike und den Texten der Griechen und Römer. Einer der Initiatoren der „Wiederbelebung“ der Antike war Francesco Petrarca (1304-1374) aus Arezzo in der Toskana. Auch sonst wurde diese Region zu einem Zentrum des „Humanismus“, insbesondere mit Florenz, wo sich bereits 1397 der aus Konstantinopel kommende Gelehrte Manuel Chrysoloras niederließ und begann, Griechisch zu unterrichten. Er ist ein Beispiel für jene Gelehrte aus Byzanz, die schon in den Jahrzehnten vor der osmanischen Eroberung Konstantinopels 1453 den Weg nach Italien fanden. Die seit dem späteren 14. Jh. prekäre politische und wirtschaftliche Lage des Byzantinischen Reiches angesichts der osmanischen Expansion war zwar sicher ein Faktor, der solche Migrationen mitmotivierte.

Der Fall Konstantinopels 1453 war aber nicht der Auslöser oder gar notwendige Bedingung der Wanderung von Gelehrten und Texten. Wichtiger waren das neuerweckte Interesse im Westen und die Bereitschaft zumindest eines Teils der byzantinischen Intellektuellen, mit ihren Kollegen in Italien zusammenzuarbeiten bzw. ihr Wissen weiterzugeben.


 

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Warum kamen im Mittelalter die antiken Schriften in arabischen Übersetzungen über Spanien nach Europa und nicht direkt aus Byzanz?

Helmut Zeisel

Wissenswertes

Wie lange gibt es die Römer schon?

Fabian Jelinek

Wissenswertes

Die sagenhafte Gründung Roms durch Romulus und der Beginn der römischen Zeitrechnung ("ab urbe condita" - seit Gründung der Stadt) soll im Jahr 753 v. Chr. geschehen sein. Die altbekannte Eselsbrücke "7 5 3 - Rom schlüpft aus dem Ei" ist sicher noch aus Schulzeiten bekannt.  Der Sage nach wurden die Zwillingsbrüder Romulus und Remus von König Tarchetius auf dem Tiber ausgesetzt, und von einer Wölfin gefunden, die sie ernährt und aufgezogen hatte. Romulus, der erste von den sieben Königen, soll die Siedlung auf dem Palatin, einem der sieben Hügel Roms, gebaut haben.
Die wirkliche Gründung der Stadt erfolgte durch das ab 1200 v.Chr. nach Italien eingewanderte indogermanische Volk der Latiner, das sich am Unterlauf des Tiber niedergelassen hatte. Spätestens seit der Wende vom 2. zum 1. Jahrtausend v. Chr. hatten sich auf den Hügeln Roms schon bäuerliche Siedlungen befunden. Um 1000 v. Chr. bauten die eingewanderten Latiner eine Brücke ("Tiberbrücke") über den Fluss, wo ein Handelsplatz entstand, woraus sich das spätere Rom entwickelte.  Bald darauf trieb es das Seevolk der Etrusker (latein. "Tusci", davon der Name ihres Siedlungsgebietes: Toscana) nach "Latium". Sie fingen an Rom, das bis dato nur aus einzelnen verschiedenen bäuerlichen Dörfern bestand, zu einem Stadtstaat auszubauen und etruskische Könige einzusetzen. Die neubegründete Stadt erhielt nach dem regierenden etruskischen Adelsgeschlecht Ruma den Namen "Roma". Um 510 v. Chr. soll der letzte König von Rom vertrieben worden sein. Die angesehenen Adelsgeschlechter (Patrizier) beendeten die Monarchie und errichteten eine Republik ("res publica" - öffentliche Sache).
 

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Wie lange gibt es die Römer schon?

Fabian Jelinek

Wissenswertes

Ich heiße Valentina. Warum gibt es im Griechischen kein V und W ?

Martin und Valentina Stowasser

Wissenswertes

Die Griechen haben als Grundlage ihres Alphabets das phönizische Alphabet genutzt und Buchstaben und Laute an die Gegebenheiten der griechischen Sprache angepasst. Es wurden daher 5 Buchstaben aus dem Phönizischen zu Vokalzeichen umfunktioniert.

Auch der w-Laut war im phönikischen Alphabet enthalten und wurde von den Griechen übernommen. Dem Aussehen nach wurde dieser Buchstabe als Digamma bezeichnet, obwohl er mit dem Lautwert des Gamma nichts zu tun hat. Mit der Zeit verschwand dieser Laut allerdings aus dem griechischen Alphabet, da dieser nicht mehr gesprochen wurde (ca. im 5. Jh. vor Chr.) In manchen griechischen Wörtern lässt sich dieser Laut noch erahnen, was andererseits auch auf die Zugehörigkeit des Griechischen zur indogermanischen Sprachfamilie hinweist: ἒργον, ursprünglich ϝέργον - dt. das Werk; engl. work oder  ϝoῖνος, lat. vinum, ital. vino, frz. vin, dt. Wein.

Auf Griechisch würde man Ihren Namen Βαλεντινα schreiben.


 

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Ich heiße Valentina. Warum gibt es im Griechischen kein V und W ?

Martin und Valentina Stowasser

Wissenswertes

Im Sakramentar Kat.-Nr. 115 wird griechischer Inhalt mit lateinischer Schrift wiedergegeben. Wir haben uns beide gefragt: Warum hat man hier nicht gleich auf Griechisch geschrieben, dann erkennt man doch die Wörter viel leichter?

Xenia und Karoline

Alltag

Wenn Text einer Sprache in anderer Schrift geschrieben ist, dann ist anzunehmen, dass dies der besseren und schnelleren Lesbarkeit diente. In diesem Fall wollten also lateinischsprachige Menschen den auf Griechisch geschriebenen Text wortgetreu rezitieren (auch ohne ihn wirklich zu verstehen). Dieses Phänomen findet sich häufig in liturgischen Handschriften. Für die Forschung ist dies ein hochspannendes Indiz für das Zusammenleben von Menschen aus verschiedenen Sprachen und Kulturen.
 

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Im Sakramentar Kat.-Nr. 115 wird griechischer Inhalt mit lateinischer Schrift wiedergegeben. Wir haben uns beide gefragt: Warum hat man hier nicht gleich auf Griechisch geschrieben, dann erkennt man doch die Wörter viel leichter?

Xenia und Karoline

Alltag

Welche Bedeutung hat der Name "Blacherne"?

Doris Sutter

Alltag

In byzantinischer Zeit hiess ein ganzes Stadtviertel in Konstantinopel ‘Blachernai’. Der wohlklingende Name hat keine Wortbedeutung in der griechischen Sprache. Eigentlich schade!

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Welche Bedeutung hat der Name "Blacherne"?

Doris Sutter

Alltag

Welche Bedeutung (welchen Einfluss) hat Byzanz für das österreichische Zivilrecht?

Walter Langer

Wissenswertes

Kaiser Justinian I. veranlasste in den Jahren 528-534 n. Chr. die Sammlung und Ordnung von Gesetzen römischer Kaiser und eine umfassende Kompilation des klassischen römischen Rechtes (aus den ersten nachchristlichen Jahrhunderten). Das Ergebnis dieser Arbeiten, die - viel später - unter dem Namen Corpus Iuris Civilis zusammengefassten Werke (Institutionen, Digesten, Codex Iustinianus, Novellen) sind die Grundlage des kontinentaleuropäischen Zivilrechts und seiner neuzeitlichen Kodifikationen. Auch das Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch (ABGB) aus dem Jahre 1811 basiert so auf klassischem römischen Recht.

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Welche Bedeutung (welchen Einfluss) hat Byzanz für das österreichische Zivilrecht?

Walter Langer

Wissenswertes

Welche byzantinischen Bauwerke sind noch erhalten ?

Dr. Gerda Huber

Wissenswertes

Die Liste von noch existierenden byzantinischen Bauwerken wäre doch recht lang. Es gibt in allen ehemaligen byzantinischen Provinzen mehr oder weniger fragmentär erhaltene byzantinische Bauwerke. Hier vor allem in Griechenland, auf Zypern, in Italien, vereinzelt in Spanien und ganz besonders in der Türkei aber auch in der Levante. Oftmals haben sich vor allem im späteren Osmanischen Reich Sakralbauten erhalten, da die Osmanen diese Bausubstanzen gern adaptiert haben und diese zu Moscheen umgewidmet haben. Allein im heutigen Istanbul kann man doch recht viel der einstigen byzantinischen Pracht erahnen. So zum Beispiel die Hagia Sophia, die Hagia Irene, die Mouchlitiossa Kirche (übrigens die einzige Kirche in Konstantinopel, die nicht abgetragen oder zur Mosche umgewandelt wurde). Man kann aber auch die Reste der Theodosianischen Stadtmauer sehen oder das Hippodrom, daneben einige Klöster wie das Pantokratorkloster (heutige Zeyrek-Moschee) oder auch Zisternen wie Yerebatan Sarnıcı, auch Yerebatan Sarayı ("Versunkener Palast", westlich der Hagia Sophia). Auch ein Palast aus dem 13. Jahrhundert hat sich Instanbul erhalten. Der so genannte Porphyrogennetos Palast (heute Tekfur Palast), welcher von den Osmanen als Menagerie genutzt wurde. Byzantinische Architektur kann man aber auch in Italien erkunden. Insbesondere Ravenna kann mit prächtigen Kirchen aufwarten. So ist hier vor allem die Kriche San Vitale als herausragendes Beispiel byzantinischer Mosaikkunst zu nennen.

Auch in Österreich kann man Auswirkungen byzantinischer Architektur entdecken. Im Zeitalter des Historismus im 19. Jahrhundert wurden gerne antike Stile und Bauformen rezipiert. So wirkt Beispielsweise der Innenraum der Kirche am Steinhof dem byzantinischen Stil nachempfunden oder auch die Evangelische Kirche am Matzleinsdorfer Friedhof (erbaut von Theophil Hansen) sowie auch die griechisch-orthodoxe Katehdrale zur Hl. Dreifaltigkeit am Fleischmarkt (in der heutigen Erscheinungsform ebenfalls von Theophil Hansen geplant).

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Welche byzantinischen Bauwerke sind noch erhalten ?

Dr. Gerda Huber

Wissenswertes

Wie war es für Konstantinopel möglich, Venedig zu halten? Unter Anbetracht der Distanz. (~700 n.Chr.)

Paul Herzog

Geschichte

Man darf sich die byzantinische Oberhoheit über die Gebiete in der äußersten Peripherie sehr locker vorstellen. Byzantinische Militärpräsenz gibt es zwischen ca. 600 und 800 im Bereich der Lagune kaum. Praktisch ist es so, dass die byzantinischen Kaiser ihren Einfluss in diesen Randgebiete - sofern strategisch wertvoll - durch Kooperation mit den lokalen Anführern (Vergabe von Geschenken,Titeln) sicherten. Die Venezianer wiederum haben die kaum belastende byzantinische Oberhoheit akzeptiert, solange die Vorteile überwogen. Um 800 gibt es die letzte byzantinische militärische Intervention in der oberen Adria - weil die expandierenden Franken drohten, ihrerseits die Vormachtstellung in diesem Raum zu übernehmen. Bereits kurz darauf kann man Venedig aber durchaus schon als völlig autonom betrachten.
 

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Wie war es für Konstantinopel möglich, Venedig zu halten? Unter Anbetracht der Distanz. (~700 n.Chr.)

Paul Herzog

Geschichte

Wo lagen die Gründe für den mannigfaltigen Opportunismus und das häufige Seitenwechseln der Byzantiner, beispielsweise während der Kreuzzüge? Wann büßten sie ihre militärische Schlagkraft ein?

Mat

Geschichte

Das byzantinische Reich war seit der Mitte des 11. Jahrhunderts angeschlagen. Thronkämpfe schwächten das Reich im Inneren; Militär wurde abgebaut, die einst ruhmreiche Flotte war praktisch nicht mehr vorhanden. Dazu kamen ständige Mehrfrontenkriege (ab den 1070ern gegen die Seldschuken im Osten und gegen die Normannen im Westen). Um zu überleben, mussten unter größtem finanziellen Aufwand Söldner engagiert werden - auch Ritter mit ihrem Gefolge. Der "Opportunismus" der Byzantiner war nicht immer selbst gewählt. Von Anfang an gerieten die Byzantiner häufig zwischen die Interessen der Kreuzfahrer und der muslimischen Mächte. Die byzantinische Politik ging traditionell den ökonomischsten Weg und das schloss Bündnisse auch mit Muslimen oder das Rekrutieren ihrer Kämpfer mit ein - völlig zum Unverständnis der radikalisierten Kreuzfahrer. Sogar Waffenstillstände legten die Ritter den Byzantinern als Verrat aus. Viele andere westliche Vorwürfe waren einfach die Folge von unglücklichen Missverständnissen. Ein wirkliches byzantinisch-muslimisches Bündnis entstand erst im Vorfeld des 3. Kreuzzugs - nur muss man fairerweise sagen, dass die Byzantiner mit ihren westlichen "Glaubensbrüdern" zu diesem Zeitpunkt schon häufig äußerst schlechte Erfahrungen gemacht hatten und eine gemeinsame christliche Front schon mehrfach gescheitert war (wofür beide Seiten verantwortlich waren).

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Wo lagen die Gründe für den mannigfaltigen Opportunismus und das häufige Seitenwechseln der Byzantiner, beispielsweise während der Kreuzzüge? Wann büßten sie ihre militärische Schlagkraft ein?

Mat

Geschichte

Gegen welche Religion richteten sich die Kreuzzüge?

Anonym

Geschichte

Die Kreuzzüge dienten primär dem Ziel, das Heilige Land unter christliche (=römisch-christliche) Kontrolle zu bringen, um bei der Zugänglichkeit der heiligen Stätten nicht vom Wohlwollen muslimischer Obrigkeiten abhängig zu sein. Die "bewaffneten Pilgerfahrten", die dies bewirken sollten, waren dementsprechend massiv antiislamisch ausgerichtet und radikalisiert. Sobald die Kreuzfahrer im Heiligen Land etabliert waren, kam es aber durchaus auch zu friedlicher Koexistenz und sogar Bündnissen mit muslimischen Mächten. Im
Schatten der Kreuzzüge verschlechterten sich aber auch die Beziehungen zwischen der immer selbstbewusster auftretenden katholischen Kirche und der griechischen Orthodoxie.

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Gegen welche Religion richteten sich die Kreuzzüge?

Anonym

Geschichte

Die Ausschmückung der Kathedrale in Ravenna erinnert mich ganz stark an die gezeigten byzantinischen Darstellungen. Was gibt es über die Rolle Ravennas im Zusammenhang mit Byzanz zu sagen?

Norbert Rossak

Wissenswertes

Ravenna hat eine lange spätrömische und frühbyzantinische Tradition, die durch Justinian in der Mitte des 6. Jhs. nochmals einen sagenhaften Aufschwung erfuhr. So entstanden bedeutende Bauwerke, wie San Vitale mit seinen beeindruckenden Kaisermosaiken. Den historische Hintergrund bildet die Rückeroberung Ravennas (und ganz Italiens) von den Ostgoten. Ravenna bleibt auch in der Folgezeit (bis 751) Hauptstadt der byzantinischen Besitzungen in Italien. Somit verwundert der Bezug und der Rückgriff auf die byzantinische Formsprache hier nicht.
 

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Die Ausschmückung der Kathedrale in Ravenna erinnert mich ganz stark an die gezeigten byzantinischen Darstellungen. Was gibt es über die Rolle Ravennas im Zusammenhang mit Byzanz zu sagen?

Norbert Rossak

Wissenswertes

Ich habe einmal gehört/gelesen, dass die 2 Anfangsworte des bekannten Kinder-Einschlaf-Liedes "Heia popeia, was raschelt im Stroh" auf eine Verballhornung eines ursprünglich griechischen Lied-Textes zurückgeht?

Eva Maria Teja Mayer

Wissenswertes

Mitunter liest man auch noch in rezenter Literatur, dass das bekannte Wiegen-  bzw. Einschlaf-Lied „Heidschi-bumbeidschi“ bzw. „Eia popeia“ auf griechischen Ursprung zurückzuführen sei und im Zuge der Präsenz der byzantinischen Prinzessinnen am Babenbergerhof nach Österreich gekommen sei.
Das ist ein Mythos und daher völlig auszuschließen: „Heidschi bumbeidschi“ stellt keine Verballhornung von griechischem „eude pai mou“ dar (ganz abgesehen davon, dass diese griechische Wendung im Griechischen des 12. Jahrhunderts nicht so verwendet worden wäre).
Es handelt sich bei dem Lied vielmehr um eine Volksweise, die ab dem 17./18. Jh. in verschiedenen Bereichen des deutschen Sprachraums auftaucht und in verschiedenen Varianten überliefert ist. Aber ein griechischer Ursprung ist zu 100% abzulehnen.
 

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Ich habe einmal gehört/gelesen, dass die 2 Anfangsworte des bekannten Kinder-Einschlaf-Liedes "Heia popeia, was raschelt im Stroh" auf eine Verballhornung eines ursprünglich griechischen Lied-Textes zurückgeht?

Eva Maria Teja Mayer

Wissenswertes

Meines Wissens stammt der russische Doppeladler direkt von einer der Töchter des letzten byzantinischen Kaisers (oder einer anderen nahen weiblichen Verwandten des Kaisers), die nach Moskau verheiratet wurde - stimmt das?

Thomas Schuller-Götzburg

Wissenswertes

Tatsächlich führten die Palaiologen, die zwischen 1258 und 1453 als letzte Kaiserdynastie das Byzantinische Reich beherrschten, den Doppeladler in ihrem Wappen; bis heute ziert er die Flagge des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel. Das Motiv ist allerdings viel älter und findet sich schon um 2000 v. Chr. im Alten Orient. Nach der osmanischen Einnahme Konstantinopels bzw. der Eroberung der noch byzantinischen Peloponnes 1460 flohen verschiedene Angehörige der Palaiologen-Familie in den Westen, darunter auch der Bruder des letzten Kaisers Konstantin XI., Thomas Palaiologos. Er gelangte über Korfu nach Rom, wo er 1465 verstarb. Danach übernahm der zuvor 1439 zur Westkirche übergetretene, aus Trapezunt stammende Kardinal Bessarion die Vormundschaft über die 1448 geborenen Tochter des Thomas, Zoë (Sophia) Palaiologina. Um ihre Hand warben 1472 Gesandte des Großfürsten Iwan III. von Moskau, wohin Zoë im Juli dieses Jahres abreiste; im November 1472 wurde die Hochzeit gefeiert, und Zoë nahm den Namen Sophia an. Sie herrschte dann bis zu ihrem Tod 1503 an der Seite ihres Mannes. Ab 1487 führte der Großfürst von Moskau auch den Doppeladler auf seinem Siegel; inwieweit allerdings Sophia direkt an dieser Übernahme beteiligt war oder das Motiv nicht auf anderem Weg schon davor nach Russland gelangt war, ist jedoch umstritten. Den Zaren (also „Kaiser“-)Titel nahm dann erst Iwan IV. „der Schreckliche“ im Jahr 1547 an.
 

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Meines Wissens stammt der russische Doppeladler direkt von einer der Töchter des letzten byzantinischen Kaisers (oder einer anderen nahen weiblichen Verwandten des Kaisers), die nach Moskau verheiratet wurde - stimmt das?

Thomas Schuller-Götzburg

Wissenswertes

Wie kann man die Erfahrungen aus BYZANZ und der WESTEN auf die heutige Zeit übertragen?

Rudolf Trautendorfer, MA

Geschichte

Diese Frage lässt sich in der Kürze schwierig beantworten, weil die über 1000-jährige gemeinsame Geschichte so viele verschiedene Aspekte beinhaltet, die sich übertragen ließen. Auf sehr allgemeiner Ebene sieht man wunderbar, wie Vorurteile und kleinere Dispute damals wie heute von Leuten instrumentalisiert wurden, die ihre eigenen Ziele verfolgten. So rechtfertigten die Kreuzfahrer die Plünderung 1204 auch damit, dass die Byzantiner ja stets die Kreuzzüge sabotiert hätten - was aber nichts anderes als "fake news" waren, die sich seit 100 Jahren hartnäckig gehalten hatten. Was man von den Byzantinern selbst mitnehmen kann, ist ihre Anpassungsfähigkeit und Flexibilität, ihre "oikonomia". Die kulturellen Grundpfeiler (römische Tradition, Christentum) sind fest verankert, aber alles andere ist verhandelbar. Auch im Kontakt mit "Fremdem" pflegten die Byzantiner eine ganz pragmatische Toleranz und damit eine für Leute aus dem Westen ungewohnte Offenheit. Der Fanatismus der Kreuzritter war den Byzantinern fremd - sie waren seit Jahrhunderten an der Schnittstelle der Kontinente gewöhnt, Feinde mit anderer Religion zu haben. Im Reich selbst lebten unzählige verschiedene Völker zusammen, in Konstantinopel gab es sogar lateinische Wohnviertel, Moscheen und jüdische Gemeinden. Das wäre im Westen zu dieser Zeit kaum denkbar gewesen.

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Wie kann man die Erfahrungen aus BYZANZ und der WESTEN auf die heutige Zeit übertragen?

Rudolf Trautendorfer, MA

Geschichte

Warum werden die Slaven in der Ausstellung ignoriert?

Jarmila Hanuska

Ausstellung

Die Beziehungen zwischen Byzanz und den slawischen Kulturen wären selbstverständlich ein faszinierendes Thema, das sich eine eigene Ausstellung verdienen würde. Dass diese Thematik bei uns keinen Platz gefunden hat, ist keineswegs einer allfälligen Geringschätzung geschuldet. Sie werden bemerkt haben, dass auch die Beziehungen nach Skandinavien, Britannien oder Spanien keinen Platz gefunden haben, weil wir das Thema eingrenzen mussten - auch weil die Zahl der Leihgeber sonst enorm angestiegen wäre. Um den langen Zeitraum für die Besucher leichter fassbar zu machen, haben wir uns in der Tat schwerpunktmäßig auf die Räume Frankreich/Heiliges Römisches Reich/Italien/Griechenland/Heiliges Land konzentriert. Die Schwerpunktsetzung hat schlussendlich auch mit den Forschungsprojekten zu tun, die aktuell in Wien und Mainz betrieben werden. Was die Kartengestaltung betrifft, so gilt erneut, dass wir meistens nur die großen Machtblöcke eingezeichnet haben, die für das konkrete Verständnis der Texte nötig sind. Das Medium Ausstellung birgt natürlich immer das Problem, dass man Sachverhalte meist sehr grob vereinfachen muss.

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Warum werden die Slaven in der Ausstellung ignoriert?

Jarmila Hanuska

Ausstellung

Woher haben wir die Infos und Gegenstände?

Johanna

Ausstellung

Byzantinische Gegenstände gelangten phasenweise geradezu massenhaft in den Westen und prägten dort die Vorstellung von der Pracht des byzantinischen Kaiserhauses. In Konstantinopel gab es unendlich viel zu bewundern, und der Westen hatte ja nach der Demontage der römischen Staatlichkeit großen Aufholbedarf. Der Westen stagnierte, der Osten glänzte. Kunstgegenstände, Schmuck, Seide und Reliquien gelangten von Konstantinopel in die Machtzentren des Westens; bis in das 7. Jahrhundert verzeichnete man in einigen Regionen sogar eine flächendeckende Versorgung mit byzantinischen Waren. Doch im Spätmittelalter wendete sich das Blatt. Die Eroberung Konstantinopels durch die Ritter und Bischöfe des Vierten Kreuzzuges im Jahr 1204 bedeutete einen Bruch in der byzantinischen Geschichte. Zwar hatten schon zuvor die Venezianer, Genuesen und andere italienische Städte Handelsniederlassungen in Byzanz besessen, doch jetzt gründeten die Eroberer kleine und größere Reiche nach westlichem Vorbild.

Das Lehenswesen hielt Einzug, Ritterromane, frühgotische Architektur und Bilder mischten sich mit byzantinischen Traditionen. Zwar konnten die Byzantiner 1261 die Lateiner wieder aus Konstantinopel vertreiben, die Zeit der Supermacht war aber endgültig vorbei. Kunst und Literatur erlebten eine zweite Blüte, doch bald regierte der byzantinische Kaiser nur mehr von osmanischen Gnaden. Informationen werden auch durch Reisende transportiert. Im Römischen Reich spielte die Mobilität eine bedeutende Rolle. Militärische Einheiten wurden oft verlegt. Händlernetzwerke reichten bis Ostasien, weit in den afrikanischen Süden, bis Irland und an die Nordsee. Pilger scheuten nicht die monatelange Reise zu den heiligen Stätten Palästinas, Anatoliens und Ägyptens. Sofern sie nicht am Ziel ihrer Reise blieben, wie es oft genug vorkam, brachten sie Informationen über fremde Länder in die Heimat zurück, dazu Waren aller Art, von Wein und Datteln über feine Textilien und Schmuck bis zu Pilgerandenken. Manche westliche Adelige wechselten in die andere Welt: Im Hochmittelalter galt es als das Größte, in das byzantinische Kaiserhaus einzuheiraten. Theophanu, die Ehefrau Kaiser Ottos II., löste im heutigen Deutschland eine regelrechte Byzanz-Euphorie aus.

Die „1000 vergessenen Jahre“ sind natürlich eine bewusste Übertreibung. Heute wissen wir bereits sehr viel darüber, wie das Byzantinische Reich Europa und den Orient geprägt hat. Dennoch gibt es auch in der Forschung noch viel zu tun, da die wissenschaftliche Beschäftigung mit Byzanz (sowohl philologisch als auch historisch) erst um etwa 1900 einsetzte. Dieser Rückstand auf die westliche Mediävistik wurde in manchen Bereichen bis heute nicht aufgeholt. Was ebenso hinderlich war: Meist aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse hat auch die westliche Mittelalterforschung sehr spät Byzanz als Faktor für die Entwicklung des lateinischen Europa entdeckt. Umgekehrt waren und sind viele Byzantinistinnen und Byzantinisten eher auf den Osten fokussiert. Gerade bei der Erforschung der Beziehungen zwischen dem griechischen Osten und dem lateinischen
Westen ist daher auch in Zukunft noch viel zu tun. Die „vergessenen“ Jahre beziehen sich aber weniger auf den teils noch lückenhaften Zustand der Forschung, sondern auf das Phänomen, dass ein 1000-jähriges europäisches Großreich im Bewusstsein der breiteren Bevölkerung überhaupt nicht präsent ist. Das ist zum Teil der Schulbildung geschuldet: Der Unterricht konzentriert sich (verständlicherweise) nach dem Fall Roms zunehmend auf die Geschichte Mittel- und Westeuropas. Byzanz ist in den meisten Schulbüchern nur einen kurzen Exkurs wert und steht damit auf einer Stufe mit dem alten China, Japan oder Afrika und ähnlichen Exkursen dazu. Auch in breitenwirksamen Medien (Film, Belletristik) ist Byzanz trotz eines großen Marktes für historische Inhalte nicht sehr präsent. In den vergangenen Jahren gab es zumindest mehrere Fernseh-Dokumentationen und eine Reihe von Ausstellungen im deutschen Sprachraum, die allesamt nur das Thema „Byzanz“ an sich, nicht aber explizit die Geschichte der Ost-West-Beziehungen behandelten. 

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Woher haben wir die Infos und Gegenstände?

Johanna

Ausstellung

Welche Bedeutung hat die Orgel in dieser Ausstellung?

Christian Landerl

Ausstellung

Die Orgel, die man in der Ausstellung sehen kann, ist eine wissenschaftliche Rekonstruktion einer byzantinischen Doppelorgel.

Laut Schriftquellen wurde die Orgel im 3. Jahrhundert v. Chr. von einem Ingenieur namens Ktesibios im heutigen Ägypten erfunden. In der römischen Antike diente sie vor allem der musikalischen Umrahmung von Sportveranstaltungen und wurde außerdem im Theater, in der Arena und in Byzanz bis in das 7. Jahrhundert im Zirkus eingesetzt. Im mittelalterlichen Byzanz kam der Orgel hoher Stellenwert im Hofzeremoniell zu. Das Instrument spielte auch eine große Rolle beim Kulturtransfer sowie in der Diplomatie. Als Staatsgeschenk gelangten Orgeln an den karolingischen Königshof. Spätestens im 9. Jahrhundert ließ der Aachener Hof in Eigeninitiative eine Orgel bauen. Das trug dazu bei, das eigene Prestige an das des Ostens anzugleichen. Textstellen aus der Mitte des 10. Jahrhunderts lassen erstmals auf eine Verwendung der Orgel in der Liturgie schließen. Diese Praxis scheint sich im 14. Jahrhundert vollständig etabliert zu haben. Allerdings blieb der Orgelgebrauch in der Kirche ausschließlich auf den Westen beschränkt. Dieser spielbare Nachbau einer Orgel wurde vorrangig nach Bild- und Textquellen des Mittelalters entworfen und konstruiert; dabei flossen auch Informationen aus älteren archäologischen Funden der Antike ein. Im Rahmen der Experimentellen Archäologie dienen solche Rekonstruktionen, Nachbauten oder auch Modelle in der Regel der Klärung einer oder mehrerer klar definierter Fragen bzw. Thesen, werden also innerhalb von Testreihen und Versuchen verwendet.

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Welche Bedeutung hat die Orgel in dieser Ausstellung?

Christian Landerl

Ausstellung

Waren alle Kaiser griechisch-orthodox?

Anonym

Kaiser

Die christliche Religionszugehörigkeit der byzantinischen Kaiser war seit dem späten vierten Jahrhundert nicht nur üblich, sondern wurde auch eine Grundvoraussetzung für die Erlangung der Kaiserwürde. Seit dem späten fünften Jahrhundert musst der Kaiser ein eigenhändig geschriebenes Bekenntnis zur Orthodoxie, d.h. zum Glauben der 318 Väter des Konzils von Nikaia, vorlegen, bevor der Patriarch die Krönungszeremonie durchführte. Während der 57 Jahre der Lateinerherrschaft (1204 bis 1261), wurde der Kaiserthron und Kaisertitel in Konstantinopel, ebenso wie das Patriarchenamt und - titel, von westlichen Herrschern beansprucht, die in Kirchenunion mit Rom standen, also nach heutigem Sprachgebrauch "katholisch" waren.

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Waren alle Kaiser griechisch-orthodox?

Anonym

Kaiser

Wie lautet der vollständige Titel des byzantinischen Kaisers?

Heinrich

Kaiser

Die Titulatur erfuhr im Lauf der Zeit diverse Veränderungen. Unter Kaiser Herakleios (610-641) reduzierte zunächst die komplizierte römisch-lateinische Titulatur zum griechischen Begriff "Basileus", der ursprünglich nur "König" bedeutete, nun aber dem Kaiser vorbehalten war. Später wurde die Titulatur wieder ausgebaut und lautete auf Urkunden schließlich: (en christo to theo pistos) basileus kai autokrator rhomaion N.N., d.h. "(der in Christus dem Herrn fromme) Kaiser und Alleinherrscher der Römer N.N.".

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Wie lautet der vollständige Titel des byzantinischen Kaisers?

Heinrich

Kaiser

Hatte Arn von Salzburg irgendwelchen persönlichen Kontakt zu Byzanz? Gab es vorher Kontakte von Arn zu Byzanz - z. B. mit bzw. über einen byzantinischen Gesandten?

Willi Reichhold

Geschichte

Arn, vormals Abt der bedeutenden Abtei Saint-Amand (im heutigen Nordfrankreich) und seit 785 Bischof von Salzburg, war eine wichtige Persönlichkeit der Zeit Karls des Großen und danach (bis zu seinem Tod 821). Im Jahr 798 erreichte er anlässlich eines Rombesuchs bei Papst Leo III. die Erhebung Salzburgs zum Erzbistum und begleitete auch Karl 799 nach Rom und war bei der Kaiserkrönung am 25. 12. 800 anwesend. Dieser Akt führte tatsächlich zu heftigen diplomatischen Verwicklungen mit Konstantinopel, das den Alleinanspruch auf das römische Kaisertum vertrat. Erst im Jahr 812 fand man (vorerst) einen Kompromiss, indem Gesandte des byzantinischen Kaisers Michael I. Karl den Großen als „Kaiser“ (griech. basileus) ansprachen, allerdings nicht „der Römer“ (also gleichsam als persönliches Rangattribut Karls ohne Anerkennung seines Anspruchs auf das universelle römische Kaisertum). In diesen diplomatischen Austausch war Arn von Salzburg jedoch nicht involviert; ob er im Umfeld Karls auf byzantinische Gesandte traf, ist ebenfalls nicht überliefert. Einen indirekten Byzanz-Bezug stellt allerdings die in seinem Umfeld um 800 entstandene lateinische Handschrift Codex Latinus 418 der Österreichische Nationalbibliothek dar, die (in lateinischer Übersetzung) die Akten und Beschlüsse des Sechsten Ökumenischen Konzils, das 680/681 in Konstantinopel stattfand, enthält.

Zu einer direkten Konfrontation Salzburgs mit Vertretern der byzantinischen Kirche kam es dann 870, als Erzbischof Adalwin von Salzburg (859–873) gemeinsam mit Bischof Hermenrich von Passau (866–874) und Bischof Anno von Freising (854–875) den Missionar Methodios (Bruder des mittlerweile verstorbenen Kyrill) und seine 20 Begleiter auf dem Weg aus dem Großmährischen Reich nach Rom gefangen nehmen ließen, da sie angesichts der Mission aus Konstantinopel um ihren kirchlichen Einfluss im östlichen Grenzraum des fränkischen Reiches fürchteten. Methodios und seine Gefährten wurden auf einer Kirchenversammlung in Regensburg dann formell verurteilt und bis 873 im Kloster Reichenau im Bodensee in Haft gehalten.

 


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Hatte Arn von Salzburg irgendwelchen persönlichen Kontakt zu Byzanz? Gab es vorher Kontakte von Arn zu Byzanz - z. B. mit bzw. über einen byzantinischen Gesandten?

Willi Reichhold

Geschichte

Was finden Sie so interessant an diesem Thema und wieso haben Sie genau dieses Thema jetzt (2018) ausgewählt? Also verstehen Sie mich nicht falsch. Es ist interessant, aber wieso genau dieses Thema?

Nele Heldrich

Ausstellung

Tatsächlich gibt es natürlich unendlich viele Themen, die sich für Großausstellungen eignen und sicher auch ihr Publikum finden würden. Aber mit dem Byzantinischen Reich und seiner Kultur haben wir ein gewaltiges Kapitel der europäischen Geschichte angepackt, das fast vollständig aus dem Blick gekommen ist. So war für uns die Ausstellung "Byzanz und der Westen" die logische Fortsetzung der erfolgreichen Schau von 2012. Gleichzeitig führt die Ausstellung vor, wie vielfältige Kommunikationsprobleme zwischen Staaten, Kulturen und Gesellschaften zur Entfremdung, ja zur Katastrophe führen können. Der Fingerzeig auf das Mittelmeer als riesiger Begegnungsraum der römischen und - zeitweise - auch der byzantinischen Zivilisation verweist aber auch auf unsere historische Verantwortung  auch für den Nahen Osten und Nordafrika. Natürlich war es für uns auch entscheidend, dass wir heuer aktuelle Forschungsergebnisse aus Archäologie und Byzantinistik vorstellen können.

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Was finden Sie so interessant an diesem Thema und wieso haben Sie genau dieses Thema jetzt (2018) ausgewählt? Also verstehen Sie mich nicht falsch. Es ist interessant, aber wieso genau dieses Thema?

Nele Heldrich

Ausstellung

Hätte die Renaissance ohne den Fall Konstantinopel stattgefunden? Denn was ich erfahren habe, sind viele Gelehrte und Dokumente nach der Eroberung Konstantinopels nach Italien gekommen.

Peter Düringer

Wissenswertes

Schon im 14. Jahrhundert intensivierte sich in Italien das (nie erloschene) Interesse an der Antike und den Texten der Griechen und Römer; als einer der Initiatoren der „Wiederbelebung“ der Antike gilt Francesco Petrarca (1304-1374) aus Arezzo in der Toskana. Auch sonst wurde diese Region zu einem Zentrum des „Humanismus“, insbesondere mit Florenz, wo sich bereits 1397 der aus Konstantinopel kommende Gelehrte Manuel Chrysoloras niederließ und begann, Griechisch zu unterrichten. Er ist ein Beispiel für jene Gelehrte aus Byzanz, die schon in den Jahrzehnten vor der Eroberung 1453 den Weg nach Italien fanden. Die seit dem späteren 14. Jh. prekäre politische und wirtschaftliche Lage des Byzantinischen Reiches angesichts der osmanischen Expansion war zwar sicher ein Faktor, der solche Migrationen mitmotivierte; der Fall Konstantinopels 1453 war aber nicht der Auslöser oder gar notwendige Bedingung der Wanderung von Gelehrten und Texten.  Wichtiger waren das neuerweckte Interesse im Westen und die Bereitschaft zumindest eines Teils der byzantinischen Intellektuellen, mit ihren Kollegen in Italien zusammenzuarbeiten bzw. ihr Wissen weiterzugeben.

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Hätte die Renaissance ohne den Fall Konstantinopel stattgefunden? Denn was ich erfahren habe, sind viele Gelehrte und Dokumente nach der Eroberung Konstantinopels nach Italien gekommen.

Peter Düringer

Wissenswertes

Warum ist im Solidus des Theudebert das Portrait mit einem Pfeil von links unten nach rechts oben geprägt?

Anonym

Ausstellung

Bei genauerer Betrachtung lässt sich dieser vermeintliche Pfeil, den Sie ansprechen, als Speer erkennen.

Der Soldidus, der in der Ausstellung zu sehen ist, zeigt eine Büste des Theudebert mit Helm, geschultertem Speer und Schild (darauf Jagdszene) in Dreiviertelansicht. In der Vorderansicht ist die Siegesgöttin Victoria bzw. ein Engel stehend dargestellt; sie / er hält einen Kreuzstab in der Rechten und einen Kreuzglobus in der Linken.
In den germanischen Königreichen wurde das spätrömische Münzwesen beinahe unverändert beibehalten: Man prägte Goldmünzen mit standardisierter Kaiserbüste und aktueller Kaisertitulatur über Jahrzehnte bis ins kleinste Detail nach. Der Wendepunkt in dieser Phase der Imitatio kam erst, als Austrasiens fränkischer König Theudebert (reg. 533–548) und dessen Nachfolger Goldmünzen, die bis dahin dem Kaiser vorbehalten gewesen waren, auf ihren eigenen Namen zu prägen begannen. Das muss hohe Wellen geschlagen haben. So berichtete der byzantinische Historiker Prokop („Gotenkriege“, III,33), die Frankenkönige würden „aus gallischem Gold eine Münze“ prägen, „welche nicht, wie es sich gehört, das Bildnis des Kaisers, sondern ihr eigenes zeigt“. Tatsächlich übernahm Theudebert das traditionelle Kaiserbildnis in Dreiviertelansicht, das nach Anpassung der Umschrift nun als seine eigene Büste wahrgenommen werden sollte. Diese Münzen lassen somit das Ausmaß der Selbstbehauptung und den Umfang der Macht erahnen, die die fränkischen Herrscher für sich beanspruchten.

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Warum ist im Solidus des Theudebert das Portrait mit einem Pfeil von links unten nach rechts oben geprägt?

Anonym

Ausstellung

Auf einem prunkvollen goldenen Evangeliar findet sich unten der Schriftzug: SCA MENNA. Gab es eine hl. Menna oder ist das wohl ein Irrtum, und es war der hl. Menas gemeint?

Gisela Egelkraut

Ausstellung

Sie haben sich das prunkvolle Evangeliar von Poussay sehr genau angesehen. Die Elfenbeintafel, die den Buchdeckel des Evangeliars von Poussay schmückt, ist eines von zahlreichen Beispielen für die halbfigurige Hodegetria-Darstellung auf der Mitteltafel eines Triptychons. Der bekannte, auf das Konstantinopeler Gnadenbild zurückgehende Bildtypus variiert allenfalls geringfügig in der Figurenhaltung und Gestik oder in der Ausführung. Hier fällt das feine, jugendliche Anlitz Mariens auf. 
Das stoffreiche Gewand hingegen, das virtuos in vielen feinen Falten herabfällt, erweckt einen matronenhaften Eindruck. Die Figurengruppe wird von einem auf zwei seitlichen Säulen ruhenden Bogen überfangen, der einen Baldachin als Hoheitsarchitektur andeutet. Der mit vergoldeter Silbertreibarbeit und Edelsteinen verzierte Rahmen zeigt neben dem thronenden Christus Heiligenfiguren, die in Beziehung zur Abtei Poussay stehen. Dort wurde das Elfenbeinrelief wohl im dritten Jahrzehnt des 11. Jahrhunderts anlässlich der Abteigründung ausgewählt, um die zirka 990 ausgestattete Reichenauer Handschrift zu schmücken.
Die rechte Figur neben dem Elfenbeinrelief ist eine Abbildung des Hl. Andreas. Ihm gegenüber auf der linken Seite, ist der Hl. Petrus zu sehen. Gegenüber des thronenden Christus findet sich eine Darstellung der Hl. Menna. (franz. Menne) Die Hl. Menna wird in der Gegend von Lothringen sehr verehrt. Sie lebte als Nonne zur Zeit des Kaisers Flavius Claudius Iulianus (reg. 360 - 363), dessen strikte Politik zu einigen heftigen Übergriffen auf Christen führte. Menna soll im Zuge eines solchen Übergriffes den Märtyrertod gestorben sein. Im deutschsprachigen Raum ist sie eher unbekannt. Ihr Todestag war der 3. Oktober 362, aber ihr Gedenktag wurde auf 15. Mai verschoben, weil ihre Gebeine an einem 15. Mai der Abtei von Poussay übergeben worden sein sollen.
Den Irrtum, den Sie aber ansprechen, haben aber auch einige Gelehrte im 19./ 20. Jh. angenommen. So stand auch die Theorie im Raum, dass aus dem Hl. Menas in der Heiligenvererhrung im Westen eine Frau gemacht wurde, weil man die griechische Endung nicht als Maskulinendung identifizierte und daher aus Menas eine Heilige Menna wurde. Allerdings gibt es im römischen Pantheon auch die Göttin Mena, wovon sich der Name der Heiligen ableiten könnte.

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Gisela Egelkraut

Ausstellung

Bei der "Entschlafung Mariens" wird die Seele er verstorbenen Maria als kleines Baby dargestellt. Lässt sich da ein Transfer dieses Motives nachweisen, oder eine gemeinsame Wurzel der östlichen und westlichen Darstellungen?

Gisela Egelkraut

Wissenswertes

Man kann in gewisser Hinsicht bei einigen Bildmotiven tatsächlich Rückschlüsse auf einen Kulturtransfer ziehen. Die Darstellung des Marientodes (Koimesis) steht beispielhaft für die Übernahme byzantinischer Motive in das westliche Bildrepertoire. Vermittelt über Elfenbeinreliefs, hatte der Bildtypus der Koimesis kurz nach der ersten Jahrtausendwende Eingang in das Repertoire des Reichenauer Skriptoriums gefunden und war über die dort ausgestatteten liturgischen Handschriften in verschiedenen Reichsklöstern oder Kirchenschätzen bekannt geworden. Mit jeweils individueller inhaltlicher Akzentuierung verbreitete es sich schnell im Westen. Inwiefern die Koimesis-Darstellung auch die Ikonographie anderer Heiligendarstellungen beinflusst hat, kann aber nicht im Detail rekonstruiert werden. Einflüsse wird es wohl gegeben haben.
Auch das Figurenmotiv der Maria Hodegetria, das die Gottesmutter mit dem Christusknaben auf ihrem linken Arm zeigt und dessen Bezeichnung auf ein verehrtes Bild in einem Konstantinopeler Kloster zurückgeht, wurde wohl über Elfenbeinreliefs aus Byzanz in den Westen vermittelt.
Das 724 gegründete Benediktinerkloster auf der Bodenseeinsel Reichenau entwickelte sich im Lauf des 10. und 11. Jahrhunderts zu einem der bedeutendsten Zentren der Buchkunst. Die dort entstandenen Werke wurden auch für andere Klöster und Kirchen angefertigt, ihr Stil wurde in der Folge andernorts rezipiert und transformiert.

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Bei der "Entschlafung Mariens" wird die Seele er verstorbenen Maria als kleines Baby dargestellt. Lässt sich da ein Transfer dieses Motives nachweisen, oder eine gemeinsame Wurzel der östlichen und westlichen Darstellungen?

Gisela Egelkraut

Wissenswertes

Was mich an Byzanz immer fasziniert hat, sind die schillernden Goldhintergründe der Ikonen und Mosaike. Was bedeuten sie?

Petty

Wissenswertes

Der Goldgrund ist für byzantinische Ikonen und Mosaike sehr charakteristisch. Mit Goldgrund wurde zumeist die Flächigkeit des Dargestellten betont. Seit dem 4. Jh. verwendet man Gold als Ausdrucksmittel für die göttliche Transzendenz. Dadurch wird versucht eine raumlose Sphäre zu schaffen, die zugleich kostbar und feierlich anmutet. Zudem leuchtet das Gold aus sich selbst heraus, es symbolisiert das Licht. Die Vorstellung ist gewissermaßen, dass das "Heilige Element" aus dem Goldgrund hervortritt; Heiligenabbilder "leuchten" gewissermaßen aus sich selbst heraus. Man spielt hierbei mit der Erscheinung des göttlichen Lichts, von dem die Heiligendarstellung umgeben ist und sich geradezu abhebt. Ein Ikonenmaler hat sogar die Pflicht, diesen Effekt zu erzeugen. Diese Lichtwirkung wird auch "Offenbarungslicht" genannt. Auch die Tradition der russischen Ikonen geht letztendlich auf die byzantinische Ikonenmalerei zurück.

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Was mich an Byzanz immer fasziniert hat, sind die schillernden Goldhintergründe der Ikonen und Mosaike. Was bedeuten sie?

Petty

Wissenswertes

Welcher Historiker hat nach Gibbon erstmals ein positives Bild von Byzanz gezeichnet und wieso habe ich dennoch und trotz seiner Bedeutung für Europa in meiner (deutschen) Schule nichts über Byzanz gelernt?

Amateur

Wissenswertes

Die Beschäftigung mit Byzanz begann zwar bereits in der Renaissance mit Gelehrten wie Hieronymus Wolf (1516–1580) und erlebte eine frühe Blüte im absolutistischen Frankreich Ludwigs XIV. (reg. 1643–1715), der die Nachfolge der lateinischen Kaiser Konstantinopels für sich beanspruchte und sich für das Zeremoniell der spätrömischen Kaiser interessierte. Ausgerechnet in der Aufklärung ging das Interesse an Byzanz aber wieder verloren. Das Oströmische Reich galt Intellektuellen als Paradebeispiel eines korrupten Staates, in dem Religion und Politik allzu sehr miteinander verwoben waren. Maßgeblich war vor allem Edward Gibbons Monumentalwerk „The History of the Decline and Fall of the Roman Empire“ (1776–1789), das Byzanz als 1000-jährige epigonenhafte Verfallserscheinung des einstmalsgroßen Römischen Reiches charakterisierte. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Byzanz war damit bis zum Ende des 19. Jahrhunderts blockiert. Byzantinische Texte wurden ob ihrer mangelnden sprachlichen Reinheit gemieden, und archäologische Grabungen vernichteten auf der Suche nach der glorreichen Antike unzählige mittelalterliche Siedlungsspuren. Erst 1897 wurde in München der erste Lehrstuhl für mittelalterliche und moderne griechische Sprache und Literatur eingerichtet. Es war Karl Krumbachers große Leistung im Bereich der Klassischen Philologie und Alten Geschichte wieder deinen Forschungsfokus auf Byzanz zu richten, wodurch er die wissenschaftliche Disziplin der "Byzantinistik" etablieren konnte.

Mittlerweile sind auch einige Studien erschienen, die sich mit der Frage Byzanz in deutschsprachigen Schulbüchern und Lehrplänen auseinandersetzen. Besonders zu empfehlen ist der Artikel von Johannes Preiser-Kapeller und Philpp Dörler mit dem Titel "Justinian und die Osmanen. Byzanz im österreichischen Schulbuch von 1771 bis in die Gegenwart", erschienen im Buch "Byzanzrezeption in Europa: Spurensuche über das MIttelalter und die Renaissance bis in die Gegenwart", herausgegeben von Foteini Kolovou, 2012.

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Welcher Historiker hat nach Gibbon erstmals ein positives Bild von Byzanz gezeichnet und wieso habe ich dennoch und trotz seiner Bedeutung für Europa in meiner (deutschen) Schule nichts über Byzanz gelernt?

Amateur

Wissenswertes

Ich möchte wissen, ob das Patriarchenkreuz aus Byzanz stammt, und warum einige der barockisierten Kirchen in Wien (z.B. Alser Kirche, Schottenkirche, Bergkirche Rodaun) jenes auf ihren Kirchtürmen tragen.

Christian Tillinger

Wissenswertes

Man kann schon sagen, dass das Patriarchenkreuz, also die Form dieses Doppelkreuzes mit zwei horizontalen Balken, mit großer Wahrscheinlichkeit aus Byzanz kommt. Im Jahr 540 wurde die Stadt Apameia in Syrien von den Persern bedroht und nach kampfloser Aufgabe "nur" geplündert. Dass die Stadt nicht zerstört und ihre Bewohner somit verschont geblieben sind, führte man auf die sich bis zu diesem Zeitpunkt in der Stadt befindliche Reliquie des Heiligen Kreuzes zurück. Dieses wurde auf Grund seiner Wundertätigkeit dann durch Kaiser Justin II. nach Konstantinopel verbracht und eine Vielzahl von Kreuzpartikeln fanden als Reliquien ihren Weg ins Byzantinische Reich und darüber hinaus. In Zusammenhang mit diesem erstarkenden Kult um das Heilige Kreuz entwickelte sich vermutlich auch das Doppelkreuz, das in seiner Form an das Kreuz Christi erinnern soll.

Während Patriarchekreuze (Doppelkreuze) im ausgehenden 13. und frühen 14. Jh. seltener geschaffen wurden, lebte das Interesse an dieser Kreuzform in der  Folgezeit wieder auf: sie erscheinen auf Siegeln, als Abzeichen der Hospitaliter vom  Hl. Geist und als Attribute.
Die im Barock allgemein wieder auflebende Verehrung des Patriarchenkreuzes brachte eine Erweiterung des Schutzgedankens im Sinne der Gegenreformation mit sich, z. B. Schutz vor Unglauben bzw. Glaubensabfall, sowie neue Verbindungen des Doppelkreuzes, etwa mit dem Herz-Jesu-Kult oder auch als Andachtskreuz. Daher verwendet es nicht, wenn dieses Doppelkreuz bzw. Patriarchenkreuz auf den Türmen vieler barocker Kirchen im deutschsprachigen Raum erscheint.

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Ich möchte wissen, ob das Patriarchenkreuz aus Byzanz stammt, und warum einige der barockisierten Kirchen in Wien (z.B. Alser Kirche, Schottenkirche, Bergkirche Rodaun) jenes auf ihren Kirchtürmen tragen.

Christian Tillinger

Wissenswertes

Ab wann begann die Spaltung im Glauben - ab wann sprach man von zwei Konfessionen?

Walter Doringer

Alltag

Die Entfremdung von westlicher und östlicher Kirche begann unter Kaiser Justinian I. (reg. 527–565) und war unter anderem eine Folge der divergierenden kirchenpolitischen Interessen auf der Balkanhalbinsel. Schließlich unterstellte der byzantinische Kaiser Leon III. (reg. 717–741) Illyrien und Teile Süditaliens (Kalabrien, Sizilien) dem Patriarchat von Konstantinopel. Allerdings fielen die italienischen Diözesen durch politische und kirchliche Entwicklungen und aufgrund der räumlichen Entfernung im 11. Jahrhundert wieder an Rom. Durch den Aufstieg Konstantinopels zur neuen Hauptstadt des Imperium Romanum nahm dessen Erzbischof einen immer bedeutenderen Platz in der Oikoumene ein. Heute kennen wir den Erzbischof von Konstantinopel unter dem Titel „Erzbischof des Neuen Roms Konstantinopel und Ökumenischer Patriarch“. Dieser Titel hat sich in mehreren Etappen entwickelt: Ab dem Jahr 448 begegnet uns die Bezeichnung „Erzbischof des Neuen Roms Konstantinopel“. Zu Beginn des 6. Jahrhunderts taucht in zeitgenössischen schriftlichen Quellen schließlich der Titel „Erzbischof des Neuen Roms Konstantinopel und Ökumenischer Patriarch“ auf. Die Bezeichnung „Ökumenischer Patriarch“ wurde im 9. Jahrhundert unter dem berühmten Patriarchen Photios von Konstantinopel (im Amt 858–867, 878–886) zum offiziellen Bestandteil der Titulatur. In die Amtszeit des Patriarchen Michael Kerullarios von Konstantinopel (1043–1058) fiel der 16. Juli 1054 – jener Tag, an dem ein Gesandter Papst Leos IX. (im Amt 1049–1054) namens Humbert von Silva Candida nach anhaltenden Unstimmigkeiten zwischen Rom und Konstantinopel eine päpstliche Bannbulle auf dem Altar der Hagia Sophia in Konstantinopel niederlegte. Die Kirchenspaltung (Schisma) innerhalb der kirchlichen Oikoumene vollzog sich im Lauf der folgenden Jahrhunderte. Ihre Ursachen sind vielfältig. In der Forschung werden meist folgende Streitpunkte als Hauptgründe für den Bruch genannt: die Azymenfrage (die Verwendung von ungesäuertem bzw. gesäuertem Brot in der Kommunion), der Primat (die kirchliche Vorrangstellung innerhalb der Pentarchie), das Filioque (der Ausgang des Heiligen Geistes) und der Zölibat (die Ehelosigkeit der Priester). Die Vorgänge des Jahres 1054 stellten keine Zäsur in den Beziehungen zwischen Konstantinopel und Rom dar. Vielmehr handelte es sich um ein Ereignis in einer längeren Phase des Auseinanderdriftens, das sich nach 1054 stufenweise verstärkte. Die Eroberung Konstantinopels im Verlauf des Vierten Kreuzzugs 1204 sowie die Etablierung des lateinischen Kaiserreiches und des lateinischen Patriarchates von Konstantinopel haben zu einer tiefgreifenden Entfremdung beigetragen. Dennoch gab es – nicht zuletzt bedingt durch die rasante Expansion der Osmanen in Europa ab 1354 – vor allem vonseiten der byzantinischen Kaiserdynastie der Palaiologen starke Bestrebungen, in Unionsverhandlungen mit dem Papst in Rom und den lateinischen Mächten Mittel- und Westeuropas zu treten.

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Ab wann begann die Spaltung im Glauben - ab wann sprach man von zwei Konfessionen?

Walter Doringer

Alltag

War das Tragen purpurgefärbter Stoffe nur dem Kaiser vorbehalten oder gab es Zugeständnisse an Verwandte, hohe Beamte, etc? Gab es andere Farben, deren Verwendung in Byzanz mit bestimmten Ämtern oder Titeln verbunden waren?

Amateur

Kaiser

Als Farbe war Purpur nicht exklusiv dem Kaiser vorbehalten, aber einzelne Kleidungsstücke in dieser Farbe durften in der Tat nur vom Kaiser getragen werden. Dazu gehörte der Feldherrenmantel und vor allem die Schuhe oder Stiefel. Auch die kaiserliche Unterschrift war traditionell rot. In Ausnahmesituationen durften auch designierte Kaiser bereits purpurfarbene Elemente auf ihren Schuhen tragen.
Farbe war ein wichtiges Unterscheidungskriterium am Hof. Aus dem 11. und 12. Jahrhundert wissen wir, dass blaue Schuhe für die hohen Würden der "Sebastokrator" und "Kaisar" vorbehalten. Der "Protobestiarios" wiederum trug grüne Schuhe. Gelbe Schuhe waren dem Eparchen von Konstantinopel vorbehalten.

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War das Tragen purpurgefärbter Stoffe nur dem Kaiser vorbehalten oder gab es Zugeständnisse an Verwandte, hohe Beamte, etc? Gab es andere Farben, deren Verwendung in Byzanz mit bestimmten Ämtern oder Titeln verbunden waren?

Amateur

Kaiser

Inwieweit kann man die jetzige Situation in Syrien etc. aus den historischen Erfahrungen von Byzanz und dem Westen ableiten. Wie sehr beeinflussen die historischen Ereignisse von damals die jüngste Vergangenheit in diesem Krisen- und Kriegsgebiet?

Nicole Lovaszi

Geschichte

Seit dem 10. Jahrhundert wurde Syrien zu einem umstrittenen Grenzgebiet zwischen dem (wiedererstarkten) Byzantinischen Reich, dem (sunnitischen) Kalifat der Abbasiden im Irak und dem (schiitischen) Kalifat der Fatimiden in Ägypten. Dies trug gemeinsam mit dem Auftreten verschiedener Beduinenverbände zu einer starken politischen Fragmentierung in verschiedene kleiner Herrschaftsgebilde bei, die auch versuchten, zwischen den benachbarten Großmächten zu lavieren (wie etwa das Emirat von Aleppo). In dieser Gemengelage traten neben länger etablierten christlichen und islamischen Gemeinschaften auch neue, bis heute im syrischen Raum wichtige religiöse Bewegungen auf wie die Drusen (die ab 1017 den Fatimidenkalifen al-Hakim als Gott ansahen) oder die schiitische Sonderrichtung der Alawiten, die sich ebenfalls um diese Zeit aus dem Irak nach Syrien verbreiteten. Insbesondere diese beiden Gruppen wurden auch oft durch Vertreter des islamischen „Mainstreams“ der Sunniten verfolgt. In der zweiten Hälfte des 11. Jh.s brach die Machtstellung der Byzantiner in Nordsyrien und der Fatimiden im Süden zusammen; an ihre Stelle traten seldschukisch-türkische Machthaber und dann ab 1096 auch die Kreuzfahrer aus dem Westen, die nun ebenfalls kleinere Fürstentümer neben den muslimischen Emiraten gründeten. Erst mit der Eroberung durch die Mamlukensultane von Ägypten im späteren 13. Jh. wurde Syrien wieder in eine größere politische Einheit integriert, das zuvor entstandene Mosaik an ethnischen und religiösen Gruppen blieb aber bestehen. Dies gilt auch für die ab 1516 etablierte Herrschaft der Osmanen und die nach dem Ersten Weltkrieg folgende Mandatsherrschaft der Franzosen. Letztere sahen sich durchaus als „Nachfolger“ der „fränkischen“ Kreuzfahrer des 11.-13. Jh.s; gemäß dem Motto „teile und herrsche“ bevorzugten sie auch einzelne Gruppen innerhalb Syriens wie etwa die Alawiten, die bis 1937 sogar einen eigenen Staat innerhalb des Mandatsgebiets an der syrischen Küste erhielten. Die Alawiten nahmen auch nach der Unabhängigkeit Syriens 1946 wichtige Positionen in der Armee und in der Verwaltung ein; auf dieser Grundlage entstand auch das Regime der alawitischen Assad-Familie (ab 1970).
Das religiöse und ethnische Mosaik in Syrien mit all seinen Potentialen für ein friedliches Zusammenleben, aber eben auch heftige Konflikte findet somit gewissermaßen seine historische Tiefenschicht in der Epoche, die in der Ausstellung „Byzanz und der Westen“ betrachtet wird. Diese komplexe Geschichte lässt sich nur aufgrund einer Vielzahl von historischen Texten in verschiedenen Sprachen (Arabisch, Syrisch-Aramäisch, Griechisch, Latein, Armenisch usw.) rekonstruieren, sodass es schwerfällt, hier eine allgemeine Quelle zu nennen. Für einen ersten Überblick nützlich ist aber der von Bernd Lemke herausgegebene Band „Irak und Syrien (Wegweiser zur Geschichte)“ (2016), für eine tiefergehende Recherche für die mittelalterliche Periode der in der Wiener Reihe „Tabula Imperii Byzantini“ von Klaus-Peter Todt und Bernd Andreas Vest erstellte Band 15 „Syria“ (2015, 3 Bände mit 2696 Seiten).

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Inwieweit kann man die jetzige Situation in Syrien etc. aus den historischen Erfahrungen von Byzanz und dem Westen ableiten. Wie sehr beeinflussen die historischen Ereignisse von damals die jüngste Vergangenheit in diesem Krisen- und Kriegsgebiet?

Nicole Lovaszi

Geschichte

Welche technischen und naturwissenschaftlichen Leistungen verdanken wir den Byzantinern?

Thomas Nárosy

Wissenswertes

Die Liste der byzantinischen Leistungen im Bereich der Technik und Naturwissenschaften wäre recht lang. Der rumänische Byzantinist Nicolae Iorga prägte mit seinem Begriff "Byzance après Byzance" (Byzanz nach Byzanz) das Fortleben und die Nachwirkung der byzantinischen Errungenschaften, Kultur, und Technologie nach 1453. Einerseits gibt es eine gewachsene postbyzantinische Kultur in den Ländern Südost- und Osteuropas, wo als gemeinsame Basis der orthodoxe Glaube fungiert. In Griechenland bildet die byzantinische Vergangenheit neben dem antiken Erbe einen wichtigen Teil der nationalen und religiösen Identität. Andererseits begann man im 19. und 20. Jh. bewusst byzantinische Formen, Stile und Techniken zu rezipieren.

Bis ins 12. Jh. war das Byzantinische Reich "die" europäische Leitkultur, der viele europäische Staaten nachzueifern versuchten. Byzantinische kunsthandwerkliche Produkte wie Seidenstoffe, Elfenbeinkunst, Gold- und Silberarbeiten, sowie Email-  und Bronzekunst, später auch kunstvoll gestaltete Reliquienschätze, waren überall begehrt. Auch technische Errungenschaften fanden im Ausland großes Interesse, darunter wären beispielsweise Musikinstrumente wie Orgeln oder Waffen wie das "griechische Feuer" zu nennen, das eine Art Flammenwerfer auf Rohölbasis darstellt und vor allem in Seeschlachten Verwendung fand. Die Byzantiner betrieben eine sehr aktive Diplomatie, suchten die Nachbarn aus einer Position der Überlegenheit zu kontrollieren. Ein gewaltiger Erfolg für Byzanz war der "Export" des orthodoxen Christentums, grundgelegt durch das Wirken der Slawenapostel Kyill und Method. Auch die Osmanen hatten ab 1453 erheblichen Einfluss daran, dass das byzantinische Erbe gewissermaßen fortexistierte und byzantinische Technologien weiterentwickelt wurden.

Ein weiterer Aspekt ist, dass die Leistung der Byzantiner auch in der Bewahrung des alten antiken Wissens lag. Sie verstanden es christliche Grundwerte mit römischen Rechts- und Verwaltungsstrukturen einerseits mit den Denksystemen und dem gesammelten Wissen der Antike andererseits auf kreative Art neuzuverbinden. Dieses Kulturpotential entwickelte Byzanz über ein Jahrtausend weiter und prägte dadurch das kulturelle und politische Selbstverständnis Europas.

Literaturtipp: Hans-Georg Beck, Das Byzantinische Jahrtausend. München 1978.

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Welche technischen und naturwissenschaftlichen Leistungen verdanken wir den Byzantinern?

Thomas Nárosy

Wissenswertes

Die behandelte Zeit hat ja auch den Aufstieg des Islams gesehen, der mir bei der Ausstellung viel zu kurz kommt. Es hat ja mit den div. islamischen Reichen ein Austausch (und nicht nur kriegerische Auseinandersetzungen) stattgefunden.

Thomas Nárosy

Ausstellung

Wie Sie richtig feststellen hat die behandelte Zeit in der Ausstellung den Aufstieg des Islams erlebt. Allerdings hat sich die Ausstellung "Das goldene Byzanz und der Orient", welche 2012 auf der Schallaburg gezeigt wurde, diesen Themen umfangreich gewidmet. Die diesjährige Ausstellung versucht hingegen die Ausstrahlung von Byzanz in den Westen zu thematisieren. Es werden daher die wechselhaften Beziehungen zum Westen über das Verbindungsglied Mittelmeer thematisiert.

Die Geschichte der byzantinisch-arabischen Beziehungen beginnt schon lange vor den muslimischen Eroberungen im 7. Jahrhundert n. Chr. Erst nach dem Tod des Propheten Muhammads (632) formierten sich die geeinten arabischen Stämme zu einer Streitmacht und bauten eine Flotte auf. Bald darauf gelang es ihnen den gesamten christlichen Osten und Nordafrika zu erobern. Die Araber sorgten mit ihrer Flotte für ein Ende der byzantinischen Vorherrschaft im Mittelmeer. Konstantinopel wurde dabei zwischen 674 und 678 und 717/718 ernsthaft bedroht und von den Arabern belagert. Durch Verteidigungsmittel wie das berühmte griechische Feuer und die starke Befestigungsmauer konnten die Angriffe allerdings abgewehrt werden. Im 10. Jh. konnten die Byzantiner ihre Reichsgrenze wieder über den Euphrat in Syrien und Mesopotamien ausdehnen. Allerdings traten Mitte des 11. Jh. bereits die Seldschuken auf, die ihrerseits sowohl gegen die Byzantiner als auch gegen die Araber kämpften.

Die Beziehungen zwischen den Byzantinern und Arabern waren natürlich nicht nur kriegerischer Natur. Es gab sehr wohl einen diplomatischen und kulturellen Austausch. Zum Zwecke diplomatischer Verhandlungen sandte man sich gegenseitig Gesandtschaften. Die byzantinischen Kaiser hielten am römischen Zeremoniell fest. Dieses Zeremoniell wurde auch von den arabischen Kalifen übernommen, um kulturelle Ebenbürtigkeit zu demonstrieren. Beide Seiten empfingen die Gesandten der gegnerischen Partei in prunkvoll inszenierten Audienzen. Man sandte sich prunkvolle Geschenke wie kunstvoll illustrierte Bücher und kostbare Seidenstoffe. Im 8. Jh. berichtet der islamische Gelehrte Ibn Battuta, dass der byzantinische Kaiser dem umayyadischen Kalifen al-Walid (705 - 715) 12.000 Handwerker für den Bau der großen Moschee in Damaskus übermittelte. Tatsächlich sind in diversen islamischen Bauwerken noch heute Einflüsse byzantinischer Handwerkskunst erkennbar.

Darüber hinaus wurde im 9. Jh. eine Vielzahl von antiken naturwissenschaftlichen und philosophischen Texten aus dem Griechischen ins Arabische übersetzt. Die Araber übernahmen viel aus dem Bereich der Naturwissenschaften wie Kenntnisse aus der Medizin und der Geographie, haben aber vieles weiterentwickelt. Daneben hatte die griechische Philosophie von Platon und Aristoteles durch diesen Texttransfer einen großen Einfluss auf das islamische Denken. Über das von den Arabern eroberte Spanien und Sizilien gelangte dieses antike byzantinische Wissen angereichtert mit arabischen Vorstellungen schließlich in das mittelalterliche europäische Abendland. Daneben gibt es eine Reihe von orientalisch-arabischen Texten aus dem bereich der Erzählliteratur wie moralische Geschichten, Weisen, Fabeln, Märchen und Epen, die Eingang in die byzantinische Literatur gefunden haben. Die byzantinisch-arabischen Beziehungen sind demnach viel tiefgründiger zu sehen.

Der Artikel "Künstlerischer und kultureller Austausch zwischen Byzanz und dem Islam" von Neslihan Asutay-Effenberger im Ausstellungskatalog "Das goldene Byzanz und der Orient", 2012 fasst diese Wechselwirkung und Beziehungsgeschichte sehr gut zusammen. Ein grudlegendes Werk zu den arabisch-byzantinischen Beziehungen stellt das Buch "Byzantium Viewed by the Arabs" von Nadia M. El-Cheikh Saliba dar.

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Die behandelte Zeit hat ja auch den Aufstieg des Islams gesehen, der mir bei der Ausstellung viel zu kurz kommt. Es hat ja mit den div. islamischen Reichen ein Austausch (und nicht nur kriegerische Auseinandersetzungen) stattgefunden.

Thomas Nárosy

Ausstellung

Was für einen Stellenwert hatten die Frauen in der byzantinischen Welt?

Schild-Burggasser

Alltag

Mit der Erforschung der Stellung der Frau im Byzantinischen Reich haben sich mittlerweile einige Forscherinnen und Forscher beschäftigt. Prinzipiell kann das Leben und die Stellung einer byzantinischen Frau mit einer römischen Frau gut verglichen werden. Für die christlichen und frommen Byzantiner galt ein Leben im Kloster als höchstes Ideal. Der Eintritt von Frauen in Klöster und deren Leben als fromme Nonnen ist zum Teil recht gut belegt. Oft traten Frauen schon als junge Mädchen in Klöster ein. Manchmal entschieden sich aber auch verwitwete Frauen für ein Leben im Kloster, nicht selten waren darunter auch Kaiserinnen, die zum Teil selbst als Stifterinnen von Klöstern hervortraten. Prinzipiell konnten Frauen in der orthodoxen Kirche keine Ämter ausführen. Im Kloster konnte eine Frau allerdings als Äbtissin eine leitende Funktion ausführen. Es gibt auch Quellen, die Frauen als Diakonissen belegen. Man muss allerdings davon ausgehen, dass ein Großteil der Byzantinerinnen Ehefrauen und Mütter waren. Hier ist das Leben von Frauen in der gehobenen Gesellschaft besser dokumentiert. Das Gesellschaftsbild sah vor, dass eine verheiratete Frau den Haushalt mit Bedacht und Fürsorge zu führen hatte und sich fromm verhielt. Zudem war ihre Aufgabe das Hauspersonal zu führen und die Kindererziehung zu übernehmen. In noblen Häusern lebten Frauen in eigenen Frauentrakten. Für tasächliche Hausarbeit gab es Bedienstete. Das Haus hat eine noble Byzantinerin möglicherweise nur mit einem Schleier verlassen und auch nur um ein Badehaus zu besuchen oder einem Gottesdienst beizuwohnen. Für Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen stellte die Bereitstellung der Mitgift für die Eltern oft ein großes Problem dar. Oftmals traten Frauen aus ärmlichen Verhältnissen daher in Klöster ein. Es gibt aber auch Belege von Frauen, die als Hebammen, Erzieherinnen, Köchinnen, Bedienerinnen und Wäscherinnen gearbeitet haben. In Konstantinopel sind zudem auch Arbeiterinnen im Textilsektor belegt; darunter finden sich Spinnerinnen, Weberinnen, Wollkämmerinnen. Wenn Frauen in den genannten Bereichen keine Arbeit fanden und auch nicht einem Kloster beitreten wollten, mussten sie sich als Prostituierte, Tänzerinnen, Schauspielerinnen und Akrobatinnen verdingen. Gerade diese Berufe galten allesamt als verrucht und waren gesellschaftlich nicht angesehen.

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Was für einen Stellenwert hatten die Frauen in der byzantinischen Welt?

Schild-Burggasser

Alltag

Wie viele Einwohner hatte Konstantinopel um das Jahr 1200? Wie viele Einwohner hatte Rom im Vergleich um das Jahr 1200?

Lorena & Ludwig

Geschichte

Konstantinopel / Istanbul: Die erste Stadtmauer Konstantinopels schützte ein Areal von etwa 7 km²; am Beginn des 5. Jahrhunderts wurde sie durch eine zweite, teilweise bis heute erhaltene ersetzt. Dadurch wurde das befestige Stadtareal auf 12,7 km² und nach späteren Ausbauten auf knapp 14 km² erweitert.

Für die Bevölkerung Konstantinopels gibt es vor der Eroberung 1453 keine Quellenaussagen. Seriöse Schätzungen beruhen auf punktuellen Quellenangaben zu einzelnen Bevölkerungsschichten (stark schwankende Militärpräsenz, Zahl der Mönche und Nonnen einzelner Klöster, …) und auf den damaligen Versorgungsmöglichkeiten: Länge und Gefahren der Transportwege zu Land und vorzugsweise zur See; dazu geringe Haltbarkeitsgrenzen bestimmter Lebensmittel (besonders Gemüse), die im Umland produziert werden müssen, wofür im Nahbereich von Konstantinopel nach dem 6. Jahrhundert innerhalb der Landmauern etwa 3km2 und außerhalb im Nahbereich etwa weitere 10 km2 zur Verfügung standen; Nahbereich: Wegstrecke vom Produzenten zu den zentral gelegenen Märkten maximal 2 Stunden.

Konstantinopel hatte vor 541/542, also vor der sogenannten „justinianischen“ Pest, die den gesamten östlichen Mittelmeerraum verheerte und in schwächeren Schüben bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts wiederkehrte, wahrscheinlich mehr als 400.000, vielleicht sogar 500.000 Einwohner. Nach einer Erholungsphase lag die Zahl ab/nach dem späten 8. Jahrhundert meist deutlich über 100.000, erreichte wahrscheinlich im 11. und 12. Jahrhundert 200.000. Höhere Zahlen erscheinen nicht vertretbar.

Somit war Konstantinopel seit dem 5. Jahrhundert jedenfalls – aus vorindustrieller städtehistorischer Sicht –  ununterbrochen eine Großstadt.

Was die Bevölkerungszahlen Roms betrifft, so muss zu Beginn festgehalten werden, dass es auch hier keine genauen Zahlen gibt. Im 4. Jh. wird für Rom schätzungsweise eine Einwohnerzahl von 500.000 Personen angenommen. Der frühbyzantinische Historiker Prokopios von Caesarea berichtet, dass durch die Gotenkriege nur noch 500 Männer in Rom übriggeblieben sein sollen. Man kann aber davon ausgehen, dass diese Zahl nicht der Wahrheit entspricht. Zur Zeit Papst Gregors des Großen im 6. Jh. /7. Jh. soll Roms Bevölkerungszahl erneut auf 90.000 Menschen angewachsen sein, weil Flüchtlinge aus dem Umland von den Langobarden in die Stadt getrieben wurden. Mit dem Zusammenbruch der städtischen Versorgung im 7. Jh. ging ebenso ein Bevölkerungsschwund einher. Unter Papst Hadrian I. im 8. Jh. wuchs die Bevölkerung Roms wieder an. Allerdings brach das Wohlfahrts- und Versorgungswesen der Stadt im 9. Jh. erneut zusammen. Die politischen Umstände im 10. Jh. sollen ebenfalls einen Bevölkerungsrückgang herbeigeführt haben. Im Jahr 1167 verzeichnet ein Chronist 20.000 Malariatote in Rom. Tatsächlich dürfte diese Zahl aber auch übertrieben formuliert sein. Realistische Schätzungen der Einwohnerzahl Roms könnten im 12. und 13. Jh. also bei 35.000 bis 40.000 Personen - wenn nicht etwas höher - liegen.

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Wie viele Einwohner hatte Konstantinopel um das Jahr 1200? Wie viele Einwohner hatte Rom im Vergleich um das Jahr 1200?

Lorena & Ludwig

Geschichte

Gab es Beziehungen zwischen dem Byzantinischen Reich und Korea?

Ariadne Steinberger

Geschichte

Während es zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert n. Chr. vereinzelte Belege für die Präsenz von Händlern und Gesandten aus dem römischen Reich in China gibt, ist die Quellenlage für die späteren byzantinischen Jahrhunderte weniger eindeutig, sodass direkte (diplomatische) Kontakte zwischen Byzanz und dem Fernen Osten zweifelhaft bleiben. Objekte gelangten aber aus China (z. B. Seide) bis in den byzantinischen Raum bzw. umgekehrt (z. B. byzantinischen Münzen oder Glas). Auch einzelne Kaufleute mögen fast die gesamte Distanz zwischen dem Fernen Osten und dem Mittelmeer zurückgelegt haben, so fanden sich in einem Gräberfeld im nordwestlichen Kaukasus Aufzeichnungen eines chinesischen Händlers aus dem 8. Jahrhundert. Wohl über China gelangten spätrömische und byzantinische Objekte, wie etwa Glasgefäße, ins koreanische Königreich von Silla (wo man sie bei Ausgrabungen fand) und von Korea auch weiter nach Japan, wo sie bis heute im Shōsō-in-Schatzhaus (8. Jh.) des berühmten Tōdai-ji-Tempels in Nara aufbewahrt werden. Direkte diplomatische Kontakte zwischen Konstantinopel und diesen Ländern sind aber ebenso unwahrscheinlich. Arabische Kaufleute und Gesandte gelangten, vor allem auf dem Seeweg, hingegen ab dem 8. Jh. in größerer Zahl nach Ostasien, und arabische Quellen erwähnen im 9. Jh. auch „al-Sila“ als Reich auf der koreanischen Halbinsel.

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Gab es Beziehungen zwischen dem Byzantinischen Reich und Korea?

Ariadne Steinberger

Geschichte

Was war die Stellung der kroatischen Fürsten und Könige zwischen dem Westen und Byzanz?

Virginia Vila-Nardelli

Geschichte

Berichte über die Migration der Kroaten in die früheren römischen Provinzen Pannonien und Dalmatien im 7. Jh. haben wir zuerst in den Texten des byzantinischen Kaisers Konstantin VII. Porphyrogennetos (reg. 913-959). Erste kroatische Fürstentümer sind ab dem späten 8. Jh. fassbar und befanden sich damals im Grenzgebiet zwischen byzantinischer Macht und der Einflusssphäre des Reiches der Franken, das unter Karl dem Großen zum Konkurrenten von Byzanz aufstieg. Auch die verschiedenen kroatischen Fürsten versuchten aus dieser Zwischenstellung Vorteile zu erringen, dennoch entschied man sich im 9. Jh. zur Annahme des Christentums aus Rom (und nicht aus Konstantinopel). Auch die Annahme des Königstitels durch den kroatischen Fürsten Tomislav im Jahr 925 wurde durch den Papst anerkannt. Dennoch blieb Kroatien in engeren Beziehungen zu Byzanz und musste, als die byzantinische Vormacht in Südosteuropa nach den Siegen über das Bulgarenreich wiederhergestellt war, im späteren 10. Jh. zeitweilig dessen Oberhoheit anerkennen. Auch nach der 1102 etablierten Personalunion zwischen den Königreichen Kroatien und Ungarn blieben die Grenzgebiete in Dalmatien und Slawonien mit Byzanz strittig, insbesondere unter Kaiser Manuel I. Komnenos (reg. 1143-1180), ehe nach dessen Tod die byzantinische Macht auf dem nördlichen Balkan zusammenbrach. Trotz dieser oft unruhigen Beziehungen war der kulturelle Einfluss des byzantinischen Reiches auch in Kroatien, vor allen an der Adriaküste, stark spürbar.

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Was war die Stellung der kroatischen Fürsten und Könige zwischen dem Westen und Byzanz?

Virginia Vila-Nardelli

Geschichte

Kann die Magnauraschule und ihre Vorläufer als Universität von Konstantinopel gelten? Inwieweit sind gegenseitige Einflüsse zwischen westlichen Unis und der Magnaura bekannt?

Amateur

Alltag

In der langen Geschichte von Byzanz wurde höhere Bildung meist durch privat finanzierte Lehrer vermittelt, war also nur für Wohlhabende zugänglich und somit ein Statussymbol. Gelegentlich berichten die Quellen, dass einzelne Herrscher für die Finanzierung von Bildungseinrichtungen gesorgt haben. Dies gilt auch für die Schule bei der Magnaura in unmittelbarer Nähe des Kaiserpalastes, die in der Mitte des 9. Jahrhunderts durch Bardas, Mitkaiser (Caesar) von Kaiser Michael III., eingerichtet wurde—lange vor der Einrichtung von Universitäten im lateinischen Westen. Der Kaiser finanzierte den Unterricht, u.a. durch Leo dem Mathematiker, in Philosophie, Geometrie, Astronomie, und Grammatik. 
Die Wissenschaft ist sich uneinig, ob die Nachrichten in den Quellen über den von manchen Kaisern geförderten Bildungsbetrieb in Konstantinopel (Theodosius II, Michael III, Konstantin IX) als kontinuierliche Existenz einer institutionalisierten Bildungseinrichtung, d.h. ‘Universität’, zu interpretieren sind (Glas halb voll), oder eben nur als punktuelle Einzelinitiativen aus intellektuellem Interesse oder zur gezielten Eliteförderung (Glas halb leer).

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Kann die Magnauraschule und ihre Vorläufer als Universität von Konstantinopel gelten? Inwieweit sind gegenseitige Einflüsse zwischen westlichen Unis und der Magnaura bekannt?

Amateur

Alltag

Von welchem Kaiser war Theodora Komnena die Tochter?

Prikryl Rudolf

Kaiser

Theodora Komnena war die Nichte von Kaiser Manuel I. Komnenos (reg. 1143 - 1180). Sie war die Tochter von Andronikos Komnenos, Bruder von Manuel I. Komnenos, die ihrerseits die Söhne von Kaisers Johannes II. Komnenos (reg. 1118 - 1143) und Piroska-Irene waren.

Der Babenberger Heinrich II. Jasomirgott wurde auf seinem Rückweg vom Kreuzzug 1148/49 in Konstantinopel mit Theodora Komnena vermählt. Theodora trat später bei diplomatischen Verhandlungen in Erscheinung, und ihre Mitgift mag den Ausbau Wiens zur Residenzstadt begünstigt haben.

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Von welchem Kaiser war Theodora Komnena die Tochter?

Prikryl Rudolf

Kaiser

Worin besteht der Unterschied zwischen den Titeln Basileus und Rex?

Amateur

Kaiser

Die Titel Rex und Basileus bezeichneten ursprünglich beide einen "König". Die byzantinischen Kaiser hatten anfänglich den Titel Imparator geführt, weil sie sich auch als Römer bzw. Rhomäer sahen. Kaiser Herakleios (reg. 610–641) tauschte im 7. Jh. allerdings den römischen Imperator-Titel gegen den griechischen Herrschertitel Basileus ein, wodurch das griechische Wort „basileus“ zum Hauptbestandteil des Titels wurde.  Der Titel Basileus wurde in weiterer Folge zum Äquivalent des Imparator-Titels, während sich die westlichen Könige weiterhin mit dem lateinischen Wort "rex" titulierten.

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Worin besteht der Unterschied zwischen den Titeln Basileus und Rex?

Amateur

Kaiser

Warum gab es im orthodoxen Einflussgebiet (oder slawischen Ländern) keine Könige sondern (Groß-)Fürsten und Zaren?

Amateur

Wissenswertes

Diese Differenzen in der Terminologie haben mehr mit der Wiedergabe der jeweiligen Herrschertitel im Deutschen bzw. anderen Sprachen zu tun als mit tatsächlichen Unterschieden im Ämterverständnis. So werden die Träger des Titels eines velikij knjaz’ (im Deutschen: „Großfürst“) unter den russischen Fürsten im 12.-15. Jh. in an sie gerichteten Briefen aus Konstantinopel auf Griechisch als „megas rex“ angesprochen, was auf Deutsch eher „großer König“ bedeutet. In Serbien wurde ab dem 12. Jh. die Bezeichnung „kral“ (im Griechischen „krales“) für den Herrscher üblich, was wiederum auch meist als „König“ wiedergegeben wird (und sich vermutlich vom Namen „Karl“ des fränkischen Königs und Kaisers Karl des Großen ableitet, analog zu „Kaiser“ vom römischen Personennamen „Caesar“). Die Bezeichnung „Zar“ im Russischen, Bulgarischen oder Serbischen schließlich leitet sich vom griechisch-byzantinischen „kaisar“ (was wiederum das lateinische „Caesar“ wiedergibt) und somit direkt aus der römischen Kaisertitular ab; damit wollten ab dem 9. Jh. orthodoxe Herrscher in Südosteuropa ihre Gleichrangigkeit mit dem „römischen“ (byzantinischen) Kaiser in Konstantinopel ausdrücken. Für letzteren wiederum wurde ab dem 7. Jh. das griechische Wort „basileus“ zum Hauptbestandteil des Titels, was ursprünglich eigentlich „König“ bedeutet. Somit ist es immer wichtig, sich die tatsächliche Terminologie und Bedeutung der Titel in den Originalsprachen anzusehen.

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Warum gab es im orthodoxen Einflussgebiet (oder slawischen Ländern) keine Könige sondern (Groß-)Fürsten und Zaren?

Amateur

Wissenswertes

Gab es verwandtschaftliche Beziehungen zwischen Adligen aus dem Byzantinischen Reich und den Patrizierfamilien in Rom?

Amateur

Kaiser

Diese Frage ist pauschal schwierig zu beantworten und würde eine sehr intensive Erforschung der jeweiligen Familiengeschichten voraussetzen (was man auch nur jeweils für einen begrenzten Zeitraum unternehmen könnte). Tendenziell lässt sich jedoch sagen, dass es innerhalb der römischen Elite etliche griechischstämmige Familien gab und bis ca. 750 gab es häufig auch "griechische" Päpste, die aus dem Osten oder aus den griechischen Gebieten Italiens stammten. Danach schwindet das "griechische" Element in der römischen Elite. Wenn es danach Heiratsverbindungen mit byzantinischen Familien gegeben haben sollte, wären das höchstens vereinzelte Fälle, die man überprüfen müsste.

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Amateur

Kaiser

Gab es Herrschaftssymbole, die der Westen von Byzanz übernommen hat und umgekehrt?

Amateur

Kaiser

In puncto Herrschaftssymbole war Byzanz lange Zeit das Richtmaß für die Herrscher des Westens, auch wenn man betonen muss, dass es in beiden Welten lange Zeit keine einzigartigen Insignien gab (die "eine" Krone, das "eine" Szepter) - es ging nur darum, sich mit Gegenständen aus gewissen Kategorien zu schmücken. Insignien wie Diadem/Krone, Szepter und Feldherrenmantel stammen aber noch aus der "gemeinsamen" Tradition des spätantiken Kaisertums, d.h. es ist nicht klar, ob sie im Westen aus alten Darstellungen übernommen wurden oder über byzantinische Vermittlung in den Westen kamen. Der Globus mit aufgesetztem Kreuz ("Reichsapfel") wiederum ist auf byzantinischen Münzen schon früh belegt, aber wir wissen nicht, ob er auch als reales Objekt existierte. Im Westen ist er als solches ab dem 10. Jahrhundert belegt und könnte von den byzantinischen
Münzdarstellungen inspiriert gewesen sein. Überhaupt gab es gerade im 9. und 10. Jahrhundert Phasen starker Anlehnung an byzantinische Gewohnheiten bei der Gestaltung von Siegeln und Urkunden (etwa die Imitation der roten Kaiserunterschrift durch Karl den Kahlen, ausgestellt in Raum 8 in dieser Ausstellung).

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Gab es Herrschaftssymbole, die der Westen von Byzanz übernommen hat und umgekehrt?

Amateur

Kaiser

Was ist aus den nach Venedig verpfändeten byzantinischen Kronjuwelen geworden?

Amateur

Geschichte

Es gab bereits spätestens ab 1370 wiederholte Versuche byzantinischer Kaiser, im Rahmen diplomatischer Verhandlungen die Kronjuwelen zurückzuerhalten. Die letzten Verhandlungen scheiterten jedoch 1448 und so müssen die Kronjuwelen in Venedig verblieben sein. Eine Identifizierung ist schwer, weil die Zusammensetzung nicht bekannt ist. 1797 eroberte Napoleon Venedig und transportierte viele Schätze nach Paris. Nach dem Wiener Kongress 1815 musste Frankreich vieles zurückgeben - so auch die berühmten Bronzepferde. Was in dieser Zeit mit den Kronjuwelen geschah, ist leider nicht bekannt.

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Amateur

Geschichte

Wieso hat Konstantinopel nach anfänglichen Versuchen die Christianisierung Böhmens und Mährens Rom überlassen?

Amateur

Geschichte

Die Mission des Kyrill und Method ab 863/864 im Großmährischen Reich stieß von Beginn an auf den Widerstand dort bereits tätiger westkirchlicher Kleriker als Vertreter der benachbarten Bistümer Salzburg und Passau, die um ihre Macht im Grenzraum des fränkischen Reiches fürchteten. Die großmährischen Fürsten hatten aber deshalb auch um Missionare aus Konstantinopel gebeten, um den kirchlichen Einfluss des Nachbarn nicht zu groß werden zu lassen. Mit ähnlichen Hoffnung suchte der um dieselbe Zeit nach byzantinischem Ritus getaufte Herrscher der Bulgaren Boris-Michael den Kontakt zum Papst in Rom, um den Einfluss Konstantinopels zu schwächen. 867 reisten Kyrill und Method nach Rom, wo einer Lösung des Konflikts in Mähren möglich schien; allerdings verstarb Kyrill dort 869. Method und seiner Schüler wurden nach ihrer Rückkehr nach Mähren 870 auf Betreiben der lokalen Bischöfe sogar gefangengenommen und in Klosterhaft gehalten. Nach seiner Freilassung setzte Method die Bemühungen um eine eigenständige mährische Kirche, der alternativ zu Latein auch das Kirchenslawische als Liturgiesprache erlaubt sein würde, fort. Doch wurden die meisten seiner Schüler nach seinem Tod 885 aus dem Mährischen Reich vertrieben, das fest in die westkirchlichen Strukturen eingegliedert wurde. Zuflucht fanden viele der Schüler Methods aber im Bulgarenreich, das sich wiederum nun eindeutig an die byzantinisch-orthodoxe Tradition angeschlossen hatte. Gewissermaßen setzte sich also jeweils die „Logik“ der geographischen Nähe durch.

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Wieso hat Konstantinopel nach anfänglichen Versuchen die Christianisierung Böhmens und Mährens Rom überlassen?

Amateur

Geschichte

Welche Rolle spielte der östliche Teil der Kirche bei den Kirchenreformen des 11.Jahrhunderts und wie veränderte sich sein Ansehen dabei unter westlichen Klerikern?

Amateur

Alltag

Die Kirchenreformen des 11. Jahrhunderts in der Westkirche und das dadurch umso selbstbewusstere Auftreten der Päpste, die auch das westliche Kaisertum im Investiturstreit herausforderten, trugen ebenso zu einer Verschärfung der theologischen und kirchenpolitischen Konflikte mit der byzantinischen Kirche bei. Mit der Eroberung der letzten byzantinischen Territorien in Süditalien durch die Normannen gelangten diese Gebiete (wieder) unter die Jurisdiktion Roms (die dort bis ins 8. Jahrhundert bestanden hatte), was den Protest Konstantinopels hervorrief. Dazu kam eine Intensivierung der Debatte um schon länger strittige Punkte in der Glaubensauslegung und in der Glaubenspraxis, die auch durch Schriften byzantinischer Kirchengelehrter innerhalb der Ostkirche verschärft wurde. Vor diesem Hintergrund verhandelten Papst und byzantinischer Kaiser zwar 1054 sogar über eine Allianz gegen die Normannen (die auch die Stellung der Päpste zeitweilig bedrohten), doch scheiterten diese Verhandlungen nicht nur, sondern führten sogar zur wechselseitigen Verhängung des Kirchenbanns. Auch wenn diese später als „Großes Schisma“ bezeichnete Entzweiung in den Augen der Zeitgenossen wohl noch nicht jene nachhaltige Symbolwirkung besaß, wie sie ihr die spätere Forschung zuschrieb, so stellt das 11. Jahrhundert sicher eine Periode der Verdichtung der wechselseitigen Missverständnisse und der Wahrnehmung der Unterschiede zwischen West- und Ostkirche dar.

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Welche Rolle spielte der östliche Teil der Kirche bei den Kirchenreformen des 11.Jahrhunderts und wie veränderte sich sein Ansehen dabei unter westlichen Klerikern?

Amateur

Alltag

Gibt es geschätzte Bevölkerungszahlen für Konstantinopel, die die Entwicklung der Stadt über die Jahrhunderte einfach nachvollziehbar machen? Anhand welcher Informationen wird die Einwohnerzahl von Städten geschätzt?

Amateur

Alltag

Nach seiner Neugründung durch Kaiser Konstantin den Großen im Jahr 324 erlebte Konstantinopel in den nächsten zwei Jahrhunderten ein starkes Bevölkerungswachstum und erreichte in der Regierungszeit Kaiser Justinians I. um das Jahr 540 eine Einwohnerzahl von vermutlich 500 000 Menschen. Für diese Zeit besitzen wir Informationen über den Umfang der jährlichen Getreidelieferungen aus Ägypten, die für die Versorgung der Hauptstadt notwendig waren, und auf dieser Grundlage lässt sich eine solche Schätzung anstellen. Kurz danach suchte allerdings eine Pestepidemie Konstantinopel heim, die in Wellen bis Mitte des 8. Jahrhunderts wiederkehrte; diese Seuchenausbrüche trugen gemeinsam mit der sonstigen Schrumpfung des Reiches zu einem Rückgang der Einwohnerzahl auf vermutlich unter 100 000 Menschen bei. Danach erholte sich die Bevölkerungszahl bis zum 12. Jahrhundert erneut, sodass je nach Schätzung wieder 200 000 oder sogar 400 000 Menschen dort lebten. Mangels statistischer Daten basieren solche Schätzungen unter anderem auf Informationen zu Bevölkerungsdichten anderer Städte aus der Zeit vor der Industrialisierung, die auf die Fläche Konstantinopels (14 km²) hochgerechnet werden. Die Eroberung durch den Vierten Kreuzzug 1204 markierte auch einen erneuten Bevölkerungseinbruch, von dem sich Konstantinopel bis zur osmanischen Eroberung 1453 nicht mehr erholte; damals mag die Stadt noch um die 50 000 Einwohner beherbergt haben, wenn wir von der überlieferten Zahl der waffenfähigen Verteidiger ausgehen. Erst unter den osmanischen Sultanen wurde Konstantinopel im 16. Jahrhundert wieder zu einer „Millionenstadt“.

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Gibt es geschätzte Bevölkerungszahlen für Konstantinopel, die die Entwicklung der Stadt über die Jahrhunderte einfach nachvollziehbar machen? Anhand welcher Informationen wird die Einwohnerzahl von Städten geschätzt?

Amateur

Alltag

Wie kam es dazu, dass in der Spätphase des Reiches die italienischen Händler ein so großes Gewicht im östlichen Mittelmeer und in Konstantinopel hatten?

Amateur

Handel

Da Byzanz ab der Mitte des 11. Jahrhunderts keine angemessene Kriegsflotte hatte, war man auf Flottenhilfe aus dem Westen angewiesen. Zunächst gewann man die Venezianer als Verbündete. Im Gegenzug erhielten diese weitreichende Handelsprivilegien in den Häfen des Byzantinischen Reiches, die sie sogar besser stellten als die byzantinischen Händler. Später erhielten auch die Genuesen ähnliche Vorrechte. Durch die Kreuzzüge wurde die Präsenz der Lateiner im Osten immer stärker. Immer größer wurden die Märkte, immer häufiger die Handelsreisen und so wuchsen auch die Auslandsniederlassungen der italienischen Kommunen - nicht zuletzt auch in Konstantinopel.

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Wie kam es dazu, dass in der Spätphase des Reiches die italienischen Händler ein so großes Gewicht im östlichen Mittelmeer und in Konstantinopel hatten?

Amateur

Handel

Welche gesellschaftliche Rolle und Stellung nahmen Händler in Ost und West ein?

Amateur

Handel

Sowohl in Byzanz als auch in den feudal organisierten Reichen des Westens nahmen lediglich die "aristokratischen" Familien Abstand vom Handel; abgesehen davon konnten Händler durch Geschick gesellschaftlich aufsteigen. In den italienischen Seefahrerstädten setzte sich allerdings die Elite selbst zum Großteil aus Kaufleuten zusammen. Der Aufstieg des Bürgertums in den Städten des Westens ab dem 12. Jahrhundert ließ das Händlertum geradezu aufblühen.

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Welche gesellschaftliche Rolle und Stellung nahmen Händler in Ost und West ein?

Amateur

Handel

Gab es im Westen jemals Kirchen, die der göttlichen Weisheit oder dem göttlichen Frieden geweiht waren und wenn nicht, warum nicht?

Amateur

Alltag

Im westlichen Christentum gibt es, anders als in der orthodoxen Tradition, keine Kirchen, die der göttlichen Weisheit (sophia) oder dem göttlichen Frieden (eirene) geweiht sind. Die Gründe dafür sind ungeklärt. Allerdings entstehen schon im Frühmittelalter Legenden von der Märtyrerin Sophia, und ihren Töchtern Fides (Glaube), Spes (Hoffnung) und Caritas (Nächstenliebe)—wohl in Fortführung der antiken Tradition der Vorstellung von abstrakten Idealen, die personifiziert als weibliche Figuren dargestellt wurden. Ein gutes Beispiel dafür ist Justitia (Gerechtigkeit), die häufig als Frau mit Augenbinde, eine Waagschale haltend, abgebildet wird. Dies soll zeigen, dass Gerechtigkeit ohne Ansehen der Person die Fakten abwägen muss.

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Gab es im Westen jemals Kirchen, die der göttlichen Weisheit oder dem göttlichen Frieden geweiht waren und wenn nicht, warum nicht?

Amateur

Alltag

Wann wurde die Stadt Konstantinopel gegründet (von den Griechen?), wie hieß sie und wann kommt der Name "Byzanz" in Verwendung (Bedeutung?)

Franz Hartmann

Geschichte

Kaiser Konstantin der Große (reg. 306-337) weihte an der Stelle von Byzantion im Jahr 330 die Konstantinsstadt (griech. Konstantinopolis) ein, womit er nicht nur eine neue, nach ihm benannte Residenz der römischen Kaiser schuf, sondern auch ein Zeichen setzte, das die machtpolitische und wirtschaftliche Bedeutung des Ostens innerhalb der römischen Mittelmeer-Ökumene hervorheben sollte. Konstantinopel entwickelte sich dank seiner idealen geographischen Lage bald - zeitweise im Gegensatz zum italischen alten Rom - zum christlichen neuen Rom (griech. Nea Rome) und übernahm die Führungsrolle innerhalb des Römischen Reiches in der christlichen Spätantike und im Frühmittelalter.
Was die Bezeichnung "Byzanz" anbelangt, so ist der Name auf einen legendären Heerführer und König aus Megara namens Byzas zurückzuführen. Dieser soll einst an der Stelle von Konstantinopel im 7. Jh. v. Chr. die Stadt "Byzantion" gegründet haben. Byzantion existierte bis zur Gründung Konstantinopels.
Seit der Spätantike wird die moderne, wenn auch verkürzte Bezeichnung "Byzanz" als Synonym für das Oströmische Reich verwendet. Weil Konstaninopel der unumstrittene Mittelpunkt des Reiches war, ging man dazu über - angelehnt an die antike Bezeichnung "Byzantion"  - das Reich und seine Kultur als "byzantinisch" zu bezeichnen.

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Wann wurde die Stadt Konstantinopel gegründet (von den Griechen?), wie hieß sie und wann kommt der Name "Byzanz" in Verwendung (Bedeutung?)

Franz Hartmann

Geschichte

Die Eroberung und Plünderung Konstantinopels 1204 ist mir völlig unverständlich. Wieso hatte der Doge Dandolo einen derartigen Hass auf das Byzantinische Reich? Venedig war doch Jahrhunderte lang enger Verbündeter Konstantinopels. Gier? Geltungsdrang?

Konrad Rauch

Geschichte

Eine Prüfung der Quellen zeigt, dass das Ergebnis des Vierten Kreuzzugs nicht allein auf die Initiative von Enrico Dandolo zurückgeführt werden kann. Vielmehr handelte es sich um eine Verkettung unglücklicher Ereignisse und Entscheidungen, in die auch die Führer der Kreuzritter involviert waren. Dass es schlussendlich zur Plünderung kam, wird verständlicher, wenn man sich vor Augen führt, dass der byzantinische Kaiser Alexios IV. den Kreuzfahrern die versprochene finanzielle Hilfe nicht zukommen lassen konnte und schließlich ermordet wurde. Erst, als man Gefahr lief, vollends mit leeren Händen dazustehen, kam der Entschluss zum Sturm auf die Stadt auf.

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Die Eroberung und Plünderung Konstantinopels 1204 ist mir völlig unverständlich. Wieso hatte der Doge Dandolo einen derartigen Hass auf das Byzantinische Reich? Venedig war doch Jahrhunderte lang enger Verbündeter Konstantinopels. Gier? Geltungsdrang?

Konrad Rauch

Geschichte

Woher hat Byzanz eigentlich das viele Gold?

Konrad

Wissenswertes

Im Herrschaftsgebiet des Byzantinischen Reiches lagen diverse Goldlagerstätten, die ausgebeutet wurden. Dazu gehörten v.a. Goldvorkommen in Ägypten (bis ins 7. Jahrhundert), dann aber auch die Lagerstätten in Armenien, in Kleinasien und in Griechisch-Thrakien. Besonders ergiebig waren die armenischen Goldvorkommen, die besonders leicht auszubeuten waren.

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Woher hat Byzanz eigentlich das viele Gold?

Konrad

Wissenswertes

Kommt das Schnitzel aus Byzanz?

Victoria

Wissenswertes

Um den Ursprung des Wiener Schnitzels ranken sich viele Legenden. Eine davon verortet ihn in Konstantinopel, von wo die mit den Babenberger-Herzögen im 12. und 13. Jh. verheirateten Prinzessinnen die Zubereitungsart mitgebracht hätten; am byzantinischen Kaiserhof seien Speisen sogar mit Gold paniert worden. Eine andere Legende schreibt den Import nach Wien dem berühmten Feldmarschall Radetzky zu, der das Schnitzel auf seinen Italienfeldzügen 1848/1849 in Mailand kennengelernt hätte. Tatsächlich taucht aber das panierte Kalbschnitzel bereits davor um 1831 in Wiener Kochbüchern auf, und schon im 17. und 18. Jh. pflegte man in Wien Fleischstücke zu panieren und heraus zu backen. Ein diesbezüglicher mittelalterlicher „Technologietransfer“ aus Byzanz oder andernorts aus dem „Orient“ lässt sich aber in den Quellen nirgendwo nachweisen.

 

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Kommt das Schnitzel aus Byzanz?

Victoria

Wissenswertes

Ab wann verwendet man „Europa“ als Begriff?

Anonym

Geschichte

Mitte des 5. Jahrhunderts vor Christus prägte der griechische Historiker Herodot den Begriff „Europa“, wobei er mit diesem vor allem eine geographische Region bezeichnete. Demnach galt Europa als der größte Kontinent der Antike, größer noch als Asien oder Afrika. Als Ethnonym fasste Europa kaum mehr als die Bevölkerung des antiken Griechenlands und seiner Kolonien zusammen.

Auch die altgriechische Sage der gleichnamigen Prinzessin, die von Zeus in Gestalt eines schönen weißen Stieres entführt wurde und gerne als Namensgeberin für den Kontinent herangezogen wird, darf hier nicht unerwähnt bleiben.

Im 8. Jahrhundert nach Christus war es vor allem die Person von Karl dem Großen, der als „pater Europae“ stilisiert wurde, weswegen sich allmählich ein laudativer Gebrauch dieser Erdteilbezeichnung etabliert hatte. Nach dem Fall von Konstantinopel im Jahr 1453 begann sich allmählich auch eine humanistische Europaidee zu etablieren. Europa wurde mit dem Christentum gleichgesetzt. So prägte der Humanist Enea Silvio Piccolomini den Begriff des „europäischen Hauses“. Beginnend mit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts etablierten sich vermehrt Begrifflichkeiten, die den Zweck hatten Europa als für sich alleinstehend bzw. sich abgrenzend darzustellen, was vor allem durch religiös-politische Ideen motiviert war. 

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Ab wann verwendet man „Europa“ als Begriff?

Anonym

Geschichte

Was waren 1054 die Unterschiede, an denen man sich beim Schisma festgemacht hatte?

Anonym

Alltag

Vor allem Fragen, die den Ritus betreffen haben zu der Streitdiskussion zwischen den östlichen und westlichen Kirchen geführt. In der westlichen Kirche beharrte man beispielweise darauf ungesäuertes Brot in der Eucharistiefeier zu verwenden.

Ausgehend von der Streitfrage nach der Gerichtsbarkeit über Diözesen in byzantinischen Gebieten Süditaliens sandte der Papst Leo IX. Kardinal Humbert von Silva Candida nach Konstantinopel. Die Ereignisse hatten sich durch persönlich Vorurteile, Animositäten und Fehleinschätzungen überschlagen und mündeten darin, dass der Patriarch von Konstantinopel, Michael Kerullarios und Kardinal Silva Candida sich gegenseitig mit dem Kirchenbann belegten. Dem Streit vorausgegangen war der so genannte „Filioque-Streit“: Die Diskussion befasste sich mit der Frage, ob der Heilige Geist nur vom Vater oder auch vom Sohn ausgeht. Die römisch-katholische Kirche hält bis heute an am Zusatz des filioque fest: Der Heilige Geist geht aus Gottvater und Sohn hervor. Es ist anzunehmen, dass hinter dieser Streitfrage vor allem auch die Frage stand: Wer steht an der Spitze der Kirche? Theologische Spitzfindigkeiten wurden nur vorgeschoben. Der Papst hat sich in Rom zu einer sehr starken Regionalmacht entwickelt. Das Bündnis zwischen dem Papst und den Franken hat ihn an die Spitze gebracht.

Auch die Kreuzzüge haben das Verhältnis der Lateiner und Byzantiner in Mitleidenschaft gezogen. In der spätbyzantinischen Zeit war man bemüht das Verhältnis zwischen der römisch-katholischen Kirche und der byzantinischen Kirche zu verbessern. Man wollte die liturgischen und dogmatischen Differenzen beseitigen, was allerdings am Widerstand der Bevölkerung und des byzantinischen Klerus scheiterte. Selbst als man sich bereits im 14. Jahrhundert der drohenden osmanischen Gefahr gewahr wurde und der byzantinische Kaiser beim Papst in Rom um Hilfe erbat und ihm im Gegenzug die Kirchenunion angeboten hatte, scheiterte man am Widerstand des byzantinischen Klerus. Erst im Jahre 1965 wurde die Trennung zwischen der Kirche des Ostens und des Westens – zumindest formal – aufgehoben.

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Was waren 1054 die Unterschiede, an denen man sich beim Schisma festgemacht hatte?

Anonym

Alltag

Gibt es bezüglich der Herrschaft von Frauen einen Unterschied zwischen Ost und West? Im Westen gab es ja nie eine Kaiserin, in Russland dann schon öfters Zarinnen – könnte das durch den Einfluss von Byzanz so sein?

Anonym

Kaiser

Das kann man nicht sagen. Es gab auch im Westen ab und zu Frauen in Herrschaftspositionen und es war auch in Byzanz keine Institution. Die Kaiserin hatte in Byzanz keinerlei Machtbefugnisse. Ihre Rolle war prinzipiell auf Repräsentation beschränkt. Manchen Kaiserinnen war es aber gelungen am Hof eine aktive Position einzunehmen und Einfluss auf die Politik ihrer Gatten zu üben. (Man denke hier an Kaiserin Theodora, der Gattin von Kaiser Justinian I., im 6. Jahrhundert.) Andere Kaiserinnen übten tatsächlich staatspolitische Funktionen aus, indem sie als Regentinnen für ihre unmündigen Söhne oder als Witwen interimistisch die Herrschaft ausübten. Als Regentinnen konnten sie selbst Gesetze erlassen und die Staatsgeschäfte führen. Vielleicht liegt es auch an der orthodoxen Kirche, die eine pragmatische Einstellung im Gegensatz zur römisch-katholischen Kirche hat, vieles ist hier verhandelbar.

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Gibt es bezüglich der Herrschaft von Frauen einen Unterschied zwischen Ost und West? Im Westen gab es ja nie eine Kaiserin, in Russland dann schon öfters Zarinnen – könnte das durch den Einfluss von Byzanz so sein?

Anonym

Kaiser

Wie viele Prinzessinnen sind im Laufe der Zeit in den Westen verheiratet worden?

Anonym

Kaiser

Die Zahl ist weniger bedeutend als die Tendenz: Ab dem 11. Jahrhundert ist es nicht ungewöhnlich im höfischen Umfeld auf Frauen aus anderen Kulturkreisen anzutreffen. Umgekehrt gibt es auch Belege, dass byzantinische Mädchen die Ehefrauen zentralasiatischer Ilchane, serbischer Könige, venezianischer Dogen sowie auch babenbergischer Herzöge wurden.

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Wie viele Prinzessinnen sind im Laufe der Zeit in den Westen verheiratet worden?

Anonym

Kaiser

War die Kaiserin Theophanu porphyrgeboren?

Anonym

Kaiser

Porphyrgeboren zu sein, war erst im 10. Jahrhundert bedeutsam und stellte für den Kaiser eine besondere Form der Legitimation dar. Die Porphyra war eine Geburtskammer im Großen Palast in Konstantinopel. Diese Geburtskammer ist seit dem 8. Jahrhundert in Quellen belegt. Der Name rührt daher, weil sowohl der Boden, als auch die Wände vollständig mit purpurfarbenem Marmor vertäfelt gewesen sein sollen.

Vermutet wird, dass durch Kaiser Konstantin VII., der den Beinamen Porphyrogennetos erhielt, dieser Begriff Eingang in die höfische Terminologie fand. Er impliziert, dass man zum innersten Kreis gehört. Daher waren porphyrgeborene Prinzessinnen auch im Westen sehr begehrt.

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War die Kaiserin Theophanu porphyrgeboren?

Anonym

Kaiser

Woher kommt der Ruf der Feigheit, Hinterlistigkeit, der den Byzantinern zugeschrieben wurde?

Anonym

Geschichte

Die Byzantiner waren in der Politik sehr pragmatisch, da sie meistens an zwei Fronten Krieg führten. Sie führten eine sehr hoch ausgeprägte Geschenkediplomatie (z.B. Seidengewänder, die sehr populär waren). Sie haben beinhart abgewogen, ob sich ein Konflikt lohnt, oder ob sich z.B. ein Freikaufen einer Stadt lohnt – und dann vielleicht noch dazu türkische Söldner engagiert, was für die dort stationierten westlichen Kreuzfahrer natürlich völlig unverständlich war.

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Woher kommt der Ruf der Feigheit, Hinterlistigkeit, der den Byzantinern zugeschrieben wurde?

Anonym

Geschichte

Warum wurde Griechisch gesprochen?

Anonym

Alltag

Die meisten haben auch schon bei der Gründung Konstantinopels Griechisch gesprochen. Latein war immer als Verwaltungssprache der Bevölkerung „übergestülpt“ worden. Griechisch war immer die Kultursprache seit dem Hellenismus, es hat hier nie einen groben Bruch gegeben.

Ein richtiges Revival von Griechisch gibt es im Westen erst im 14. Jahrhundert, es wurde vorher kaum gesprochen. Generell war es in beiden Hälften des Römischen Reiches eher exotisch, die andere Sprache zu können. Daher entstanden auch viele Übersetzungsfehler. (Bsp. Byzantinische Kaiserurkunde: wurde zuerst in Griechisch ausgesendet, dann gab es eine kleine Beilage in lateinischer Übersetzung, und dann einen großen lateinischen Text – aus der Notwendigkeit zum Verständnis heraus).

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Warum wurde Griechisch gesprochen?

Anonym

Alltag

Was ist mit dem „wahren Kreuz“ passiert?

Anonym

Alltag

Es gibt die Splitter von dem „wahren Kreuz“, für das es gehalten wurde.

Die letzten Spuren des Kreuzes verlieren sich in der Schlacht gegen Saladin.

Es gab allerdings auch eine Reihe von Berührungsreliquien, die entstanden waren, als Hölzer an die vermeintlich echten Kreuzpartikel gehalten wurden und somit als eigenständige Reliquien verehrt wurden, da man auch ihnen eine heilende Wirkung zugesprochen hatte. Anfang des 13. Jahrhunderts entdeckten auch die Kreuzfahrer den Reliquienhandel für sich, wonach viele „Kreuzpartikel“ und Berührungsreliquien in alle Teile der Welt gelangten.

(Buch-Empfehlung: Holger Klein, Byzanz, der Westen und das 'wahre' Kreuz: die Geschichte einer Reliquie und ihrer künstlerischen Fassung in Byzanz und im Abendland. (Wiesbaden 2004))

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Was ist mit dem „wahren Kreuz“ passiert?

Anonym

Alltag

Ist der Kreuzsplitter echt? (Doppelarmiges Reliquienkreuz)

Anonym

Alltag

Sichtreliquien sind nicht unbedingt üblich im Westen – der Westen hatte früher eine andere Einstellung zur Sichtbarkeit. Der Kreuzsplitter könnte eingearbeitet sein. Byzanz hat jedoch einen Umgang mit Reliquien, der für uns im Westen sehr „barock“ ist. Das hat vermutlich auch den Westen beeinflusst. Nach 1200 kommen viele Byzantiner nach Westen, dann ändert sich auch der Umgang mit Reliquien – er wird viel haptischer.

In Byzanz spielte die Verehrung von Reliquien eine wichtige Rolle im öffentlichen und privaten Leben. Die bedeutendste Reliquie war das Heilige Kreuz. Die Legende besagt, dass es der Mutter von Konstantin I. dem Großen, Helena, zu verdanken ist, dass das echte Kreuz in Jerusalem gefunden wurde. Sie soll die aufgefundenen Kreuzfragmente in drei Teile geteilt haben: Demnach verblieb ein Drittel in Jerusalem, ein Drittel nahm Helena mit nach Rom und ein weiteres Drittel machte sie ihrem Sohn Konstantin zum Geschenk.

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Ist der Kreuzsplitter echt? (Doppelarmiges Reliquienkreuz)

Anonym

Alltag

Ab wann ist Rom kein Verwaltungszentrum mehr?

Anonym

Geschichte

Mit der Gründung Konstantinopels versuchte Konstantin auch vermehrt römische Senatoren in und um Konstantinopel anzusiedeln. Ihnen wurde eigenes Land sowie eigene Getreide-Rationen angeboten. Zu Beginn hatte der oströmische Senat strukturell allerdings mehr Ähnlichkeit mit einem Stadtrat als mit dem Senat in Rom. Konstantins Sohn, Konstantios II. (reg. 337-361) wandelte den oströmischen Senat in eine kaiserliche Körperschaft um, wodurch er dem Senat in Rom gleichgesetzt war. Allmählich hatten immer mehr Personen, Höflinge und Günstlinge den Titel clarissimus verliehen bekommen, wodurch die Anzahl der Mitglieder des Senats auf über 2000 Männer anstieg. Parallel zum oströmischen Senat existierte der Senat in Rom bis zum Jahr 590, als dieser aufgelöst wurde. Fortan existierte nur mehr der Senat in Konstantinopel, wodurch Rom auch seine Bedeutung als Verwaltungssitz allmählich einbüßte.

Ab dem 12. Jahrhundert ist in Rom generell sehr wenig los. Selbiges wird auch von den Zeitgenossen vermerkt. Es ist auch hier die Anschauung, dass Rom nach Konstantinopel transferiert wurde.

Auch aus religiöser Sicht beanspruchte Konstantinopel gegenüber Rom eine zunehmende Vormachtstellung. 381 folgte mit dem Konzil von Konstantinopel die Anerkennung Konstantinopels als Patriarchensitz, wodurch die Gleichrangigkeit mit Rom anerkannt wurde. Ab dem 7. Jahrhundert mit dem Beginn der arabischen Eroberungen verloren die Patriarchate von Alexandria, Antiochia und Jerusalem zunehmend an Bedeutung, wodurch Konstantinopel zum religiösen Zentrum des östlichen Christentums avancierte. Der Konkurrenzkampf zwischen Rom und Konstantinopel blieb weiterhin bestehen. Im 9. Jahrhundert versuchte man Konstantinopels Rang gegenüber Rom durch eine erfundene Gründungslegende zu erhöhen, wonach bereits der Apostel Andreas der erste Vorsteher und somit erste Patriarch einer christlichen Gemeinde in Byzantion, wie Konstantinopel früher hieß, gewesen sein soll.

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Ab wann ist Rom kein Verwaltungszentrum mehr?

Anonym

Geschichte

Was ist an Konstantinopel so anders als an anderen Verwaltungssitzen?

Anonym

Handel

Konstantinopel boomte wahnsinnig. Es hat im Gegensatz zu anderen Verwaltungssitzen eine perfekte, geschützte Lage und gute Häfen. Konstantin machte außerdem gute Werbung zur Ansiedelung von Senatoren. Er hat das strategische und wirtschaftliche Potenzial der Stadt erkannt und zu nutzen gewusst. Die Meerenge zwischen Marmarameer und dem Schwarzen Meer ließ sich von hier aus am besten kontrollieren, was wiederum eine Kontrolle der Handels- und Verkehrswege mit sich brachte.

Während der Völkerwanderung werden andere Städte zerstört, aber Konstantinopel bleibt weitgehend verschont. Es kann sich vom Hinterland gut organisieren, es ist eine gute Versorgung über das Wasser gegeben, ist geschützt durch seine dicken Stadtmauern und gilt als uneinnehmbar. Es ist die größte mittelalterliche Metropole in Europa, es gibt keine, die die Größe von Konstantinopel erreicht. Ende des 5. Jahrhunderts lebten in Konstantinopel etwa 400.000 Menschen.

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Was ist an Konstantinopel so anders als an anderen Verwaltungssitzen?

Anonym

Handel

War das Bekenntnis Konstantins des Großen zum Christentum politisch motiviert oder waren es persönliche Glaubensmotive?

Anonym

Kaiser

Konstantin der Große war äußerst bedeutend, er war der Gründer Konstantinopels und ein Wegbereiter des Christentums. Er war der der erste römische Kaiser, der das Christentum gefördert und bekräftigt hat. Zwar bestanden die spätantiken römischen Strukturen fort, aber im Selbstverständnis der Byzantiner sah man die die Regierungszeit Konstantins I., des Großen (306-337) doch als den Beginn einer neuen Ära an. Sein Bekenntnis zum Christentum wirkt sehr politisch. Wäre er aber persönlich nicht davon überzeigt gewesen, wäre es vermutlich auch schwer umzusetzen gewesen.

Der byzantinische Kaiser hatte zunächst dieselbe Bedeutung inne wie der römische Imperator. Im byzantinischen Selbstverständnis beharrte man auf der Kontinuität in der Nachfolge von Caesar und Augustus zu stehen. Unvereinbar mit der christlichen Ideologie war aber das Selbstverständnis und die Gleichsetzung des Kaisers mit Gott. Hier ist dem Bischof Eusebios von Caesarea im 4. Jahrhundert eine neue Definition der Kaiserwürde gelungen: Konstantin wurde von Gott berufen, um als Kaiser und Diener Gottes auf Erden zum Schutz des Christentums zu herrschen. Es etablierte sich somit der Glaube an das Gottesgnadentum in der byzantinischen Kaiserideologie.

Ob eine Taufe Konstantins am Totenbett tatsächlich so stattgefunden hat, wird in der Wissenschaft heftig diskutiert. Eine späte Taufe war zumindest in der Anfangsphase des Christentums nicht unüblich, zumal man somit möglichst sündenfrei sterben konnte und zuvor keinen Zwängen unterworfen war.

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War das Bekenntnis Konstantins des Großen zum Christentum politisch motiviert oder waren es persönliche Glaubensmotive?

Anonym

Kaiser

Was ist der Unterschied zur Ausstellung 2012?

Anonym

Ausstellung

Im Jahr 2012 war das Thema, was ist Byzanz und wie hat Byzanz in den Osten gestrahlt.

Jetzt wird die umgekehrte Perspektive thematisiert, wie der Westen Byzanz sieht. Dies spiegelt sich auch in den Leihgaben und in den Leihgebern wider. Bei byzantinischer Kunst ist alles sehr fragmentiert erhalten – von den meisten Institutionen, Kirchen, haben wir nur 1-2 Leihgaben, aber nicht 20.

Es handelt sich um die Geschichte, wie der Westen auf Byzanz blickte, es geht nicht um eine Kunstgeschichte der byzantinischen Welt.

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Was ist der Unterschied zur Ausstellung 2012?

Anonym

Ausstellung

Wie viele Objekte und Leihgeber gibt es in der Ausstellung?

Anonym

Ausstellung

In der Ausstellung werden ca. 300 Leihgaben von 46 Leihgeberinnen, Leihgebern und Sammlungen ausgestellt.

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Wie viele Objekte und Leihgeber gibt es in der Ausstellung?

Anonym

Ausstellung

Wie viele Lehrstühle für Byzantinistik gibt es?

Anonym

Wissenswertes

Heute kann man weltweit in ausgewählten Städten Byzantinistik studieren: darunter sind Städte wie München, Köln, Berlin, Münster, Wien aber auch Belgrad, Istanbul, Moskau, Birmingham, London, Oxford, Cambridge, Paris, Rom, Athen, Princeton, Boston und Melbourne. Weltweit gibt es an die 31 Universitätsinstitute und Forschungszentren. Jedes Institut ist dabei auf andere Themenschwerpunkte ausgerichtet. Das Institut für Byzantinistik und Neogräzistik in Wien lehrt die Fächer mit einem gesamtkulturkundlichen Fokus. Demnach finden Themen aus der Linguistik und Sprachdidaktik, der Philologie und Literaturwissenschaft, der Kunst sowie der Geschichte in der gesamten chronologischen Ausdehnung besondere Berücksichtigung in Forschung und Lehre. 

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Wie viele Lehrstühle für Byzantinistik gibt es?

Anonym

Wissenswertes

Wie wichtig ist Wien für die Byzantinistik international?

Anonym

Wissenswertes

Sehr, international ist Wien eines der größten und wichtigsten Zentren für Byzantinistik. Eine der größten Fachbereichsbibliotheken (mit rund 150 laufenden Periodica und 43.000 Bänden) befindet sich in Wien, am Institut für Byzantinistik & Neogräzistik der Universität Wien.

Momentan läuft hier an der Abteilung Byzanzforschung am Institut für Mittelalterforschung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ein großes Projekt unter dem Titel „Tabula Imperii Byzantini (TIB)“ das sich zum Ziel setzt das Byzantinische Reich in Landkarten darzustellen – eine Art kommentierter Atlas.

Bereits die Habsburger haben sich damit beschäftigt. Der Österreichische Staat besitzt einen großen Schatz an griechischen Handschriften, darum ist die Beschäftigung damit hier so hoch. Die byzantinische Archäologie ist in Wien allerdings unterrepräsentiert.

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Wie wichtig ist Wien für die Byzantinistik international?

Anonym

Wissenswertes

Was ist am Plakat abgebildet?

Anonym

Ausstellung

Die Heilige Helena aus dem Bild einer Leihgabe des Germanischen Nationalmuseums: „Kaiser Konstantin und Kaiserin Helena mit dem Kreuz Christi“ ist abgebildet. Die Ikone stammt vermutlich aus dem östlichen Mittelmeerraum und ist spätbyzantinisch, ca. 14./15. Jhdt. Angelo Monne hat im Hof und in der Ausstellung bekannte Hafenstädte illustriert, Venedig wurde als Hintergrund verwendet.

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Was ist am Plakat abgebildet?

Anonym

Ausstellung

Seit wann gibt es den Begriff „Byzantinisch“?

Anonym

Geschichte

Ab dem 16. Jhdt. Eigentlich verwendeten die Byzantiner selbst den Begriff „Römer“ oder „Rhomäer“. Die Byzantiner haben sich auch nach der Hinwendung zum Christentum auch weiterhin als Nachfolgestaat des Römischen Reiches betrachtet. Das Byzantinische Reich ist folglich geprägt durch die römische Staatsorganisation, die griechische Sprache und Kultur und die christliche Religion.
Der Begriff der „Byzantiner“ entstand im 16. Jahrhundert aus dem Begriff „Oströmer“. Er ist ein Kunstbegriff, der der Bevölkerungsgruppe von außen übergestülpt wurde. „Byzanz“ als Bezeichnung für das Oströmische Reich hat sich auch im 16. Jahrhundert durchgesetzt. Der Begriff wurde von dem deutschen humanistischen Gelehrten Hieronymus Wolf (1516-1580) geprägt.
Als Begründer der modernen wissenschaftlichen Byzantinistik im 19. Jahrhundert gilt Karl Krumbacher (1856 – 1909). Er hatte 1897 den ersten Lehrstuhl für Byzantinistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München inne. Im Vergleich dazu wurde in Wien das Institut für Byzantinistik erst im Jahre 1962 durch Herbert Hunger begründet.

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Seit wann gibt es den Begriff „Byzantinisch“?

Anonym

Geschichte

Das wissenschaftliche Team

Prof. Dr. Beate Böhlendorf-Arslan

Prof. Dr. Beate Böhlendorf-Arslan

Forschungsschwerpunkte: Alltag in Byzanz, Entwicklung von Städten und Dörfern in Byzanz, Siedlungs- und Landschaftsarchäologie in Kleinasien, Keramik, Kleinfunde (Werkzeug, Waffen, Schmuck und andere Alltagsgegenstände), Glas und Münzen

Studium der Vor- und Frühgeschichte, Christlichen Archäologie und Byzantinischen Kunstgeschichte und Vorderasiatischen Archäologie in Heidelberg, Istanbul und Tübingen (Abschluss Magistra Artium mit dem Thema „Die byzantinische Siedlung auf dem Beşiktepe / Türkei“)

Promotion in Heidelberg (Dissertation über „Die glasierte byzantinische und in der byzantinischen Tradition stehende Keramik in der Türkei“

Habilitation in Mainz (Habilitationsschrift „Die mittelbyzantinische Siedlung in Boğazköy. Fallstudie zum Alltagsleben in einem anatolischen Dorf zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert.

Seit 2006 Leitung eines Feldsurveys in der Türkei zur Erforschung des „Spätantiken und byzantinischen Lebens im Naturraum südliche Troas“

Seit 2007 verantwortliche Mitarbeit und seit 2013 Leiterin eines Forschungsprojektes (gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft) zur „Entwicklung der Stadt Assos (Türkei) in der spätantiken und byzantinischen Zeit

Berufliche Stationen:
Assistenz-Professorin in Çanakkele (Türkei)
Wissenschaftliche Mitarbeiterin in Freiburg, in Cottbus und Mainz (an der Universität und am Römisch Germanischen Zentralmuseum)
aktuell: Professorin für Christliche Archäologie und Byzantinische Kunstgeschichte an der Philipps-Universität Marburg

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Prof. Dr. Beate Böhlendorf-Arslan

Dr. Jérémie Chameroy

Dr. Jérémie Chameroy

1976 in Paris geboren, studierte Jérémie Chameroy Geschichte und Archäologie an der Pariser Sorbonne, an der Philipps-Universität in Marburg sowie an der J.W. Goethe Universität in Frankfurt, wo er 2007 über die Münzprägung der Kaiser der valentinianischen Dynastie (364-383) promovierte. Seit 2011 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Kurator der Münzsammlung im Römisch-Germanischen Zentralmuseum (Mainz). Im Auftrag des Deutschen Archäologischen Instituts übernahm er 2008 die Bestimmung und Aufnahme der Fundmünzen der DAI-Grabung in Pergamon. Seine Forschungsinteressen gelten der Münzwirtschaft im hellenistischen Kleinasien sowie im spätantiken bzw. frühmittelalterlichen Westen - mit einer besonderen Vorliebe für die Produktion und Zirkulation von Imitationen und Fälschungen von Münzen im Mediterranen Raum.

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Dr. Jérémie Chameroy

© A. Stockhammer

Prof. Dr. Falko Daim

Prof. Dr. Falko Daim

Geboren am 28. Februar 1953 in Wien. 

Studium der Ur- und Frühgeschichte sowie mittelalterlicher und neuerer Geschichte an der Universität Wien, Promotion zum Dr. phil. 1976.

Habilitiert 1986

Universitätsprofessor 1992

Vorstand des Interdisziplinären Forschungsinstituts der Universität Wien (VIAS Vienna Institute for Archaeological Science) 2000

Seit 1. November 2003 Generaldirektor des RGZM

Initiator des WissenschaftsCampus Mainz: Byzanz zwischen Orient und Okzident und mehrerer Großausstellungen, darunter 2001 „Sein und Sinn – Burg und Mensch“ (Burg Ottenstein und Schloss Waldreichs), 2010 „Byzanz - Pracht und Alltag“ (Bundeskunsthalle Bonn), 2012 „Das goldene Byzanz und der Orient“ (Schallaburg).

© A. Stockhammer

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Prof. Dr. Falko Daim

© A. Stockhammer

Dr. Jörg Drauschke

Dr. Jörg Drauschke

Jörg Drauschke studierte seit 1994 an den Universitäten Göttingen und Freiburg Ur- und Frühgeschichte, Mittelalterliche Geschichte sowie Geologie und wurde 2005 mit einer Dissertation zum Thema „Zwischen Handel und Geschenk – Studien zur Distribution von Waren im östlichen Merowingerreich des 6. und 7. Jahrhunderts anhand orientalischer und lokaler Produkte“ in Freiburg promoviert. Nach einer ersten beruflichen Station am Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg koordinierte er von 2006 bis 2011 die Kooperation „Byzantinische Archäologie Mainz“ des RGZM und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Dem „Leibniz-WissenschaftsCampus Mainz: Byzanz zwischen Orient und Okzident“ gehört er seit 2011 als Vorstandsmitglied an. Er war wissenschaftlicher Koordinator der Ausstellung „Byzanz – Pracht und Alltag“, die 2010 in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn gezeigt wurde und übernahm danach die Stelle des Kurators für die frühmittelalterlichen Bestände des RGZM. Seit 2015 ist er Leiter des Arbeitsbereichs Sammlungen.

Forschungsthemen:

Frühbyzantinische Archäologie (v. a. Kleinfunde), spätantike und frühmittelalterliche Archäologie in Mittel- und Westeuropa, Kontakte, Handel und Austausch zwischen Byzanz und dem Westen vom 5. bis 8. Jahrhundert, Handwerk in Byzanz und dem Westen (Buntmetall, Glas)

 

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Dr. Jörg Drauschke

Dr. Dominik Heher

Dr. Dominik Heher

Geboren 1984 in Melk, studierte Byzantinistik und Neogräzistik und die Unterrichtsfächer Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung sowie Italienisch an der Universität Wien, wo er auch promovierte.

Seit 2010 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz. Gemeinsam mit Falko Daim kuratierte Heher 2012 die Ausstellung „Das Goldene Byzanz & der Orient“ auf der Schallaburg und nun auch das Folgeprojekt „Byzanz & der Westen. 1000 vergessene Jahre“.

Daneben ist er aktuell an einem Forschungsprojekt zur Erfassung mittelalterlicher Anlegestellen entlang der Küsten der Balkanhalbinsel beteiligt. Seine sonstigen Forschungsschwerpunkte betreffen das byzantinische Zeremoniell und politische Rituale.

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Dr. Dominik Heher

o. Univ.Prof. emer. Dr. Dr. h.c. mult. Johannes Koder

o. Univ.Prof. emer. Dr. Dr. h.c. mult. Johannes Koder

1960-1965 Studium an der Universität Wien, Hauptfach Byzantinistik, Nebenfächer Arabistik, Gräzistik, 1965 Dr. phil., Postdoc Studien 1967 Athen, 1970/71 München, 1973 Habilitation “Byzantinistik”, 1977-1978  ao. Prof. Universität Wien, 1978-1985  Prof. Universität Mainz, 1985-2010  o. Prof., Universität Wien

wirkl. Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, auswärtiges Mitglied der Akademie Athen, Mitglied der Academia Europaea

Dr. h.c. der Universitäten Athen, Ioannina und Thrakien

2007-2009 interim. Direktor Österreich.  Archäolog. Institut 

2008-2009 Grabungsleiter  Ephesos

2012-2016 Präsident der Association Internationale des Études Byzantines

2002-2008 Senior Fellow Byzantine Studies in Dumbarton Oaks (Washington)

1996  Kommandeur des Phönix-Ordens der Hellenischen Republik – 2004  Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich – 2010  Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse

12 Monographien und Sammelbände, ca. 240 Artikel, ca. 70 Kurzbeiträge.

Forschungsschwerpunkte: Historische Geographie, bes. Siedlungs-, Wirtschafts- und Bevölkerungsgeschichte des östlichen Mittelmeerraumes im Mittelalter Byzantinisches Alltagsleben, bes. Ernährungskunde, Logistik Östliches Mönchtum und Hymnographie

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o. Univ.Prof. emer. Dr. Dr. h.c. mult. Johannes Koder

Univ.-Prof. Dr. Andreas Külzer

Univ.-Prof. Dr. Andreas Külzer

Geboren am 29. Dezember 1962 in Leverkusen, Deutschland.

1984 bis 1993 Studium der Byzantinistik, der Alten Geschichte, der Mittelalterlichen und Neueren Geschichte an der Universität zu Köln

Studien in Archäologie, Kunstgeschichte, Klassischer Philologie und Ethnologie.

1990 Magister Artium, 1993 Promotion, 1999 Habilitation, 2007 apl. Univ. Professor für Byzantinische Geschichte und Literatur an der Universität zu Köln.

Seit 1997 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien; Mitarbeiter des Langzeitprojektes Tabula Imperii Byzantini, Projektleiter „Kleinasien“, Senior Scientist.

Vorstandsmitglied der Österreichischen Byzantinischen Gesellschaft, Mitglied im Österreichischen Nationalkomitee an der Association Internationale des Études Byzantines

Forschungsinteressen: Byzantinische Geschichte und Literatur / Historische Geographie / Häfen und maritime Netzwerke / Pilgerwesen / Anatolien.

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Univ.-Prof. Dr. Andreas Külzer

Dr. Johannes Preiser-Kapeller

Dr. Johannes Preiser-Kapeller

Geboren 1977 in Zwettl (NÖ). Er studierte Byzantinistik und Neogräzistik sowie Alte Geschichte in Wien und promovierte 2006 mit einer Dissertation zur byzantinischen Kirche.

Seit 2007 ist er an der Abteilung Byzanzforschung (Institut für Mittelalterforschung) der Österreichische Akademie der Wissenschaften tätig, war aber auch an Projekten der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und des Römisch-Germanischen Zentralmuseums beteiligt.

Seine Forschungsschwerpunkte sind die byzantinische Geschichte in der globalen Verflechtung und im Vergleich, Umwelt- und Klimageschichte sowie Netzwerk- und Komplexitätsforschung. Seine jüngste Publikation „Jenseits von Rom und Karl dem Großen“ (2018) beschäftigt sich mit den Beziehungen zwischen Byzanz und anderen Weltregionen zwischen dem 4. und 9. Jahrhundert.

Einen Überblick zu seinen Forschungen bieten die Internetseiten http://johannespreiserkapeller.academia.edu/ und https://www.dasanderemittelalter.net/

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Dr. Johannes Preiser-Kapeller

© Barbara Mair

Prof. Dr. Claudia Rapp w.M. FBA

Prof. Dr. Claudia Rapp w.M. FBA

Seit 2011 Professorin für Byzantinistik an der Universität Wien und seit 2012 Leiterin der Abteilung Byzanzforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Sie ist Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und korrespondierendes Mitglied der British Academy, des Deutschen Archäologischen Insituts und der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. 2015 wurde ihr der Wittgenstein-Preis zuerkannt.

Nach dem Studium in Berlin und der Promotion in Oxford lehrte sie 22 Jahre in den USA, zuerst an der Cornell University, dann an der University of California, Los Angeles. Gastprofessuren und Forschungsstipendien führten sie u.a. nach Princeton, Utrecht, Budapest, Jerusalem, Oxford und Paris.

Ihr Forschungsgebiet ist die Sozial- und Kulturgeschichte in Spätantike und Byzanz.

Mit ihren Teams widmet sie sich der Forschung zu Mobilität, Mikrostrukturen und persönlichen Handlungsspielräumen, zu den byzantinischen Gebetbüchern als Quelle für die Sozial- und Alltagsgeschichte, und zu den Palimpsesthandschriften in der Bibliothek des Katharinenklosters im Sinai.

© Barbara Mair

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Prof. Dr. Claudia Rapp w.M. FBA

© Barbara Mair

Priv.-Doz. Mag. Dr. Andreas Rhoby

Priv.-Doz. Mag. Dr. Andreas Rhoby

Geb. 1974, studierte Byzantinistik und Neogräzistik, Geschichte sowie Deutsch als Fremdsprache an den Universitäten Wien und Athen. Die Ausbildung zum „akademischen Balkanologen“ erfolgte am Institut für den Donauraum und Mitteleuropa.

Er ist Mitarbeiter an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Institut für Mittelalterforschung, und stellvertretender Leiter der Abteilung Byzanzforschung. Er ist außerdem Privatdozent an der Universität Wien und Chair der Kommission Corpus Fontium Historiae Byzantinae (CFHB) und einer der Koordinatoren der Kommission Inscriptiones Graecae Aevi Byzantini (IGAB) der Association Internationale des Études Byzantines (AIEB).

Er ist Autor zahlreicher Monographien und von ca. 100 Aufsätzen und Herausgeber mehrerer Sammelbände. Seine wissenschaftlichen Interessen sind byzantinische Literatur (vor allem Dichtung), Epigraphik, Lexikographie, Byzanz und Österreich und allgemein byzantinische Kulturgeschichte.

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Priv.-Doz. Mag. Dr. Andreas Rhoby

© Marion Rath, Wien

Susanne Rühling M.A.

Susanne Rühling, MA

Nach ihrer ersten Ausbildung in Verfahrenstechnik, absolvierte Susanne Rühling, MA ein Studium der Vor- und Frühgeschichtlichen Archäologie, Kunstgeschichte und Orientalischen Kunstgeschichte in Mainz und Bonn, das sie mit einer Magisterarbeit abschloss. Der Titel ihrer Magisterarbeit lautet: Pan im Buchsbaum - ein Syrinxfund aus Titz-Ameln und beschäftigt sich mit archäologischen Funden von Panflöten aus den nördlichen Provinzen des römischen Reiches.

Als Managerin des bekannten Musiklabels Emmuty Records (www.emmuty.de) für historische und traditionelle Musik hat sie zahlreiche Aufnahmen, Musikgruppen und Projekte begleitet.

Eines ihrer eigenen Projekte ist das Ensemble für frühe Musik Musica Romana (www.musica-romana.de), welches seit seiner Gründung zahlreiche Auftritte in Museen, Universitäten und Konzerthallen in ganz Europa absolviert hat. Es entstanden zahlreiche Aufnahmen für Alben, Radio, Filme und Ausstellungen. Die Gruppe erhielt große Aufmerksamkeit in der internationalen Presse und ihre Musik wird u.a. in didaktischen Materialien für Schulen und Universitäten verwendet.

Zurzeit beschäftigt sie sich mit Richtlinien und Konzepten zur Wiederaufführungspraxis in der Musikarchäologie, sowie deren Umsetzung in der Vermittlung an Museen und Schulen. 

© Marion Rath, Wien

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Susanne Rühling M.A.

© Marion Rath, Wien

Jessica Schmidt, M.A.

Jessica Schmidt, M.A.

Studierte Christliche Archäologie und Byzantinische Kunstgeschichte, Kunstgeschichte sowie Philosophie an der Johannes Gutenberg-Universität, Mainz (JGU, Mainz). Sie promovierte zum Thema „Die spätbyzantinischen Wandmalereien des Theodor Daniel und Michael Veneris – Eine Untersuchung zu den Werken und der Vernetzung von zwei kretischen Malern“. 

Zwischen den Jahren 2013 und 2016 war sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt „Dokumentation und Auswertung der griechischen Inschriften Kretas (13.-17. Jh.)“. 

Seit 2016 ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin von Generaldirektor Prof. Dr. Falko Daim am Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM, Mainz).

Seit 2018 ist sie Koordinatorin des DFG-SPP 1630 Häfen (Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf, Schleswig / Römisch-Germanisches Zentralmuseum Forschungsinstitut für Archäologie, Mainz).

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Jessica Schmidt, M.A.

PD Mag. Dr. Alexandra-Kyriaki Wassiliou-Seibt

PD Mag. Dr. Alexandra-Kyriaki Wassiliou-Seibt

Akademische Abschlüsse (Ort, Jahr):
Mag. phil. (Byzantinistik u. Neogräzistik/MA in Neogräzistik, Geschichte), Wien, 1995
Dr. phil. (Byzantinistik), Wien, 1998
Habilitation (Byzantinistik), Wien, 2014

Wichtige vorherige Karrierestationen (incl. Auslandsaufenthalte):
Washington, D.C., Dumbarton Oaks, Summer Fellowship 2009
Paris, Université Catholique, IFEB, Forschungsaufenthalt Februar 2014
Univ. Ioannina/Griechenland, Visiting Professor via Erasmus, March 2014 and April 2017
Seit 2003 Mitglied des Editorial Board des internationalen Publikationsorgans Studies in Byzantine Sigillography  (gegründet von Nikos Oikonomides)
Seit 2016 Hauptherausgeberin des oben genannten Publikationsorgans
Seit 2014 externes Mitglied der Evaluierungskommission des Department for History and Archeology/University of Ioannina
Seit 2017 externes Mitglied der Evaluierungskommission des Department for History and Ethnology/Democritus University/Komotini, Greece
Seit 2009 Leiterin des Siegelprojekts an der ABF
Seit März 2017 gewählte A. O. Prof. für Byzantinische Geschichte und Sigillographie an der Aristoteles Universität Thessaloniki. Voraussichtlicher Dienstantritt: Oktober 2018

Seit 1999 wissenschaftliche Mitarbeiterin (zunächst via FWF, seit Juli 2007 unbefristet) der ÖAW/ABF.

Derzeitige Einstufung: Senior Staff Scientist (50% Dienstverhältnis)

Derzeitiges Forschungsprojekt: Byzantinische Siegelkunde

Wichtige Publikationen:
Die byzantinischen Bleisiegel in Österreich, 2. Teil, Zentral- und Provinzialverwaltung. Wien 2004 (zusammen mit Werner Seibt, Projektleiter und zweiter Autor)
Corpus der byzantinischen Siegel mit metrischen Legenden. Bd. 1 (Einleitung, Siegellegenden von Alpha bis inklusive My). WBS 28/1 (Wien 2011). Bd. 2 (Siegellegenden von Ny bis inklusive Sphragisma) WBS 28/2 (Wien 2016)
Der byzantinische Mensch in seinem Umfeld. Weitere Bleisiegel der Sammlung Zarnitz im Museum August Kestner. Rahden/Westfalen 2015 (zusammen mit Werner Seibt, zweiter Autor)

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PD Mag. Dr. Alexandra-Kyriaki Wassiliou-Seibt

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Welche Rolle spielt der heutige Libanon im Byzantinischen Reich?

Carina

Wissenswertes

Das Gebiet des heutigen Libanons wurde um 63 v. Chr. als Teil der Großprovinz Syria in das Imperium Romanum eingegliedert. Mit den Reformen der Kaiser Diokletian und Konstantin wurde um 300 n. Chr. aus den Städten des Libanon und nördlich angrenzenden Küstenregionen die kleinere Provinz Phoenice, die den Namen der antiken Phönizier wiedererweckte, gebildet. Insbesondere die traditionsreichen Häfen von Tyros, Sidon, Berytos (Beirut) und Tripolis waren nach wie vor wichtige Knotenpunkte in den Netzwerken des Seehandels im römischen Mittelmeerraum. Berytos beherbergte spätestens seit dem späten 2. Jh. n. Chr. auch eine berühmte Schule für das römische Recht, die u. a. durch das Wirken der beiden Gelehrten Papinian und Ulpinian reichsweite Bedeutung erlangte. Auch Kaiser Justinian I. erklärte im Jahr 530 Berytos (neben Konstantinopel und Rom) zu einer der drei im ganzen Reich anerkannten Lehrstätten des Rechts. Allerdings wurde die Schule so wie die ganze Stadt um 551 durch ein Erdbeben schwer beschädigt, was ihren Niedergang einleitete.
Auch sonst erlebten die östlichen Provinzen des oströmischen Reiches im späteren 6. und im früheren 7. Jh. eine Krisenzeit, die vor allem durch die sogenannte Justinianische Pest und mehrere verheerende Kriege mit den persischen Sasaniden, deren Truppen um 614 auch in den Libanon vorstießen, markiert wurden. Die Schwächung der römischen Herrschaft erleichterte die Expansion der durch den Islam geeinten arabischen Stämme, die nach 636 auch die Städte des Libanon eroberten. Doch auch nach der arabischen Eroberung bestanden insbesondere über die Seewege weiter Kontakte ins Byzantinische Reich; auch manche Pilger aus Byzanz auf dem Weg ins Heilige Land nutzten die Häfen des Libanon. In die Gegenrichtung floh um das Jahr 759 ein gewisser Bundar als Anführer eines gescheiterten Aufstands gegen die arabische Herrschaft in Heliupolis (Baalbek im Landesinneren des Libanon) nach Konstantinopel. Aus Heliupolis stammte auch der Heilige Elias „der Jüngere“, der im Jahr 779 wegen seines vermeintlichen Abfalls vom Islam zurück zum Christentum hingerichtet und danach auch im ganzen Byzantinischen Reich als Märtyrer verehrt wurde.
Im 9. und 10. Jh. wurde der libanesische Hafen Tripolis zu einem der Ausgangspunkte regelmäßiger Plünderungszüge an die Küsten des byzantinischen Reiches. Insbesondere der Flottenkommandant Leon von Tripolis, ein aus dem byzantinischen Attaleia (Antalya) in Kleinasien stammender Konvertit zum Islam, erreichte einigen Ruhm, vor allem durch die spektakuläre Eroberung Thessalonikes, der zweitgrößten Stadt des byzantinischen Reiches, im Jahr 904. In der zweiten Hälfte des 10. Jh.s konnte Byzanz wieder in die Offensive übergehen und 969 die wichtige Stadt Antiochia in Nordsyrien erobern; danach stieß insbesondere Kaiser Johannes I. Tzimiskes 974/975 durch den Libanon bis in den Norden des Heiligen Landes vor. Zu dauerhaften Eroberungen kam es in diesen Gebieten allerdings nicht, da sich von Ägypten her mit den Fatimiden eine neue muslimische Großmacht in der Region etablierte.
Mit den Fatimiden konnten die byzantinischen Kaiser eine Art modus vivendi aushandeln, der den Frieden einigermaßen sicherte. Dieser Zustand endete aber ab den 1060er Jahren, als von Osten her die Seldschuken in den Raum vorstießen. Syrien und der Libanon waren von politischer Fragmentierung geprägt, die auch den ab 1097 in die Region einfallenden Kreuzfahrern aus Westeuropa die Eroberung erleichterte. Unter den Kreuzfahrerstaaten entstand im Libanon auch die Grafschaft Tripolis, die bis zur Eroberung durch die ägyptischen Mamluken 1289 Bestand hatte. In diesen Jahrhunderten hatten die byzantinischen Kaiser keinerlei politischen Einfluss mehr im libanesischen Raum, unterhielten aber diplomatische Kontakte zu den jeweiligen Herrschern über die Region wie etwa die Mamlukensultane in Kairo. Noch intensivere Beziehungen gab es auf kirchlicher Ebene, bestanden doch auch verschiedene „melkitische“ christliche Gemeinden, die in Glaubensgemeinschaft mit Konstantinopel standen, weiter. Metropolit Arsenios von Tyros etwa hielt sich in den 1340er bis 1360er Jahren häufig in Konstantinopel auf, wurde dort aber in die Konflikte um die Theologie des Gregorios Palamas verwickelt und sorgte für einige Unruhe.
In einem Imperium fanden sich Konstantinopel und der Libanon dann nach der jeweiligen Eroberung durch die Osmanen (1453 bzw. 1516) wieder.
 
Literaturhinweis: Linda Jones Hall, Roman Berytus. Beirut in Late Antiquity. London 2004, 408 S.

Wie beeinflußt der geschichtliche Konflikt zwischen Byzanz und dem Westen bis heute die Kommunikation zwischen den aktuellen Ländern?

Irena

Geschichte

Eine tatsächliche Kontinuität der Konflikte zwischen Byzanz und dem „Westen“ ist die bis heute andauernde Spaltung zwischen der römisch-katholischen und den orthodoxen Kirchen. Zwar gibt es seit den 1960er Jahren intensive Bemühungen um die Ökumene, doch stoßen diese bis heute auf Widerstand, nicht zuletzt etwa in der russisch-orthodoxen Kirche, die auch darin den Ehrenvorrang des Patriarchats von Konstantinopel herausfordert.
Aus den religiösen Unterschieden zwischen den Ländern, in denen die westlichen Kirchen (Katholizismus und Protestantismus) bzw. die Orthodoxie vorherrschen, wollten und wollen verschiedene Stimmen auch eine kulturell-mentalitätsgeschichtliche Trennlinie quer durch Europa konstruieren. Dabei spielte auch ein seit dem 18. Jh. in der westeuropäischen Historiographie etabliertes Zerrbild von Byzanz als dekadenter, autokratischer, von Intrigen und übermäßigem Pomp gekennzeichneter Kultur („Byzantinismus“) eine Rolle, das manchmal noch beschworen wird. Der US-amerikanische Politologe Samuel Huntington zog in den 1990er Jahren – auch unter dem Eindruck der Kriege im zerfallenden Jugoslawien zwischen „orthodoxen“ Serben, „katholischen“ Kroaten und „muslimischen“ Bosniern – in seinem Buch „Kampf der Kulturen“ die Grenzen Europas (und der europäischen Integration) dort, wo Orthodoxie und Islam beginnen, worin ihm auch manche Politiker in Westeuropa und in Österreich folgen wollten. Spätestens mit dem Beitritt der „orthodoxen“ Länder Rumänien und Bulgarien zu EU und NATO scheint diese vermeintliche Trennlinie (zumindest gegenüber der Orthodoxie, anders sieht es bezüglich des Islam aus) in der öffentlichen Debatte in Westeuropa weitgehend passé.
Doch wird sie durchaus auch von ihrer östlichen Seite beschworen, etwa in nationalistisch-orthodoxen Kreisen in Russland, die den „Westen“ als moralisch verdorben (Stichwort z. B. Songcontest und Conchita Wurst) und als Gefahr für das Seelenheil der orthodox-slawischen Christenheit, die sich um Russland scharen sollte, sehen. In diesen Gruppen wird der Untergang des Byzantinischen Reiches damit begründet, dass es sich zu sehr für religiöse und wirtschaftliche Einflüsse aus Westeuropa öffnete und das „Erbe“ der orthodoxen Väter verriet (so die Interpretation etwa in der von kirchlichen Kreisen in Russland produzierten und auch auf Englisch übersetzten Dokumentation „The Fall of an Empire – the Lesson of Byzantium“: https://www.youtube.com/watch?v=f1CWG-2GLU4).
Ein „heißes“ Thema ist schließlich auch der Umgang mit dem materiellen byzantinisch-orthodoxen Erbe aus dem Mittelalter, insbesondere den Kirchen- und Klosterbauten. Mittelalterliche serbische Klöster wurden z. B. im Kosovo das Ziel der Zerstörung durch albanisch-nationalistische Kreise. In der Türkei wiederum versuchen nationalistisch-muslimische Kreise die Umwandlung von nun als Museen deklarierten byzantinischen Kirchenbauten, darunter auch der Hagia Sophia in Istanbul, in Moscheen (so wie sie nach der osmanischen Eroberung bis in die Zeit Atatürks genutzt wurden) durchzusetzen.
Dass aber sogar in der burgenländischen Ortschaft St. Andrä am Zicksee der Neubau eines orthodoxen Klosters im Jahr 2017 erst nach längeren heftigen Debatten unter den Einwohnern umgesetzt werden konnte (vgl. https://www.bvz.at/neusiedl/knalleffekt-in-st-andrae-kloster-bau-startet-im-neuen-jahr-orthodoxes-kloster-klosterbau-70722510#), erscheint vor diesem Hintergrund fast kurios.
Insgesamt können also Aspekte der historischen Konflikte zwischen Byzanz und dem Westen bis heute verschiedene Gemüter erregen und in der Instrumentalisierung für aktuelle Debatten eine Rolle spielen.

Was bedeuten die "Sterne", Symbole auf Schultern und Haupt der Ikonen?

Maria

Wissenswertes

Die drei Sterne, die oft an Stirn und Schultern von Marienikonen zu sehen sind, sollen die Jungfräulichkeit Mariens vor, während und nach der Geburt von Jesus Christus symbolisieren.

Welche Sprachen beherrschte Karl der Große?

Friedrich H. Plank

Wissenswertes

Der fränkische Gelehrte Einhard (geb. um 770 – gest. 14.03.840) verfasste die Vita Kaoli Magni, die Biographie Karls des Großen. Dieser entnehmen wir folgende Passage: „Karl… beherrschte nicht nur seine Muttersprache, sondern erlernte auch fleißig Fremdsprachen. Latein verstand und sprach er wie seine eigene Sprache. Griechisch konnte er allerdings besser verstehen als sprechen.“ Als Belege für Karls Kenntnis des Lateinischen kann zum einen die Nachricht dienen, dass an seinem Tisch unter anderem Augustinus (354 – 430) „Gottesstaats“ vorgelesen wurde; eine Übersetzung in die Volkssprache gab es nicht, und es ist nicht recht vorstellbar, dass Karl die Lesung nur als Hintergrundgeräusch hingenommen haben sollte. Zum anderen besitzen wir als Beleg für Karls entwickelte Lateinkenntnisse die Randnotizen in einer Handschrift einer theologischen Streitschrift gegen die Beschlüsse des Konzils von Nicaea 787, in denen die Ausführungen des Verfassers immer wieder mit Bemerkungen wie „richtig!“, „rechtgläubig!“, „gut argumentiert!“ oder ähnlich kommentiert werden. Es scheint überzeugend, dass diese Ausrufe als Kommentare des Frankenkönigs Karl gedeutet werden, der damit seine Zufriedenheit mit dem ihm vorgelesenen Text ausdrückte, den er offenbar sehr gut verstanden hat. Über Karls Griechischkenntnisse besitzen wir keine weiteren Informationen; vielleicht wurde Einhard durch seine Vorlage – die Vita des Kaisers Titus (79 – 81 v. Chr.) des römischen Autors Sueton – dazu angeregt, auch für seinen Helden Kenntnisse des Griechischen zu behaupten. Nicht eigens erwähnt wird, dass Karl auch das Romanische seiner westfränkischen Untertanen verstanden und wohl auch gesprochen haben muss. Für den Ostfranken Einhard dürfte des ganz selbstverständlich gewesen sein, denn sonst hätte Karl nicht Reichsversammlungen leiten und Heere anführen können, deren Teilnehmer zu großen Teilen romanische Dialekte sprachen. Auf den Reichsversammlungen wurden anscheinend Rechtstexte aus dem Lateinischen in die Volkssprache übersetzt; wie wir aus einer Nachricht zum Jahr 802 wissen, in der von solchen Übersetzungen die Rede ist. Diese Übersetzungen waren wohl deshalb nötig, weil viele der Teilnehmer nicht mehrsprachig waren, nicht aber, weil der Herrscher den Verhandlungen aus Unkenntnis der wichtigsten Sprachen seines Reiches sonst nicht hätte folgen können.

Quelle: Martina & Wilfried Hartmann: Die 101 wichtigsten Fragen. Karl der Große. München: C.H. Beck, 2014, S. 100.

Zu den Seidenstoffen: mit welcher Technik wurden die Motive auf die Stoffe gebracht? Also zb. Bedruckt, bemalt, Ikat- oder eine Art Jaquartechnik? Danke!

Puchinger Reinhard

Wissenswertes

Schriftliche Quellen aus byzantinischer Zeit enthalten Informationen über staatliche Manufakturen, in denen nicht nur Münzen und Waffen hergestellt wurden, sondern auch über Textilien und das Textilhandwerk. Behandelt werden die Rohmaterialien und deren Gewebearten, die entsprechend ihrer Machart und Herkunft ihre Bezeichnung erhielten, und Farbstoffe sowie deren Gewinnung. Die Ursprünge der Seidenherstellung in Byzanz sind im kaiserzeitlichen Syrien und in Persien zu finden.
Seide wurde zunächst importiert, doch gelangten der Überlieferung nach um die Mitte des 6. Jahrhunderts durch zwei Mönche Seidenraupen in ihren ausgehöhlten Wanderstöcken nach Byzanz. Auf deren Ausfuhr aus Asien stand die Todesstrafe, dennoch wurde dadurch der Grundstein für die Entwicklung der europäischen Seidenindustrie gelegt. Es wurden Maulbeerbaumplantagen angelegt, anfangs in der Levante, in mittelbyzantinischer Zeit in Süditalien, Griechenland und vermutlich auch in Kleinasien. Byzanz hat in Folge das Geheimnis der Seidenherstellung streng gehütet und so seine Monopolstellung in Europa Jahrhunderte lang halten können. Da im Oströmischen Reich die antike Handwerkstradition nicht unterbrochen wurde, bewahrte die byzantinische Textilindustrie ein hohes technisches und künstlerisches Niveau. Sie war zugleich der wichtigste Zweig der antiken Wirtschaft. Die Seidenmanufaktur erreichte während der Zeit der makedonischen Kaiser ihren Höhepunkt. Die immense Wichtigkeit der Textilindustrie ist im Eparchenbuch (siehe Kap. 2.2) dargelegt. Es sind viele Informationen seitens der Organisation der Seidenindustrie von Konstantinopel überliefert. Im 10. Jahrhundert waren zwei grundlegende Zünfte in die Herstellung von Seidentextilien involviert. Die erste Zunft waren die metaxopratai, welche die Kokons bzw. die Rohseide kartellrechtlich kauften. Diese verkauften sie ihrerseits an die Zunft der katartarioi, die sie weiterverarbeiteten; das Seidengarn kauften die metaxopratai anschließend von den katartarioi zurück, um es schließlich an die metaxarioi weiter zu verkaufen. Letztere bildeten die zweite und wichtigste Zunft, da sie die Seide färbten, webten und schnitten. Sie waren für den lukrativsten Teil des Produktionsprozesses verantwortlich und diejenigen, die die größten Investitionen notwendig hatten. Es ist möglich und sogar wahrscheinlich, dass die Mitglieder der Aristokratie Konstantinopels in diesen Teil des Prozesses investierten, aber es kann in diesem Fall nicht von einem Monopol die Rede sein. Die Nachfrage nach seidenen Stoffen war hoch, da eine Reihe von verschiedenen Sorten der Seide existierte. So war Sidon die Bezeichnung für einen Seidenstoff aus dem Kleidung und Futter genäht wurde. Die hochwertigste Seide, in einem Purpur Farbton, oft mit dem teuren porphyra gefärbt –  aus der Muschel murex extrahiert –  war lange Zeit auf die Bedürfnisse des kaiserlichen Hofes beschränkt. Die Seidenmanufaktur der byzantinischen Hofwerkstätten mit ihren charakteristischen Mustern erreichte eine Perfektion, die weltweit gerühmt wurde. In die ohnehin meist schweren und steifen Seidenstoffe wurden Gold und Purpurfäden eingelegt, andere Gewänder wurden mit Stickereien verziert.
Auch Webmuster, die in spätrömischer Zeit noch Ausnahmen waren, wurden immer beliebter und trugen dazu bei, dass die Kleidung in Byzanz ein orientalisches Gepräge erhielt. Eingewebte Muster mit Tieren können v.a. Löwen, Bären, Panther, Stiere, Pferde mit Reiter, Elefanten, Adler, Greife oder Phantasiewesen, aber auch Vögel und Blumen sein.
Olovere heißen in Serbien die Purpurstoffe, die mit Löwenmuster verziert wurden. Die Motive und die Art der Darstellung kombinieren persische und hellenistische Formen. Diese werden oft in juwelenbesetzte Kreise eingeschrieben oder wappensymmetrisch komponiert. Die Seidenstoffe der kaiserlichen Werkstätten erhalten darüber hinaus die Signatur des Kaisers als Inschrift eingewebt. Außerdem gab es auch private Ateliers der Seidenweberei, möglicherweise auch in Klöstern, wo einfachere Muster hergestellt wurden.
Archäologische Befunde sowohl für die Textilverarbeitung als auch die Textilfärberei sind in Cherson, Lykien, Theben und Athen entdeckt worden. Überdies wurde eine Färberei in Sardes freigelegt. Das Preisedikt Diokletians (284-305) bestimmt Skythopolis als den Herstellungsort des besten Leinen. In mittelbyzantinischer Zeit waren Tinnis und weitere ägyptische Zentren Leinenlieferanten. Darüber hinaus wurden in dieser Zeit Pelze und Felle aus der Rus eingeführt. Die staatlichen Textilmanufakturen waren Produzenten für die Kleidung der Armee, der Beamtenschaft und des Hofes. Textilien wurden in Ägypten sowie in der Levante ausgegraben.
Ausgedehnte Handelsnetze für Stoffe und fertige Bekleidung sind in der Kairoer Geniza und anderen Dokumenten erwähnt; über Handelsbeschränkungen wird im Eparchenbuch Leons des Weisen berichtet.
In Serbien wurde Seide produziert, aber es wurden auch manche kostbaren Materialien importiert. Händler aus Dubrovnik haben in Serbien Seide verkauft. Laut einer Urkunde des Stephan Lazarević wurde sowohl auf kleinen Märkten sowie auf großen Märkten wie Novo Brdo und in einigen anderen Städten Seide gehandelt. Die daraus angefertigte hochwertige Kleidung wurde in Städten und am Hof getragen.


Quelle: Martina Eichinger: Profane Kleidung im byzantinischen Kulturbereich. Diplomarbeit. Universität Wien, 2013, S. 26 - 29.

Literaturtipp: Johannes Koder: Das Eparchenbuch Leons des Weisen. (Corpus Fontium Historiae Byzantinae, Bd. 33). Wien: VÖAW, 1991.

Welche Rolle spielten die Athos-Mönche in der Auseinandersetzung zwischen Byzanz und dem Westen, insbesondere in und nach dem 4. Kreuzzug?

Dietrich Scherff

Geschichte

Seit der Gründung der ersten Großklöster (beginnend mit der Megisti Lavra 963) erlebte der Berg Athos ein großes Wachstum, sodass es am Vorabend des Vierten Kreuzzugs schon eine Vielzahl von Klöstern und Gemeinschaften gab, die mit umfangreichem Grundbesitz weit über die Grenzen des Heiligen Bergs hinaus ausgestattet worden waren. Dieser Reichtum lockte auch die Kreuzfahrer an, die nach der Eroberung Konstantinopels im April 1204 versuchten, möglichst viel von den Territorien des Byzantinischen Reiches unter sich aufzuteilen. Mehrfach wurden die Klöster des Athos geplündert. Auch ein vom Legaten des Papstes Innozenz III. für den Athos eingesetzter „lateinischer“ Bischof nutzte seine Stellung vor allem dazu, sich auf Kosten der orthodoxen Mönche zu bereichern und errichtete zu diesem Zweck sogar eine Burg nahe des Hafenorts Uranupolis. Angesichts dieser Zwangslage wandten sich die Athos-Klöster 1214 in einem Brief an Innozenz III. in Rom; dieser bestätigte zwar in feierlichen Worten die früheren Privilegien der Klöster, an der unsicheren Lage vor Ort änderte sich allerdings nicht.
Jedoch geriet der Athos schon vor der byzantinischen Rückeroberung Konstantinopels 1261 ab den 1220er Jahren in den Einflussbereich von griechischen und dann bulgarischen und somit orthodoxen Herrschern. Nach 1261 war der Athos Teil des wiederhergestellten Byzantinischen Reiches, und die Klöster konnten ihre Vorrechte und auch ihren Grundbesitz weiter ausbauen. Allerdings hatten auch sie ab dem früheren 14. Jh. unter der immer instabileren Lage des Reiches zu leiden; um 1306 wurde der Athos etwa durch die ursprünglich vom byzantinischen Kaiser als Söldner angeheuerte Katalanische Kompanie verwüstet. In den 1320er und den 1340er-1350er Jahren erschütterten Bürgerkriege das Reich. Letzterer Konflikt vermengte sich auch mit der theologischen Debatte über die sich auf dem Athos einbürgernde Gebets- und Meditationspraxis des Hesychasmus, zu dessen wichtigstem Vertreter der Athos-Mönch Gregorios Palamas wurde (deshalb auch „Palamismus“). Der Sieg der „Palamisten“ in dieser Debatte markierte den vorherrschenden Einfluss mönchischer, hesychastischer und auch vornehmlich gegen eine Verständigung mit der Westkirche eingestellter Kreise in der byzantinischen Kirche. Entgegengesetzte Stimmen auf dem Athos wie etwa der Mönch Prochoros Kydones (gest. 1369, Bruder des berühmten Politikers und Gelehrten Demetrios Kydones) wurden zum Schweigen verurteilt.
Umso schwieriger wurde nun jeder Versuch, eine Einigung mit dem Papsttum zu erlangen (wie etwa auf dem Konzil von Ferrara-Florenz 1438/1439), die von den byzantinischen Kaisern nicht zuletzt auch unternommen wurden, um Hilfe aus Westeuropa gegen die wachsende Macht der Osmanen zu erlangen. Die Klöster auf dem Athos mussten sich allerdings schon vor der Eroberung Konstantinopels 1453 mit neuen Herrschern arrangieren, zuerst mit den Serben und dann schon nach 1371 auch mit den Osmanen, unter deren Kontrolle der Athos bis 1913 blieb. Bis heute gibt es Gemeinschaften auf dem Athos, die sich gegen ökumenische Gespräche mit der römisch-katholischen Kirche wenden, wie etwa die Mönche des Klosters Esphigmenu, die u. a. deshalb auch die Oberhoheit des Patriarchen von Konstantinopel nicht mehr anerkennen wollten.


Literaturhinweis: Andreas E. Müller, Berg Athos: Geschichte einer Mönchsrepublik. München 2005.

Byzanz wurde im Jahre 1453 vom Osmanischen Reich erobert. Im selben Jahr endete der hundertjährige Krieg zwischen England und Frankreich. Das Ende bildete laut meinem Geschichtsbuch die Eroberung der Stadt Bordeaux durch die Franzosen. [...]

Ernst Wiesner

Geschichte

[...] Meine Frage daher: Besteht nicht vielleicht ein Zusammenhang des Endes dieses Krieges mit der Eroberung von Byzanz? Wenn die Engländer und Franzosen, zwei christliche Länder, sehen bzw. hören, dass ein anderes christliches Land, nämlich Byzanz, von den "Ungläubigen" erobert wird oder zumindest knapp vor der Eroberung steht, gab das nicht den Anstoß, die Fehde zwischen England und Frankreich zu beenden, um nicht den Westen angesichts der drohenden Gefahr durch die Osmanen noch mehr zu schwächen?

Tatsächlich versuchten seit dem späten 13. Jh. vor allem die Päpste immer wieder, unter Verweis auf die drückende Lage der christlichen Staaten im östlichen Mittelmeerraum, Frieden unter den Herrschern Westeuropas (die ja auch über Frankreich und England hinaus ständig im Krieg miteinander lagen) zu stiften, um dann ein gemeinsames neues Kreuzzugsunternehmen zu starten. Nachdem mit der Eroberung Akkons 1291 durch die Mamluken aus Ägypten der letzte Festlandsbesitz der Kreuzfahrerstaaten in der Levante verloren gegangen war, sollte ein solcher Feldzug noch verbliebenen christlichen Staaten wie etwa dem armenischen Königreich in Kilikien (heute Südostküste der Türkei, das aber 1375 auch von den Mamluken erobert wurde) zu Gute kommen. Mit der steigenden Macht der Osmanen und anderer türkischer Emirate im Ägäis-Raum seit den 1320er Jahren gelangten dann die dort nach dem Vierten Kreuzzug 1204 errichteten „lateinischen“ Staaten und auch das Byzantinische Reich in den Fokus solcher Planungen. Mit Byzanz bestand allerdings immer das Problem der Kirchenspaltung zwischen Westkirche und Orthodoxie, die erst 1439 auf dem Konzil von Ferrara-Florenz zumindest formell behoben wurde (große Teile der Bevölkerung in Konstantinopel lehnten die Union jedoch ab). Der folgende Kreuzzug von Varna (im heutigen Bulgarien) 1444 unter der Führung des Königs von Polen und Ungarn Władysław III. endete aber in einer Niederlage gegen die Osmanen, und weitere wesentliche Hilfe für Byzanz blieb aus. Neben den unmittelbaren „Anrainern“ an das expandierende Osmanenreich wie etwa Ungarn beteiligten sich auch Fürsten Westeuropas an solchen Kreuzzugsplänen (wie etwa der Herzog von Burgund); besonders viele Adelige aus Frankreich nahmen während einer „Pause“ des Hundertjährigen Kriegs 1396 an einem Feldzug des ungarischen Königs Sigismund gegen die Osmanen teil, der aber ebenfalls mit einer Niederlage bei Nikopolis im heutigen Bulgarien geendet hatte.
Ansonsten blieben aber die Vermittlungsversuche des Papstes unter den kriegsführenden Staaten Westeuropas in vielen Fällen wirkungslos. Auch die Nachricht von der Belagerung Konstantinopels durch den osmanischen Sultan Mehmed II., die am 2. April 1453 begann, und von der Eroberung der Stadt am 29. Mai dieses Jahres veranlassten England und Frankreich nicht zum Friedensschluss. Im Gegenteil kam es nochmals zu einer größeren englischen Offensive, die aber mit der Niederlage bei Castillon am 17. Juli 1453 in Südwestfrankreich scheiterte. Die schlechte militärische Lage der Engländer wurden durch innenpolitische Streitigkeiten verschärft (die letztlich in die folgenden Rosenkriege münden sollten), während der englische König Heinrich VI. (reg. 1422 bis 1461 und von 1470 bis 1471) durch seine psychische Erkrankung mehr oder weniger handlungsunfähig wurde. Am 13. Oktober 1453 erlitt Heinrich VI. einen Zusammenbruch, am 19. Oktober fiel Bordeaux an die Franzosen. Die Engländer verloren alle Festlandsterritorien bis auf Calais, das bis 1559 englisch blieb.
Das Zusammenspiel der englischen Niederlagen auf dem Schlachtfeld und der inneren Krise Englands führten also 1453 zum Ende des Hundertjährigen Kriegs, nicht jedoch die Nachricht vom Fall Konstantinopels. 

At the time Karl der Grosse was crowned as Kaiser des Heilig Römischen Reichs (800AC), he was King of the Franks. His territorium comprised what today is France Germany Austria Belgium Netherlands. [...]

Eduardo Puricelli

Geschichte

[...] At what stage did France separate from the above and became Frankenreich and separately Heilig Römischer Reich i.e. two rulers.?????

In 799, for the third time in half a century, a pope is in need of help from the Frankish king. After being physically attacked by his enemies  in the streets of Rome (their stated intention is to blind him and cut  out his tongue, to make him incapable of office), Leo III makes his way  through the Alps to visit Charlemagne at Paderborn.  
It is not  known what is agreed, but Charlemagne travels to Rome in 800 to support  the pope. In a ceremony in St Peter's, on Christmas Day, Leo is due to  anoint Charlemagne's son as his heir. But unexpectedly (it is  maintained), as Charlemagne rises from prayer, the pope places a crown  on his head and acclaims him emperor.  

Charlemagne expresses displeasure but accepts the honour.

The displeasure is probably diplomatic, for the legal emperor is undoubtedly the one in Constantinople. Nevertheless this public alliance between  the pope and the ruler of a confederation of Germanic tribes now reflects the reality of political power in the west. And it launches the  concept of the new Holy Roman Empire which will play an important role throughout the Middle Ages. The Holy Roman Empire only becomes  formally established in the next century. But it is implicit in the  title adopted by Charlemagne in 800: 'Charles, most serene Augustus,  crowned by God, great and pacific emperor, governing the Roman empire.'  

The imperial role accorded by the pope to Charlemagne in 800 is handed on in increasingly desultory fashion during the 9th century. From 924 it falls into abeyance. But in 962 a pope once again needs help against his Italian enemies. Again he appeals to a strong German ruler. 
The coronation of Otto I by pope John XII in 962 marks a revival of the concept of a Christian emperor in the west. It is also the beginning of an unbroken line of Holy Roman emperors lasting for more than eight centuries. Otto I does not call himself Roman emperor, but his son Otto II uses the title - as a clear statement of western and papal independence from the other Christian emperor in Constantinople.

Otto and his son and grandson (Otto II and Otto III) regard the imperial crown as a mandate to control the papacy. They dismiss popes at their will and instal replacements more to their liking (sometimes even changing their mind and repeating the process). This power, together with territories covering much of central Europe, gives the German empire and the imperial title great prestige in the late 10th century. But subservience was not the papal intention in reinstating the Holy Roman Empire. A clash is inevitable.  
Read more:  http://www.historyworld.net/wrldhis/PlainTextHistories.asp?historyid=aa35#ixzz5SqMScPu4

In der Wikipedia-Geschichte von Trier heißt es: "Während der Tetrarchie wählte zunächst der Caesar Constantius Chlorus im Jahr 293 Trier zu seiner Residenz. [...]

Johann Maderthaner

Geschichte

[...] Später wurde es von seinem Sohn Konstantin I., der sich zwischen 306 und 324 für mehrere Jahre in der Stadt aufhielt, repräsentativ ausgebaut." Ist dieser Konstantin I. ident mit dem Byzantinischen Kaiser, oder gab es zu diesem Zeitpunkt in West- und Ostrom jeweils einen Kaiser mit dem namen Konstantin? Wie viele Kreuzzüge gab es?

Zur Tetrarchie muss man wissen, dass seit dem 2. Jh. das Römische Reich immer wieder von Bürgerkriegen und Barbareninvasionen erschüttert wurde, weswegen Kaiser Diokletian (284 - 305) beschlossen hatte das Reich in zwei Hälften zu teilen. Diese zwei Hälften wurden ihrerseits wiederum in zwei kleinere Einheiten unterteilt. An der Spitze der beiden Hauptteile standen zwei gleichberechtigte Kaiser, augusti, Diokletian und Maximian. Diokletian selbst behielt die östliche Reichshälfte, mit Sitz in Nikomedia (heute tr. Izmit). Maximian regierte den Westen und residierte in Mailand. Ihnen beigeordnet waren zwei "Unterkaiser" mit dem Titel eines caesar, in diesem Fall Galerius und Constantius Chlorus. Letzterer hatte seinen Sitz in Trier und war der Vater des späteren Konstantin I. (306-337), dem Begründer Konstantinopels. Nach Ablauf der Amtszeit der augusti sollten die beiden Caesaren deren Platz einnehmen und neue Caesaren ernennen. Hinter dieser Anordnung stand die Überlegung, dass die Verteidigung an weit voneinander entfernten Fronten von mehreren Zentren aus erleichtert wird und dass in Zeiten, in denen nur wenige Kaiser am Ende ihrer Herrschaft eines natürlichen Todes starben, eine Usurpation gegen vier Herrscher schwerer als gegen einen einzigen durchzuführen ist. Dieses unter dem Namen "Tetrarchie" bekannte Regierungssystem fiel allerdings schon nach der Abdankung Diokletians und Maximians im Jahre 305 in sich zusammen. Als der Augutus Constantius Chlorus im Jahre 306 starb, wurde sein Sohn Konstantin von seinen Truppen in York zum Kaiser ausgerufen. Nach einer langen Phase von Bürgerkriegen konnte sich Konstantin gegen mehrere Konkurrenten durchsetzen. So regierte er von 324 bis 337 alleine. (Vgl. Claudia Sode, Mabi Angar: Byzanz. Ein Schnellkurs. Köln: DuMont 2010, S. 12f.)

Eine umfassende Zählung der Kreuzzuge zu finden ist leider schwierig. Offiziell spricht man in der Forschung von sieben Kreuzzügen. Allerdings gab es darüber hinaus noch viel mehr kriegerische Auseinandersetzungen. Eine Lesetipp: Nikolas Jaspert: Die Kreuzzüge (Geschichte kompakt. Mittelalter). Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft. 2003.

Da in der Ausstellung die Lichtstiftung Herzogin Theodoras zu sehen ist, hätte ich gerne zusätzliche Infos über die Ehefrau von Herzog Leopold VI.?

Josef Maier

Geschichte

Theodora Angela wurde 1203 in Wien mit Leopold VI. von Babenberg vermählt. Teils wird sie als Tochter, teils als Nichte oder teils als Enkelin von Kaiser Isaak II. Angelos (reg. 1185 - 1195; 1203 - 1204)  angesehen. In Urkunden wird sie als Herzogin von Österreich und der Steiermark angegeben, ansonsten wissen wir kaum etwas von ihr.

Tipp: Johannes Preiser-Kapeller, Von Ostarrichi an den Bosporus. Ein Überblick zu den Beziehungen im Mittelalter, in: Pro Oriente Jahrbuch 2010. Wien 2011, S. 66–77

 

Warum wird das griechische Feuer nicht erwähnt?

Walter Sandtner

Ausstellung

In der Ausstellung "Das goldene Byzanz und der Orient" im Jahr 2012 gab es sogar ein Modell einer griechischen Dromone, eines Kriegsschiffes, zu besichtigen. Diese Kriegsschiffe waren ausgestattet mit einer Art Flammenwerfer - eben diesem griechischen Feuer (hygron pyr, bedeutet eigentlich "flüssiges Feuer"). Da man sich bei der heurigen Ausstellung "Byzanz & der Westen" nicht wiederholen wollte und konnte, fand dieses Kriegsschiffmodell und die Thematisierung des griechischen Feuers nicht extra Eingang in die Ausstellung.

Das griechische Feuer ist aber in der Tat eine technische Errungenschaft, mit der die Byzantiner auch heute noch gerne in Verbindung gebracht werden.

Zwischen 674 und 678 belagerten muslimische Truppen samt einer starken Flotte sogar Konstantinopel und konnten nur durch den Einsatz von „griechischem Feuer“ zurückgeworfen werden.
Kaiser Leon VI. (886 - 912) gibt zur Verwendung des griechischen Feuers in seinem Militäthandbuch (Taktika, Kapitel 19,6) folgende Anweisungen:
"Der Kapitän soll den, wie üblich, mit Bronze ummantelten Siphon vorne am Vorderdeck haben; durch ihn wird das künstliche Feuer gegen die Feinde abgeschossen. ... Man soll auch die andere Methode der von Hand aus abzuschießenden kleinen Siphone anwenden, die hinter den eisernen Schilden von den Soldaten getragen werden, die von unserer Majestät kürzlich entwickelt wurden; man nennt sie Handsiphone. Auch sie sollen nämlich das künstliche Feuer gegen die Kriegsgegner schleudern." (aus: J. Koder: Die Byzantiner. Kultur und Alltag im MIttelalter. Böhlau: Wien, u.a. 2016, 131)

Warum war es im Westen nicht möglich, Seide herzustellen bzw. zu erwerben? Gab es keinen eigenen Handel mit Asien?

Renate

Handel

Seidenstoffe wurden, sei es auf Grundlage eigener Zucht, sei es aus importierter Rohware, im 5. Jh. schon weit über China hinaus in Korea, Japan, Zentralasien, Persien und auch in Indien sowie in Byzanz hergestellt. Neben Rohware und Techniken tauschte man auch diese Endprodukte samt den dafür verwendeten Motiven zwischen all diesen Regionen aus. Dennoch muss angemerkt werden, dass China bei weitem der größte Seidenproduzent blieb. Denn hier war die Seidenkultur Teil der dörflichen Landwirtschaft. Seit dem 3. Jh. dienten Seidenstoffe oftmals auch als Zahlungsmittel für Abgaben und Löhne und stellten zeitweilig sogar Münzgeld in den Schatten.

Die Seidenproduktion hatte also ihren Ursprung in Asien. Spätestens ab dem 6. Jh. dürfte die Seidenproduktion auch im Byzantinischen Reich geläufig gewesen sein. Allerdings wissen wir nicht genau wie die Etablierung der Maulbeer- und Seidenkultur vonstatten ging. In der Antike waren Weiße und Schwarze Maulbeeren im Mittelmeerraum nicht heimisch, diese mussten nämlich erst kultiviert werden, um die Seidenraupen zu züchten, die sich davon ernährten. Das erklärt auch die Entstehung des Seidenhandels. Über die Jahrhunderte war es den Byzantinern jedenfalls gelungen, die Seidenproduktion zu perfektionieren. Daher war im Westen die byzantinische Seide, von deren aufwendiger Herstellung man im Westen bis ins Spätmittelalter keine Kenntnis hatte, heiß begehrt. Typisch für den Umgang mit byzantinischen Seidenstoffe im Westen war, dass sie entweder zur Herstellung von liturgischen Gewändern verwendet oder aber zerteilt und zum Umhüllen von Reliquien benutzt wurden. Die einzigartigen materiellen und optischen Qualitäten von Seidengewändern machten sie in den Augen westlicher Eliten zu einem höchst begehrten Gut, durch das man sich von seinesgleichen abheben konnte. Die bisweilen geäußerte Kritik westlicher Autoren, die sich über das Tragen „griechischer“ Kleider empörten, scheinen wenig Widerhall gefunden zu haben.

Die Mehrzahl heute noch existenter byzantinischer Seiden hat sich in den Schatzkammern westlicher Kirchen erhalten, da sie ihre Träger sogar bis in den Tod begleiteten und nicht selten selbst den Status von Heiligtümern erlangten – so etwa die Gewänder von Papst Clemens II. in Bamberg. 
In Konstantinopel legte man zudem großen Wert darauf, schon die Herstellung, vor allem aber den Export von Rohseiden und fertigen Textilien zu reglementieren. Mit Purpur gefärbte Seiden waren dem byzantinischen Kaiser und dem Hof vorbehalten, aber auch andere hochwertige Seiden durften nicht auf dem freien Markt gehandelt werden.

Buchtipp: Johannes Preiser-Kapeller: Jenseits von Rom und Karl dem Großen. Aspekte der globalen Verlfechtung in der langen Spätantike, 300 - 800 n. Chr. Wien: Mandelbaum, 2018.

Welchen Einfluss hatte Byzanz auf die westliche Musik und deren Musikinstrumente?

Martin

Wissenswertes

Byzanz hat tatsächlich auf die Musik im Westen großen Einfluss geübt. Hierbei sollte man sich vor Augen führen, dass Rom etwa bis zur Mitte des 8. Jh. zum byzantinischen Kaiserreich gehörte. Zudem wurden im 7. und 8. Jh. mehrere Syrer oder Griechen zum Papst gewählt. In dieser Zeit wurden mehrere Traditionen aus Byzanz bei Feierlichkeiten im Westen übernommen, so zum Beispiel das Fest der Purificatio (Mariä Lichtmess) oder Gesänge des Agnus Dei. Die byzantinische Musik beeinflusste auch die Karolingerzeit. 757 schenkte Kaiser Konstantin V. Kopronymos (reg. 741 – 775) dem karolingischen König Pippin (reg. 751 – 768) eine Orgel. Im Jahr 812 brachte eine byzantinische Gesandtschaft, die nach Aachen an den Hof Karls des Großen (reg. 768 – 814) gereist war, erneut eine byzantinische Orgel mit. Anderen Quellen zufolge veranlasste Karl der Große, dass griechische Gesänge ins Lateinische übersetzt und in die Liturgie aufgenommen wurden. Auch die Lehre der zwölf Tonarten und deren Intonationsformeln hätte der Westen von Byzanz übernommen. Detaillierte Vergleiche zwischen lateinischen und paläobyzantinischen Neumen erbrachten jüngst den Nachweis, dass Rom die Choralnotation, die nota romana, von den Byzantinern übernommen hat. Diese Deutung erzwingen auch die folgenden Gegebenheiten: Die gebräuchlichen Namen der lateinischen Neumen und Litterae significativae haben sich zum Großteil als Lehnwörter oder Lehnübersetzungen aus dem Mittelgriechischen erwiesen. Die lateinische und die paläobyzantinische Neumenschrift haben fast den gleichen Bestand an „Grundneumen“. Die korrespondierenden lateinischen und paläobyzantinischen Neumen besitzen in den meisten Fällen die gleiche oder eine ähnliche melodische und rhythmische Bedeutung. Zu vermerken ist schließlich, dass zwischen dem Gregorianischen Choral und der byzantinischen Kirchenmusik eine erstaunlich breite Gemeinschaft an Figuren, Tonformeln und Phasen besteht.

(nach: Metzler Sachlexikon Musik, auf der Grundlage des von Günter Massenkeil hrsg. Großen Lexikons der Musik (1978-82 / 1987); red. Bearbeitung durch Ralf Noltensmeier. Stuttgart, u.a.: Metzler, 1998, s. r. „Byzantinische Musik und Musik der Westkirche“)

 

Can you recommend a place, museum where icons are exhibited that can be dated before the iconoclasm? [...]

Daniel Tamas

Geschichte

[...] It seemed to me that the destroyers of icons did a very accturate and far-reaching work, but maybe during your research of the East you have met some exceptions where these holy pictures were saved.

‘Icons before iconoclasm’ are preserved largely in two places, far away from Constantinople: the Monastery of Saint Catherine in the Sinai (icons of Christ and of the Theotokos) and in Rome (several icons, frescoes in Santa Maria Antiqua). These have been studied by Kurt Weitzmann and Hans Belting. The actual extent of damage inflicted by iconoclasts on works of art, as triumphantly reported in sources written by iconophiles long after the events, is much debated in scholarship. It only took place during the second phase of iconoclasm (815-843). And after the restoration of icon veneration, it took 17 years until we hear that the aniconic decoration in the apse of Hagia Sophia was replaced by the mosaic of the Holy Virgin and Child. It seems that the Byzantines were in no hurry to return to iconic representations.

I read a theory that the mistranslation of Libri Carolini was a somewhat conscious act to create tension between West and East. What is your opinion on that?

Daniel Tamas

Geschichte

Translations and translators play a major role in facilitating (or not) communication. It was in Charlemagne’s interest to assert his power in western Europe, by insisting the doctrinal purity (and hence superiority) of his realm. The Libri Carolini were created in Francia at his behest, but their influence and impact was limited. Their critique of the Byzantine position did not represent the view of the papacy, nor were they accepted at the Synod in Frankfurt 794.

 

Could you give some hints what led emperor Leo to start the iconoclast movement?

Daniel Tamas

Geschichte

When in 726 emperor Leo removed the image of Christ from the Chalke gate and put it in storage (whence it was later retrieved), he certainly could not foresee that this would set into motion a sequence of events which—from historical hindsight—now appear to us as a ‘movement’ with a clear name, ‘iconoclast’. He could not foresee that he would set in motion a long chain of events that would last until 843.

Scholars have proposed several explanations for the beginning of iconoclasm, which occurred at a time when Byzantium had recently experienced a siege by the Arab fleet (717) and the natural catastrophe of a sea quake or tsunami. In this situation, people may have felt the need to change their ways in order to attract the mercy of God. Since the previous century, there had been increased debate about the appropriate ways to depict Christ, further spurred on by comparison to the uniconic religions of Islam and Judaism. There had also been an increased popular devotion to images of Christ and the saints. Monasteries had become powerful as keepers of miracle-working relics of saints and as economic and social institutions. Leo’s measure may simply have been an attempt to attract God’s grace at a difficult time. It has also been suggested that he intended to curtail the growing influence of monasticism.

 

Wie war es den Kreuzfahrerstaaten möglich, solch große Burgen bauen zu lassen, deren Ruinen heute überall in Griechenland und zum wohl geringeren Teil auch in Kleinasien stehen? [...]

Gero Vogl

Geschichte

[...] Mit welchen Mitteln konnten sie die Bevölkerung dazu bringen, diese gewaltigen Arbeitsleistungen zu vollbringen? Zwang, aber wodurch? Wirtschaftlicher Aufschwung gegenüber der alten verknöcherten byzantinischer Zeit?

Zunächst ist zu sagen, dass das Bild täuschen kann. Nur wenige Burgen wurden von den Kreuzfahrern neu errichtet. Meistens übernahmen und modernisierten sie byzantinische Festungen. Außerdem handelt es sich bei den beeindruckendsten Mauerresten oft "nur" um venezianische Erweiterungen aus späteren Jahrhunderten. Aber es stimmt, dass die Kreuzfahrer durchaus intensiv bauten. Sie übertrugen das in Westeuropa übliche Feudalsystem auch auf ihre neuen Besitzungen im Heiligen Land aber auch im heutigen Griechenland. Damit waren die Vasallen zu gewissen Abgaben und Arbeiten für ihren Lehnsherrn verpflichtet, der sie dafür beschützen sollte. Das allein reicht aber natürlich nicht für große Bauunternehmungen, für die man auch qualifizierte Facharbeiter benötigt. Während das lateinische Kaiserreich Konstantinopel von Anfang an unter akuter Geldnot litt, ging es den Fürstentümern in Griechenland wirtschaftlich weit besser. Sie waren intensiv in die florierenden Handelsnetzwerke eingebunden und exportierten ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse (Olivenöl, Wein etc.) auch in den Westen. Im Vergleich mit den letzten Jahren der byzantinischen Herrschaft gab es zweifellos in manchen Gebieten einen Wirtschaftsaufschwung, was aber weniger an einer "Verknöcherung" der byzantinischen Wirtschaft zu tun hat als mit einer Reihe von Krisen, die das Reich seit ca. 1180 erschüttert hatten.