Byzanz & der Westen

Wissenshunger

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Woher wissen wir eigentlich, was sich vor 1000 Jahren zugetragen hat? Warum wurde in Byzanz Griechisch gesprochen? Ab wann verwendete man „Europa“ als Begriff?

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Ich wollte fragen was das Elfenbein der Wikinger damals wert war. Sprich, wie viel hat man für 1kg Elfenbein bekommen? Oder wie wurde getauscht? Was wollten die Wikinger dafür haben?

Alex Pintilie

Handel & Seefahrt

Wenn es sich um Elfenbein handeln soll, das die Wikinger nach Konstantiopel vermittelt haben, kann es sich eigentlich nur um Walrosszahn handeln. Wieviel das Wert gewesen sein könnte, kann man so nicht sagen.

Allerdings konnte man zum Elfenbein, das ein paar Jahrhunderte früher (4./5. bis 7. Jh.) vom Mittelmeerraum bzw. Konstantinopel aus in den Westen gebracht wurde, mittlerweile einiges durch jahrelange Forschung herausfinden: Für den Zeitraum zwischen dem 4. und 6. Jh. hat Anthony Cutler der Annahme widersprochen, Elfenbein sei besonders selten, kostbar und teuer gewesen. Der Ansatzpunkt war das unter Diokletian erlassene Preisedikt von 301 n. Chr., das den finanziellen Kollaps des Römischen Reiches aufhalten sollte, indem es Maximalpreise für bestimmte Waren festsetzte. Das römische Pfund Elfenbein sollte demnach 150 denarii kosten – was das Elfenbein relativ günstig erscheinen lässt, denn die gleiche Menge Seide war z. B. 24-mal teurer. Auch wenn dieser Preis besonders niedrig gewählt wurde (da es sich ja um ein Edikt handelt, das der Inflation Einhalt gebieten sollte) und dieser Wert keinesfalls direkt ins 5. und 6. Jh. übertragen werden darf, so kann er aber laut Cutler als Beginn eines Trends aufgefasst werden, der sich in der Spätantike entwickelte. Darüber hinaus, weisen sowohl die Anzahl als auch die zunehmende Größe der erhaltenen Elfenbeinarbeiten des 4. bis 6. Jhs. auf eine große Menge vorhandenen Rohmaterials hin, was bei einer extrem kostbaren Ware nicht zu erwarten wäre. Auch wenn die ursprüngliche Schätzung von Richard Delbrueck , vom 4. bis 6. Jh. könnten „Hunderttausende“ Konsulardiptychen hergestellt worden sein, vielleicht zu hoch gegriffen ist, kann aber davon ausgegangen werden, dass sowohl Diptychen als auch Pyxiden in Serie hergestellt worden sind  – was nicht dem Umgang mit einem Luxusgut entspräche. Vor diesem Hintergrund wird vielleicht auch verständlich, warum im 6. und 7. Jahrhundert elfenbeinerne Ringe in unterschiedlicher Funktion in der weiblichen Kleidung vom langobardischen Norditalien bis ins angelsächsische England doch in beträchtlicher Anzahl verbreitet gewesen sind.

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Ich wollte fragen was das Elfenbein der Wikinger damals wert war. Sprich, wie viel hat man für 1kg Elfenbein bekommen? Oder wie wurde getauscht? Was wollten die Wikinger dafür haben?

Alex Pintilie

Handel & Seefahrt

Woher stammte das Gold für die Münzprägungen im Westen, z.B. von Theudebert oder Karl dem Großen?

Andrea Wolf

Handel & Seefahrt

In der aktuellen Forschung ist die Herkunft des Münzgoldes im frühmittelalterlichen Westen ein umstrittenes Thema. Da es in Gallien keine Goldbergwerke gab und der Abbau von Gold in Britannien bzw. auf der iberischen Halbinsel im Frühmittelalter nicht nachgewiesen ist, liegt der Schluss nahe, dass die Merowinger auf externe Ressourcen angewiesen waren. Ein wichtiger Hinweis ergibt sich aus der Fundnumismatik: Münzschätze bzw. Einzelfunde zeigen die weite Verbreitung von byzantinischen Solidi in Nordeuropa, wo sie wahrscheinlich durch den Fernhandel mit dem byzantinischen Reich über die Provence und das Rhône-Tal bis nach Nordgallien bzw. Britannien zirkulierten.

Daraus wurde der Schluss gezogen, dass die Merowinger diese importierten byzantinischen Solidi (die aus beinahe purem Gold geprägt wurden!) recycelt hätten, um ihre eigenen Münzen zu prägen. Dennoch konnten archäometrische Analysen diese These bisher nicht mit letzter Sicherheit bestätigen. Die unscharfen Ergebnisse aus den Metallanalysen dürften darauf hinweisen, dass das eingeschmolzene byzantinische Gold mit anderen Quellen (spätrömischen Solidi, Goldbarren) vermischt wurde, bevor es zur Prägung kam.

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Woher stammte das Gold für die Münzprägungen im Westen, z.B. von Theudebert oder Karl dem Großen?

Andrea Wolf

Handel & Seefahrt

Habt ihr auch Kinder nach ihren Meinungen über die Stationen während der Ausstellung gefragt?

Lotte

Ausstellung

Es gibt in der Ausstellung viele Stationen und Hörtexte mit denen wir ein junges Publikum ansprechen wollen und die wir im Vorfeld mit Kindern im Alter von 6 bis 10 Jahren gespielt und getestet haben. Auch für das Mitmach-Heft haben wir uns Feedback von Kindern dieser Altersgruppe geholt. Es liegt im ersten Raum zur freien Entnahme auf, fasst die Ausstellungserzählung zusammen und führt zu Objekten und interaktiven Stationen.

Die Workshops, „Rund ums Mittelmeer“ (ab der 5. Schulstufe) und „Es war einmal…“ (1. bis 4. Schulstufe), haben wir vor Ausstellungsbeginn mit Schulklassen aus Niederösterreich ausprobiert, mit ihnen nachbesprochen und ihre Anregungen einfließen lassen.

Wir wünschen uns, dass junge Besucherinnen und Besucher neugierig auf die Geschichten aus der Vergangenheit werden, dass sie beginnen Fragen zu stellen und mit anderen ins Gespräch kommen. Falls Sie Feedback oder Anregungen haben, wir freuen uns über Erfahrungsberichte aus der Ausstellung!

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Habt ihr auch Kinder nach ihren Meinungen über die Stationen während der Ausstellung gefragt?

Lotte

Ausstellung

In der Führung war von der strategischen Diplomatie Byzanz die Rede, die damals als unehrenhaft galt, weil sie die Gegner offen gegeneinander ausspielte, anstatt sie direkt in einem Kampf zu besiegen. Soweit ich informiert bin, hat Machiavelli [...]

Kohki Totsuka

Geschichte & Politik

[...] vom ägyptisch-islamischen Philosophien Ibn Khaldun viel strategisches Denken übernommen, kann es sein, dass Machiavellis Art des Denkens auch von der byzantinischen Staatsphilosophie und der Diplomatiekunst inspiriert war, und gibt es zu diesem Thema ein prominentes Handbuch (z.B. Ratgeber für die Herrscher) aus der byzantinischen Zeit, die man auf Kontinuitäten und Rezeptionen hin untersuchen könnte?

Die Staatskunst der Byzantiner ist zu einem guten Teil ein Erbe des Römisches Reiches, dessen Bürokratie und diplomatischer Apparat bereits hoch entwickelt gewesen waren. Macchiavelli bezieht sich in seinen Schriften stets primär auf antike Sachverhalte, ganz im Geiste seiner Zeit. Die Sache bedürfte einer intensiveren Überprüfung, aber wahrscheinlich lassen sich die Vorbilder seiner
Staatsphilosophie durchaus auch in der römischen Antike finden, ohne Byzanz bemühen zu müssen.
Der bekannteste byzantinische Traktat, der intensiv über die Diplomatie reflektiert (was selten ist!), trägt den Titel "De administrando imperio" und stammt aus der Mitte des 10. Jhs. Es handelt sich dabei um eine Art Handbuch von Kaiser Konstantin VII. für seinen Sohn und designierten Nachfolger und liegt auch in deutscher Übersetzung vor (Klaus Belke/Peter Soustal). Allerdings wurde die Schrift erst im frühen 17. Jh. erstmals ediert und Macchiavelli noch nicht zugänglich. Sehr wohl aber könnten dem italienischen Denker Beispiele aus diversen (bereits bekannten) byzantinischen Geschichtswerken geläufig gewesen sein.

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In der Führung war von der strategischen Diplomatie Byzanz die Rede, die damals als unehrenhaft galt, weil sie die Gegner offen gegeneinander ausspielte, anstatt sie direkt in einem Kampf zu besiegen. Soweit ich informiert bin, hat Machiavelli [...]

Kohki Totsuka

Geschichte & Politik

Ist es richtig, dass der heutige Name Istanbul für Byzanz griechischen Ursprungs ist? ("eis ten polin" = "in die Stadt")

N.N.

Geschichte

Seit 1930 trägt die Stadt offiziell den schon zuvor gebräuchlichen Namen "Istanbul". Vermutlich handelt es sich bei der dieser Namensbezeichnung um eine Verballhornung eines byzantinisch-griechischen Ausdrucks "is tin Polin", was nichts anderes als „in die Stadt hinein“ bedeutet. Wenn man im Byzantinischen Reich im allgemeinen von DER Stadt sprach so war immer Konstantinopel gemeint.
Es gibt aber auch eine Theorie, dass sich die heutige Bezeichnung "Istanbul" aus "Islambol" heraus entwickelt hat, was man mit "voll des Islams" übersetzen könnte. Diese Bezeichnung rührt daher, weil Istanbul die Hauptstadt des Osmanischen Reiches wurde und die Sultane dort residierten. Sultan Selim I. führte ab 1517 mit der Eroberung Ägyptens und Syriens den Titel des Kalifen, wodurch die Osmanen auch die Oberhäupter der sunnitischen Muslime wurden und Istanbul somit zu einem bedeutenden Zentrum für Muslime wurde. Allerdings verwendeten die Osmanen auch parallel dazu verschiedene Bezeichnungen für ihre Hauptstadt, unter anderem die osmanisierte Bezeichnung von Konstantinopel: "Kostantiniyye".

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Ist es richtig, dass der heutige Name Istanbul für Byzanz griechischen Ursprungs ist? ("eis ten polin" = "in die Stadt")

N.N.

Geschichte

Kann es sein, dass Machiavellis Art des Denkens auch von der byzantinischen Staatsphilosophie und der Diplomatiekunst inspiriert war, und gibt es zu diesem Thema ein prominentes Handbuch (z.B. Ratgeber für die Herrscher) aus der byzantinischen Zeit?

Kohki Totsuka

Geschichte

Die Staatskunst der Byzantiner ist zu einem guten Teil ein Erbe des Römisches Reiches, dessen Bürokratie und diplomatischer Apparat bereits hoch entwickelt gewesen waren. Macchiavelli bezieht sich in seinen Schriften stets primär auf antike Sachverhalte, ganz im Geiste seiner Zeit. Die Sache bedürfte einer intensiveren Überprüfung, aber wahrscheinlich lassen sich die Vorbilder seiner Staatsphilosophie durchaus auch in der römischen Antike finden, ohne Byzanz bemühen zu müssen.
Der bekannteste byzantinische Traktat, der intensiv über die Diplomatie reflektiert (was selten ist!), trägt den Titel "De administrando imperio" und stammt aus der Mitte des 10. Jhs. Es handelt sich dabei um eine Art Handbuch von Kaiser Konstantin VII. für seinen Sohn und designierten Nachfolger und liegt auch in deutscher Übersetzung vor (Klaus Belke/Peter Soustal). Allerdings wurde die Schrift erst im frühen 17. Jh. erstmals ediert und Macchiavelli noch nicht zugänglich. Sehr wohl aber könnten dem italienischen Denker Beispiele aus diversen (bereits bekannten) byzantinischen Geschichtswerken geläufig gewesen sein.

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Kann es sein, dass Machiavellis Art des Denkens auch von der byzantinischen Staatsphilosophie und der Diplomatiekunst inspiriert war, und gibt es zu diesem Thema ein prominentes Handbuch (z.B. Ratgeber für die Herrscher) aus der byzantinischen Zeit?

Kohki Totsuka

Geschichte

Welches ist das älteste Dokument, das über die geografische Herkunft der Orgel berichtet oder Vermutungen anstellen lässt?

Wisgrill Hermann

Alltag

Ein Konstrukteur bzw. Ingenieur im modernen Sinne namens Ktesibios soll im 3. Jahrhundert v. Chr. die Orgel bzw. Wasserorgel erfunden haben.Das Instrument wurde in seiner Schrift hypomnemata beschrieben. Leider wissen wir um diesen Sachverhalt lediglich aus Sekundärquellen, die ursprünglichen Aufzeichnungen des Ktesibios sind heute verloren. Einige Autoren des Altertums berufen sich jedoch auf seine Schriften. Die früheste Erwähnung findet sich bei Philon von Byzantion um die Mitte des 3. Jahrhundert v. Chr. Er verfasste seine Schrift wohl in Alexandreia (Ägypten).

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Welches ist das älteste Dokument, das über die geografische Herkunft der Orgel berichtet oder Vermutungen anstellen lässt?

Wisgrill Hermann

Alltag

Gibt es einen nennenswerten Einfluss der Perser (heutiger Iran beispielsweise) auf das Byzantinische Reich?

Nikita

Geschichte & Politik

Der Einfluss des persisch/iranischen Kulturraums war in der Tat während der gesamten Dauer des Byzantinischen Reiches beachtlich und kann deshalb hier nur kurz in Grundzügen angeschnitten werden. Das ab dem Jahr 224 n. Chr. von der Dynastie der Sasaniden beherrschte Persische Großreich war (wie schon zuvor unter der Dynastie der Parther) das einzige Nachbarreich, das das Römische bzw. Byzantinische Reich als mehr oder weniger gleichrangige Großmacht anerkannte, dem man auf Augenhöhe begegnen musste. Dies äußerte sich zwar immer wieder in heftigen Kriegen um die Vormachtstellung im Nahen Osten, die insbesondere im 3.-4. und im 6.-7. Jh. n. Chr. tobten, aber auch in wechselseitiger kulturellere Beeinflussung, etwa im Hofzeremoniell und in der bildenden Kunst. So sind iranische Einflüsse auch in Kirchenbauten in Konstantinopel identifiziert worden; im Gegenzug riefen z. B. sasanidische Großkönige auch griechische Philosophen aus Byzanz an ihren Hof. Als hervorragende Lektüre zu dieser Epoche sei das Buch „The Two Eyes of the Earth. Art and Ritual of Kingship between Rome and Sasanian Iran” von Matthew Canepa (aus dem Jahr 2010) empfohlen.

Auch nach der arabischen Eroberung des Iran im 7. Jh. blieb das persische Kulturerbe wirkmächtig, und zwar sowohl bei den Kalifen im islamischen Weltreich (insbesondere unter der Dynastie der Abbasiden, die 762 Bagdad unweit der alten sasanidischen Hauptstadt Ktesiphon als neue Residenz begründeten), als auch im Byzantinischen Reich. So ließ sich Kaiser Theophilos (reg. 829-842) einen Palast im islamisch-persischen Stil in Bryas nahe bei Konstantinopel errichten, auch, um eine Gruppe von Überläufern aus dem iranischen Raum zu beeindrucken, die in der Folge als „Perser“ in die byzantinische Armee eingegliedert wurden. Für die makedonische Kaiserdynastie, die Byzanz zwischen 867 und 1056 beherrschte, wurden in den byzantinischen Quellen neben einer Abkunft von Alexander dem Großen auch eine solche von der Dynastie der Arsakiden, die den Iran und Armenien beherrscht hatten, behauptet. Ein Wissensfeld, in dem den Persern besonders hohe Meisterschaft zugeschrieben wurde, waren die Astrologie und die Astronomie, sodass auch noch im 14. Jh. byzantinische Gelehrte in den Iran reisten, um dort entsprechende Kenntnisse zu erwerben und Texte aus dem Persischen ins Griechische zu übersetzen. Die hohe Stellung des römisch/byzantinischen Reiches in der iranischen Tradition zeigt sich wiederum im klassischen Epos Schāhnāme aus dem 11. Jh., in dem die Welt als ursprünglich aus den drei Reichen Iran, Turan (Zentralasien) und Rum (= Rom/Byzanz) bestehend beschrieben wird.

Kurz gesagt waren Byzanz und die iranische Welt füreinander im gesamten Mittelalter wechselseitig zentrale Quellen der Herausforderung und der Inspiration. Viele dieser Themen wurden im Jahr 2012 schon bei der letzten Byzanz-Ausstellung auf der Schallaburg („Das Goldene Byzanz und der Orient“) vorgestellt, sodass dieser Aspekt diesmal in der Ausstellung leider kaum zur Sprache kommen kann.

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Gibt es einen nennenswerten Einfluss der Perser (heutiger Iran beispielsweise) auf das Byzantinische Reich?

Nikita

Geschichte & Politik

Wie lange hat es gedauert bis die Ausstellung fertig war?

Nina Athena Vogt

Ausstellung

Die Recherchen für die Ausstellung begannen bereits 2013, außerdem wurden speziell dafür Tagungen ausgerichtet und Forschungsprogramme aufgesetzt. Die heiße Phase der Umsetzung waren freilich die Jahre 2016 und 2017.

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Wie lange hat es gedauert bis die Ausstellung fertig war?

Nina Athena Vogt

Ausstellung

Wie oft wurde erwiesenermaßen versucht West- und Ostkirche wieder zu vereinen?

Anonym

Alltag & Religion

Die Eroberung Konstantinopels durch den Vierten Kreuzzug 1204 markierte (mehr als das sogenannte „Schisma“ des Jahres 1054) die tatsächliche Trennung von Ost- und Westkirche. Schon relativ kurz danach kam es in den 1230er und 1240er Jahren mit den im Exil in Nikaia (heute Iznik in der Nordwesttürkei) herrschenden byzantinischen Kaisern der Laskariden-Dynastie zu Gesprächen über die Wiederherstellung der kirchlichen Einheit, allerdings ohne Erfolg. Die Byzantiner hatten u. a. gehofft, durch eine Union mit dem Papsttum eine Rückgabe Konstantinopels erreichen zu können. 1261 gelang Kaiser Michael VIII. Palaiologos aber überraschend die militärische Rückeroberung der Hauptstadt. Allerdings planten daraufhin verschiedene Mächte in Italien, insbesondere König Karl I. von Neapel und Venedig, einen neuerlichen Kreuzzug gegen Byzanz und wurden dabei teilweise von den Päpsten unterstützt. Um derartigen Plänen zumindest die kirchliche Legitimation zu entziehen, handelte Kaiser Michael VIII. eine Anerkennung der Oberhoheit des Papstes durch die byzantinische Kirche aus, die 1274 auf dem Konzil von Lyon zu einer formellen Union des Kirchen führte. Allerdings stieß sie auf großen Widerstand in weiten Kreisen der Kirche und des Volkes in Byzanz und erwies sich letztlich auch als untaugliches Mittel, um tatsächlich militärische Angriffe aus dem Westen abzuwehren. Deshalb wurde die Union nach dem Tod Michaels VIII. unter seinem Sohn und Nachfolger Andronikos II. 1282 wieder verworfen.

Allerdings sah sich Andronikos II. gegen Ende seiner Regierung in den 1320er Jahren zu neuerlichen Unionsverhandlungen genötigt, diesmal in der Hoffnung, damit militärische Unterstützung durch das Papsttum und westliche Staaten gegen die wachsende Macht türkischer Emirate in Westkleinasien, darunter jenes der Osmanen, zu erhalten. Diese Verhandlungen wurden auch unter seinem Nachfolger Andronikos III. in den 1330er Jahren fortgesetzt. Und da der Druck der Osmanen, die 1352 nach Europa übersetzten, immer größer wurde, führten auch die folgenden byzantinischen Kaiser immer wieder Unionsgespräche (1369 unterstellte sich Kaiser Johannes V. Palaiologos bei einem Rombesuch durch ein Glaubensbekenntnis persönlich dem Papst, was aber ohne weitreichende kirchenpolitische Folgen blieb). Alle diese Verhandlungen scheiterten an konträren Vorstellungen über die Umsetzung der Union: während die byzantinische Seite wesentliche militärische Hilfe forderte als Vorleistung für eine Union der Kirchen, die dann durch Verhandlungen über alle theologischen Streitfragen auf einem allgemeinen Konzil aller Patriarchate (neben Rom und Konstantinopel auch Alexandria, Antiochia und Jerusalem) erreicht werden sollte, verlangten die Päpste die völlige Anerkennung ihrer Oberhoheit und dogmatischen Positionen durch die Ostkirche, bevor es zur irgendeiner Unterstützung gegen die Osmanen kommen könnte. Als die Osmanen dann Konstantinopel selbst bedrohten, sah sich Kaiser Johannes VIII. Palaiologos 1438 jedoch genötigt, persönlich mit einer großen Delegation von kirchlichen Vertretern nach Italien zu reisen, wo nach mehreren Sitzungen in Ferrara und dann in Florenz 1439 wieder eine formelle Union der Kirchen mit weitgehender Anerkennung der päpstlichen Positionen geschlossen wurde. Doch auch diese stieß nach der Rückkehr des Kaisers nach Konstantinopel auf großen Widerstand in Kirche und Volk, insbesondere auch, da die erhoffte militärische Hilfe gegen die Osmanen ausblieb oder wie im Kreuzzug von Varna 1444 scheiterte. Deshalb war auch diese Union de facto gescheitert, noch bevor 1453 die Osmanen Konstantinopel eroberten.

Danach kam es zu Teilunionen mit einzelnen orthodoxen Regionalkirchen (etwa mit der Union von Brest 1596 in Polen-Litauen), die zur Entstehung der sogenannten unierten Kirchen (mit orthodoxem Ritus innerhalb der katholischen Kirche) führten; die Existenz dieser Kirchen wird allerdings von Teilen der Orthodoxie bis heute eher als ein Hindernis für eine allgemeine Einigung angesehen. Zu intensiveren Gesprächen über eine solche kommt es nach der formellen Aufhebung der 1054 ausgesprochenen Bannsprüche zwischen Rom und Konstantinopel im Jahr 1965 immer wieder. Allerdings gibt es dazu innerhalb der orthodoxen Kirchen sehr unterschiedliche Meinungen – während das Ökumenische Patriarchat in Konstantinopel stark auf eine solche Einigung hofft, äußern sich Vertreter des Moskauer Patriarchats sehr skeptisch zu ihren Chancen. Wichtige Grundlagenarbeit leistet auch die in Wien beheimatete, von Kardinal Franz König gegründete Stiftung „Pro Oriente“ (http://www.pro-oriente.at/).

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Wie oft wurde erwiesenermaßen versucht West- und Ostkirche wieder zu vereinen?

Anonym

Alltag & Religion

Warum gab es in der Ostkirche kaum Hexenverfolgungen und warum keine Reformation?

Herta Kuna

Alltag & Religion

Verschiedene Arten der Zauberei, insbesondere zur Schädigung von Besitz oder Leib und Leben anderer, wurden schon in der römischen Gesetzgebung vor der Christianisierung des Römischen Reiches zum Teil mit schweren Strafen bis zur Hinrichtung geahndet. Diese Gesetze wurden auch im Byzantinischen Reich übernommen und seitens der Kirche durch weitere Bestimmungen über verschiedene Bußen bis hin zum Ausschluss von der Kommunion oder der kirchlichen Gemeinschaft ergänzt. Dementsprechend wurden auch in Byzanz Fälle von Zauberei vor weltlichen und in späteren Jahrhunderten insbesondere vor kirchlichen Gerichten immer wieder verhandelt und  Angeklagte bei Erweis entsprechender magischer Handlungen verurteilt – allerdings in der Regel zu Haft, körperlicher Züchtigung oder maximal Verbannung und Konfiskation des Vermögens, hingegen nicht zum Tod. Die Umsetzung dieser dennoch schweren Strafen oblag in jedem Fall der weltlichen Gerichtsbarkeit und nicht der kirchlichen. Ergänzend konnten kirchliche Autoritäten weitere Maßnahmen setzen; so wurde eine reumütige prominente Zauberin namens Amarantina um 1350 in Konstantinopel in einem Kloster unter Aufsicht gestellt. Kurz gesagt: Hexerei wurde auch in der byzantinischen Kirche verfolgt, aber mit weniger dramatischen Maßnahmen als während der intensivsten Zeit der Hexenverfolgung in Mitteleuropa zwischen 1550 und 1650. Doch auch für diese Periode hat die jüngere Forschung erwiesen, dass die Rolle der (westlichen) Kirchen dabei nicht dominierend war (so wurde etwa der berüchtigte „Hexenhammer“ des Heinrich Kramer von 1486 seitens der katholischen Kirche nie offiziell anerkannt und einige der wortmächtigsten Gegner der Hexenverfolgung entstammten dem Klerus). Für die Verurteilung und Hinrichtung der Hexen waren in der Regel weltliche Gerichte zuständig; die kirchlichen Inquisitionsgerichte in Spanien oder im Kirchenstaat etwa lehnten die Hexenverfolgung ausdrücklich ab.

Auch die byzantinische Kirche kannte Zeiten heftiger theologischer Auseinandersetzungen, etwa im Bilderstreit im 8. und 9. Jh. oder bei den Debatten um eine Union mit der Westkirche oder die mystische Richtung des Palamismus im 14. Jh., die zu zeitweiligen Spaltungen innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft führten. Dauerhaft hatten sich ja schon davor die „altorientalischen“ Kirchen in Ägypten, Syrien oder Armenien im 5.-6. Jh. von der „Orthodoxie“ Konstantinopels (und damals auch noch Roms) getrennt. Die „Reformation“ ist hingegen nur aus den spezifischen gesellschaftlichen und kirchengeschichtlichen Bedingungen in Mitteleuropa im 16. Jh. zu verstehen. Wesentliche Streitpunkte – der „Alleinherrschaftsanspruch“ des Papstes in Rom (verquickt mit seiner weltlichen Macht als Herr des Kirchenstaates) oder der Ablasshandel – waren in der byzantinisch-orthodoxen Kirche schlichtweg nicht gegeben (die sich außerdem seit 1453 im vom sunnitischen Islam dominierten Osmanischen Reich wiederfand). Nach dem Zerwürfnis mit Rom suchten protestantische Gelehrte hingegen sogar den Kontakt mit der Orthodoxie und interessierten sich für ihre Theologie und Geschichte – als Vertreter eine älteren „Alternative“ zur römischen Kirche.

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Warum gab es in der Ostkirche kaum Hexenverfolgungen und warum keine Reformation?

Herta Kuna

Alltag & Religion

Wo hat Kaiser Konstantin residiert?

Thomas Kühtreiber

Kaiser

Die Palastanlagen Konstantins des Großen befanden sich auf den höchsten Terrassen der Akropolis von Konstantinopel und bestanden aus mehreren Gebäuden.

Bei weitem nicht alle sind bekannt. Vieles wurde gewiss beim "Nika-Aufstand" 532 zerstört oder fiel jahrhundertelangen Überbauungen zum Opfer. Folgendes ist aber bekannt:

Der Zugang erfolgte über ein Tor (Vorläuferbau des Chalketores) am Augustaion, einem freien Platz direkt vor der (erst nach Konstantin errichteten!) Hagia Sophia. Im Inneren des ummauerten Palastbezirkes könnte schon unter Konstantin der große Thronsaal ("Magnaura") errichtet worden sein - doch gibt es keine Beweise dafür. In unmittelbarer Nähe befanden sich wohl schon im 4. Jahrhundert die Kasernen der Palastgarden und eventuell eine Christuskirche. Direkt an den Kaiserpalast grenzte schon damals das Hippodrom, die Rennbahn, die schon vor Konstantin errichtet worden war. Zwischen Hippodrom und der späteren Hagia Sophia befanden sich die römischen Zeuxippos-Bäder aus dem 2. Jahrhundert.

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Wo hat Kaiser Konstantin residiert?

Thomas Kühtreiber

Kaiser

Verließen die Pilger ihre Familien und wie kamen diese zurecht?

Herta Kuna

Alltag & Religion

Der byzantinische Pilger, das heißt der religiös bewegte Reisende ab dem 6./ 7. Jh., begab sich auf die gesellschaftlich angesehene Wallfahrt, um nach einer vergleichsweise kurzen Zeit wieder zum Heimatort zurückzukehren. Nur Mönche und Heilige hielten sich längere Zeit an den Sakralstätten auf, die „einfachen Menschen“ aber kehrten nach wenigen Wochen oder Monaten, je nach geographischem Ausgangspunkt der Reise, wieder zurück. Um diesen Aspekt zu fördern, gab es Verkürzungen der Reiserouten: im Heiligen Land etwa wurde es schnell unüblich, die entlegeneren Regionen in Galiläa zu besuchen, man konzentrierte sich auf die Region um Jerusalem. Interessante Orte, die ursprünglich nicht an der Route lagen, konnten durch eine bewusste veränderte Tradition dorthin verlagert werden: so wanderten etwa die Städte Sodom und Gomorra vom Südende des Toten Meeres an das Nordende, das an der Pilgerroute lag…

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Verließen die Pilger ihre Familien und wie kamen diese zurecht?

Herta Kuna

Alltag & Religion

Waren die meisten Pilger Männer?

Herta Kuna

Alltag & Religion

In der Frühzeit des christlichen Pilgerwesens, in der Zeit bis zum 4./ 5. Jh., gab es zahlreiche Frauen aus der Oberschicht, die sich auf die Reise begaben und schließlich am Ziel ihrer Reise länger oder auch dauerhaft verweilten, man denke hier nur an den Damenkreis um den hl. Hieronymus. Zu späterer Zeit entsteht aus den literarischen Quellen heraus der Eindruck, dass die meisten Reisenden Männer gewesen seien. Ein gewisser weiblicher Anteil wird aber nach wie vor vorhanden gewesen sein, insbesondere wenn man bedenkt, dass das Pilgerwesen in Byzanz wesentlich von jenen Menschen getragen wurde, die in relativer Nähe zum Wallfahrtsort siedelten. Eine „Kurzreise“ über 20 bis 30 Kilometer hinweg ließ sich von Männern wie von Frauen durchführen. Die Reisenden, die große Entfernungen zurücklegten, waren ab der mittelbyzantinischen Zeit in aller Regel männlich.

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Waren die meisten Pilger Männer?

Herta Kuna

Alltag & Religion

Was war die Rolle der Mehrheit der Frauen?

Herta Kuna

Alltag & Religion

Unter der Voraussetzung, dass Verallgemeinerungen für einen Zeitraum von mehr als tausend Jahren immer etwas problematisch sind, lässt sich folgendes feststellen: Die Rolle der Frau in Byzanz dürfte überwiegend jener entsprochen haben, die wir aus dem westlichen Mittelalter kennen: Betreuung des Haushalts, Kinder, Feldarbeit… Die literarischen Quellen schenken der Frau im Allgemeinen nur wenig Aufmerksamkeit, sie konzentrieren sich eher auf die Frauen der Hofgesellschaft – und auch dies in der frühbyzantinischen Zeit deutlich mehr und ausführlicher als etwa in der Zeit nach dem 11. Jh. Verfügungsgewalt über Haus- und Grundbesitz ist mehrfach belegt. Juristische Quellen betreffen schwerpunktmäßig das Eherecht, hagiographische Quellen sind auf jene Frauen konzentriert, die als Heilige hervorgetreten sind und sich damit von der „Mehrheit der Frauen“ unterschieden. Allein, es gab „Heilige Hausfrauen“ wie beispielsweise die um 903 verstorbene hl. Maria von Bizyē in Ostthrakien, deren Vita Einblicke in den Lebensalltag byzantinischer Frauen gewährt – dies einschließlich der Aspekte häuslicher Gewalt…

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Was war die Rolle der Mehrheit der Frauen?

Herta Kuna

Alltag & Religion

Man könnte zwar mit Cyrillus und Methodius mehrere andere Ausstellungen füllen; jedoch warum werden die beiden prominenten Byzantiner (Griechen) nicht einmal erwähnt? (z.B. östlicher Einfluss im Westen)

Dr. Norbert Mair

Ausstellung

Sie haben völlig Recht - Kyrill und Method könnten selbst Gegenstand einer ganzen Ausstellung sein (und waren es auch schon). Das Thema war durchaus angedacht, ist dann aber im notwendigen Prozess der Reduktion angesichts der limitierten Zahl an verfügbarem Raum und Transporten nicht umgesetzt worden, wie etwa auch Byzanz & Skandinavien. Wie Sie beim Besuch der Ausstellung bemerkt haben werden, haben wir die Kontakte zwischen Byzanz und der (vereinfacht gesagt) slawischen Welt kaum angespielt und uns aus den genannten Gründen schwerpunktmäßig auf den deutsch-französisch-italienischen Raum beschränkt und unseren Erzählstrang nach Möglichkeit vereinfacht, um allen Besucherinnen und Besuchern zumindest ein grobes Gerüst der Geschichte mitzugeben und sie auch zur eigenständigen Vertiefung einzelner Themen anzuregen.

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Man könnte zwar mit Cyrillus und Methodius mehrere andere Ausstellungen füllen; jedoch warum werden die beiden prominenten Byzantiner (Griechen) nicht einmal erwähnt? (z.B. östlicher Einfluss im Westen)

Dr. Norbert Mair

Ausstellung

Woher kommt die Gabel genau? Scheinbar wurde sie von einer byzantinischen Braut nach Italien/Venedig gebracht. Die Kirche sah in ihr ein Teufelswerkzeug.

Mr. Interest

Wissenswertes

Die Geschichte mit der Gabel ist in ihrer gängigsten Version von Petrus Damiani, einem Kleriker, überliefert. Angeblich soll im späten 11. Jh. die byzantinische Gattin eines Dogen (die Zuordnung an genaue Personen variiert) am venezianischen Hof Aufsehen damit erregt haben, ausschließlich mit einer goldenen Gabel gespeist zu haben. Für ihre Extravaganz, so der Autor des Textes, sei sie von Gott mit einer schweren Krankheit gestraft worden. Es ist nicht ganz klar, ob sich die Kritik darauf bezieht, dass Theodora nicht, wie es im Westen Sitte war, mit Händen und Messer aß, oder ob ihr Besteck vergoldet war. Häufig wird die Stelle als Beleg für die Einführung der Gabel im Westen angeführt. Von einer flächendeckenden Verwendung kann jedoch erst ab dem 13. Jahrhundert gesprochen werden.

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Woher kommt die Gabel genau? Scheinbar wurde sie von einer byzantinischen Braut nach Italien/Venedig gebracht. Die Kirche sah in ihr ein Teufelswerkzeug.

Mr. Interest

Wissenswertes

When did the organ find its way into the church? Is there a document that tells us about the first church with an organ? Where is the oldest organ in a church? Which church? Where is the oldest functioning organ in a church? Which church?

Aniljeet Baxi

Wissenswertes

Thank you very much for your interesting questions. Our expert Susanne Rühling answered:

Byzanz wurden Orgeln ausschließlich bei weltlichen Zeremonien und Veranstaltungen verwendet. Die akustische Repräsentanz des Kaiserhauses verlangte nach elaborierten Instrumenten von großer Lautstärke, so dass Erscheinen oder der Abgang der Herrscher entsprechend angekündigt und/oder untermalt werden konnten. Ab der Mitte des 8. Jahrhunderts begann Rom, Botschafter an den Fränkischen Hof zu entsenden und ebenso erfolgte dies umgekehrt. Während des 9. Jahrhunderts dann wurde das Amt eines römischen Repräsentanten am Aachener Hof sogar zu einer festen Institution. Die Franken waren von Rom und seinem elaborierten Hofzeremoniell, dessen Vorbild wiederum auf Byzanz fußte, fasziniert. Man tauschte Geschenke aus und die römische Gesangstradition sowie das entsprechende musikalische Repertoire wurden allmählich vom fränkischen Hof adaptiert. Im 8. Jahrhundert vollzog Rom eine geostrategische Neuausrichtung weg vom schwächelnden Byzanz, hin zum Frankenreich. Gleichwohl wurden zwischen Konstantinopel und den Franken häufig Gesandtschaften ausgetauscht. Auf diesem Weg gelangte u. a. eine Orgel als besonders kostbares und seltenes Geschenk in den Westen. Diese sollte nicht nur Eindruck schinden, sondern galt als ein Majestätssymbol, welches bisher noch an keinen westlichen Herrscher ergangen war.

Dieses Diplomatengeschenk erfolgte im Jahre 757 durch den byzantinischen Kaiser Konstantin Kopronymos (reg. 741–775) an den Frankenkönig Pippin den Jüngeren (reg. 751–768). Im Jahr 826 hat nachfolgend dann ein Geistlicher aus Venedig mit vermutlich byzantinischen Wurzeln eine „Orgel nach Art der Griechen“ im Auftrag Ludwigs des Frommen (reg. 813/14–840) in Aachen gebaut. Neben den Erwähnungen dieses Orgelbaus in mehreren Chroniken, gibt es noch einige dichterische Zeugnisse für Orgelbau in Aachen unter Kaiser Ludwig. Die zwei dichterischen Quellen (Ermoldus und Walahfrid) betonen ausdrücklich den Stolz der Byzantiner auf ihre Orgeln. Somit trug der Erwerb einer Orgel für den Aachener Hof zur Steigerung des Prestiges des Westens bei.                                                

Der Besitz eines solchen Musikinstrumentes wurde als ein Zeichen von Macht, Größe und Reichtums angesehen. Ihre anschließende, zunehmende Verbreitung in Kirchen und Klöstern bewirkte dort die Entstehung einer Tradition der allgemeinen Verwendung von Orgeln.                                                              

Einige Forscher sehen den Ansatz der Einbeziehung der Orgel in die Liturgie in den gelegentlichen Aufführungen von Hofmusik in der Hofkirche bzw. die Übertragung des Privilegs dieser Musik auf Bischöfe und Kathedralen. Mitte des 10. Jahrhunderts finden sich erstmals Textstellen, die auf eine Verwendung der Orgel innerhalb der Liturgie schließen lassen. Diese beschränkte sich zunächst auf hohe Festtage und wahrscheinlich auch zur Begleitung beim Vorlesen ausgewählter kirchlicher Schriften. Darin wäre die "früheste Orgel" im Westen enthalten. Wo diese aber genau aufgestellt war, wissen wir nicht. Vermutlich in der kaiserlichen Residenz. Leider ist gerade die erste Frage unglaublich strittig und wird in der Forschung "heiß" diskutiert. Hier seien insbesondere Instrumente aus Skandinavien genannt, wie z. B. in Norrlanda (um 1280) und Sundre (um 1370). Von den beiden Orgeln haben sich u. a. die Gehäuse aus Kiefernholz und die Windlade aus Eiche erhalten. In der Nicolaikirche in Utrecht (Niederlande) ist beispielsweise eine mittelalterliche Blockwerkslade noch erhalten. Eine weitere Orgel, die etwa um 1435 erbaut wurde, ist in der Basilique de Valère in Sion (Schweiz) (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Orgel_der_Basilique_de_Val%C3%A8re)  zu sehen. Sie zählt neben den Instrumenten in Rysum (Deutschland), Kiedrich (Deutschland), Ostönnen (Deutschland) und der Epistel-Orgel in San Petronio zu Bologna (Italien) zu den ältesten spielbaren Orgeln der Welt. Insbesondere die Orgel von St. Andreas ist hier von Interesse, da das Holz ihrer Windladen eine Datierung derselben zwischen 1425 und 1431 zulässt. Viele der über 300 erhaltenen Pfeifen scheinen zudem vor 1500 gefertigt zu sein. Weiterhin existieren Fragmente einer Kleinorgel aus Greifswald (Deutschland), die bei einer archäologischen Grabung im östlichen Marktquatier der Hansestadt gefunden. Gefunden wurden Teile der Windlade aus Holz und Leder aus dem 14. Jh. n. Chr. Die Fragmente der Greifswalder Kleinorgel sind leider recht spärlich, aber geben dennoch einige Hinweise. Gefunden wurden Teile der Windlade aus Holz und Leder, die in das 14. Jh. n. Chr. datieren.

Auch aus der Antike gibt es Funde von Orgeln. Hier sind die Funde dreier Orgeln aus in Aquincum (Budapest / HU), in Aventicum (Avenches/ CH) (vgl. http://www.aquincum.hu/en/muzeumtori/az-aquincumi-kutatas-jeles-kepviseloinek-eletrajza/) und in Dion / GR besonders erwähnenswert.

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When did the organ find its way into the church? Is there a document that tells us about the first church with an organ? Where is the oldest organ in a church? Which church? Where is the oldest functioning organ in a church? Which church?

Aniljeet Baxi

Wissenswertes

Wird das Thema "Hesychastischer Streit" bzw. Gregorios Palamas überhaupt angesprochen, irgendwie angedeutet...? Es hat - meiner Einschätzung nach - eine wesentliche Rolle bei den Versuchen der Annäherung im 14. Jh gespielt (Konzil Ferrara-Florenz).

Dr. Vasile Ciobanu

Alltag & Religion

Im Glossar des Ausstellungskatalogs gehören Hesychasmus und Palamismus zu den ca. 70 erklärten Begriffen. Gregor Palamas (ca. 1296-1359) war Athosmönch und der einflussreichste Theologe der spätbyzantinischen Zeit. Im Sinne der orthodoxen Heilslehre, welche die ‘Einheit mit Gott’ (theiosis) als Ziel des menschlichen Lebens sieht, war Palamas ein wichtiger Proponent des Hesychasmus (Griechisch ‘hesychia’=’Stille’). Die mystische Einheit mit Gott wurde mit dem Licht der Verklärung Christi auf dem Berg Tabor verglichen (siehe dazu die Mosaik-Ikone aus Konstantinopel von ca. 1200 in Raum XV) und durch spezielle Gebetspraktiken angestrebt, wie sie im byzantinischen Möchtum schon seit Jahrhunderten bekannt waren und besonders in der Spätzeit unter Athosmönchen praktiziert wurden.

Palamas’ Ansichten und sein umfangreiches theologisches Schriftum wurden insbesondere durch den Mönch Barlaam von Kalabrien (ca. 1290-1348) heftig kritisiert, der beim Konzil von Avignon anwesend war, dort zum Katholizismus konvertierte und später der Griechischleher des italienischen Dichters Petrarca wurde. Zu Palamas’ Anhängern zählte Kaiser Johannes VI. Kantakuzenos (ca. 1295-1383). Das Porträt des Kaisers ist in dem von ihm verfassten Geschichtswerk in Raum XVIII zu sehen, wie er den Vorsitz der Synode von 1351 führt, bei welcher der Palamismus offiziell bestätigt wurde.

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Wird das Thema "Hesychastischer Streit" bzw. Gregorios Palamas überhaupt angesprochen, irgendwie angedeutet...? Es hat - meiner Einschätzung nach - eine wesentliche Rolle bei den Versuchen der Annäherung im 14. Jh gespielt (Konzil Ferrara-Florenz).

Dr. Vasile Ciobanu

Alltag & Religion

Wie lange existiert diese Burg schon?

Ricardo Dahdal

Wissenswertes

Die Geschichte des Renaissanceschlosses Schallaburg lässt sich bis ins 12. Jh. nach Chr. zurückverfolgen. Das Schloss in seiner heutigen Form wurde im Jahr 1570 von einer Burg zum Renaissanceschloss ausgebaut.

Anlässlich einer Schenkung Kg. Arnulfs an das Kloster Kremsmünster 888/89 begegnet erstmals der Fluß "scalaha", es ist jedoch zweifelhaft, ob diese Quelle hierher bezogen werden kann. Seit dem 9./10. Jh. befand sich das Gebiet zwischen Melk und Pielach geschlossen im Besitz der Sieghardinger. Dafür prägte die moderne Geschichtsschreibung den Namen „Pielachgau“, diese topographische Bezeichnung („pago Pielahe“) erscheint 1043 anlässlich einer kaisl. Schenkung an den Babenberger Mgf. Adalbert I. Konkrete schriftliche Quellen zur Schallaburg sind ab/nach der Wende zum 12. Jh. bekannt. Der 1104 in Regensburg erschlagene Sieghard IX., der zuvor als Gf. v. Pongau, Chiemgau und Tengling auftritt, nennt sich erstmals nach Burghausen und Schala. Bislang wird die Errichtung der Burg aber seinem Sohn, dem zwischen 1104 und 1142 in den Quellen genannten Sieghard X. zugeschrieben. Die Gfn. v. Schala sind in zahlreichen Urkunden vertreten. Die nach Schala benannte Linie stirbt bereits 1192 mit Sieghard XI. aus. Die Besitznachfolge wirft bis heute Fragen auf, während der große Besitz an Hzg. Leopold V. fällt, finden sich neben den Landesfürsten auch die Peilsteiner – die 1218 erloschene Nebenlinie der Gfn. v. Burghausen-Schala – und die Gfn. v. Plain als Besitzer der Schallaburg. Mglw. führten die unterschiedlichen Besitzansprüche schon damals zu einer Teilung der Hft., denn später ist eine Hälfte ldfl. Lehen, die andere Hälfte ist freies Eigen. Einer dieser Anteile ist ab 1242 im Besitz der Ottensteiner. In diesem Jahr erscheint die Burg als „castrum“. Kurze Zeit später sitzen verm. bereits die Zelkinger auf der Schallaburg, als 1286 Hzg. Albrecht I. Otto v. Zelking mit der Burg belehnt, wird noch definitiv zwischen beiden Besitzanteilen unterschieden. Ab dieser Zeit erscheinen Burggfn., als erster 1282 ein Friedrich v. Melk. 1456 kommt der Besitz im Erbweg an die Losensteiner. Hans Wilhelm v. Losenstein errichtet ab ca. 1570 den Renaissancebau. 1624/27 gelangt das Schloss, nun freies Eigen, an Georg v. Stubenberg, 1651 an die Frhn. v. Eibeswald, 1662 an die Kletzel v. Altenach. Im 18. Jh. kommen die Frhn. v. Tinti in den Besitz, erst 1940 folgen die Frhn. v. Nagl-Dvornik. Die russische Besatzung ab 1945 verwüstet den Bau, auch die Besitzverhältnisse zwischen 1955 und 1965 fördern den Verfall. 1965 gelangt das Schloss an die Republik Österreich, 1968 an das Land Niederösterreich, das den Bau bis 1974 unter beträchtlichem Aufwand durchgreifend restauriert und revitalisiert.

Quelle: http://www.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/1065

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Wie lange existiert diese Burg schon?

Ricardo Dahdal

Wissenswertes

Wie waren die Längsachsen der byzantischen Kirchen orientiert, in der römischen Kirche sind die Kirchen seit dem Mittelalter West-Ost orientiert (Altar im Westen), angeblich ist dies seit dem Rolandslied üblich.

Hans Salzer

Wissenswertes

Zu Beginn war die östliche Ausrichtung der Kirchenbauten nicht von Bedeutung. Aber im 5. Jh. wurde es allmählich zur Gewohnheit den Hauptaltar in Richtung Osten auszurichten. Man kann also durchaus von einer Apsisostung sprechen. Freilich lagen die wenigsten Kirchen exakt auf der West-Ost-Achse.

Im 6. Jh. setzte sich die Bauform von gewölbten Zentralbauten durch, die die Langhaus-Bauform der römischen Basiliken allmählich ersetzten und sich als „Kreuzkuppelkirche“ in der Architekturterminologie etabliert hatten. Bei vielen erhaltenen Bauwerken ist die Grundform eines griechischen Kreuzes erkennbar. Der oftmals quadratische Mittelteil (Naos) der Kirche wurde von einer Hauptkuppel bekrönt, die Kreuzarme wurden von kleineren Kuppeln überwölbt. An die Apsis schlossen im Osten gewöhnlich Nebenräume an, die sich bereits im Altarraum (Bema) befanden.  Im oft dreiteiligen Altarraum befand sich die Prothesis, ein Raum für die Ankleide der Priester, und ein Diakonikon, wo die Gewänder und das Kultgerät aufbewahrt wurde. Beide sind oft als eigene gewölbte Räume ausgestaltet. Der Naos wurde im Süden und Norden oft von weiteren Nebenräumen flankiert. Die Frauengalerien befanden sich oft im Obergeschoss. Im westlichen Kirchenraum war oft ein Narthex vorgelagert, der oft als Grablege für die Stifterfamilie der Kirche fungierte. Eine orthodoxe Kirche benötigte keine prächtig ausgestalteten Chöre. Das wichtigste Merkmal einer orthodoxen Kirche ist die Ikonostase, eine geschlossene Bilderwand, die in der byzantinischen Kirche Naos von Bema trennte. Hierbei sei noch angemerkt, dass der Altarraum oft auch durch eine Erhöhung des Bodenniveaus abgetrennt wurde. In Zentralbauten wurde der Altarraum, entgegen der architektonischen Logik, an die dem Eingang gegenüberliegende Wand oder in die angefügte apsidale Ausbuchtung gerückt, um für die Gemeinde Platz zu schaffen.

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Wie waren die Längsachsen der byzantischen Kirchen orientiert, in der römischen Kirche sind die Kirchen seit dem Mittelalter West-Ost orientiert (Altar im Westen), angeblich ist dies seit dem Rolandslied üblich.

Hans Salzer

Wissenswertes

Warum ist das Weströmische Reich militärisch so schnell zusammengebrochen?

Herbert Gammel

Geschichte & Politik

Im Jahr 395 wurde das gemeinsame Römische Reich (West- und Ostrom) von zwei gleichberechtigten Kaisern regiert. Im Osten beschlossene Gesetze galten auch im Westen und vice versa. Grundsätzlich kooperierten die beiden Höfe, auch wenn bisweilen Konkurrenzgedanken ufkamen. Grundlegend änderte sich die Situation erst im Jahre 476, als der letzte weströmische Kaiser Romulus „Augustulus“ vom skirischen (oder thüringischen) Heerführer Odoaker abgesetzt wurde. Germanische Generäle in römischen Diensten hatten eben schon längere Zeit die Fäden der Politik in der Hand gehabt, doch nun wurde die Herrschaft ganz formell übernommen. Schon Romulus „Augustulus“ war von Konstantinopel nicht mehr anerkannt worden, weil sein Thron eigentlich Julius Nepos zustand. Odoaker setzte dem System des Kaiserkollegiums nun ein Ende und gab sich mit dem Titel eines Königs von Italien (rex Italiae) zufrieden. Damit stellte er sich klar unter den in Konstantinopel regierenden Kaiser (augustus) Zenon, von dem er schlussendlich auch anerkannt wurde. Für die Zeitgenossen hieß das, dass die Herrschaft über das Gesamtreich wieder einem einzigen Kaiser zugefallen war, und zwar jenem, der in Konstantinopel regierte. Dass dieser keinen realen Zugriff auf die westlichen Provinzen hatte, spielte dabei ideologisch gesehen (noch) keine Rolle. Man ging zunächst wohl auch nicht davon aus, dass die römische Herrschaft nicht mehr wiederhergestellt werden könnte.

Wenn man die Gründe sucht, die zum Untergang des Weströmischen Reiches geführt haben, fallen einige Erscheinungen auf, die das Problem zumindest annähernd erklären. Einige Historiker meinen, in der Aufnahme von Nichtrömern in die Verwaltung und von nicht-römischen Heerverbänden in die römische Armee einen deutlichen Hinweis auf den Niedergang des Römischen Reiches entdeckt zu haben. Zunächst bietet sich der Rückgang der Bevölkerung als Erklärung dafür an. Der römische Staat war aufgrund seines Personalmangels darauf angewiesen, andere Bevölkerungsgruppen an der Macht zu beteiligen. Hierfür scheinen vor allem ein Geburtenrückgang, die zahlreichen äußeren und inneren Kriege, Krankheiten und Seuchen verantwortlich gewesen zu sein.

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Herbert Gammel

Geschichte & Politik

Was weiß man über die Übersetzungsschulen und den griechisch-lateinisch-arabischen Wissenstransfer in Byzanz? Kann man sich unter "Übersetzungsschulen" tatsächlich eine Schule vorstellen, oder handelte es sich dabei mehr um Netzwerke?

Anna Maria Steinkress

Wissenswertes

Als sich unter den Kalifen der Abbasiden-Dynastie (ab 750), die 762 Bagdad als neue Hauptstadt gründeten, das Interesse am Wissen der Griechen intensivierte, folgten sie dabei wie auch in anderen Aspekten dem Vorbild der persischen Sasaniden-Dynastie (die den Irak und den Irak vom 3. Jh. bis zur arabischen Eroberung im 7. Jh. beherrscht hatte); schon einige von deren Großkönigen hatten aktiv die Sammlung und Übersetzung von Texten der Nachbarkulturen (u. a. Rom-Byzanz, Indien) unterstützt. Neben den Kalifen selbst förderten auch Mitglieder der Elite wie die von buddhistischen Klostervorständen in Balch (im heutigen Afghanistan) abstammende Familie der Barmakiden Gelehrte mit verschiedenen sprachlichen Hintergründen und die Übersetzung von Texten (etwa am von ihnen gestifteten Hospital in Bagdad). Eine heftige Debatte besteht allerdings über die tatsächliche Institutionalisierung der Übersetzungstätigkeit, die oft mit dem sogenannten „bait al-ḥikma“ (dt. Haus der Weisheit) verknüpft wird; Kalif al-Mamun soll es um 825 zu einer regelrechten Akademie mit einem Personalstand von bis zu 90 Personen ausgebaut haben. Doch ist das Interesse insbesondere an wissenschaftlichem und medizinischem klassisch-griechischen Schriftgut für die Zeit des al-Mamun zwar gut belegt (so soll er auch versucht haben, den berühmten Mathematiker Leon aus Byzanz abzuwerben), die Evidenz für eine quasi offizielle akademische Funktion des bait al-hikma jedoch nicht eindeutig. Deutlich sichtbar werden hingegen verschiedene auch miteinander verbundene, von einzelnen Herrschern und Mächtigen geförderte Gruppen, wobei insbesondere auch Gelehrten der syrischen Sprache als Vermittlern zwischen dem Griechischen und dem Arabischen eine besondere Rolle zukam. In der Wiener Byzantinistik gibt es derzeit auch zwei vom European Research Council geförderten Projekte („Reassessing Ninth Century Philosophy. A Synchronic Approach to the Logical Traditions“ von Christophe Erismann an der Universität Wien; “Transmission of Classical Scientific and Philosophical Literature from Greek into Syriac and Arabic” von Gregory Kessel an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften), die sich diesen Austausch- und Übersetzungsbewegungen und der Frage „wer wie was warum übersetzte“ widmen.

Eine intensivere Übersetzungstätigkeit aus dem Lateinischen ins Griechische ist in Byzanz wieder im 13. und 14. Jh. zu beobachten, wobei das Interesse einzelner Gelehrter insbesondere philosophischen Texten, etwa der Scholastik (z. B. Thomas von Aquin) galt; einige von ihnen standen auch im Kontakt mit in Konstantinopel tätigen Dominikaner-Mönchen, etwa Demetrios Kydones (1324-1397/1398), der bei ihnen Latein lernte und später zum katholischen Glauben konvertierte. Zu einer Institutionalisierung kommt es hier am ehesten von lateinischer Seite eben durch die Dominikaner-Konvente, die im Sinne einer Auseinandersetzung mit der byzantinischen Orthodoxie aktiv den Erwerb von Sprachkenntnissen durch ihre Ordensmänner und die Übersetzung von griechischen Texten (bzw. eben die Vermittlung lateinischer Sprachkenntnisse an Byzantiner) förderten.

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Anna Maria Steinkress

Wissenswertes

Gibt es ein konservatorisch unbedenkliches Licht für Ausstellungen?

Harald Richter

Ausstellung

Eine Maßeinheit, mit der die Beleuchtungsstärke gemessen wird, heißt „Lux“ (lat. „Licht“). Licht kann Materialien irreversibel schädigen, abhängig von der Beleuchtungsdauer und der Helligkeit. In manchen Ländern ist statt Lux die Einheit Footcandle gebräuchlich. Eine Footcandle entspricht 10,76 Lux. Da Materialien über unterschiedliche Lichtempfindlichkeit verfügen, variieren die Vorgaben für Lichtmengen, denen Museumsobjekte ausgesetzt werden können. Für besonders empfindliche Materialien wie Papier, Textilien, oder gefärbtes Leder werden in Ausstellungen meist 50 Lux und weniger für einen begrenzten Zeitraum empfohlen. Auf jeden Fall sollten in Vitrinen selbst keine Wärme produzierenden Lichtquellen zum Einsatz kommen. Ganz wichtig ist dabei, dass die Lichtquellen frei von UV-Strahlen sind. Daher ist man dazu übergegangen LED Beleuchtungskörper, welche UV-frei sind oder Halogenstrahler mit UV-Filter zu verwenden.

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Gibt es ein konservatorisch unbedenkliches Licht für Ausstellungen?

Harald Richter

Ausstellung

Welche Motivation hatte Mehmed II. zur Eroberung Konstantinopels? Stimmt es, dass Mehmed II. alle Menschen über sechs Jahren ermorden ließ? Was geschah nach der Eroberung?

Johannes Eugen

Geschichte & Politik

Als Mehmed mit dem Tod seines Vater Murad II. 1451 die Regierungsgeschäfte übernahm, war er gerade einmal 18 Jahre alt. Die zeitgenössischen Chronisten beschreiben ihn gerne als jungen Abenteurer. In seinem Kopf geisterten die Geschichten der großen Eroberer Caesar und Alexander herum. Wie sie wollte auch er als Eroberer in die Annalen eingehen. Man darf sich Mehmed gleichzeitig aber nicht als blutrünstigen Eroberer vorstellen. Er hatte einen äußerst scharfsinnigen Verstand, studierte Texte über Geographie, Geschichte, Kriegsführung aber beschäftigte sich auch mit diversen Sprachen. Laut zeitgenössischen Quellen soll er sowohl Persisch, Arabisch als auch Griechisch und Latein gesprochen haben.

Die Osmanen konnten sich recht rasch auf dem Gebiet des Byzantinischen Reiches etablieren. Es folgten viele Eroberungen, die charakteristisch für das schnelle Wachsen des Osmanischen Imperiums waren und sind: 1326 wurde Bursa erobert und zur neuen Hauptstadt ausgerufen, 1337 folgte die Eroberung Nikomediens, dem heutigen Izmit, und schließlich wurde Adrianopel, die heutige Stadt Edirne, 1361 eingenommen und zur neuen Hauptstadt proklamiert. Das einstige Kerngebiet des Osmanischen Reiches war so groß wie das heutige Belgien, doch durch die zügigen Eroberungen im Laufe der Zeit umfasste das Osmanische Reich bald weite Gebiete des Byzantinischen Reiches, Teile der heutigen Türkei sowie Teile des Balkans. Einzig Konstantinopel trotzte den häufigen Angriffen der Osmanen und lag wie eine uneinnehmbare Insel mitten im „osmanischen Meer“. Konstantinopel hatte natürlich den Ruf einer uneinnehmbaren Festung. Dass Mehmed sich trotzdem die Eroberung der Stadt zum Ziel setzte hat auch mit der Ideologie der Osmanen zu tun:

Seit jeher war Konstantinopel für die Osmanen „der Goldene Apfel“ bzw. „der Rote Apfel“ schlechthin gewesen. Der Goldene Apfel ist ein Mythos in der türkischen Geschichte. Er beschwört den Eroberungswillen des Osmanischen Reiches. Zuerst war Konstantinopel für die Osmanen der Goldene Apfel und später nahmen Städte wie Rom oder Wien diesen Status ein. Es handelte sich also um bedeutende Städte, die es mit Allahs Hilfe zu erobern galt.

Der junge Mehmed durchdachte alles genauestens: Mit dem Königreich Ungarn und mit Venedig vereinbarte er am 20. September 1452 einen Waffenstillstand, um sicherzugehen, dass sein Plan Konstantinopel zu erobern nicht durchkreuzt wurde. Während es durchaus Berater gab, die zu bedenken gaben, dass ein Angriff auf Konstantinopel einen erneuten Kreuzzug zur Folge haben könnte und daher für einen Friedensschluss plädierten, sprachen sich andere für eine Annexion der Stadt aus. Die Osmanen benötigten keinen Kriegsgrund um einen Angriff auf die Stadt zu unternehmen. Tatsächlich lieferten die Byzantiner selbst mehrere Gründe: Der Kaiser Konstantin XI. Palaiologos schickte byzantinische Gesandte an den Hof des Sultans, die sich aufgrund der vermeintlich ausgebliebenen Unterhaltszahlungen für Prinz Orhan beschwerten, einem Halbbruder und Thronrivalen Mehmeds, der sich in Konstantinopel aufhielt. Sie drohten dem Sultan Prinz Orhan der Stadt zu verweisen, im Falle der Nichterbringung der doppelten Zahlungen. Eine weitere byzantinische Delegation beklagte sich beim Großwesir über die Festung Rumeli, die auf europäischem Boden und damit auf byzantinischem Grund erbaut worden sei. Man verlangte die unverzügliche Räumung der Festung, stellte der Bau doch eine Bedrohung des Handelsverkehrs dar. Ihrer Aufforderung unbeachtet kehrte die byzantinische Gesandtschaft nach Konstantinopel zurück und Sultan Mehmed II. hatte nun einen vermeintlichen Grund für eine Kriegserklärung.
Nach der Eroberung der Stadt am frühen Morgen des 29. Mai 1453 überließ Mehmed die Stadt seinen Soldaten, so wie es das osmanische Kriegsrecht vorsah. Es war ihnen gestattet, Kirchen und Klöster zu plündern, Frauen zu schänden, Sklaven zu erbeuten. Der Westen prägte vor allem das spätere Bild des blutrünstigen Eroberers, was auch durch die so genannten „Türkendrucke“ Verbreitung fand. 

Die Eroberung Konstantinopels war für Mehmed II. Fatih („der Eroberer“) ein symbolischer Sieg sondergleichen. Lange Zeit hatte die Stadt zu den größten urbanen Zentren Europas gezählt. Kostantiniyye, so ihr unter den Osmanen gebräuchlicher arabischer Name, wurde islamisiert und erlebte als neue Hauptstadt des aufstrebenden Reiches einen ungeheuren Aufschwung. Byzantinische Traditionen prägten das Stadtbild aber auch weiterhin. Die Hagia Sophia war für Mehmed ein Symbol des Triumphes. Er ritt in die Kirche ein, ließ sie zur Moschee weihen und mit Minaretten versehen. Mehr noch wurde die einst größte Kirche der Christenheit gar zum zentralen Vorbild für den Bau großer Moscheen.

Mehmeds Ziel war es auch die griechischen Elemente in der Stadt zu erhalten, so konnten die Menschen ebenso ihrem gewohnten alltäglichen Leben nachgehen. Gegen Entrichtung einer Kopfsteuer durften die Menschen auch ihre Konfessionen und Glaubensüberzeugungen beibehalten.  Mehmed versuchte sogar jenen Großadmiral Großherzog Lukas Notaras mit der Verwaltung der Stadt zu betrauen. Wahrscheinlich war es dem Sultan auch ein Anliegen durch den Erhalt und die Förderung der griechischen Kultur die Wirtschaft und den Handel erneut anzutreiben, was mit der Integration der Griechen in seine Verwaltung bestenfalls gelingen konnte. Doch dies misslang aufgrund der von Mehmeds Beratern gesponnenen Intrigen, die ebenso die Hinrichtung des Großadmirals mitsamt seiner Familie veranlassten. Daraufhin ließ Mehmed aber Gennadios Scholarios, jenen Kenner der westlichen Philosophie und Theologie, zu sich beordern und ernannte ihn zum ersten ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel.

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Johannes Eugen

Geschichte & Politik

Wie war es möglich, dass Einwohner einer eroberten Region die neuen Herrscher kennen? - es kann ja jeder kommen und sagen: jetzt bin ich der Chef!

Ludwig Piribauer

Kaiser

Die Herrscher lernte man nicht kennen, man wusste von ihnen dank der „Oral poetry“; man kannte freilich ihre lokalen Stellvertreter, die von großem Einfluss waren: ein gütiger Repräsentant vor Ort vermochte ebenso das Bild der „neuen Herrscher“ zu beeinflussen wie ein grausamer, ungerechter oder willkürlich agierender Stellvertreter.

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Wie war es möglich, dass Einwohner einer eroberten Region die neuen Herrscher kennen? - es kann ja jeder kommen und sagen: jetzt bin ich der Chef!

Ludwig Piribauer

Kaiser

Wie konnte man damals neue Gesetze verbreiten, oder bei Heerfahrten die "Gegner" kennen, die Menschen informieren - wer konnte damals lesen oder schreiben?

Ludwig Piribauer

Alltag

Gesetze verbreiteten sich über das „Hörensagen“ und allgemeine Lebenserfahrungen, auch über Verlautbarungen in den Siedlungsgemeinschaften: das gesprochene Wort war immens wichtig.  Gegner lernte man zumeist nicht persönlich kennen, es gab in den Köpfen diffuse Feindbilder, die sich dann im Konfliktfall gewaltsam entluden. Lesen und Schreiben konnten ziemlich viele Menschen in Byzanz, weit mehr als in der westlichen mittelalterlichen Welt: es gab Schulunterricht auch in kleineren Siedlungen, Elementarkenntnisse wurden teilweise auch an Mädchen vermittelt.

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Ludwig Piribauer

Alltag

Was ist der Unterschied zwischen Babylon und Byzanz?

Bettina Forcher

Wissenswertes

Babylon ist ein Stadtstaat am Fluss Euphrat im Gebiet des heutigen Iraks mit einer Blütezeit zwischen 1800 vor und 100 n. Chr. Die Bewohner Babylons verehrten besonders den Stadtgott Marduk, er war nach Bestimmung des Herrschers Hammurapi (1792-1750 v. Chr.) oberster Gott der babylonischen Götterwelt.

Byzanz ist die moderne, vom Namen der Hauptstadt abgeleitete Bezeichnung des Oströmischen Reiches mit den Kerngebieten in der heutigen Türkei, in Griechenland und Bulgarien. Das Reich hatte von 330 bis 1453 n Chr. Bestand. Die Einwohner waren Christen, auch wenn sie sich über die Auslegung der heiligen Schriften gelegentlich stritten.

Daher besser die Frage, wo sind die Gemeinsamkeiten? Beide teilen sich ihren schlechten Ruf, der ihnen nachträglich oder von auswärtigen Protagonisten verliehen wurde. Im Neuen Testament, in der Offenbarung des Johannes (Offb 17 und 18) gilt Babylon als Hort der Sünde, als dekadent und gottesfeindlich. Im 18. Jh. beschrieb der britische Historiker Edward Gibbon (1737-1794) Byzanz als dekadente orientalische Despotie, was dem Ruf des Oströmischen Reiches lange anhaftete, aber heute unumstritten widerlegt ist.

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Bettina Forcher

Wissenswertes

Woher stammte das Interesse für die Entstehung dieser Ausstellung in der Nähe von Wien? Was ist die Rolle der österreichischen Byzantinistik in Wien gewesen? Man sollte etwas über die reiche Vergangenheit der hiesigen byzantinischen Forschung vermitteln.

Anonym

Ausstellung

Dass die Ausstellung auf der Schallaburg gezeigt wird, ist gewissermaßen eine direkte Folge des Erfolges der Vorgängerausstellung "Das Goldene Byzanz & der Orient" im Jahre 2012. Die Nähe zu Wien als einem der wichtigsten Orte byzantinistischer Forschung bot in beiden Fällen natürlich als optimale Voraussetzung.
Die Forschung und Forschungsgeschichte spielen in der Ausstellung zugegebenermaßen eine untergeordnete Rolle, weil wir das Hauptnarrativ auf die umfangreichen historischen Inhalte zugeschnitten haben. Allerdings bieten die gefilmten Interviews mit Forschern aus Wien (aber auch aus Mainz) durchaus einen Blick in die Gegenwart der Forschung und die Tradition der etablierten Forschungsinstitutionen. Das ist aber natürlich eine optionale Vertiefungsebene für jene Besucher, die mehr über die Hintergründe der Forschung erfahren
möchten.

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Anonym

Ausstellung

Haben die Byzantiner die perspektivische Darstellung entwickelt und der Westen es bis heute als seine Errungenschaft propagiert?

Peter Haselmayer

Wissenswertes

Die Perspektive ist ein konstruierendes Darstellungsmittel. Es wurde von Künstlern der Renaissance  (1400 - ca. 1620) entwickelt. Die Menschen entwickelten ein neues Selbstverständnis und ein neues Weltbild, mit dem sie eine neue Realitätssicht entwickelt haben. Dadurch wurden das mittelalterliche Denken und starre Konventionen durchbrochen. Die Kunstwerke des Mittelalters waren neben einer flächigen Darstellung auch von figürlicher Starrheit geprägt. Mit der byzantinischen Ikonographie hatten sich gewisse starre Normen in der europäischen Kunst etabliert. Zwar waren die Künstler in der Beobachtung der Natur sehr geschult, allein fehlte ihnen das mathematische Verständnis das Gesehene in eine räumlich konstruierte Perspektive zu übertragen.
Die italienische Renaissance brachte viele Künstler hervor, die in dieser Hinsicht ihren nördlichen und südlichen Kollegen einige Jahre voraus waren. Als Erfinder perspektivischer Konstruktionsmethoden gilt der Baumeister und Bildhauer Filippo Brunelleschi aus Florenz (1377 - 1446). Nördlich der Alpen war Albrecht Dürer (1471 - 1528) einer der ersten Maler, der die Konstruktion der Perspektive für sich entdeckt hatte.
Allerdings kann man bereits bei einigen illusionistischen Wandmalereien im alten Rom von einer perspektivischen Darstellungsweise sprechen. Die Byzantiner haben die antike Darstellungsweise von (beobachteten) plastischen Körpern übernommen, was sich insbesondere in der byzantinischen Mosaikkunst manifestiert hat. Der Westen war von der byzantinischen christlichen Licht-Metaphysik insofern beeinflusst, als dass dort rein flächigen Darstellungsweisen und damit verbunden starre Konventionen vorherrschten. Daher führte der Verlust jeglicher Räumlichkeit zur prinzipiellen Vereinheitlichung von Figur und Grund. Aber es ist auf jeden Fall sicherer zu behaupten, die perspektivische Darstellung ist in ihrer vollen Ausprägung erst in der Renaissance entstanden, als bereits schon in der Antike.
Die byzantinische Architektur hat ebenso einige Neuerungen mit sich gebracht. Das System des Zentralbaus hat in Byzanz eine entscheidende Rolle gespielt und hat von dort aus die orthodoxen Balkanländer und weite Teile Russlands erobert. In kleineren Kirchenbauten ist die byzantinische Zentralbauweise im Mittelalter auch nach dem Westen vorgedrungen.


 

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Peter Haselmayer

Wissenswertes

Seit wann ist der Hl. Georg nicht mehr heilig? Wer hat das veranlasst und mit welcher Begründung?

Sigenot Hartl

Alltag

Der Hl. Georg soll im 3./4. Jh. n. Chr. während der Regierungszeit Kaiser Diokletians (reg. 284 - 305) gelebt haben. Er wurde in Kappadokien als Sohn vornehmer Eltern geboren. Da er sich schon als Knabe für das Militär begeistern konnte, wurde er später Offizier und hoher Beamter unter Kaiser Diokletian. Er soll als besonders tapfer und unerschrocken gegolten haben. Als die Christenverfolgung ausbrach, stand Georg tapfer zu seinem Glauben, obwohl er grausame Folter erdulden musste. Dennoch bewies er Mut und Durchhaltevermögen und betete sogar für seine Peiniger, woraufhin der erzürnte Kaiser ihn - da er Georgs Willen nicht brechen konnte - enthaupten ließ.

In den deutschsprachigen Ländern verehrt man Georg als einen der vierzehn Nothelfer. Er gilt zudem als Schutzpatron Englands, mehr als 150 Kirchen sind dort nach ihm benannt. Auch König Richard Löwenherz hatte ihn zu seinem persönlichen Schutzpatron erwählt. Der heilige Georg gilt als Schutzpatron der Reiter und der Bauern. Er wird als Ritter mit der Lanze, einen Drachen tötend, dargestellt. Im Jahr 2005 wurde der Hl. Georg vom Tiroler Landtag zum neben dem Hl. Joseph zum zweiten Landespatron erklärt.

Es ranken sich im Allgemeinen viele Legenden und Mythen um den Hl. Georg. Als die römisch-katholische Kirche als eines der Ziele des Zweiten Vatikanischen Konzils eine Reform des Heiligenkalenders im Jahr 1969 durchführte, entschied man den Hl. Georg aus dem katholischen Generalkalender zu streichen. Dies geschah aufgrund der legendären Person des Hl. Georgs - man war sich einfach nicht mehr sicher, ob denn der Hl. Georg tatsächlich gelebt und gewirkt hat. 1975 revidierte man aber diese Entscheidung und der Hl. Georg wurde erneut in den Heiligenkalender aufgenommen. Sein Gedenktag ist bei den meisten christlichen Kirchen der 23. April. In der orthodoxen Kirche wird der Hl. Georg auch als Groß - bzw. Erzmärtyrer verehrt. 

Darstellungen vom Hl. Georg, der auf einem Schlachtross sitzt und einen Drachen tötet, waren häufig in der Mittelmeerregion anzutreffen. Dessen Kampf mit dem Drachen wurde oft als Allegorie auf den Kampf zwischen Christentum und Islam umgedeutet. Er war daher eine zentrale Figur im Weltbild der christlichen Kreuzfahrer.


 

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Seit wann ist der Hl. Georg nicht mehr heilig? Wer hat das veranlasst und mit welcher Begründung?

Sigenot Hartl

Alltag

Warum kamen im Mittelalter die antike Schriften in arabischen Übersetzungen über Spanien nach Europa und nicht direkt aus Byzanz?

Helmut Zeisel

Wissenswertes

In der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts begann sich das arabische Kulturgut bei de verschiedenen unterworfenen Völkern durchzusetzen. Die "Klammer" des Islam hielt zunächst die verschiedenen unterworfenen Völker, wie Afrikaner, Perser, Ägypter u. a. zusammen. Mit Hilfe der Religion schufen die Araber gewissermaßen eine neue Kultur. Der Koran durfte nämlich nicht übersetzt werden, weshalb die arabische Sprache und Schrift überall vorherrschend wurden.

In den ehemals byzantinischen Regionen Palästina und Syrien lässt sich eine relative kulturelle Kontinuität verfolgen, zumal die arabischen Eroberer großes Interesse an der griechischen Bildung hatten, weswegen wissenschaftliche Übersetzungsschulen begründet wurden, die die griechichen aber auch lateinischen Texte ins Arabische übersetzten. Tatsächlich datieren einzelne Übersetzungen ins Arabische bereits ins 7. Jh.

Die Offenheit der Araber gegenüber dem geistigen Erbe der verschiedenen Traditionen und Kulturen drückte der Gelehrte al-Kindi (gest. um 870) folgendermaßen aus: "Wir sollen keine Scham empfinden, die Wahrheit anzuerkennen und zu verarbeiten, von welcher Quelle sie auch zu uns kommt, selbst wenn sie zu uns von früheren Geschlechtern und fremden Völkern gebracht wird. Für den, der die Wahrheit sucht, gibt es nichts von höherem Wert als die Wahrheit selbst; niemals erniedrigt oder demütigt sie ihn, der nach ihr sucht, vielmehr erhöht und ehrt sie ihn." (Zitiert nach: T. Al Samman - O. Mazal, Die Arabische Welt und Europa. Ausstellung der Handschriften- und  Inkunabelsammlung der Österreichischen Nationalbibliothek. Graz 1988, 33f.)

Durch die die Tätigkeit dieser Schulen wurde eine Unzahl von Werken ins Arabische übertragen. In vielen großen Städten wie in Bagdad (zum Beispiel das Haus der Weisheit "Bayt al-Hikma", im 9. Jh. begründet durch den Kalifen al-Ma'mūn), Damaskus, Kairo, Alexandria, Toledo oder Cordoba entstanden Zentren wissenschaftlicher Forschung. Europa empfing im Laufe des Mittelalters unzählige Impulse aus der arabischen Welt, was für die Entwicklung der neuzeutlichen abendländischen Wissenschaften wie der Medizin, Physik, Mathematik oder auch der Geographie von größter Bedeutung war. Dieser Kulturtransfer erfolgte aber nicht nur über Spanien.

Auch am Beispiel Siziliens ist dieser Kulturtransfer recht gut darstellbar. Bis zum Jahr 827 hatte Sizilien zum Byzantinischen Reich gehört. Im 7. Jh. hatten die Byzantiner Griechisch als Amtssprache eingeführt. Sizilien hatte bis 878 zum Byzantinischen Reich gehört, danach wurde allmählich das Emirat von Sizilien mit der Hauptstadt Palermo begründet, ehe es beginnend mit dem Jahr 1060 unter normannische Herrschaft gelangte.  Das normanische Sizilien blieb dreisprachig, wodurch auch der Kontakt zum Byzantinischen Reich aufrechterhalten wurde. Auf Sizilien wurden Texte zumeist aus dem Lateinischen direkt ins Griechische übersetzt. Manchmal musste man sich aber arabischer Texte bedienen, wenn keine lateinischen Textvorlagen mehr existierten.
Beginnend mit der der Reconquista Andalusiens erfolgte die Übersetzungstätigkeit von oftmals jüdischen Gelehrten, die auch lateinische antike Autoren übersetzten. In Toledo errichtete man 1085 die bekannte Übersetzerschule von Toledo in der Kathedralbibliothek, wo vor allem auch Gerhard von Cremona wirkte.
Im 14. Jahrhundert intensivierte sich in Italien das (nie erloschene) Interesse an der Antike und den Texten der Griechen und Römer. Einer der Initiatoren der „Wiederbelebung“ der Antike war Francesco Petrarca (1304-1374) aus Arezzo in der Toskana. Auch sonst wurde diese Region zu einem Zentrum des „Humanismus“, insbesondere mit Florenz, wo sich bereits 1397 der aus Konstantinopel kommende Gelehrte Manuel Chrysoloras niederließ und begann, Griechisch zu unterrichten. Er ist ein Beispiel für jene Gelehrte aus Byzanz, die schon in den Jahrzehnten vor der osmanischen Eroberung Konstantinopels 1453 den Weg nach Italien fanden. Die seit dem späteren 14. Jh. prekäre politische und wirtschaftliche Lage des Byzantinischen Reiches angesichts der osmanischen Expansion war zwar sicher ein Faktor, der solche Migrationen mitmotivierte.

Der Fall Konstantinopels 1453 war aber nicht der Auslöser oder gar notwendige Bedingung der Wanderung von Gelehrten und Texten. Wichtiger waren das neuerweckte Interesse im Westen und die Bereitschaft zumindest eines Teils der byzantinischen Intellektuellen, mit ihren Kollegen in Italien zusammenzuarbeiten bzw. ihr Wissen weiterzugeben.


 

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Warum kamen im Mittelalter die antike Schriften in arabischen Übersetzungen über Spanien nach Europa und nicht direkt aus Byzanz?

Helmut Zeisel

Wissenswertes

Wie lange gibt es die Römer schon?

Fabian Jelinek

Wissenswertes

Die sagenhafte Gründung Roms durch Romulus und der Beginn der römischen Zeitrechnung ("ab urbe condita" - seit Gründung der Stadt) soll im Jahr 753 v. Chr. geschehen sein. Die altbekannte Eselsbrücke "7 5 3 - Rom schlüpft aus dem Ei" ist sicher noch aus Schulzeiten bekannt.  Der Sage nach wurden die Zwillingsbrüder Romulus und Remus von König Tarchetius auf dem Tiber ausgesetzt, und von einer Wölfin gefunden, die sie ernährt und aufgezogen hatte. Romulus, der erste von den sieben Königen, soll die Siedlung auf dem Palatin, einem der sieben Hügel Roms, gebaut haben.
Die wirkliche Gründung der Stadt erfolgte durch das ab 1200 v.Chr. nach Italien eingewanderte indogermanische Volk der Latiner, das sich am Unterlauf des Tiber niedergelassen hatte. Spätestens seit der Wende vom 2. zum 1. Jahrtausend v. Chr. hatten sich auf den Hügeln Roms schon bäuerliche Siedlungen befunden. Um 1000 v. Chr. bauten die eingewanderten Latiner eine Brücke ("Tiberbrücke") über den Fluss, wo ein Handelsplatz entstand, woraus sich das spätere Rom entwickelte.  Bald darauf trieb es das Seevolk der Etrusker (latein. "Tusci", davon der Name ihres Siedlungsgebietes: Toscana) nach "Latium". Sie fingen an Rom, das bis dato nur aus einzelnen verschiedenen bäuerlichen Dörfern bestand, zu einem Stadtstaat auszubauen und etruskische Könige einzusetzen. Die neubegründete Stadt erhielt nach dem regierenden etruskischen Adelsgeschlecht Ruma den Namen "Roma". Um 510 v. Chr. soll der letzte König von Rom vertrieben worden sein. Die angesehenen Adelsgeschlechter (Patrizier) beendeten die Monarchie und errichteten eine Republik ("res publica" - öffentliche Sache).
 

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Wie lange gibt es die Römer schon?

Fabian Jelinek

Wissenswertes

Ich heiße Valentina. Warum gibt es im Griechischen kein V und W ?

Martin und Valentina Stowasser

Wissenswertes

Die Griechen haben als Grundlage ihres Alphabets das phönizische Alphabet genutzt und Buchstaben und Laute an die Gegebenheiten der griechischen Sprache angepasst. Es wurden daher 5 Buchstaben aus dem Phönizischen zu Vokalzeichen umfunktioniert.

Auch der w-Laut war im phönikischen Alphabet enthalten und wurde von den Griechen übernommen. Dem Aussehen nach wurde dieser Buchstabe als Digamma bezeichnet, obwohl er mit dem Lautwert des Gamma nichts zu tun hat. Mit der Zeit verschwand dieser Laut allerdings aus dem griechischen Alphabet, da dieser nicht mehr gesprochen wurde (ca. im 5. Jh. vor Chr.) In manchen griechischen Wörtern lässt sich dieser Laut noch erahnen, was andererseits auch auf die Zugehörigkeit des Griechischen zur indogermanischen Sprachfamilie hinweist: ἒργον, ursprünglich ϝέργον - dt. das Werk; engl. work oder  ϝoῖνος, lat. vinum, ital. vino, frz. vin, dt. Wein.

Auf Griechisch würde man Ihren Namen Βαλεντινα schreiben.


 

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Ich heiße Valentina. Warum gibt es im Griechischen kein V und W ?

Martin und Valentina Stowasser

Wissenswertes

Im Sakramentar Kat.-Nr. 115 wird griechischer Inhalt mit lateinischer Schrift wiedergegeben. Wir haben uns beide gefragt: Warum hat man hier nicht gleich auf Griechisch geschrieben, dann erkennt man doch die Wörter viel leichter?

Xenia und Karoline

Alltag

Wenn Text einer Sprache in anderer Schrift geschrieben ist, dann ist anzunehmen, dass dies der besseren und schnelleren Lesbarkeit diente. In diesem Fall wollten also lateinischsprachige Menschen den auf Griechisch geschriebenen Text wortgetreu rezitieren (auch ohne ihn wirklich zu verstehen). Dieses Phänomen findet sich häufig in liturgischen Handschriften. Für die Forschung ist dies ein hochspannendes Indiz für das Zusammenleben von Menschen aus verschiedenen Sprachen und Kulturen.
 

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Im Sakramentar Kat.-Nr. 115 wird griechischer Inhalt mit lateinischer Schrift wiedergegeben. Wir haben uns beide gefragt: Warum hat man hier nicht gleich auf Griechisch geschrieben, dann erkennt man doch die Wörter viel leichter?

Xenia und Karoline

Alltag

Welche Bedeutung hat der Name "Blacherne"?

Doris Sutter

Alltag

In byzantinischer Zeit hiess ein ganzes Stadtviertel in Konstantinopel ‘Blachernai’. Der wohlklingende Name hat keine Wortbedeutung in der griechischen Sprache. Eigentlich schade!

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Welche Bedeutung hat der Name "Blacherne"?

Doris Sutter

Alltag

Welche Bedeutung (welchen Einfluss) hat Byzanz für das österreichische Zivilrecht?

Walter Langer

Wissenswertes

Kaiser Justinian I. veranlasste in den Jahren 528-534 n. Chr. die Sammlung und Ordnung von Gesetzen römischer Kaiser und eine umfassende Kompilation des klassischen römischen Rechtes (aus den ersten nachchristlichen Jahrhunderten). Das Ergebnis dieser Arbeiten, die - viel später - unter dem Namen Corpus Iuris Civilis zusammengefassten Werke (Institutionen, Digesten, Codex Iustinianus, Novellen) sind die Grundlage des kontinentaleuropäischen Zivilrechts und seiner neuzeitlichen Kodifikationen. Auch das Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch (ABGB) aus dem Jahre 1811 basiert so auf klassischem römischen Recht.

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Welche Bedeutung (welchen Einfluss) hat Byzanz für das österreichische Zivilrecht?

Walter Langer

Wissenswertes

Welche byzantinischen Bauwerke sind noch erhalten ?

Dr. Gerda Huber

Wissenswertes

Die Liste von noch existierenden byzantinischen Bauwerken wäre doch recht lang. Es gibt in allen ehemaligen byzantinischen Provinzen mehr oder weniger fragmentär erhaltene byzantinische Bauwerke. Hier vor allem in Griechenland, auf Zypern, in Italien, vereinzelt in Spanien und ganz besonders in der Türkei aber auch in der Levante. Oftmals haben sich vor allem im späteren Osmanischen Reich Sakralbauten erhalten, da die Osmanen diese Bausubstanzen gern adaptiert haben und diese zu Moscheen umgewidmet haben. Allein im heutigen Istanbul kann man doch recht viel der einstigen byzantinischen Pracht erahnen. So zum Beispiel die Hagia Sophia, die Hagia Irene, die Mouchlitiossa Kirche (übrigens die einzige Kirche in Konstantinopel, die nicht abgetragen oder zur Mosche umgewandelt wurde). Man kann aber auch die Reste der Theodosianischen Stadtmauer sehen oder das Hippodrom, daneben einige Klöster wie das Pantokratorkloster (heutige Zeyrek-Moschee) oder auch Zisternen wie Yerebatan Sarnıcı, auch Yerebatan Sarayı ("Versunkener Palast", westlich der Hagia Sophia). Auch ein Palast aus dem 13. Jahrhundert hat sich Instanbul erhalten. Der so genannte Porphyrogennetos Palast (heute Tekfur Palast), welcher von den Osmanen als Menagerie genutzt wurde. Byzantinische Architektur kann man aber auch in Italien erkunden. Insbesondere Ravenna kann mit prächtigen Kirchen aufwarten. So ist hier vor allem die Kriche San Vitale als herausragendes Beispiel byzantinischer Mosaikkunst zu nennen.

Auch in Österreich kann man Auswirkungen byzantinischer Architektur entdecken. Im Zeitalter des Historismus im 19. Jahrhundert wurden gerne antike Stile und Bauformen rezipiert. So wirkt Beispielsweise der Innenraum der Kirche am Steinhof dem byzantinischen Stil nachempfunden oder auch die Evangelische Kirche am Matzleinsdorfer Friedhof (erbaut von Theophil Hansen) sowie auch die griechisch-orthodoxe Katehdrale zur Hl. Dreifaltigkeit am Fleischmarkt (in der heutigen Erscheinungsform ebenfalls von Theophil Hansen geplant).

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Welche byzantinischen Bauwerke sind noch erhalten ?

Dr. Gerda Huber

Wissenswertes

Wie war es für Konstantinopel möglich, Venedig zu halten? Unter Anbetracht der Distanz. (~700 n.Chr.)

Paul Herzog

Geschichte

Man darf sich die byzantinische Oberhoheit über die Gebiete in der äußersten Peripherie sehr locker vorstellen. Byzantinische Militärpräsenz gibt es zwischen ca. 600 und 800 im Bereich der Lagune kaum. Praktisch ist es so, dass die byzantinischen Kaiser ihren Einfluss in diesen Randgebiete - sofern strategisch wertvoll - durch Kooperation mit den lokalen Anführern (Vergabe von Geschenken,Titeln) sicherten. Die Venezianer wiederum haben die kaum belastende byzantinische Oberhoheit akzeptiert, solange die Vorteile überwogen. Um 800 gibt es die letzte byzantinische militärische Intervention in der oberen Adria - weil die expandierenden Franken drohten, ihrerseits die Vormachtstellung in diesem Raum zu übernehmen. Bereits kurz darauf kann man Venedig aber durchaus schon als völlig autonom betrachten.
 

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Wie war es für Konstantinopel möglich, Venedig zu halten? Unter Anbetracht der Distanz. (~700 n.Chr.)

Paul Herzog

Geschichte

Wo lagen die Gründe für den mannigfaltigen Opportunismus und das häufige Seitenwechseln der Byzantiner, beispielsweise während der Kreuzzüge? Wann büßten sie ihre militärische Schlagkraft ein?

Mat

Geschichte

Das byzantinische Reich war seit der Mitte des 11. Jahrhunderts angeschlagen. Thronkämpfe schwächten das Reich im Inneren; Militär wurde abgebaut, die einst ruhmreiche Flotte war praktisch nicht mehr vorhanden. Dazu kamen ständige Mehrfrontenkriege (ab den 1070ern gegen die Seldschuken im Osten und gegen die Normannen im Westen). Um zu überleben, mussten unter größtem finanziellen Aufwand Söldner engagiert werden - auch Ritter mit ihrem Gefolge. Der "Opportunismus" der Byzantiner war nicht immer selbst gewählt. Von Anfang an gerieten die Byzantiner häufig zwischen die Interessen der Kreuzfahrer und der muslimischen Mächte. Die byzantinische Politik ging traditionell den ökonomischsten Weg und das schloss Bündnisse auch mit Muslimen oder das Rekrutieren ihrer Kämpfer mit ein - völlig zum Unverständnis der radikalisierten Kreuzfahrer. Sogar Waffenstillstände legten die Ritter den Byzantinern als Verrat aus. Viele andere westliche Vorwürfe waren einfach die Folge von unglücklichen Missverständnissen. Ein wirkliches byzantinisch-muslimisches Bündnis entstand erst im Vorfeld des 3. Kreuzzugs - nur muss man fairerweise sagen, dass die Byzantiner mit ihren westlichen "Glaubensbrüdern" zu diesem Zeitpunkt schon häufig äußerst schlechte Erfahrungen gemacht hatten und eine gemeinsame christliche Front schon mehrfach gescheitert war (wofür beide Seiten verantwortlich waren).

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Wo lagen die Gründe für den mannigfaltigen Opportunismus und das häufige Seitenwechseln der Byzantiner, beispielsweise während der Kreuzzüge? Wann büßten sie ihre militärische Schlagkraft ein?

Mat

Geschichte

Gegen welche Religion richteten sich die Kreuzzüge?

Anonym

Geschichte

Die Kreuzzüge dienten primär dem Ziel, das Heilige Land unter christliche (=römisch-christliche) Kontrolle zu bringen, um bei der Zugänglichkeit der heiligen Stätten nicht vom Wohlwollen muslimischer Obrigkeiten abhängig zu sein. Die "bewaffneten Pilgerfahrten", die dies bewirken sollten, waren dementsprechend massiv antiislamisch ausgerichtet und radikalisiert. Sobald die Kreuzfahrer im Heiligen Land etabliert waren, kam es aber durchaus auch zu friedlicher Koexistenz und sogar Bündnissen mit muslimischen Mächten. Im
Schatten der Kreuzzüge verschlechterten sich aber auch die Beziehungen zwischen der immer selbstbewusster auftretenden katholischen Kirche und der griechischen Orthodoxie.

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Gegen welche Religion richteten sich die Kreuzzüge?

Anonym

Geschichte

Die Ausschmückung der Kathedrale in Ravenna erinnert mich ganz stark an die gezeigten byzantinischen Darstellungen. Was gibt es über die Rolle Ravennas im Zusammenhang mit Byzanz zu sagen?

Norbert Rossak

Wissenswertes

Ravenna hat eine lange spätrömische und frühbyzantinische Tradition, die durch Justinian in der Mitte des 6. Jhs. nochmals einen sagenhaften Aufschwung erfuhr. So entstanden bedeutende Bauwerke, wie San Vitale mit seinen beeindruckenden Kaisermosaiken. Den historische Hintergrund bildet die Rückeroberung Ravennas (und ganz Italiens) von den Ostgoten. Ravenna bleibt auch in der Folgezeit (bis 751) Hauptstadt der byzantinischen Besitzungen in Italien. Somit verwundert der Bezug und der Rückgriff auf die byzantinische Formsprache hier nicht.
 

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Die Ausschmückung der Kathedrale in Ravenna erinnert mich ganz stark an die gezeigten byzantinischen Darstellungen. Was gibt es über die Rolle Ravennas im Zusammenhang mit Byzanz zu sagen?

Norbert Rossak

Wissenswertes

Ich habe einmal gehört/gelesen, dass die 2 Anfangsworte des bekannten Kinder-Einschlaf-Liedes "Heia popeia, was raschelt im Stroh" auf eine Verballhornung eines ursprünglich griechischen Lied-Textes zurückgeht?

Eva Maria Teja Mayer

Wissenswertes

Mitunter liest man auch noch in rezenter Literatur, dass das bekannte Wiegen-  bzw. Einschlaf-Lied „Heidschi-bumbeidschi“ bzw. „Eia popeia“ auf griechischen Ursprung zurückzuführen sei und im Zuge der Präsenz der byzantinischen Prinzessinnen am Babenbergerhof nach Österreich gekommen sei.
Das ist ein Mythos und daher völlig auszuschließen: „Heidschi bumbeidschi“ stellt keine Verballhornung von griechischem „eude pai mou“ dar (ganz abgesehen davon, dass diese griechische Wendung im Griechischen des 12. Jahrhunderts nicht so verwendet worden wäre).
Es handelt sich bei dem Lied vielmehr um eine Volksweise, die ab dem 17./18. Jh. in verschiedenen Bereichen des deutschen Sprachraums auftaucht und in verschiedenen Varianten überliefert ist. Aber ein griechischer Ursprung ist zu 100% abzulehnen.
 

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Ich habe einmal gehört/gelesen, dass die 2 Anfangsworte des bekannten Kinder-Einschlaf-Liedes "Heia popeia, was raschelt im Stroh" auf eine Verballhornung eines ursprünglich griechischen Lied-Textes zurückgeht?

Eva Maria Teja Mayer

Wissenswertes

Meines Wissens stammt der russische Doppeladler direkt von einer der Töchter des letzten byzantinischen Kaisers (oder einer anderen nahen weiblichen Verwandten des Kaisers), die nach Moskau verheiratet wurde - stimmt das?

Thomas Schuller-Götzburg

Wissenswertes

Tatsächlich führten die Palaiologen, die zwischen 1258 und 1453 als letzte Kaiserdynastie das Byzantinische Reich beherrschten, den Doppeladler in ihrem Wappen; bis heute ziert er die Flagge des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel. Das Motiv ist allerdings viel älter und findet sich schon um 2000 v. Chr. im Alten Orient. Nach der osmanischen Einnahme Konstantinopels bzw. der Eroberung der noch byzantinischen Peloponnes 1460 flohen verschiedene Angehörige der Palaiologen-Familie in den Westen, darunter auch der Bruder des letzten Kaisers Konstantin XI., Thomas Palaiologos. Er gelangte über Korfu nach Rom, wo er 1465 verstarb. Danach übernahm der zuvor 1439 zur Westkirche übergetretene, aus Trapezunt stammende Kardinal Bessarion die Vormundschaft über die 1448 geborenen Tochter des Thomas, Zoë (Sophia) Palaiologina. Um ihre Hand warben 1472 Gesandte des Großfürsten Iwan III. von Moskau, wohin Zoë im Juli dieses Jahres abreiste; im November 1472 wurde die Hochzeit gefeiert, und Zoë nahm den Namen Sophia an. Sie herrschte dann bis zu ihrem Tod 1503 an der Seite ihres Mannes. Ab 1487 führte der Großfürst von Moskau auch den Doppeladler auf seinem Siegel; inwieweit allerdings Sophia direkt an dieser Übernahme beteiligt war oder das Motiv nicht auf anderem Weg schon davor nach Russland gelangt war, ist jedoch umstritten. Den Zaren (also „Kaiser“-)Titel nahm dann erst Iwan IV. „der Schreckliche“ im Jahr 1547 an.
 

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Meines Wissens stammt der russische Doppeladler direkt von einer der Töchter des letzten byzantinischen Kaisers (oder einer anderen nahen weiblichen Verwandten des Kaisers), die nach Moskau verheiratet wurde - stimmt das?

Thomas Schuller-Götzburg

Wissenswertes

Wie kann man die Erfahrungen aus BYZANZ und der WESTEN auf die heutige Zeit übertragen?

Rudolf Trautendorfer, MA

Geschichte

Diese Frage lässt sich in der Kürze schwierig beantworten, weil die über 1000-jährige gemeinsame Geschichte so viele verschiedene Aspekte beinhaltet, die sich übertragen ließen. Auf sehr allgemeiner Ebene sieht man wunderbar, wie Vorurteile und kleinere Dispute damals wie heute von Leuten instrumentalisiert wurden, die ihre eigenen Ziele verfolgten. So rechtfertigten die Kreuzfahrer die Plünderung 1204 auch damit, dass die Byzantiner ja stets die Kreuzzüge sabotiert hätten - was aber nichts anderes als "fake news" waren, die sich seit 100 Jahren hartnäckig gehalten hatten. Was man von den Byzantinern selbst mitnehmen kann, ist ihre Anpassungsfähigkeit und Flexibilität, ihre "oikonomia". Die kulturellen Grundpfeiler (römische Tradition, Christentum) sind fest verankert, aber alles andere ist verhandelbar. Auch im Kontakt mit "Fremdem" pflegten die Byzantiner eine ganz pragmatische Toleranz und damit eine für Leute aus dem Westen ungewohnte Offenheit. Der Fanatismus der Kreuzritter war den Byzantinern fremd - sie waren seit Jahrhunderten an der Schnittstelle der Kontinente gewöhnt, Feinde mit anderer Religion zu haben. Im Reich selbst lebten unzählige verschiedene Völker zusammen, in Konstantinopel gab es sogar lateinische Wohnviertel, Moscheen und jüdische Gemeinden. Das wäre im Westen zu dieser Zeit kaum denkbar gewesen.

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Wie kann man die Erfahrungen aus BYZANZ und der WESTEN auf die heutige Zeit übertragen?

Rudolf Trautendorfer, MA

Geschichte

Warum werden die Slaven in der Ausstellung ignoriert?

Jarmila Hanuska

Ausstellung

Die Beziehungen zwischen Byzanz und den slawischen Kulturen wären selbstverständlich ein faszinierendes Thema, das sich eine eigene Ausstellung verdienen würde. Dass diese Thematik bei uns keinen Platz gefunden hat, ist keineswegs einer allfälligen Geringschätzung geschuldet. Sie werden bemerkt haben, dass auch die Beziehungen nach Skandinavien, Britannien oder Spanien keinen Platz gefunden haben, weil wir das Thema eingrenzen mussten - auch weil die Zahl der Leihgeber sonst enorm angestiegen wäre. Um den langen Zeitraum für die Besucher leichter fassbar zu machen, haben wir uns in der Tat schwerpunktmäßig auf die Räume Frankreich/Heiliges Römisches Reich/Italien/Griechenland/Heiliges Land konzentriert. Die Schwerpunktsetzung hat schlussendlich auch mit den Forschungsprojekten zu tun, die aktuell in Wien und Mainz betrieben werden. Was die Kartengestaltung betrifft, so gilt erneut, dass wir meistens nur die großen Machtblöcke eingezeichnet haben, die für das konkrete Verständnis der Texte nötig sind. Das Medium Ausstellung birgt natürlich immer das Problem, dass man Sachverhalte meist sehr grob vereinfachen muss.

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Warum werden die Slaven in der Ausstellung ignoriert?

Jarmila Hanuska

Ausstellung

Woher haben wir die Infos und Gegenstände?

Johanna

Ausstellung

Byzantinische Gegenstände gelangten phasenweise geradezu massenhaft in den Westen und prägten dort die Vorstellung von der Pracht des byzantinischen Kaiserhauses. In Konstantinopel gab es unendlich viel zu bewundern, und der Westen hatte ja nach der Demontage der römischen Staatlichkeit großen Aufholbedarf. Der Westen stagnierte, der Osten glänzte. Kunstgegenstände, Schmuck, Seide und Reliquien gelangten von Konstantinopel in die Machtzentren des Westens; bis in das 7. Jahrhundert verzeichnete man in einigen Regionen sogar eine flächendeckende Versorgung mit byzantinischen Waren. Doch im Spätmittelalter wendete sich das Blatt. Die Eroberung Konstantinopels durch die Ritter und Bischöfe des Vierten Kreuzzuges im Jahr 1204 bedeutete einen Bruch in der byzantinischen Geschichte. Zwar hatten schon zuvor die Venezianer, Genuesen und andere italienische Städte Handelsniederlassungen in Byzanz besessen, doch jetzt gründeten die Eroberer kleine und größere Reiche nach westlichem Vorbild.

Das Lehenswesen hielt Einzug, Ritterromane, frühgotische Architektur und Bilder mischten sich mit byzantinischen Traditionen. Zwar konnten die Byzantiner 1261 die Lateiner wieder aus Konstantinopel vertreiben, die Zeit der Supermacht war aber endgültig vorbei. Kunst und Literatur erlebten eine zweite Blüte, doch bald regierte der byzantinische Kaiser nur mehr von osmanischen Gnaden. Informationen werden auch durch Reisende transportiert. Im Römischen Reich spielte die Mobilität eine bedeutende Rolle. Militärische Einheiten wurden oft verlegt. Händlernetzwerke reichten bis Ostasien, weit in den afrikanischen Süden, bis Irland und an die Nordsee. Pilger scheuten nicht die monatelange Reise zu den heiligen Stätten Palästinas, Anatoliens und Ägyptens. Sofern sie nicht am Ziel ihrer Reise blieben, wie es oft genug vorkam, brachten sie Informationen über fremde Länder in die Heimat zurück, dazu Waren aller Art, von Wein und Datteln über feine Textilien und Schmuck bis zu Pilgerandenken. Manche westliche Adelige wechselten in die andere Welt: Im Hochmittelalter galt es als das Größte, in das byzantinische Kaiserhaus einzuheiraten. Theophanu, die Ehefrau Kaiser Ottos II., löste im heutigen Deutschland eine regelrechte Byzanz-Euphorie aus.

Die „1000 vergessenen Jahre“ sind natürlich eine bewusste Übertreibung. Heute wissen wir bereits sehr viel darüber, wie das Byzantinische Reich Europa und den Orient geprägt hat. Dennoch gibt es auch in der Forschung noch viel zu tun, da die wissenschaftliche Beschäftigung mit Byzanz (sowohl philologisch als auch historisch) erst um etwa 1900 einsetzte. Dieser Rückstand auf die westliche Mediävistik wurde in manchen Bereichen bis heute nicht aufgeholt. Was ebenso hinderlich war: Meist aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse hat auch die westliche Mittelalterforschung sehr spät Byzanz als Faktor für die Entwicklung des lateinischen Europa entdeckt. Umgekehrt waren und sind viele Byzantinistinnen und Byzantinisten eher auf den Osten fokussiert. Gerade bei der Erforschung der Beziehungen zwischen dem griechischen Osten und dem lateinischen
Westen ist daher auch in Zukunft noch viel zu tun. Die „vergessenen“ Jahre beziehen sich aber weniger auf den teils noch lückenhaften Zustand der Forschung, sondern auf das Phänomen, dass ein 1000-jähriges europäisches Großreich im Bewusstsein der breiteren Bevölkerung überhaupt nicht präsent ist. Das ist zum Teil der Schulbildung geschuldet: Der Unterricht konzentriert sich (verständlicherweise) nach dem Fall Roms zunehmend auf die Geschichte Mittel- und Westeuropas. Byzanz ist in den meisten Schulbüchern nur einen kurzen Exkurs wert und steht damit auf einer Stufe mit dem alten China, Japan oder Afrika und ähnlichen Exkursen dazu. Auch in breitenwirksamen Medien (Film, Belletristik) ist Byzanz trotz eines großen Marktes für historische Inhalte nicht sehr präsent. In den vergangenen Jahren gab es zumindest mehrere Fernseh-Dokumentationen und eine Reihe von Ausstellungen im deutschen Sprachraum, die allesamt nur das Thema „Byzanz“ an sich, nicht aber explizit die Geschichte der Ost-West-Beziehungen behandelten. 

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Woher haben wir die Infos und Gegenstände?

Johanna

Ausstellung

Welche Bedeutung hat die Orgel in dieser Ausstellung?

Christian Landerl

Ausstellung

Die Orgel, die man in der Ausstellung sehen kann, ist eine wissenschaftliche Rekonstruktion einer byzantinischen Doppelorgel.

Laut Schriftquellen wurde die Orgel im 3. Jahrhundert v. Chr. von einem Ingenieur namens Ktesibios im heutigen Ägypten erfunden. In der römischen Antike diente sie vor allem der musikalischen Umrahmung von Sportveranstaltungen und wurde außerdem im Theater, in der Arena und in Byzanz bis in das 7. Jahrhundert im Zirkus eingesetzt. Im mittelalterlichen Byzanz kam der Orgel hoher Stellenwert im Hofzeremoniell zu. Das Instrument spielte auch eine große Rolle beim Kulturtransfer sowie in der Diplomatie. Als Staatsgeschenk gelangten Orgeln an den karolingischen Königshof. Spätestens im 9. Jahrhundert ließ der Aachener Hof in Eigeninitiative eine Orgel bauen. Das trug dazu bei, das eigene Prestige an das des Ostens anzugleichen. Textstellen aus der Mitte des 10. Jahrhunderts lassen erstmals auf eine Verwendung der Orgel in der Liturgie schließen. Diese Praxis scheint sich im 14. Jahrhundert vollständig etabliert zu haben. Allerdings blieb der Orgelgebrauch in der Kirche ausschließlich auf den Westen beschränkt. Dieser spielbare Nachbau einer Orgel wurde vorrangig nach Bild- und Textquellen des Mittelalters entworfen und konstruiert; dabei flossen auch Informationen aus älteren archäologischen Funden der Antike ein. Im Rahmen der Experimentellen Archäologie dienen solche Rekonstruktionen, Nachbauten oder auch Modelle in der Regel der Klärung einer oder mehrerer klar definierter Fragen bzw. Thesen, werden also innerhalb von Testreihen und Versuchen verwendet.

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Welche Bedeutung hat die Orgel in dieser Ausstellung?

Christian Landerl

Ausstellung

Waren alle Kaiser griechisch-orthodox?

Anonym

Kaiser

Die christliche Religionszugehörigkeit der byzantinischen Kaiser war seit dem späten vierten Jahrhundert nicht nur üblich, sondern wurde auch eine Grundvoraussetzung für die Erlangung der Kaiserwürde. Seit dem späten fünften Jahrhundert musst der Kaiser ein eigenhändig geschriebenes Bekenntnis zur Orthodoxie, d.h. zum Glauben der 318 Väter des Konzils von Nikaia, vorlegen, bevor der Patriarch die Krönungszeremonie durchführte. Während der 57 Jahre der Lateinerherrschaft (1204 bis 1261), wurde der Kaiserthron und Kaisertitel in Konstantinopel, ebenso wie das Patriarchenamt und - titel, von westlichen Herrschern beansprucht, die in Kirchenunion mit Rom standen, also nach heutigem Sprachgebrauch "katholisch" waren.

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Waren alle Kaiser griechisch-orthodox?

Anonym

Kaiser

Wie lautet der vollständige Titel des byzantinischen Kaisers?

Heinrich

Kaiser

Die Titulatur erfuhr im Lauf der Zeit diverse Veränderungen. Unter Kaiser Herakleios (610-641) reduzierte zunächst die komplizierte römisch-lateinische Titulatur zum griechischen Begriff "Basileus", der ursprünglich nur "König" bedeutete, nun aber dem Kaiser vorbehalten war. Später wurde die Titulatur wieder ausgebaut und lautete auf Urkunden schließlich: (en christo to theo pistos) basileus kai autokrator rhomaion N.N., d.h. "(der in Christus dem Herrn fromme) Kaiser und Alleinherrscher der Römer N.N.".

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Wie lautet der vollständige Titel des byzantinischen Kaisers?

Heinrich

Kaiser

Hatte Arn von Salzburg irgendwelchen persönlichen Kontakt zu Byzanz? Gab es vorher Kontakte von Arn zu Byzanz - z. B. mit bzw. über einen byzantinischen Gesandten?

Willi Reichhold

Geschichte

Arn, vormals Abt der bedeutenden Abtei Saint-Amand (im heutigen Nordfrankreich) und seit 785 Bischof von Salzburg, war eine wichtige Persönlichkeit der Zeit Karls des Großen und danach (bis zu seinem Tod 821). Im Jahr 798 erreichte er anlässlich eines Rombesuchs bei Papst Leo III. die Erhebung Salzburgs zum Erzbistum und begleitete auch Karl 799 nach Rom und war bei der Kaiserkrönung am 25. 12. 800 anwesend. Dieser Akt führte tatsächlich zu heftigen diplomatischen Verwicklungen mit Konstantinopel, das den Alleinanspruch auf das römische Kaisertum vertrat. Erst im Jahr 812 fand man (vorerst) einen Kompromiss, indem Gesandte des byzantinischen Kaisers Michael I. Karl den Großen als „Kaiser“ (griech. basileus) ansprachen, allerdings nicht „der Römer“ (also gleichsam als persönliches Rangattribut Karls ohne Anerkennung seines Anspruchs auf das universelle römische Kaisertum). In diesen diplomatischen Austausch war Arn von Salzburg jedoch nicht involviert; ob er im Umfeld Karls auf byzantinische Gesandte traf, ist ebenfalls nicht überliefert. Einen indirekten Byzanz-Bezug stellt allerdings die in seinem Umfeld um 800 entstandene lateinische Handschrift Codex Latinus 418 der Österreichische Nationalbibliothek dar, die (in lateinischer Übersetzung) die Akten und Beschlüsse des Sechsten Ökumenischen Konzils, das 680/681 in Konstantinopel stattfand, enthält.

Zu einer direkten Konfrontation Salzburgs mit Vertretern der byzantinischen Kirche kam es dann 870, als Erzbischof Adalwin von Salzburg (859–873) gemeinsam mit Bischof Hermenrich von Passau (866–874) und Bischof Anno von Freising (854–875) den Missionar Methodios (Bruder des mittlerweile verstorbenen Kyrill) und seine 20 Begleiter auf dem Weg aus dem Großmährischen Reich nach Rom gefangen nehmen ließen, da sie angesichts der Mission aus Konstantinopel um ihren kirchlichen Einfluss im östlichen Grenzraum des fränkischen Reiches fürchteten. Methodios und seine Gefährten wurden auf einer Kirchenversammlung in Regensburg dann formell verurteilt und bis 873 im Kloster Reichenau im Bodensee in Haft gehalten.

 


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Hatte Arn von Salzburg irgendwelchen persönlichen Kontakt zu Byzanz? Gab es vorher Kontakte von Arn zu Byzanz - z. B. mit bzw. über einen byzantinischen Gesandten?

Willi Reichhold

Geschichte

Was finden Sie so interessant an diesem Thema und wieso haben Sie genau dieses Thema jetzt (2018) ausgewählt? Also verstehen Sie mich nicht falsch. Es ist interessant, aber wieso genau dieses Thema?

Nele Heldrich

Ausstellung

Tatsächlich gibt es natürlich unendlich viele Themen, die sich für Großausstellungen eignen und sicher auch ihr Publikum finden würden. Aber mit dem Byzantinischen Reich und seiner Kultur haben wir ein gewaltiges Kapitel der europäischen Geschichte angepackt, das fast vollständig aus dem Blick gekommen ist. So war für uns die Ausstellung "Byzanz und der Westen" die logische Fortsetzung der erfolgreichen Schau von 2012. Gleichzeitig führt die Ausstellung vor, wie vielfältige Kommunikationsprobleme zwischen Staaten, Kulturen und Gesellschaften zur Entfremdung, ja zur Katastrophe führen können. Der Fingerzeig auf das Mittelmeer als riesiger Begegnungsraum der römischen und - zeitweise - auch der byzantinischen Zivilisation verweist aber auch auf unsere historische Verantwortung  auch für den Nahen Osten und Nordafrika. Natürlich war es für uns auch entscheidend, dass wir heuer aktuelle Forschungsergebnisse aus Archäologie und Byzantinistik vorstellen können.

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Was finden Sie so interessant an diesem Thema und wieso haben Sie genau dieses Thema jetzt (2018) ausgewählt? Also verstehen Sie mich nicht falsch. Es ist interessant, aber wieso genau dieses Thema?

Nele Heldrich

Ausstellung

Hätte die Renaissance ohne den Fall Konstantinopel stattgefunden? Denn was ich erfahren habe, sind viele Gelehrte und Dokumente nach der Eroberung Konstantinopels nach Italien gekommen.

Peter Düringer

Wissenswertes

Schon im 14. Jahrhundert intensivierte sich in Italien das (nie erloschene) Interesse an der Antike und den Texten der Griechen und Römer; als einer der Initiatoren der „Wiederbelebung“ der Antike gilt Francesco Petrarca (1304-1374) aus Arezzo in der Toskana. Auch sonst wurde diese Region zu einem Zentrum des „Humanismus“, insbesondere mit Florenz, wo sich bereits 1397 der aus Konstantinopel kommende Gelehrte Manuel Chrysoloras niederließ und begann, Griechisch zu unterrichten. Er ist ein Beispiel für jene Gelehrte aus Byzanz, die schon in den Jahrzehnten vor der Eroberung 1453 den Weg nach Italien fanden. Die seit dem späteren 14. Jh. prekäre politische und wirtschaftliche Lage des Byzantinischen Reiches angesichts der osmanischen Expansion war zwar sicher ein Faktor, der solche Migrationen mitmotivierte; der Fall Konstantinopels 1453 war aber nicht der Auslöser oder gar notwendige Bedingung der Wanderung von Gelehrten und Texten.  Wichtiger waren das neuerweckte Interesse im Westen und die Bereitschaft zumindest eines Teils der byzantinischen Intellektuellen, mit ihren Kollegen in Italien zusammenzuarbeiten bzw. ihr Wissen weiterzugeben.

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Hätte die Renaissance ohne den Fall Konstantinopel stattgefunden? Denn was ich erfahren habe, sind viele Gelehrte und Dokumente nach der Eroberung Konstantinopels nach Italien gekommen.

Peter Düringer

Wissenswertes

Warum ist im Solidus des Theudebert das Portrait mit einem Pfeil von links unten nach rechts oben geprägt?

Anonym

Ausstellung

Bei genauerer Betrachtung lässt sich dieser vermeintliche Pfeil, den Sie ansprechen, als Speer erkennen.

Der Soldidus, der in der Ausstellung zu sehen ist, zeigt eine Büste des Theudebert mit Helm, geschultertem Speer und Schild (darauf Jagdszene) in Dreiviertelansicht. In der Vorderansicht ist die Siegesgöttin Victoria bzw. ein Engel stehend dargestellt; sie / er hält einen Kreuzstab in der Rechten und einen Kreuzglobus in der Linken.
In den germanischen Königreichen wurde das spätrömische Münzwesen beinahe unverändert beibehalten: Man prägte Goldmünzen mit standardisierter Kaiserbüste und aktueller Kaisertitulatur über Jahrzehnte bis ins kleinste Detail nach. Der Wendepunkt in dieser Phase der Imitatio kam erst, als Austrasiens fränkischer König Theudebert (reg. 533–548) und dessen Nachfolger Goldmünzen, die bis dahin dem Kaiser vorbehalten gewesen waren, auf ihren eigenen Namen zu prägen begannen. Das muss hohe Wellen geschlagen haben. So berichtete der byzantinische Historiker Prokop („Gotenkriege“, III,33), die Frankenkönige würden „aus gallischem Gold eine Münze“ prägen, „welche nicht, wie es sich gehört, das Bildnis des Kaisers, sondern ihr eigenes zeigt“. Tatsächlich übernahm Theudebert das traditionelle Kaiserbildnis in Dreiviertelansicht, das nach Anpassung der Umschrift nun als seine eigene Büste wahrgenommen werden sollte. Diese Münzen lassen somit das Ausmaß der Selbstbehauptung und den Umfang der Macht erahnen, die die fränkischen Herrscher für sich beanspruchten.

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Warum ist im Solidus des Theudebert das Portrait mit einem Pfeil von links unten nach rechts oben geprägt?

Anonym

Ausstellung

Auf einem prunkvollen goldenen Evangeliar findet sich unten der Schriftzug: SCA MENNA. Gab es eine hl. Menna oder ist das wohl ein Irrtum, und es war der hl. Menas gemeint?

Gisela Egelkraut

Ausstellung

Sie haben sich das prunkvolle Evangeliar von Poussay sehr genau angesehen. Die Elfenbeintafel, die den Buchdeckel des Evangeliars von Poussay schmückt, ist eines von zahlreichen Beispielen für die halbfigurige Hodegetria-Darstellung auf der Mitteltafel eines Triptychons. Der bekannte, auf das Konstantinopeler Gnadenbild zurückgehende Bildtypus variiert allenfalls geringfügig in der Figurenhaltung und Gestik oder in der Ausführung. Hier fällt das feine, jugendliche Anlitz Mariens auf. 
Das stoffreiche Gewand hingegen, das virtuos in vielen feinen Falten herabfällt, erweckt einen matronenhaften Eindruck. Die Figurengruppe wird von einem auf zwei seitlichen Säulen ruhenden Bogen überfangen, der einen Baldachin als Hoheitsarchitektur andeutet. Der mit vergoldeter Silbertreibarbeit und Edelsteinen verzierte Rahmen zeigt neben dem thronenden Christus Heiligenfiguren, die in Beziehung zur Abtei Poussay stehen. Dort wurde das Elfenbeinrelief wohl im dritten Jahrzehnt des 11. Jahrhunderts anlässlich der Abteigründung ausgewählt, um die zirka 990 ausgestattete Reichenauer Handschrift zu schmücken.
Die rechte Figur neben dem Elfenbeinrelief ist eine Abbildung des Hl. Andreas. Ihm gegenüber auf der linken Seite, ist der Hl. Petrus zu sehen. Gegenüber des thronenden Christus findet sich eine Darstellung der Hl. Menna. (franz. Menne) Die Hl. Menna wird in der Gegend von Lothringen sehr verehrt. Sie lebte als Nonne zur Zeit des Kaisers Flavius Claudius Iulianus (reg. 360 - 363), dessen strikte Politik zu einigen heftigen Übergriffen auf Christen führte. Menna soll im Zuge eines solchen Übergriffes den Märtyrertod gestorben sein. Im deutschsprachigen Raum ist sie eher unbekannt. Ihr Todestag war der 3. Oktober 362, aber ihr Gedenktag wurde auf 15. Mai verschoben, weil ihre Gebeine an einem 15. Mai der Abtei von Poussay übergeben worden sein sollen.
Den Irrtum, den Sie aber ansprechen, haben aber auch einige Gelehrte im 19./ 20. Jh. angenommen. So stand auch die Theorie im Raum, dass aus dem Hl. Menas in der Heiligenvererhrung im Westen eine Frau gemacht wurde, weil man die griechische Endung nicht als Maskulinendung identifizierte und daher aus Menas eine Heilige Menna wurde. Allerdings gibt es im römischen Pantheon auch die Göttin Mena, wovon sich der Name der Heiligen ableiten könnte.

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Auf einem prunkvollen goldenen Evangeliar findet sich unten der Schriftzug: SCA MENNA. Gab es eine hl. Menna oder ist das wohl ein Irrtum, und es war der hl. Menas gemeint?

Gisela Egelkraut

Ausstellung

Bei der "Entschlafung Mariens" wird die Seele er verstorbenen Maria als kleines Baby dargestellt. Lässt sich da ein Transfer dieses Motives nachweisen, oder eine gemeinsame Wurzel der östlichen und westlichen Darstellungen?

Gisela Egelkraut

Wissenswertes

Man kann in gewisser Hinsicht bei einigen Bildmotiven tatsächlich Rückschlüsse auf einen Kulturtransfer ziehen. Die Darstellung des Marientodes (Koimesis) steht beispielhaft für die Übernahme byzantinischer Motive in das westliche Bildrepertoire. Vermittelt über Elfenbeinreliefs, hatte der Bildtypus der Koimesis kurz nach der ersten Jahrtausendwende Eingang in das Repertoire des Reichenauer Skriptoriums gefunden und war über die dort ausgestatteten liturgischen Handschriften in verschiedenen Reichsklöstern oder Kirchenschätzen bekannt geworden. Mit jeweils individueller inhaltlicher Akzentuierung verbreitete es sich schnell im Westen. Inwiefern die Koimesis-Darstellung auch die Ikonographie anderer Heiligendarstellungen beinflusst hat, kann aber nicht im Detail rekonstruiert werden. Einflüsse wird es wohl gegeben haben.
Auch das Figurenmotiv der Maria Hodegetria, das die Gottesmutter mit dem Christusknaben auf ihrem linken Arm zeigt und dessen Bezeichnung auf ein verehrtes Bild in einem Konstantinopeler Kloster zurückgeht, wurde wohl über Elfenbeinreliefs aus Byzanz in den Westen vermittelt.
Das 724 gegründete Benediktinerkloster auf der Bodenseeinsel Reichenau entwickelte sich im Lauf des 10. und 11. Jahrhunderts zu einem der bedeutendsten Zentren der Buchkunst. Die dort entstandenen Werke wurden auch für andere Klöster und Kirchen angefertigt, ihr Stil wurde in der Folge andernorts rezipiert und transformiert.

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Bei der "Entschlafung Mariens" wird die Seele er verstorbenen Maria als kleines Baby dargestellt. Lässt sich da ein Transfer dieses Motives nachweisen, oder eine gemeinsame Wurzel der östlichen und westlichen Darstellungen?

Gisela Egelkraut

Wissenswertes

Was mich an Byzanz immer fasziniert hat, sind die schillernden Goldhintergründe der Ikonen und Mosaike. Was bedeuten sie?

Petty

Wissenswertes

Der Goldgrund ist für byzantinische Ikonen und Mosaike sehr charakteristisch. Mit Goldgrund wurde zumeist die Flächigkeit des Dargestellten betont. Seit dem 4. Jh. verwendet man Gold als Ausdrucksmittel für die göttliche Transzendenz. Dadurch wird versucht eine raumlose Sphäre zu schaffen, die zugleich kostbar und feierlich anmutet. Zudem leuchtet das Gold aus sich selbst heraus, es symbolisiert das Licht. Die Vorstellung ist gewissermaßen, dass das "Heilige Element" aus dem Goldgrund hervortritt; Heiligenabbilder "leuchten" gewissermaßen aus sich selbst heraus. Man spielt hierbei mit der Erscheinung des göttlichen Lichts, von dem die Heiligendarstellung umgeben ist und sich geradezu abhebt. Ein Ikonenmaler hat sogar die Pflicht, diesen Effekt zu erzeugen. Diese Lichtwirkung wird auch "Offenbarungslicht" genannt. Auch die Tradition der russischen Ikonen geht letztendlich auf die byzantinische Ikonenmalerei zurück.

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Was mich an Byzanz immer fasziniert hat, sind die schillernden Goldhintergründe der Ikonen und Mosaike. Was bedeuten sie?

Petty

Wissenswertes

Welcher Historiker hat nach Gibbon erstmals ein positives Bild von Byzanz gezeichnet und wieso habe ich dennoch und trotz seiner Bedeutung für Europa in meiner (deutschen) Schule nichts über Byzanz gelernt?

Amateur

Wissenswertes

Die Beschäftigung mit Byzanz begann zwar bereits in der Renaissance mit Gelehrten wie Hieronymus Wolf (1516–1580) und erlebte eine frühe Blüte im absolutistischen Frankreich Ludwigs XIV. (reg. 1643–1715), der die Nachfolge der lateinischen Kaiser Konstantinopels für sich beanspruchte und sich für das Zeremoniell der spätrömischen Kaiser interessierte. Ausgerechnet in der Aufklärung ging das Interesse an Byzanz aber wieder verloren. Das Oströmische Reich galt Intellektuellen als Paradebeispiel eines korrupten Staates, in dem Religion und Politik allzu sehr miteinander verwoben waren. Maßgeblich war vor allem Edward Gibbons Monumentalwerk „The History of the Decline and Fall of the Roman Empire“ (1776–1789), das Byzanz als 1000-jährige epigonenhafte Verfallserscheinung des einstmalsgroßen Römischen Reiches charakterisierte. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Byzanz war damit bis zum Ende des 19. Jahrhunderts blockiert. Byzantinische Texte wurden ob ihrer mangelnden sprachlichen Reinheit gemieden, und archäologische Grabungen vernichteten auf der Suche nach der glorreichen Antike unzählige mittelalterliche Siedlungsspuren. Erst 1897 wurde in München der erste Lehrstuhl für mittelalterliche und moderne griechische Sprache und Literatur eingerichtet. Es war Karl Krumbachers große Leistung im Bereich der Klassischen Philologie und Alten Geschichte wieder deinen Forschungsfokus auf Byzanz zu richten, wodurch er die wissenschaftliche Disziplin der "Byzantinistik" etablieren konnte.

Mittlerweile sind auch einige Studien erschienen, die sich mit der Frage Byzanz in deutschsprachigen Schulbüchern und Lehrplänen auseinandersetzen. Besonders zu empfehlen ist der Artikel von Johannes Preiser-Kapeller und Philpp Dörler mit dem Titel "Justinian und die Osmanen. Byzanz im österreichischen Schulbuch von 1771 bis in die Gegenwart", erschienen im Buch "Byzanzrezeption in Europa: Spurensuche über das MIttelalter und die Renaissance bis in die Gegenwart", herausgegeben von Foteini Kolovou, 2012.

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Welcher Historiker hat nach Gibbon erstmals ein positives Bild von Byzanz gezeichnet und wieso habe ich dennoch und trotz seiner Bedeutung für Europa in meiner (deutschen) Schule nichts über Byzanz gelernt?

Amateur

Wissenswertes

Ich möchte wissen, ob das Patriarchenkreuz aus Byzanz stammt, und warum einige der barockisierten Kirchen in Wien (z.B. Alser Kirche, Schottenkirche, Bergkirche Rodaun) jenes auf ihren Kirchtürmen tragen.

Christian Tillinger

Wissenswertes

Man kann schon sagen, dass das Patriarchenkreuz, also die Form dieses Doppelkreuzes mit zwei horizontalen Balken, mit großer Wahrscheinlichkeit aus Byzanz kommt. Im Jahr 540 wurde die Stadt Apameia in Syrien von den Persern bedroht und nach kampfloser Aufgabe "nur" geplündert. Dass die Stadt nicht zerstört und ihre Bewohner somit verschont geblieben sind, führte man auf die sich bis zu diesem Zeitpunkt in der Stadt befindliche Reliquie des Heiligen Kreuzes zurück. Dieses wurde auf Grund seiner Wundertätigkeit dann durch Kaiser Justin II. nach Konstantinopel verbracht und eine Vielzahl von Kreuzpartikeln fanden als Reliquien ihren Weg ins Byzantinische Reich und darüber hinaus. In Zusammenhang mit diesem erstarkenden Kult um das Heilige Kreuz entwickelte sich vermutlich auch das Doppelkreuz, das in seiner Form an das Kreuz Christi erinnern soll.

Während Patriarchekreuze (Doppelkreuze) im ausgehenden 13. und frühen 14. Jh. seltener geschaffen wurden, lebte das Interesse an dieser Kreuzform in der  Folgezeit wieder auf: sie erscheinen auf Siegeln, als Abzeichen der Hospitaliter vom  Hl. Geist und als Attribute.
Die im Barock allgemein wieder auflebende Verehrung des Patriarchenkreuzes brachte eine Erweiterung des Schutzgedankens im Sinne der Gegenreformation mit sich, z. B. Schutz vor Unglauben bzw. Glaubensabfall, sowie neue Verbindungen des Doppelkreuzes, etwa mit dem Herz-Jesu-Kult oder auch als Andachtskreuz. Daher verwendet es nicht, wenn dieses Doppelkreuz bzw. Patriarchenkreuz auf den Türmen vieler barocker Kirchen im deutschsprachigen Raum erscheint.

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Ich möchte wissen, ob das Patriarchenkreuz aus Byzanz stammt, und warum einige der barockisierten Kirchen in Wien (z.B. Alser Kirche, Schottenkirche, Bergkirche Rodaun) jenes auf ihren Kirchtürmen tragen.

Christian Tillinger

Wissenswertes

Ab wann begann die Spaltung im Glauben - ab wann sprach man von zwei Konfessionen?

Walter Doringer

Alltag

Die Entfremdung von westlicher und östlicher Kirche begann unter Kaiser Justinian I. (reg. 527–565) und war unter anderem eine Folge der divergierenden kirchenpolitischen Interessen auf der Balkanhalbinsel. Schließlich unterstellte der byzantinische Kaiser Leon III. (reg. 717–741) Illyrien und Teile Süditaliens (Kalabrien, Sizilien) dem Patriarchat von Konstantinopel. Allerdings fielen die italienischen Diözesen durch politische und kirchliche Entwicklungen und aufgrund der räumlichen Entfernung im 11. Jahrhundert wieder an Rom. Durch den Aufstieg Konstantinopels zur neuen Hauptstadt des Imperium Romanum nahm dessen Erzbischof einen immer bedeutenderen Platz in der Oikoumene ein. Heute kennen wir den Erzbischof von Konstantinopel unter dem Titel „Erzbischof des Neuen Roms Konstantinopel und Ökumenischer Patriarch“. Dieser Titel hat sich in mehreren Etappen entwickelt: Ab dem Jahr 448 begegnet uns die Bezeichnung „Erzbischof des Neuen Roms Konstantinopel“. Zu Beginn des 6. Jahrhunderts taucht in zeitgenössischen schriftlichen Quellen schließlich der Titel „Erzbischof des Neuen Roms Konstantinopel und Ökumenischer Patriarch“ auf. Die Bezeichnung „Ökumenischer Patriarch“ wurde im 9. Jahrhundert unter dem berühmten Patriarchen Photios von Konstantinopel (im Amt 858–867, 878–886) zum offiziellen Bestandteil der Titulatur. In die Amtszeit des Patriarchen Michael Kerullarios von Konstantinopel (1043–1058) fiel der 16. Juli 1054 – jener Tag, an dem ein Gesandter Papst Leos IX. (im Amt 1049–1054) namens Humbert von Silva Candida nach anhaltenden Unstimmigkeiten zwischen Rom und Konstantinopel eine päpstliche Bannbulle auf dem Altar der Hagia Sophia in Konstantinopel niederlegte. Die Kirchenspaltung (Schisma) innerhalb der kirchlichen Oikoumene vollzog sich im Lauf der folgenden Jahrhunderte. Ihre Ursachen sind vielfältig. In der Forschung werden meist folgende Streitpunkte als Hauptgründe für den Bruch genannt: die Azymenfrage (die Verwendung von ungesäuertem bzw. gesäuertem Brot in der Kommunion), der Primat (die kirchliche Vorrangstellung innerhalb der Pentarchie), das Filioque (der Ausgang des Heiligen Geistes) und der Zölibat (die Ehelosigkeit der Priester). Die Vorgänge des Jahres 1054 stellten keine Zäsur in den Beziehungen zwischen Konstantinopel und Rom dar. Vielmehr handelte es sich um ein Ereignis in einer längeren Phase des Auseinanderdriftens, das sich nach 1054 stufenweise verstärkte. Die Eroberung Konstantinopels im Verlauf des Vierten Kreuzzugs 1204 sowie die Etablierung des lateinischen Kaiserreiches und des lateinischen Patriarchates von Konstantinopel haben zu einer tiefgreifenden Entfremdung beigetragen. Dennoch gab es – nicht zuletzt bedingt durch die rasante Expansion der Osmanen in Europa ab 1354 – vor allem vonseiten der byzantinischen Kaiserdynastie der Palaiologen starke Bestrebungen, in Unionsverhandlungen mit dem Papst in Rom und den lateinischen Mächten Mittel- und Westeuropas zu treten.

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Walter Doringer

Alltag

War das Tragen purpurgefärbter Stoffe nur dem Kaiser vorbehalten oder gab es Zugeständnisse an Verwandte, hohe Beamte, etc? Gab es andere Farben, deren Verwendung in Byzanz mit bestimmten Ämtern oder Titeln verbunden waren?

Amateur

Kaiser

Als Farbe war Purpur nicht exklusiv dem Kaiser vorbehalten, aber einzelne Kleidungsstücke in dieser Farbe durften in der Tat nur vom Kaiser getragen werden. Dazu gehörte der Feldherrenmantel und vor allem die Schuhe oder Stiefel. Auch die kaiserliche Unterschrift war traditionell rot. In Ausnahmesituationen durften auch designierte Kaiser bereits purpurfarbene Elemente auf ihren Schuhen tragen.
Farbe war ein wichtiges Unterscheidungskriterium am Hof. Aus dem 11. und 12. Jahrhundert wissen wir, dass blaue Schuhe für die hohen Würden der "Sebastokrator" und "Kaisar" vorbehalten. Der "Protobestiarios" wiederum trug grüne Schuhe. Gelbe Schuhe waren dem Eparchen von Konstantinopel vorbehalten.

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War das Tragen purpurgefärbter Stoffe nur dem Kaiser vorbehalten oder gab es Zugeständnisse an Verwandte, hohe Beamte, etc? Gab es andere Farben, deren Verwendung in Byzanz mit bestimmten Ämtern oder Titeln verbunden waren?

Amateur

Kaiser

Inwieweit kann man die jetzige Situation in Syrien etc. aus den historischen Erfahrungen von Byzanz und dem Westen ableiten. Wie sehr beeinflussen die historischen Ereignisse von damals die jüngste Vergangenheit in diesem Krisen- und Kriegsgebiet?

Nicole Lovaszi

Geschichte

Seit dem 10. Jahrhundert wurde Syrien zu einem umstrittenen Grenzgebiet zwischen dem (wiedererstarkten) Byzantinischen Reich, dem (sunnitischen) Kalifat der Abbasiden im Irak und dem (schiitischen) Kalifat der Fatimiden in Ägypten. Dies trug gemeinsam mit dem Auftreten verschiedener Beduinenverbände zu einer starken politischen Fragmentierung in verschiedene kleiner Herrschaftsgebilde bei, die auch versuchten, zwischen den benachbarten Großmächten zu lavieren (wie etwa das Emirat von Aleppo). In dieser Gemengelage traten neben länger etablierten christlichen und islamischen Gemeinschaften auch neue, bis heute im syrischen Raum wichtige religiöse Bewegungen auf wie die Drusen (die ab 1017 den Fatimidenkalifen al-Hakim als Gott ansahen) oder die schiitische Sonderrichtung der Alawiten, die sich ebenfalls um diese Zeit aus dem Irak nach Syrien verbreiteten. Insbesondere diese beiden Gruppen wurden auch oft durch Vertreter des islamischen „Mainstreams“ der Sunniten verfolgt. In der zweiten Hälfte des 11. Jh.s brach die Machtstellung der Byzantiner in Nordsyrien und der Fatimiden im Süden zusammen; an ihre Stelle traten seldschukisch-türkische Machthaber und dann ab 1096 auch die Kreuzfahrer aus dem Westen, die nun ebenfalls kleinere Fürstentümer neben den muslimischen Emiraten gründeten. Erst mit der Eroberung durch die Mamlukensultane von Ägypten im späteren 13. Jh. wurde Syrien wieder in eine größere politische Einheit integriert, das zuvor entstandene Mosaik an ethnischen und religiösen Gruppen blieb aber bestehen. Dies gilt auch für die ab 1516 etablierte Herrschaft der Osmanen und die nach dem Ersten Weltkrieg folgende Mandatsherrschaft der Franzosen. Letztere sahen sich durchaus als „Nachfolger“ der „fränkischen“ Kreuzfahrer des 11.-13. Jh.s; gemäß dem Motto „teile und herrsche“ bevorzugten sie auch einzelne Gruppen innerhalb Syriens wie etwa die Alawiten, die bis 1937 sogar einen eigenen Staat innerhalb des Mandatsgebiets an der syrischen Küste erhielten. Die Alawiten nahmen auch nach der Unabhängigkeit Syriens 1946 wichtige Positionen in der Armee und in der Verwaltung ein; auf dieser Grundlage entstand auch das Regime der alawitischen Assad-Familie (ab 1970).
Das religiöse und ethnische Mosaik in Syrien mit all seinen Potentialen für ein friedliches Zusammenleben, aber eben auch heftige Konflikte findet somit gewissermaßen seine historische Tiefenschicht in der Epoche, die in der Ausstellung „Byzanz und der Westen“ betrachtet wird. Diese komplexe Geschichte lässt sich nur aufgrund einer Vielzahl von historischen Texten in verschiedenen Sprachen (Arabisch, Syrisch-Aramäisch, Griechisch, Latein, Armenisch usw.) rekonstruieren, sodass es schwerfällt, hier eine allgemeine Quelle zu nennen. Für einen ersten Überblick nützlich ist aber der von Bernd Lemke herausgegebene Band „Irak und Syrien (Wegweiser zur Geschichte)“ (2016), für eine tiefergehende Recherche für die mittelalterliche Periode der in der Wiener Reihe „Tabula Imperii Byzantini“ von Klaus-Peter Todt und Bernd Andreas Vest erstellte Band 15 „Syria“ (2015, 3 Bände mit 2696 Seiten).

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Inwieweit kann man die jetzige Situation in Syrien etc. aus den historischen Erfahrungen von Byzanz und dem Westen ableiten. Wie sehr beeinflussen die historischen Ereignisse von damals die jüngste Vergangenheit in diesem Krisen- und Kriegsgebiet?

Nicole Lovaszi

Geschichte

Welche technischen und naturwissenschaftlichen Leistungen verdanken wir den Byzantinern?

Thomas Nárosy

Wissenswertes

Die Liste der byzantinischen Leistungen im Bereich der Technik und Naturwissenschaften wäre recht lang. Der rumänische Byzantinist Nicolae Iorga prägte mit seinem Begriff "Byzance après Byzance" (Byzanz nach Byzanz) das Fortleben und die Nachwirkung der byzantinischen Errungenschaften, Kultur, und Technologie nach 1453. Einerseits gibt es eine gewachsene postbyzantinische Kultur in den Ländern Südost- und Osteuropas, wo als gemeinsame Basis der orthodoxe Glaube fungiert. In Griechenland bildet die byzantinische Vergangenheit neben dem antiken Erbe einen wichtigen Teil der nationalen und religiösen Identität. Andererseits begann man im 19. und 20. Jh. bewusst byzantinische Formen, Stile und Techniken zu rezipieren.

Bis ins 12. Jh. war das Byzantinische Reich "die" europäische Leitkultur, der viele europäische Staaten nachzueifern versuchten. Byzantinische kunsthandwerkliche Produkte wie Seidenstoffe, Elfenbeinkunst, Gold- und Silberarbeiten, sowie Email-  und Bronzekunst, später auch kunstvoll gestaltete Reliquienschätze, waren überall begehrt. Auch technische Errungenschaften fanden im Ausland großes Interesse, darunter wären beispielsweise Musikinstrumente wie Orgeln oder Waffen wie das "griechische Feuer" zu nennen, das eine Art Flammenwerfer auf Rohölbasis darstellt und vor allem in Seeschlachten Verwendung fand. Die Byzantiner betrieben eine sehr aktive Diplomatie, suchten die Nachbarn aus einer Position der Überlegenheit zu kontrollieren. Ein gewaltiger Erfolg für Byzanz war der "Export" des orthodoxen Christentums, grundgelegt durch das Wirken der Slawenapostel Kyill und Method. Auch die Osmanen hatten ab 1453 erheblichen Einfluss daran, dass das byzantinische Erbe gewissermaßen fortexistierte und byzantinische Technologien weiterentwickelt wurden.

Ein weiterer Aspekt ist, dass die Leistung der Byzantiner auch in der Bewahrung des alten antiken Wissens lag. Sie verstanden es christliche Grundwerte mit römischen Rechts- und Verwaltungsstrukturen einerseits mit den Denksystemen und dem gesammelten Wissen der Antike andererseits auf kreative Art neuzuverbinden. Dieses Kulturpotential entwickelte Byzanz über ein Jahrtausend weiter und prägte dadurch das kulturelle und politische Selbstverständnis Europas.

Literaturtipp: Hans-Georg Beck, Das Byzantinische Jahrtausend. München 1978.

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Welche technischen und naturwissenschaftlichen Leistungen verdanken wir den Byzantinern?

Thomas Nárosy

Wissenswertes

Die behandelte Zeit hat ja auch den Aufstieg des Islams gesehen, der mir bei der Ausstellung viel zu kurz kommt. Es hat ja mit den div. islamischen Reichen ein Austausch (und nicht nur kriegerische Auseinandersetzungen) stattgefunden.

Thomas Nárosy

Ausstellung

Wie Sie richtig feststellen hat die behandelte Zeit in der Ausstellung den Aufstieg des Islams erlebt. Allerdings hat sich die Ausstellung "Das goldene Byzanz und der Orient", welche 2012 auf der Schallaburg gezeigt wurde, diesen Themen umfangreich gewidmet. Die diesjährige Ausstellung versucht hingegen die Ausstrahlung von Byzanz in den Westen zu thematisieren. Es werden daher die wechselhaften Beziehungen zum Westen über das Verbindungsglied Mittelmeer thematisiert.

Die Geschichte der byzantinisch-arabischen Beziehungen beginnt schon lange vor den muslimischen Eroberungen im 7. Jahrhundert n. Chr. Erst nach dem Tod des Propheten Muhammads (632) formierten sich die geeinten arabischen Stämme zu einer Streitmacht und bauten eine Flotte auf. Bald darauf gelang es ihnen den gesamten christlichen Osten und Nordafrika zu erobern. Die Araber sorgten mit ihrer Flotte für ein Ende der byzantinischen Vorherrschaft im Mittelmeer. Konstantinopel wurde dabei zwischen 674 und 678 und 717/718 ernsthaft bedroht und von den Arabern belagert. Durch Verteidigungsmittel wie das berühmte griechische Feuer und die starke Befestigungsmauer konnten die Angriffe allerdings abgewehrt werden. Im 10. Jh. konnten die Byzantiner ihre Reichsgrenze wieder über den Euphrat in Syrien und Mesopotamien ausdehnen. Allerdings traten Mitte des 11. Jh. bereits die Seldschuken auf, die ihrerseits sowohl gegen die Byzantiner als auch gegen die Araber kämpften.

Die Beziehungen zwischen den Byzantinern und Arabern waren natürlich nicht nur kriegerischer Natur. Es gab sehr wohl einen diplomatischen und kulturellen Austausch. Zum Zwecke diplomatischer Verhandlungen sandte man sich gegenseitig Gesandtschaften. Die byzantinischen Kaiser hielten am römischen Zeremoniell fest. Dieses Zeremoniell wurde auch von den arabischen Kalifen übernommen, um kulturelle Ebenbürtigkeit zu demonstrieren. Beide Seiten empfingen die Gesandten der gegnerischen Partei in prunkvoll inszenierten Audienzen. Man sandte sich prunkvolle Geschenke wie kunstvoll illustrierte Bücher und kostbare Seidenstoffe. Im 8. Jh. berichtet der islamische Gelehrte Ibn Battuta, dass der byzantinische Kaiser dem umayyadischen Kalifen al-Walid (705 - 715) 12.000 Handwerker für den Bau der großen Moschee in Damaskus übermittelte. Tatsächlich sind in diversen islamischen Bauwerken noch heute Einflüsse byzantinischer Handwerkskunst erkennbar.

Darüber hinaus wurde im 9. Jh. eine Vielzahl von antiken naturwissenschaftlichen und philosophischen Texten aus dem Griechischen ins Arabische übersetzt. Die Araber übernahmen viel aus dem Bereich der Naturwissenschaften wie Kenntnisse aus der Medizin und der Geographie, haben aber vieles weiterentwickelt. Daneben hatte die griechische Philosophie von Platon und Aristoteles durch diesen Texttransfer einen großen Einfluss auf das islamische Denken. Über das von den Arabern eroberte Spanien und Sizilien gelangte dieses antike byzantinische Wissen angereichtert mit arabischen Vorstellungen schließlich in das mittelalterliche europäische Abendland. Daneben gibt es eine Reihe von orientalisch-arabischen Texten aus dem bereich der Erzählliteratur wie moralische Geschichten, Weisen, Fabeln, Märchen und Epen, die Eingang in die byzantinische Literatur gefunden haben. Die byzantinisch-arabischen Beziehungen sind demnach viel tiefgründiger zu sehen.

Der Artikel "Künstlerischer und kultureller Austausch zwischen Byzanz und dem Islam" von Neslihan Asutay-Effenberger im Ausstellungskatalog "Das goldene Byzanz und der Orient", 2012 fasst diese Wechselwirkung und Beziehungsgeschichte sehr gut zusammen. Ein grudlegendes Werk zu den arabisch-byzantinischen Beziehungen stellt das Buch "Byzantium Viewed by the Arabs" von Nadia M. El-Cheikh Saliba dar.

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Thomas Nárosy

Ausstellung

Was für einen Stellenwert hatten die Frauen in der byzantinischen Welt?

Schild-Burggasser

Alltag

Mit der Erforschung der Stellung der Frau im Byzantinischen Reich haben sich mittlerweile einige Forscherinnen und Forscher beschäftigt. Prinzipiell kann das Leben und die Stellung einer byzantinischen Frau mit einer römischen Frau gut verglichen werden. Für die christlichen und frommen Byzantiner galt ein Leben im Kloster als höchstes Ideal. Der Eintritt von Frauen in Klöster und deren Leben als fromme Nonnen ist zum Teil recht gut belegt. Oft traten Frauen schon als junge Mädchen in Klöster ein. Manchmal entschieden sich aber auch verwitwete Frauen für ein Leben im Kloster, nicht selten waren darunter auch Kaiserinnen, die zum Teil selbst als Stifterinnen von Klöstern hervortraten. Prinzipiell konnten Frauen in der orthodoxen Kirche keine Ämter ausführen. Im Kloster konnte eine Frau allerdings als Äbtissin eine leitende Funktion ausführen. Es gibt auch Quellen, die Frauen als Diakonissen belegen. Man muss allerdings davon ausgehen, dass ein Großteil der Byzantinerinnen Ehefrauen und Mütter waren. Hier ist das Leben von Frauen in der gehobenen Gesellschaft besser dokumentiert. Das Gesellschaftsbild sah vor, dass eine verheiratete Frau den Haushalt mit Bedacht und Fürsorge zu führen hatte und sich fromm verhielt. Zudem war ihre Aufgabe das Hauspersonal zu führen und die Kindererziehung zu übernehmen. In noblen Häusern lebten Frauen in eigenen Frauentrakten. Für tasächliche Hausarbeit gab es Bedienstete. Das Haus hat eine noble Byzantinerin möglicherweise nur mit einem Schleier verlassen und auch nur um ein Badehaus zu besuchen oder einem Gottesdienst beizuwohnen. Für Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen stellte die Bereitstellung der Mitgift für die Eltern oft ein großes Problem dar. Oftmals traten Frauen aus ärmlichen Verhältnissen daher in Klöster ein. Es gibt aber auch Belege von Frauen, die als Hebammen, Erzieherinnen, Köchinnen, Bedienerinnen und Wäscherinnen gearbeitet haben. In Konstantinopel sind zudem auch Arbeiterinnen im Textilsektor belegt; darunter finden sich Spinnerinnen, Weberinnen, Wollkämmerinnen. Wenn Frauen in den genannten Bereichen keine Arbeit fanden und auch nicht einem Kloster beitreten wollten, mussten sie sich als Prostituierte, Tänzerinnen, Schauspielerinnen und Akrobatinnen verdingen. Gerade diese Berufe galten allesamt als verrucht und waren gesellschaftlich nicht angesehen.

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Schild-Burggasser

Alltag

Wie viele Einwohner hatte Konstantinopel um das Jahr 1200? Wie viele Einwohner hatte Rom im Vergleich um das Jahr 1200?

Lorena & Ludwig

Geschichte

Konstantinopel / Istanbul: Die erste Stadtmauer Konstantinopels schützte ein Areal von etwa 7 km²; am Beginn des 5. Jahrhunderts wurde sie durch eine zweite, teilweise bis heute erhaltene ersetzt. Dadurch wurde das befestige Stadtareal auf 12,7 km² und nach späteren Ausbauten auf knapp 14 km² erweitert.

Für die Bevölkerung Konstantinopels gibt es vor der Eroberung 1453 keine Quellenaussagen. Seriöse Schätzungen beruhen auf punktuellen Quellenangaben zu einzelnen Bevölkerungsschichten (stark schwankende Militärpräsenz, Zahl der Mönche und Nonnen einzelner Klöster, …) und auf den damaligen Versorgungsmöglichkeiten: Länge und Gefahren der Transportwege zu Land und vorzugsweise zur See; dazu geringe Haltbarkeitsgrenzen bestimmter Lebensmittel (besonders Gemüse), die im Umland produziert werden müssen, wofür im Nahbereich von Konstantinopel nach dem 6. Jahrhundert innerhalb der Landmauern etwa 3km2 und außerhalb im Nahbereich etwa weitere 10 km2 zur Verfügung standen; Nahbereich: Wegstrecke vom Produzenten zu den zentral gelegenen Märkten maximal 2 Stunden.

Konstantinopel hatte vor 541/542, also vor der sogenannten „justinianischen“ Pest, die den gesamten östlichen Mittelmeerraum verheerte und in schwächeren Schüben bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts wiederkehrte, wahrscheinlich mehr als 400.000, vielleicht sogar 500.000 Einwohner. Nach einer Erholungsphase lag die Zahl ab/nach dem späten 8. Jahrhundert meist deutlich über 100.000, erreichte wahrscheinlich im 11. und 12. Jahrhundert 200.000. Höhere Zahlen erscheinen nicht vertretbar.

Somit war Konstantinopel seit dem 5. Jahrhundert jedenfalls – aus vorindustrieller städtehistorischer Sicht –  ununterbrochen eine Großstadt.

Was die Bevölkerungszahlen Roms betrifft, so muss zu Beginn festgehalten werden, dass es auch hier keine genauen Zahlen gibt. Im 4. Jh. wird für Rom schätzungsweise eine Einwohnerzahl von 500.000 Personen angenommen. Der frühbyzantinische Historiker Prokopios von Caesarea berichtet, dass durch die Gotenkriege nur noch 500 Männer in Rom übriggeblieben sein sollen. Man kann aber davon ausgehen, dass diese Zahl nicht der Wahrheit entspricht. Zur Zeit Papst Gregors des Großen im 6. Jh. /7. Jh. soll Roms Bevölkerungszahl erneut auf 90.000 Menschen angewachsen sein, weil Flüchtlinge aus dem Umland von den Langobarden in die Stadt getrieben wurden. Mit dem Zusammenbruch der städtischen Versorgung im 7. Jh. ging ebenso ein Bevölkerungsschwund einher. Unter Papst Hadrian I. im 8. Jh. wuchs die Bevölkerung Roms wieder an. Allerdings brach das Wohlfahrts- und Versorgungswesen der Stadt im 9. Jh. erneut zusammen. Die politischen Umstände im 10. Jh. sollen ebenfalls einen Bevölkerungsrückgang herbeigeführt haben. Im Jahr 1167 verzeichnet ein Chronist 20.000 Malariatote in Rom. Tatsächlich dürfte diese Zahl aber auch übertrieben formuliert sein. Realistische Schätzungen der Einwohnerzahl Roms könnten im 12. und 13. Jh. also bei 35.000 bis 40.000 Personen - wenn nicht etwas höher - liegen.

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Wie viele Einwohner hatte Konstantinopel um das Jahr 1200? Wie viele Einwohner hatte Rom im Vergleich um das Jahr 1200?

Lorena & Ludwig

Geschichte

Gab es Beziehungen zwischen dem Byzantinischen Reich und Korea?

Ariadne Steinberger

Geschichte

Während es zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert n. Chr. vereinzelte Belege für die Präsenz von Händlern und Gesandten aus dem römischen Reich in China gibt, ist die Quellenlage für die späteren byzantinischen Jahrhunderte weniger eindeutig, sodass direkte (diplomatische) Kontakte zwischen Byzanz und dem Fernen Osten zweifelhaft bleiben. Objekte gelangten aber aus China (z. B. Seide) bis in den byzantinischen Raum bzw. umgekehrt (z. B. byzantinischen Münzen oder Glas). Auch einzelne Kaufleute mögen fast die gesamte Distanz zwischen dem Fernen Osten und dem Mittelmeer zurückgelegt haben, so fanden sich in einem Gräberfeld im nordwestlichen Kaukasus Aufzeichnungen eines chinesischen Händlers aus dem 8. Jahrhundert. Wohl über China gelangten spätrömische und byzantinische Objekte, wie etwa Glasgefäße, ins koreanische Königreich von Silla (wo man sie bei Ausgrabungen fand) und von Korea auch weiter nach Japan, wo sie bis heute im Shōsō-in-Schatzhaus (8. Jh.) des berühmten Tōdai-ji-Tempels in Nara aufbewahrt werden. Direkte diplomatische Kontakte zwischen Konstantinopel und diesen Ländern sind aber ebenso unwahrscheinlich. Arabische Kaufleute und Gesandte gelangten, vor allem auf dem Seeweg, hingegen ab dem 8. Jh. in größerer Zahl nach Ostasien, und arabische Quellen erwähnen im 9. Jh. auch „al-Sila“ als Reich auf der koreanischen Halbinsel.

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Gab es Beziehungen zwischen dem Byzantinischen Reich und Korea?

Ariadne Steinberger

Geschichte

Was war die Stellung der kroatischen Fürsten und Könige zwischen dem Westen und Byzanz?

Virginia Vila-Nardelli

Geschichte

Berichte über die Migration der Kroaten in die früheren römischen Provinzen Pannonien und Dalmatien im 7. Jh. haben wir zuerst in den Texten des byzantinischen Kaisers Konstantin VII. Porphyrogennetos (reg. 913-959). Erste kroatische Fürstentümer sind ab dem späten 8. Jh. fassbar und befanden sich damals im Grenzgebiet zwischen byzantinischer Macht und der Einflusssphäre des Reiches der Franken, das unter Karl dem Großen zum Konkurrenten von Byzanz aufstieg. Auch die verschiedenen kroatischen Fürsten versuchten aus dieser Zwischenstellung Vorteile zu erringen, dennoch entschied man sich im 9. Jh. zur Annahme des Christentums aus Rom (und nicht aus Konstantinopel). Auch die Annahme des Königstitels durch den kroatischen Fürsten Tomislav im Jahr 925 wurde durch den Papst anerkannt. Dennoch blieb Kroatien in engeren Beziehungen zu Byzanz und musste, als die byzantinische Vormacht in Südosteuropa nach den Siegen über das Bulgarenreich wiederhergestellt war, im späteren 10. Jh. zeitweilig dessen Oberhoheit anerkennen. Auch nach der 1102 etablierten Personalunion zwischen den Königreichen Kroatien und Ungarn blieben die Grenzgebiete in Dalmatien und Slawonien mit Byzanz strittig, insbesondere unter Kaiser Manuel I. Komnenos (reg. 1143-1180), ehe nach dessen Tod die byzantinische Macht auf dem nördlichen Balkan zusammenbrach. Trotz dieser oft unruhigen Beziehungen war der kulturelle Einfluss des byzantinischen Reiches auch in Kroatien, vor allen an der Adriaküste, stark spürbar.

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Was war die Stellung der kroatischen Fürsten und Könige zwischen dem Westen und Byzanz?

Virginia Vila-Nardelli

Geschichte

Kann die Magnauraschule und ihre Vorläufer als Universität von Konstantinopel gelten? Inwieweit sind gegenseitige Einflüsse zwischen westlichen Unis und der Magnaura bekannt?

Amateur

Alltag

In der langen Geschichte von Byzanz wurde höhere Bildung meist durch privat finanzierte Lehrer vermittelt, war also nur für Wohlhabende zugänglich und somit ein Statussymbol. Gelegentlich berichten die Quellen, dass einzelne Herrscher für die Finanzierung von Bildungseinrichtungen gesorgt haben. Dies gilt auch für die Schule bei der Magnaura in unmittelbarer Nähe des Kaiserpalastes, die in der Mitte des 9. Jahrhunderts durch Bardas, Mitkaiser (Caesar) von Kaiser Michael III., eingerichtet wurde—lange vor der Einrichtung von Universitäten im lateinischen Westen. Der Kaiser finanzierte den Unterricht, u.a. durch Leo dem Mathematiker, in Philosophie, Geometrie, Astronomie, und Grammatik. 
Die Wissenschaft ist sich uneinig, ob die Nachrichten in den Quellen über den von manchen Kaisern geförderten Bildungsbetrieb in Konstantinopel (Theodosius II, Michael III, Konstantin IX) als kontinuierliche Existenz einer institutionalisierten Bildungseinrichtung, d.h. ‘Universität’, zu interpretieren sind (Glas halb voll), oder eben nur als punktuelle Einzelinitiativen aus intellektuellem Interesse oder zur gezielten Eliteförderung (Glas halb leer).

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Kann die Magnauraschule und ihre Vorläufer als Universität von Konstantinopel gelten? Inwieweit sind gegenseitige Einflüsse zwischen westlichen Unis und der Magnaura bekannt?

Amateur

Alltag

Von welchem Kaiser war Theodora Komnena die Tochter?

Prikryl Rudolf

Kaiser

Theodora Komnena war die Nichte von Kaiser Manuel I. Komnenos (reg. 1143 - 1180). Sie war die Tochter von Andronikos Komnenos, Bruder von Manuel I. Komnenos, die ihrerseits die Söhne von Kaisers Johannes II. Komnenos (reg. 1118 - 1143) und Piroska-Irene waren.

Der Babenberger Heinrich II. Jasomirgott wurde auf seinem Rückweg vom Kreuzzug 1148/49 in Konstantinopel mit Theodora Komnena vermählt. Theodora trat später bei diplomatischen Verhandlungen in Erscheinung, und ihre Mitgift mag den Ausbau Wiens zur Residenzstadt begünstigt haben.

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Von welchem Kaiser war Theodora Komnena die Tochter?

Prikryl Rudolf

Kaiser

Worin besteht der Unterschied zwischen den Titeln Basileus und Rex?

Amateur

Kaiser

Die Titel Rex und Basileus bezeichneten ursprünglich beide einen "König". Die byzantinischen Kaiser hatten anfänglich den Titel Imparator geführt, weil sie sich auch als Römer bzw. Rhomäer sahen. Kaiser Herakleios (reg. 610–641) tauschte im 7. Jh. allerdings den römischen Imperator-Titel gegen den griechischen Herrschertitel Basileus ein, wodurch das griechische Wort „basileus“ zum Hauptbestandteil des Titels wurde.  Der Titel Basileus wurde in weiterer Folge zum Äquivalent des Imparator-Titels, während sich die westlichen Könige weiterhin mit dem lateinischen Wort "rex" titulierten.

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Worin besteht der Unterschied zwischen den Titeln Basileus und Rex?

Amateur

Kaiser

Warum gab es im orthodoxen Einflussgebiet (oder slawischen Ländern) keine Könige sondern (Groß-)Fürsten und Zaren?

Amateur

Wissenswertes

Diese Differenzen in der Terminologie haben mehr mit der Wiedergabe der jeweiligen Herrschertitel im Deutschen bzw. anderen Sprachen zu tun als mit tatsächlichen Unterschieden im Ämterverständnis. So werden die Träger des Titels eines velikij knjaz’ (im Deutschen: „Großfürst“) unter den russischen Fürsten im 12.-15. Jh. in an sie gerichteten Briefen aus Konstantinopel auf Griechisch als „megas rex“ angesprochen, was auf Deutsch eher „großer König“ bedeutet. In Serbien wurde ab dem 12. Jh. die Bezeichnung „kral“ (im Griechischen „krales“) für den Herrscher üblich, was wiederum auch meist als „König“ wiedergegeben wird (und sich vermutlich vom Namen „Karl“ des fränkischen Königs und Kaisers Karl des Großen ableitet, analog zu „Kaiser“ vom römischen Personennamen „Caesar“). Die Bezeichnung „Zar“ im Russischen, Bulgarischen oder Serbischen schließlich leitet sich vom griechisch-byzantinischen „kaisar“ (was wiederum das lateinische „Caesar“ wiedergibt) und somit direkt aus der römischen Kaisertitular ab; damit wollten ab dem 9. Jh. orthodoxe Herrscher in Südosteuropa ihre Gleichrangigkeit mit dem „römischen“ (byzantinischen) Kaiser in Konstantinopel ausdrücken. Für letzteren wiederum wurde ab dem 7. Jh. das griechische Wort „basileus“ zum Hauptbestandteil des Titels, was ursprünglich eigentlich „König“ bedeutet. Somit ist es immer wichtig, sich die tatsächliche Terminologie und Bedeutung der Titel in den Originalsprachen anzusehen.

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Warum gab es im orthodoxen Einflussgebiet (oder slawischen Ländern) keine Könige sondern (Groß-)Fürsten und Zaren?

Amateur

Wissenswertes

Gab es verwandtschaftliche Beziehungen zwischen Adligen aus dem Byzantinischen Reich und den Patrizierfamilien in Rom?

Amateur

Kaiser

Diese Frage ist pauschal schwierig zu beantworten und würde eine sehr intensive Erforschung der jeweiligen Familiengeschichten voraussetzen (was man auch nur jeweils für einen begrenzten Zeitraum unternehmen könnte). Tendenziell lässt sich jedoch sagen, dass es innerhalb der römischen Elite etliche griechischstämmige Familien gab und bis ca. 750 gab es häufig auch "griechische" Päpste, die aus dem Osten oder aus den griechischen Gebieten Italiens stammten. Danach schwindet das "griechische" Element in der römischen Elite. Wenn es danach Heiratsverbindungen mit byzantinischen Familien gegeben haben sollte, wären das höchstens vereinzelte Fälle, die man überprüfen müsste.

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Gab es verwandtschaftliche Beziehungen zwischen Adligen aus dem Byzantinischen Reich und den Patrizierfamilien in Rom?

Amateur

Kaiser

Gab es Herrschaftssymbole, die der Westen von Byzanz übernommen hat und umgekehrt?

Amateur

Kaiser

In puncto Herrschaftssymbole war Byzanz lange Zeit das Richtmaß für die Herrscher des Westens, auch wenn man betonen muss, dass es in beiden Welten lange Zeit keine einzigartigen Insignien gab (die "eine" Krone, das "eine" Szepter) - es ging nur darum, sich mit Gegenständen aus gewissen Kategorien zu schmücken. Insignien wie Diadem/Krone, Szepter und Feldherrenmantel stammen aber noch aus der "gemeinsamen" Tradition des spätantiken Kaisertums, d.h. es ist nicht klar, ob sie im Westen aus alten Darstellungen übernommen wurden oder über byzantinische Vermittlung in den Westen kamen. Der Globus mit aufgesetztem Kreuz ("Reichsapfel") wiederum ist auf byzantinischen Münzen schon früh belegt, aber wir wissen nicht, ob er auch als reales Objekt existierte. Im Westen ist er als solches ab dem 10. Jahrhundert belegt und könnte von den byzantinischen
Münzdarstellungen inspiriert gewesen sein. Überhaupt gab es gerade im 9. und 10. Jahrhundert Phasen starker Anlehnung an byzantinische Gewohnheiten bei der Gestaltung von Siegeln und Urkunden (etwa die Imitation der roten Kaiserunterschrift durch Karl den Kahlen, ausgestellt in Raum 8 in dieser Ausstellung).

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Gab es Herrschaftssymbole, die der Westen von Byzanz übernommen hat und umgekehrt?

Amateur

Kaiser

Was ist aus den nach Venedig verpfändeten byzantinischen Kronjuwelen geworden?

Amateur

Geschichte

Es gab bereits spätestens ab 1370 wiederholte Versuche byzantinischer Kaiser, im Rahmen diplomatischer Verhandlungen die Kronjuwelen zurückzuerhalten. Die letzten Verhandlungen scheiterten jedoch 1448 und so müssen die Kronjuwelen in Venedig verblieben sein. Eine Identifizierung ist schwer, weil die Zusammensetzung nicht bekannt ist. 1797 eroberte Napoleon Venedig und transportierte viele Schätze nach Paris. Nach dem Wiener Kongress 1815 musste Frankreich vieles zurückgeben - so auch die berühmten Bronzepferde. Was in dieser Zeit mit den Kronjuwelen geschah, ist leider nicht bekannt.

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Was ist aus den nach Venedig verpfändeten byzantinischen Kronjuwelen geworden?

Amateur

Geschichte

Wieso hat Konstantinopel nach anfänglichen Versuchen die Christianisierung Böhmens und Mährens Rom überlassen?

Amateur

Geschichte

Die Mission des Kyrill und Method ab 863/864 im Großmährischen Reich stieß von Beginn an auf den Widerstand dort bereits tätiger westkirchlicher Kleriker als Vertreter der benachbarten Bistümer Salzburg und Passau, die um ihre Macht im Grenzraum des fränkischen Reiches fürchteten. Die großmährischen Fürsten hatten aber deshalb auch um Missionare aus Konstantinopel gebeten, um den kirchlichen Einfluss des Nachbarn nicht zu groß werden zu lassen. Mit ähnlichen Hoffnung suchte der um dieselbe Zeit nach byzantinischem Ritus getaufte Herrscher der Bulgaren Boris-Michael den Kontakt zum Papst in Rom, um den Einfluss Konstantinopels zu schwächen. 867 reisten Kyrill und Method nach Rom, wo einer Lösung des Konflikts in Mähren möglich schien; allerdings verstarb Kyrill dort 869. Method und seiner Schüler wurden nach ihrer Rückkehr nach Mähren 870 auf Betreiben der lokalen Bischöfe sogar gefangengenommen und in Klosterhaft gehalten. Nach seiner Freilassung setzte Method die Bemühungen um eine eigenständige mährische Kirche, der alternativ zu Latein auch das Kirchenslawische als Liturgiesprache erlaubt sein würde, fort. Doch wurden die meisten seiner Schüler nach seinem Tod 885 aus dem Mährischen Reich vertrieben, das fest in die westkirchlichen Strukturen eingegliedert wurde. Zuflucht fanden viele der Schüler Methods aber im Bulgarenreich, das sich wiederum nun eindeutig an die byzantinisch-orthodoxe Tradition angeschlossen hatte. Gewissermaßen setzte sich also jeweils die „Logik“ der geographischen Nähe durch.

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Wieso hat Konstantinopel nach anfänglichen Versuchen die Christianisierung Böhmens und Mährens Rom überlassen?

Amateur

Geschichte

Welche Rolle spielte der östliche Teil der Kirche bei den Kirchenreformen des 11.Jahrhunderts und wie veränderte sich sein Ansehen dabei unter westlichen Klerikern?

Amateur

Alltag

Die Kirchenreformen des 11. Jahrhunderts in der Westkirche und das dadurch umso selbstbewusstere Auftreten der Päpste, die auch das westliche Kaisertum im Investiturstreit herausforderten, trugen ebenso zu einer Verschärfung der theologischen und kirchenpolitischen Konflikte mit der byzantinischen Kirche bei. Mit der Eroberung der letzten byzantinischen Territorien in Süditalien durch die Normannen gelangten diese Gebiete (wieder) unter die Jurisdiktion Roms (die dort bis ins 8. Jahrhundert bestanden hatte), was den Protest Konstantinopels hervorrief. Dazu kam eine Intensivierung der Debatte um schon länger strittige Punkte in der Glaubensauslegung und in der Glaubenspraxis, die auch durch Schriften byzantinischer Kirchengelehrter innerhalb der Ostkirche verschärft wurde. Vor diesem Hintergrund verhandelten Papst und byzantinischer Kaiser zwar 1054 sogar über eine Allianz gegen die Normannen (die auch die Stellung der Päpste zeitweilig bedrohten), doch scheiterten diese Verhandlungen nicht nur, sondern führten sogar zur wechselseitigen Verhängung des Kirchenbanns. Auch wenn diese später als „Großes Schisma“ bezeichnete Entzweiung in den Augen der Zeitgenossen wohl noch nicht jene nachhaltige Symbolwirkung besaß, wie sie ihr die spätere Forschung zuschrieb, so stellt das 11. Jahrhundert sicher eine Periode der Verdichtung der wechselseitigen Missverständnisse und der Wahrnehmung der Unterschiede zwischen West- und Ostkirche dar.

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Welche Rolle spielte der östliche Teil der Kirche bei den Kirchenreformen des 11.Jahrhunderts und wie veränderte sich sein Ansehen dabei unter westlichen Klerikern?

Amateur

Alltag

Gibt es geschätzte Bevölkerungszahlen für Konstantinopel, die die Entwicklung der Stadt über die Jahrhunderte einfach nachvollziehbar machen? Anhand welcher Informationen wird die Einwohnerzahl von Städten geschätzt?

Amateur

Alltag

Nach seiner Neugründung durch Kaiser Konstantin den Großen im Jahr 324 erlebte Konstantinopel in den nächsten zwei Jahrhunderten ein starkes Bevölkerungswachstum und erreichte in der Regierungszeit Kaiser Justinians I. um das Jahr 540 eine Einwohnerzahl von vermutlich 500 000 Menschen. Für diese Zeit besitzen wir Informationen über den Umfang der jährlichen Getreidelieferungen aus Ägypten, die für die Versorgung der Hauptstadt notwendig waren, und auf dieser Grundlage lässt sich eine solche Schätzung anstellen. Kurz danach suchte allerdings eine Pestepidemie Konstantinopel heim, die in Wellen bis Mitte des 8. Jahrhunderts wiederkehrte; diese Seuchenausbrüche trugen gemeinsam mit der sonstigen Schrumpfung des Reiches zu einem Rückgang der Einwohnerzahl auf vermutlich unter 100 000 Menschen bei. Danach erholte sich die Bevölkerungszahl bis zum 12. Jahrhundert erneut, sodass je nach Schätzung wieder 200 000 oder sogar 400 000 Menschen dort lebten. Mangels statistischer Daten basieren solche Schätzungen unter anderem auf Informationen zu Bevölkerungsdichten anderer Städte aus der Zeit vor der Industrialisierung, die auf die Fläche Konstantinopels (14 km²) hochgerechnet werden. Die Eroberung durch den Vierten Kreuzzug 1204 markierte auch einen erneuten Bevölkerungseinbruch, von dem sich Konstantinopel bis zur osmanischen Eroberung 1453 nicht mehr erholte; damals mag die Stadt noch um die 50 000 Einwohner beherbergt haben, wenn wir von der überlieferten Zahl der waffenfähigen Verteidiger ausgehen. Erst unter den osmanischen Sultanen wurde Konstantinopel im 16. Jahrhundert wieder zu einer „Millionenstadt“.

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Gibt es geschätzte Bevölkerungszahlen für Konstantinopel, die die Entwicklung der Stadt über die Jahrhunderte einfach nachvollziehbar machen? Anhand welcher Informationen wird die Einwohnerzahl von Städten geschätzt?

Amateur

Alltag

Wie kam es dazu, dass in der Spätphase des Reiches die italienischen Händler ein so großes Gewicht im östlichen Mittelmeer und in Konstantinopel hatten?

Amateur

Handel

Da Byzanz ab der Mitte des 11. Jahrhunderts keine angemessene Kriegsflotte hatte, war man auf Flottenhilfe aus dem Westen angewiesen. Zunächst gewann man die Venezianer als Verbündete. Im Gegenzug erhielten diese weitreichende Handelsprivilegien in den Häfen des Byzantinischen Reiches, die sie sogar besser stellten als die byzantinischen Händler. Später erhielten auch die Genuesen ähnliche Vorrechte. Durch die Kreuzzüge wurde die Präsenz der Lateiner im Osten immer stärker. Immer größer wurden die Märkte, immer häufiger die Handelsreisen und so wuchsen auch die Auslandsniederlassungen der italienischen Kommunen - nicht zuletzt auch in Konstantinopel.

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Wie kam es dazu, dass in der Spätphase des Reiches die italienischen Händler ein so großes Gewicht im östlichen Mittelmeer und in Konstantinopel hatten?

Amateur

Handel

Welche gesellschaftliche Rolle und Stellung nahmen Händler in Ost und West ein?

Amateur

Handel

Sowohl in Byzanz als auch in den feudal organisierten Reichen des Westens nahmen lediglich die "aristokratischen" Familien Abstand vom Handel; abgesehen davon konnten Händler durch Geschick gesellschaftlich aufsteigen. In den italienischen Seefahrerstädten setzte sich allerdings die Elite selbst zum Großteil aus Kaufleuten zusammen. Der Aufstieg des Bürgertums in den Städten des Westens ab dem 12. Jahrhundert ließ das Händlertum geradezu aufblühen.

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Welche gesellschaftliche Rolle und Stellung nahmen Händler in Ost und West ein?

Amateur

Handel

Gab es im Westen jemals Kirchen, die der göttlichen Weisheit oder dem göttlichen Frieden geweiht waren und wenn nicht, warum nicht?

Amateur

Alltag

Im westlichen Christentum gibt es, anders als in der orthodoxen Tradition, keine Kirchen, die der göttlichen Weisheit (sophia) oder dem göttlichen Frieden (eirene) geweiht sind. Die Gründe dafür sind ungeklärt. Allerdings entstehen schon im Frühmittelalter Legenden von der Märtyrerin Sophia, und ihren Töchtern Fides (Glaube), Spes (Hoffnung) und Caritas (Nächstenliebe)—wohl in Fortführung der antiken Tradition der Vorstellung von abstrakten Idealen, die personifiziert als weibliche Figuren dargestellt wurden. Ein gutes Beispiel dafür ist Justitia (Gerechtigkeit), die häufig als Frau mit Augenbinde, eine Waagschale haltend, abgebildet wird. Dies soll zeigen, dass Gerechtigkeit ohne Ansehen der Person die Fakten abwägen muss.

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Gab es im Westen jemals Kirchen, die der göttlichen Weisheit oder dem göttlichen Frieden geweiht waren und wenn nicht, warum nicht?

Amateur

Alltag

Wann wurde die Stadt Konstantinopel gegründet (von den Griechen?), wie hieß sie und wann kommt der Name "Byzanz" in Verwendung (Bedeutung?)

Franz Hartmann

Geschichte

Kaiser Konstantin der Große (reg. 306-337) weihte an der Stelle von Byzantion im Jahr 330 die Konstantinsstadt (griech. Konstantinopolis) ein, womit er nicht nur eine neue, nach ihm benannte Residenz der römischen Kaiser schuf, sondern auch ein Zeichen setzte, das die machtpolitische und wirtschaftliche Bedeutung des Ostens innerhalb der römischen Mittelmeer-Ökumene hervorheben sollte. Konstantinopel entwickelte sich dank seiner idealen geographischen Lage bald - zeitweise im Gegensatz zum italischen alten Rom - zum christlichen neuen Rom (griech. Nea Rome) und übernahm die Führungsrolle innerhalb des Römischen Reiches in der christlichen Spätantike und im Frühmittelalter.
Was die Bezeichnung "Byzanz" anbelangt, so ist der Name auf einen legendären Heerführer und König aus Megara namens Byzas zurückzuführen. Dieser soll einst an der Stelle von Konstantinopel im 7. Jh. v. Chr. die Stadt "Byzantion" gegründet haben. Byzantion existierte bis zur Gründung Konstantinopels.
Seit der Spätantike wird die moderne, wenn auch verkürzte Bezeichnung "Byzanz" als Synonym für das Oströmische Reich verwendet. Weil Konstaninopel der unumstrittene Mittelpunkt des Reiches war, ging man dazu über - angelehnt an die antike Bezeichnung "Byzantion"  - das Reich und seine Kultur als "byzantinisch" zu bezeichnen.

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Wann wurde die Stadt Konstantinopel gegründet (von den Griechen?), wie hieß sie und wann kommt der Name "Byzanz" in Verwendung (Bedeutung?)

Franz Hartmann

Geschichte

Die Eroberung und Plünderung Konstantinopels 1204 ist mir völlig unverständlich. Wieso hatte der Doge Dandolo einen derartigen Hass auf das Byzantinische Reich? Venedig war doch Jahrhunderte lang enger Verbündeter Konstantinopels. Gier? Geltungsdrang?

Konrad Rauch

Geschichte

Eine Prüfung der Quellen zeigt, dass das Ergebnis des Vierten Kreuzzugs nicht allein auf die Initiative von Enrico Dandolo zurückgeführt werden kann. Vielmehr handelte es sich um eine Verkettung unglücklicher Ereignisse und Entscheidungen, in die auch die Führer der Kreuzritter involviert waren. Dass es schlussendlich zur Plünderung kam, wird verständlicher, wenn man sich vor Augen führt, dass der byzantinische Kaiser Alexios IV. den Kreuzfahrern die versprochene finanzielle Hilfe nicht zukommen lassen konnte und schließlich ermordet wurde. Erst, als man Gefahr lief, vollends mit leeren Händen dazustehen, kam der Entschluss zum Sturm auf die Stadt auf.

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Die Eroberung und Plünderung Konstantinopels 1204 ist mir völlig unverständlich. Wieso hatte der Doge Dandolo einen derartigen Hass auf das Byzantinische Reich? Venedig war doch Jahrhunderte lang enger Verbündeter Konstantinopels. Gier? Geltungsdrang?

Konrad Rauch

Geschichte

Woher hat Byzanz eigentlich das viele Gold?

Konrad

Wissenswertes

Im Herrschaftsgebiet des Byzantinischen Reiches lagen diverse Goldlagerstätten, die ausgebeutet wurden. Dazu gehörten v.a. Goldvorkommen in Ägypten (bis ins 7. Jahrhundert), dann aber auch die Lagerstätten in Armenien, in Kleinasien und in Griechisch-Thrakien. Besonders ergiebig waren die armenischen Goldvorkommen, die besonders leicht auszubeuten waren.

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Woher hat Byzanz eigentlich das viele Gold?

Konrad

Wissenswertes

Kommt das Schnitzel aus Byzanz?

Victoria

Wissenswertes

Um den Ursprung des Wiener Schnitzels ranken sich viele Legenden. Eine davon verortet ihn in Konstantinopel, von wo die mit den Babenberger-Herzögen im 12. und 13. Jh. verheirateten Prinzessinnen die Zubereitungsart mitgebracht hätten; am byzantinischen Kaiserhof seien Speisen sogar mit Gold paniert worden. Eine andere Legende schreibt den Import nach Wien dem berühmten Feldmarschall Radetzky zu, der das Schnitzel auf seinen Italienfeldzügen 1848/1849 in Mailand kennengelernt hätte. Tatsächlich taucht aber das panierte Kalbschnitzel bereits davor um 1831 in Wiener Kochbüchern auf, und schon im 17. und 18. Jh. pflegte man in Wien Fleischstücke zu panieren und heraus zu backen. Ein diesbezüglicher mittelalterlicher „Technologietransfer“ aus Byzanz oder andernorts aus dem „Orient“ lässt sich aber in den Quellen nirgendwo nachweisen.

 

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Kommt das Schnitzel aus Byzanz?

Victoria

Wissenswertes

Ab wann verwendet man „Europa“ als Begriff?

Anonym

Geschichte

Mitte des 5. Jahrhunderts vor Christus prägte der griechische Historiker Herodot den Begriff „Europa“, wobei er mit diesem vor allem eine geographische Region bezeichnete. Demnach galt Europa als der größte Kontinent der Antike, größer noch als Asien oder Afrika. Als Ethnonym fasste Europa kaum mehr als die Bevölkerung des antiken Griechenlands und seiner Kolonien zusammen.

Auch die altgriechische Sage der gleichnamigen Prinzessin, die von Zeus in Gestalt eines schönen weißen Stieres entführt wurde und gerne als Namensgeberin für den Kontinent herangezogen wird, darf hier nicht unerwähnt bleiben.

Im 8. Jahrhundert nach Christus war es vor allem die Person von Karl dem Großen, der als „pater Europae“ stilisiert wurde, weswegen sich allmählich ein laudativer Gebrauch dieser Erdteilbezeichnung etabliert hatte. Nach dem Fall von Konstantinopel im Jahr 1453 begann sich allmählich auch eine humanistische Europaidee zu etablieren. Europa wurde mit dem Christentum gleichgesetzt. So prägte der Humanist Enea Silvio Piccolomini den Begriff des „europäischen Hauses“. Beginnend mit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts etablierten sich vermehrt Begrifflichkeiten, die den Zweck hatten Europa als für sich alleinstehend bzw. sich abgrenzend darzustellen, was vor allem durch religiös-politische Ideen motiviert war. 

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Ab wann verwendet man „Europa“ als Begriff?

Anonym

Geschichte

Was waren 1054 die Unterschiede, an denen man sich beim Schisma festgemacht hatte?

Anonym

Alltag

Vor allem Fragen, die den Ritus betreffen haben zu der Streitdiskussion zwischen den östlichen und westlichen Kirchen geführt. In der westlichen Kirche beharrte man beispielweise darauf ungesäuertes Brot in der Eucharistiefeier zu verwenden.

Ausgehend von der Streitfrage nach der Gerichtsbarkeit über Diözesen in byzantinischen Gebieten Süditaliens sandte der Papst Leo IX. Kardinal Humbert von Silva Candida nach Konstantinopel. Die Ereignisse hatten sich durch persönlich Vorurteile, Animositäten und Fehleinschätzungen überschlagen und mündeten darin, dass der Patriarch von Konstantinopel, Michael Kerullarios und Kardinal Silva Candida sich gegenseitig mit dem Kirchenbann belegten. Dem Streit vorausgegangen war der so genannte „Filioque-Streit“: Die Diskussion befasste sich mit der Frage, ob der Heilige Geist nur vom Vater oder auch vom Sohn ausgeht. Die römisch-katholische Kirche hält bis heute an am Zusatz des filioque fest: Der Heilige Geist geht aus Gottvater und Sohn hervor. Es ist anzunehmen, dass hinter dieser Streitfrage vor allem auch die Frage stand: Wer steht an der Spitze der Kirche? Theologische Spitzfindigkeiten wurden nur vorgeschoben. Der Papst hat sich in Rom zu einer sehr starken Regionalmacht entwickelt. Das Bündnis zwischen dem Papst und den Franken hat ihn an die Spitze gebracht.

Auch die Kreuzzüge haben das Verhältnis der Lateiner und Byzantiner in Mitleidenschaft gezogen. In der spätbyzantinischen Zeit war man bemüht das Verhältnis zwischen der römisch-katholischen Kirche und der byzantinischen Kirche zu verbessern. Man wollte die liturgischen und dogmatischen Differenzen beseitigen, was allerdings am Widerstand der Bevölkerung und des byzantinischen Klerus scheiterte. Selbst als man sich bereits im 14. Jahrhundert der drohenden osmanischen Gefahr gewahr wurde und der byzantinische Kaiser beim Papst in Rom um Hilfe erbat und ihm im Gegenzug die Kirchenunion angeboten hatte, scheiterte man am Widerstand des byzantinischen Klerus. Erst im Jahre 1965 wurde die Trennung zwischen der Kirche des Ostens und des Westens – zumindest formal – aufgehoben.

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Was waren 1054 die Unterschiede, an denen man sich beim Schisma festgemacht hatte?

Anonym

Alltag

Gibt es bezüglich der Herrschaft von Frauen einen Unterschied zwischen Ost und West? Im Westen gab es ja nie eine Kaiserin, in Russland dann schon öfters Zarinnen – könnte das durch den Einfluss von Byzanz so sein?

Anonym

Kaiser

Das kann man nicht sagen. Es gab auch im Westen ab und zu Frauen in Herrschaftspositionen und es war auch in Byzanz keine Institution. Die Kaiserin hatte in Byzanz keinerlei Machtbefugnisse. Ihre Rolle war prinzipiell auf Repräsentation beschränkt. Manchen Kaiserinnen war es aber gelungen am Hof eine aktive Position einzunehmen und Einfluss auf die Politik ihrer Gatten zu üben. (Man denke hier an Kaiserin Theodora, der Gattin von Kaiser Justinian I., im 6. Jahrhundert.) Andere Kaiserinnen übten tatsächlich staatspolitische Funktionen aus, indem sie als Regentinnen für ihre unmündigen Söhne oder als Witwen interimistisch die Herrschaft ausübten. Als Regentinnen konnten sie selbst Gesetze erlassen und die Staatsgeschäfte führen. Vielleicht liegt es auch an der orthodoxen Kirche, die eine pragmatische Einstellung im Gegensatz zur römisch-katholischen Kirche hat, vieles ist hier verhandelbar.

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Gibt es bezüglich der Herrschaft von Frauen einen Unterschied zwischen Ost und West? Im Westen gab es ja nie eine Kaiserin, in Russland dann schon öfters Zarinnen – könnte das durch den Einfluss von Byzanz so sein?

Anonym

Kaiser

Wie viele Prinzessinnen sind im Laufe der Zeit in den Westen verheiratet worden?

Anonym

Kaiser

Die Zahl ist weniger bedeutend als die Tendenz: Ab dem 11. Jahrhundert ist es nicht ungewöhnlich im höfischen Umfeld auf Frauen aus anderen Kulturkreisen anzutreffen. Umgekehrt gibt es auch Belege, dass byzantinische Mädchen die Ehefrauen zentralasiatischer Ilchane, serbischer Könige, venezianischer Dogen sowie auch babenbergischer Herzöge wurden.

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Wie viele Prinzessinnen sind im Laufe der Zeit in den Westen verheiratet worden?

Anonym

Kaiser

War die Kaiserin Theophanu porphyrgeboren?

Anonym

Kaiser

Porphyrgeboren zu sein, war erst im 10. Jahrhundert bedeutsam und stellte für den Kaiser eine besondere Form der Legitimation dar. Die Porphyra war eine Geburtskammer im Großen Palast in Konstantinopel. Diese Geburtskammer ist seit dem 8. Jahrhundert in Quellen belegt. Der Name rührt daher, weil sowohl der Boden, als auch die Wände vollständig mit purpurfarbenem Marmor vertäfelt gewesen sein sollen.

Vermutet wird, dass durch Kaiser Konstantin VII., der den Beinamen Porphyrogennetos erhielt, dieser Begriff Eingang in die höfische Terminologie fand. Er impliziert, dass man zum innersten Kreis gehört. Daher waren porphyrgeborene Prinzessinnen auch im Westen sehr begehrt.

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War die Kaiserin Theophanu porphyrgeboren?

Anonym

Kaiser

Woher kommt der Ruf der Feigheit, Hinterlistigkeit, der den Byzantinern zugeschrieben wurde?

Anonym

Geschichte

Die Byzantiner waren in der Politik sehr pragmatisch, da sie meistens an zwei Fronten Krieg führten. Sie führten eine sehr hoch ausgeprägte Geschenkediplomatie (z.B. Seidengewänder, die sehr populär waren). Sie haben beinhart abgewogen, ob sich ein Konflikt lohnt, oder ob sich z.B. ein Freikaufen einer Stadt lohnt – und dann vielleicht noch dazu türkische Söldner engagiert, was für die dort stationierten westlichen Kreuzfahrer natürlich völlig unverständlich war.

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Woher kommt der Ruf der Feigheit, Hinterlistigkeit, der den Byzantinern zugeschrieben wurde?

Anonym

Geschichte

Warum wurde Griechisch gesprochen?

Anonym

Alltag

Die meisten haben auch schon bei der Gründung Konstantinopels Griechisch gesprochen. Latein war immer als Verwaltungssprache der Bevölkerung „übergestülpt“ worden. Griechisch war immer die Kultursprache seit dem Hellenismus, es hat hier nie einen groben Bruch gegeben.

Ein richtiges Revival von Griechisch gibt es im Westen erst im 14. Jahrhundert, es wurde vorher kaum gesprochen. Generell war es in beiden Hälften des Römischen Reiches eher exotisch, die andere Sprache zu können. Daher entstanden auch viele Übersetzungsfehler. (Bsp. Byzantinische Kaiserurkunde: wurde zuerst in Griechisch ausgesendet, dann gab es eine kleine Beilage in lateinischer Übersetzung, und dann einen großen lateinischen Text – aus der Notwendigkeit zum Verständnis heraus).

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Warum wurde Griechisch gesprochen?

Anonym

Alltag

Was ist mit dem „wahren Kreuz“ passiert?

Anonym

Alltag

Es gibt die Splitter von dem „wahren Kreuz“, für das es gehalten wurde.

Die letzten Spuren des Kreuzes verlieren sich in der Schlacht gegen Saladin.

Es gab allerdings auch eine Reihe von Berührungsreliquien, die entstanden waren, als Hölzer an die vermeintlich echten Kreuzpartikel gehalten wurden und somit als eigenständige Reliquien verehrt wurden, da man auch ihnen eine heilende Wirkung zugesprochen hatte. Anfang des 13. Jahrhunderts entdeckten auch die Kreuzfahrer den Reliquienhandel für sich, wonach viele „Kreuzpartikel“ und Berührungsreliquien in alle Teile der Welt gelangten.

(Buch-Empfehlung: Holger Klein, Byzanz, der Westen und das 'wahre' Kreuz: die Geschichte einer Reliquie und ihrer künstlerischen Fassung in Byzanz und im Abendland. (Wiesbaden 2004))

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Was ist mit dem „wahren Kreuz“ passiert?

Anonym

Alltag

Ist der Kreuzsplitter echt? (Doppelarmiges Reliquienkreuz)

Anonym

Alltag

Sichtreliquien sind nicht unbedingt üblich im Westen – der Westen hatte früher eine andere Einstellung zur Sichtbarkeit. Der Kreuzsplitter könnte eingearbeitet sein. Byzanz hat jedoch einen Umgang mit Reliquien, der für uns im Westen sehr „barock“ ist. Das hat vermutlich auch den Westen beeinflusst. Nach 1200 kommen viele Byzantiner nach Westen, dann ändert sich auch der Umgang mit Reliquien – er wird viel haptischer.

In Byzanz spielte die Verehrung von Reliquien eine wichtige Rolle im öffentlichen und privaten Leben. Die bedeutendste Reliquie war das Heilige Kreuz. Die Legende besagt, dass es der Mutter von Konstantin I. dem Großen, Helena, zu verdanken ist, dass das echte Kreuz in Jerusalem gefunden wurde. Sie soll die aufgefundenen Kreuzfragmente in drei Teile geteilt haben: Demnach verblieb ein Drittel in Jerusalem, ein Drittel nahm Helena mit nach Rom und ein weiteres Drittel machte sie ihrem Sohn Konstantin zum Geschenk.

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Ist der Kreuzsplitter echt? (Doppelarmiges Reliquienkreuz)

Anonym

Alltag

Ab wann ist Rom kein Verwaltungszentrum mehr?

Anonym

Geschichte

Mit der Gründung Konstantinopels versuchte Konstantin auch vermehrt römische Senatoren in und um Konstantinopel anzusiedeln. Ihnen wurde eigenes Land sowie eigene Getreide-Rationen angeboten. Zu Beginn hatte der oströmische Senat strukturell allerdings mehr Ähnlichkeit mit einem Stadtrat als mit dem Senat in Rom. Konstantins Sohn, Konstantios II. (reg. 337-361) wandelte den oströmischen Senat in eine kaiserliche Körperschaft um, wodurch er dem Senat in Rom gleichgesetzt war. Allmählich hatten immer mehr Personen, Höflinge und Günstlinge den Titel clarissimus verliehen bekommen, wodurch die Anzahl der Mitglieder des Senats auf über 2000 Männer anstieg. Parallel zum oströmischen Senat existierte der Senat in Rom bis zum Jahr 590, als dieser aufgelöst wurde. Fortan existierte nur mehr der Senat in Konstantinopel, wodurch Rom auch seine Bedeutung als Verwaltungssitz allmählich einbüßte.

Ab dem 12. Jahrhundert ist in Rom generell sehr wenig los. Selbiges wird auch von den Zeitgenossen vermerkt. Es ist auch hier die Anschauung, dass Rom nach Konstantinopel transferiert wurde.

Auch aus religiöser Sicht beanspruchte Konstantinopel gegenüber Rom eine zunehmende Vormachtstellung. 381 folgte mit dem Konzil von Konstantinopel die Anerkennung Konstantinopels als Patriarchensitz, wodurch die Gleichrangigkeit mit Rom anerkannt wurde. Ab dem 7. Jahrhundert mit dem Beginn der arabischen Eroberungen verloren die Patriarchate von Alexandria, Antiochia und Jerusalem zunehmend an Bedeutung, wodurch Konstantinopel zum religiösen Zentrum des östlichen Christentums avancierte. Der Konkurrenzkampf zwischen Rom und Konstantinopel blieb weiterhin bestehen. Im 9. Jahrhundert versuchte man Konstantinopels Rang gegenüber Rom durch eine erfundene Gründungslegende zu erhöhen, wonach bereits der Apostel Andreas der erste Vorsteher und somit erste Patriarch einer christlichen Gemeinde in Byzantion, wie Konstantinopel früher hieß, gewesen sein soll.

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Ab wann ist Rom kein Verwaltungszentrum mehr?

Anonym

Geschichte

Was ist an Konstantinopel so anders als an anderen Verwaltungssitzen?

Anonym

Handel

Konstantinopel boomte wahnsinnig. Es hat im Gegensatz zu anderen Verwaltungssitzen eine perfekte, geschützte Lage und gute Häfen. Konstantin machte außerdem gute Werbung zur Ansiedelung von Senatoren. Er hat das strategische und wirtschaftliche Potenzial der Stadt erkannt und zu nutzen gewusst. Die Meerenge zwischen Marmarameer und dem Schwarzen Meer ließ sich von hier aus am besten kontrollieren, was wiederum eine Kontrolle der Handels- und Verkehrswege mit sich brachte.

Während der Völkerwanderung werden andere Städte zerstört, aber Konstantinopel bleibt weitgehend verschont. Es kann sich vom Hinterland gut organisieren, es ist eine gute Versorgung über das Wasser gegeben, ist geschützt durch seine dicken Stadtmauern und gilt als uneinnehmbar. Es ist die größte mittelalterliche Metropole in Europa, es gibt keine, die die Größe von Konstantinopel erreicht. Ende des 5. Jahrhunderts lebten in Konstantinopel etwa 400.000 Menschen.

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Was ist an Konstantinopel so anders als an anderen Verwaltungssitzen?

Anonym

Handel

War das Bekenntnis Konstantins des Großen zum Christentum politisch motiviert oder waren es persönliche Glaubensmotive?

Anonym

Kaiser

Konstantin der Große war äußerst bedeutend, er war der Gründer Konstantinopels und ein Wegbereiter des Christentums. Er war der der erste römische Kaiser, der das Christentum gefördert und bekräftigt hat. Zwar bestanden die spätantiken römischen Strukturen fort, aber im Selbstverständnis der Byzantiner sah man die die Regierungszeit Konstantins I., des Großen (306-337) doch als den Beginn einer neuen Ära an. Sein Bekenntnis zum Christentum wirkt sehr politisch. Wäre er aber persönlich nicht davon überzeigt gewesen, wäre es vermutlich auch schwer umzusetzen gewesen.

Der byzantinische Kaiser hatte zunächst dieselbe Bedeutung inne wie der römische Imperator. Im byzantinischen Selbstverständnis beharrte man auf der Kontinuität in der Nachfolge von Caesar und Augustus zu stehen. Unvereinbar mit der christlichen Ideologie war aber das Selbstverständnis und die Gleichsetzung des Kaisers mit Gott. Hier ist dem Bischof Eusebios von Caesarea im 4. Jahrhundert eine neue Definition der Kaiserwürde gelungen: Konstantin wurde von Gott berufen, um als Kaiser und Diener Gottes auf Erden zum Schutz des Christentums zu herrschen. Es etablierte sich somit der Glaube an das Gottesgnadentum in der byzantinischen Kaiserideologie.

Ob eine Taufe Konstantins am Totenbett tatsächlich so stattgefunden hat, wird in der Wissenschaft heftig diskutiert. Eine späte Taufe war zumindest in der Anfangsphase des Christentums nicht unüblich, zumal man somit möglichst sündenfrei sterben konnte und zuvor keinen Zwängen unterworfen war.

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War das Bekenntnis Konstantins des Großen zum Christentum politisch motiviert oder waren es persönliche Glaubensmotive?

Anonym

Kaiser

Was ist der Unterschied zur Ausstellung 2012?

Anonym

Ausstellung

Im Jahr 2012 war das Thema, was ist Byzanz und wie hat Byzanz in den Osten gestrahlt.

Jetzt wird die umgekehrte Perspektive thematisiert, wie der Westen Byzanz sieht. Dies spiegelt sich auch in den Leihgaben und in den Leihgebern wider. Bei byzantinischer Kunst ist alles sehr fragmentiert erhalten – von den meisten Institutionen, Kirchen, haben wir nur 1-2 Leihgaben, aber nicht 20.

Es handelt sich um die Geschichte, wie der Westen auf Byzanz blickte, es geht nicht um eine Kunstgeschichte der byzantinischen Welt.

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Was ist der Unterschied zur Ausstellung 2012?

Anonym

Ausstellung

Wie viele Objekte und Leihgeber gibt es in der Ausstellung?

Anonym

Ausstellung

In der Ausstellung werden ca. 300 Leihgaben von 46 Leihgeberinnen, Leihgebern und Sammlungen ausgestellt.

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Wie viele Objekte und Leihgeber gibt es in der Ausstellung?

Anonym

Ausstellung

Wie viele Lehrstühle für Byzantinistik gibt es?

Anonym

Wissenswertes

Heute kann man weltweit in ausgewählten Städten Byzantinistik studieren: darunter sind Städte wie München, Köln, Berlin, Münster, Wien aber auch Belgrad, Istanbul, Moskau, Birmingham, London, Oxford, Cambridge, Paris, Rom, Athen, Princeton, Boston und Melbourne. Weltweit gibt es an die 31 Universitätsinstitute und Forschungszentren. Jedes Institut ist dabei auf andere Themenschwerpunkte ausgerichtet. Das Institut für Byzantinistik und Neogräzistik in Wien lehrt die Fächer mit einem gesamtkulturkundlichen Fokus. Demnach finden Themen aus der Linguistik und Sprachdidaktik, der Philologie und Literaturwissenschaft, der Kunst sowie der Geschichte in der gesamten chronologischen Ausdehnung besondere Berücksichtigung in Forschung und Lehre. 

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Wie viele Lehrstühle für Byzantinistik gibt es?

Anonym

Wissenswertes

Wie wichtig ist Wien für die Byzantinistik international?

Anonym

Wissenswertes

Sehr, international ist Wien eines der größten und wichtigsten Zentren für Byzantinistik. Eine der größten Fachbereichsbibliotheken (mit rund 150 laufenden Periodica und 43.000 Bänden) befindet sich in Wien, am Institut für Byzantinistik & Neogräzistik der Universität Wien.

Momentan läuft hier an der Abteilung Byzanzforschung am Institut für Mittelalterforschung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ein großes Projekt unter dem Titel „Tabula Imperii Byzantini (TIB)“ das sich zum Ziel setzt das Byzantinische Reich in Landkarten darzustellen – eine Art kommentierter Atlas.

Bereits die Habsburger haben sich damit beschäftigt. Der Österreichische Staat besitzt einen großen Schatz an griechischen Handschriften, darum ist die Beschäftigung damit hier so hoch. Die byzantinische Archäologie ist in Wien allerdings unterrepräsentiert.

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Wie wichtig ist Wien für die Byzantinistik international?

Anonym

Wissenswertes

Was ist am Plakat abgebildet?

Anonym

Ausstellung

Die Heilige Helena aus dem Bild einer Leihgabe des Germanischen Nationalmuseums: „Kaiser Konstantin und Kaiserin Helena mit dem Kreuz Christi“ ist abgebildet. Die Ikone stammt vermutlich aus dem östlichen Mittelmeerraum und ist spätbyzantinisch, ca. 14./15. Jhdt. Angelo Monne hat im Hof und in der Ausstellung bekannte Hafenstädte illustriert, Venedig wurde als Hintergrund verwendet.

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Was ist am Plakat abgebildet?

Anonym

Ausstellung

Seit wann gibt es den Begriff „Byzantinisch“?

Anonym

Geschichte

Ab dem 16. Jhdt. Eigentlich verwendeten die Byzantiner selbst den Begriff „Römer“ oder „Rhomäer“. Die Byzantiner haben sich auch nach der Hinwendung zum Christentum auch weiterhin als Nachfolgestaat des Römischen Reiches betrachtet. Das Byzantinische Reich ist folglich geprägt durch die römische Staatsorganisation, die griechische Sprache und Kultur und die christliche Religion.
Der Begriff der „Byzantiner“ entstand im 16. Jahrhundert aus dem Begriff „Oströmer“. Er ist ein Kunstbegriff, der der Bevölkerungsgruppe von außen übergestülpt wurde. „Byzanz“ als Bezeichnung für das Oströmische Reich hat sich auch im 16. Jahrhundert durchgesetzt. Der Begriff wurde von dem deutschen humanistischen Gelehrten Hieronymus Wolf (1516-1580) geprägt.
Als Begründer der modernen wissenschaftlichen Byzantinistik im 19. Jahrhundert gilt Karl Krumbacher (1856 – 1909). Er hatte 1897 den ersten Lehrstuhl für Byzantinistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München inne. Im Vergleich dazu wurde in Wien das Institut für Byzantinistik erst im Jahre 1962 durch Herbert Hunger begründet.

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Seit wann gibt es den Begriff „Byzantinisch“?

Anonym

Geschichte

Das wissenschaftliche Team

Prof. Dr. Beate Böhlendorf-Arslan

Prof. Dr. Beate Böhlendorf-Arslan

Forschungsschwerpunkte: Alltag in Byzanz, Entwicklung von Städten und Dörfern in Byzanz, Siedlungs- und Landschaftsarchäologie in Kleinasien, Keramik, Kleinfunde (Werkzeug, Waffen, Schmuck und andere Alltagsgegenstände), Glas und Münzen

Studium der Vor- und Frühgeschichte, Christlichen Archäologie und Byzantinischen Kunstgeschichte und Vorderasiatischen Archäologie in Heidelberg, Istanbul und Tübingen (Abschluss Magistra Artium mit dem Thema „Die byzantinische Siedlung auf dem Beşiktepe / Türkei“)

Promotion in Heidelberg (Dissertation über „Die glasierte byzantinische und in der byzantinischen Tradition stehende Keramik in der Türkei“

Habilitation in Mainz (Habilitationsschrift „Die mittelbyzantinische Siedlung in Boğazköy. Fallstudie zum Alltagsleben in einem anatolischen Dorf zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert.

Seit 2006 Leitung eines Feldsurveys in der Türkei zur Erforschung des „Spätantiken und byzantinischen Lebens im Naturraum südliche Troas“

Seit 2007 verantwortliche Mitarbeit und seit 2013 Leiterin eines Forschungsprojektes (gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft) zur „Entwicklung der Stadt Assos (Türkei) in der spätantiken und byzantinischen Zeit

Berufliche Stationen:
Assistenz-Professorin in Çanakkele (Türkei)
Wissenschaftliche Mitarbeiterin in Freiburg, in Cottbus und Mainz (an der Universität und am Römisch Germanischen Zentralmuseum)
aktuell: Professorin für Christliche Archäologie und Byzantinische Kunstgeschichte an der Philipps-Universität Marburg

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Prof. Dr. Beate Böhlendorf-Arslan

Dr. Jérémie Chameroy

Dr. Jérémie Chameroy

1976 in Paris geboren, studierte Jérémie Chameroy Geschichte und Archäologie an der Pariser Sorbonne, an der Philipps-Universität in Marburg sowie an der J.W. Goethe Universität in Frankfurt, wo er 2007 über die Münzprägung der Kaiser der valentinianischen Dynastie (364-383) promovierte. Seit 2011 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Kurator der Münzsammlung im Römisch-Germanischen Zentralmuseum (Mainz). Im Auftrag des Deutschen Archäologischen Instituts übernahm er 2008 die Bestimmung und Aufnahme der Fundmünzen der DAI-Grabung in Pergamon. Seine Forschungsinteressen gelten der Münzwirtschaft im hellenistischen Kleinasien sowie im spätantiken bzw. frühmittelalterlichen Westen - mit einer besonderen Vorliebe für die Produktion und Zirkulation von Imitationen und Fälschungen von Münzen im Mediterranen Raum.

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Dr. Jérémie Chameroy

© A. Stockhammer

Prof. Dr. Falko Daim

Prof. Dr. Falko Daim

Geboren am 28. Februar 1953 in Wien. 

Studium der Ur- und Frühgeschichte sowie mittelalterlicher und neuerer Geschichte an der Universität Wien, Promotion zum Dr. phil. 1976.

Habilitiert 1986

Universitätsprofessor 1992

Vorstand des Interdisziplinären Forschungsinstituts der Universität Wien (VIAS Vienna Institute for Archaeological Science) 2000

Seit 1. November 2003 Generaldirektor des RGZM

Initiator des WissenschaftsCampus Mainz: Byzanz zwischen Orient und Okzident und mehrerer Großausstellungen, darunter 2001 „Sein und Sinn – Burg und Mensch“ (Burg Ottenstein und Schloss Waldreichs), 2010 „Byzanz - Pracht und Alltag“ (Bundeskunsthalle Bonn), 2012 „Das goldene Byzanz und der Orient“ (Schallaburg).

© A. Stockhammer

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Prof. Dr. Falko Daim

© A. Stockhammer

Dr. Jörg Drauschke

Dr. Jörg Drauschke

Jörg Drauschke studierte seit 1994 an den Universitäten Göttingen und Freiburg Ur- und Frühgeschichte, Mittelalterliche Geschichte sowie Geologie und wurde 2005 mit einer Dissertation zum Thema „Zwischen Handel und Geschenk – Studien zur Distribution von Waren im östlichen Merowingerreich des 6. und 7. Jahrhunderts anhand orientalischer und lokaler Produkte“ in Freiburg promoviert. Nach einer ersten beruflichen Station am Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg koordinierte er von 2006 bis 2011 die Kooperation „Byzantinische Archäologie Mainz“ des RGZM und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Dem „Leibniz-WissenschaftsCampus Mainz: Byzanz zwischen Orient und Okzident“ gehört er seit 2011 als Vorstandsmitglied an. Er war wissenschaftlicher Koordinator der Ausstellung „Byzanz – Pracht und Alltag“, die 2010 in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn gezeigt wurde und übernahm danach die Stelle des Kurators für die frühmittelalterlichen Bestände des RGZM. Seit 2015 ist er Leiter des Arbeitsbereichs Sammlungen.

Forschungsthemen:

Frühbyzantinische Archäologie (v. a. Kleinfunde), spätantike und frühmittelalterliche Archäologie in Mittel- und Westeuropa, Kontakte, Handel und Austausch zwischen Byzanz und dem Westen vom 5. bis 8. Jahrhundert, Handwerk in Byzanz und dem Westen (Buntmetall, Glas)

 

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Dr. Jörg Drauschke

Dr. Dominik Heher

Dr. Dominik Heher

Geboren 1984 in Melk, studierte Byzantinistik und Neogräzistik und die Unterrichtsfächer Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung sowie Italienisch an der Universität Wien, wo er auch promovierte.

Seit 2010 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz. Gemeinsam mit Falko Daim kuratierte Heher 2012 die Ausstellung „Das Goldene Byzanz & der Orient“ auf der Schallaburg und nun auch das Folgeprojekt „Byzanz & der Westen. 1000 vergessene Jahre“.

Daneben ist er aktuell an einem Forschungsprojekt zur Erfassung mittelalterlicher Anlegestellen entlang der Küsten der Balkanhalbinsel beteiligt. Seine sonstigen Forschungsschwerpunkte betreffen das byzantinische Zeremoniell und politische Rituale.

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Dr. Dominik Heher

o. Univ.Prof. emer. Dr. Dr. h.c. mult. Johannes Koder

o. Univ.Prof. emer. Dr. Dr. h.c. mult. Johannes Koder

1960-1965 Studium an der Universität Wien, Hauptfach Byzantinistik, Nebenfächer Arabistik, Gräzistik, 1965 Dr. phil., Postdoc Studien 1967 Athen, 1970/71 München, 1973 Habilitation “Byzantinistik”, 1977-1978  ao. Prof. Universität Wien, 1978-1985  Prof. Universität Mainz, 1985-2010  o. Prof., Universität Wien

wirkl. Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, auswärtiges Mitglied der Akademie Athen, Mitglied der Academia Europaea

Dr. h.c. der Universitäten Athen, Ioannina und Thrakien

2007-2009 interim. Direktor Österreich.  Archäolog. Institut 

2008-2009 Grabungsleiter  Ephesos

2012-2016 Präsident der Association Internationale des Études Byzantines

2002-2008 Senior Fellow Byzantine Studies in Dumbarton Oaks (Washington)

1996  Kommandeur des Phönix-Ordens der Hellenischen Republik – 2004  Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich – 2010  Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse

12 Monographien und Sammelbände, ca. 240 Artikel, ca. 70 Kurzbeiträge.

Forschungsschwerpunkte: Historische Geographie, bes. Siedlungs-, Wirtschafts- und Bevölkerungsgeschichte des östlichen Mittelmeerraumes im Mittelalter Byzantinisches Alltagsleben, bes. Ernährungskunde, Logistik Östliches Mönchtum und Hymnographie

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o. Univ.Prof. emer. Dr. Dr. h.c. mult. Johannes Koder

Univ.-Prof. Dr. Andreas Külzer

Univ.-Prof. Dr. Andreas Külzer

Geboren am 29. Dezember 1962 in Leverkusen, Deutschland.

1984 bis 1993 Studium der Byzantinistik, der Alten Geschichte, der Mittelalterlichen und Neueren Geschichte an der Universität zu Köln

Studien in Archäologie, Kunstgeschichte, Klassischer Philologie und Ethnologie.

1990 Magister Artium, 1993 Promotion, 1999 Habilitation, 2007 apl. Univ. Professor für Byzantinische Geschichte und Literatur an der Universität zu Köln.

Seit 1997 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien; Mitarbeiter des Langzeitprojektes Tabula Imperii Byzantini, Projektleiter „Kleinasien“, Senior Scientist.

Vorstandsmitglied der Österreichischen Byzantinischen Gesellschaft, Mitglied im Österreichischen Nationalkomitee an der Association Internationale des Études Byzantines

Forschungsinteressen: Byzantinische Geschichte und Literatur / Historische Geographie / Häfen und maritime Netzwerke / Pilgerwesen / Anatolien.

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Univ.-Prof. Dr. Andreas Külzer

Dr. Johannes Preiser-Kapeller

Dr. Johannes Preiser-Kapeller

Geboren 1977 in Zwettl (NÖ). Er studierte Byzantinistik und Neogräzistik sowie Alte Geschichte in Wien und promovierte 2006 mit einer Dissertation zur byzantinischen Kirche.

Seit 2007 ist er an der Abteilung Byzanzforschung (Institut für Mittelalterforschung) der Österreichische Akademie der Wissenschaften tätig, war aber auch an Projekten der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und des Römisch-Germanischen Zentralmuseums beteiligt.

Seine Forschungsschwerpunkte sind die byzantinische Geschichte in der globalen Verflechtung und im Vergleich, Umwelt- und Klimageschichte sowie Netzwerk- und Komplexitätsforschung. Seine jüngste Publikation „Jenseits von Rom und Karl dem Großen“ (2018) beschäftigt sich mit den Beziehungen zwischen Byzanz und anderen Weltregionen zwischen dem 4. und 9. Jahrhundert.

Einen Überblick zu seinen Forschungen bieten die Internetseiten http://johannespreiserkapeller.academia.edu/ und https://www.dasanderemittelalter.net/

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Dr. Johannes Preiser-Kapeller

© Barbara Mair

Prof. Dr. Claudia Rapp w.M. FBA

Prof. Dr. Claudia Rapp w.M. FBA

Seit 2011 Professorin für Byzantinistik an der Universität Wien und seit 2012 Leiterin der Abteilung Byzanzforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Sie ist Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und korrespondierendes Mitglied der British Academy, des Deutschen Archäologischen Insituts und der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. 2015 wurde ihr der Wittgenstein-Preis zuerkannt.

Nach dem Studium in Berlin und der Promotion in Oxford lehrte sie 22 Jahre in den USA, zuerst an der Cornell University, dann an der University of California, Los Angeles. Gastprofessuren und Forschungsstipendien führten sie u.a. nach Princeton, Utrecht, Budapest, Jerusalem, Oxford und Paris.

Ihr Forschungsgebiet ist die Sozial- und Kulturgeschichte in Spätantike und Byzanz.

Mit ihren Teams widmet sie sich der Forschung zu Mobilität, Mikrostrukturen und persönlichen Handlungsspielräumen, zu den byzantinischen Gebetbüchern als Quelle für die Sozial- und Alltagsgeschichte, und zu den Palimpsesthandschriften in der Bibliothek des Katharinenklosters im Sinai.

© Barbara Mair

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Prof. Dr. Claudia Rapp w.M. FBA

© Barbara Mair

Priv.-Doz. Mag. Dr. Andreas Rhoby

Priv.-Doz. Mag. Dr. Andreas Rhoby

Geb. 1974, studierte Byzantinistik und Neogräzistik, Geschichte sowie Deutsch als Fremdsprache an den Universitäten Wien und Athen. Die Ausbildung zum „akademischen Balkanologen“ erfolgte am Institut für den Donauraum und Mitteleuropa.

Er ist Mitarbeiter an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Institut für Mittelalterforschung, und stellvertretender Leiter der Abteilung Byzanzforschung. Er ist außerdem Privatdozent an der Universität Wien und Chair der Kommission Corpus Fontium Historiae Byzantinae (CFHB) und einer der Koordinatoren der Kommission Inscriptiones Graecae Aevi Byzantini (IGAB) der Association Internationale des Études Byzantines (AIEB).

Er ist Autor zahlreicher Monographien und von ca. 100 Aufsätzen und Herausgeber mehrerer Sammelbände. Seine wissenschaftlichen Interessen sind byzantinische Literatur (vor allem Dichtung), Epigraphik, Lexikographie, Byzanz und Österreich und allgemein byzantinische Kulturgeschichte.

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Priv.-Doz. Mag. Dr. Andreas Rhoby

© Marion Rath, Wien

Susanne Rühling M.A.

Susanne Rühling, MA

Nach ihrer ersten Ausbildung in Verfahrenstechnik, absolvierte Susanne Rühling, MA ein Studium der Vor- und Frühgeschichtlichen Archäologie, Kunstgeschichte und Orientalischen Kunstgeschichte in Mainz und Bonn, das sie mit einer Magisterarbeit abschloss. Der Titel ihrer Magisterarbeit lautet: Pan im Buchsbaum - ein Syrinxfund aus Titz-Ameln und beschäftigt sich mit archäologischen Funden von Panflöten aus den nördlichen Provinzen des römischen Reiches.

Als Managerin des bekannten Musiklabels Emmuty Records (www.emmuty.de) für historische und traditionelle Musik hat sie zahlreiche Aufnahmen, Musikgruppen und Projekte begleitet.

Eines ihrer eigenen Projekte ist das Ensemble für frühe Musik Musica Romana (www.musica-romana.de), welches seit seiner Gründung zahlreiche Auftritte in Museen, Universitäten und Konzerthallen in ganz Europa absolviert hat. Es entstanden zahlreiche Aufnahmen für Alben, Radio, Filme und Ausstellungen. Die Gruppe erhielt große Aufmerksamkeit in der internationalen Presse und ihre Musik wird u.a. in didaktischen Materialien für Schulen und Universitäten verwendet.

Zurzeit beschäftigt sie sich mit Richtlinien und Konzepten zur Wiederaufführungspraxis in der Musikarchäologie, sowie deren Umsetzung in der Vermittlung an Museen und Schulen. 

© Marion Rath, Wien

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Susanne Rühling M.A.

© Marion Rath, Wien

Dr. des. Jessica Schmidt

Dr. des. Jessica Schmidt

Studierte Christliche Archäologie und Byzantinische Kunstgeschichte, Kunstgeschichte sowie Philosophie an der Johannes Gutenberg-Universität, Mainz (JGU, Mainz). Sie promovierte zum Thema „Die spätbyzantinischen Wandmalereien des Theodor Daniel und Michael Veneris – Eine Untersuchung zu den Werken und der Vernetzung von zwei kretischen Malern“. 

Zwischen den Jahren 2013 und 2016 war sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt „Dokumentation und Auswertung der griechischen Inschriften Kretas (13.-17. Jh.)“. 

Seit 2016 ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin von Generaldirektor Prof. Dr. Falko Daim am Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM, Mainz).

Seit 2018 ist sie Koordinatorin des DFG-SPP 1630 Häfen (Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf, Schleswig / Römisch-Germanisches Zentralmuseum Forschungsinstitut für Archäologie, Mainz).

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Dr. des. Jessica Schmidt

PD Mag. Dr. Alexandra-Kyriaki Wassiliou-Seibt

PD Mag. Dr. Alexandra-Kyriaki Wassiliou-Seibt

Akademische Abschlüsse (Ort, Jahr):
Mag. phil. (Byzantinistik u. Neogräzistik/MA in Neogräzistik, Geschichte), Wien, 1995
Dr. phil. (Byzantinistik), Wien, 1998
Habilitation (Byzantinistik), Wien, 2014

Wichtige vorherige Karrierestationen (incl. Auslandsaufenthalte):
Washington, D.C., Dumbarton Oaks, Summer Fellowship 2009
Paris, Université Catholique, IFEB, Forschungsaufenthalt Februar 2014
Univ. Ioannina/Griechenland, Visiting Professor via Erasmus, March 2014 and April 2017
Seit 2003 Mitglied des Editorial Board des internationalen Publikationsorgans Studies in Byzantine Sigillography  (gegründet von Nikos Oikonomides)
Seit 2016 Hauptherausgeberin des oben genannten Publikationsorgans
Seit 2014 externes Mitglied der Evaluierungskommission des Department for History and Archeology/University of Ioannina
Seit 2017 externes Mitglied der Evaluierungskommission des Department for History and Ethnology/Democritus University/Komotini, Greece
Seit 2009 Leiterin des Siegelprojekts an der ABF
Seit März 2017 gewählte A. O. Prof. für Byzantinische Geschichte und Sigillographie an der Aristoteles Universität Thessaloniki. Voraussichtlicher Dienstantritt: Oktober 2018

Seit 1999 wissenschaftliche Mitarbeiterin (zunächst via FWF, seit Juli 2007 unbefristet) der ÖAW/ABF.

Derzeitige Einstufung: Senior Staff Scientist (50% Dienstverhältnis)

Derzeitiges Forschungsprojekt: Byzantinische Siegelkunde

Wichtige Publikationen:
Die byzantinischen Bleisiegel in Österreich, 2. Teil, Zentral- und Provinzialverwaltung. Wien 2004 (zusammen mit Werner Seibt, Projektleiter und zweiter Autor)
Corpus der byzantinischen Siegel mit metrischen Legenden. Bd. 1 (Einleitung, Siegellegenden von Alpha bis inklusive My). WBS 28/1 (Wien 2011). Bd. 2 (Siegellegenden von Ny bis inklusive Sphragisma) WBS 28/2 (Wien 2016)
Der byzantinische Mensch in seinem Umfeld. Weitere Bleisiegel der Sammlung Zarnitz im Museum August Kestner. Rahden/Westfalen 2015 (zusammen mit Werner Seibt, zweiter Autor)

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PD Mag. Dr. Alexandra-Kyriaki Wassiliou-Seibt

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Ich wollte fragen was das Elfenbein der Wikinger damals wert war. Sprich, wie viel hat man für 1kg Elfenbein bekommen? Oder wie wurde getauscht? Was wollten die Wikinger dafür haben?

Alex Pintilie

Handel & Seefahrt

Wenn es sich um Elfenbein handeln soll, das die Wikinger nach Konstantiopel vermittelt haben, kann es sich eigentlich nur um Walrosszahn handeln. Wieviel das Wert gewesen sein könnte, kann man so nicht sagen.

Allerdings konnte man zum Elfenbein, das ein paar Jahrhunderte früher (4./5. bis 7. Jh.) vom Mittelmeerraum bzw. Konstantinopel aus in den Westen gebracht wurde, mittlerweile einiges durch jahrelange Forschung herausfinden: Für den Zeitraum zwischen dem 4. und 6. Jh. hat Anthony Cutler der Annahme widersprochen, Elfenbein sei besonders selten, kostbar und teuer gewesen. Der Ansatzpunkt war das unter Diokletian erlassene Preisedikt von 301 n. Chr., das den finanziellen Kollaps des Römischen Reiches aufhalten sollte, indem es Maximalpreise für bestimmte Waren festsetzte. Das römische Pfund Elfenbein sollte demnach 150 denarii kosten – was das Elfenbein relativ günstig erscheinen lässt, denn die gleiche Menge Seide war z. B. 24-mal teurer. Auch wenn dieser Preis besonders niedrig gewählt wurde (da es sich ja um ein Edikt handelt, das der Inflation Einhalt gebieten sollte) und dieser Wert keinesfalls direkt ins 5. und 6. Jh. übertragen werden darf, so kann er aber laut Cutler als Beginn eines Trends aufgefasst werden, der sich in der Spätantike entwickelte. Darüber hinaus, weisen sowohl die Anzahl als auch die zunehmende Größe der erhaltenen Elfenbeinarbeiten des 4. bis 6. Jhs. auf eine große Menge vorhandenen Rohmaterials hin, was bei einer extrem kostbaren Ware nicht zu erwarten wäre. Auch wenn die ursprüngliche Schätzung von Richard Delbrueck , vom 4. bis 6. Jh. könnten „Hunderttausende“ Konsulardiptychen hergestellt worden sein, vielleicht zu hoch gegriffen ist, kann aber davon ausgegangen werden, dass sowohl Diptychen als auch Pyxiden in Serie hergestellt worden sind  – was nicht dem Umgang mit einem Luxusgut entspräche. Vor diesem Hintergrund wird vielleicht auch verständlich, warum im 6. und 7. Jahrhundert elfenbeinerne Ringe in unterschiedlicher Funktion in der weiblichen Kleidung vom langobardischen Norditalien bis ins angelsächsische England doch in beträchtlicher Anzahl verbreitet gewesen sind.

Woher stammte das Gold für die Münzprägungen im Westen, z.B. von Theudebert oder Karl dem Großen?

Andrea Wolf

Handel & Seefahrt

In der aktuellen Forschung ist die Herkunft des Münzgoldes im frühmittelalterlichen Westen ein umstrittenes Thema. Da es in Gallien keine Goldbergwerke gab und der Abbau von Gold in Britannien bzw. auf der iberischen Halbinsel im Frühmittelalter nicht nachgewiesen ist, liegt der Schluss nahe, dass die Merowinger auf externe Ressourcen angewiesen waren. Ein wichtiger Hinweis ergibt sich aus der Fundnumismatik: Münzschätze bzw. Einzelfunde zeigen die weite Verbreitung von byzantinischen Solidi in Nordeuropa, wo sie wahrscheinlich durch den Fernhandel mit dem byzantinischen Reich über die Provence und das Rhône-Tal bis nach Nordgallien bzw. Britannien zirkulierten.

Daraus wurde der Schluss gezogen, dass die Merowinger diese importierten byzantinischen Solidi (die aus beinahe purem Gold geprägt wurden!) recycelt hätten, um ihre eigenen Münzen zu prägen. Dennoch konnten archäometrische Analysen diese These bisher nicht mit letzter Sicherheit bestätigen. Die unscharfen Ergebnisse aus den Metallanalysen dürften darauf hinweisen, dass das eingeschmolzene byzantinische Gold mit anderen Quellen (spätrömischen Solidi, Goldbarren) vermischt wurde, bevor es zur Prägung kam.

Habt ihr auch Kinder nach ihren Meinungen über die Stationen während der Ausstellung gefragt?

Lotte

Ausstellung

Es gibt in der Ausstellung viele Stationen und Hörtexte mit denen wir ein junges Publikum ansprechen wollen und die wir im Vorfeld mit Kindern im Alter von 6 bis 10 Jahren gespielt und getestet haben. Auch für das Mitmach-Heft haben wir uns Feedback von Kindern dieser Altersgruppe geholt. Es liegt im ersten Raum zur freien Entnahme auf, fasst die Ausstellungserzählung zusammen und führt zu Objekten und interaktiven Stationen.

Die Workshops, „Rund ums Mittelmeer“ (ab der 5. Schulstufe) und „Es war einmal…“ (1. bis 4. Schulstufe), haben wir vor Ausstellungsbeginn mit Schulklassen aus Niederösterreich ausprobiert, mit ihnen nachbesprochen und ihre Anregungen einfließen lassen.

Wir wünschen uns, dass junge Besucherinnen und Besucher neugierig auf die Geschichten aus der Vergangenheit werden, dass sie beginnen Fragen zu stellen und mit anderen ins Gespräch kommen. Falls Sie Feedback oder Anregungen haben, wir freuen uns über Erfahrungsberichte aus der Ausstellung!

In der Führung war von der strategischen Diplomatie Byzanz die Rede, die damals als unehrenhaft galt, weil sie die Gegner offen gegeneinander ausspielte, anstatt sie direkt in einem Kampf zu besiegen. Soweit ich informiert bin, hat Machiavelli [...]

Kohki Totsuka

Geschichte & Politik

[...] vom ägyptisch-islamischen Philosophien Ibn Khaldun viel strategisches Denken übernommen, kann es sein, dass Machiavellis Art des Denkens auch von der byzantinischen Staatsphilosophie und der Diplomatiekunst inspiriert war, und gibt es zu diesem Thema ein prominentes Handbuch (z.B. Ratgeber für die Herrscher) aus der byzantinischen Zeit, die man auf Kontinuitäten und Rezeptionen hin untersuchen könnte?

Die Staatskunst der Byzantiner ist zu einem guten Teil ein Erbe des Römisches Reiches, dessen Bürokratie und diplomatischer Apparat bereits hoch entwickelt gewesen waren. Macchiavelli bezieht sich in seinen Schriften stets primär auf antike Sachverhalte, ganz im Geiste seiner Zeit. Die Sache bedürfte einer intensiveren Überprüfung, aber wahrscheinlich lassen sich die Vorbilder seiner
Staatsphilosophie durchaus auch in der römischen Antike finden, ohne Byzanz bemühen zu müssen.
Der bekannteste byzantinische Traktat, der intensiv über die Diplomatie reflektiert (was selten ist!), trägt den Titel "De administrando imperio" und stammt aus der Mitte des 10. Jhs. Es handelt sich dabei um eine Art Handbuch von Kaiser Konstantin VII. für seinen Sohn und designierten Nachfolger und liegt auch in deutscher Übersetzung vor (Klaus Belke/Peter Soustal). Allerdings wurde die Schrift erst im frühen 17. Jh. erstmals ediert und Macchiavelli noch nicht zugänglich. Sehr wohl aber könnten dem italienischen Denker Beispiele aus diversen (bereits bekannten) byzantinischen Geschichtswerken geläufig gewesen sein.

Ist es richtig, dass der heutige Name Istanbul für Byzanz griechischen Ursprungs ist? ("eis ten polin" = "in die Stadt")

N.N.

Geschichte

Seit 1930 trägt die Stadt offiziell den schon zuvor gebräuchlichen Namen "Istanbul". Vermutlich handelt es sich bei der dieser Namensbezeichnung um eine Verballhornung eines byzantinisch-griechischen Ausdrucks "is tin Polin", was nichts anderes als „in die Stadt hinein“ bedeutet. Wenn man im Byzantinischen Reich im allgemeinen von DER Stadt sprach so war immer Konstantinopel gemeint.
Es gibt aber auch eine Theorie, dass sich die heutige Bezeichnung "Istanbul" aus "Islambol" heraus entwickelt hat, was man mit "voll des Islams" übersetzen könnte. Diese Bezeichnung rührt daher, weil Istanbul die Hauptstadt des Osmanischen Reiches wurde und die Sultane dort residierten. Sultan Selim I. führte ab 1517 mit der Eroberung Ägyptens und Syriens den Titel des Kalifen, wodurch die Osmanen auch die Oberhäupter der sunnitischen Muslime wurden und Istanbul somit zu einem bedeutenden Zentrum für Muslime wurde. Allerdings verwendeten die Osmanen auch parallel dazu verschiedene Bezeichnungen für ihre Hauptstadt, unter anderem die osmanisierte Bezeichnung von Konstantinopel: "Kostantiniyye".

Kann es sein, dass Machiavellis Art des Denkens auch von der byzantinischen Staatsphilosophie und der Diplomatiekunst inspiriert war, und gibt es zu diesem Thema ein prominentes Handbuch (z.B. Ratgeber für die Herrscher) aus der byzantinischen Zeit?

Kohki Totsuka

Geschichte

Die Staatskunst der Byzantiner ist zu einem guten Teil ein Erbe des Römisches Reiches, dessen Bürokratie und diplomatischer Apparat bereits hoch entwickelt gewesen waren. Macchiavelli bezieht sich in seinen Schriften stets primär auf antike Sachverhalte, ganz im Geiste seiner Zeit. Die Sache bedürfte einer intensiveren Überprüfung, aber wahrscheinlich lassen sich die Vorbilder seiner Staatsphilosophie durchaus auch in der römischen Antike finden, ohne Byzanz bemühen zu müssen.
Der bekannteste byzantinische Traktat, der intensiv über die Diplomatie reflektiert (was selten ist!), trägt den Titel "De administrando imperio" und stammt aus der Mitte des 10. Jhs. Es handelt sich dabei um eine Art Handbuch von Kaiser Konstantin VII. für seinen Sohn und designierten Nachfolger und liegt auch in deutscher Übersetzung vor (Klaus Belke/Peter Soustal). Allerdings wurde die Schrift erst im frühen 17. Jh. erstmals ediert und Macchiavelli noch nicht zugänglich. Sehr wohl aber könnten dem italienischen Denker Beispiele aus diversen (bereits bekannten) byzantinischen Geschichtswerken geläufig gewesen sein.

Welches ist das älteste Dokument, das über die geografische Herkunft der Orgel berichtet oder Vermutungen anstellen lässt?

Wisgrill Hermann

Alltag

Ein Konstrukteur bzw. Ingenieur im modernen Sinne namens Ktesibios soll im 3. Jahrhundert v. Chr. die Orgel bzw. Wasserorgel erfunden haben.Das Instrument wurde in seiner Schrift hypomnemata beschrieben. Leider wissen wir um diesen Sachverhalt lediglich aus Sekundärquellen, die ursprünglichen Aufzeichnungen des Ktesibios sind heute verloren. Einige Autoren des Altertums berufen sich jedoch auf seine Schriften. Die früheste Erwähnung findet sich bei Philon von Byzantion um die Mitte des 3. Jahrhundert v. Chr. Er verfasste seine Schrift wohl in Alexandreia (Ägypten).

Gibt es einen nennenswerten Einfluss der Perser (heutiger Iran beispielsweise) auf das Byzantinische Reich?

Nikita

Geschichte & Politik

Der Einfluss des persisch/iranischen Kulturraums war in der Tat während der gesamten Dauer des Byzantinischen Reiches beachtlich und kann deshalb hier nur kurz in Grundzügen angeschnitten werden. Das ab dem Jahr 224 n. Chr. von der Dynastie der Sasaniden beherrschte Persische Großreich war (wie schon zuvor unter der Dynastie der Parther) das einzige Nachbarreich, das das Römische bzw. Byzantinische Reich als mehr oder weniger gleichrangige Großmacht anerkannte, dem man auf Augenhöhe begegnen musste. Dies äußerte sich zwar immer wieder in heftigen Kriegen um die Vormachtstellung im Nahen Osten, die insbesondere im 3.-4. und im 6.-7. Jh. n. Chr. tobten, aber auch in wechselseitiger kulturellere Beeinflussung, etwa im Hofzeremoniell und in der bildenden Kunst. So sind iranische Einflüsse auch in Kirchenbauten in Konstantinopel identifiziert worden; im Gegenzug riefen z. B. sasanidische Großkönige auch griechische Philosophen aus Byzanz an ihren Hof. Als hervorragende Lektüre zu dieser Epoche sei das Buch „The Two Eyes of the Earth. Art and Ritual of Kingship between Rome and Sasanian Iran” von Matthew Canepa (aus dem Jahr 2010) empfohlen.

Auch nach der arabischen Eroberung des Iran im 7. Jh. blieb das persische Kulturerbe wirkmächtig, und zwar sowohl bei den Kalifen im islamischen Weltreich (insbesondere unter der Dynastie der Abbasiden, die 762 Bagdad unweit der alten sasanidischen Hauptstadt Ktesiphon als neue Residenz begründeten), als auch im Byzantinischen Reich. So ließ sich Kaiser Theophilos (reg. 829-842) einen Palast im islamisch-persischen Stil in Bryas nahe bei Konstantinopel errichten, auch, um eine Gruppe von Überläufern aus dem iranischen Raum zu beeindrucken, die in der Folge als „Perser“ in die byzantinische Armee eingegliedert wurden. Für die makedonische Kaiserdynastie, die Byzanz zwischen 867 und 1056 beherrschte, wurden in den byzantinischen Quellen neben einer Abkunft von Alexander dem Großen auch eine solche von der Dynastie der Arsakiden, die den Iran und Armenien beherrscht hatten, behauptet. Ein Wissensfeld, in dem den Persern besonders hohe Meisterschaft zugeschrieben wurde, waren die Astrologie und die Astronomie, sodass auch noch im 14. Jh. byzantinische Gelehrte in den Iran reisten, um dort entsprechende Kenntnisse zu erwerben und Texte aus dem Persischen ins Griechische zu übersetzen. Die hohe Stellung des römisch/byzantinischen Reiches in der iranischen Tradition zeigt sich wiederum im klassischen Epos Schāhnāme aus dem 11. Jh., in dem die Welt als ursprünglich aus den drei Reichen Iran, Turan (Zentralasien) und Rum (= Rom/Byzanz) bestehend beschrieben wird.

Kurz gesagt waren Byzanz und die iranische Welt füreinander im gesamten Mittelalter wechselseitig zentrale Quellen der Herausforderung und der Inspiration. Viele dieser Themen wurden im Jahr 2012 schon bei der letzten Byzanz-Ausstellung auf der Schallaburg („Das Goldene Byzanz und der Orient“) vorgestellt, sodass dieser Aspekt diesmal in der Ausstellung leider kaum zur Sprache kommen kann.

Wie lange hat es gedauert bis die Ausstellung fertig war?

Nina Athena Vogt

Ausstellung

Die Recherchen für die Ausstellung begannen bereits 2013, außerdem wurden speziell dafür Tagungen ausgerichtet und Forschungsprogramme aufgesetzt. Die heiße Phase der Umsetzung waren freilich die Jahre 2016 und 2017.

Wie oft wurde erwiesenermaßen versucht West- und Ostkirche wieder zu vereinen?

Anonym

Alltag & Religion

Die Eroberung Konstantinopels durch den Vierten Kreuzzug 1204 markierte (mehr als das sogenannte „Schisma“ des Jahres 1054) die tatsächliche Trennung von Ost- und Westkirche. Schon relativ kurz danach kam es in den 1230er und 1240er Jahren mit den im Exil in Nikaia (heute Iznik in der Nordwesttürkei) herrschenden byzantinischen Kaisern der Laskariden-Dynastie zu Gesprächen über die Wiederherstellung der kirchlichen Einheit, allerdings ohne Erfolg. Die Byzantiner hatten u. a. gehofft, durch eine Union mit dem Papsttum eine Rückgabe Konstantinopels erreichen zu können. 1261 gelang Kaiser Michael VIII. Palaiologos aber überraschend die militärische Rückeroberung der Hauptstadt. Allerdings planten daraufhin verschiedene Mächte in Italien, insbesondere König Karl I. von Neapel und Venedig, einen neuerlichen Kreuzzug gegen Byzanz und wurden dabei teilweise von den Päpsten unterstützt. Um derartigen Plänen zumindest die kirchliche Legitimation zu entziehen, handelte Kaiser Michael VIII. eine Anerkennung der Oberhoheit des Papstes durch die byzantinische Kirche aus, die 1274 auf dem Konzil von Lyon zu einer formellen Union des Kirchen führte. Allerdings stieß sie auf großen Widerstand in weiten Kreisen der Kirche und des Volkes in Byzanz und erwies sich letztlich auch als untaugliches Mittel, um tatsächlich militärische Angriffe aus dem Westen abzuwehren. Deshalb wurde die Union nach dem Tod Michaels VIII. unter seinem Sohn und Nachfolger Andronikos II. 1282 wieder verworfen.

Allerdings sah sich Andronikos II. gegen Ende seiner Regierung in den 1320er Jahren zu neuerlichen Unionsverhandlungen genötigt, diesmal in der Hoffnung, damit militärische Unterstützung durch das Papsttum und westliche Staaten gegen die wachsende Macht türkischer Emirate in Westkleinasien, darunter jenes der Osmanen, zu erhalten. Diese Verhandlungen wurden auch unter seinem Nachfolger Andronikos III. in den 1330er Jahren fortgesetzt. Und da der Druck der Osmanen, die 1352 nach Europa übersetzten, immer größer wurde, führten auch die folgenden byzantinischen Kaiser immer wieder Unionsgespräche (1369 unterstellte sich Kaiser Johannes V. Palaiologos bei einem Rombesuch durch ein Glaubensbekenntnis persönlich dem Papst, was aber ohne weitreichende kirchenpolitische Folgen blieb). Alle diese Verhandlungen scheiterten an konträren Vorstellungen über die Umsetzung der Union: während die byzantinische Seite wesentliche militärische Hilfe forderte als Vorleistung für eine Union der Kirchen, die dann durch Verhandlungen über alle theologischen Streitfragen auf einem allgemeinen Konzil aller Patriarchate (neben Rom und Konstantinopel auch Alexandria, Antiochia und Jerusalem) erreicht werden sollte, verlangten die Päpste die völlige Anerkennung ihrer Oberhoheit und dogmatischen Positionen durch die Ostkirche, bevor es zur irgendeiner Unterstützung gegen die Osmanen kommen könnte. Als die Osmanen dann Konstantinopel selbst bedrohten, sah sich Kaiser Johannes VIII. Palaiologos 1438 jedoch genötigt, persönlich mit einer großen Delegation von kirchlichen Vertretern nach Italien zu reisen, wo nach mehreren Sitzungen in Ferrara und dann in Florenz 1439 wieder eine formelle Union der Kirchen mit weitgehender Anerkennung der päpstlichen Positionen geschlossen wurde. Doch auch diese stieß nach der Rückkehr des Kaisers nach Konstantinopel auf großen Widerstand in Kirche und Volk, insbesondere auch, da die erhoffte militärische Hilfe gegen die Osmanen ausblieb oder wie im Kreuzzug von Varna 1444 scheiterte. Deshalb war auch diese Union de facto gescheitert, noch bevor 1453 die Osmanen Konstantinopel eroberten.

Danach kam es zu Teilunionen mit einzelnen orthodoxen Regionalkirchen (etwa mit der Union von Brest 1596 in Polen-Litauen), die zur Entstehung der sogenannten unierten Kirchen (mit orthodoxem Ritus innerhalb der katholischen Kirche) führten; die Existenz dieser Kirchen wird allerdings von Teilen der Orthodoxie bis heute eher als ein Hindernis für eine allgemeine Einigung angesehen. Zu intensiveren Gesprächen über eine solche kommt es nach der formellen Aufhebung der 1054 ausgesprochenen Bannsprüche zwischen Rom und Konstantinopel im Jahr 1965 immer wieder. Allerdings gibt es dazu innerhalb der orthodoxen Kirchen sehr unterschiedliche Meinungen – während das Ökumenische Patriarchat in Konstantinopel stark auf eine solche Einigung hofft, äußern sich Vertreter des Moskauer Patriarchats sehr skeptisch zu ihren Chancen. Wichtige Grundlagenarbeit leistet auch die in Wien beheimatete, von Kardinal Franz König gegründete Stiftung „Pro Oriente“ (http://www.pro-oriente.at/).

Warum gab es in der Ostkirche kaum Hexenverfolgungen und warum keine Reformation?

Herta Kuna

Alltag & Religion

Verschiedene Arten der Zauberei, insbesondere zur Schädigung von Besitz oder Leib und Leben anderer, wurden schon in der römischen Gesetzgebung vor der Christianisierung des Römischen Reiches zum Teil mit schweren Strafen bis zur Hinrichtung geahndet. Diese Gesetze wurden auch im Byzantinischen Reich übernommen und seitens der Kirche durch weitere Bestimmungen über verschiedene Bußen bis hin zum Ausschluss von der Kommunion oder der kirchlichen Gemeinschaft ergänzt. Dementsprechend wurden auch in Byzanz Fälle von Zauberei vor weltlichen und in späteren Jahrhunderten insbesondere vor kirchlichen Gerichten immer wieder verhandelt und  Angeklagte bei Erweis entsprechender magischer Handlungen verurteilt – allerdings in der Regel zu Haft, körperlicher Züchtigung oder maximal Verbannung und Konfiskation des Vermögens, hingegen nicht zum Tod. Die Umsetzung dieser dennoch schweren Strafen oblag in jedem Fall der weltlichen Gerichtsbarkeit und nicht der kirchlichen. Ergänzend konnten kirchliche Autoritäten weitere Maßnahmen setzen; so wurde eine reumütige prominente Zauberin namens Amarantina um 1350 in Konstantinopel in einem Kloster unter Aufsicht gestellt. Kurz gesagt: Hexerei wurde auch in der byzantinischen Kirche verfolgt, aber mit weniger dramatischen Maßnahmen als während der intensivsten Zeit der Hexenverfolgung in Mitteleuropa zwischen 1550 und 1650. Doch auch für diese Periode hat die jüngere Forschung erwiesen, dass die Rolle der (westlichen) Kirchen dabei nicht dominierend war (so wurde etwa der berüchtigte „Hexenhammer“ des Heinrich Kramer von 1486 seitens der katholischen Kirche nie offiziell anerkannt und einige der wortmächtigsten Gegner der Hexenverfolgung entstammten dem Klerus). Für die Verurteilung und Hinrichtung der Hexen waren in der Regel weltliche Gerichte zuständig; die kirchlichen Inquisitionsgerichte in Spanien oder im Kirchenstaat etwa lehnten die Hexenverfolgung ausdrücklich ab.

Auch die byzantinische Kirche kannte Zeiten heftiger theologischer Auseinandersetzungen, etwa im Bilderstreit im 8. und 9. Jh. oder bei den Debatten um eine Union mit der Westkirche oder die mystische Richtung des Palamismus im 14. Jh., die zu zeitweiligen Spaltungen innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft führten. Dauerhaft hatten sich ja schon davor die „altorientalischen“ Kirchen in Ägypten, Syrien oder Armenien im 5.-6. Jh. von der „Orthodoxie“ Konstantinopels (und damals auch noch Roms) getrennt. Die „Reformation“ ist hingegen nur aus den spezifischen gesellschaftlichen und kirchengeschichtlichen Bedingungen in Mitteleuropa im 16. Jh. zu verstehen. Wesentliche Streitpunkte – der „Alleinherrschaftsanspruch“ des Papstes in Rom (verquickt mit seiner weltlichen Macht als Herr des Kirchenstaates) oder der Ablasshandel – waren in der byzantinisch-orthodoxen Kirche schlichtweg nicht gegeben (die sich außerdem seit 1453 im vom sunnitischen Islam dominierten Osmanischen Reich wiederfand). Nach dem Zerwürfnis mit Rom suchten protestantische Gelehrte hingegen sogar den Kontakt mit der Orthodoxie und interessierten sich für ihre Theologie und Geschichte – als Vertreter eine älteren „Alternative“ zur römischen Kirche.

Wo hat Kaiser Konstantin residiert?

Thomas Kühtreiber

Kaiser

Die Palastanlagen Konstantins des Großen befanden sich auf den höchsten Terrassen der Akropolis von Konstantinopel und bestanden aus mehreren Gebäuden.

Bei weitem nicht alle sind bekannt. Vieles wurde gewiss beim "Nika-Aufstand" 532 zerstört oder fiel jahrhundertelangen Überbauungen zum Opfer. Folgendes ist aber bekannt:

Der Zugang erfolgte über ein Tor (Vorläuferbau des Chalketores) am Augustaion, einem freien Platz direkt vor der (erst nach Konstantin errichteten!) Hagia Sophia. Im Inneren des ummauerten Palastbezirkes könnte schon unter Konstantin der große Thronsaal ("Magnaura") errichtet worden sein - doch gibt es keine Beweise dafür. In unmittelbarer Nähe befanden sich wohl schon im 4. Jahrhundert die Kasernen der Palastgarden und eventuell eine Christuskirche. Direkt an den Kaiserpalast grenzte schon damals das Hippodrom, die Rennbahn, die schon vor Konstantin errichtet worden war. Zwischen Hippodrom und der späteren Hagia Sophia befanden sich die römischen Zeuxippos-Bäder aus dem 2. Jahrhundert.

Verließen die Pilger ihre Familien und wie kamen diese zurecht?

Herta Kuna

Alltag & Religion

Der byzantinische Pilger, das heißt der religiös bewegte Reisende ab dem 6./ 7. Jh., begab sich auf die gesellschaftlich angesehene Wallfahrt, um nach einer vergleichsweise kurzen Zeit wieder zum Heimatort zurückzukehren. Nur Mönche und Heilige hielten sich längere Zeit an den Sakralstätten auf, die „einfachen Menschen“ aber kehrten nach wenigen Wochen oder Monaten, je nach geographischem Ausgangspunkt der Reise, wieder zurück. Um diesen Aspekt zu fördern, gab es Verkürzungen der Reiserouten: im Heiligen Land etwa wurde es schnell unüblich, die entlegeneren Regionen in Galiläa zu besuchen, man konzentrierte sich auf die Region um Jerusalem. Interessante Orte, die ursprünglich nicht an der Route lagen, konnten durch eine bewusste veränderte Tradition dorthin verlagert werden: so wanderten etwa die Städte Sodom und Gomorra vom Südende des Toten Meeres an das Nordende, das an der Pilgerroute lag…

Waren die meisten Pilger Männer?

Herta Kuna

Alltag & Religion

In der Frühzeit des christlichen Pilgerwesens, in der Zeit bis zum 4./ 5. Jh., gab es zahlreiche Frauen aus der Oberschicht, die sich auf die Reise begaben und schließlich am Ziel ihrer Reise länger oder auch dauerhaft verweilten, man denke hier nur an den Damenkreis um den hl. Hieronymus. Zu späterer Zeit entsteht aus den literarischen Quellen heraus der Eindruck, dass die meisten Reisenden Männer gewesen seien. Ein gewisser weiblicher Anteil wird aber nach wie vor vorhanden gewesen sein, insbesondere wenn man bedenkt, dass das Pilgerwesen in Byzanz wesentlich von jenen Menschen getragen wurde, die in relativer Nähe zum Wallfahrtsort siedelten. Eine „Kurzreise“ über 20 bis 30 Kilometer hinweg ließ sich von Männern wie von Frauen durchführen. Die Reisenden, die große Entfernungen zurücklegten, waren ab der mittelbyzantinischen Zeit in aller Regel männlich.

Was war die Rolle der Mehrheit der Frauen?

Herta Kuna

Alltag & Religion

Unter der Voraussetzung, dass Verallgemeinerungen für einen Zeitraum von mehr als tausend Jahren immer etwas problematisch sind, lässt sich folgendes feststellen: Die Rolle der Frau in Byzanz dürfte überwiegend jener entsprochen haben, die wir aus dem westlichen Mittelalter kennen: Betreuung des Haushalts, Kinder, Feldarbeit… Die literarischen Quellen schenken der Frau im Allgemeinen nur wenig Aufmerksamkeit, sie konzentrieren sich eher auf die Frauen der Hofgesellschaft – und auch dies in der frühbyzantinischen Zeit deutlich mehr und ausführlicher als etwa in der Zeit nach dem 11. Jh. Verfügungsgewalt über Haus- und Grundbesitz ist mehrfach belegt. Juristische Quellen betreffen schwerpunktmäßig das Eherecht, hagiographische Quellen sind auf jene Frauen konzentriert, die als Heilige hervorgetreten sind und sich damit von der „Mehrheit der Frauen“ unterschieden. Allein, es gab „Heilige Hausfrauen“ wie beispielsweise die um 903 verstorbene hl. Maria von Bizyē in Ostthrakien, deren Vita Einblicke in den Lebensalltag byzantinischer Frauen gewährt – dies einschließlich der Aspekte häuslicher Gewalt…

Man könnte zwar mit Cyrillus und Methodius mehrere andere Ausstellungen füllen; jedoch warum werden die beiden prominenten Byzantiner (Griechen) nicht einmal erwähnt? (z.B. östlicher Einfluss im Westen)

Dr. Norbert Mair

Ausstellung

Sie haben völlig Recht - Kyrill und Method könnten selbst Gegenstand einer ganzen Ausstellung sein (und waren es auch schon). Das Thema war durchaus angedacht, ist dann aber im notwendigen Prozess der Reduktion angesichts der limitierten Zahl an verfügbarem Raum und Transporten nicht umgesetzt worden, wie etwa auch Byzanz & Skandinavien. Wie Sie beim Besuch der Ausstellung bemerkt haben werden, haben wir die Kontakte zwischen Byzanz und der (vereinfacht gesagt) slawischen Welt kaum angespielt und uns aus den genannten Gründen schwerpunktmäßig auf den deutsch-französisch-italienischen Raum beschränkt und unseren Erzählstrang nach Möglichkeit vereinfacht, um allen Besucherinnen und Besuchern zumindest ein grobes Gerüst der Geschichte mitzugeben und sie auch zur eigenständigen Vertiefung einzelner Themen anzuregen.

Woher kommt die Gabel genau? Scheinbar wurde sie von einer byzantinischen Braut nach Italien/Venedig gebracht. Die Kirche sah in ihr ein Teufelswerkzeug.

Mr. Interest

Wissenswertes

Die Geschichte mit der Gabel ist in ihrer gängigsten Version von Petrus Damiani, einem Kleriker, überliefert. Angeblich soll im späten 11. Jh. die byzantinische Gattin eines Dogen (die Zuordnung an genaue Personen variiert) am venezianischen Hof Aufsehen damit erregt haben, ausschließlich mit einer goldenen Gabel gespeist zu haben. Für ihre Extravaganz, so der Autor des Textes, sei sie von Gott mit einer schweren Krankheit gestraft worden. Es ist nicht ganz klar, ob sich die Kritik darauf bezieht, dass Theodora nicht, wie es im Westen Sitte war, mit Händen und Messer aß, oder ob ihr Besteck vergoldet war. Häufig wird die Stelle als Beleg für die Einführung der Gabel im Westen angeführt. Von einer flächendeckenden Verwendung kann jedoch erst ab dem 13. Jahrhundert gesprochen werden.

When did the organ find its way into the church? Is there a document that tells us about the first church with an organ? Where is the oldest organ in a church? Which church? Where is the oldest functioning organ in a church? Which church?

Aniljeet Baxi

Wissenswertes

Thank you very much for your interesting questions. Our expert Susanne Rühling answered:

Byzanz wurden Orgeln ausschließlich bei weltlichen Zeremonien und Veranstaltungen verwendet. Die akustische Repräsentanz des Kaiserhauses verlangte nach elaborierten Instrumenten von großer Lautstärke, so dass Erscheinen oder der Abgang der Herrscher entsprechend angekündigt und/oder untermalt werden konnten. Ab der Mitte des 8. Jahrhunderts begann Rom, Botschafter an den Fränkischen Hof zu entsenden und ebenso erfolgte dies umgekehrt. Während des 9. Jahrhunderts dann wurde das Amt eines römischen Repräsentanten am Aachener Hof sogar zu einer festen Institution. Die Franken waren von Rom und seinem elaborierten Hofzeremoniell, dessen Vorbild wiederum auf Byzanz fußte, fasziniert. Man tauschte Geschenke aus und die römische Gesangstradition sowie das entsprechende musikalische Repertoire wurden allmählich vom fränkischen Hof adaptiert. Im 8. Jahrhundert vollzog Rom eine geostrategische Neuausrichtung weg vom schwächelnden Byzanz, hin zum Frankenreich. Gleichwohl wurden zwischen Konstantinopel und den Franken häufig Gesandtschaften ausgetauscht. Auf diesem Weg gelangte u. a. eine Orgel als besonders kostbares und seltenes Geschenk in den Westen. Diese sollte nicht nur Eindruck schinden, sondern galt als ein Majestätssymbol, welches bisher noch an keinen westlichen Herrscher ergangen war.

Dieses Diplomatengeschenk erfolgte im Jahre 757 durch den byzantinischen Kaiser Konstantin Kopronymos (reg. 741–775) an den Frankenkönig Pippin den Jüngeren (reg. 751–768). Im Jahr 826 hat nachfolgend dann ein Geistlicher aus Venedig mit vermutlich byzantinischen Wurzeln eine „Orgel nach Art der Griechen“ im Auftrag Ludwigs des Frommen (reg. 813/14–840) in Aachen gebaut. Neben den Erwähnungen dieses Orgelbaus in mehreren Chroniken, gibt es noch einige dichterische Zeugnisse für Orgelbau in Aachen unter Kaiser Ludwig. Die zwei dichterischen Quellen (Ermoldus und Walahfrid) betonen ausdrücklich den Stolz der Byzantiner auf ihre Orgeln. Somit trug der Erwerb einer Orgel für den Aachener Hof zur Steigerung des Prestiges des Westens bei.                                                

Der Besitz eines solchen Musikinstrumentes wurde als ein Zeichen von Macht, Größe und Reichtums angesehen. Ihre anschließende, zunehmende Verbreitung in Kirchen und Klöstern bewirkte dort die Entstehung einer Tradition der allgemeinen Verwendung von Orgeln.                                                              

Einige Forscher sehen den Ansatz der Einbeziehung der Orgel in die Liturgie in den gelegentlichen Aufführungen von Hofmusik in der Hofkirche bzw. die Übertragung des Privilegs dieser Musik auf Bischöfe und Kathedralen. Mitte des 10. Jahrhunderts finden sich erstmals Textstellen, die auf eine Verwendung der Orgel innerhalb der Liturgie schließen lassen. Diese beschränkte sich zunächst auf hohe Festtage und wahrscheinlich auch zur Begleitung beim Vorlesen ausgewählter kirchlicher Schriften. Darin wäre die "früheste Orgel" im Westen enthalten. Wo diese aber genau aufgestellt war, wissen wir nicht. Vermutlich in der kaiserlichen Residenz. Leider ist gerade die erste Frage unglaublich strittig und wird in der Forschung "heiß" diskutiert. Hier seien insbesondere Instrumente aus Skandinavien genannt, wie z. B. in Norrlanda (um 1280) und Sundre (um 1370). Von den beiden Orgeln haben sich u. a. die Gehäuse aus Kiefernholz und die Windlade aus Eiche erhalten. In der Nicolaikirche in Utrecht (Niederlande) ist beispielsweise eine mittelalterliche Blockwerkslade noch erhalten. Eine weitere Orgel, die etwa um 1435 erbaut wurde, ist in der Basilique de Valère in Sion (Schweiz) (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Orgel_der_Basilique_de_Val%C3%A8re)  zu sehen. Sie zählt neben den Instrumenten in Rysum (Deutschland), Kiedrich (Deutschland), Ostönnen (Deutschland) und der Epistel-Orgel in San Petronio zu Bologna (Italien) zu den ältesten spielbaren Orgeln der Welt. Insbesondere die Orgel von St. Andreas ist hier von Interesse, da das Holz ihrer Windladen eine Datierung derselben zwischen 1425 und 1431 zulässt. Viele der über 300 erhaltenen Pfeifen scheinen zudem vor 1500 gefertigt zu sein. Weiterhin existieren Fragmente einer Kleinorgel aus Greifswald (Deutschland), die bei einer archäologischen Grabung im östlichen Marktquatier der Hansestadt gefunden. Gefunden wurden Teile der Windlade aus Holz und Leder aus dem 14. Jh. n. Chr. Die Fragmente der Greifswalder Kleinorgel sind leider recht spärlich, aber geben dennoch einige Hinweise. Gefunden wurden Teile der Windlade aus Holz und Leder, die in das 14. Jh. n. Chr. datieren.

Auch aus der Antike gibt es Funde von Orgeln. Hier sind die Funde dreier Orgeln aus in Aquincum (Budapest / HU), in Aventicum (Avenches/ CH) (vgl. http://www.aquincum.hu/en/muzeumtori/az-aquincumi-kutatas-jeles-kepviseloinek-eletrajza/) und in Dion / GR besonders erwähnenswert.

Wird das Thema "Hesychastischer Streit" bzw. Gregorios Palamas überhaupt angesprochen, irgendwie angedeutet...? Es hat - meiner Einschätzung nach - eine wesentliche Rolle bei den Versuchen der Annäherung im 14. Jh gespielt (Konzil Ferrara-Florenz).

Dr. Vasile Ciobanu

Alltag & Religion

Im Glossar des Ausstellungskatalogs gehören Hesychasmus und Palamismus zu den ca. 70 erklärten Begriffen. Gregor Palamas (ca. 1296-1359) war Athosmönch und der einflussreichste Theologe der spätbyzantinischen Zeit. Im Sinne der orthodoxen Heilslehre, welche die ‘Einheit mit Gott’ (theiosis) als Ziel des menschlichen Lebens sieht, war Palamas ein wichtiger Proponent des Hesychasmus (Griechisch ‘hesychia’=’Stille’). Die mystische Einheit mit Gott wurde mit dem Licht der Verklärung Christi auf dem Berg Tabor verglichen (siehe dazu die Mosaik-Ikone aus Konstantinopel von ca. 1200 in Raum XV) und durch spezielle Gebetspraktiken angestrebt, wie sie im byzantinischen Möchtum schon seit Jahrhunderten bekannt waren und besonders in der Spätzeit unter Athosmönchen praktiziert wurden.

Palamas’ Ansichten und sein umfangreiches theologisches Schriftum wurden insbesondere durch den Mönch Barlaam von Kalabrien (ca. 1290-1348) heftig kritisiert, der beim Konzil von Avignon anwesend war, dort zum Katholizismus konvertierte und später der Griechischleher des italienischen Dichters Petrarca wurde. Zu Palamas’ Anhängern zählte Kaiser Johannes VI. Kantakuzenos (ca. 1295-1383). Das Porträt des Kaisers ist in dem von ihm verfassten Geschichtswerk in Raum XVIII zu sehen, wie er den Vorsitz der Synode von 1351 führt, bei welcher der Palamismus offiziell bestätigt wurde.

Wie lange existiert diese Burg schon?

Ricardo Dahdal

Wissenswertes

Die Geschichte des Renaissanceschlosses Schallaburg lässt sich bis ins 12. Jh. nach Chr. zurückverfolgen. Das Schloss in seiner heutigen Form wurde im Jahr 1570 von einer Burg zum Renaissanceschloss ausgebaut.

Anlässlich einer Schenkung Kg. Arnulfs an das Kloster Kremsmünster 888/89 begegnet erstmals der Fluß "scalaha", es ist jedoch zweifelhaft, ob diese Quelle hierher bezogen werden kann. Seit dem 9./10. Jh. befand sich das Gebiet zwischen Melk und Pielach geschlossen im Besitz der Sieghardinger. Dafür prägte die moderne Geschichtsschreibung den Namen „Pielachgau“, diese topographische Bezeichnung („pago Pielahe“) erscheint 1043 anlässlich einer kaisl. Schenkung an den Babenberger Mgf. Adalbert I. Konkrete schriftliche Quellen zur Schallaburg sind ab/nach der Wende zum 12. Jh. bekannt. Der 1104 in Regensburg erschlagene Sieghard IX., der zuvor als Gf. v. Pongau, Chiemgau und Tengling auftritt, nennt sich erstmals nach Burghausen und Schala. Bislang wird die Errichtung der Burg aber seinem Sohn, dem zwischen 1104 und 1142 in den Quellen genannten Sieghard X. zugeschrieben. Die Gfn. v. Schala sind in zahlreichen Urkunden vertreten. Die nach Schala benannte Linie stirbt bereits 1192 mit Sieghard XI. aus. Die Besitznachfolge wirft bis heute Fragen auf, während der große Besitz an Hzg. Leopold V. fällt, finden sich neben den Landesfürsten auch die Peilsteiner – die 1218 erloschene Nebenlinie der Gfn. v. Burghausen-Schala – und die Gfn. v. Plain als Besitzer der Schallaburg. Mglw. führten die unterschiedlichen Besitzansprüche schon damals zu einer Teilung der Hft., denn später ist eine Hälfte ldfl. Lehen, die andere Hälfte ist freies Eigen. Einer dieser Anteile ist ab 1242 im Besitz der Ottensteiner. In diesem Jahr erscheint die Burg als „castrum“. Kurze Zeit später sitzen verm. bereits die Zelkinger auf der Schallaburg, als 1286 Hzg. Albrecht I. Otto v. Zelking mit der Burg belehnt, wird noch definitiv zwischen beiden Besitzanteilen unterschieden. Ab dieser Zeit erscheinen Burggfn., als erster 1282 ein Friedrich v. Melk. 1456 kommt der Besitz im Erbweg an die Losensteiner. Hans Wilhelm v. Losenstein errichtet ab ca. 1570 den Renaissancebau. 1624/27 gelangt das Schloss, nun freies Eigen, an Georg v. Stubenberg, 1651 an die Frhn. v. Eibeswald, 1662 an die Kletzel v. Altenach. Im 18. Jh. kommen die Frhn. v. Tinti in den Besitz, erst 1940 folgen die Frhn. v. Nagl-Dvornik. Die russische Besatzung ab 1945 verwüstet den Bau, auch die Besitzverhältnisse zwischen 1955 und 1965 fördern den Verfall. 1965 gelangt das Schloss an die Republik Österreich, 1968 an das Land Niederösterreich, das den Bau bis 1974 unter beträchtlichem Aufwand durchgreifend restauriert und revitalisiert.

Quelle: http://www.imareal.sbg.ac.at/noe-burgen-online/result/burgid/1065

Wie waren die Längsachsen der byzantischen Kirchen orientiert, in der römischen Kirche sind die Kirchen seit dem Mittelalter West-Ost orientiert (Altar im Westen), angeblich ist dies seit dem Rolandslied üblich.

Hans Salzer

Wissenswertes

Zu Beginn war die östliche Ausrichtung der Kirchenbauten nicht von Bedeutung. Aber im 5. Jh. wurde es allmählich zur Gewohnheit den Hauptaltar in Richtung Osten auszurichten. Man kann also durchaus von einer Apsisostung sprechen. Freilich lagen die wenigsten Kirchen exakt auf der West-Ost-Achse.

Im 6. Jh. setzte sich die Bauform von gewölbten Zentralbauten durch, die die Langhaus-Bauform der römischen Basiliken allmählich ersetzten und sich als „Kreuzkuppelkirche“ in der Architekturterminologie etabliert hatten. Bei vielen erhaltenen Bauwerken ist die Grundform eines griechischen Kreuzes erkennbar. Der oftmals quadratische Mittelteil (Naos) der Kirche wurde von einer Hauptkuppel bekrönt, die Kreuzarme wurden von kleineren Kuppeln überwölbt. An die Apsis schlossen im Osten gewöhnlich Nebenräume an, die sich bereits im Altarraum (Bema) befanden.  Im oft dreiteiligen Altarraum befand sich die Prothesis, ein Raum für die Ankleide der Priester, und ein Diakonikon, wo die Gewänder und das Kultgerät aufbewahrt wurde. Beide sind oft als eigene gewölbte Räume ausgestaltet. Der Naos wurde im Süden und Norden oft von weiteren Nebenräumen flankiert. Die Frauengalerien befanden sich oft im Obergeschoss. Im westlichen Kirchenraum war oft ein Narthex vorgelagert, der oft als Grablege für die Stifterfamilie der Kirche fungierte. Eine orthodoxe Kirche benötigte keine prächtig ausgestalteten Chöre. Das wichtigste Merkmal einer orthodoxen Kirche ist die Ikonostase, eine geschlossene Bilderwand, die in der byzantinischen Kirche Naos von Bema trennte. Hierbei sei noch angemerkt, dass der Altarraum oft auch durch eine Erhöhung des Bodenniveaus abgetrennt wurde. In Zentralbauten wurde der Altarraum, entgegen der architektonischen Logik, an die dem Eingang gegenüberliegende Wand oder in die angefügte apsidale Ausbuchtung gerückt, um für die Gemeinde Platz zu schaffen.

Warum ist das Weströmische Reich militärisch so schnell zusammengebrochen?

Herbert Gammel

Geschichte & Politik

Im Jahr 395 wurde das gemeinsame Römische Reich (West- und Ostrom) von zwei gleichberechtigten Kaisern regiert. Im Osten beschlossene Gesetze galten auch im Westen und vice versa. Grundsätzlich kooperierten die beiden Höfe, auch wenn bisweilen Konkurrenzgedanken ufkamen. Grundlegend änderte sich die Situation erst im Jahre 476, als der letzte weströmische Kaiser Romulus „Augustulus“ vom skirischen (oder thüringischen) Heerführer Odoaker abgesetzt wurde. Germanische Generäle in römischen Diensten hatten eben schon längere Zeit die Fäden der Politik in der Hand gehabt, doch nun wurde die Herrschaft ganz formell übernommen. Schon Romulus „Augustulus“ war von Konstantinopel nicht mehr anerkannt worden, weil sein Thron eigentlich Julius Nepos zustand. Odoaker setzte dem System des Kaiserkollegiums nun ein Ende und gab sich mit dem Titel eines Königs von Italien (rex Italiae) zufrieden. Damit stellte er sich klar unter den in Konstantinopel regierenden Kaiser (augustus) Zenon, von dem er schlussendlich auch anerkannt wurde. Für die Zeitgenossen hieß das, dass die Herrschaft über das Gesamtreich wieder einem einzigen Kaiser zugefallen war, und zwar jenem, der in Konstantinopel regierte. Dass dieser keinen realen Zugriff auf die westlichen Provinzen hatte, spielte dabei ideologisch gesehen (noch) keine Rolle. Man ging zunächst wohl auch nicht davon aus, dass die römische Herrschaft nicht mehr wiederhergestellt werden könnte.

Wenn man die Gründe sucht, die zum Untergang des Weströmischen Reiches geführt haben, fallen einige Erscheinungen auf, die das Problem zumindest annähernd erklären. Einige Historiker meinen, in der Aufnahme von Nichtrömern in die Verwaltung und von nicht-römischen Heerverbänden in die römische Armee einen deutlichen Hinweis auf den Niedergang des Römischen Reiches entdeckt zu haben. Zunächst bietet sich der Rückgang der Bevölkerung als Erklärung dafür an. Der römische Staat war aufgrund seines Personalmangels darauf angewiesen, andere Bevölkerungsgruppen an der Macht zu beteiligen. Hierfür scheinen vor allem ein Geburtenrückgang, die zahlreichen äußeren und inneren Kriege, Krankheiten und Seuchen verantwortlich gewesen zu sein.

Was weiß man über die Übersetzungsschulen und den griechisch-lateinisch-arabischen Wissenstransfer in Byzanz? Kann man sich unter "Übersetzungsschulen" tatsächlich eine Schule vorstellen, oder handelte es sich dabei mehr um Netzwerke?

Anna Maria Steinkress

Wissenswertes

Als sich unter den Kalifen der Abbasiden-Dynastie (ab 750), die 762 Bagdad als neue Hauptstadt gründeten, das Interesse am Wissen der Griechen intensivierte, folgten sie dabei wie auch in anderen Aspekten dem Vorbild der persischen Sasaniden-Dynastie (die den Irak und den Irak vom 3. Jh. bis zur arabischen Eroberung im 7. Jh. beherrscht hatte); schon einige von deren Großkönigen hatten aktiv die Sammlung und Übersetzung von Texten der Nachbarkulturen (u. a. Rom-Byzanz, Indien) unterstützt. Neben den Kalifen selbst förderten auch Mitglieder der Elite wie die von buddhistischen Klostervorständen in Balch (im heutigen Afghanistan) abstammende Familie der Barmakiden Gelehrte mit verschiedenen sprachlichen Hintergründen und die Übersetzung von Texten (etwa am von ihnen gestifteten Hospital in Bagdad). Eine heftige Debatte besteht allerdings über die tatsächliche Institutionalisierung der Übersetzungstätigkeit, die oft mit dem sogenannten „bait al-ḥikma“ (dt. Haus der Weisheit) verknüpft wird; Kalif al-Mamun soll es um 825 zu einer regelrechten Akademie mit einem Personalstand von bis zu 90 Personen ausgebaut haben. Doch ist das Interesse insbesondere an wissenschaftlichem und medizinischem klassisch-griechischen Schriftgut für die Zeit des al-Mamun zwar gut belegt (so soll er auch versucht haben, den berühmten Mathematiker Leon aus Byzanz abzuwerben), die Evidenz für eine quasi offizielle akademische Funktion des bait al-hikma jedoch nicht eindeutig. Deutlich sichtbar werden hingegen verschiedene auch miteinander verbundene, von einzelnen Herrschern und Mächtigen geförderte Gruppen, wobei insbesondere auch Gelehrten der syrischen Sprache als Vermittlern zwischen dem Griechischen und dem Arabischen eine besondere Rolle zukam. In der Wiener Byzantinistik gibt es derzeit auch zwei vom European Research Council geförderten Projekte („Reassessing Ninth Century Philosophy. A Synchronic Approach to the Logical Traditions“ von Christophe Erismann an der Universität Wien; “Transmission of Classical Scientific and Philosophical Literature from Greek into Syriac and Arabic” von Gregory Kessel an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften), die sich diesen Austausch- und Übersetzungsbewegungen und der Frage „wer wie was warum übersetzte“ widmen.

Eine intensivere Übersetzungstätigkeit aus dem Lateinischen ins Griechische ist in Byzanz wieder im 13. und 14. Jh. zu beobachten, wobei das Interesse einzelner Gelehrter insbesondere philosophischen Texten, etwa der Scholastik (z. B. Thomas von Aquin) galt; einige von ihnen standen auch im Kontakt mit in Konstantinopel tätigen Dominikaner-Mönchen, etwa Demetrios Kydones (1324-1397/1398), der bei ihnen Latein lernte und später zum katholischen Glauben konvertierte. Zu einer Institutionalisierung kommt es hier am ehesten von lateinischer Seite eben durch die Dominikaner-Konvente, die im Sinne einer Auseinandersetzung mit der byzantinischen Orthodoxie aktiv den Erwerb von Sprachkenntnissen durch ihre Ordensmänner und die Übersetzung von griechischen Texten (bzw. eben die Vermittlung lateinischer Sprachkenntnisse an Byzantiner) förderten.

Gibt es ein konservatorisch unbedenkliches Licht für Ausstellungen?

Harald Richter

Ausstellung

Eine Maßeinheit, mit der die Beleuchtungsstärke gemessen wird, heißt „Lux“ (lat. „Licht“). Licht kann Materialien irreversibel schädigen, abhängig von der Beleuchtungsdauer und der Helligkeit. In manchen Ländern ist statt Lux die Einheit Footcandle gebräuchlich. Eine Footcandle entspricht 10,76 Lux. Da Materialien über unterschiedliche Lichtempfindlichkeit verfügen, variieren die Vorgaben für Lichtmengen, denen Museumsobjekte ausgesetzt werden können. Für besonders empfindliche Materialien wie Papier, Textilien, oder gefärbtes Leder werden in Ausstellungen meist 50 Lux und weniger für einen begrenzten Zeitraum empfohlen. Auf jeden Fall sollten in Vitrinen selbst keine Wärme produzierenden Lichtquellen zum Einsatz kommen. Ganz wichtig ist dabei, dass die Lichtquellen frei von UV-Strahlen sind. Daher ist man dazu übergegangen LED Beleuchtungskörper, welche UV-frei sind oder Halogenstrahler mit UV-Filter zu verwenden.

Welche Motivation hatte Mehmed II. zur Eroberung Konstantinopels? Stimmt es, dass Mehmed II. alle Menschen über sechs Jahren ermorden ließ? Was geschah nach der Eroberung?

Johannes Eugen

Geschichte & Politik

Als Mehmed mit dem Tod seines Vater Murad II. 1451 die Regierungsgeschäfte übernahm, war er gerade einmal 18 Jahre alt. Die zeitgenössischen Chronisten beschreiben ihn gerne als jungen Abenteurer. In seinem Kopf geisterten die Geschichten der großen Eroberer Caesar und Alexander herum. Wie sie wollte auch er als Eroberer in die Annalen eingehen. Man darf sich Mehmed gleichzeitig aber nicht als blutrünstigen Eroberer vorstellen. Er hatte einen äußerst scharfsinnigen Verstand, studierte Texte über Geographie, Geschichte, Kriegsführung aber beschäftigte sich auch mit diversen Sprachen. Laut zeitgenössischen Quellen soll er sowohl Persisch, Arabisch als auch Griechisch und Latein gesprochen haben.

Die Osmanen konnten sich recht rasch auf dem Gebiet des Byzantinischen Reiches etablieren. Es folgten viele Eroberungen, die charakteristisch für das schnelle Wachsen des Osmanischen Imperiums waren und sind: 1326 wurde Bursa erobert und zur neuen Hauptstadt ausgerufen, 1337 folgte die Eroberung Nikomediens, dem heutigen Izmit, und schließlich wurde Adrianopel, die heutige Stadt Edirne, 1361 eingenommen und zur neuen Hauptstadt proklamiert. Das einstige Kerngebiet des Osmanischen Reiches war so groß wie das heutige Belgien, doch durch die zügigen Eroberungen im Laufe der Zeit umfasste das Osmanische Reich bald weite Gebiete des Byzantinischen Reiches, Teile der heutigen Türkei sowie Teile des Balkans. Einzig Konstantinopel trotzte den häufigen Angriffen der Osmanen und lag wie eine uneinnehmbare Insel mitten im „osmanischen Meer“. Konstantinopel hatte natürlich den Ruf einer uneinnehmbaren Festung. Dass Mehmed sich trotzdem die Eroberung der Stadt zum Ziel setzte hat auch mit der Ideologie der Osmanen zu tun:

Seit jeher war Konstantinopel für die Osmanen „der Goldene Apfel“ bzw. „der Rote Apfel“ schlechthin gewesen. Der Goldene Apfel ist ein Mythos in der türkischen Geschichte. Er beschwört den Eroberungswillen des Osmanischen Reiches. Zuerst war Konstantinopel für die Osmanen der Goldene Apfel und später nahmen Städte wie Rom oder Wien diesen Status ein. Es handelte sich also um bedeutende Städte, die es mit Allahs Hilfe zu erobern galt.

Der junge Mehmed durchdachte alles genauestens: Mit dem Königreich Ungarn und mit Venedig vereinbarte er am 20. September 1452 einen Waffenstillstand, um sicherzugehen, dass sein Plan Konstantinopel zu erobern nicht durchkreuzt wurde. Während es durchaus Berater gab, die zu bedenken gaben, dass ein Angriff auf Konstantinopel einen erneuten Kreuzzug zur Folge haben könnte und daher für einen Friedensschluss plädierten, sprachen sich andere für eine Annexion der Stadt aus. Die Osmanen benötigten keinen Kriegsgrund um einen Angriff auf die Stadt zu unternehmen. Tatsächlich lieferten die Byzantiner selbst mehrere Gründe: Der Kaiser Konstantin XI. Palaiologos schickte byzantinische Gesandte an den Hof des Sultans, die sich aufgrund der vermeintlich ausgebliebenen Unterhaltszahlungen für Prinz Orhan beschwerten, einem Halbbruder und Thronrivalen Mehmeds, der sich in Konstantinopel aufhielt. Sie drohten dem Sultan Prinz Orhan der Stadt zu verweisen, im Falle der Nichterbringung der doppelten Zahlungen. Eine weitere byzantinische Delegation beklagte sich beim Großwesir über die Festung Rumeli, die auf europäischem Boden und damit auf byzantinischem Grund erbaut worden sei. Man verlangte die unverzügliche Räumung der Festung, stellte der Bau doch eine Bedrohung des Handelsverkehrs dar. Ihrer Aufforderung unbeachtet kehrte die byzantinische Gesandtschaft nach Konstantinopel zurück und Sultan Mehmed II. hatte nun einen vermeintlichen Grund für eine Kriegserklärung.
Nach der Eroberung der Stadt am frühen Morgen des 29. Mai 1453 überließ Mehmed die Stadt seinen Soldaten, so wie es das osmanische Kriegsrecht vorsah. Es war ihnen gestattet, Kirchen und Klöster zu plündern, Frauen zu schänden, Sklaven zu erbeuten. Der Westen prägte vor allem das spätere Bild des blutrünstigen Eroberers, was auch durch die so genannten „Türkendrucke“ Verbreitung fand. 

Die Eroberung Konstantinopels war für Mehmed II. Fatih („der Eroberer“) ein symbolischer Sieg sondergleichen. Lange Zeit hatte die Stadt zu den größten urbanen Zentren Europas gezählt. Kostantiniyye, so ihr unter den Osmanen gebräuchlicher arabischer Name, wurde islamisiert und erlebte als neue Hauptstadt des aufstrebenden Reiches einen ungeheuren Aufschwung. Byzantinische Traditionen prägten das Stadtbild aber auch weiterhin. Die Hagia Sophia war für Mehmed ein Symbol des Triumphes. Er ritt in die Kirche ein, ließ sie zur Moschee weihen und mit Minaretten versehen. Mehr noch wurde die einst größte Kirche der Christenheit gar zum zentralen Vorbild für den Bau großer Moscheen.

Mehmeds Ziel war es auch die griechischen Elemente in der Stadt zu erhalten, so konnten die Menschen ebenso ihrem gewohnten alltäglichen Leben nachgehen. Gegen Entrichtung einer Kopfsteuer durften die Menschen auch ihre Konfessionen und Glaubensüberzeugungen beibehalten.  Mehmed versuchte sogar jenen Großadmiral Großherzog Lukas Notaras mit der Verwaltung der Stadt zu betrauen. Wahrscheinlich war es dem Sultan auch ein Anliegen durch den Erhalt und die Förderung der griechischen Kultur die Wirtschaft und den Handel erneut anzutreiben, was mit der Integration der Griechen in seine Verwaltung bestenfalls gelingen konnte. Doch dies misslang aufgrund der von Mehmeds Beratern gesponnenen Intrigen, die ebenso die Hinrichtung des Großadmirals mitsamt seiner Familie veranlassten. Daraufhin ließ Mehmed aber Gennadios Scholarios, jenen Kenner der westlichen Philosophie und Theologie, zu sich beordern und ernannte ihn zum ersten ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel.

Wie war es möglich, dass Einwohner einer eroberten Region die neuen Herrscher kennen? - es kann ja jeder kommen und sagen: jetzt bin ich der Chef!

Ludwig Piribauer

Kaiser

Die Herrscher lernte man nicht kennen, man wusste von ihnen dank der „Oral poetry“; man kannte freilich ihre lokalen Stellvertreter, die von großem Einfluss waren: ein gütiger Repräsentant vor Ort vermochte ebenso das Bild der „neuen Herrscher“ zu beeinflussen wie ein grausamer, ungerechter oder willkürlich agierender Stellvertreter.

Wie konnte man damals neue Gesetze verbreiten, oder bei Heerfahrten die "Gegner" kennen, die Menschen informieren - wer konnte damals lesen oder schreiben?

Ludwig Piribauer

Alltag

Gesetze verbreiteten sich über das „Hörensagen“ und allgemeine Lebenserfahrungen, auch über Verlautbarungen in den Siedlungsgemeinschaften: das gesprochene Wort war immens wichtig.  Gegner lernte man zumeist nicht persönlich kennen, es gab in den Köpfen diffuse Feindbilder, die sich dann im Konfliktfall gewaltsam entluden. Lesen und Schreiben konnten ziemlich viele Menschen in Byzanz, weit mehr als in der westlichen mittelalterlichen Welt: es gab Schulunterricht auch in kleineren Siedlungen, Elementarkenntnisse wurden teilweise auch an Mädchen vermittelt.

Was ist der Unterschied zwischen Babylon und Byzanz?

Bettina Forcher

Wissenswertes

Babylon ist ein Stadtstaat am Fluss Euphrat im Gebiet des heutigen Iraks mit einer Blütezeit zwischen 1800 vor und 100 n. Chr. Die Bewohner Babylons verehrten besonders den Stadtgott Marduk, er war nach Bestimmung des Herrschers Hammurapi (1792-1750 v. Chr.) oberster Gott der babylonischen Götterwelt.

Byzanz ist die moderne, vom Namen der Hauptstadt abgeleitete Bezeichnung des Oströmischen Reiches mit den Kerngebieten in der heutigen Türkei, in Griechenland und Bulgarien. Das Reich hatte von 330 bis 1453 n Chr. Bestand. Die Einwohner waren Christen, auch wenn sie sich über die Auslegung der heiligen Schriften gelegentlich stritten.

Daher besser die Frage, wo sind die Gemeinsamkeiten? Beide teilen sich ihren schlechten Ruf, der ihnen nachträglich oder von auswärtigen Protagonisten verliehen wurde. Im Neuen Testament, in der Offenbarung des Johannes (Offb 17 und 18) gilt Babylon als Hort der Sünde, als dekadent und gottesfeindlich. Im 18. Jh. beschrieb der britische Historiker Edward Gibbon (1737-1794) Byzanz als dekadente orientalische Despotie, was dem Ruf des Oströmischen Reiches lange anhaftete, aber heute unumstritten widerlegt ist.

Woher stammte das Interesse für die Entstehung dieser Ausstellung in der Nähe von Wien? Was ist die Rolle der österreichischen Byzantinistik in Wien gewesen? Man sollte etwas über die reiche Vergangenheit der hiesigen byzantinischen Forschung vermitteln.

Anonym

Ausstellung

Dass die Ausstellung auf der Schallaburg gezeigt wird, ist gewissermaßen eine direkte Folge des Erfolges der Vorgängerausstellung "Das Goldene Byzanz & der Orient" im Jahre 2012. Die Nähe zu Wien als einem der wichtigsten Orte byzantinistischer Forschung bot in beiden Fällen natürlich als optimale Voraussetzung.
Die Forschung und Forschungsgeschichte spielen in der Ausstellung zugegebenermaßen eine untergeordnete Rolle, weil wir das Hauptnarrativ auf die umfangreichen historischen Inhalte zugeschnitten haben. Allerdings bieten die gefilmten Interviews mit Forschern aus Wien (aber auch aus Mainz) durchaus einen Blick in die Gegenwart der Forschung und die Tradition der etablierten Forschungsinstitutionen. Das ist aber natürlich eine optionale Vertiefungsebene für jene Besucher, die mehr über die Hintergründe der Forschung erfahren
möchten.

Haben die Byzantiner die perspektivische Darstellung entwickelt und der Westen es bis heute als seine Errungenschaft propagiert?

Peter Haselmayer

Wissenswertes

Die Perspektive ist ein konstruierendes Darstellungsmittel. Es wurde von Künstlern der Renaissance  (1400 - ca. 1620) entwickelt. Die Menschen entwickelten ein neues Selbstverständnis und ein neues Weltbild, mit dem sie eine neue Realitätssicht entwickelt haben. Dadurch wurden das mittelalterliche Denken und starre Konventionen durchbrochen. Die Kunstwerke des Mittelalters waren neben einer flächigen Darstellung auch von figürlicher Starrheit geprägt. Mit der byzantinischen Ikonographie hatten sich gewisse starre Normen in der europäischen Kunst etabliert. Zwar waren die Künstler in der Beobachtung der Natur sehr geschult, allein fehlte ihnen das mathematische Verständnis das Gesehene in eine räumlich konstruierte Perspektive zu übertragen.
Die italienische Renaissance brachte viele Künstler hervor, die in dieser Hinsicht ihren nördlichen und südlichen Kollegen einige Jahre voraus waren. Als Erfinder perspektivischer Konstruktionsmethoden gilt der Baumeister und Bildhauer Filippo Brunelleschi aus Florenz (1377 - 1446). Nördlich der Alpen war Albrecht Dürer (1471 - 1528) einer der ersten Maler, der die Konstruktion der Perspektive für sich entdeckt hatte.
Allerdings kann man bereits bei einigen illusionistischen Wandmalereien im alten Rom von einer perspektivischen Darstellungsweise sprechen. Die Byzantiner haben die antike Darstellungsweise von (beobachteten) plastischen Körpern übernommen, was sich insbesondere in der byzantinischen Mosaikkunst manifestiert hat. Der Westen war von der byzantinischen christlichen Licht-Metaphysik insofern beeinflusst, als dass dort rein flächigen Darstellungsweisen und damit verbunden starre Konventionen vorherrschten. Daher führte der Verlust jeglicher Räumlichkeit zur prinzipiellen Vereinheitlichung von Figur und Grund. Aber es ist auf jeden Fall sicherer zu behaupten, die perspektivische Darstellung ist in ihrer vollen Ausprägung erst in der Renaissance entstanden, als bereits schon in der Antike.
Die byzantinische Architektur hat ebenso einige Neuerungen mit sich gebracht. Das System des Zentralbaus hat in Byzanz eine entscheidende Rolle gespielt und hat von dort aus die orthodoxen Balkanländer und weite Teile Russlands erobert. In kleineren Kirchenbauten ist die byzantinische Zentralbauweise im Mittelalter auch nach dem Westen vorgedrungen.


 

Seit wann ist der Hl. Georg nicht mehr heilig? Wer hat das veranlasst und mit welcher Begründung?

Sigenot Hartl

Alltag

Der Hl. Georg soll im 3./4. Jh. n. Chr. während der Regierungszeit Kaiser Diokletians (reg. 284 - 305) gelebt haben. Er wurde in Kappadokien als Sohn vornehmer Eltern geboren. Da er sich schon als Knabe für das Militär begeistern konnte, wurde er später Offizier und hoher Beamter unter Kaiser Diokletian. Er soll als besonders tapfer und unerschrocken gegolten haben. Als die Christenverfolgung ausbrach, stand Georg tapfer zu seinem Glauben, obwohl er grausame Folter erdulden musste. Dennoch bewies er Mut und Durchhaltevermögen und betete sogar für seine Peiniger, woraufhin der erzürnte Kaiser ihn - da er Georgs Willen nicht brechen konnte - enthaupten ließ.

In den deutschsprachigen Ländern verehrt man Georg als einen der vierzehn Nothelfer. Er gilt zudem als Schutzpatron Englands, mehr als 150 Kirchen sind dort nach ihm benannt. Auch König Richard Löwenherz hatte ihn zu seinem persönlichen Schutzpatron erwählt. Der heilige Georg gilt als Schutzpatron der Reiter und der Bauern. Er wird als Ritter mit der Lanze, einen Drachen tötend, dargestellt. Im Jahr 2005 wurde der Hl. Georg vom Tiroler Landtag zum neben dem Hl. Joseph zum zweiten Landespatron erklärt.

Es ranken sich im Allgemeinen viele Legenden und Mythen um den Hl. Georg. Als die römisch-katholische Kirche als eines der Ziele des Zweiten Vatikanischen Konzils eine Reform des Heiligenkalenders im Jahr 1969 durchführte, entschied man den Hl. Georg aus dem katholischen Generalkalender zu streichen. Dies geschah aufgrund der legendären Person des Hl. Georgs - man war sich einfach nicht mehr sicher, ob denn der Hl. Georg tatsächlich gelebt und gewirkt hat. 1975 revidierte man aber diese Entscheidung und der Hl. Georg wurde erneut in den Heiligenkalender aufgenommen. Sein Gedenktag ist bei den meisten christlichen Kirchen der 23. April. In der orthodoxen Kirche wird der Hl. Georg auch als Groß - bzw. Erzmärtyrer verehrt. 

Darstellungen vom Hl. Georg, der auf einem Schlachtross sitzt und einen Drachen tötet, waren häufig in der Mittelmeerregion anzutreffen. Dessen Kampf mit dem Drachen wurde oft als Allegorie auf den Kampf zwischen Christentum und Islam umgedeutet. Er war daher eine zentrale Figur im Weltbild der christlichen Kreuzfahrer.


 

Warum kamen im Mittelalter die antike Schriften in arabischen Übersetzungen über Spanien nach Europa und nicht direkt aus Byzanz?

Helmut Zeisel

Wissenswertes

In der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts begann sich das arabische Kulturgut bei de verschiedenen unterworfenen Völkern durchzusetzen. Die "Klammer" des Islam hielt zunächst die verschiedenen unterworfenen Völker, wie Afrikaner, Perser, Ägypter u. a. zusammen. Mit Hilfe der Religion schufen die Araber gewissermaßen eine neue Kultur. Der Koran durfte nämlich nicht übersetzt werden, weshalb die arabische Sprache und Schrift überall vorherrschend wurden.

In den ehemals byzantinischen Regionen Palästina und Syrien lässt sich eine relative kulturelle Kontinuität verfolgen, zumal die arabischen Eroberer großes Interesse an der griechischen Bildung hatten, weswegen wissenschaftliche Übersetzungsschulen begründet wurden, die die griechichen aber auch lateinischen Texte ins Arabische übersetzten. Tatsächlich datieren einzelne Übersetzungen ins Arabische bereits ins 7. Jh.

Die Offenheit der Araber gegenüber dem geistigen Erbe der verschiedenen Traditionen und Kulturen drückte der Gelehrte al-Kindi (gest. um 870) folgendermaßen aus: "Wir sollen keine Scham empfinden, die Wahrheit anzuerkennen und zu verarbeiten, von welcher Quelle sie auch zu uns kommt, selbst wenn sie zu uns von früheren Geschlechtern und fremden Völkern gebracht wird. Für den, der die Wahrheit sucht, gibt es nichts von höherem Wert als die Wahrheit selbst; niemals erniedrigt oder demütigt sie ihn, der nach ihr sucht, vielmehr erhöht und ehrt sie ihn." (Zitiert nach: T. Al Samman - O. Mazal, Die Arabische Welt und Europa. Ausstellung der Handschriften- und  Inkunabelsammlung der Österreichischen Nationalbibliothek. Graz 1988, 33f.)

Durch die die Tätigkeit dieser Schulen wurde eine Unzahl von Werken ins Arabische übertragen. In vielen großen Städten wie in Bagdad (zum Beispiel das Haus der Weisheit "Bayt al-Hikma", im 9. Jh. begründet durch den Kalifen al-Ma'mūn), Damaskus, Kairo, Alexandria, Toledo oder Cordoba entstanden Zentren wissenschaftlicher Forschung. Europa empfing im Laufe des Mittelalters unzählige Impulse aus der arabischen Welt, was für die Entwicklung der neuzeutlichen abendländischen Wissenschaften wie der Medizin, Physik, Mathematik oder auch der Geographie von größter Bedeutung war. Dieser Kulturtransfer erfolgte aber nicht nur über Spanien.

Auch am Beispiel Siziliens ist dieser Kulturtransfer recht gut darstellbar. Bis zum Jahr 827 hatte Sizilien zum Byzantinischen Reich gehört. Im 7. Jh. hatten die Byzantiner Griechisch als Amtssprache eingeführt. Sizilien hatte bis 878 zum Byzantinischen Reich gehört, danach wurde allmählich das Emirat von Sizilien mit der Hauptstadt Palermo begründet, ehe es beginnend mit dem Jahr 1060 unter normannische Herrschaft gelangte.  Das normanische Sizilien blieb dreisprachig, wodurch auch der Kontakt zum Byzantinischen Reich aufrechterhalten wurde. Auf Sizilien wurden Texte zumeist aus dem Lateinischen direkt ins Griechische übersetzt. Manchmal musste man sich aber arabischer Texte bedienen, wenn keine lateinischen Textvorlagen mehr existierten.
Beginnend mit der der Reconquista Andalusiens erfolgte die Übersetzungstätigkeit von oftmals jüdischen Gelehrten, die auch lateinische antike Autoren übersetzten. In Toledo errichtete man 1085 die bekannte Übersetzerschule von Toledo in der Kathedralbibliothek, wo vor allem auch Gerhard von Cremona wirkte.
Im 14. Jahrhundert intensivierte sich in Italien das (nie erloschene) Interesse an der Antike und den Texten der Griechen und Römer. Einer der Initiatoren der „Wiederbelebung“ der Antike war Francesco Petrarca (1304-1374) aus Arezzo in der Toskana. Auch sonst wurde diese Region zu einem Zentrum des „Humanismus“, insbesondere mit Florenz, wo sich bereits 1397 der aus Konstantinopel kommende Gelehrte Manuel Chrysoloras niederließ und begann, Griechisch zu unterrichten. Er ist ein Beispiel für jene Gelehrte aus Byzanz, die schon in den Jahrzehnten vor der osmanischen Eroberung Konstantinopels 1453 den Weg nach Italien fanden. Die seit dem späteren 14. Jh. prekäre politische und wirtschaftliche Lage des Byzantinischen Reiches angesichts der osmanischen Expansion war zwar sicher ein Faktor, der solche Migrationen mitmotivierte.

Der Fall Konstantinopels 1453 war aber nicht der Auslöser oder gar notwendige Bedingung der Wanderung von Gelehrten und Texten. Wichtiger waren das neuerweckte Interesse im Westen und die Bereitschaft zumindest eines Teils der byzantinischen Intellektuellen, mit ihren Kollegen in Italien zusammenzuarbeiten bzw. ihr Wissen weiterzugeben.


 

Wie lange gibt es die Römer schon?

Fabian Jelinek

Wissenswertes

Die sagenhafte Gründung Roms durch Romulus und der Beginn der römischen Zeitrechnung ("ab urbe condita" - seit Gründung der Stadt) soll im Jahr 753 v. Chr. geschehen sein. Die altbekannte Eselsbrücke "7 5 3 - Rom schlüpft aus dem Ei" ist sicher noch aus Schulzeiten bekannt.  Der Sage nach wurden die Zwillingsbrüder Romulus und Remus von König Tarchetius auf dem Tiber ausgesetzt, und von einer Wölfin gefunden, die sie ernährt und aufgezogen hatte. Romulus, der erste von den sieben Königen, soll die Siedlung auf dem Palatin, einem der sieben Hügel Roms, gebaut haben.
Die wirkliche Gründung der Stadt erfolgte durch das ab 1200 v.Chr. nach Italien eingewanderte indogermanische Volk der Latiner, das sich am Unterlauf des Tiber niedergelassen hatte. Spätestens seit der Wende vom 2. zum 1. Jahrtausend v. Chr. hatten sich auf den Hügeln Roms schon bäuerliche Siedlungen befunden. Um 1000 v. Chr. bauten die eingewanderten Latiner eine Brücke ("Tiberbrücke") über den Fluss, wo ein Handelsplatz entstand, woraus sich das spätere Rom entwickelte.  Bald darauf trieb es das Seevolk der Etrusker (latein. "Tusci", davon der Name ihres Siedlungsgebietes: Toscana) nach "Latium". Sie fingen an Rom, das bis dato nur aus einzelnen verschiedenen bäuerlichen Dörfern bestand, zu einem Stadtstaat auszubauen und etruskische Könige einzusetzen. Die neubegründete Stadt erhielt nach dem regierenden etruskischen Adelsgeschlecht Ruma den Namen "Roma". Um 510 v. Chr. soll der letzte König von Rom vertrieben worden sein. Die angesehenen Adelsgeschlechter (Patrizier) beendeten die Monarchie und errichteten eine Republik ("res publica" - öffentliche Sache).
 

Ich heiße Valentina. Warum gibt es im Griechischen kein V und W ?

Martin und Valentina Stowasser

Wissenswertes

Die Griechen haben als Grundlage ihres Alphabets das phönizische Alphabet genutzt und Buchstaben und Laute an die Gegebenheiten der griechischen Sprache angepasst. Es wurden daher 5 Buchstaben aus dem Phönizischen zu Vokalzeichen umfunktioniert.

Auch der w-Laut war im phönikischen Alphabet enthalten und wurde von den Griechen übernommen. Dem Aussehen nach wurde dieser Buchstabe als Digamma bezeichnet, obwohl er mit dem Lautwert des Gamma nichts zu tun hat. Mit der Zeit verschwand dieser Laut allerdings aus dem griechischen Alphabet, da dieser nicht mehr gesprochen wurde (ca. im 5. Jh. vor Chr.) In manchen griechischen Wörtern lässt sich dieser Laut noch erahnen, was andererseits auch auf die Zugehörigkeit des Griechischen zur indogermanischen Sprachfamilie hinweist: ἒργον, ursprünglich ϝέργον - dt. das Werk; engl. work oder  ϝoῖνος, lat. vinum, ital. vino, frz. vin, dt. Wein.

Auf Griechisch würde man Ihren Namen Βαλεντινα schreiben.


 

Im Sakramentar Kat.-Nr. 115 wird griechischer Inhalt mit lateinischer Schrift wiedergegeben. Wir haben uns beide gefragt: Warum hat man hier nicht gleich auf Griechisch geschrieben, dann erkennt man doch die Wörter viel leichter?

Xenia und Karoline

Alltag

Wenn Text einer Sprache in anderer Schrift geschrieben ist, dann ist anzunehmen, dass dies der besseren und schnelleren Lesbarkeit diente. In diesem Fall wollten also lateinischsprachige Menschen den auf Griechisch geschriebenen Text wortgetreu rezitieren (auch ohne ihn wirklich zu verstehen). Dieses Phänomen findet sich häufig in liturgischen Handschriften. Für die Forschung ist dies ein hochspannendes Indiz für das Zusammenleben von Menschen aus verschiedenen Sprachen und Kulturen.
 

Welche Bedeutung hat der Name "Blacherne"?

Doris Sutter

Alltag

In byzantinischer Zeit hiess ein ganzes Stadtviertel in Konstantinopel ‘Blachernai’. Der wohlklingende Name hat keine Wortbedeutung in der griechischen Sprache. Eigentlich schade!

Welche Bedeutung (welchen Einfluss) hat Byzanz für das österreichische Zivilrecht?

Walter Langer

Wissenswertes

Kaiser Justinian I. veranlasste in den Jahren 528-534 n. Chr. die Sammlung und Ordnung von Gesetzen römischer Kaiser und eine umfassende Kompilation des klassischen römischen Rechtes (aus den ersten nachchristlichen Jahrhunderten). Das Ergebnis dieser Arbeiten, die - viel später - unter dem Namen Corpus Iuris Civilis zusammengefassten Werke (Institutionen, Digesten, Codex Iustinianus, Novellen) sind die Grundlage des kontinentaleuropäischen Zivilrechts und seiner neuzeitlichen Kodifikationen. Auch das Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch (ABGB) aus dem Jahre 1811 basiert so auf klassischem römischen Recht.

Welche byzantinischen Bauwerke sind noch erhalten ?

Dr. Gerda Huber

Wissenswertes

Die Liste von noch existierenden byzantinischen Bauwerken wäre doch recht lang. Es gibt in allen ehemaligen byzantinischen Provinzen mehr oder weniger fragmentär erhaltene byzantinische Bauwerke. Hier vor allem in Griechenland, auf Zypern, in Italien, vereinzelt in Spanien und ganz besonders in der Türkei aber auch in der Levante. Oftmals haben sich vor allem im späteren Osmanischen Reich Sakralbauten erhalten, da die Osmanen diese Bausubstanzen gern adaptiert haben und diese zu Moscheen umgewidmet haben. Allein im heutigen Istanbul kann man doch recht viel der einstigen byzantinischen Pracht erahnen. So zum Beispiel die Hagia Sophia, die Hagia Irene, die Mouchlitiossa Kirche (übrigens die einzige Kirche in Konstantinopel, die nicht abgetragen oder zur Mosche umgewandelt wurde). Man kann aber auch die Reste der Theodosianischen Stadtmauer sehen oder das Hippodrom, daneben einige Klöster wie das Pantokratorkloster (heutige Zeyrek-Moschee) oder auch Zisternen wie Yerebatan Sarnıcı, auch Yerebatan Sarayı ("Versunkener Palast", westlich der Hagia Sophia). Auch ein Palast aus dem 13. Jahrhundert hat sich Instanbul erhalten. Der so genannte Porphyrogennetos Palast (heute Tekfur Palast), welcher von den Osmanen als Menagerie genutzt wurde. Byzantinische Architektur kann man aber auch in Italien erkunden. Insbesondere Ravenna kann mit prächtigen Kirchen aufwarten. So ist hier vor allem die Kriche San Vitale als herausragendes Beispiel byzantinischer Mosaikkunst zu nennen.

Auch in Österreich kann man Auswirkungen byzantinischer Architektur entdecken. Im Zeitalter des Historismus im 19. Jahrhundert wurden gerne antike Stile und Bauformen rezipiert. So wirkt Beispielsweise der Innenraum der Kirche am Steinhof dem byzantinischen Stil nachempfunden oder auch die Evangelische Kirche am Matzleinsdorfer Friedhof (erbaut von Theophil Hansen) sowie auch die griechisch-orthodoxe Katehdrale zur Hl. Dreifaltigkeit am Fleischmarkt (in der heutigen Erscheinungsform ebenfalls von Theophil Hansen geplant).

Wie war es für Konstantinopel möglich, Venedig zu halten? Unter Anbetracht der Distanz. (~700 n.Chr.)

Paul Herzog

Geschichte

Man darf sich die byzantinische Oberhoheit über die Gebiete in der äußersten Peripherie sehr locker vorstellen. Byzantinische Militärpräsenz gibt es zwischen ca. 600 und 800 im Bereich der Lagune kaum. Praktisch ist es so, dass die byzantinischen Kaiser ihren Einfluss in diesen Randgebiete - sofern strategisch wertvoll - durch Kooperation mit den lokalen Anführern (Vergabe von Geschenken,Titeln) sicherten. Die Venezianer wiederum haben die kaum belastende byzantinische Oberhoheit akzeptiert, solange die Vorteile überwogen. Um 800 gibt es die letzte byzantinische militärische Intervention in der oberen Adria - weil die expandierenden Franken drohten, ihrerseits die Vormachtstellung in diesem Raum zu übernehmen. Bereits kurz darauf kann man Venedig aber durchaus schon als völlig autonom betrachten.
 

Wo lagen die Gründe für den mannigfaltigen Opportunismus und das häufige Seitenwechseln der Byzantiner, beispielsweise während der Kreuzzüge? Wann büßten sie ihre militärische Schlagkraft ein?

Mat

Geschichte

Das byzantinische Reich war seit der Mitte des 11. Jahrhunderts angeschlagen. Thronkämpfe schwächten das Reich im Inneren; Militär wurde abgebaut, die einst ruhmreiche Flotte war praktisch nicht mehr vorhanden. Dazu kamen ständige Mehrfrontenkriege (ab den 1070ern gegen die Seldschuken im Osten und gegen die Normannen im Westen). Um zu überleben, mussten unter größtem finanziellen Aufwand Söldner engagiert werden - auch Ritter mit ihrem Gefolge. Der "Opportunismus" der Byzantiner war nicht immer selbst gewählt. Von Anfang an gerieten die Byzantiner häufig zwischen die Interessen der Kreuzfahrer und der muslimischen Mächte. Die byzantinische Politik ging traditionell den ökonomischsten Weg und das schloss Bündnisse auch mit Muslimen oder das Rekrutieren ihrer Kämpfer mit ein - völlig zum Unverständnis der radikalisierten Kreuzfahrer. Sogar Waffenstillstände legten die Ritter den Byzantinern als Verrat aus. Viele andere westliche Vorwürfe waren einfach die Folge von unglücklichen Missverständnissen. Ein wirkliches byzantinisch-muslimisches Bündnis entstand erst im Vorfeld des 3. Kreuzzugs - nur muss man fairerweise sagen, dass die Byzantiner mit ihren westlichen "Glaubensbrüdern" zu diesem Zeitpunkt schon häufig äußerst schlechte Erfahrungen gemacht hatten und eine gemeinsame christliche Front schon mehrfach gescheitert war (wofür beide Seiten verantwortlich waren).

Gegen welche Religion richteten sich die Kreuzzüge?

Anonym

Geschichte

Die Kreuzzüge dienten primär dem Ziel, das Heilige Land unter christliche (=römisch-christliche) Kontrolle zu bringen, um bei der Zugänglichkeit der heiligen Stätten nicht vom Wohlwollen muslimischer Obrigkeiten abhängig zu sein. Die "bewaffneten Pilgerfahrten", die dies bewirken sollten, waren dementsprechend massiv antiislamisch ausgerichtet und radikalisiert. Sobald die Kreuzfahrer im Heiligen Land etabliert waren, kam es aber durchaus auch zu friedlicher Koexistenz und sogar Bündnissen mit muslimischen Mächten. Im
Schatten der Kreuzzüge verschlechterten sich aber auch die Beziehungen zwischen der immer selbstbewusster auftretenden katholischen Kirche und der griechischen Orthodoxie.

Die Ausschmückung der Kathedrale in Ravenna erinnert mich ganz stark an die gezeigten byzantinischen Darstellungen. Was gibt es über die Rolle Ravennas im Zusammenhang mit Byzanz zu sagen?

Norbert Rossak

Wissenswertes

Ravenna hat eine lange spätrömische und frühbyzantinische Tradition, die durch Justinian in der Mitte des 6. Jhs. nochmals einen sagenhaften Aufschwung erfuhr. So entstanden bedeutende Bauwerke, wie San Vitale mit seinen beeindruckenden Kaisermosaiken. Den historische Hintergrund bildet die Rückeroberung Ravennas (und ganz Italiens) von den Ostgoten. Ravenna bleibt auch in der Folgezeit (bis 751) Hauptstadt der byzantinischen Besitzungen in Italien. Somit verwundert der Bezug und der Rückgriff auf die byzantinische Formsprache hier nicht.
 

Ich habe einmal gehört/gelesen, dass die 2 Anfangsworte des bekannten Kinder-Einschlaf-Liedes "Heia popeia, was raschelt im Stroh" auf eine Verballhornung eines ursprünglich griechischen Lied-Textes zurückgeht?

Eva Maria Teja Mayer

Wissenswertes

Mitunter liest man auch noch in rezenter Literatur, dass das bekannte Wiegen-  bzw. Einschlaf-Lied „Heidschi-bumbeidschi“ bzw. „Eia popeia“ auf griechischen Ursprung zurückzuführen sei und im Zuge der Präsenz der byzantinischen Prinzessinnen am Babenbergerhof nach Österreich gekommen sei.
Das ist ein Mythos und daher völlig auszuschließen: „Heidschi bumbeidschi“ stellt keine Verballhornung von griechischem „eude pai mou“ dar (ganz abgesehen davon, dass diese griechische Wendung im Griechischen des 12. Jahrhunderts nicht so verwendet worden wäre).
Es handelt sich bei dem Lied vielmehr um eine Volksweise, die ab dem 17./18. Jh. in verschiedenen Bereichen des deutschen Sprachraums auftaucht und in verschiedenen Varianten überliefert ist. Aber ein griechischer Ursprung ist zu 100% abzulehnen.
 

Meines Wissens stammt der russische Doppeladler direkt von einer der Töchter des letzten byzantinischen Kaisers (oder einer anderen nahen weiblichen Verwandten des Kaisers), die nach Moskau verheiratet wurde - stimmt das?

Thomas Schuller-Götzburg

Wissenswertes

Tatsächlich führten die Palaiologen, die zwischen 1258 und 1453 als letzte Kaiserdynastie das Byzantinische Reich beherrschten, den Doppeladler in ihrem Wappen; bis heute ziert er die Flagge des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel. Das Motiv ist allerdings viel älter und findet sich schon um 2000 v. Chr. im Alten Orient. Nach der osmanischen Einnahme Konstantinopels bzw. der Eroberung der noch byzantinischen Peloponnes 1460 flohen verschiedene Angehörige der Palaiologen-Familie in den Westen, darunter auch der Bruder des letzten Kaisers Konstantin XI., Thomas Palaiologos. Er gelangte über Korfu nach Rom, wo er 1465 verstarb. Danach übernahm der zuvor 1439 zur Westkirche übergetretene, aus Trapezunt stammende Kardinal Bessarion die Vormundschaft über die 1448 geborenen Tochter des Thomas, Zoë (Sophia) Palaiologina. Um ihre Hand warben 1472 Gesandte des Großfürsten Iwan III. von Moskau, wohin Zoë im Juli dieses Jahres abreiste; im November 1472 wurde die Hochzeit gefeiert, und Zoë nahm den Namen Sophia an. Sie herrschte dann bis zu ihrem Tod 1503 an der Seite ihres Mannes. Ab 1487 führte der Großfürst von Moskau auch den Doppeladler auf seinem Siegel; inwieweit allerdings Sophia direkt an dieser Übernahme beteiligt war oder das Motiv nicht auf anderem Weg schon davor nach Russland gelangt war, ist jedoch umstritten. Den Zaren (also „Kaiser“-)Titel nahm dann erst Iwan IV. „der Schreckliche“ im Jahr 1547 an.
 

Wie kann man die Erfahrungen aus BYZANZ und der WESTEN auf die heutige Zeit übertragen?

Rudolf Trautendorfer, MA

Geschichte

Diese Frage lässt sich in der Kürze schwierig beantworten, weil die über 1000-jährige gemeinsame Geschichte so viele verschiedene Aspekte beinhaltet, die sich übertragen ließen. Auf sehr allgemeiner Ebene sieht man wunderbar, wie Vorurteile und kleinere Dispute damals wie heute von Leuten instrumentalisiert wurden, die ihre eigenen Ziele verfolgten. So rechtfertigten die Kreuzfahrer die Plünderung 1204 auch damit, dass die Byzantiner ja stets die Kreuzzüge sabotiert hätten - was aber nichts anderes als "fake news" waren, die sich seit 100 Jahren hartnäckig gehalten hatten. Was man von den Byzantinern selbst mitnehmen kann, ist ihre Anpassungsfähigkeit und Flexibilität, ihre "oikonomia". Die kulturellen Grundpfeiler (römische Tradition, Christentum) sind fest verankert, aber alles andere ist verhandelbar. Auch im Kontakt mit "Fremdem" pflegten die Byzantiner eine ganz pragmatische Toleranz und damit eine für Leute aus dem Westen ungewohnte Offenheit. Der Fanatismus der Kreuzritter war den Byzantinern fremd - sie waren seit Jahrhunderten an der Schnittstelle der Kontinente gewöhnt, Feinde mit anderer Religion zu haben. Im Reich selbst lebten unzählige verschiedene Völker zusammen, in Konstantinopel gab es sogar lateinische Wohnviertel, Moscheen und jüdische Gemeinden. Das wäre im Westen zu dieser Zeit kaum denkbar gewesen.

Warum werden die Slaven in der Ausstellung ignoriert?

Jarmila Hanuska

Ausstellung

Die Beziehungen zwischen Byzanz und den slawischen Kulturen wären selbstverständlich ein faszinierendes Thema, das sich eine eigene Ausstellung verdienen würde. Dass diese Thematik bei uns keinen Platz gefunden hat, ist keineswegs einer allfälligen Geringschätzung geschuldet. Sie werden bemerkt haben, dass auch die Beziehungen nach Skandinavien, Britannien oder Spanien keinen Platz gefunden haben, weil wir das Thema eingrenzen mussten - auch weil die Zahl der Leihgeber sonst enorm angestiegen wäre. Um den langen Zeitraum für die Besucher leichter fassbar zu machen, haben wir uns in der Tat schwerpunktmäßig auf die Räume Frankreich/Heiliges Römisches Reich/Italien/Griechenland/Heiliges Land konzentriert. Die Schwerpunktsetzung hat schlussendlich auch mit den Forschungsprojekten zu tun, die aktuell in Wien und Mainz betrieben werden. Was die Kartengestaltung betrifft, so gilt erneut, dass wir meistens nur die großen Machtblöcke eingezeichnet haben, die für das konkrete Verständnis der Texte nötig sind. Das Medium Ausstellung birgt natürlich immer das Problem, dass man Sachverhalte meist sehr grob vereinfachen muss.

Woher haben wir die Infos und Gegenstände?

Johanna

Ausstellung

Byzantinische Gegenstände gelangten phasenweise geradezu massenhaft in den Westen und prägten dort die Vorstellung von der Pracht des byzantinischen Kaiserhauses. In Konstantinopel gab es unendlich viel zu bewundern, und der Westen hatte ja nach der Demontage der römischen Staatlichkeit großen Aufholbedarf. Der Westen stagnierte, der Osten glänzte. Kunstgegenstände, Schmuck, Seide und Reliquien gelangten von Konstantinopel in die Machtzentren des Westens; bis in das 7. Jahrhundert verzeichnete man in einigen Regionen sogar eine flächendeckende Versorgung mit byzantinischen Waren. Doch im Spätmittelalter wendete sich das Blatt. Die Eroberung Konstantinopels durch die Ritter und Bischöfe des Vierten Kreuzzuges im Jahr 1204 bedeutete einen Bruch in der byzantinischen Geschichte. Zwar hatten schon zuvor die Venezianer, Genuesen und andere italienische Städte Handelsniederlassungen in Byzanz besessen, doch jetzt gründeten die Eroberer kleine und größere Reiche nach westlichem Vorbild.

Das Lehenswesen hielt Einzug, Ritterromane, frühgotische Architektur und Bilder mischten sich mit byzantinischen Traditionen. Zwar konnten die Byzantiner 1261 die Lateiner wieder aus Konstantinopel vertreiben, die Zeit der Supermacht war aber endgültig vorbei. Kunst und Literatur erlebten eine zweite Blüte, doch bald regierte der byzantinische Kaiser nur mehr von osmanischen Gnaden. Informationen werden auch durch Reisende transportiert. Im Römischen Reich spielte die Mobilität eine bedeutende Rolle. Militärische Einheiten wurden oft verlegt. Händlernetzwerke reichten bis Ostasien, weit in den afrikanischen Süden, bis Irland und an die Nordsee. Pilger scheuten nicht die monatelange Reise zu den heiligen Stätten Palästinas, Anatoliens und Ägyptens. Sofern sie nicht am Ziel ihrer Reise blieben, wie es oft genug vorkam, brachten sie Informationen über fremde Länder in die Heimat zurück, dazu Waren aller Art, von Wein und Datteln über feine Textilien und Schmuck bis zu Pilgerandenken. Manche westliche Adelige wechselten in die andere Welt: Im Hochmittelalter galt es als das Größte, in das byzantinische Kaiserhaus einzuheiraten. Theophanu, die Ehefrau Kaiser Ottos II., löste im heutigen Deutschland eine regelrechte Byzanz-Euphorie aus.

Die „1000 vergessenen Jahre“ sind natürlich eine bewusste Übertreibung. Heute wissen wir bereits sehr viel darüber, wie das Byzantinische Reich Europa und den Orient geprägt hat. Dennoch gibt es auch in der Forschung noch viel zu tun, da die wissenschaftliche Beschäftigung mit Byzanz (sowohl philologisch als auch historisch) erst um etwa 1900 einsetzte. Dieser Rückstand auf die westliche Mediävistik wurde in manchen Bereichen bis heute nicht aufgeholt. Was ebenso hinderlich war: Meist aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse hat auch die westliche Mittelalterforschung sehr spät Byzanz als Faktor für die Entwicklung des lateinischen Europa entdeckt. Umgekehrt waren und sind viele Byzantinistinnen und Byzantinisten eher auf den Osten fokussiert. Gerade bei der Erforschung der Beziehungen zwischen dem griechischen Osten und dem lateinischen
Westen ist daher auch in Zukunft noch viel zu tun. Die „vergessenen“ Jahre beziehen sich aber weniger auf den teils noch lückenhaften Zustand der Forschung, sondern auf das Phänomen, dass ein 1000-jähriges europäisches Großreich im Bewusstsein der breiteren Bevölkerung überhaupt nicht präsent ist. Das ist zum Teil der Schulbildung geschuldet: Der Unterricht konzentriert sich (verständlicherweise) nach dem Fall Roms zunehmend auf die Geschichte Mittel- und Westeuropas. Byzanz ist in den meisten Schulbüchern nur einen kurzen Exkurs wert und steht damit auf einer Stufe mit dem alten China, Japan oder Afrika und ähnlichen Exkursen dazu. Auch in breitenwirksamen Medien (Film, Belletristik) ist Byzanz trotz eines großen Marktes für historische Inhalte nicht sehr präsent. In den vergangenen Jahren gab es zumindest mehrere Fernseh-Dokumentationen und eine Reihe von Ausstellungen im deutschen Sprachraum, die allesamt nur das Thema „Byzanz“ an sich, nicht aber explizit die Geschichte der Ost-West-Beziehungen behandelten. 

Welche Bedeutung hat die Orgel in dieser Ausstellung?

Christian Landerl

Ausstellung

Die Orgel, die man in der Ausstellung sehen kann, ist eine wissenschaftliche Rekonstruktion einer byzantinischen Doppelorgel.

Laut Schriftquellen wurde die Orgel im 3. Jahrhundert v. Chr. von einem Ingenieur namens Ktesibios im heutigen Ägypten erfunden. In der römischen Antike diente sie vor allem der musikalischen Umrahmung von Sportveranstaltungen und wurde außerdem im Theater, in der Arena und in Byzanz bis in das 7. Jahrhundert im Zirkus eingesetzt. Im mittelalterlichen Byzanz kam der Orgel hoher Stellenwert im Hofzeremoniell zu. Das Instrument spielte auch eine große Rolle beim Kulturtransfer sowie in der Diplomatie. Als Staatsgeschenk gelangten Orgeln an den karolingischen Königshof. Spätestens im 9. Jahrhundert ließ der Aachener Hof in Eigeninitiative eine Orgel bauen. Das trug dazu bei, das eigene Prestige an das des Ostens anzugleichen. Textstellen aus der Mitte des 10. Jahrhunderts lassen erstmals auf eine Verwendung der Orgel in der Liturgie schließen. Diese Praxis scheint sich im 14. Jahrhundert vollständig etabliert zu haben. Allerdings blieb der Orgelgebrauch in der Kirche ausschließlich auf den Westen beschränkt. Dieser spielbare Nachbau einer Orgel wurde vorrangig nach Bild- und Textquellen des Mittelalters entworfen und konstruiert; dabei flossen auch Informationen aus älteren archäologischen Funden der Antike ein. Im Rahmen der Experimentellen Archäologie dienen solche Rekonstruktionen, Nachbauten oder auch Modelle in der Regel der Klärung einer oder mehrerer klar definierter Fragen bzw. Thesen, werden also innerhalb von Testreihen und Versuchen verwendet.

Waren alle Kaiser griechisch-orthodox?

Anonym

Kaiser

Die christliche Religionszugehörigkeit der byzantinischen Kaiser war seit dem späten vierten Jahrhundert nicht nur üblich, sondern wurde auch eine Grundvoraussetzung für die Erlangung der Kaiserwürde. Seit dem späten fünften Jahrhundert musst der Kaiser ein eigenhändig geschriebenes Bekenntnis zur Orthodoxie, d.h. zum Glauben der 318 Väter des Konzils von Nikaia, vorlegen, bevor der Patriarch die Krönungszeremonie durchführte. Während der 57 Jahre der Lateinerherrschaft (1204 bis 1261), wurde der Kaiserthron und Kaisertitel in Konstantinopel, ebenso wie das Patriarchenamt und - titel, von westlichen Herrschern beansprucht, die in Kirchenunion mit Rom standen, also nach heutigem Sprachgebrauch "katholisch" waren.

Wie lautet der vollständige Titel des byzantinischen Kaisers?

Heinrich

Kaiser

Die Titulatur erfuhr im Lauf der Zeit diverse Veränderungen. Unter Kaiser Herakleios (610-641) reduzierte zunächst die komplizierte römisch-lateinische Titulatur zum griechischen Begriff "Basileus", der ursprünglich nur "König" bedeutete, nun aber dem Kaiser vorbehalten war. Später wurde die Titulatur wieder ausgebaut und lautete auf Urkunden schließlich: (en christo to theo pistos) basileus kai autokrator rhomaion N.N., d.h. "(der in Christus dem Herrn fromme) Kaiser und Alleinherrscher der Römer N.N.".

Hatte Arn von Salzburg irgendwelchen persönlichen Kontakt zu Byzanz? Gab es vorher Kontakte von Arn zu Byzanz - z. B. mit bzw. über einen byzantinischen Gesandten?

Willi Reichhold

Geschichte

Arn, vormals Abt der bedeutenden Abtei Saint-Amand (im heutigen Nordfrankreich) und seit 785 Bischof von Salzburg, war eine wichtige Persönlichkeit der Zeit Karls des Großen und danach (bis zu seinem Tod 821). Im Jahr 798 erreichte er anlässlich eines Rombesuchs bei Papst Leo III. die Erhebung Salzburgs zum Erzbistum und begleitete auch Karl 799 nach Rom und war bei der Kaiserkrönung am 25. 12. 800 anwesend. Dieser Akt führte tatsächlich zu heftigen diplomatischen Verwicklungen mit Konstantinopel, das den Alleinanspruch auf das römische Kaisertum vertrat. Erst im Jahr 812 fand man (vorerst) einen Kompromiss, indem Gesandte des byzantinischen Kaisers Michael I. Karl den Großen als „Kaiser“ (griech. basileus) ansprachen, allerdings nicht „der Römer“ (also gleichsam als persönliches Rangattribut Karls ohne Anerkennung seines Anspruchs auf das universelle römische Kaisertum). In diesen diplomatischen Austausch war Arn von Salzburg jedoch nicht involviert; ob er im Umfeld Karls auf byzantinische Gesandte traf, ist ebenfalls nicht überliefert. Einen indirekten Byzanz-Bezug stellt allerdings die in seinem Umfeld um 800 entstandene lateinische Handschrift Codex Latinus 418 der Österreichische Nationalbibliothek dar, die (in lateinischer Übersetzung) die Akten und Beschlüsse des Sechsten Ökumenischen Konzils, das 680/681 in Konstantinopel stattfand, enthält.

Zu einer direkten Konfrontation Salzburgs mit Vertretern der byzantinischen Kirche kam es dann 870, als Erzbischof Adalwin von Salzburg (859–873) gemeinsam mit Bischof Hermenrich von Passau (866–874) und Bischof Anno von Freising (854–875) den Missionar Methodios (Bruder des mittlerweile verstorbenen Kyrill) und seine 20 Begleiter auf dem Weg aus dem Großmährischen Reich nach Rom gefangen nehmen ließen, da sie angesichts der Mission aus Konstantinopel um ihren kirchlichen Einfluss im östlichen Grenzraum des fränkischen Reiches fürchteten. Methodios und seine Gefährten wurden auf einer Kirchenversammlung in Regensburg dann formell verurteilt und bis 873 im Kloster Reichenau im Bodensee in Haft gehalten.

 


Was finden Sie so interessant an diesem Thema und wieso haben Sie genau dieses Thema jetzt (2018) ausgewählt? Also verstehen Sie mich nicht falsch. Es ist interessant, aber wieso genau dieses Thema?

Nele Heldrich

Ausstellung

Tatsächlich gibt es natürlich unendlich viele Themen, die sich für Großausstellungen eignen und sicher auch ihr Publikum finden würden. Aber mit dem Byzantinischen Reich und seiner Kultur haben wir ein gewaltiges Kapitel der europäischen Geschichte angepackt, das fast vollständig aus dem Blick gekommen ist. So war für uns die Ausstellung "Byzanz und der Westen" die logische Fortsetzung der erfolgreichen Schau von 2012. Gleichzeitig führt die Ausstellung vor, wie vielfältige Kommunikationsprobleme zwischen Staaten, Kulturen und Gesellschaften zur Entfremdung, ja zur Katastrophe führen können. Der Fingerzeig auf das Mittelmeer als riesiger Begegnungsraum der römischen und - zeitweise - auch der byzantinischen Zivilisation verweist aber auch auf unsere historische Verantwortung  auch für den Nahen Osten und Nordafrika. Natürlich war es für uns auch entscheidend, dass wir heuer aktuelle Forschungsergebnisse aus Archäologie und Byzantinistik vorstellen können.

Hätte die Renaissance ohne den Fall Konstantinopel stattgefunden? Denn was ich erfahren habe, sind viele Gelehrte und Dokumente nach der Eroberung Konstantinopels nach Italien gekommen.

Peter Düringer

Wissenswertes

Schon im 14. Jahrhundert intensivierte sich in Italien das (nie erloschene) Interesse an der Antike und den Texten der Griechen und Römer; als einer der Initiatoren der „Wiederbelebung“ der Antike gilt Francesco Petrarca (1304-1374) aus Arezzo in der Toskana. Auch sonst wurde diese Region zu einem Zentrum des „Humanismus“, insbesondere mit Florenz, wo sich bereits 1397 der aus Konstantinopel kommende Gelehrte Manuel Chrysoloras niederließ und begann, Griechisch zu unterrichten. Er ist ein Beispiel für jene Gelehrte aus Byzanz, die schon in den Jahrzehnten vor der Eroberung 1453 den Weg nach Italien fanden. Die seit dem späteren 14. Jh. prekäre politische und wirtschaftliche Lage des Byzantinischen Reiches angesichts der osmanischen Expansion war zwar sicher ein Faktor, der solche Migrationen mitmotivierte; der Fall Konstantinopels 1453 war aber nicht der Auslöser oder gar notwendige Bedingung der Wanderung von Gelehrten und Texten.  Wichtiger waren das neuerweckte Interesse im Westen und die Bereitschaft zumindest eines Teils der byzantinischen Intellektuellen, mit ihren Kollegen in Italien zusammenzuarbeiten bzw. ihr Wissen weiterzugeben.

Warum ist im Solidus des Theudebert das Portrait mit einem Pfeil von links unten nach rechts oben geprägt?

Anonym

Ausstellung

Bei genauerer Betrachtung lässt sich dieser vermeintliche Pfeil, den Sie ansprechen, als Speer erkennen.

Der Soldidus, der in der Ausstellung zu sehen ist, zeigt eine Büste des Theudebert mit Helm, geschultertem Speer und Schild (darauf Jagdszene) in Dreiviertelansicht. In der Vorderansicht ist die Siegesgöttin Victoria bzw. ein Engel stehend dargestellt; sie / er hält einen Kreuzstab in der Rechten und einen Kreuzglobus in der Linken.
In den germanischen Königreichen wurde das spätrömische Münzwesen beinahe unverändert beibehalten: Man prägte Goldmünzen mit standardisierter Kaiserbüste und aktueller Kaisertitulatur über Jahrzehnte bis ins kleinste Detail nach. Der Wendepunkt in dieser Phase der Imitatio kam erst, als Austrasiens fränkischer König Theudebert (reg. 533–548) und dessen Nachfolger Goldmünzen, die bis dahin dem Kaiser vorbehalten gewesen waren, auf ihren eigenen Namen zu prägen begannen. Das muss hohe Wellen geschlagen haben. So berichtete der byzantinische Historiker Prokop („Gotenkriege“, III,33), die Frankenkönige würden „aus gallischem Gold eine Münze“ prägen, „welche nicht, wie es sich gehört, das Bildnis des Kaisers, sondern ihr eigenes zeigt“. Tatsächlich übernahm Theudebert das traditionelle Kaiserbildnis in Dreiviertelansicht, das nach Anpassung der Umschrift nun als seine eigene Büste wahrgenommen werden sollte. Diese Münzen lassen somit das Ausmaß der Selbstbehauptung und den Umfang der Macht erahnen, die die fränkischen Herrscher für sich beanspruchten.

Auf einem prunkvollen goldenen Evangeliar findet sich unten der Schriftzug: SCA MENNA. Gab es eine hl. Menna oder ist das wohl ein Irrtum, und es war der hl. Menas gemeint?

Gisela Egelkraut

Ausstellung

Sie haben sich das prunkvolle Evangeliar von Poussay sehr genau angesehen. Die Elfenbeintafel, die den Buchdeckel des Evangeliars von Poussay schmückt, ist eines von zahlreichen Beispielen für die halbfigurige Hodegetria-Darstellung auf der Mitteltafel eines Triptychons. Der bekannte, auf das Konstantinopeler Gnadenbild zurückgehende Bildtypus variiert allenfalls geringfügig in der Figurenhaltung und Gestik oder in der Ausführung. Hier fällt das feine, jugendliche Anlitz Mariens auf. 
Das stoffreiche Gewand hingegen, das virtuos in vielen feinen Falten herabfällt, erweckt einen matronenhaften Eindruck. Die Figurengruppe wird von einem auf zwei seitlichen Säulen ruhenden Bogen überfangen, der einen Baldachin als Hoheitsarchitektur andeutet. Der mit vergoldeter Silbertreibarbeit und Edelsteinen verzierte Rahmen zeigt neben dem thronenden Christus Heiligenfiguren, die in Beziehung zur Abtei Poussay stehen. Dort wurde das Elfenbeinrelief wohl im dritten Jahrzehnt des 11. Jahrhunderts anlässlich der Abteigründung ausgewählt, um die zirka 990 ausgestattete Reichenauer Handschrift zu schmücken.
Die rechte Figur neben dem Elfenbeinrelief ist eine Abbildung des Hl. Andreas. Ihm gegenüber auf der linken Seite, ist der Hl. Petrus zu sehen. Gegenüber des thronenden Christus findet sich eine Darstellung der Hl. Menna. (franz. Menne) Die Hl. Menna wird in der Gegend von Lothringen sehr verehrt. Sie lebte als Nonne zur Zeit des Kaisers Flavius Claudius Iulianus (reg. 360 - 363), dessen strikte Politik zu einigen heftigen Übergriffen auf Christen führte. Menna soll im Zuge eines solchen Übergriffes den Märtyrertod gestorben sein. Im deutschsprachigen Raum ist sie eher unbekannt. Ihr Todestag war der 3. Oktober 362, aber ihr Gedenktag wurde auf 15. Mai verschoben, weil ihre Gebeine an einem 15. Mai der Abtei von Poussay übergeben worden sein sollen.
Den Irrtum, den Sie aber ansprechen, haben aber auch einige Gelehrte im 19./ 20. Jh. angenommen. So stand auch die Theorie im Raum, dass aus dem Hl. Menas in der Heiligenvererhrung im Westen eine Frau gemacht wurde, weil man die griechische Endung nicht als Maskulinendung identifizierte und daher aus Menas eine Heilige Menna wurde. Allerdings gibt es im römischen Pantheon auch die Göttin Mena, wovon sich der Name der Heiligen ableiten könnte.

Bei der "Entschlafung Mariens" wird die Seele er verstorbenen Maria als kleines Baby dargestellt. Lässt sich da ein Transfer dieses Motives nachweisen, oder eine gemeinsame Wurzel der östlichen und westlichen Darstellungen?

Gisela Egelkraut

Wissenswertes

Man kann in gewisser Hinsicht bei einigen Bildmotiven tatsächlich Rückschlüsse auf einen Kulturtransfer ziehen. Die Darstellung des Marientodes (Koimesis) steht beispielhaft für die Übernahme byzantinischer Motive in das westliche Bildrepertoire. Vermittelt über Elfenbeinreliefs, hatte der Bildtypus der Koimesis kurz nach der ersten Jahrtausendwende Eingang in das Repertoire des Reichenauer Skriptoriums gefunden und war über die dort ausgestatteten liturgischen Handschriften in verschiedenen Reichsklöstern oder Kirchenschätzen bekannt geworden. Mit jeweils individueller inhaltlicher Akzentuierung verbreitete es sich schnell im Westen. Inwiefern die Koimesis-Darstellung auch die Ikonographie anderer Heiligendarstellungen beinflusst hat, kann aber nicht im Detail rekonstruiert werden. Einflüsse wird es wohl gegeben haben.
Auch das Figurenmotiv der Maria Hodegetria, das die Gottesmutter mit dem Christusknaben auf ihrem linken Arm zeigt und dessen Bezeichnung auf ein verehrtes Bild in einem Konstantinopeler Kloster zurückgeht, wurde wohl über Elfenbeinreliefs aus Byzanz in den Westen vermittelt.
Das 724 gegründete Benediktinerkloster auf der Bodenseeinsel Reichenau entwickelte sich im Lauf des 10. und 11. Jahrhunderts zu einem der bedeutendsten Zentren der Buchkunst. Die dort entstandenen Werke wurden auch für andere Klöster und Kirchen angefertigt, ihr Stil wurde in der Folge andernorts rezipiert und transformiert.

Was mich an Byzanz immer fasziniert hat, sind die schillernden Goldhintergründe der Ikonen und Mosaike. Was bedeuten sie?

Petty

Wissenswertes

Der Goldgrund ist für byzantinische Ikonen und Mosaike sehr charakteristisch. Mit Goldgrund wurde zumeist die Flächigkeit des Dargestellten betont. Seit dem 4. Jh. verwendet man Gold als Ausdrucksmittel für die göttliche Transzendenz. Dadurch wird versucht eine raumlose Sphäre zu schaffen, die zugleich kostbar und feierlich anmutet. Zudem leuchtet das Gold aus sich selbst heraus, es symbolisiert das Licht. Die Vorstellung ist gewissermaßen, dass das "Heilige Element" aus dem Goldgrund hervortritt; Heiligenabbilder "leuchten" gewissermaßen aus sich selbst heraus. Man spielt hierbei mit der Erscheinung des göttlichen Lichts, von dem die Heiligendarstellung umgeben ist und sich geradezu abhebt. Ein Ikonenmaler hat sogar die Pflicht, diesen Effekt zu erzeugen. Diese Lichtwirkung wird auch "Offenbarungslicht" genannt. Auch die Tradition der russischen Ikonen geht letztendlich auf die byzantinische Ikonenmalerei zurück.

Welcher Historiker hat nach Gibbon erstmals ein positives Bild von Byzanz gezeichnet und wieso habe ich dennoch und trotz seiner Bedeutung für Europa in meiner (deutschen) Schule nichts über Byzanz gelernt?

Amateur

Wissenswertes

Die Beschäftigung mit Byzanz begann zwar bereits in der Renaissance mit Gelehrten wie Hieronymus Wolf (1516–1580) und erlebte eine frühe Blüte im absolutistischen Frankreich Ludwigs XIV. (reg. 1643–1715), der die Nachfolge der lateinischen Kaiser Konstantinopels für sich beanspruchte und sich für das Zeremoniell der spätrömischen Kaiser interessierte. Ausgerechnet in der Aufklärung ging das Interesse an Byzanz aber wieder verloren. Das Oströmische Reich galt Intellektuellen als Paradebeispiel eines korrupten Staates, in dem Religion und Politik allzu sehr miteinander verwoben waren. Maßgeblich war vor allem Edward Gibbons Monumentalwerk „The History of the Decline and Fall of the Roman Empire“ (1776–1789), das Byzanz als 1000-jährige epigonenhafte Verfallserscheinung des einstmalsgroßen Römischen Reiches charakterisierte. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Byzanz war damit bis zum Ende des 19. Jahrhunderts blockiert. Byzantinische Texte wurden ob ihrer mangelnden sprachlichen Reinheit gemieden, und archäologische Grabungen vernichteten auf der Suche nach der glorreichen Antike unzählige mittelalterliche Siedlungsspuren. Erst 1897 wurde in München der erste Lehrstuhl für mittelalterliche und moderne griechische Sprache und Literatur eingerichtet. Es war Karl Krumbachers große Leistung im Bereich der Klassischen Philologie und Alten Geschichte wieder deinen Forschungsfokus auf Byzanz zu richten, wodurch er die wissenschaftliche Disziplin der "Byzantinistik" etablieren konnte.

Mittlerweile sind auch einige Studien erschienen, die sich mit der Frage Byzanz in deutschsprachigen Schulbüchern und Lehrplänen auseinandersetzen. Besonders zu empfehlen ist der Artikel von Johannes Preiser-Kapeller und Philpp Dörler mit dem Titel "Justinian und die Osmanen. Byzanz im österreichischen Schulbuch von 1771 bis in die Gegenwart", erschienen im Buch "Byzanzrezeption in Europa: Spurensuche über das MIttelalter und die Renaissance bis in die Gegenwart", herausgegeben von Foteini Kolovou, 2012.

Ich möchte wissen, ob das Patriarchenkreuz aus Byzanz stammt, und warum einige der barockisierten Kirchen in Wien (z.B. Alser Kirche, Schottenkirche, Bergkirche Rodaun) jenes auf ihren Kirchtürmen tragen.

Christian Tillinger

Wissenswertes

Man kann schon sagen, dass das Patriarchenkreuz, also die Form dieses Doppelkreuzes mit zwei horizontalen Balken, mit großer Wahrscheinlichkeit aus Byzanz kommt. Im Jahr 540 wurde die Stadt Apameia in Syrien von den Persern bedroht und nach kampfloser Aufgabe "nur" geplündert. Dass die Stadt nicht zerstört und ihre Bewohner somit verschont geblieben sind, führte man auf die sich bis zu diesem Zeitpunkt in der Stadt befindliche Reliquie des Heiligen Kreuzes zurück. Dieses wurde auf Grund seiner Wundertätigkeit dann durch Kaiser Justin II. nach Konstantinopel verbracht und eine Vielzahl von Kreuzpartikeln fanden als Reliquien ihren Weg ins Byzantinische Reich und darüber hinaus. In Zusammenhang mit diesem erstarkenden Kult um das Heilige Kreuz entwickelte sich vermutlich auch das Doppelkreuz, das in seiner Form an das Kreuz Christi erinnern soll.

Während Patriarchekreuze (Doppelkreuze) im ausgehenden 13. und frühen 14. Jh. seltener geschaffen wurden, lebte das Interesse an dieser Kreuzform in der  Folgezeit wieder auf: sie erscheinen auf Siegeln, als Abzeichen der Hospitaliter vom  Hl. Geist und als Attribute.
Die im Barock allgemein wieder auflebende Verehrung des Patriarchenkreuzes brachte eine Erweiterung des Schutzgedankens im Sinne der Gegenreformation mit sich, z. B. Schutz vor Unglauben bzw. Glaubensabfall, sowie neue Verbindungen des Doppelkreuzes, etwa mit dem Herz-Jesu-Kult oder auch als Andachtskreuz. Daher verwendet es nicht, wenn dieses Doppelkreuz bzw. Patriarchenkreuz auf den Türmen vieler barocker Kirchen im deutschsprachigen Raum erscheint.

Ab wann begann die Spaltung im Glauben - ab wann sprach man von zwei Konfessionen?

Walter Doringer

Alltag

Die Entfremdung von westlicher und östlicher Kirche begann unter Kaiser Justinian I. (reg. 527–565) und war unter anderem eine Folge der divergierenden kirchenpolitischen Interessen auf der Balkanhalbinsel. Schließlich unterstellte der byzantinische Kaiser Leon III. (reg. 717–741) Illyrien und Teile Süditaliens (Kalabrien, Sizilien) dem Patriarchat von Konstantinopel. Allerdings fielen die italienischen Diözesen durch politische und kirchliche Entwicklungen und aufgrund der räumlichen Entfernung im 11. Jahrhundert wieder an Rom. Durch den Aufstieg Konstantinopels zur neuen Hauptstadt des Imperium Romanum nahm dessen Erzbischof einen immer bedeutenderen Platz in der Oikoumene ein. Heute kennen wir den Erzbischof von Konstantinopel unter dem Titel „Erzbischof des Neuen Roms Konstantinopel und Ökumenischer Patriarch“. Dieser Titel hat sich in mehreren Etappen entwickelt: Ab dem Jahr 448 begegnet uns die Bezeichnung „Erzbischof des Neuen Roms Konstantinopel“. Zu Beginn des 6. Jahrhunderts taucht in zeitgenössischen schriftlichen Quellen schließlich der Titel „Erzbischof des Neuen Roms Konstantinopel und Ökumenischer Patriarch“ auf. Die Bezeichnung „Ökumenischer Patriarch“ wurde im 9. Jahrhundert unter dem berühmten Patriarchen Photios von Konstantinopel (im Amt 858–867, 878–886) zum offiziellen Bestandteil der Titulatur. In die Amtszeit des Patriarchen Michael Kerullarios von Konstantinopel (1043–1058) fiel der 16. Juli 1054 – jener Tag, an dem ein Gesandter Papst Leos IX. (im Amt 1049–1054) namens Humbert von Silva Candida nach anhaltenden Unstimmigkeiten zwischen Rom und Konstantinopel eine päpstliche Bannbulle auf dem Altar der Hagia Sophia in Konstantinopel niederlegte. Die Kirchenspaltung (Schisma) innerhalb der kirchlichen Oikoumene vollzog sich im Lauf der folgenden Jahrhunderte. Ihre Ursachen sind vielfältig. In der Forschung werden meist folgende Streitpunkte als Hauptgründe für den Bruch genannt: die Azymenfrage (die Verwendung von ungesäuertem bzw. gesäuertem Brot in der Kommunion), der Primat (die kirchliche Vorrangstellung innerhalb der Pentarchie), das Filioque (der Ausgang des Heiligen Geistes) und der Zölibat (die Ehelosigkeit der Priester). Die Vorgänge des Jahres 1054 stellten keine Zäsur in den Beziehungen zwischen Konstantinopel und Rom dar. Vielmehr handelte es sich um ein Ereignis in einer längeren Phase des Auseinanderdriftens, das sich nach 1054 stufenweise verstärkte. Die Eroberung Konstantinopels im Verlauf des Vierten Kreuzzugs 1204 sowie die Etablierung des lateinischen Kaiserreiches und des lateinischen Patriarchates von Konstantinopel haben zu einer tiefgreifenden Entfremdung beigetragen. Dennoch gab es – nicht zuletzt bedingt durch die rasante Expansion der Osmanen in Europa ab 1354 – vor allem vonseiten der byzantinischen Kaiserdynastie der Palaiologen starke Bestrebungen, in Unionsverhandlungen mit dem Papst in Rom und den lateinischen Mächten Mittel- und Westeuropas zu treten.

War das Tragen purpurgefärbter Stoffe nur dem Kaiser vorbehalten oder gab es Zugeständnisse an Verwandte, hohe Beamte, etc? Gab es andere Farben, deren Verwendung in Byzanz mit bestimmten Ämtern oder Titeln verbunden waren?

Amateur

Kaiser

Als Farbe war Purpur nicht exklusiv dem Kaiser vorbehalten, aber einzelne Kleidungsstücke in dieser Farbe durften in der Tat nur vom Kaiser getragen werden. Dazu gehörte der Feldherrenmantel und vor allem die Schuhe oder Stiefel. Auch die kaiserliche Unterschrift war traditionell rot. In Ausnahmesituationen durften auch designierte Kaiser bereits purpurfarbene Elemente auf ihren Schuhen tragen.
Farbe war ein wichtiges Unterscheidungskriterium am Hof. Aus dem 11. und 12. Jahrhundert wissen wir, dass blaue Schuhe für die hohen Würden der "Sebastokrator" und "Kaisar" vorbehalten. Der "Protobestiarios" wiederum trug grüne Schuhe. Gelbe Schuhe waren dem Eparchen von Konstantinopel vorbehalten.

Inwieweit kann man die jetzige Situation in Syrien etc. aus den historischen Erfahrungen von Byzanz und dem Westen ableiten. Wie sehr beeinflussen die historischen Ereignisse von damals die jüngste Vergangenheit in diesem Krisen- und Kriegsgebiet?

Nicole Lovaszi

Geschichte

Seit dem 10. Jahrhundert wurde Syrien zu einem umstrittenen Grenzgebiet zwischen dem (wiedererstarkten) Byzantinischen Reich, dem (sunnitischen) Kalifat der Abbasiden im Irak und dem (schiitischen) Kalifat der Fatimiden in Ägypten. Dies trug gemeinsam mit dem Auftreten verschiedener Beduinenverbände zu einer starken politischen Fragmentierung in verschiedene kleiner Herrschaftsgebilde bei, die auch versuchten, zwischen den benachbarten Großmächten zu lavieren (wie etwa das Emirat von Aleppo). In dieser Gemengelage traten neben länger etablierten christlichen und islamischen Gemeinschaften auch neue, bis heute im syrischen Raum wichtige religiöse Bewegungen auf wie die Drusen (die ab 1017 den Fatimidenkalifen al-Hakim als Gott ansahen) oder die schiitische Sonderrichtung der Alawiten, die sich ebenfalls um diese Zeit aus dem Irak nach Syrien verbreiteten. Insbesondere diese beiden Gruppen wurden auch oft durch Vertreter des islamischen „Mainstreams“ der Sunniten verfolgt. In der zweiten Hälfte des 11. Jh.s brach die Machtstellung der Byzantiner in Nordsyrien und der Fatimiden im Süden zusammen; an ihre Stelle traten seldschukisch-türkische Machthaber und dann ab 1096 auch die Kreuzfahrer aus dem Westen, die nun ebenfalls kleinere Fürstentümer neben den muslimischen Emiraten gründeten. Erst mit der Eroberung durch die Mamlukensultane von Ägypten im späteren 13. Jh. wurde Syrien wieder in eine größere politische Einheit integriert, das zuvor entstandene Mosaik an ethnischen und religiösen Gruppen blieb aber bestehen. Dies gilt auch für die ab 1516 etablierte Herrschaft der Osmanen und die nach dem Ersten Weltkrieg folgende Mandatsherrschaft der Franzosen. Letztere sahen sich durchaus als „Nachfolger“ der „fränkischen“ Kreuzfahrer des 11.-13. Jh.s; gemäß dem Motto „teile und herrsche“ bevorzugten sie auch einzelne Gruppen innerhalb Syriens wie etwa die Alawiten, die bis 1937 sogar einen eigenen Staat innerhalb des Mandatsgebiets an der syrischen Küste erhielten. Die Alawiten nahmen auch nach der Unabhängigkeit Syriens 1946 wichtige Positionen in der Armee und in der Verwaltung ein; auf dieser Grundlage entstand auch das Regime der alawitischen Assad-Familie (ab 1970).
Das religiöse und ethnische Mosaik in Syrien mit all seinen Potentialen für ein friedliches Zusammenleben, aber eben auch heftige Konflikte findet somit gewissermaßen seine historische Tiefenschicht in der Epoche, die in der Ausstellung „Byzanz und der Westen“ betrachtet wird. Diese komplexe Geschichte lässt sich nur aufgrund einer Vielzahl von historischen Texten in verschiedenen Sprachen (Arabisch, Syrisch-Aramäisch, Griechisch, Latein, Armenisch usw.) rekonstruieren, sodass es schwerfällt, hier eine allgemeine Quelle zu nennen. Für einen ersten Überblick nützlich ist aber der von Bernd Lemke herausgegebene Band „Irak und Syrien (Wegweiser zur Geschichte)“ (2016), für eine tiefergehende Recherche für die mittelalterliche Periode der in der Wiener Reihe „Tabula Imperii Byzantini“ von Klaus-Peter Todt und Bernd Andreas Vest erstellte Band 15 „Syria“ (2015, 3 Bände mit 2696 Seiten).

Welche technischen und naturwissenschaftlichen Leistungen verdanken wir den Byzantinern?

Thomas Nárosy

Wissenswertes

Die Liste der byzantinischen Leistungen im Bereich der Technik und Naturwissenschaften wäre recht lang. Der rumänische Byzantinist Nicolae Iorga prägte mit seinem Begriff "Byzance après Byzance" (Byzanz nach Byzanz) das Fortleben und die Nachwirkung der byzantinischen Errungenschaften, Kultur, und Technologie nach 1453. Einerseits gibt es eine gewachsene postbyzantinische Kultur in den Ländern Südost- und Osteuropas, wo als gemeinsame Basis der orthodoxe Glaube fungiert. In Griechenland bildet die byzantinische Vergangenheit neben dem antiken Erbe einen wichtigen Teil der nationalen und religiösen Identität. Andererseits begann man im 19. und 20. Jh. bewusst byzantinische Formen, Stile und Techniken zu rezipieren.

Bis ins 12. Jh. war das Byzantinische Reich "die" europäische Leitkultur, der viele europäische Staaten nachzueifern versuchten. Byzantinische kunsthandwerkliche Produkte wie Seidenstoffe, Elfenbeinkunst, Gold- und Silberarbeiten, sowie Email-  und Bronzekunst, später auch kunstvoll gestaltete Reliquienschätze, waren überall begehrt. Auch technische Errungenschaften fanden im Ausland großes Interesse, darunter wären beispielsweise Musikinstrumente wie Orgeln oder Waffen wie das "griechische Feuer" zu nennen, das eine Art Flammenwerfer auf Rohölbasis darstellt und vor allem in Seeschlachten Verwendung fand. Die Byzantiner betrieben eine sehr aktive Diplomatie, suchten die Nachbarn aus einer Position der Überlegenheit zu kontrollieren. Ein gewaltiger Erfolg für Byzanz war der "Export" des orthodoxen Christentums, grundgelegt durch das Wirken der Slawenapostel Kyill und Method. Auch die Osmanen hatten ab 1453 erheblichen Einfluss daran, dass das byzantinische Erbe gewissermaßen fortexistierte und byzantinische Technologien weiterentwickelt wurden.

Ein weiterer Aspekt ist, dass die Leistung der Byzantiner auch in der Bewahrung des alten antiken Wissens lag. Sie verstanden es christliche Grundwerte mit römischen Rechts- und Verwaltungsstrukturen einerseits mit den Denksystemen und dem gesammelten Wissen der Antike andererseits auf kreative Art neuzuverbinden. Dieses Kulturpotential entwickelte Byzanz über ein Jahrtausend weiter und prägte dadurch das kulturelle und politische Selbstverständnis Europas.

Literaturtipp: Hans-Georg Beck, Das Byzantinische Jahrtausend. München 1978.

Die behandelte Zeit hat ja auch den Aufstieg des Islams gesehen, der mir bei der Ausstellung viel zu kurz kommt. Es hat ja mit den div. islamischen Reichen ein Austausch (und nicht nur kriegerische Auseinandersetzungen) stattgefunden.

Thomas Nárosy

Ausstellung

Wie Sie richtig feststellen hat die behandelte Zeit in der Ausstellung den Aufstieg des Islams erlebt. Allerdings hat sich die Ausstellung "Das goldene Byzanz und der Orient", welche 2012 auf der Schallaburg gezeigt wurde, diesen Themen umfangreich gewidmet. Die diesjährige Ausstellung versucht hingegen die Ausstrahlung von Byzanz in den Westen zu thematisieren. Es werden daher die wechselhaften Beziehungen zum Westen über das Verbindungsglied Mittelmeer thematisiert.

Die Geschichte der byzantinisch-arabischen Beziehungen beginnt schon lange vor den muslimischen Eroberungen im 7. Jahrhundert n. Chr. Erst nach dem Tod des Propheten Muhammads (632) formierten sich die geeinten arabischen Stämme zu einer Streitmacht und bauten eine Flotte auf. Bald darauf gelang es ihnen den gesamten christlichen Osten und Nordafrika zu erobern. Die Araber sorgten mit ihrer Flotte für ein Ende der byzantinischen Vorherrschaft im Mittelmeer. Konstantinopel wurde dabei zwischen 674 und 678 und 717/718 ernsthaft bedroht und von den Arabern belagert. Durch Verteidigungsmittel wie das berühmte griechische Feuer und die starke Befestigungsmauer konnten die Angriffe allerdings abgewehrt werden. Im 10. Jh. konnten die Byzantiner ihre Reichsgrenze wieder über den Euphrat in Syrien und Mesopotamien ausdehnen. Allerdings traten Mitte des 11. Jh. bereits die Seldschuken auf, die ihrerseits sowohl gegen die Byzantiner als auch gegen die Araber kämpften.

Die Beziehungen zwischen den Byzantinern und Arabern waren natürlich nicht nur kriegerischer Natur. Es gab sehr wohl einen diplomatischen und kulturellen Austausch. Zum Zwecke diplomatischer Verhandlungen sandte man sich gegenseitig Gesandtschaften. Die byzantinischen Kaiser hielten am römischen Zeremoniell fest. Dieses Zeremoniell wurde auch von den arabischen Kalifen übernommen, um kulturelle Ebenbürtigkeit zu demonstrieren. Beide Seiten empfingen die Gesandten der gegnerischen Partei in prunkvoll inszenierten Audienzen. Man sandte sich prunkvolle Geschenke wie kunstvoll illustrierte Bücher und kostbare Seidenstoffe. Im 8. Jh. berichtet der islamische Gelehrte Ibn Battuta, dass der byzantinische Kaiser dem umayyadischen Kalifen al-Walid (705 - 715) 12.000 Handwerker für den Bau der großen Moschee in Damaskus übermittelte. Tatsächlich sind in diversen islamischen Bauwerken noch heute Einflüsse byzantinischer Handwerkskunst erkennbar.

Darüber hinaus wurde im 9. Jh. eine Vielzahl von antiken naturwissenschaftlichen und philosophischen Texten aus dem Griechischen ins Arabische übersetzt. Die Araber übernahmen viel aus dem Bereich der Naturwissenschaften wie Kenntnisse aus der Medizin und der Geographie, haben aber vieles weiterentwickelt. Daneben hatte die griechische Philosophie von Platon und Aristoteles durch diesen Texttransfer einen großen Einfluss auf das islamische Denken. Über das von den Arabern eroberte Spanien und Sizilien gelangte dieses antike byzantinische Wissen angereichtert mit arabischen Vorstellungen schließlich in das mittelalterliche europäische Abendland. Daneben gibt es eine Reihe von orientalisch-arabischen Texten aus dem bereich der Erzählliteratur wie moralische Geschichten, Weisen, Fabeln, Märchen und Epen, die Eingang in die byzantinische Literatur gefunden haben. Die byzantinisch-arabischen Beziehungen sind demnach viel tiefgründiger zu sehen.

Der Artikel "Künstlerischer und kultureller Austausch zwischen Byzanz und dem Islam" von Neslihan Asutay-Effenberger im Ausstellungskatalog "Das goldene Byzanz und der Orient", 2012 fasst diese Wechselwirkung und Beziehungsgeschichte sehr gut zusammen. Ein grudlegendes Werk zu den arabisch-byzantinischen Beziehungen stellt das Buch "Byzantium Viewed by the Arabs" von Nadia M. El-Cheikh Saliba dar.

Was für einen Stellenwert hatten die Frauen in der byzantinischen Welt?

Schild-Burggasser

Alltag

Mit der Erforschung der Stellung der Frau im Byzantinischen Reich haben sich mittlerweile einige Forscherinnen und Forscher beschäftigt. Prinzipiell kann das Leben und die Stellung einer byzantinischen Frau mit einer römischen Frau gut verglichen werden. Für die christlichen und frommen Byzantiner galt ein Leben im Kloster als höchstes Ideal. Der Eintritt von Frauen in Klöster und deren Leben als fromme Nonnen ist zum Teil recht gut belegt. Oft traten Frauen schon als junge Mädchen in Klöster ein. Manchmal entschieden sich aber auch verwitwete Frauen für ein Leben im Kloster, nicht selten waren darunter auch Kaiserinnen, die zum Teil selbst als Stifterinnen von Klöstern hervortraten. Prinzipiell konnten Frauen in der orthodoxen Kirche keine Ämter ausführen. Im Kloster konnte eine Frau allerdings als Äbtissin eine leitende Funktion ausführen. Es gibt auch Quellen, die Frauen als Diakonissen belegen. Man muss allerdings davon ausgehen, dass ein Großteil der Byzantinerinnen Ehefrauen und Mütter waren. Hier ist das Leben von Frauen in der gehobenen Gesellschaft besser dokumentiert. Das Gesellschaftsbild sah vor, dass eine verheiratete Frau den Haushalt mit Bedacht und Fürsorge zu führen hatte und sich fromm verhielt. Zudem war ihre Aufgabe das Hauspersonal zu führen und die Kindererziehung zu übernehmen. In noblen Häusern lebten Frauen in eigenen Frauentrakten. Für tasächliche Hausarbeit gab es Bedienstete. Das Haus hat eine noble Byzantinerin möglicherweise nur mit einem Schleier verlassen und auch nur um ein Badehaus zu besuchen oder einem Gottesdienst beizuwohnen. Für Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen stellte die Bereitstellung der Mitgift für die Eltern oft ein großes Problem dar. Oftmals traten Frauen aus ärmlichen Verhältnissen daher in Klöster ein. Es gibt aber auch Belege von Frauen, die als Hebammen, Erzieherinnen, Köchinnen, Bedienerinnen und Wäscherinnen gearbeitet haben. In Konstantinopel sind zudem auch Arbeiterinnen im Textilsektor belegt; darunter finden sich Spinnerinnen, Weberinnen, Wollkämmerinnen. Wenn Frauen in den genannten Bereichen keine Arbeit fanden und auch nicht einem Kloster beitreten wollten, mussten sie sich als Prostituierte, Tänzerinnen, Schauspielerinnen und Akrobatinnen verdingen. Gerade diese Berufe galten allesamt als verrucht und waren gesellschaftlich nicht angesehen.

Wie viele Einwohner hatte Konstantinopel um das Jahr 1200? Wie viele Einwohner hatte Rom im Vergleich um das Jahr 1200?

Lorena & Ludwig

Geschichte

Konstantinopel / Istanbul: Die erste Stadtmauer Konstantinopels schützte ein Areal von etwa 7 km²; am Beginn des 5. Jahrhunderts wurde sie durch eine zweite, teilweise bis heute erhaltene ersetzt. Dadurch wurde das befestige Stadtareal auf 12,7 km² und nach späteren Ausbauten auf knapp 14 km² erweitert.

Für die Bevölkerung Konstantinopels gibt es vor der Eroberung 1453 keine Quellenaussagen. Seriöse Schätzungen beruhen auf punktuellen Quellenangaben zu einzelnen Bevölkerungsschichten (stark schwankende Militärpräsenz, Zahl der Mönche und Nonnen einzelner Klöster, …) und auf den damaligen Versorgungsmöglichkeiten: Länge und Gefahren der Transportwege zu Land und vorzugsweise zur See; dazu geringe Haltbarkeitsgrenzen bestimmter Lebensmittel (besonders Gemüse), die im Umland produziert werden müssen, wofür im Nahbereich von Konstantinopel nach dem 6. Jahrhundert innerhalb der Landmauern etwa 3km2 und außerhalb im Nahbereich etwa weitere 10 km2 zur Verfügung standen; Nahbereich: Wegstrecke vom Produzenten zu den zentral gelegenen Märkten maximal 2 Stunden.

Konstantinopel hatte vor 541/542, also vor der sogenannten „justinianischen“ Pest, die den gesamten östlichen Mittelmeerraum verheerte und in schwächeren Schüben bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts wiederkehrte, wahrscheinlich mehr als 400.000, vielleicht sogar 500.000 Einwohner. Nach einer Erholungsphase lag die Zahl ab/nach dem späten 8. Jahrhundert meist deutlich über 100.000, erreichte wahrscheinlich im 11. und 12. Jahrhundert 200.000. Höhere Zahlen erscheinen nicht vertretbar.

Somit war Konstantinopel seit dem 5. Jahrhundert jedenfalls – aus vorindustrieller städtehistorischer Sicht –  ununterbrochen eine Großstadt.

Was die Bevölkerungszahlen Roms betrifft, so muss zu Beginn festgehalten werden, dass es auch hier keine genauen Zahlen gibt. Im 4. Jh. wird für Rom schätzungsweise eine Einwohnerzahl von 500.000 Personen angenommen. Der frühbyzantinische Historiker Prokopios von Caesarea berichtet, dass durch die Gotenkriege nur noch 500 Männer in Rom übriggeblieben sein sollen. Man kann aber davon ausgehen, dass diese Zahl nicht der Wahrheit entspricht. Zur Zeit Papst Gregors des Großen im 6. Jh. /7. Jh. soll Roms Bevölkerungszahl erneut auf 90.000 Menschen angewachsen sein, weil Flüchtlinge aus dem Umland von den Langobarden in die Stadt getrieben wurden. Mit dem Zusammenbruch der städtischen Versorgung im 7. Jh. ging ebenso ein Bevölkerungsschwund einher. Unter Papst Hadrian I. im 8. Jh. wuchs die Bevölkerung Roms wieder an. Allerdings brach das Wohlfahrts- und Versorgungswesen der Stadt im 9. Jh. erneut zusammen. Die politischen Umstände im 10. Jh. sollen ebenfalls einen Bevölkerungsrückgang herbeigeführt haben. Im Jahr 1167 verzeichnet ein Chronist 20.000 Malariatote in Rom. Tatsächlich dürfte diese Zahl aber auch übertrieben formuliert sein. Realistische Schätzungen der Einwohnerzahl Roms könnten im 12. und 13. Jh. also bei 35.000 bis 40.000 Personen - wenn nicht etwas höher - liegen.

Gab es Beziehungen zwischen dem Byzantinischen Reich und Korea?

Ariadne Steinberger

Geschichte

Während es zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert n. Chr. vereinzelte Belege für die Präsenz von Händlern und Gesandten aus dem römischen Reich in China gibt, ist die Quellenlage für die späteren byzantinischen Jahrhunderte weniger eindeutig, sodass direkte (diplomatische) Kontakte zwischen Byzanz und dem Fernen Osten zweifelhaft bleiben. Objekte gelangten aber aus China (z. B. Seide) bis in den byzantinischen Raum bzw. umgekehrt (z. B. byzantinischen Münzen oder Glas). Auch einzelne Kaufleute mögen fast die gesamte Distanz zwischen dem Fernen Osten und dem Mittelmeer zurückgelegt haben, so fanden sich in einem Gräberfeld im nordwestlichen Kaukasus Aufzeichnungen eines chinesischen Händlers aus dem 8. Jahrhundert. Wohl über China gelangten spätrömische und byzantinische Objekte, wie etwa Glasgefäße, ins koreanische Königreich von Silla (wo man sie bei Ausgrabungen fand) und von Korea auch weiter nach Japan, wo sie bis heute im Shōsō-in-Schatzhaus (8. Jh.) des berühmten Tōdai-ji-Tempels in Nara aufbewahrt werden. Direkte diplomatische Kontakte zwischen Konstantinopel und diesen Ländern sind aber ebenso unwahrscheinlich. Arabische Kaufleute und Gesandte gelangten, vor allem auf dem Seeweg, hingegen ab dem 8. Jh. in größerer Zahl nach Ostasien, und arabische Quellen erwähnen im 9. Jh. auch „al-Sila“ als Reich auf der koreanischen Halbinsel.

Was war die Stellung der kroatischen Fürsten und Könige zwischen dem Westen und Byzanz?

Virginia Vila-Nardelli

Geschichte

Berichte über die Migration der Kroaten in die früheren römischen Provinzen Pannonien und Dalmatien im 7. Jh. haben wir zuerst in den Texten des byzantinischen Kaisers Konstantin VII. Porphyrogennetos (reg. 913-959). Erste kroatische Fürstentümer sind ab dem späten 8. Jh. fassbar und befanden sich damals im Grenzgebiet zwischen byzantinischer Macht und der Einflusssphäre des Reiches der Franken, das unter Karl dem Großen zum Konkurrenten von Byzanz aufstieg. Auch die verschiedenen kroatischen Fürsten versuchten aus dieser Zwischenstellung Vorteile zu erringen, dennoch entschied man sich im 9. Jh. zur Annahme des Christentums aus Rom (und nicht aus Konstantinopel). Auch die Annahme des Königstitels durch den kroatischen Fürsten Tomislav im Jahr 925 wurde durch den Papst anerkannt. Dennoch blieb Kroatien in engeren Beziehungen zu Byzanz und musste, als die byzantinische Vormacht in Südosteuropa nach den Siegen über das Bulgarenreich wiederhergestellt war, im späteren 10. Jh. zeitweilig dessen Oberhoheit anerkennen. Auch nach der 1102 etablierten Personalunion zwischen den Königreichen Kroatien und Ungarn blieben die Grenzgebiete in Dalmatien und Slawonien mit Byzanz strittig, insbesondere unter Kaiser Manuel I. Komnenos (reg. 1143-1180), ehe nach dessen Tod die byzantinische Macht auf dem nördlichen Balkan zusammenbrach. Trotz dieser oft unruhigen Beziehungen war der kulturelle Einfluss des byzantinischen Reiches auch in Kroatien, vor allen an der Adriaküste, stark spürbar.

Kann die Magnauraschule und ihre Vorläufer als Universität von Konstantinopel gelten? Inwieweit sind gegenseitige Einflüsse zwischen westlichen Unis und der Magnaura bekannt?

Amateur

Alltag

In der langen Geschichte von Byzanz wurde höhere Bildung meist durch privat finanzierte Lehrer vermittelt, war also nur für Wohlhabende zugänglich und somit ein Statussymbol. Gelegentlich berichten die Quellen, dass einzelne Herrscher für die Finanzierung von Bildungseinrichtungen gesorgt haben. Dies gilt auch für die Schule bei der Magnaura in unmittelbarer Nähe des Kaiserpalastes, die in der Mitte des 9. Jahrhunderts durch Bardas, Mitkaiser (Caesar) von Kaiser Michael III., eingerichtet wurde—lange vor der Einrichtung von Universitäten im lateinischen Westen. Der Kaiser finanzierte den Unterricht, u.a. durch Leo dem Mathematiker, in Philosophie, Geometrie, Astronomie, und Grammatik. 
Die Wissenschaft ist sich uneinig, ob die Nachrichten in den Quellen über den von manchen Kaisern geförderten Bildungsbetrieb in Konstantinopel (Theodosius II, Michael III, Konstantin IX) als kontinuierliche Existenz einer institutionalisierten Bildungseinrichtung, d.h. ‘Universität’, zu interpretieren sind (Glas halb voll), oder eben nur als punktuelle Einzelinitiativen aus intellektuellem Interesse oder zur gezielten Eliteförderung (Glas halb leer).

Von welchem Kaiser war Theodora Komnena die Tochter?

Prikryl Rudolf

Kaiser

Theodora Komnena war die Nichte von Kaiser Manuel I. Komnenos (reg. 1143 - 1180). Sie war die Tochter von Andronikos Komnenos, Bruder von Manuel I. Komnenos, die ihrerseits die Söhne von Kaisers Johannes II. Komnenos (reg. 1118 - 1143) und Piroska-Irene waren.

Der Babenberger Heinrich II. Jasomirgott wurde auf seinem Rückweg vom Kreuzzug 1148/49 in Konstantinopel mit Theodora Komnena vermählt. Theodora trat später bei diplomatischen Verhandlungen in Erscheinung, und ihre Mitgift mag den Ausbau Wiens zur Residenzstadt begünstigt haben.

Worin besteht der Unterschied zwischen den Titeln Basileus und Rex?

Amateur

Kaiser

Die Titel Rex und Basileus bezeichneten ursprünglich beide einen "König". Die byzantinischen Kaiser hatten anfänglich den Titel Imparator geführt, weil sie sich auch als Römer bzw. Rhomäer sahen. Kaiser Herakleios (reg. 610–641) tauschte im 7. Jh. allerdings den römischen Imperator-Titel gegen den griechischen Herrschertitel Basileus ein, wodurch das griechische Wort „basileus“ zum Hauptbestandteil des Titels wurde.  Der Titel Basileus wurde in weiterer Folge zum Äquivalent des Imparator-Titels, während sich die westlichen Könige weiterhin mit dem lateinischen Wort "rex" titulierten.

Warum gab es im orthodoxen Einflussgebiet (oder slawischen Ländern) keine Könige sondern (Groß-)Fürsten und Zaren?

Amateur

Wissenswertes

Diese Differenzen in der Terminologie haben mehr mit der Wiedergabe der jeweiligen Herrschertitel im Deutschen bzw. anderen Sprachen zu tun als mit tatsächlichen Unterschieden im Ämterverständnis. So werden die Träger des Titels eines velikij knjaz’ (im Deutschen: „Großfürst“) unter den russischen Fürsten im 12.-15. Jh. in an sie gerichteten Briefen aus Konstantinopel auf Griechisch als „megas rex“ angesprochen, was auf Deutsch eher „großer König“ bedeutet. In Serbien wurde ab dem 12. Jh. die Bezeichnung „kral“ (im Griechischen „krales“) für den Herrscher üblich, was wiederum auch meist als „König“ wiedergegeben wird (und sich vermutlich vom Namen „Karl“ des fränkischen Königs und Kaisers Karl des Großen ableitet, analog zu „Kaiser“ vom römischen Personennamen „Caesar“). Die Bezeichnung „Zar“ im Russischen, Bulgarischen oder Serbischen schließlich leitet sich vom griechisch-byzantinischen „kaisar“ (was wiederum das lateinische „Caesar“ wiedergibt) und somit direkt aus der römischen Kaisertitular ab; damit wollten ab dem 9. Jh. orthodoxe Herrscher in Südosteuropa ihre Gleichrangigkeit mit dem „römischen“ (byzantinischen) Kaiser in Konstantinopel ausdrücken. Für letzteren wiederum wurde ab dem 7. Jh. das griechische Wort „basileus“ zum Hauptbestandteil des Titels, was ursprünglich eigentlich „König“ bedeutet. Somit ist es immer wichtig, sich die tatsächliche Terminologie und Bedeutung der Titel in den Originalsprachen anzusehen.

Gab es verwandtschaftliche Beziehungen zwischen Adligen aus dem Byzantinischen Reich und den Patrizierfamilien in Rom?

Amateur

Kaiser

Diese Frage ist pauschal schwierig zu beantworten und würde eine sehr intensive Erforschung der jeweiligen Familiengeschichten voraussetzen (was man auch nur jeweils für einen begrenzten Zeitraum unternehmen könnte). Tendenziell lässt sich jedoch sagen, dass es innerhalb der römischen Elite etliche griechischstämmige Familien gab und bis ca. 750 gab es häufig auch "griechische" Päpste, die aus dem Osten oder aus den griechischen Gebieten Italiens stammten. Danach schwindet das "griechische" Element in der römischen Elite. Wenn es danach Heiratsverbindungen mit byzantinischen Familien gegeben haben sollte, wären das höchstens vereinzelte Fälle, die man überprüfen müsste.

Gab es Herrschaftssymbole, die der Westen von Byzanz übernommen hat und umgekehrt?

Amateur

Kaiser

In puncto Herrschaftssymbole war Byzanz lange Zeit das Richtmaß für die Herrscher des Westens, auch wenn man betonen muss, dass es in beiden Welten lange Zeit keine einzigartigen Insignien gab (die "eine" Krone, das "eine" Szepter) - es ging nur darum, sich mit Gegenständen aus gewissen Kategorien zu schmücken. Insignien wie Diadem/Krone, Szepter und Feldherrenmantel stammen aber noch aus der "gemeinsamen" Tradition des spätantiken Kaisertums, d.h. es ist nicht klar, ob sie im Westen aus alten Darstellungen übernommen wurden oder über byzantinische Vermittlung in den Westen kamen. Der Globus mit aufgesetztem Kreuz ("Reichsapfel") wiederum ist auf byzantinischen Münzen schon früh belegt, aber wir wissen nicht, ob er auch als reales Objekt existierte. Im Westen ist er als solches ab dem 10. Jahrhundert belegt und könnte von den byzantinischen
Münzdarstellungen inspiriert gewesen sein. Überhaupt gab es gerade im 9. und 10. Jahrhundert Phasen starker Anlehnung an byzantinische Gewohnheiten bei der Gestaltung von Siegeln und Urkunden (etwa die Imitation der roten Kaiserunterschrift durch Karl den Kahlen, ausgestellt in Raum 8 in dieser Ausstellung).

Was ist aus den nach Venedig verpfändeten byzantinischen Kronjuwelen geworden?

Amateur

Geschichte

Es gab bereits spätestens ab 1370 wiederholte Versuche byzantinischer Kaiser, im Rahmen diplomatischer Verhandlungen die Kronjuwelen zurückzuerhalten. Die letzten Verhandlungen scheiterten jedoch 1448 und so müssen die Kronjuwelen in Venedig verblieben sein. Eine Identifizierung ist schwer, weil die Zusammensetzung nicht bekannt ist. 1797 eroberte Napoleon Venedig und transportierte viele Schätze nach Paris. Nach dem Wiener Kongress 1815 musste Frankreich vieles zurückgeben - so auch die berühmten Bronzepferde. Was in dieser Zeit mit den Kronjuwelen geschah, ist leider nicht bekannt.

Wieso hat Konstantinopel nach anfänglichen Versuchen die Christianisierung Böhmens und Mährens Rom überlassen?

Amateur

Geschichte

Die Mission des Kyrill und Method ab 863/864 im Großmährischen Reich stieß von Beginn an auf den Widerstand dort bereits tätiger westkirchlicher Kleriker als Vertreter der benachbarten Bistümer Salzburg und Passau, die um ihre Macht im Grenzraum des fränkischen Reiches fürchteten. Die großmährischen Fürsten hatten aber deshalb auch um Missionare aus Konstantinopel gebeten, um den kirchlichen Einfluss des Nachbarn nicht zu groß werden zu lassen. Mit ähnlichen Hoffnung suchte der um dieselbe Zeit nach byzantinischem Ritus getaufte Herrscher der Bulgaren Boris-Michael den Kontakt zum Papst in Rom, um den Einfluss Konstantinopels zu schwächen. 867 reisten Kyrill und Method nach Rom, wo einer Lösung des Konflikts in Mähren möglich schien; allerdings verstarb Kyrill dort 869. Method und seiner Schüler wurden nach ihrer Rückkehr nach Mähren 870 auf Betreiben der lokalen Bischöfe sogar gefangengenommen und in Klosterhaft gehalten. Nach seiner Freilassung setzte Method die Bemühungen um eine eigenständige mährische Kirche, der alternativ zu Latein auch das Kirchenslawische als Liturgiesprache erlaubt sein würde, fort. Doch wurden die meisten seiner Schüler nach seinem Tod 885 aus dem Mährischen Reich vertrieben, das fest in die westkirchlichen Strukturen eingegliedert wurde. Zuflucht fanden viele der Schüler Methods aber im Bulgarenreich, das sich wiederum nun eindeutig an die byzantinisch-orthodoxe Tradition angeschlossen hatte. Gewissermaßen setzte sich also jeweils die „Logik“ der geographischen Nähe durch.

Welche Rolle spielte der östliche Teil der Kirche bei den Kirchenreformen des 11.Jahrhunderts und wie veränderte sich sein Ansehen dabei unter westlichen Klerikern?

Amateur

Alltag

Die Kirchenreformen des 11. Jahrhunderts in der Westkirche und das dadurch umso selbstbewusstere Auftreten der Päpste, die auch das westliche Kaisertum im Investiturstreit herausforderten, trugen ebenso zu einer Verschärfung der theologischen und kirchenpolitischen Konflikte mit der byzantinischen Kirche bei. Mit der Eroberung der letzten byzantinischen Territorien in Süditalien durch die Normannen gelangten diese Gebiete (wieder) unter die Jurisdiktion Roms (die dort bis ins 8. Jahrhundert bestanden hatte), was den Protest Konstantinopels hervorrief. Dazu kam eine Intensivierung der Debatte um schon länger strittige Punkte in der Glaubensauslegung und in der Glaubenspraxis, die auch durch Schriften byzantinischer Kirchengelehrter innerhalb der Ostkirche verschärft wurde. Vor diesem Hintergrund verhandelten Papst und byzantinischer Kaiser zwar 1054 sogar über eine Allianz gegen die Normannen (die auch die Stellung der Päpste zeitweilig bedrohten), doch scheiterten diese Verhandlungen nicht nur, sondern führten sogar zur wechselseitigen Verhängung des Kirchenbanns. Auch wenn diese später als „Großes Schisma“ bezeichnete Entzweiung in den Augen der Zeitgenossen wohl noch nicht jene nachhaltige Symbolwirkung besaß, wie sie ihr die spätere Forschung zuschrieb, so stellt das 11. Jahrhundert sicher eine Periode der Verdichtung der wechselseitigen Missverständnisse und der Wahrnehmung der Unterschiede zwischen West- und Ostkirche dar.

Gibt es geschätzte Bevölkerungszahlen für Konstantinopel, die die Entwicklung der Stadt über die Jahrhunderte einfach nachvollziehbar machen? Anhand welcher Informationen wird die Einwohnerzahl von Städten geschätzt?

Amateur

Alltag

Nach seiner Neugründung durch Kaiser Konstantin den Großen im Jahr 324 erlebte Konstantinopel in den nächsten zwei Jahrhunderten ein starkes Bevölkerungswachstum und erreichte in der Regierungszeit Kaiser Justinians I. um das Jahr 540 eine Einwohnerzahl von vermutlich 500 000 Menschen. Für diese Zeit besitzen wir Informationen über den Umfang der jährlichen Getreidelieferungen aus Ägypten, die für die Versorgung der Hauptstadt notwendig waren, und auf dieser Grundlage lässt sich eine solche Schätzung anstellen. Kurz danach suchte allerdings eine Pestepidemie Konstantinopel heim, die in Wellen bis Mitte des 8. Jahrhunderts wiederkehrte; diese Seuchenausbrüche trugen gemeinsam mit der sonstigen Schrumpfung des Reiches zu einem Rückgang der Einwohnerzahl auf vermutlich unter 100 000 Menschen bei. Danach erholte sich die Bevölkerungszahl bis zum 12. Jahrhundert erneut, sodass je nach Schätzung wieder 200 000 oder sogar 400 000 Menschen dort lebten. Mangels statistischer Daten basieren solche Schätzungen unter anderem auf Informationen zu Bevölkerungsdichten anderer Städte aus der Zeit vor der Industrialisierung, die auf die Fläche Konstantinopels (14 km²) hochgerechnet werden. Die Eroberung durch den Vierten Kreuzzug 1204 markierte auch einen erneuten Bevölkerungseinbruch, von dem sich Konstantinopel bis zur osmanischen Eroberung 1453 nicht mehr erholte; damals mag die Stadt noch um die 50 000 Einwohner beherbergt haben, wenn wir von der überlieferten Zahl der waffenfähigen Verteidiger ausgehen. Erst unter den osmanischen Sultanen wurde Konstantinopel im 16. Jahrhundert wieder zu einer „Millionenstadt“.

Wie kam es dazu, dass in der Spätphase des Reiches die italienischen Händler ein so großes Gewicht im östlichen Mittelmeer und in Konstantinopel hatten?

Amateur

Handel

Da Byzanz ab der Mitte des 11. Jahrhunderts keine angemessene Kriegsflotte hatte, war man auf Flottenhilfe aus dem Westen angewiesen. Zunächst gewann man die Venezianer als Verbündete. Im Gegenzug erhielten diese weitreichende Handelsprivilegien in den Häfen des Byzantinischen Reiches, die sie sogar besser stellten als die byzantinischen Händler. Später erhielten auch die Genuesen ähnliche Vorrechte. Durch die Kreuzzüge wurde die Präsenz der Lateiner im Osten immer stärker. Immer größer wurden die Märkte, immer häufiger die Handelsreisen und so wuchsen auch die Auslandsniederlassungen der italienischen Kommunen - nicht zuletzt auch in Konstantinopel.

Welche gesellschaftliche Rolle und Stellung nahmen Händler in Ost und West ein?

Amateur

Handel

Sowohl in Byzanz als auch in den feudal organisierten Reichen des Westens nahmen lediglich die "aristokratischen" Familien Abstand vom Handel; abgesehen davon konnten Händler durch Geschick gesellschaftlich aufsteigen. In den italienischen Seefahrerstädten setzte sich allerdings die Elite selbst zum Großteil aus Kaufleuten zusammen. Der Aufstieg des Bürgertums in den Städten des Westens ab dem 12. Jahrhundert ließ das Händlertum geradezu aufblühen.

Gab es im Westen jemals Kirchen, die der göttlichen Weisheit oder dem göttlichen Frieden geweiht waren und wenn nicht, warum nicht?

Amateur

Alltag

Im westlichen Christentum gibt es, anders als in der orthodoxen Tradition, keine Kirchen, die der göttlichen Weisheit (sophia) oder dem göttlichen Frieden (eirene) geweiht sind. Die Gründe dafür sind ungeklärt. Allerdings entstehen schon im Frühmittelalter Legenden von der Märtyrerin Sophia, und ihren Töchtern Fides (Glaube), Spes (Hoffnung) und Caritas (Nächstenliebe)—wohl in Fortführung der antiken Tradition der Vorstellung von abstrakten Idealen, die personifiziert als weibliche Figuren dargestellt wurden. Ein gutes Beispiel dafür ist Justitia (Gerechtigkeit), die häufig als Frau mit Augenbinde, eine Waagschale haltend, abgebildet wird. Dies soll zeigen, dass Gerechtigkeit ohne Ansehen der Person die Fakten abwägen muss.

Wann wurde die Stadt Konstantinopel gegründet (von den Griechen?), wie hieß sie und wann kommt der Name "Byzanz" in Verwendung (Bedeutung?)

Franz Hartmann

Geschichte

Kaiser Konstantin der Große (reg. 306-337) weihte an der Stelle von Byzantion im Jahr 330 die Konstantinsstadt (griech. Konstantinopolis) ein, womit er nicht nur eine neue, nach ihm benannte Residenz der römischen Kaiser schuf, sondern auch ein Zeichen setzte, das die machtpolitische und wirtschaftliche Bedeutung des Ostens innerhalb der römischen Mittelmeer-Ökumene hervorheben sollte. Konstantinopel entwickelte sich dank seiner idealen geographischen Lage bald - zeitweise im Gegensatz zum italischen alten Rom - zum christlichen neuen Rom (griech. Nea Rome) und übernahm die Führungsrolle innerhalb des Römischen Reiches in der christlichen Spätantike und im Frühmittelalter.
Was die Bezeichnung "Byzanz" anbelangt, so ist der Name auf einen legendären Heerführer und König aus Megara namens Byzas zurückzuführen. Dieser soll einst an der Stelle von Konstantinopel im 7. Jh. v. Chr. die Stadt "Byzantion" gegründet haben. Byzantion existierte bis zur Gründung Konstantinopels.
Seit der Spätantike wird die moderne, wenn auch verkürzte Bezeichnung "Byzanz" als Synonym für das Oströmische Reich verwendet. Weil Konstaninopel der unumstrittene Mittelpunkt des Reiches war, ging man dazu über - angelehnt an die antike Bezeichnung "Byzantion"  - das Reich und seine Kultur als "byzantinisch" zu bezeichnen.

Die Eroberung und Plünderung Konstantinopels 1204 ist mir völlig unverständlich. Wieso hatte der Doge Dandolo einen derartigen Hass auf das Byzantinische Reich? Venedig war doch Jahrhunderte lang enger Verbündeter Konstantinopels. Gier? Geltungsdrang?

Konrad Rauch

Geschichte

Eine Prüfung der Quellen zeigt, dass das Ergebnis des Vierten Kreuzzugs nicht allein auf die Initiative von Enrico Dandolo zurückgeführt werden kann. Vielmehr handelte es sich um eine Verkettung unglücklicher Ereignisse und Entscheidungen, in die auch die Führer der Kreuzritter involviert waren. Dass es schlussendlich zur Plünderung kam, wird verständlicher, wenn man sich vor Augen führt, dass der byzantinische Kaiser Alexios IV. den Kreuzfahrern die versprochene finanzielle Hilfe nicht zukommen lassen konnte und schließlich ermordet wurde. Erst, als man Gefahr lief, vollends mit leeren Händen dazustehen, kam der Entschluss zum Sturm auf die Stadt auf.

Woher hat Byzanz eigentlich das viele Gold?

Konrad

Wissenswertes

Im Herrschaftsgebiet des Byzantinischen Reiches lagen diverse Goldlagerstätten, die ausgebeutet wurden. Dazu gehörten v.a. Goldvorkommen in Ägypten (bis ins 7. Jahrhundert), dann aber auch die Lagerstätten in Armenien, in Kleinasien und in Griechisch-Thrakien. Besonders ergiebig waren die armenischen Goldvorkommen, die besonders leicht auszubeuten waren.

Kommt das Schnitzel aus Byzanz?

Victoria

Wissenswertes

Um den Ursprung des Wiener Schnitzels ranken sich viele Legenden. Eine davon verortet ihn in Konstantinopel, von wo die mit den Babenberger-Herzögen im 12. und 13. Jh. verheirateten Prinzessinnen die Zubereitungsart mitgebracht hätten; am byzantinischen Kaiserhof seien Speisen sogar mit Gold paniert worden. Eine andere Legende schreibt den Import nach Wien dem berühmten Feldmarschall Radetzky zu, der das Schnitzel auf seinen Italienfeldzügen 1848/1849 in Mailand kennengelernt hätte. Tatsächlich taucht aber das panierte Kalbschnitzel bereits davor um 1831 in Wiener Kochbüchern auf, und schon im 17. und 18. Jh. pflegte man in Wien Fleischstücke zu panieren und heraus zu backen. Ein diesbezüglicher mittelalterlicher „Technologietransfer“ aus Byzanz oder andernorts aus dem „Orient“ lässt sich aber in den Quellen nirgendwo nachweisen.

 

Ab wann verwendet man „Europa“ als Begriff?

Anonym

Geschichte

Mitte des 5. Jahrhunderts vor Christus prägte der griechische Historiker Herodot den Begriff „Europa“, wobei er mit diesem vor allem eine geographische Region bezeichnete. Demnach galt Europa als der größte Kontinent der Antike, größer noch als Asien oder Afrika. Als Ethnonym fasste Europa kaum mehr als die Bevölkerung des antiken Griechenlands und seiner Kolonien zusammen.

Auch die altgriechische Sage der gleichnamigen Prinzessin, die von Zeus in Gestalt eines schönen weißen Stieres entführt wurde und gerne als Namensgeberin für den Kontinent herangezogen wird, darf hier nicht unerwähnt bleiben.

Im 8. Jahrhundert nach Christus war es vor allem die Person von Karl dem Großen, der als „pater Europae“ stilisiert wurde, weswegen sich allmählich ein laudativer Gebrauch dieser Erdteilbezeichnung etabliert hatte. Nach dem Fall von Konstantinopel im Jahr 1453 begann sich allmählich auch eine humanistische Europaidee zu etablieren. Europa wurde mit dem Christentum gleichgesetzt. So prägte der Humanist Enea Silvio Piccolomini den Begriff des „europäischen Hauses“. Beginnend mit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts etablierten sich vermehrt Begrifflichkeiten, die den Zweck hatten Europa als für sich alleinstehend bzw. sich abgrenzend darzustellen, was vor allem durch religiös-politische Ideen motiviert war. 

Was waren 1054 die Unterschiede, an denen man sich beim Schisma festgemacht hatte?

Anonym

Alltag

Vor allem Fragen, die den Ritus betreffen haben zu der Streitdiskussion zwischen den östlichen und westlichen Kirchen geführt. In der westlichen Kirche beharrte man beispielweise darauf ungesäuertes Brot in der Eucharistiefeier zu verwenden.

Ausgehend von der Streitfrage nach der Gerichtsbarkeit über Diözesen in byzantinischen Gebieten Süditaliens sandte der Papst Leo IX. Kardinal Humbert von Silva Candida nach Konstantinopel. Die Ereignisse hatten sich durch persönlich Vorurteile, Animositäten und Fehleinschätzungen überschlagen und mündeten darin, dass der Patriarch von Konstantinopel, Michael Kerullarios und Kardinal Silva Candida sich gegenseitig mit dem Kirchenbann belegten. Dem Streit vorausgegangen war der so genannte „Filioque-Streit“: Die Diskussion befasste sich mit der Frage, ob der Heilige Geist nur vom Vater oder auch vom Sohn ausgeht. Die römisch-katholische Kirche hält bis heute an am Zusatz des filioque fest: Der Heilige Geist geht aus Gottvater und Sohn hervor. Es ist anzunehmen, dass hinter dieser Streitfrage vor allem auch die Frage stand: Wer steht an der Spitze der Kirche? Theologische Spitzfindigkeiten wurden nur vorgeschoben. Der Papst hat sich in Rom zu einer sehr starken Regionalmacht entwickelt. Das Bündnis zwischen dem Papst und den Franken hat ihn an die Spitze gebracht.

Auch die Kreuzzüge haben das Verhältnis der Lateiner und Byzantiner in Mitleidenschaft gezogen. In der spätbyzantinischen Zeit war man bemüht das Verhältnis zwischen der römisch-katholischen Kirche und der byzantinischen Kirche zu verbessern. Man wollte die liturgischen und dogmatischen Differenzen beseitigen, was allerdings am Widerstand der Bevölkerung und des byzantinischen Klerus scheiterte. Selbst als man sich bereits im 14. Jahrhundert der drohenden osmanischen Gefahr gewahr wurde und der byzantinische Kaiser beim Papst in Rom um Hilfe erbat und ihm im Gegenzug die Kirchenunion angeboten hatte, scheiterte man am Widerstand des byzantinischen Klerus. Erst im Jahre 1965 wurde die Trennung zwischen der Kirche des Ostens und des Westens – zumindest formal – aufgehoben.

Gibt es bezüglich der Herrschaft von Frauen einen Unterschied zwischen Ost und West? Im Westen gab es ja nie eine Kaiserin, in Russland dann schon öfters Zarinnen – könnte das durch den Einfluss von Byzanz so sein?

Anonym

Kaiser

Das kann man nicht sagen. Es gab auch im Westen ab und zu Frauen in Herrschaftspositionen und es war auch in Byzanz keine Institution. Die Kaiserin hatte in Byzanz keinerlei Machtbefugnisse. Ihre Rolle war prinzipiell auf Repräsentation beschränkt. Manchen Kaiserinnen war es aber gelungen am Hof eine aktive Position einzunehmen und Einfluss auf die Politik ihrer Gatten zu üben. (Man denke hier an Kaiserin Theodora, der Gattin von Kaiser Justinian I., im 6. Jahrhundert.) Andere Kaiserinnen übten tatsächlich staatspolitische Funktionen aus, indem sie als Regentinnen für ihre unmündigen Söhne oder als Witwen interimistisch die Herrschaft ausübten. Als Regentinnen konnten sie selbst Gesetze erlassen und die Staatsgeschäfte führen. Vielleicht liegt es auch an der orthodoxen Kirche, die eine pragmatische Einstellung im Gegensatz zur römisch-katholischen Kirche hat, vieles ist hier verhandelbar.

Wie viele Prinzessinnen sind im Laufe der Zeit in den Westen verheiratet worden?

Anonym

Kaiser

Die Zahl ist weniger bedeutend als die Tendenz: Ab dem 11. Jahrhundert ist es nicht ungewöhnlich im höfischen Umfeld auf Frauen aus anderen Kulturkreisen anzutreffen. Umgekehrt gibt es auch Belege, dass byzantinische Mädchen die Ehefrauen zentralasiatischer Ilchane, serbischer Könige, venezianischer Dogen sowie auch babenbergischer Herzöge wurden.

War die Kaiserin Theophanu porphyrgeboren?

Anonym

Kaiser

Porphyrgeboren zu sein, war erst im 10. Jahrhundert bedeutsam und stellte für den Kaiser eine besondere Form der Legitimation dar. Die Porphyra war eine Geburtskammer im Großen Palast in Konstantinopel. Diese Geburtskammer ist seit dem 8. Jahrhundert in Quellen belegt. Der Name rührt daher, weil sowohl der Boden, als auch die Wände vollständig mit purpurfarbenem Marmor vertäfelt gewesen sein sollen.

Vermutet wird, dass durch Kaiser Konstantin VII., der den Beinamen Porphyrogennetos erhielt, dieser Begriff Eingang in die höfische Terminologie fand. Er impliziert, dass man zum innersten Kreis gehört. Daher waren porphyrgeborene Prinzessinnen auch im Westen sehr begehrt.

Woher kommt der Ruf der Feigheit, Hinterlistigkeit, der den Byzantinern zugeschrieben wurde?

Anonym

Geschichte

Die Byzantiner waren in der Politik sehr pragmatisch, da sie meistens an zwei Fronten Krieg führten. Sie führten eine sehr hoch ausgeprägte Geschenkediplomatie (z.B. Seidengewänder, die sehr populär waren). Sie haben beinhart abgewogen, ob sich ein Konflikt lohnt, oder ob sich z.B. ein Freikaufen einer Stadt lohnt – und dann vielleicht noch dazu türkische Söldner engagiert, was für die dort stationierten westlichen Kreuzfahrer natürlich völlig unverständlich war.

Warum wurde Griechisch gesprochen?

Anonym

Alltag

Die meisten haben auch schon bei der Gründung Konstantinopels Griechisch gesprochen. Latein war immer als Verwaltungssprache der Bevölkerung „übergestülpt“ worden. Griechisch war immer die Kultursprache seit dem Hellenismus, es hat hier nie einen groben Bruch gegeben.

Ein richtiges Revival von Griechisch gibt es im Westen erst im 14. Jahrhundert, es wurde vorher kaum gesprochen. Generell war es in beiden Hälften des Römischen Reiches eher exotisch, die andere Sprache zu können. Daher entstanden auch viele Übersetzungsfehler. (Bsp. Byzantinische Kaiserurkunde: wurde zuerst in Griechisch ausgesendet, dann gab es eine kleine Beilage in lateinischer Übersetzung, und dann einen großen lateinischen Text – aus der Notwendigkeit zum Verständnis heraus).

Was ist mit dem „wahren Kreuz“ passiert?

Anonym

Alltag

Es gibt die Splitter von dem „wahren Kreuz“, für das es gehalten wurde.

Die letzten Spuren des Kreuzes verlieren sich in der Schlacht gegen Saladin.

Es gab allerdings auch eine Reihe von Berührungsreliquien, die entstanden waren, als Hölzer an die vermeintlich echten Kreuzpartikel gehalten wurden und somit als eigenständige Reliquien verehrt wurden, da man auch ihnen eine heilende Wirkung zugesprochen hatte. Anfang des 13. Jahrhunderts entdeckten auch die Kreuzfahrer den Reliquienhandel für sich, wonach viele „Kreuzpartikel“ und Berührungsreliquien in alle Teile der Welt gelangten.

(Buch-Empfehlung: Holger Klein, Byzanz, der Westen und das 'wahre' Kreuz: die Geschichte einer Reliquie und ihrer künstlerischen Fassung in Byzanz und im Abendland. (Wiesbaden 2004))

Ist der Kreuzsplitter echt? (Doppelarmiges Reliquienkreuz)

Anonym

Alltag

Sichtreliquien sind nicht unbedingt üblich im Westen – der Westen hatte früher eine andere Einstellung zur Sichtbarkeit. Der Kreuzsplitter könnte eingearbeitet sein. Byzanz hat jedoch einen Umgang mit Reliquien, der für uns im Westen sehr „barock“ ist. Das hat vermutlich auch den Westen beeinflusst. Nach 1200 kommen viele Byzantiner nach Westen, dann ändert sich auch der Umgang mit Reliquien – er wird viel haptischer.

In Byzanz spielte die Verehrung von Reliquien eine wichtige Rolle im öffentlichen und privaten Leben. Die bedeutendste Reliquie war das Heilige Kreuz. Die Legende besagt, dass es der Mutter von Konstantin I. dem Großen, Helena, zu verdanken ist, dass das echte Kreuz in Jerusalem gefunden wurde. Sie soll die aufgefundenen Kreuzfragmente in drei Teile geteilt haben: Demnach verblieb ein Drittel in Jerusalem, ein Drittel nahm Helena mit nach Rom und ein weiteres Drittel machte sie ihrem Sohn Konstantin zum Geschenk.

Ab wann ist Rom kein Verwaltungszentrum mehr?

Anonym

Geschichte

Mit der Gründung Konstantinopels versuchte Konstantin auch vermehrt römische Senatoren in und um Konstantinopel anzusiedeln. Ihnen wurde eigenes Land sowie eigene Getreide-Rationen angeboten. Zu Beginn hatte der oströmische Senat strukturell allerdings mehr Ähnlichkeit mit einem Stadtrat als mit dem Senat in Rom. Konstantins Sohn, Konstantios II. (reg. 337-361) wandelte den oströmischen Senat in eine kaiserliche Körperschaft um, wodurch er dem Senat in Rom gleichgesetzt war. Allmählich hatten immer mehr Personen, Höflinge und Günstlinge den Titel clarissimus verliehen bekommen, wodurch die Anzahl der Mitglieder des Senats auf über 2000 Männer anstieg. Parallel zum oströmischen Senat existierte der Senat in Rom bis zum Jahr 590, als dieser aufgelöst wurde. Fortan existierte nur mehr der Senat in Konstantinopel, wodurch Rom auch seine Bedeutung als Verwaltungssitz allmählich einbüßte.

Ab dem 12. Jahrhundert ist in Rom generell sehr wenig los. Selbiges wird auch von den Zeitgenossen vermerkt. Es ist auch hier die Anschauung, dass Rom nach Konstantinopel transferiert wurde.

Auch aus religiöser Sicht beanspruchte Konstantinopel gegenüber Rom eine zunehmende Vormachtstellung. 381 folgte mit dem Konzil von Konstantinopel die Anerkennung Konstantinopels als Patriarchensitz, wodurch die Gleichrangigkeit mit Rom anerkannt wurde. Ab dem 7. Jahrhundert mit dem Beginn der arabischen Eroberungen verloren die Patriarchate von Alexandria, Antiochia und Jerusalem zunehmend an Bedeutung, wodurch Konstantinopel zum religiösen Zentrum des östlichen Christentums avancierte. Der Konkurrenzkampf zwischen Rom und Konstantinopel blieb weiterhin bestehen. Im 9. Jahrhundert versuchte man Konstantinopels Rang gegenüber Rom durch eine erfundene Gründungslegende zu erhöhen, wonach bereits der Apostel Andreas der erste Vorsteher und somit erste Patriarch einer christlichen Gemeinde in Byzantion, wie Konstantinopel früher hieß, gewesen sein soll.

Was ist an Konstantinopel so anders als an anderen Verwaltungssitzen?

Anonym

Handel

Konstantinopel boomte wahnsinnig. Es hat im Gegensatz zu anderen Verwaltungssitzen eine perfekte, geschützte Lage und gute Häfen. Konstantin machte außerdem gute Werbung zur Ansiedelung von Senatoren. Er hat das strategische und wirtschaftliche Potenzial der Stadt erkannt und zu nutzen gewusst. Die Meerenge zwischen Marmarameer und dem Schwarzen Meer ließ sich von hier aus am besten kontrollieren, was wiederum eine Kontrolle der Handels- und Verkehrswege mit sich brachte.

Während der Völkerwanderung werden andere Städte zerstört, aber Konstantinopel bleibt weitgehend verschont. Es kann sich vom Hinterland gut organisieren, es ist eine gute Versorgung über das Wasser gegeben, ist geschützt durch seine dicken Stadtmauern und gilt als uneinnehmbar. Es ist die größte mittelalterliche Metropole in Europa, es gibt keine, die die Größe von Konstantinopel erreicht. Ende des 5. Jahrhunderts lebten in Konstantinopel etwa 400.000 Menschen.

War das Bekenntnis Konstantins des Großen zum Christentum politisch motiviert oder waren es persönliche Glaubensmotive?

Anonym

Kaiser

Konstantin der Große war äußerst bedeutend, er war der Gründer Konstantinopels und ein Wegbereiter des Christentums. Er war der der erste römische Kaiser, der das Christentum gefördert und bekräftigt hat. Zwar bestanden die spätantiken römischen Strukturen fort, aber im Selbstverständnis der Byzantiner sah man die die Regierungszeit Konstantins I., des Großen (306-337) doch als den Beginn einer neuen Ära an. Sein Bekenntnis zum Christentum wirkt sehr politisch. Wäre er aber persönlich nicht davon überzeigt gewesen, wäre es vermutlich auch schwer umzusetzen gewesen.

Der byzantinische Kaiser hatte zunächst dieselbe Bedeutung inne wie der römische Imperator. Im byzantinischen Selbstverständnis beharrte man auf der Kontinuität in der Nachfolge von Caesar und Augustus zu stehen. Unvereinbar mit der christlichen Ideologie war aber das Selbstverständnis und die Gleichsetzung des Kaisers mit Gott. Hier ist dem Bischof Eusebios von Caesarea im 4. Jahrhundert eine neue Definition der Kaiserwürde gelungen: Konstantin wurde von Gott berufen, um als Kaiser und Diener Gottes auf Erden zum Schutz des Christentums zu herrschen. Es etablierte sich somit der Glaube an das Gottesgnadentum in der byzantinischen Kaiserideologie.

Ob eine Taufe Konstantins am Totenbett tatsächlich so stattgefunden hat, wird in der Wissenschaft heftig diskutiert. Eine späte Taufe war zumindest in der Anfangsphase des Christentums nicht unüblich, zumal man somit möglichst sündenfrei sterben konnte und zuvor keinen Zwängen unterworfen war.

Was ist der Unterschied zur Ausstellung 2012?

Anonym

Ausstellung

Im Jahr 2012 war das Thema, was ist Byzanz und wie hat Byzanz in den Osten gestrahlt.

Jetzt wird die umgekehrte Perspektive thematisiert, wie der Westen Byzanz sieht. Dies spiegelt sich auch in den Leihgaben und in den Leihgebern wider. Bei byzantinischer Kunst ist alles sehr fragmentiert erhalten – von den meisten Institutionen, Kirchen, haben wir nur 1-2 Leihgaben, aber nicht 20.

Es handelt sich um die Geschichte, wie der Westen auf Byzanz blickte, es geht nicht um eine Kunstgeschichte der byzantinischen Welt.

Wie viele Objekte und Leihgeber gibt es in der Ausstellung?

Anonym

Ausstellung

In der Ausstellung werden ca. 300 Leihgaben von 46 Leihgeberinnen, Leihgebern und Sammlungen ausgestellt.

Wie viele Lehrstühle für Byzantinistik gibt es?

Anonym

Wissenswertes

Heute kann man weltweit in ausgewählten Städten Byzantinistik studieren: darunter sind Städte wie München, Köln, Berlin, Münster, Wien aber auch Belgrad, Istanbul, Moskau, Birmingham, London, Oxford, Cambridge, Paris, Rom, Athen, Princeton, Boston und Melbourne. Weltweit gibt es an die 31 Universitätsinstitute und Forschungszentren. Jedes Institut ist dabei auf andere Themenschwerpunkte ausgerichtet. Das Institut für Byzantinistik und Neogräzistik in Wien lehrt die Fächer mit einem gesamtkulturkundlichen Fokus. Demnach finden Themen aus der Linguistik und Sprachdidaktik, der Philologie und Literaturwissenschaft, der Kunst sowie der Geschichte in der gesamten chronologischen Ausdehnung besondere Berücksichtigung in Forschung und Lehre. 

Wie wichtig ist Wien für die Byzantinistik international?

Anonym

Wissenswertes

Sehr, international ist Wien eines der größten und wichtigsten Zentren für Byzantinistik. Eine der größten Fachbereichsbibliotheken (mit rund 150 laufenden Periodica und 43.000 Bänden) befindet sich in Wien, am Institut für Byzantinistik & Neogräzistik der Universität Wien.

Momentan läuft hier an der Abteilung Byzanzforschung am Institut für Mittelalterforschung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ein großes Projekt unter dem Titel „Tabula Imperii Byzantini (TIB)“ das sich zum Ziel setzt das Byzantinische Reich in Landkarten darzustellen – eine Art kommentierter Atlas.

Bereits die Habsburger haben sich damit beschäftigt. Der Österreichische Staat besitzt einen großen Schatz an griechischen Handschriften, darum ist die Beschäftigung damit hier so hoch. Die byzantinische Archäologie ist in Wien allerdings unterrepräsentiert.

Was ist am Plakat abgebildet?

Anonym

Ausstellung

Die Heilige Helena aus dem Bild einer Leihgabe des Germanischen Nationalmuseums: „Kaiser Konstantin und Kaiserin Helena mit dem Kreuz Christi“ ist abgebildet. Die Ikone stammt vermutlich aus dem östlichen Mittelmeerraum und ist spätbyzantinisch, ca. 14./15. Jhdt. Angelo Monne hat im Hof und in der Ausstellung bekannte Hafenstädte illustriert, Venedig wurde als Hintergrund verwendet.

Seit wann gibt es den Begriff „Byzantinisch“?

Anonym

Geschichte

Ab dem 16. Jhdt. Eigentlich verwendeten die Byzantiner selbst den Begriff „Römer“ oder „Rhomäer“. Die Byzantiner haben sich auch nach der Hinwendung zum Christentum auch weiterhin als Nachfolgestaat des Römischen Reiches betrachtet. Das Byzantinische Reich ist folglich geprägt durch die römische Staatsorganisation, die griechische Sprache und Kultur und die christliche Religion.
Der Begriff der „Byzantiner“ entstand im 16. Jahrhundert aus dem Begriff „Oströmer“. Er ist ein Kunstbegriff, der der Bevölkerungsgruppe von außen übergestülpt wurde. „Byzanz“ als Bezeichnung für das Oströmische Reich hat sich auch im 16. Jahrhundert durchgesetzt. Der Begriff wurde von dem deutschen humanistischen Gelehrten Hieronymus Wolf (1516-1580) geprägt.
Als Begründer der modernen wissenschaftlichen Byzantinistik im 19. Jahrhundert gilt Karl Krumbacher (1856 – 1909). Er hatte 1897 den ersten Lehrstuhl für Byzantinistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München inne. Im Vergleich dazu wurde in Wien das Institut für Byzantinistik erst im Jahre 1962 durch Herbert Hunger begründet.

Prof. Dr. Beate Böhlendorf-Arslan

Prof. Dr. Beate Böhlendorf-Arslan

Forschungsschwerpunkte: Alltag in Byzanz, Entwicklung von Städten und Dörfern in Byzanz, Siedlungs- und Landschaftsarchäologie in Kleinasien, Keramik, Kleinfunde (Werkzeug, Waffen, Schmuck und andere Alltagsgegenstände), Glas und Münzen

Studium der Vor- und Frühgeschichte, Christlichen Archäologie und Byzantinischen Kunstgeschichte und Vorderasiatischen Archäologie in Heidelberg, Istanbul und Tübingen (Abschluss Magistra Artium mit dem Thema „Die byzantinische Siedlung auf dem Beşiktepe / Türkei“)

Promotion in Heidelberg (Dissertation über „Die glasierte byzantinische und in der byzantinischen Tradition stehende Keramik in der Türkei“

Habilitation in Mainz (Habilitationsschrift „Die mittelbyzantinische Siedlung in Boğazköy. Fallstudie zum Alltagsleben in einem anatolischen Dorf zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert.

Seit 2006 Leitung eines Feldsurveys in der Türkei zur Erforschung des „Spätantiken und byzantinischen Lebens im Naturraum südliche Troas“

Seit 2007 verantwortliche Mitarbeit und seit 2013 Leiterin eines Forschungsprojektes (gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft) zur „Entwicklung der Stadt Assos (Türkei) in der spätantiken und byzantinischen Zeit

Berufliche Stationen:
Assistenz-Professorin in Çanakkele (Türkei)
Wissenschaftliche Mitarbeiterin in Freiburg, in Cottbus und Mainz (an der Universität und am Römisch Germanischen Zentralmuseum)
aktuell: Professorin für Christliche Archäologie und Byzantinische Kunstgeschichte an der Philipps-Universität Marburg

Dr. Jérémie Chameroy

Dr. Jérémie Chameroy

1976 in Paris geboren, studierte Jérémie Chameroy Geschichte und Archäologie an der Pariser Sorbonne, an der Philipps-Universität in Marburg sowie an der J.W. Goethe Universität in Frankfurt, wo er 2007 über die Münzprägung der Kaiser der valentinianischen Dynastie (364-383) promovierte. Seit 2011 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Kurator der Münzsammlung im Römisch-Germanischen Zentralmuseum (Mainz). Im Auftrag des Deutschen Archäologischen Instituts übernahm er 2008 die Bestimmung und Aufnahme der Fundmünzen der DAI-Grabung in Pergamon. Seine Forschungsinteressen gelten der Münzwirtschaft im hellenistischen Kleinasien sowie im spätantiken bzw. frühmittelalterlichen Westen - mit einer besonderen Vorliebe für die Produktion und Zirkulation von Imitationen und Fälschungen von Münzen im Mediterranen Raum.

© A. Stockhammer

Prof. Dr. Falko Daim

Prof. Dr. Falko Daim

Geboren am 28. Februar 1953 in Wien. 

Studium der Ur- und Frühgeschichte sowie mittelalterlicher und neuerer Geschichte an der Universität Wien, Promotion zum Dr. phil. 1976.

Habilitiert 1986

Universitätsprofessor 1992

Vorstand des Interdisziplinären Forschungsinstituts der Universität Wien (VIAS Vienna Institute for Archaeological Science) 2000

Seit 1. November 2003 Generaldirektor des RGZM

Initiator des WissenschaftsCampus Mainz: Byzanz zwischen Orient und Okzident und mehrerer Großausstellungen, darunter 2001 „Sein und Sinn – Burg und Mensch“ (Burg Ottenstein und Schloss Waldreichs), 2010 „Byzanz - Pracht und Alltag“ (Bundeskunsthalle Bonn), 2012 „Das goldene Byzanz und der Orient“ (Schallaburg).

© A. Stockhammer

Dr. Jörg Drauschke

Dr. Jörg Drauschke

Jörg Drauschke studierte seit 1994 an den Universitäten Göttingen und Freiburg Ur- und Frühgeschichte, Mittelalterliche Geschichte sowie Geologie und wurde 2005 mit einer Dissertation zum Thema „Zwischen Handel und Geschenk – Studien zur Distribution von Waren im östlichen Merowingerreich des 6. und 7. Jahrhunderts anhand orientalischer und lokaler Produkte“ in Freiburg promoviert. Nach einer ersten beruflichen Station am Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg koordinierte er von 2006 bis 2011 die Kooperation „Byzantinische Archäologie Mainz“ des RGZM und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Dem „Leibniz-WissenschaftsCampus Mainz: Byzanz zwischen Orient und Okzident“ gehört er seit 2011 als Vorstandsmitglied an. Er war wissenschaftlicher Koordinator der Ausstellung „Byzanz – Pracht und Alltag“, die 2010 in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn gezeigt wurde und übernahm danach die Stelle des Kurators für die frühmittelalterlichen Bestände des RGZM. Seit 2015 ist er Leiter des Arbeitsbereichs Sammlungen.

Forschungsthemen:

Frühbyzantinische Archäologie (v. a. Kleinfunde), spätantike und frühmittelalterliche Archäologie in Mittel- und Westeuropa, Kontakte, Handel und Austausch zwischen Byzanz und dem Westen vom 5. bis 8. Jahrhundert, Handwerk in Byzanz und dem Westen (Buntmetall, Glas)

 

Dr. Dominik Heher

Dr. Dominik Heher

Geboren 1984 in Melk, studierte Byzantinistik und Neogräzistik und die Unterrichtsfächer Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung sowie Italienisch an der Universität Wien, wo er auch promovierte.

Seit 2010 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz. Gemeinsam mit Falko Daim kuratierte Heher 2012 die Ausstellung „Das Goldene Byzanz & der Orient“ auf der Schallaburg und nun auch das Folgeprojekt „Byzanz & der Westen. 1000 vergessene Jahre“.

Daneben ist er aktuell an einem Forschungsprojekt zur Erfassung mittelalterlicher Anlegestellen entlang der Küsten der Balkanhalbinsel beteiligt. Seine sonstigen Forschungsschwerpunkte betreffen das byzantinische Zeremoniell und politische Rituale.

o. Univ.Prof. emer. Dr. Dr. h.c. mult. Johannes Koder

o. Univ.Prof. emer. Dr. Dr. h.c. mult. Johannes Koder

1960-1965 Studium an der Universität Wien, Hauptfach Byzantinistik, Nebenfächer Arabistik, Gräzistik, 1965 Dr. phil., Postdoc Studien 1967 Athen, 1970/71 München, 1973 Habilitation “Byzantinistik”, 1977-1978  ao. Prof. Universität Wien, 1978-1985  Prof. Universität Mainz, 1985-2010  o. Prof., Universität Wien

wirkl. Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, auswärtiges Mitglied der Akademie Athen, Mitglied der Academia Europaea

Dr. h.c. der Universitäten Athen, Ioannina und Thrakien

2007-2009 interim. Direktor Österreich.  Archäolog. Institut 

2008-2009 Grabungsleiter  Ephesos

2012-2016 Präsident der Association Internationale des Études Byzantines

2002-2008 Senior Fellow Byzantine Studies in Dumbarton Oaks (Washington)

1996  Kommandeur des Phönix-Ordens der Hellenischen Republik – 2004  Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich – 2010  Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse

12 Monographien und Sammelbände, ca. 240 Artikel, ca. 70 Kurzbeiträge.

Forschungsschwerpunkte: Historische Geographie, bes. Siedlungs-, Wirtschafts- und Bevölkerungsgeschichte des östlichen Mittelmeerraumes im Mittelalter Byzantinisches Alltagsleben, bes. Ernährungskunde, Logistik Östliches Mönchtum und Hymnographie

Univ.-Prof. Dr. Andreas Külzer

Univ.-Prof. Dr. Andreas Külzer

Geboren am 29. Dezember 1962 in Leverkusen, Deutschland.

1984 bis 1993 Studium der Byzantinistik, der Alten Geschichte, der Mittelalterlichen und Neueren Geschichte an der Universität zu Köln

Studien in Archäologie, Kunstgeschichte, Klassischer Philologie und Ethnologie.

1990 Magister Artium, 1993 Promotion, 1999 Habilitation, 2007 apl. Univ. Professor für Byzantinische Geschichte und Literatur an der Universität zu Köln.

Seit 1997 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien; Mitarbeiter des Langzeitprojektes Tabula Imperii Byzantini, Projektleiter „Kleinasien“, Senior Scientist.

Vorstandsmitglied der Österreichischen Byzantinischen Gesellschaft, Mitglied im Österreichischen Nationalkomitee an der Association Internationale des Études Byzantines

Forschungsinteressen: Byzantinische Geschichte und Literatur / Historische Geographie / Häfen und maritime Netzwerke / Pilgerwesen / Anatolien.

Dr. Johannes Preiser-Kapeller

Dr. Johannes Preiser-Kapeller

Geboren 1977 in Zwettl (NÖ). Er studierte Byzantinistik und Neogräzistik sowie Alte Geschichte in Wien und promovierte 2006 mit einer Dissertation zur byzantinischen Kirche.

Seit 2007 ist er an der Abteilung Byzanzforschung (Institut für Mittelalterforschung) der Österreichische Akademie der Wissenschaften tätig, war aber auch an Projekten der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und des Römisch-Germanischen Zentralmuseums beteiligt.

Seine Forschungsschwerpunkte sind die byzantinische Geschichte in der globalen Verflechtung und im Vergleich, Umwelt- und Klimageschichte sowie Netzwerk- und Komplexitätsforschung. Seine jüngste Publikation „Jenseits von Rom und Karl dem Großen“ (2018) beschäftigt sich mit den Beziehungen zwischen Byzanz und anderen Weltregionen zwischen dem 4. und 9. Jahrhundert.

Einen Überblick zu seinen Forschungen bieten die Internetseiten http://johannespreiserkapeller.academia.edu/ und https://www.dasanderemittelalter.net/

© Barbara Mair

Prof. Dr. Claudia Rapp w.M. FBA

Prof. Dr. Claudia Rapp w.M. FBA

Seit 2011 Professorin für Byzantinistik an der Universität Wien und seit 2012 Leiterin der Abteilung Byzanzforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Sie ist Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und korrespondierendes Mitglied der British Academy, des Deutschen Archäologischen Insituts und der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. 2015 wurde ihr der Wittgenstein-Preis zuerkannt.

Nach dem Studium in Berlin und der Promotion in Oxford lehrte sie 22 Jahre in den USA, zuerst an der Cornell University, dann an der University of California, Los Angeles. Gastprofessuren und Forschungsstipendien führten sie u.a. nach Princeton, Utrecht, Budapest, Jerusalem, Oxford und Paris.

Ihr Forschungsgebiet ist die Sozial- und Kulturgeschichte in Spätantike und Byzanz.

Mit ihren Teams widmet sie sich der Forschung zu Mobilität, Mikrostrukturen und persönlichen Handlungsspielräumen, zu den byzantinischen Gebetbüchern als Quelle für die Sozial- und Alltagsgeschichte, und zu den Palimpsesthandschriften in der Bibliothek des Katharinenklosters im Sinai.

© Barbara Mair

Priv.-Doz. Mag. Dr. Andreas Rhoby

Priv.-Doz. Mag. Dr. Andreas Rhoby

Geb. 1974, studierte Byzantinistik und Neogräzistik, Geschichte sowie Deutsch als Fremdsprache an den Universitäten Wien und Athen. Die Ausbildung zum „akademischen Balkanologen“ erfolgte am Institut für den Donauraum und Mitteleuropa.

Er ist Mitarbeiter an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Institut für Mittelalterforschung, und stellvertretender Leiter der Abteilung Byzanzforschung. Er ist außerdem Privatdozent an der Universität Wien und Chair der Kommission Corpus Fontium Historiae Byzantinae (CFHB) und einer der Koordinatoren der Kommission Inscriptiones Graecae Aevi Byzantini (IGAB) der Association Internationale des Études Byzantines (AIEB).

Er ist Autor zahlreicher Monographien und von ca. 100 Aufsätzen und Herausgeber mehrerer Sammelbände. Seine wissenschaftlichen Interessen sind byzantinische Literatur (vor allem Dichtung), Epigraphik, Lexikographie, Byzanz und Österreich und allgemein byzantinische Kulturgeschichte.

© Marion Rath, Wien

Susanne Rühling M.A.

Susanne Rühling, MA

Nach ihrer ersten Ausbildung in Verfahrenstechnik, absolvierte Susanne Rühling, MA ein Studium der Vor- und Frühgeschichtlichen Archäologie, Kunstgeschichte und Orientalischen Kunstgeschichte in Mainz und Bonn, das sie mit einer Magisterarbeit abschloss. Der Titel ihrer Magisterarbeit lautet: Pan im Buchsbaum - ein Syrinxfund aus Titz-Ameln und beschäftigt sich mit archäologischen Funden von Panflöten aus den nördlichen Provinzen des römischen Reiches.

Als Managerin des bekannten Musiklabels Emmuty Records (www.emmuty.de) für historische und traditionelle Musik hat sie zahlreiche Aufnahmen, Musikgruppen und Projekte begleitet.

Eines ihrer eigenen Projekte ist das Ensemble für frühe Musik Musica Romana (www.musica-romana.de), welches seit seiner Gründung zahlreiche Auftritte in Museen, Universitäten und Konzerthallen in ganz Europa absolviert hat. Es entstanden zahlreiche Aufnahmen für Alben, Radio, Filme und Ausstellungen. Die Gruppe erhielt große Aufmerksamkeit in der internationalen Presse und ihre Musik wird u.a. in didaktischen Materialien für Schulen und Universitäten verwendet.

Zurzeit beschäftigt sie sich mit Richtlinien und Konzepten zur Wiederaufführungspraxis in der Musikarchäologie, sowie deren Umsetzung in der Vermittlung an Museen und Schulen. 

© Marion Rath, Wien

Dr. des. Jessica Schmidt

Dr. des. Jessica Schmidt

Studierte Christliche Archäologie und Byzantinische Kunstgeschichte, Kunstgeschichte sowie Philosophie an der Johannes Gutenberg-Universität, Mainz (JGU, Mainz). Sie promovierte zum Thema „Die spätbyzantinischen Wandmalereien des Theodor Daniel und Michael Veneris – Eine Untersuchung zu den Werken und der Vernetzung von zwei kretischen Malern“. 

Zwischen den Jahren 2013 und 2016 war sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt „Dokumentation und Auswertung der griechischen Inschriften Kretas (13.-17. Jh.)“. 

Seit 2016 ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin von Generaldirektor Prof. Dr. Falko Daim am Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM, Mainz).

Seit 2018 ist sie Koordinatorin des DFG-SPP 1630 Häfen (Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf, Schleswig / Römisch-Germanisches Zentralmuseum Forschungsinstitut für Archäologie, Mainz).

PD Mag. Dr. Alexandra-Kyriaki Wassiliou-Seibt

PD Mag. Dr. Alexandra-Kyriaki Wassiliou-Seibt

Akademische Abschlüsse (Ort, Jahr):
Mag. phil. (Byzantinistik u. Neogräzistik/MA in Neogräzistik, Geschichte), Wien, 1995
Dr. phil. (Byzantinistik), Wien, 1998
Habilitation (Byzantinistik), Wien, 2014

Wichtige vorherige Karrierestationen (incl. Auslandsaufenthalte):
Washington, D.C., Dumbarton Oaks, Summer Fellowship 2009
Paris, Université Catholique, IFEB, Forschungsaufenthalt Februar 2014
Univ. Ioannina/Griechenland, Visiting Professor via Erasmus, March 2014 and April 2017
Seit 2003 Mitglied des Editorial Board des internationalen Publikationsorgans Studies in Byzantine Sigillography  (gegründet von Nikos Oikonomides)
Seit 2016 Hauptherausgeberin des oben genannten Publikationsorgans
Seit 2014 externes Mitglied der Evaluierungskommission des Department for History and Archeology/University of Ioannina
Seit 2017 externes Mitglied der Evaluierungskommission des Department for History and Ethnology/Democritus University/Komotini, Greece
Seit 2009 Leiterin des Siegelprojekts an der ABF
Seit März 2017 gewählte A. O. Prof. für Byzantinische Geschichte und Sigillographie an der Aristoteles Universität Thessaloniki. Voraussichtlicher Dienstantritt: Oktober 2018

Seit 1999 wissenschaftliche Mitarbeiterin (zunächst via FWF, seit Juli 2007 unbefristet) der ÖAW/ABF.

Derzeitige Einstufung: Senior Staff Scientist (50% Dienstverhältnis)

Derzeitiges Forschungsprojekt: Byzantinische Siegelkunde

Wichtige Publikationen:
Die byzantinischen Bleisiegel in Österreich, 2. Teil, Zentral- und Provinzialverwaltung. Wien 2004 (zusammen mit Werner Seibt, Projektleiter und zweiter Autor)
Corpus der byzantinischen Siegel mit metrischen Legenden. Bd. 1 (Einleitung, Siegellegenden von Alpha bis inklusive My). WBS 28/1 (Wien 2011). Bd. 2 (Siegellegenden von Ny bis inklusive Sphragisma) WBS 28/2 (Wien 2016)
Der byzantinische Mensch in seinem Umfeld. Weitere Bleisiegel der Sammlung Zarnitz im Museum August Kestner. Rahden/Westfalen 2015 (zusammen mit Werner Seibt, zweiter Autor)