Die Geschichte des schönsten Renaissanceschlosses nördlich der Alpen


Italienische Renaissance zwischen Voralpenland und Donaustrand



 Burg StichDie Schallaburg war ein Zentrum des Protestantismus südlich der Donau und ist der Rahmen für große Ausstellungen des Landes Niederösterreich.


Als Erbauer des ältesten Teiles der Schallaburg gilt ein Schwiegersohn des Babenbergerherzogs Leopold II.: das sogenannte „Feste Haus“ mit fünf Geschossen und dem großen Rittersaal (heute eine gesicherte Ruine) geht auf diesen Grafen namens Sighard von Schalla, gestorben 1142, zurück. Mit seinem Tod starb das Geschlecht aus.
Ebenso wie vom „Festen haus“, sind auch von der romanischem Schlosskapelle nur mehr Teile erhalten: Teile der Außenmauer, die Krypta und zwei Fenster aus dem gotischen Umbau.
Die Burg fiel an die Landesherren, die sie als Lehen an verdienstvolle Geschlechter, darunter die Zelkinger, vergaben. Nach verwirrenden Besitzverhältnissen erbte um 1450 das alte Ministerialengeschlecht der Losensteiner den Besitz. Christoph Losenstein begann mit dem Neubau des dreiflügeligen Renaissanceschlosses, starb jedoch 1558, ehe der Bau fertig gestellt war. Sein Sohn Hans Wilhelm vollendete das große Werk und wird auch als geistiger Vater des berühmten Arkadenhofs mit den Terrakotten bezeichnet. Neuerungen waren ihm nicht fremd, er gründete in Loosdorf eine „Hohe Schule“ für die protestantische Jugend und machte die Schallaburg zum Zentrum der Protestanten in Niederösterreich. Das heutige Aussehen verdankt die Schallaburg dem in Padua humanistisch ausgebildeten Hans Wilhelm von Losenstein, der seine Herrschaft zu einem der führenden Zentren der Reformation in Niederösterreich machte.

Von 1572 - 1600 wurde neben dem weitläufigen Turnierhof der Große Arkadenhof errichtet. An zwei Seiten des Hofes befinden sich zweigeschossige Laubengänge mit reichem, aus etwa 1600 Einzelteilen bestehendem Terrakottaschmuck. Männliche und weibliche Hermenpilaster, reicher bildnerischer Renaissance-Schmuck, zahlreiche Wappen in gemalter wie plastischer Form ergeben eine lebendige Szenerie von Fabelwesen, mythologischen Szenen, Göttern, Masken und Fratzen. Diese ikonographische Mischung allerdings ergibt eine Ordnung: die antiken Helden dienen als Vorbilder der Losenstein`schen Familie, gestützt durch die Allegorie der freien Künste, der Tugenden und der Wissenschaft. Die Terrakottareliefs und –skulpturen stammen vom Halleiner Hafnermeister Jakob Bernecker. Der Arkadengang diente zur Repräsentation. Hier wurden Gäste empfangen, sowie er der Rahmen für künstlerische Darbietungen war.
Der Hochturm, der die Schallaburg von weitem ankündigt, hatte nie eine Wehrfunktion inne, sondern diente als Machtsymbol. Darunter ist die Kapelle in der in einem Hochgrab Wilhelm von Losenstein begraben liegt.

Nach dem Tod von Wilhelm von Losenstein im Jahre 1601 ging der verschuldete Besitz bald an die steirischen Stubenberger, denen mehrere Schlossherren folgten. Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts war die Schallaburg bis 1940 im Eigentum der Freiherren von Tinti. Die russische Einquartierung nach dem Zweiten Weltkrieg hinterließ ihre Spuren, und auch in den folgenden Jahren verfiel das Schloss zusehends. 1968, nun im Besitz des Landes Niederösterreich, wurde mit Sanierungsarbeiten begonnen, durch die die historisch und kunsthistorisch bedeutende Schallaburg der Nachwelt erhalten werden konnte.
Das Land Niederösterreich nützt die Schallaburg für große Ausstellungen, mit einem weiten Spektrum an Themen – von der erfolgreichen Ausstellung „Österreich ist frei“ (anlässlich der 50. Wiederkehr des Staatsvertrages 2005) über Zeitgeist (die Fünfziger Jahre) und historische Themen wie die der Kreuzritter, bis zu völkerkundlichen Schauen.