Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Sektionen

.

Projekte

Projekte

Die Instandhaltung und Sanierung der Schallaburg ist eine Herausforderung. Was aber bedeutet es, die Schallaburg denkmalgerecht zu erhalten? Ziel ist eine nachhaltige Sanierung, die mit Blick auf die Entstehungszeit Rücksicht auf die Bausubstanz und die historische Architektur nimmt. Dabei kommen traditionelle Handwerkstechniken und seit alters bewährte Materialien wie Kalk oder Ölfarben zum Einsatz.

Geschichte + Bauforschung

Grundlagen der Sanierung

Die Anforderungen an Pflege und Erhaltung sind aufgrund der historischen Entwicklung der Schallaburg und ihrer wechselhaften Baugeschichte sehr unterschiedlich.

Die Schallaburg kann auf eine bewegte Baugeschichte verweisen: Von den ältesten Teilen der mittelalterlichen Wohnburg aus dem 11. Jahrhundert über die beiden renaissancezeitlichen Höfe mit Turm und Terrakotten aus dem 16. Jahrhundert bis hin zu Umbauten in den letzten Jahren reicht das historische Spektrum. Jeder Eingriff in die Substanz, jede Sanierungsmaßnahme steht hier im Spannungsfeld von denkmalgerechter Verträglichkeit, technischer Machbarkeit und bauphysikalischer Sinnhaftigkeit.

Sanierungsmaßnahmen

Aufgrund der historischen Entwicklung der Schallaburg und ihrer wechselhaften Baugeschichte sind die Anforderungen an Pflege und Erhaltung sehr unterschiedlich: Von den ältesten Teilen der mittelalterlichen Wohnburg aus dem 11. Jahrhundert über die beiden renaissancezeitlichen Höfe mit Turm und Terrakotten aus dem 16. Jahrhundert bis hin zu Umbauten der letzten Jahren reicht das historische Spektrum.

Jeder Eingriff in die Substanz, jede Sanierungsmaßnahme steht stets im Spannungsfeld von denkmalgerechter Verträglichkeit, technischer Machbarkeit und bauphysikalischer Sinnhaftigkeit.

Grundsätze für Sanierungen auf der Schallaburg

Von 1968 an wurde die Schallaburg komplett saniert und 1974 der Öffentlichkeit als Ausstellungszentrum zugänglich gemacht. Die bis heute erfolgten Sanierungen sind sehr gut dokumentiert, Sanierungserfolge und -misserfolge deutlich erkennbar. Daraus zog man auf der Schallaburg die Lehre. Nicht für die Ewigkeit sanieren, sondern in Pflege halten, lautet heute der Anspruch. Sanierungen müssen also so ausgeführt werden, dass das Gebäude in der Folge mit wenig Aufwand gepflegt und damit seine Lebensdauer verlängert werden kann. Die Schallaburg verschreibt sich einer nachhaltigen, sanften Sanierung, bei der traditionelle Handwerkstechniken und altbewährte Materialien wie Kalk oder Ölfarben zum Einsatz kommen.

Für eine so weitläufige und vielfältige Anlage wie die Schallaburg gibt es keine Sanierungslösung, die sich am ganzen Areal durchziehen lässt.

Sanieren in traditioneller Technik

Zementhaltige Sanierputze aus der Bauindustrie verhindern die Dampfdurchlässigkeit von Fassaden. Der neu aufgebrachte Putz wird zwar nicht mehr feucht, da er nach außen vollständig abdichtet. Die Nässe bleibt aber im Mauerwerk und steigt in weiterer Folge entweder höher hinauf, um darüber liegende Fassadenteile zu zerstören, oder zersetzt schrittweise das Mauerwerk. Schadensbilder der Schallaburg dokumentieren, dass oft nur mehr der betonharte Sanierputz die Mauer zusammenhält – die historischen Ziegel dahinter lösen sich auf.

Schmiedearbeit mit Ölfarben

Um zu vermeiden, dass unvorsichtige Besucher abstürzen könnten, wurde ein Schmied beauftragt, ein Gitterfenster für eine Öffnung der Ziegelmauer entlang des Gartens anzufertigen und zu montieren. Dieses Gitterfenster sollte zudem als Musterarbeit dienen, um den Einsatz von Ölanstrichen im Außenbereich zu testen und Kosten für weitere solcher Absturzsicherungen sowie für die Sanierung bestehender Gitter zu erheben.

Befestigung in der Ziegelwand

Vor geraumer Zeit waren Handläufe von Stiegen mittels Schnellzements oder Klebern in einem vorgebohrten Loch befestigt worden. Nach einigen Jahren hatten sich typische Schäden wie ausgebrochene Ziegelteile, abgesprengte Putzstücke oder gesprungene Ziegel rund um die Klebestellen gezeigt. Sowohl Zemente als auch Kleber waren über die Jahre „hart wie Beton“ geworden, und die Spannungen im Metall infolge des Wechsels von kalten und warmen Jahreszeiten hatten sich direkt auf das viel weichere Mauerwerk übertragen. Diese Kräfte hatten das historische Ziegelmaterial auf Dauer zerstört.

Für die Sanierung griff Schmiedemeister Siegfried Peter Steiner aus Stockenboi in Kärnten auf altbewährte Handwerkstechniken zurück: Das Gitter wurde an drei Seiten mittels Kalkmörtels (Sand, Sumpfkalk, Wasser, keine Zuschlagstoffe, vor allem kein Zement) in den vorgebohrten Löchern befestigt und an einer Seite mit Blei eingegossen. Der Vorteil dieser Bearbeitung: Kalkmörtel ist weicher als das umgebende Mauerwerk und verursacht daher keine Zerstörungen; das Blei federt temperaturbedingte Spannungen des Metalls ab, und der Ziegel bleibt ebenso wie die umgebende Putzschicht unbeschadet.

Beschichtung: Ölfarbe statt Lack oder Verzinken

Herkömmliche Schmiede oder Schlosser raten oft zum Verzinken und anschließenden Lackieren von Metall. Solcherart besteht zwar Korrosionsschutz, doch kann Wasser in kleine Ritzen eindringen, wodurch das Metall unter der Lackschicht zu rosten beginnt. Zusätzlich altert der Lack und platzt ab. Er muss vollständig abgeschliffen und neu aufgebracht werden. Um diese Arbeit zu beschleunigen, wird dazu oftmals das Gitter aus der Befestigung genommen und später wieder neu eingeklebt: ein nicht notwendiger Eingriff. Besonders fatal wirkt es sich aus, wenn man das Gitter zur vollständigen Entfernung von Lack und Korrosion noch sandstrahlt. So wird die härteste Schicht des Metalls mit abgetragen und ein späteres Rosten durch feine Haarrisse sowie die durch das Bearbeiten des Metalls vergrößerte Oberfläche zusätzlich beschleunigt.

Die hier gewählte Lösung bestand darin, das geschmiedete Gitter unbehandelt einzubauen und vor Ort durch einen mehrschichtigen Anstrich zuerst vor Korrosion zu schützen, um dann die gewünschte Farbe auf Ölbasis aufzubringen. Der Schmied wählte dazu Bleimennige als Korrosionsschutz, danach einen zweimaligen Ölanstrich und zuletzt einen Anstrich mit Standöl. Einmal jährlich wird das Gitter nun mit einem in Leinöl getränkten Fetzen abgewischt und aufgefrischt. Etwaige Schäden können die Hausarbeiter mit Ölfarben selbst ausbessern.

Fazit: Höhere Investitionskosten, aber große Ersparnis auf lange Sicht

Die Kosten für die Musterarbeit lagen um rund 25 Prozent über jenen einer herkömmlichen Beschichtung und Verklebung. Würde vor Ort eine größere Anzahl von Gittern gefertigt werden, so ließen sich die Mehrkosten sicher auf zirka zehn bis 15 Prozent senken. Langfristig würden mit der gewählten Lösung allerdings erhebliche Einsparungen erzielt, da die Aufwendungen für die weitere Pflege weitaus geringer ausfielen und die Kosten für die aufwendige Sanierung von Zerstörungen am Mauerwerk komplett wegfielen.

Konservierung von Ruinen

Gemeinsam mit dem Informations- und Weiterbildungszentrum Baudenkmalpflege Kartause Mauerbach des Bundesdenkmalamtes organisierte die Schallaburg 2012 einen „Workshop zur Konservierung von Mischmauerwerk bei Ruinen und Umfassungsmauern“. Der inhaltliche Schwerpunkt lag auf den Themen Konservierung und Mauerkronensicherung. Als Anschauungsobjekt diente die in den 1570er-Jahren errichtete Schießstätte der Schallaburg, die vom Schloss aus gesehen leicht erhöht hinter dem Garten liegt. An diesem konkreten Beispiel erfolgten abwechselnd praktische Arbeiten auf der Baustelle, Fachvorträge darüber bzw. der Austausch zwischen Expertinnen und Experten zum Generalthema Ruinenkonservierung.

Bauhistorischer Hintergrund

Bauforschungen und historische Recherchen in den Jahren 2010 und 2011 haben die bauhistorische Bedeutung der Schießstätte für die Schallaburg noch einmal eindrucksvoll untermauert. Der Erhaltungszustand der Anlage ist einzigartig, ihr Charakter infolge direkter Bewitterung und Niederschlags vor allem im Bereich der Mauerkronen und Zinnen jedoch stark gefährdet.

2011 wurde zunächst der Bewuchs entfernt und schließlich eine Notüberdachung der gesamten Anlage sowie eine statische Sicherung der Ostmauer vorgenommen. Weitere Konservierungsmaßnahmen wurden für dringend notwendig erachtet und teilweise bereits projektiert. Deren Schwerpunkt sollte auf der Konservierung der Mauerkronen liegen. Hier galt es insbesondere technische Probleme (etwa: Sind Ziegel in der Krone stark durch Frost gefährdet?) und Fragen der Ästhetik (Wie soll das Bauwerk nach der Sanierung aussehen, was soll man von der Sanierung erkennen?) zu lösen. Da es für die Sanierung von Anlagen mit derart hohem Ziegelanteil in der Mauerkrone keine Patentrezepte gibt, wurde gemeinsam mit dem Bundesdenkmalamt der genannte Workshop initiiert.

Forum für Expertinnen und Experten

Der Workshop, der sich an geladene Expertinnen und Experten aus dem Bereich Denkmalpflege und Sanierung im Altbau richtete, stand unter der fachlichen Leitung von HR DI Walter Hauser vom Bundesdenkmalamt, Landeskonservatorat für Tirol, und Restaurator Hannes Weißenbach, dem die Kursleitung oblag. Eingeladen waren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Firmen aus dem Bereich Denkmalpflege, Restauratorinnen und Denkmalpfleger, Planer und Architektinnen sowie mit Bau- und Konservierungsaufgaben befasste Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter öffentlicher und privater Einrichtungen.

Ergebnisse

Im Workshop wurden die fachlichen Grundlagen für die notwendige Sanierung und Konservierung der Schießstätte erarbeitet – eine wichtige Unterstützung für die Planung und die Definition des Zieles der Restaurierung und der Sanierungsmaßnahmen.
Darüber hinaus suchte man nach für andere Denkmäler ableitbaren Erkenntnissen. Am 14. September 2012 wurde ein „Tag der offenen Baustelle“ abgehalten, um die gewonnenen Erfahrungen zu verbreiten, die Ergebnisse zu präsentieren und vor allem über die Übertragbarkeit auf andere Denkmäler zu diskutieren.

Forschungsprojekt: Terrakotta brennen wie in der Renaissance

Anfang 2013 rief die Schallaburg ein neues Forschungsprojekt ins Leben, um die massiven Terrakottaelemente nach historischem Vorbild herzustellen.
Für die praktische Durchführung des Projekts, das im September und Oktober 2013  über die Bühne ging, engagierte man den Bildhauer und Restaurator Josef Uiberlacher. Entsprechend den Sanierungsgrundsätzen der Schallaburg, nur mit dem Altbestand verträgliche Materialien zuzulassen, wurden die Terrakotten, so wie schon 1573 bei ihrer Entstehung, im Holzofen gebrannt. Dafür gilt es den Ofen langsam auf 900 bis 950 Grad Celsius zu werden. Um den Brennverlauf genau kontrollieren zu können, wird die Temperatur innerhalb des Ofens mithilfe eines Temperaturfühlers gemessen.

Sanierung des Gerichtsstöckls

Nach der Sanierung der Gartenmauer war im Dezember 2012 das jenseits des Turniershofs gelegene Gerichtsstöckl an der Reihe, das ebenso wie das „Neue Schloss“ – im 16. Jahrhundert für Wirtschafts- und Verwaltungszwecke errichtet worden war. Die Mauern der Räume im Erdgeschoß des Gerichtsstöckls waren derart durchfeuchtet, dass zum einen innen und außen der Putz abzufallen begonnen hatte und dass wegen der Feuchte- und Geruchsbelastung eine Benutzung der Zimmer im Erdgeschoß unmöglich war. Einer der Gründe für die starke Feuchtebelastung im Inneren: Eine Betonmauer mitsamt einbetonierter Pflasterung vor dem Mauerfuß hatte verhindert, dass die Mauer nach außen abtrocknen konnte. Die aus dem Boden aufsteigende Feuchtigkeit war daher in der Mauer geblieben oder in das Gebäudeinnere gedrungen. Betonteil und Pflasterung wurden in der Folge entfernt.

Als erste Sanierungsmaßnahme trug die Baufirma Kiss den Putz im Erdgeschoß – eine Art Sanierputz aus den 1980er-Jahren – innen und außen zur Gänze ab. Historische Putze waren keine mehr zu finden; sie dürften bereits bei früheren Sanierungen entfernt worden sein.

In der Folge wurden innen alle Beton- und Fliesenböden und um das Gebäude herum die Pflastersteine entfernt und bis auf Tiefe des Fundamentes aufgegraben. So blieb das Gebäude stehen, um auszutrocknen. Parallel dazu wurden weitere Sanierungsschritte erarbeitet.

Sanierung der Gartenmauer

Die im 16. Jahrhundert errichteten Einfriedungen zeigten sich durch Witterung und die Wurzeln des Efeus bis in die Mauerkrone stark beschädigt. Zwei verschiedene Gegenmaßnahmen wurden gesetzt: Bei der vom Gartentor Richtung Schloss führenden Mauer richtete man die Mauerkrone her. Die Ziegel wurden zunächst abgehoben, dann alle Wurzeln entfernt und schließlich die Ziegel wieder vermauert. Damit Regenwasser abfließen kann und keine Frostschäden an der Krone entstehen, wurde obenauf ein kleines Dach gemauert.

Die vom Gartentor Richtung Gerichtsstöckl verlaufende kurze Mauer ließ sich hingegen nicht mehr erhalten. Im Laufe der zumindest 430 Jahre ihres Bestehens hatte sie sich stark nach außen geneigt, wogegen auch die vermutlich aus den 1960ern stammenden Stützpfeiler nichts mehr ausrichteten. Im September 2012 wurde sie zur Gänze abgetragen, neu fundamentiert und mit dem vorhandenen alten Ziegelmaterial die Mauer wieder aufgestellt.