Das wertvollste Exponat der Schallaburg ist zweifellos das Renaissancejuwel selbst, was auch an der wechselhaften und spannenden Geschichte des Herrschaftssitzes deutlich wird.
Die ältesten Teile der Burg gehen auf die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts zurück. Der Palas, auch das "Feste Haus" genannt, zählt heute zu einer der ältesten erhaltenen Wohnbauten Österreichs. Die Errichtung des Palas und der dazugehörigen Ringmauer, der so genannten "Bering", sowie der romanische Kapelle werden Sieghard dem X. aus dem Geschlechte der Sieghardinger zugeschrieben. Die erste urkundliche Erwähnung 1121 der Schallaburg ist mit seinem Sohn, Graf Sieghard XI. verbunden, der bereits den Beinamen "zu Schal(l)a" trug. Ebenso wie vom "Festen Haus", sind auch von der romanischem Schlosskapelle nur mehr Teile erhalten: Teile der Außenmauer, die Krypta und zwei Fenster aus dem gotischen Umbau.
Nach dem Tod des letzten Grafen von Schal(l)a fiel das Schloss wechselnden Besitzern zu. 1450 erbte das wohlhabende Geschlecht der Losensteiner die Burg. Christoph Losenstein begann mit dem Neubau des dreiflügeligen Renaissanceschlosses, starb jedoch 1558, ehe der Bau fertig gestellt war. Sein Sohn Hans Wilhelm vollendete das große Werk. Neuerungen waren ihm nicht fremd, er gründete in Loosdorf eine "Hohe Schule" für die protestantische Jugend und machte die Schallaburg im 16. Jahrhundert zum Zentrum der Protestanten in Niederösterreich. Nach dem Vorbild italienischer Palazzi schufen sich die Losensteiner einen Herrensitz, dessen beeindruckende Silhouette heute weithin zu sehen ist. Von 1572 bis 1600 wurde neben dem Turniergarten auch der große Arkadenhof mit seinen repräsentativen zweigeschossigen Laubengängen und dem einzigartigen Terrakotta-Schmuck errichtet.Die Terrakottareliefs und –skulpturen, bestehend aus etwa 1.600 Einzelteilen, stammen vom Halleiner Hafnermeister Jakob Bernecker und stellen mythologische Szenen, zahlreiche Wappen in gemalter wie plastischer Form, Fabelwesen, Masken und Fratzen dar. Auch das Hundefräulein ist unter den Terrakotten verewigt. Einer Sage nach war die Geburt eines Mädchens mit Hundekopf und Hundepfoten nur eine von vielen unheimlichen Begebenheiten rund um einen blutigen Bruderzwist der Losensteiner. Der Geist des Hundefräuleins soll noch heute die Schallaburg heimsuchen und den Tod eines Burgbewohners ankündigen.
Der Arkadengang diente zur Repräsentation. Hier wurden Gäste empfangen. Er war Rahmen für künstlerische Darbietungen war. Der Hochturm, der die Schallaburg von weitem ankündigt, hatte nie eine Wehrfunktion inne, sondern diente ausschließlich als Machtsymbol. Darunter ist jene Kapelle in der in einem Hochgrab Wilhelm von Losenstein beigesetzt ist.
Nach seinem Tod 1601 hinterließ Hans Wilhelm von Losenstein seinem Sohn Georg Christoph viele Schulden. Sein Schwiegervater Georg von Stubenberg übernahm daher die Schallaburg. Sein Nachfolger, der Barockdichter Johann Wilhelm von Stubenberg, baute das Schloss aus, sah sich angesichts der Gegenreformation jedoch gezwungen, die bisher protestantische Schallaburg 1660 an die katholische Familie Kletzl von Altenach aus dem Elsass zu verkaufen. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts war die Schallaburg bis 1940 im Eigentum der Freiherren von Tinti. Durch den Kauf der Burg durch den deutschen Baron Nagel-Domik 1940 wurde die Schallaburg 1945 als deutsches Eigentum beschlagnahmt und in die russische Verwaltung eingegliedert.
1955 erhielt die Republik Österreich mit der Unterzeichnung des Österreichischen Staatsvertrags das Kulturjuwel zurück. Mit dem Erwerb der Schallaburg durch das Land Niederösterreich 1968 begannen umfangreiche Umbau- und Restaurierungsmaßnahmen, die am 17. Mai 1974 abgeschlossen werden konnten. Seitdem hat sich die Schallaburg als Ausstellungszentrum auf internationalem Niveau etabliert, das weit über die Grenzen Niederösterreichs hinaus wirkt.
geöffnet: 23. März bis 10. November 2013
MO-FR: 9 bis 17 Uhr; SA, SO, FEI: 9 bis 18 Uhr
(Kassaschluss 1 Stunde vor Schließung)
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Renaissanceschloss Schallaburg
3382 Schallaburg 1, Austria
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